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erste Schritt dazu geschehen, ote amerikanische Art der Eisen­bahnsignale abzuschaffen. Wenn man auch bei uns mit den Eisenbahnsignalen noch nicht ganz zufrieden ist, so haben sie sich doch im allgemeinen bewährt. Man fann sich auch faum denken, daß zwischen den weißen, roten und grünen Lichtern der Signallaternen Verwechselungen sollten vor­fommen tönnen. Das Weiß ist nur auf die Vorsignale und auf die Rückseite der Hauptsignale beschränkt, also auf die Fälle, in denen das Licht unbeachtet bleiben kann, so daß die Aufmerksamkeit sich nur auf die Unterscheidung von Rot und Grün zu richten hat. In Amerika ist das anders, in­dem dort eine weiße Laterne freie Fahrt anzeigt. Allmäh­lich ist auch bei den amerikanischen Eisenbahnleuten die Ueberzeugung durchgedrungen, daß diesem Umstand ein gro­ßer Teil der Verantwortung für die erschreckend große Zahl von Eisenbahnunfällen in den Vereinigten Staaten zur Last zu legen ist. In der Tat scheint es für unsere an an­dere Verhältnisse gewöhnte Anschauung kaum begreiflich, wie man ein weißes Licht zur Bezeichnung für freie Fahrt hat wählen können, da dann durch jede einfache Laterne eine Täuschung hervorgerufen werden kann. Solche Verwechs­lungen fommen nach den Berichten in jedem Monat mehr­mals vor, wobei nur die Fälle berücksichtigt sind, in denen die Täuschung der Lokomotivführer durch Lichter in be­nachbarten Häusern zu wirklichen Unfällen geführt hat. Jebt will die Newyork Central Railway als erste das weiße Licht abschaffen, und schon haben auch andere Gesell­schaften die Absicht, diesem Beispiel zu folgen. Dennoch scheint man sich nicht entschließen zu wollen, die europäische grüne Laterne einzuführen, sondern man wird statt ihrer eine gelbe Laterne wählen, was nicht gerade als eine gründliche Verbesserung betrachtet werden kann, weil dabei die Gefahr von Verwechselungen immer bleiben wird.

Durchbohrung des kleinen St. Bernhard. Eine große Versammlung von Interessenten in Annecy prüfte fämtliche neue Alpenbahnprojekte und sprach sich endlich nahezu ein­stimmig für die Durchbohrung des Kleinen St. Bernhard qus

Vermischtes

Eine gefährliche Ballonlandung. Der Zivilingenieur Krüger aus Elberfeld landete mit seinem Privatballon in Lippstadt so unglücklich, daß er erheblich verletzt wurde. Nach dem Ziehen der Reißleine blähte ein Windstoß den bereits bis auf fünf Meter über der Erde gesunkenen Bal­lon plötzlich auf, so daß er sich wieder in eine bedeutende Höhe erhob. Bei dem nun folgenden raschen Niedergehen wurde die Gondel auf den Rand eines mit Wasser gefüllten Grabens gestoßen, und die Insassen flogen mit gewaltigem Schwung heraus. Während zwei von ihnen mit dem Schrek­fen davonkamen, wurde Ingenieur Krüger bewußtlos un­ter dem Korb aus dem Graben herausgezogen. Er war mit dem Kopf nach unten bis zur Hälfte des Körpers im Schlamm versunken. Der Besitzer des nahegelegenen Schlosses Schwarzraben nahm den Verletzten in lebens­würdigster Weise auf.

Menschenpflicht über Polizeistunde. Ein Gastwirt in Wilhelmsburg bei Hamburg hatte während des großen Brandes einer Möbelfabrik sein Lokal noch über die Polt­zeistunde hinaus offen gehalten, um den Feuerwehrleuten die Möglichkeit zu gewähren, nunmehr den eigenen Brand zu löschen. Allein für dieses Entgegenkommen des Wirtes hatte die Polizei kein Verständnis, sie sandte ihm einen Strafbefehl wegen Ueberschreitung der Polizeistunde zu. Allein der also Bedachte beantragte gerichtliche Entschei= dung. Mit Erfolg. Das Schöffengericht Harburg sprach ihn fret mit der Begründung, daß der Wirt durch sein Ver­fahren eine Menschen- und Bürgerpflicht erfüllt habe, in= dem er den Feuerwehrleuten Gelegenheit gab, sich nach threr anstrengenden Tätigkeit in der falten Nacht zu stärfen.

Der Aberglaube. Folgende Geschichte hat sich, wie das Meißner Tagebl." berichtet, in dem unweit Meißen ge= legenen Dorfe. zugetragen. Zu Beginn des Winters hatte sich ein dort beheimateter Schiffer eine ausländische gelbe Katze mit nach Hause gebracht. Das Tier war zutrau­lich und harmlos. Nun begab es sich, daß in dem Orte- furz hintereinander drei weibliche Personen starben, eine Hoch­betagte Frau, eine Frau, in den mittleren Jahren und ein dreijähriges Mädchen. Durch den Ausspruch einer soge= nannten weisen Frau" entstand nun das Gerücht, daß an diesen drei Todesfällen die fremde Katze schuld sei, die über das Dorf schweres Unglück bringe. Die Folge war, daß das Verhalten der abergläubischen Leute den Besitzer der Kaze nötigte, sie von einem Jagdberechtigten erschießen zu lassen, um endlich die aufgeregten Gemüter wieder zu beruhigen.

Schreckenstat eines Jersinnigen. Aus Klagenfurt wird gemeldet: Am Sonntag nachmittag gingen zwei Knaben an der hiesigen Irrenanstalt vorbei. Ein Geistesfranfer rief ihnen zu, in den Hof zu kommen. Ein dreizehnjähriger Knabe stieg über den Zaun. Der Irre führte ihn in den Keller, zog ihn aus, band ihm die Füße zusammen und Sängte ihn mit dem Kopf nach unten auf. Dann nahm er, als der Knabe um Hilfe wimmerte, den Hilflosen und warf ihn in den Kamin. Gestern gelang es, den Knaben halb er­froren aufzufinden. Der Irre, der die Tat begangen hat, galt als so harmlos, daß er als Hausdiener Verwendung fand.

Kolonialgrenel an der Elfenbeinküste. Eine Erhebung der Cingeborenen macht an der Elfenbeinküste eine Straf­expedition ins Innere notwendig. Die Ursache der Erhe­bung soll das Willfürregiment des in Sassandra residieren­den Verwalters Joulia sein, der von weißen Kaufleuten in einer an das Kolonialministerium gerichteten Beschwer­deschrift des Raubes mit bewaffneter Hand und des Ver­faufs von Kriegsgefangenen bezichtigt wird. Unter den zahlreichen Anklagen gegen ihn befindet sich auch die Au-= schuldigung, er habe zwet eingeborene Weiber gewaltsam aus ihrem Dorfe entführt und später, um sich ihrer wieder zu entledigen, fie des Umganas mit eingeborenen Bons be­schuldigt. Darauf habe er beide von Soldaten auspeitschen und die eine Frau töten lassen. Ebenso sei ein eingeborener Boy tagekang gefoltert worden, bis er alles das sagte, was Joulia hören wollte. Der Häuptling Moun drohte hierauf Joulia mit einem Aufstande, morauf dieser ihm die Fran für 375 Frank verkaufte. Die Beschwerdeschrift enthält noch eine ganze Reihe weiterer schwerer Anklagen gegen den Verwalter.

König Leopolds verborgene Reichstümer. Noch in Wien vorliegenden Nachrichten haben die jüngsten Nachforschun gen über den Nachlaß des Königs Leopold zur Auffindung neuer Werte geführt. Den Informationen einer Wiener Stelle zufolge Handelt es sich um ziemlich bedeutende Werte In Kongoaftien, ferner um belgische Staatspapiere und um fostbare Schmuckgegenstände, die König Leopold der von Ihm geplanten Koburger Stiftung überantwortete. Durch eine Einziehung dieser neuen Werte würde sich nach cor= läufigen Berechnungen die Erbschaft der drei Prinzessinnen auf zirka neunzig Millionen Francs erhöhen, so daß auf fede Erbin dreißig Millionen entfielen.

Ein ergögliches Geständnis hat ein der Berliner Krt­minalpolizei als Stellenschwindler bekannter Theatergar­berobier Stanislaus Weyreuther im Justizgefängnis zu Stettin abgelegt. Der Verhaftete hatte folgendes Selbst­Sekenntnis niedergeschrieben: Ich habe im Januar 1906 in Sorau in der Niederlausit mit einem unpatentierten Pappkarton und einem schwarzen Lappen eine Unmenge Geld unredlich verdient. Die Sorauer Polizei wird sich mit Hilfe der Polizeiaften erinnern, daß in den ersten Januar­tagen 1906 in dem Eckhotel auf dem Markte ein Künstler wohnte, der mit seinem Apparate in der Stadt und Um­gegend Aufnahmen machte, meist Geschäftsleute, Hotelwirte, Aletscher usw. besuchte, dieselbigen, nachdem ihm 10 bis 20

Mark Vorschuß angezahlt waren, in Pofitur stellte und, nachdem er seinen Riesenapparat mit einem großen, schwar zen Lappen bedeckt( unter welchem er sein Lachen verbeißen mußte, was oft nicht leicht war) zu photographieren vorgab. Die vor mir Aufgenommenen" bekamen ihr Bild nie zu sehen, nur ich ihr Geld, den Vorschuß. Nachdem die Zei­tungen mir mein Arbeiten durch ihr Zetergeschrei unmög lich gemacht, suchte ich anderswo Kundschaft. Der Riesen­apparat war nichts anderes als ein Pappkarton, der durch geschickte Hände das Aussehen eines photographischen Appa­rates erhatlen hatte. Bevor ich die Stadt verließ, bezahlte ich meine Hotelrechnung. Wegen eines Diebstahls, den ich zu gleicher Beit bei einem Sorauer Malermeister verübte, bin ich in Posen abgeurteilt. Die Sache habe ich immer be= ftritten, mich auf mein verändertes Aussehen stützend, und habe dann nichts weiter gehört. Daß ich auch einen Kon­furrenten hatte, der später auch alle" wurde, ist mir be= kannt. Derselbe war mir nicht so ganz fremd, denn ich wohnte oft mit ihm in demselben Hotel. Bitte um weitere Anzeige an die Staatsanwaltschaft. Stanislaus Weŋren­ther, zurzeit Stettin, Justizgefängnis, ab Januar 1910 in Atel im Justizgefängnis zu finden."

Ein Aerztestreik ist in Oldesloe ausgebrochen. Die Ol­desloer Aerzte beschlossen im Einverständnis mit der Aerzte­tammer, den in den Dörfern Rolfshagen und Pölizz woh­nenden Mitgliedern der Ortsfrankenkasse Bargteheide nur tm Notfalle ärztliche Hilfe zu leisten und sofort die Kran= fenhausbehandlung anzuordnen, weil der Vorstand der Kaffe ohne Angabe des Grundes einem Arzt das Vertrags­verhältnis gekündigt habe.

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Der moderne Turm von Babel. Die Erzählung der Bibel vom Sprachgewirr bei dem Turmbau zu Babel er­scheint bescheiden und gewissermaßen veraltet gegenüber der aus allen möglichen Sprachen zusammengefeßten Sinfonte, die jetzt bei Tag und Nacht von der Station für draht= lofe Telegraphie auf dem Eiffelturm in Paris aufgefangen wird. Die Herzschen Wellen treffen hier von allen Stationen für Radiotelegraphie zusammen, von Schiffen auf dem Meere, von Stationen an den Küsten, von den großen radiotelegraphischen Posten der Hauptstädte. Es ist, wie der Nancher Professor Maurice Gueritot im ,, Electricien" ausführt, als ob vom Sturm aufgescheuchte Nachtvögel durch das blendende Feuer eines Leuchtturmes unwiderstehlich an­gezogen würden. Unaufhörlich und zu gleicher Zeit lan­gen Meldungen aus aller Herren Ländern an: gramme, die den großen transatlantischen Dampfern auf hohem Meere nachgesandt werden, wechseln mit solchen, die von den amerikanischen Stationen nach dem Kontinent er­gehen; eben kommt ein von Spanien nach Holland be­stimmtes Telegramm an und fast im selben Augenblick eins, das den Weg von der russischen Küste gemacht hat. Die diensttuenden sprachkundigen Beamten der Station wis­sen fast jedesmal, mit wem sie es zu tun haben. Ein leises langsames Geräusch verkündet als Absender die deut­sche Station in Nauen bei Berlin, ein sehr rasches scharfes den englischen Posten von Boldhu, während ein langge­dehntes, aber durch die große Entfernung schwach gewor denes die amerikanische Station von Glace Bay meldet. Wie wird sich dieses Sprachengewirr zu einem Stim­mengewirr erst steigern, wenn die Telegraphie ohne Draht durch das drahtlose Telephon ersetzt ist? Dann wird auf dem Eiffelturm ein Konzert aus allen Weltteilen ertönen, das sich noch vor 10 Jahren fein Mensch hätte träumen Iassen.

Millionenlegat eines Negers. Ein Eingeborener von Sierra Leone in Oberguinea hat der dortigen Schulbe hörde die Summe von 1 200 000 Mart hinterlassen mit der Bestimmung, daß das Geld für Erziehungszwecke ver­wendet werde. Es ist dies, wie die Koloniale Rdsch." mit­teilt, eines der ersten Beispiele dafür, daß ein Neger eine größere Geldsumme für öffentliche Zwecke testamentarisch vermacht, zugleich ein Zeichen von dem Wohlstande der Bevölkerung, wenn er sich in diesem Maße natürlich auch nur ganz vereinzelt finden wird. Nach dem Willen des Erblassers soll das Kapital von solchen Eingeborenen ver­waltet werden, die überzeugt sind, daß die Zukunft Sierra Leones vor allem in der Entwickelung einer gesunden Landwirtschaft liegt, doch sollen auch zwei Beamte des Gou­vernements, unter ihnen der Oberste Richter, im Verwal­tungsrat sein. Mit dem Gelde soll eine Art landwirt­schaftliche Hochschule für Eingeborene gegründet werden, in der der Direktor des Landwirtschafts- Departements ei nen Lehrstuhl inne hat.

Einen guten Magen scheint ein Bergmann zu haben, der dieser Tage im Knappschaftslazarett in Selzbach ope­riert wurde. Der 23jährige Berginvalide Thiel klagte längere Zeit über Magenschmerzen. Er ließ sich in der Klinik zu Straßburg untersuchen, konnte sich aber nicht ent­schließen, die ihm als notwendig vorgeschlagene Operation ausführen zu lassen. Im Knappschaftslazarett wurde er fängere Zeit beobachtet; vor einigen Tagen stellte sich bei dem Kranten Erbrechen ein, wobei ein Drahtnagel zum Vorschein kam. Jetzt ließ er sich operieren. Im Magen fand man 3 Stück 10 Zentimeter lange, 6 Stück 8 Ben­timeter lange, 43 Stück 6 Zentimeter lange und 32 Stück 4 Zentimeter lange Drahtnägel. Außerdem enthielt der Magen noch 7 Haarnadeln, eine Nähnadel, eine abge­brochene Hutnadel und Reste von Holz- und Eisenteilen. Weitere in den Därmen ruhende Fremdkörper konnten noch nicht entfernt werden. Die Aerzte stehen vor einem Rät­sel.( Vielleicht erfolgt die Lösung am 1. April? D. Red.) Vom Mauleseltreiber zum Botschafter. Zu der Er­nennung des St. Louiser Millionärs Richard E. Kerkens zum Botschafter in Wien wird der Vossischen Zeitung" ge­schrieben: In den Vereinigten Staaten hat die Ernenn­ung Kerfens nicht geringes Aufsehen erregt, weil sein Le­benslauf etwas ungewöhnlich ist. Wie aus Leavenworth in Kansas gemeldet wird, ist Kerkens ehemals im dortigen Fort als Mauleseltreiber beschäftigt gewesen. Später rück­te er zum Hilfswagenaufseher auf. Von Leavenworth sie­delte er nach Arkansas über und von dort nach St. Louis, wo er in Eisenbahnspekulationen den Grundstein zu sei­nem heutigen Vermögen legte. Kerfens ist immer ein eifriger Politiker gewesen und hat lange dem republi­fanischen Nationalfomitee angehört. Auf der Weltausstel­lung in Chicago war er Kommissar des Staates Missouri. Auch war er von 1892 bis 1900 einer der drei Vertreter der Vereinigten Staaten in der interkontinentalen Eisen­bahnkommission. Er ist geborener Irländer und steht im 68. Lebensjahre.

Abgebrannte Residenzen.

Der verheerende Brand im Residenzschlosse zu Athen hat nicht wegen der Höhe des entstandenen Schadens, son­dern deshalb besonderes Aufsehen erregt, weil er in eine politisch bewegte Zeit fällt, in der bei der ersten Meldung die übrigens entschieden bestrittene Vermutung Plaz grei­fen mußte, daß es sich um vorsätzliche Brandstiftung handle. Ganz ähnlich liegt, wie man weiß, der Fall bei dem Brande im Palais des Großfürsten Nikolaus von Rußland. Königs­paläste sind nächst den Theatern diejenigen Gebäude von monumentaler Bedeutung, die bei dem Wüten auswär­wärtiger oder einheimischer Feinde, durch private Rache­afte, durch Nachlässigkeit oder durch verfehlte Bauart, am häufigsten ein Raub der Flammen werden. Auch wenn man über die mit Mord und Brand gefüllten Zeiten des Mittelalters hinweggeht, zeigt es sich, daß kaum ein ein­ziges Königsschloß ohne große Brandschäden über die Jahr­hunderte hinweggekommen ist. Ein eigentümliches Ver­

hängnis hat von jeher über den skandinavischen Königs­burgen gewaltet. An der Stelle des heutigen Schlosses zu Stockholm stand bis zum Jahre 1697 die in einer Sturmnacht abgebrannte Königsburg Tre Kronor". An der nach dem Urteil der damaligen Zeit prächtigen, aber doch nur aus Holz erbauten Burg, der Königsburg Olaf Trygvason in Drontheim und den bescheidenen Siben spä­terer norwegischer Könige, die in dieser Stadt bei den nicht weniger als 15 großen Feuersbrünsten der letzten Jahr­hunderte zerstört wurden, sind weder seltene Kunstschätze noch große materielle Werte zugrunde gegangen. Um so furchtbarer hat dagegen das Feuer in den dänischen Königs­schlössern gewütet. Die von Christian VI. in den Jahren von 1733 bis 1740 erbaute Christiansborg, wurde 1794 durch Feuer gänzlich zerstört. Im Anfang des 19. Jahr­hunderts neu erbaut, wurde sie am 3. Oktober 1884 wie­derum durch Feuersbrunst bis auf die Umfassungsmauern bernichtet. Die herrlichen Ruinen inmitten der volkreichen Stadt sind bei Abendbeleuchtung oder Vollmondschein in ihrer Art ein würdiges Seitenstück zu den Ruinen des Heidelberger Schlosses, das von den Franzosen angezün det, 1689 und 1693 als schaurige Brandfackel gen Himmel loderte. Von den Bränden deutscher Fürstenschlösser im 19. Jahrhundert ist derjenige des Braunschweiger Schlosses am 7. September 1830 hervorzuheben. Als am Morgen dieses Tages die Flucht des ,, Diamantenherzogs" bekannt wurde, drang der Pöbel durch eine Seitentür in den linken Flügel ein und während es dort schon lichterloh brannte, benutzte die Volksmenge die Löschgeräte, um ihren Durst an den edlen Weinen des herzoglichen Kellers zu stillen. Von Aussehen erregenden Bränden ist aus neuerer Zeit noch derjenige des Prunkschlosses Napoleons III. bei Saint­Cloud zu erwähnen, das die Franzosen, um die deutschen Vorposten vor Paris zu vertreiben, am 13. Oftober 1870 vom Fort Mont Valerien aus so lange mit einem Hagel schwerster Geschosse überschütteten, bis das vrunkvolle, von einem Bruder Ludwigs XIV. erbaute Schloß troß aller Bemühungen der deutschen Truppen gänzlich niederbrannte. Wenige Monate später, als im Mai 1871 die Kommune zu Ende ging, fiel auch die Pariser Residenz des Franzosen­faisers, die glänzenden, von Katharina von Medici 1564 im Bau begonnenen Tuilerien dem Beschlusse, durch An­zündung aller öffentlichen Gebäude ,, der Freiheit ein wür diges Leichenfest" zu bereiten, zum Opfer. Was die Höhe des angerichteten Schadens betrifft, so steht an der Spitze aller Balastbrände aus neuerer Zeit weitaus an erster Stelle die von den vereinigten englischen und französischen Trup­penführern zur Bestrafung der von den Chinesen an den wehrlosen europäischen Gefangenen begangenen Untaten verfügte Zerstörung des kaiserlichen Sommerpalastes bei Peking durch Feuer am 10. Oft. 1860. Bei der vorange­gangenen dreitägigen Plünderung sollen Kunstwerke und Kostbarkeiten im Werte von nicht weniger als 90 Mill. Franken erbeutet worden sein.

Drabtnachrichten und Deaestes.

Die Herzogin von Hohenberg auf dem Hofball. Wien, 19, Januar. Ein überaus start besuchter Hof ball, dessen Sensation das Erscheinen der Herzogin von Hohenberg bildete, wurde gestern abgehalten. Die Herzogin erschien als letzte Dame des Hofes zusammen mit der Erz­herzogin Iſabella. Die Herzogin nahm auf die Aufforde­rung der obersten Hofmeisterin des Kaisers am äußersten linken Flügel Platz. Welches Gewicht der Erzherzog- Thron­folger darauf legt, daß seine Gemahlin einen Platz am Hofe einnimmt, beweist der Umstand, daß er den bekannten Malern Krauß und Eichhorn den Auftrag erteilte, ein Bild des Hofballes mit dem Einzug der Herzogin zu malen. Die englischen Wahlen.

London, 19. Januar. Der gestrige Wahltag mit 46 Kämpfen verlief ungünstiger für die Regierung als die beiden ersten. Die Konservativen eroberten vier Londoner Wahlkreise, wogegen die Liberalen einen kürzlich verlorenen Londoner Bezirk zurückgewannen. Im Lande nahmen die Konservativen den Liberalen einen Sitz in Liverpool ab, beide Mandate des Seebades Brighton, ferner einige klei­nere Städte. Die Opposition hat gestern 11 Mandate ge­wonnen, ihr gesamter Zuwachs ist nunmehr 39.

Besizwechsel der Täglichen Rundschau.

Berlin, 19. Januar. Die Tägliche Rundschau veröffent­licht eine Erklärung des Bibliographischen Instituts in Leips zig und der Firma Hempel& Co. in Berlin, wonach das Blatt von der letzteren durch Kauf erworben bezw. zurück erworben worden ist.

Ein Riesenbetrug.

Berlin, 19. Januar. In Schöneberg wurde gestern der Kaufmann Vinh unter der Beschuldigung verhaftet, eine Hamburger Großfirma um Millionen Mark betrogen zu haben. Die Pulvererulosion bei Weimar. Weimar, 19. Januar. Ueber die Explosionstata strophe in Hentschburg ist noch zu berichten, daß die Seuthe sche Fabrik für Sprengmittel seit 1906 am Orte ist. Das in die Luft geflogene Gebäude steht 100 Schritt vonr Hauptgebäude entfernt direkt an der Ilm. In ihm wur­den die Sprengkapseln von Arbeiterinnen gefüllt und ver­schlossen. Eine der Arbeiterinnen hatte die Gewohnheit, beim Schließen der Kapseln häufig Gewalt anzuwenden, was gefährlich ist. Erst gestern wurde sie dringend ge­warnt, scheint es aber wieder getan und damit die Er plosion herbeigeführt zu haben, die nicht nur das Ge­bäude dem Erdboden gleich machte, sondern auch drei blü­hende Menschenleben forderte. Die Leiche der 19jährigen Stolle war vollständig zerrissen und nicht mehr kenntlich; der Leiche der sechzehnjährigen Chriar fehlt der Kopf, während die Ueberreste der Frau Valet aus Wien unter den Trümmern lagen. Im nahen( Sementwerk ist infolge des furchtbaren Krachs ein Mann von einer Maschine ge­stürzt und dabei ums Leben gekommen. Fast sämtliche Fenster der Seutheschen Fabrik und vieler Dorshäuser sind zerschlagen. Der Materialschaden ist bedeutend.

Opfer der letzten Stürme.

Kopenhagen, 19. Januar. Täglich werden an der West­füste von Jütland Leichen und Schiffstrümmer ange= schwemmt. Die Küstenbewohner erklärten, daß sich seit et­nem Menschenalter nicht so viele Unglücksfälle ereignet hätten als beim jüngsten Sturm.

Zum Tode Andrees.

Stockholm, 19. Januar. Der Minister des Auswärtigen erhielt vom schwedischen Konsul in Montreal einen Bericht über Gerüchte unter den Eskimos, wonach Andree und seine Begleiter wahrscheinlich auf eine Renntierjagd gegangen und von den hierüber erbitterten Estimos getötet worden sind. Der Konsul hat Vorbereitungen getroffen zu einer Untersuchung auf einem Plate, der 750 englische Meiler nördlich von Alterta liegt.

Seltene Jagdbente.

Paris, 19. Januar. Einem Juwelier gelang es in der Nähe von Reims, wo er eine Jagd gepachtet hatte, einen jungen aus einer Menagerie entsprungenen Tiger zu er legen, der die ganze Umgegend in großen Schrecken ver setzt hatte.

Massenverhaftung von Anarchisten. Madrid, 19. Januar. 30 Anarchisten, die infolge der Ermordung des Sekretärs des Polizeipräfekten aus Argentinien ausgewiesen waren, sind bei ihrer Ankunft in Vigo verhaftet worden.

Feuer im türkischen Parlamentsgebäude. Konstantinopel, 19. Januar. Heute vormittag ist im Parlamentsgebände Feuer ausgebrochen. Weitere Nach­richten fehlen noch.