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berufen wurde, Benutzte ein Mann, der sich jedenfalls verstedt gehalten hatte, die Zwischenzeit dazu, Mantel und Seitengewehr des Beamten zu stehlen. In dem Mantel befanden sich die Schlüssel zu dem Schranke des Ratsdieners, und der Eindringling öffnete mit ihnen das Behält= nis, dem er eine kleine Kaffette mit 10 M entnahm. Ein 18jähriger Schreiber störte ihn bei seinem Geschäft, erhielt aber einen solchen Fußtritt vor den Unterleib, daß er be= wußtlos zusammenbrach. Dann entledigte sich der Mann des Seitengewehres und Mantels und entfam aus dem Rathaus ins Freie, im Straßengewühl verschwindend.
Der jüngste Flieger. In dem Kampfe um die Eroberung der Luft beansprucht auch dte Jugend ihren Anteil. Mit lebhafter Verwunderung wurden die Freunde der Fliegekunst in Rheims in diesen Tagen Zeugen eines ungewohnten Anblicks: im Aerodrom bestieg ein Knabe eine Flugmaschine. Es war der kleine, 12 Jahre alte Sohn des Flugmaschinentechnikers Henriot, der kleine Marcel Henriot, der auf der Flugmaschine seines Vaters einen Flug unternahm und zum Erstaunen aller Anwesenden den Apparat sicher zu handhaben wußte.
Professionelle Brantjungfern. Eine verwitwete Dame der englischen Gesellschaft ist auf den glücklichen Gedanken verfallen, eine Agentur zur Vermittlung professioneller Brautjungfern zu gründen. Sie hat sich im fashionablen Westendstadtviertel etabliert und verleiht"( wenn man so sagen darf) junge und hübsche Brautjungfern nach voraufgegangener Bestellung gegen eine mäßige Gebühr. Die ge= schäftliche Seite dieses Arrangements wickelt sich in den einfachsten Grenzen ab. Es ist nur nötig, 3ett und Stunde sowie die Zahl der gewünschten Brautjungfern zu bestim= men, und sie treffen am bewußten Tage und Orte pünktlich ein. Die durchschnittliche Gebühr beträgt eine Guinee ( 21 M) pro Brautjungfer, aber solche mit besonders kostbaren Roben erheben natürlich weit höhere Ansprüche. Findet die Trauung in einer Provinzstadt oder auf dem Lande statt, so werden auch Fahrgeld und Fahrzeit angerechnet. Die Brautjungfern sind auf ihren Beruf" besonders vorgebildet und es wird so die Gewähr geleistet, daß etwaige Störungen oder Zwischenfälle bei der Trauung nicht vorkommen.
Verschüttete Bergleute. Auf dem Schacht 5 der Zeche Holland bei Gelsenkirchen, der gegenwärtig abgetenft wird, sind, wie wir schon in einem Teile der gestrigen Ausgabe meldeten, sechs Bergleute verschüttet worden. Die Bergleute konnten sich anscheinend in eine Mauernische retten. Die Rettungsarbeiten wurden sofort energisch aufgenom= men. Sämtliche sechs verschüttete Bergleute waren gestern abend noch am Leben. Die Rettungsmannschaft ist guter Zuversicht, daß ihr das schwierige Werf der Rettung ge= lingen wird, wenn nicht unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten. Es ist eine Lattensicherung in den Unglücksschacht eingebaut worden, um eine Gefahr für die Rettungsmannschaft zu beseitigen. Gleichzeitig ist der Bau eines Querschlages von der Schachtanlage aus in Angriff genommen worden.. Dieser Querschlag muß eine Länge von 18 Metern erhalten und wird voraussichtlich in vier Tagen fertiggestellt sein. Solange werden die Verschütteten allerdings in ihrem Gefängnis verharren müssen. Die Arbeiten schreiten nur langsam vorwärts. Es muß mit großer Vorficht gearbeitet werden, da ein Nachfall von Gesteinsmassen zu einer Katastrophe für die Rettungsmannschaft führen kann. Trotzdem arbeitet man mit allen Kräften, da man befürchtet, daß die verschütteten Bergleute ungenügende Luftzufuhr haben.
Sturmwetter in Frankreich. Stürme und Regengüsse, begleitet von schweren Gewittern, suchen ganz Frankreich heim. An verschiedenen Orten war es tagsüber nachtdunkel. An den Küsten und dem Kanal befürchtet man den Untergang von Barken. Matrosen wurden über Bord gespült, und da das Ablassen von Rettungsbooten unmöglich ist, mußten sie ertrinken. Die Seine steigt rapid, und die Unterbrechung der Schiffahrt steht bevor. Schwere Unwetter wüteten auch in den letzten Tagen an der Küste des Atlantischen Ozeans. Die Inseln Molene und Quessant kön= nen wegen des hohen Seeganges seit einigen Tagen nicht mehr verproviantiert werden. Bei Bordeaur ging eine Fischerbark unter, wobei vier Mann ertranken. Aus der Champagne werden verschiedene Erdstöße gemeldet.
Eine Ausstellung gegen die Minderwertigkeit des Weibes". Die russischen Frauenrechtlerinnen veranstalten eine Ausstellung, die sich gegen die Männer richtet, welche beHaupten, daß die Frau dem Manne gegenüber geistig minderwertig set. Es werden alle Erfindungen, die von Frauen gemacht worden sind, zusammengeholt, sowie alle berühmten Bilder, die von Frauen gemalt worden sind, desgleichen alle Bildhauerarbeiten, welche aufzutreiben sind, und alle großen wissenschaftlichen Leistungen. Die Sammlung soll ein stummer und doch beredter Protest sein. Die Zahl der Werke ist allerdings nicht sehr groß, wenn sie auf Be= deutung Anspruch machen wollen. Immerhin werden die Arbeiten der Madame Curie, der berühmten Radiumforscherin, einen Gipfelpunkt moderner Wissenschaft darstellen. Die Romane der Selma Lagerlöf und der Recarda Huch follen beweisen, daß bedeutende Dichterinnen vorhanden sind. Die Bildhauerei, die Malerei und die Musik, die von den Frauen sehr stark gepflegt werden, haben allerdinas keine große Vertreterinnen zu senden. Aus der Vergangenheit wird das Bild der Frau Rat Goethe die Ausstellung zieren. In der Regierungskunst soll Maria Therefia und Katharina von Rußland die Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern bezeugen.
Pferdefleisch und Hundefleisch in Deutschland. Neulich hat ein englisches freihändlerisches Blatt einen Korrespondenten nach dem sächsischen Industriebezirk entsandt, der über eine ungeheuere Verbreitung des Konsums von Pferde- und Hundefleisch unter der dortigen Bevölkerung in folge der Lebensmittelteuerung berichtet. Danach sollen in Chemnitz allein jährlich zwei Millionen Pfund Pferdefleisch konsumiert werden, neben einem starken Verbrauch von Hundefleisch. Gegenüber den übertriebenen Darstellungen in der englischen Presse, die neuerdings auch in Deutschland ein Echo finden, ist es wohl am Blaze, die Ausdehnung des Genusses von Pferdefleisch und Hundefleisch in ganz Deutschland kennen zu lernen. In den letzten Jahren betrug nach amtlichen Ermittelungen die Anzahl der Schlachtungen von Pferden und Hunden in ganz Deutschland: 1905: Pferde 146 627, Hunde 6 156, 1906: Pferde 146 576, Hunde 6521, 1907: Pferde 135 775, Hunde 6-461, 1908: Pferde 136 575, Sunde 6362. Aus der Zusammenstellung geht deutlich hervor, daß die Zahl der Pferdeund Hundeschlachtungen in letzter Zeit in Deutschland abgenommen hat. Bei Annahme eines Schlachtgewichtes von 20 Pfund pro Hund stellt sich der gesamte Konsum von Hundefleisch in Deutschland bei einer fährlichen Schlachtung von 7000 Stüd auf rund 140 000 Pfund im Jahre. Im Königreich Sachsen ist der Konsum von Hundefleisch leider noch ziemlich verbreitet und beträgt 60 Prozent des gesamten deutschen Verbrauchs.
Der zerstreute Edison. Von dem Zauberer von Menlo Park, Thomas A. Edison, wird ein hübsches Geschichtchen erzählt, das auf die große Zerstreutheit( richtiger vielleicht allzugroße Gedankenkonzentrierung) des Erfinders ein bezeichnendes Licht wirft. Es war vor ein paar Tagen. Edison soll dem Jahresbankett der Vertreter der Gesellschaften beiwohnen, die seine Patente verwerten. Die Geschäftsteilhaber des Enfinders, die seine Zerstreutheit kannten, prägten ihm ein, daß er um fünf Uhr des Nachmittags im Frad und rasiert sich bereit halten solle. Mr. Dyer, sein Vertreter, würde dann im Automobil bei ihm porsprechen und ihn nach Neuhork fahren. Um fünf Uhr fuhr Mr. Dyer vor der Villa im Menlo Park vor und entdeckte daß Edison sein Versprechen vollständig vergessen
hatte. Er war in seinem Modellraum eifrig am Wert, in schmußige Arbeitskleider gehüllt. Gile tat not. Mr. Dher raffte Edisons Abendkleidung zusammen, warf sie in den Wagen und den Erfinder hinterher. Während der Automobilfahrt nach Neuhork wurde Thomas Edison von feinem Manager dann so gut wie irgend möglich herausge putt. Etwas Aehnliches passierte auch bei dem vorigen Jahresbankett. Edison erschien nicht, und als man bei ihm zu Hause nachforschte, stellte es sich heraus, daß er sich feit 24 Stunden nicht hatte sehen lassen. Sofort wurde bas ganze Laboratorium abgesucht. In einem verlassenen Raume im Keller wurde schließlich Edison entdeckt; dort hatte er seit 24 Stunden ununterbrochen gearbeitet. Als man ihm erzählte, daß die Gäste auf ihn warteten, wusch sich Edison einfach Gesicht und Hände und betrat im Ar beitsanzug das Speisezimmer. Er begrüßte turz die Versammlung, lehnte sich bequem in den Sessel zurück und fiel bald in festen Schlaf. So hielt er es während des ganzen Banketts und ließ sich auch nicht durch den Toast, der auf ihn ausgebracht wurde, wecken.
Aus der sächsischen Oberlausitz wird der„ Magdeb. 3tg." geschrieben: In einem Dorfe tst deutscher Unterricht. Der Lehrer behandelt den Unterschied in der Schreibweise der Worte Pflug, Fluch und Flug und läßt zu diesem Zwecke von seinen Schülern Säße bilden. Schon hat einer der Kleinen mit Stolz die erste Lösung:„ Mit dem Pflug tun mer ackern" gefunden, und mit dem Aussagen des bekann= ten Spruches von des Vaters Segen" und der„ Mutter Fluch" ist auch die zweite Klippe glücklich überwunden.- Und nun noch einen Satz mit dem Worte Flug". Wer bildet thn?" ruft der Lehrer in die Klasse. Langes, tiefes Schweigen. Da hebt sich auf einer der letzten Bänke ein Fingerchen, und auf ein Zeichen des Lehrers verkündet der fleine Sprachkünstler strahlend im Bewußtsein seines Wissens:„ Der Flug hupvt im Batte!"( d. i. verdolmetscht: Der Floh hüpft im Bette!! Schau'n S', Frau MeyUnter Kaffeeschwestern... er, mir geht's auch so wie Ihnen. Ich bin ebenfalls leine Freundin von Besuchen. Wie ich merke, daß jemand fommt, geh' ich schnell selber wohin auf Besuch.
Bech. Gatte( Amtsvorstand): ,, Der neue Assistent, der am 1. Januar hierherkommt, soll ein sehr vernünftiger junger Mann sein." Gattin: ,, Ach Gott, wir haben schon ein rechtes Pech! Der nimmt dann unsere Therese auch wieder nicht."
Spuren von Andree?
Vor einigen Tagen ging das Gerücht um, daß sich wieder einige Eskimos gemeldet hätten, die Andrees Ballon gesehen haben wollen. Jeßt sind brieflich mehrere Einzelheiten darüber nach London gesandt worden. Es scheint den Berichten doch soviel Bedeutung beigemessen zu werden, daß die dänische Regierung sich bereit erklärt hat, eine Expedition auszusenden, die zusehen soll, ob sich Spuren der unglücklichen Nordpolfahrer finden lassen. Dieses Mal soll der Ballon in der Nähe des sogenannten Renntiersees in den arktischen Regionen gesehen worden sein, und man will die Ueberreste sogar gefunden haben. Der katholische Missionar Turquetit hat einen Bericht darüber an den Bischof Pascal in Alberta geschickt, und er berichtet, daß der Ballon an einer Stelle 900 englische Meilen nördlich von Alberta gefunden wurde. Der Missionar war aufd em Wege nach einer Ansiedelung der Chippowa- In dianer, die am Renntiersee liegt und sieben Tagereisen von Fort Churchill entfernt ist. Die Geschichte von dem Ballon kam ganz zufällig heraus. Der Priester hatte nämlich einen Revolver bet sich, und als einer der E3timos denselben sah, sagte er erstaunt, das Ding sehe gerade so aus wie etwas, was die anderen weißen Männer gehabt hätten." Pater Turquetit fragte, was für einen weißen Mann sie schon gesehen hätten, aber der Eskimo meigerte sich, weitere Auskunft zu geben. Später gelang es den Indianern, die Eskimos zu überreden, ihr Geheimnis zu verraten, und diese erzählten dann, daß ein weißes Haus vom Himmel gefallen set, und daß sich drei weiße Männer darin befunden hätten. Viele Stricke hätten von dem Haus heruntergehangen. Die drei Weißen seien bald gestorben, und ihre Stricke würden noch immer von den Estimos benußt. Der Missionar sagt in dem Bericht an seinen Bischof, er habe sofort bemerkt, daß die Estimos etwas zu verheimlichen hätten. Er ist der Ansicht, daß Andree und seine Genossen wahrscheinlich Renntiere töteten, und daß die Eskimos sie deshalb erschlugen. Merkwürdigerweise scheint diese Geschichte auch von anderer Seite noch bestätigt zu werden. Ein alter Mann, der selt 57 Jahren den Good Hope- Bosten" am Mackenzie- River inne hat, berichtet nämlich, daß zu der Beit, wo die Eskimos das weiße Haus sahen, eines Tages alle die Indianer aus dem Distrikt auf den Posten gelaufen tamen und berichteten, daß sie einen großen leuchtenden Stern ziemlich niedrig über ihren Hütten hätten dahinfliegen sehen. Sie hätten Stimmen von Menschen in dem Stern gehört, und dieser sei dicht über ihren Belten gewesen. Sie konnten den leuchtenden Gegenstand mehrere Stunden lang sehen. Leute, die die Indianer und Eskimos in diesen Distrikten tennen, erklären, daß, wenn eine solche Geschichte auf einmal in weiter Verbreitung unter diesen Stämmen auftritt, man sicher damit rechnen kann, daß ein gut Teil davon Wahrheit ist.
Der Brand des türkischen Parlamentsgebäudes.
Das Gebäude des jungen türkischen Parlaments, in dem gestern vormittag, wie schon telegraphisch berichtet, ein Brand entstand, ist durch das schnell um sich greifende Feuer vollständig zerstört worden. Erst nachmittags ge= gen 5 Uhr war es gelungen, das Feuer zu lokalisieren. Die, gesamte Einrichtung des Palastes ist zerstört; nur die Umfassungsmauern sind zum Teil erhalten. Die erste Annahme, daß der Parlamentsbrand bei einer Explosion der Heizungsanlagen ausgebrochen sei, wird nicht allgemein geteilt. Der Präsident der Kammer und die Minister halten es für ausgeschlossen und meinen, daß jedenfalls nur infolge des Verschuldens von Parlamentsangestellten das Feuer solche Dimensionen annehmen konnte. Augenzeugen behaupten, daß das Feuer gleichzeitig an mehreren Stellen Eine Untersuchung wurde zum Ausbruch gekommen sei. eingeleitet. Immer hartnäckiger verbreitet sich das Gerücht, daß Brandstiftung vorliege; es heißt, daß mehrere Verdächtige verhafttet sind. Aus der Provinz laufen Beileidsdepeschen ein. Der Präsident der Kammer hat die Deputierten für Sonnabend zu einer Sitzung behufs In Vorlegung des Regierungsprogramms einberufen. welchem Lokal die Sigung abgehalten werden wird, ist noch nicht bekannt, wahrscheinlich in dem dem Parlamentsgebäude gegenüberliegenden Deputiertenklub. Den gestrigen Nachmittag verwandten die Minister dazu, ein passendes Gebäude zu suchen. Für den Senat wurde ein kaiserlicher Kiosk am Goldenen Horn ausgewählt; die Kammer dürfte im alten Postgebäude oder, was wahrscheinlicher ist, im Museum in Stambul tagen. Allgemein fiel die Teilnahmslosigkeit der Bevölkerungsschichten auf, während in der Stadt große Erregung herrscht, und der Brand als ein nationales Unglück angesehen wird. Bei dem Brande sind auch die Parlamentsakten größtenteils verbrannt. Das Gebäude war nicht versichert. Der Schaden be= läuft sich auf zehn Millionen Pfund.
Der zerstörte Palast.
Das türkische Parlamentsgebäude ist der Mitteltrakt eines ausaedehnten Gebäudekompleres, der feive Nordfront
dem großen Platz an der Hagia Sofia, feine Südfrout mit dem imposanten Säulenschmucke dem Marmarameere zuwendet und außerdem das Ministerium der frommen Stif= tungen und die Handelsgerichte beherbergt. Der Mittelbau des Parlamentshauses wird zur Hälfte vom Saal eingenommen, zur Hälfte von drei weiteren nicht sehr großen Räumen: einer Vorhalle im Parterre, der Deputiertenfammer im ersten Stock und dem Senatssaal im zweiten. Ein dunkler Korridor durchschneidet die Etagen und ver= bindet die 17 Zimmer, die sich in feder befinden. In den Seitenbauten sind die Räume, die dem Präsidium, dem Sefretariat und den Kommissionen als Amtszimmer dienen. Der Sibungssaal wird durch die Bänke und Pulte für 216 Abgeordnete eingenommen. Die Decke des niedrigen Saales starrt von f.ffettierten Feldern in bunten Farben. Der Präsidentensitz ist erhöht, darunter ist das Rednerpult. An den beiden Schmalseiten des rechteckigen Saales sind die Logen in zwei Etagen übereinander angebracht. Sie sind klein und für den Sultan, die Diplomaten, die hohen Beamten und die Pressevertreter bestimmt. Der Senatssaal ist anmutig ausgemalt, er erinnert fast an die Aula einer vornehmen Lehranstalt. Die 75 Senatoren finden drei zu drei auf kleinen gepolsterten Bänken Platz, die mit weißem Samt überzogen sind. Der Präsidententisch steht dem Fenster gegenüber, so daß die Senatoren den Lichtöffnungen den Rücken zukehren und nicht in Versuchung kommen, sich durch den Blick nach außen zu zerstreuen, denn die Aussicht auf das Marmarameer. Kleinasiens Küste, und die Prinzeninseln war das Schönste an dem ganzen Parlamentsaebäude.
Drabtnachrichten und Deaestes.
Jubiläum von Zentrumsparlamentariern.
0 Berlin, 20. Januar. Zu Ehren der Abgeordneten v. Strombeck, Spahn und Hibe, die 25 Jahre lang der Zentrumsfraktion des Reichstags angehören, fand gestern ein Festeffen statt, bei dem der Fraktionsvorsißende Freiherr v. Hertling die Verdienste der Jubilare feierte, Die verschütteten Ruhrberglente.
Bochum, 20. Januar. Wenn auch die sechs Verschütteten in der Nacht noch bestimmt am Leben waren, so ließen sich doch nur schwache Lebenszeichen vernehmen. Die Rettungsarbeiten wurden die ganze Nacht fortgesetzt.
Gelsenkirchen, 20. Januar. Die Arbeiten zur Nettung der auf der Zeche Holland Verschütteten sind erfolglos gewesen, da gestern abend ein erneuter Einsturz erfolgte Die Verunglückten geben keine Lebenszeichen mehr. Die Hoffnung, fie noch lebend zu bergen, ist sehr gering. Man versucht, von einer anderen Stelle aus zu den Verunglückten zu gelangen, doch dürfte der Durchbruch erst in etwa fieben Tagen gelingen. Hochwasser.
Sigmaringen, 20. Januar. Der untere Teil der Stadt steht vollständig unter Wasser, so daß die Brücken in Gefahr sind, fortgeschwemmt zu werden. Es mußten Notbrücken geschlagen werden.
Trier, 20. Januar. Die Mosel und Saar haben einen Wasserstand, wie seit Jahren nicht mehr. In Trier zeigte der Pegel heute früh 8 Uhr 5 Meter. Die Schiffahrt ruht vollständig; die Inseln sind verschwunden. Einige Landstraßen stehen bereits unter Waffer.
Ein ungetrener Gerichtsvollzieher.
Duisburg, 20. Januar. Das Schwurgericht verurteilte den Gerichtsvollzieher Heßler wegen Unterschlagung amtlicher Gelder in Höhe von zirka 4000 Mt. und wegen Urkundenfälschung zu Monaten Gefängnis. Heßler war in eine Spielergesellschaft geraten, wobei er an einem Abend allein 700 Mk. verlor.
Englische Wahlergebnisse.
London, 20. Januar. Die Untonisten zählen bisher 123, die Liberalen 108, die Arbeiterpartei 21 und die Natio= nalisten 44 Mandate. Es ergibt sich bis jetzt ein Gewinn von 53 Mandaten für die Unionisten, von 13 für die Liberalen und von 2 für die Arbeiterpartei. In 228 Wahlkreisen sind die Mandate unverändert geblieben.
Grubenunglück in Gnaland.
London, 20. Januar. In dem Kohlenbergwerk Hattonrigg bei Dellshill wurden durch Absturz einer Förderschale acht Bergarbeiter getötet.
Militärischer Verrat.
Wien, 20. Januar. In der Samstag- Nacht wurde hier unter geheimnisvollen Umständen eine Militärperson, wie bereits gemeldet, verhaftet. Ueber die Angelegenheit dringt fast nichts in die Oeffentlichkeit. Wie nun von infor mierter Seite verlautet, ist die betreffende Person ein Artilleriebeamter, welcher in einer Munitionsfabrik in der Nähe von Wienerneustadt angestellt war. Der Militärbeamte hat eine Anzahl von Geschoßteilen der neuen österreichischen Artilleriegeschosse an Italien verkauft und da durch Konstruktionsdetails verraten. Bei den entwendeten Geschoßteilen handelt es sich um eine Erfindung, welche es ermöglicht, beim Schrappnellgeschoß durch eine größere Sprengwirkung eine größere Anzahl von Sprengstücken zu
erzeugen.
Mentereiaffäre.
Kopenhagen, 20. Januar. Eine ernste Meuterei hat sich in der Kaserne des in Odense garnisonierenden Infanterieregiments ereignet. Einem Teil der Mannschaft war der Nachturlaub verweigert worden. Gegen 10 1hr abends zeigte sich, daß 82 Mann die Kaserne ohne Urlaubsschein verlassen hatten und erst spät nachts fehrten sie zurück. Es ist festgestellt, daß eine Anzahl der Soldaten außerhalb der Kaserne standen und jeden der Kameraden mit Prügel bedrohten, der vor 10 Uhr in die Kaserne zurückkehren wollte. Die Aufwiegler wurden verhaftet. Untersuchung ist im Gange.
Opfer der See.
Rom, 20. Januar. An der Südküste von Pratico stran dete ein Dampfschiff. Die See spülte 24 Leichen an Land. An dem aus dem Wasser ragenden Wrack sollen sich noch Baffagiere befinden, deren Rettung bisher wegen des herrschenden Sturmes unmöglich war.
Das Apachentum im französischen Heere. Paris, 20. Januor. In Orleansville überfielen die Soldaten auf der Straße einen Zivilarzt und einen Militärarzt; der erstere würde leicht verwundet. Die Untersuchung ergab, daß die Täter mehrfach vorbestrafte Apachen find.
Schwere Brandkatastrophe.
Philadelphia, 20. Januar. Heute vormittag brach in einer hiesigen Kleiderfabrik Feuer aus. Mehrere Arbeiterinnen sprangen aus dem Fenster, wobei drei Mädchen tödlich verunglückten, während 12 in das Krankenhaus gebracht werden mußten. Wie es heißt, sind viele Arbeiterinnen in den Flammen umgekommen. Bisher wurden fünf Leichen geborgen.
Handel und Verkehr.
Die Verkehrseinnahmen der deutschen Eisenbahncu. Die Steigerung der Verkehrseinnahmen deutscher Eisenbahnen hat sich im Dezember fortgesetzt und in dem letzten Monat des Jahres eine außerordentliche Höhe erreicht. Es wurden vereinnahmt aus dem Personenverkehr 53,78 ( plus 3,17) Millionen Mund aus dem Güterverkehr 135,38 ( plus 15,06) Millionen M. Das Güterverkehrsplus ist das höchste Monatsplus des ganzen Jahres und übertrifft noch das nächsthöchste vom November um 5 Millionen M. Leipziger Vormesse. Der Rat der Stadt Leipzig gibt bekannt, daß die Leipziger Vormesse für Musterlager und und Musterkollektionen am Montag, 7. März, beginnt und am Sonnabend, 19. März endet.


