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Rundschau vom Cage.

Politisches.

Herr von Schön beim Kaiser. Der Kaiser konferierte gestern im Auswärtigen Amt mit dem Staatssekretär Frei­Herrn von Schön.

Der Unterstaatssekretär im Reichatchakam Wirst. Geh. Rat Twele, der seit längerer Zeit leidend ist, ist seinem Wunsche entsprechend von der Wahrnehmung seines der= zeitigen Amtes entbunden und unter Verleihung des Kro­nenordens 1. Klasse einstweilen zur Disposition gestellt worden. An seine Stelle ist, wie verlautet, der Direktor im Reichsschazamt Kühn zum Unterstaatssekretär ernannt worden.

Zur Beurteilung der Lage des Handwerks liefert die Untersuchung, die der Hallenser Nationalökonom J. Con­rad im neuesten Hefte der Jahrbücher für Nationalöko­nomie und Statistik" veröffentlicht, etnen sehr beachtens­werten Beitrag. Conrad gelangt darin auf Grund der letzten deutschen gewerblichen Betriebserhebung zu folgen­dem Ergebnis: Eine Verdrängung des Handwerks in ir­gend einer bedenklichen Weise tritt nirgends hervor; die Reduktion der Alleinbetriebe war nur mäßig, sicher den Verhältnissen entsprechend und ohne volkswirtschaftlichen Schaden. Der Klein- und Mittelbetrieb erlitt nur unbe­deutende Einbuße, und nur da, wo der Großbetrieb ande­res oder mehr zu leisten vermochte als jener. Eine inter­stützung des bisherigen Pessimismus in der Mittelstands­frage hat die neueste Erhebung unzweifelhaft nicht geboten."

Zwei neuerliche Angriffe auf das Auswärtige Amt wetst die Nordd. Allg. 3tg." zurück. In dem einen Falle handelt es sich um Entschädigungsansprüche eines Herrn Sunkel aus dem Transvaalkrieg, in dem anderen um die Beschwer­den eines Fräuleins Lairty, das als Maschinenstickerin in 11trecht von einem Arzt zu unsittlichen Zwecken in Bewußt= losigkeit versetzt und dadurch gesundheitlich schwer geschädigt fein will. In beiden Fällen hat das Auswärtige Amt seine Schuldigkeit vollauf getan.

Die Mannesmann- Angelegenheit wird erst im Deut­schen Reichstage ihre Klärung erfahren, nachdem die Brüder Mannesmann die Darstellung des Sachverhalts durch das Weißbuch der Regierung angefochten und wiederholt be­tont haben, daß die deutsche Regierung, im Gegensatz zu denjenigen aller anderen Staaten, die Berechtigung der In­teressen der deutschen Firma Mannesmann nicht aner­kannt hat. Da auch der Fall Haß, trotz der Regierungsauf­klärungen noch fortgesetzt erörtert wird, so darf man sich bet der Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes auf eine Extrabebatte gefaßt machen.

Das nene franzöfifche Schulgeset. Die vom französt­schen Unterrichtsminister Doumergue in der Kammer ange­kündigten neuen Maßregeln für das Schulwesen bestehen vornehmlich in der Einführung eines weitgehenden staat­lichen Aufsichtsrechts über Privatschulen. Das neue Gesetz wird die Prüfung der Lehrbücher für Privatschulen dem Staate übertragen, ebenso das Recht, Lehrpersonal abzu­Ichnen. Dies bedeutet tatsächlich das Ende der klerikalen Schulen.

Die Wahlen in England führen zu so zahlreichen Sie­gen der konservativen Kandidaten, daß den Liberalen bange zu werden beginnt. Zwar befürchten sie nicht die Majorität im Unterhause zu verlieren; aber sie schränken ihre Hoff­nungen auf einen glänzenden Wahlsteg mehr und mehr ein. Bemerkenswert ist die außerordentlich starke Wahlbeteilig= ung, die allerdings nur die Folge des ungewöhnlich hef= tigen Wahlkampfes und der im ganzen Lande verbreiteten Erkenntnis ist, daß bei der diesmaligen Wahl die wichtig­sten Interessen auf dem Sptele stehen und daß die Entschei­dung darüber fallen soll, ob England Schußzollstaat werden oder Freihandelsstaat bleiben wird.

Silmi Paschas Europarelse. Der frühere türkische Großwesir Hilmi Pascha, der vor 14 Tagen durch Hakki Pascha ersetzt wurde, ist in Paris eingetroffen. Er wird ungefähr zwei Monate dort bleiben und dann seine Rund­reise nach Wien, Berlin, Petersburg, London und Rom unternehmen. Die politische Rolle Hilmi Paschas ist noch nicht zu Ende; es heißt, daß er nach seiner Rückkehr nach Konstantinopel; die wahrscheinlich erst in einigen Monaten erfolgen wird, wieder die politische Arena betreten werde. 150 151

Kleine Darichten.

Preußische Kriegerstiftung Wilhelm 2. Am 18. Januar wurden aus den Zinsen diefer Stiftung 609 Kriegsveteranen und Hinterbliebene von Kriegsveteranen mit 13,500 Mart be­dacht. Unter den Veteranen sind noch 124 Kriensinvaliden von 1848-49, die eine jährliche Unterstützung von je 40 Mark erhalten. Die einzelnen Beträge sind den Kriegervereinen, denen die Unterstützten anaehören, augesandt worden.

Der frühere Reichsbaut- Bizepräsident Exzellenz Gallenkamp ist gestern morgen in seiner Wohnung in Char­loftenburg nach zehntägigem Krantenlager in 78. Lebensjahre gestorben. Mit Gallenkamp ist ein hochverdienter Beamter dabingegangen, dessen Name mit der Geschichte der Reichsbank umauslöseblich verbunden ist.

Der älteste deutsche Arzt. Geboren in dem Bismarck­labre 1815, beschließt der Nestor der deutschen Aerzte, General­arat a. D. Medizinalrat Dr. Baschen in Ludwigsluft in Meck­lenburg, morgen, am 21. Januar, fein 95. Lebensjahr.

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地理

Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossak.

( Nachdruck verboten.)

Wissen Sie wirklich nicht, Fräulein Lina, was die beiden geredet haben?" unterbrach sie der Detektiv.

,, Aber wie sollt ich, Herr Smetana?"- creiferte sich das Mädchen die Tür war zu und so eine, die hor­chen tut am Schlüsselloch, bin ich nicht. Außerdem" setzte sie naiv hinzu sprachen sie auch eine fremde Sprache es wird wohl Italienisch gewesen sein-- und das versteh' ich nicht."

Ueber Brümmels Gesicht flog ein leichtes Lächeln, welches ihm das unbewußte Gingeständnis Linas, den= noch gehorcht zu haben, entlockte. Nun und weiter-" drängte er.

Na ja, dann nach einer Stunde ging der Freinde fort, aber die Signora war so aufgeregt den ganzen Tag über, daß sie alle Tassen und Teller zerbrach, die sie in die Hand bekam. Das ist nämlich immer die Art, in der fie thre üble Laune zeigt. Seitdem kam der Mensch noch ein paarmal und stets sprachen er und die Signora hin­ter geschlossenen Türen. Als ich einmal die Kammer­jungfer von der Signora, die Mariette Verdi, die doch ihre Vertraute ist, fragte, wer der Mensch wäre, sagte sie, daß er ein Kollege von der Signora sei, den sie von früher her tannte. Und nun denken Sie sich die Geschichte vor furzer Zeit erstes wird so zwei Wochen her feinkomme ich abends ich hatte nämlich meinen Ausgehtag nach Hause und wer kommt mir da aus dem Schlafzimmer der Signora entgegen? Gin Mensch von dem ich hätte schwören mögen, daß er jener Kollege von der Signora seier war zwar in einen langen Mantel gewickelt und hatte den Hut übers Gesicht ge­zogen, auch war es ziemlich dunkel im Vorsaal- aber Die Figur von dem Menschen und die Bewegungen ver­gißt einer nicht so bald. Wie ein eingewickelter Hering fieht nicht so leicht jemand aus, gerad' wie der. Ich war ganz erschrocken und sagte zu der Verdi: Ja, was wollte der Kollege von der Signora so spät noch? Und im Schlafzimmer der Signora?" Ach was" meinte

Eine evangelische Pastorin bat jetzt in Ungarn ihre Wirksamkeit begonnen, und zwar in den evangelischen Teilen Siebenbürgens. In der Hauptstadt Klaufenburg hielt fürzlich Frau Julia Vargha ihre erste Prediat und machte von da aus eine Rundreise in die übrigen Städte von Siebenbürgen. Ueberall foll sie begeisterte Aufnahmen gefunden haben.

Marmorproben aus Deutsch- Südwest. Im Reichstage hat der Abgeordnete Dr. Goller zahlreiche Marmorproben aus Deutsch- Südwestafrifa vorgelegt, die einem außerordentlich marmorreichen Gebiete in der Nähe von Swakopmund ent­stammen.

Ein Millionenprozeß ist in Dortmund unter den Erben eines vor Jahresfrist verstorbenen Dortmunder Groß­industriellen, der fein rechtsgültiges Testament hinterlassen hat, ausgebrochen. Die Töchter klagen wegen Bevorzugung der Söhne durch die Mutter.

Streit der Berliner Müllentscher. Gestern traten fämtliche Rutscher und Schaffner, die als Angestellte der wirt­schaftlichen Genossenschaft der Berliner Grundbesitzer die Müll­abfuhr befornen, in den Ausstand. Insgesamt kommen 300 Personen in Betracht.

Die Heirat der Prinzessin Klementine. Durch eine amtliche Mitteilung wird die Meldung von der Verlobung der Prinzessin Klementine mit dem Prinzen Napoleon bestätigt. Die Heirat findet im Oktober statt.

Schwerer Sturm in der Schweiz. Seit 24 Stunden tobt ein furchtbarer Sturm in der Schweiz, der namentlich in den Tälern mit ungeheurer Gewalt wütet. Von allen Seiten fommen Hiobsposten. Die unaufhörlichen Regenauffe haben in der Ostschweiz alle Flüsse boch anschwellen lassen.

Die Leiden des Multimillionärs. Der amerikanische Multimillionär John Rockefeller hat sich, da seine Villa in den Bocantico- Bergen fortwährend von Scharen Neugieriger, Bettlern und Wilddieben belagert wird, mit einer offiziellen Leibwache von sieben Polizisten umgeben. Er wohnt jetzt in ftrenafter Burückgezogenheit.

Konkurs eines Touristenhotels. Frau Spretter, die Besitzerin des Hotels Mendelbof" auf dem Mendelpaß, des Sotels Biktoria" in Bozen und einer Villa in Gries hat Konkurs angemeldet. Die Ueberschuldung soll eine Million betranen.

Ein Selbstmordschwindler. Ein Polizist in Budapest rettete mit eigener Lebensgefahr einen Mann, der sich hatte er tränken wollen, und brachte ihn auf die Polizeiftation, um ihn zu laben. Hier erkannte man in dem Manne einen gewissen Josef Szedlar, der aus Arbeitsscheu schon 32 Selbstmordversuche in szeniert hat, um dann jedesmal ein paar Tage freie Verpfle gung und fleine Geldgeschenke au erhalten.

Bestechungsaffäre in Amerika. Der Führer der Republikaner im Neuvorker Staatsfenat, Senator Alles wird von Kollegen öffentlich befchuldigt, daß er sich bestechen ließ. Der Vorfall erreat große Aufregung, da Alles ein einfluß­reicher Bolitifer ist. Die Sache dürfte für die Republikaner ernste Folgen haben.

Tschechischer Deutschenhan. Die Wochenberichte der Pra­ger städtischen statistischen Kanzlei erscheinen iegt statt in deut­fcher und tschechischer in franzöfifcher und tschechischer Sprache. Nette Früchtchen. Abiturienten des Gymnasiums zu Guesen drangen beimlich in das Zimmer des Direktors, entnahmen dem Bult die vom Provinzialfchulkollegium angege­benen Brüfungstbemata, erbrachen die Kuverts verfaben ſie mit falschen Siegeln. Der Direktor entdeckte den Sachverhalt. Es wurden neue Themata vom Brovinzialschulrat herausge­geben. Die Angelegenheit beschäftigt zurzeit die Staatsan­waltschaft.

Revolverattentat gegen den eigenen Bruder. In dem Dorfe Lubars in der Nähe von Berlin feuerte aestern der 19fährine Befiberssohn Hermann Rathenow von der Straße aus einen Revolverfchuß auf seinen 26jährigen Bruder Albert, als er sich im Pferdestall aufbielt. Die Kugel fehlte aber ihr Biel. Der Revolverfchüße wurde in Saft genommen. Er hat die Tat aus Rache begangen, weil ihm sein Bruder am Sonn­tag verboten hatte, zum Tanz zu geben.

Vom Schwiegervater erschlagen. Ein blutiger Vorfall spielte sich gestern abend in Trafnif bei Leobschüß ab. Der 30jährige Fuhrunternehmer Helbin stattete seinem Schwieger­vater Kuznik einen Besuch ab und forderte bei diefer Gelegen­beit die ihm versprochene Mitgift. Die Männer gerieten schließlich in Streit, wobei Kuznik einen Knippel ergriff und feinen Schwiegersohn damit zu Boden schlug. Helbin war sofort tot; Kuznit wurde verhaftet.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Ein neuer Komet? Nach einer Meldung aus Trans­vaal hat ein dortiger Astronom einen neuen( also nicht den Halleyschen) Kometen furz vor Sonnenaufgang zwi­schen dem 5. bis 10. Grad südwestlich von der Sonne ent­fernt entdeckt. Das Gestirn soll eine ziemliche Lichtstärke aufweisen. Auf der Berliner königlichen Sternwarte hat man die Beobachtung sofort aufgenommen und den Him­melsteil abgesucht, bisher aber nichts gefunden, vielleicht infolge des unsichtigen Wetters und des schlechten Son­nenstandes. Die Wiener Sternwarte hat dagegen wirk­lich 40 Grad südlich der Sonne einen derartigen Himmels­körper entdeckt, dessen Schweif scharf umrändert erscheint. Neuvork Ein Seminar für Dramendichter. Aus wird berichtet: Die amerikanische Harvard- Universität wird

die Verdi- ,, das war doch nicht der Kollege von der Signora, sondern der Kunsthändler Rochus, der der Sig­nora ein altes Halsband zeigen wollte, das sie bei ihm bestellt. Und da die Signora nicht ganz wohl war, hat sie ihn im Bett empfangen- was ist denn dabei?" Na, ich dachte mir mein Teil, aber unsereins muß ja zuallem schweigen. Am nächsten Tage aber sprach die Signora ganz gegen ihre sonstige schweigsame Art mehrmals so recht absichtlich in meiner Gegenwart von dem Kunst­händler Rochus, der ihr ein altes Halsband gebracht ha ben sollte. Ich laß mich hängen, wenn der Kollege und der Kunsthändler Rochus nicht ein und dieselbe Person gewesen sind."

,, Und nachdem ist er nie wieder hier gewesen?" forschte Brümmel in gemacht gleichgültigem Tone.

Die Lina hielt die Hand vor den Mund, als wenn sie verhüten wollte, daß jemand sonst ihre Worte hörte. Ja, am nächsten Abend des Tages, an dem man morgens den Grafen tot gefunden war er noch da und wieder ganz spät. Die Verdi muß ihn hereingelassen haben, ganz heimlich, denn ich habe es nicht einmal Klingeln ge­hört; ich hörte nur, als ich schon im Bette lag, wie die Entreetür ging, und als ich neugierig war und aufsprang, um ans Fenster zu laufen- denn so was interessiert einen doch da sah ich gerade noch, wie aus der Haus­tür ein Mann im Mantel trat, der genau wie der Rochus oder der Kollege ausschaute."

,, Haben Sie etwas darüber zu der Signora oder der Mariette Verdi geäußert?" erkundigte sich Brümmel.

,, Nein, kein Sterbenswort! Die Geschichte war mir, ich weiß nicht warum so grauslich. Und dann war auch der Herr Graf gerade gestorben und das Haus in voller Aufregung, so daß man gar nicht zum Reden kam." Der Detektiv sann eine Weile stumm nach. Und was denken Sie sich über diese Geschichte, Fräulein?" sagte er dann.

Ja, was soll ich mir darüber denken? Gar nichts. Ich mein' bloß daß da irgend was dahintersteckt. Denn sonst würden die Signora und die Verdi den Fremden doch nicht einmal einen Kollegen und ein anderes Mal den Kunsthändler Rochus genannt haben. Sind Sie nicht auch der Ansicht, Herr Smetona?

demnächst eine neue Brofessur errichten, die dazu dienen soll jungen Schriftstellern und Studenten, deren Ehrgeiz es ist, Bühnenstücke zu verfassen, praktische Unterweisungen in der Kunst des dramatischen Dichtens zu geben. Der Plan zu dieser eigenartigen Professur geht von Professor George P. Bafer aus, der an der Harvard- Universität be reits seit einiger Zeit ein dramatisches Seminar leitet, aus dem schon eine Reihe erfolgreicher jüngerer amerikanischer Dramatiker hervorgegangen ist. 100 000 mt. sind von Henry B. Harris vom Hudson- Theater zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt, und bei der Opferwilligkeit der amerikanischen Kapitalisten wird die Beschaffung der noch fehlenden Summe wohl kaum Schwierigkeiten verur= sachen.

Aus den Gerichtssälen.

Ein schlechter Hüter der Ordnung. Der Nachtpolizei­sergeant Adolf Korth aus Wittenberge hatte in der Naci vom 12. zum 13. Dezember v. J. einen Geschäftsreisend it aus Leipzig auf dem Bahnhofe in Wittenberge mehr ich mißhandelt und beleidigt, dabei auch einen Bahnmeiler­aspiranten und einen Kaufmann, die sich des Mißhandelten annahmen, mit Fäusten trattiert. Er hatte sich de halb vor der Strafkammer in Neu- Ruppin zu verantworten. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis, der Gerichtshof ging indessen über diesen Antrag hinaus und erkannte wegen Körperverlegung im Amte in fün Fällen und öffentlicher Beleidigung in einem Falle auf neun Monate Gefängnis und Unfähigkeit zur Uebername eines öffentlichen Amtes auf die Dauer von zwei Jahren.

Ein bestraftes Gemeindesberhaupt. Nach zweitä giger Verhandlung wurde der frühere Gemeindevorstand des Ortes Böhliz- Ehrenberg bei Leipzig, Bernhard Ents berger, wegen Verleitung zum Meineid zu einem Jahr vier Monate Zuchthaus und drei Jahren Ehrenrechtverlust verurteilt. Entsberger hatte versucht, den Schußmann sei­nes Drtes zu falschen Aussagen zu verleiten, um damit von ihm begangene Unregelmäßigkeiten zu verdecken.

Jm Zeichen der Luftschiffahrt. 3m

Der Zeppelin- Luftschiffverkehr. Ueber den Ausban des Verkehrs mit Zeppelinluftschiffen schreibt die Würi­temb. Automobil- und Luftschifferkorrespondenz": ,, Das im Bau begriffene Luftschiff 3 IV", das dem Bersonenver­fehr dienen wird, soll 20 000 kubikmeter fassen und mit drei Motoren ausgerüstet seind. Das Luftschiff, wird sehr bequem ausgestattet werden und etwa 20 Personen auf­aufnehmen können, wobei natürlich die Mitnahme von Be­triebsmitteln für einen gewissen Zeitraum in Betracht ge­zogen wird. Die Festseßung der Verkehrslinien, die zuerst eröffnet werden, hängt von dem Bau der Hallen ab. Vor­läufig ist nur eine Halle, die in Friedrichshafen, vorhan­den. Wenigstens während des ersten Vierteljahres werden daher die Zeppelinluftschiffe auf ihren von Friedrichshafen ausgehenden Fahrten auch wieder dorthin zurückkehren. Nach Ablauf dieser Zeit ist die erste Halle in Baden- Baden soweit fertiggestellt, daß sie den Luftschtsfen Aufnahme ge­währen kann. Damit ist dann eine weitere Ausdehnung des Luftlinienverkehrs gegeben. Die Hamburger Halle, die als eine Riesenhalle gedacht ist, dürfte frühestens im Frühjahr nächsten Jahres zur Aufnahme von Zeppelin­Tuftschiffen bereit stehen. Gegenüber einer Meldung von Köln, die als zweite Verkehrslinie die von Hamburg nach London nennt, ist, wenn man von einer solchen Linie heute überhaupt sprechen soll, darauf hinzuweisen, daß diese Linie nicht von Hamburg, sondern vielmehr von Düsseldorf aus abzweigend durch Holland nach London geführt werden dürfte. Die Nachricht, das preußische Kriegs­ministerium werde vorläufig keine weiteren Zeppelinschiffe mehr abnehmen, da man erst die Vervollkommnung der Aeroplane abwarten wolle, taucht neuerdings wieder auf; demgegenüber fann nur gesagt werden, daß das preußische Kriegsministerium dem Ankauf eines Zeppelinluftschiffes in diesem Jahre zweifellos nähertreten wird. Der ,, Hann. Cour." erfährt über den geplanten Ausbau des Zeppelinluftschiffverkehrs, daß man gegenwärtig mit dem Bau eines Zeppelinballons beschäftigt ist, der 300 Meter lang werden und 300 Personen befördern soll.(?) Dieser gewaltige Ballon wird mit acht Motoren ausgerüstet.

Vermischtes

Die dankbare Prinzessin Luise. Prinzessin Luise von Koburg hat vor mehreren Jahren ihrer Kammerfrau Marie Stoeger versprochen, ihr im Falle einer größeren Erbschaft eine größere Summe zu schenken als Dank für ihre Flucht aus der Heilanstalt in Bad Elster. Der Vertreter der Frau Stoeger erklärt jetzt, Matachitsch habe vor einigen Monaten bei der Prinzessin die Ausstellung einer Urkunde durchge­setzt, wonach die Prinzessin sich verpflichte, der Fran Stoe­ger eine halbe Million Kronen zu überweisen. Eine aleiche Zusicherung über 150 000 kronen erhielt auch Franz Schrei­ner, der gleichfalls bei der Flucht behilflich gewesen war.

Ein dreister Streich ist gestern nachmittag im neuen Rathause in Leipzia verübt worden. 18 der vor dem Roth. zimmer poſtierte Ratsdiener Baumann nom Marinel h

Aber natürlich, natürlich Sie sind ein scharfsinniges Mädchen, Fräulein Lina und sehen den Dingen immer, wie es scheint, auf den Grund. Aber jetzt"- ,, gestatten Sie mir wohl, daß ich mir die Blusen der Signora noch ge­nau ansehe, um meinem Chef sagen zu können, ob eine davon dasselbe Muster hat wie die Flitterrobe, von der ich Ihnen Sprach."

Lina stand ebenfalls auf und gemeinsam wurden nun­Aber leider fand mehr die Blusen eingehend besichtigt.

sich keine, die mit der Flitterrobe übereinstimmte.

Es muß doch wohl eine Verwechselung der Personen vorliegen," bemerkte der Detektiv. Sicher hat eine an­dere Dame jene Robe bestellt. Ich bin Ihnen sehr dank bar Fräulein Lina, daß Sie mir geholfen haben, dies feststellen zu können. Ich brauche demnach nicht wieder her­kommen. Das heißt" fügte er hinzu- ,, es ist ei gentlich schade, weil ich nun nicht mehr Gelegenheit habe, Sie wiederzesehen, Fräulein Lina."

Ja, es ist schade!" gestand die junge Dame eben­falls verschämt zu.

,, Wenn man solch eine interessante Bekanntschaft ge­macht hat, so möchte man sie doch auch gern fortsetzen. Sie müssen doch eigentlich auch abends hier immer sehr einsam sein wenn die Signora und die Mariette Verdi in den Kaiserhallen" sitzen, dann sind Sie ja mutter­seelen allein-

Ja, mutterseelen allein!" gab das Echo seufzend zurück. ,, Was meinen Sie, Fräulein Lina- ob es da nicht ganz nett wäre, wenn wir uns gegenseitig Gesellschaft leisteten? Ich bin auch so einsam- immer allein zwi schen meinen vier Wänden? Nun, wie denken Sie dar­über, Fräulein Lina?"

Daß ihr Freund, während sie unter den Blusen ge framt, scharfe Umschau in den Zimmern gehalten, und aus der Visitenkartenschale der Signora Anita Brusio ei­nen Gegenstand an sich genommen, war ihr entgangen.

( Fortsetzuna folgt.)

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