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der Besoldung der Landbürgermeister durch besondere Vor-| schriften festgelegt wissen. Die Bureautosten sollen lediglich dem tatsächlichen Bedürfnis angepaßt werden, und die Vergütung, welche der Bürgermeister für die Verrichtung von Privatbeschäftigung erhebt, sollen in die Gemeinde tasse fließen. Der Ausschuß will über diese Bestimmungen zunächst die Ansichten der Regierung hören.

* Die 3 weite Kammer ist auf Mittwoch, den 22. Juni, zur Abhaltung einer Sommertagung zusammen­berufen worden.

Der Ausschuß setzte seine Beratungen am Donnerstag sert und beschäftigte sich mit den Artikeln 102-130 der Landgemeindeordnung, welche die Bestimmungen über die amtliche Stellung der Gemeinderatsmitglieder, die Sißun­gen des Gemeinderats, die Tätigkeit des Bürgermeisters u. der Beigeordneten, sowie die Geschäfte des Bürgermeisters behandeln. Bezüglich der Sitzungen des Gemeinderats in der Landgemeindeordnung wurde im Ausschuß beantragt, die Oeffentlichkeit der Sizungen zur Regel zu machen. Der Ausschuß hat aber in Uebereinstimmung mit der Entscheid­ung, die für die badische Landgemeindeordnung getroffen wurde, diese Regelung der Frage abgelehnt und dagegen eine Bestimmung angenommen, wonach ber Gemeinderat jederzeit die Oeffentlichkeit der Sizungen beschließen kann. Außerdem wurde eine Bestimmung eingefügt, daß jedesmal zu Beginn des Etatsjahres über die Oeffentlichkeit der Sizungen Beschluß gefaßt werden kann. Hinsichtlich der Gültigkeit eines Gemeinderatsbeschlusses wurde vom Aus­schuß an der Forderung festgehalten, daß in der Sitzung sofort eine Niederschrift der Beschlüsse zu erfolgen hat und daß für die Abstimmenden ein Unterschriftszwang einge= führt wird. Nur ausnahmsweise soll in besonderen Fällen die nachträgliche Einholung der Unterschrift gestattet sein. Im Artikel 115 war nach der Regierungsvorlage bestimmt worden, daß bei Stimmengleichheit in Beschlüssen des Ge­meinderates die Stimme des Vorsitzenden entscheiden soll. Diese Vorschrift hat der Ausschuß beseitigt, dagegen die weitere Vorschrift aufrecht erhalten, daß in Personalange­legenheiten bei Stimmengleichheit die Stimme des Bürger­meisters ausschlaggebend sein soll. Im Artifel 124 wird bestimmt, daß der Betrieb einer Gast und Schankwirtschaft dem Bürgermeister nur mit Zustimmung des Kreisausschus­ses und unter den von diesem etwa festzusetzenden Beding­ungen gestattet sei. Hierzu lag ein Antrag vor, für die Zu­kunft den Betrieb einer Gast- und Schankwirtschaft für den Bürgermeister überhaupt auszuschließen. Im Ausschuß war man darüber verschiedener Meinung. Die eine Hälfte ent­schied sich dahin, daß der Betrieb einer Gast- und Schant­wirtschaft dem Bürgermeister unter allen Umständen unter­sagt sein soll, die andere Hälfte stimmte dafür, daß der Widerruf einer Konzession erfolgen solle, wenn die bei der Konzessionserteilung gestellten Bedingungen nicht eingehal ten würden. Da die Stimmengleichheit im Ausschuß als Ablehnung gilt, so ist zunächst die Regierungsvorlage als genehmigt zu betrachten.

Der Schiedsspruch im Baugewerbe.

Das von den Unternehmern und den Arbeitern gewählte Schiedsgericht hat in Dresden folgenden Spruch gefällt: Die gegenwärtigen tariflichen Löhne werden während der Vertragsdauer im allgemeinen um 5 Pfennig erhöht. In Orten, die nach der letzten Volkszählung weniger als 5000 Einwohner hatten, wird der tarifliche Lohn um 4 Pfennig erhöht. Gehören solche Orte nach dem letzten Tarifvertrage zum Vertragsgebiet eines größeren Ortes, so tritt auch hier eine Lohnerhöhung von 5 Pfg. ein. Die Erhöhung hat in folgender Weise stattzufinden: 1. Wo 5 Pfg. gewährt werden, wird der Lohn sofort um einen Pfennig, am 1. April 1911 um zwei Pfennig und am 1. April 1912 um zwei Pfennig erhöht werden. 2. Wo vier Pfennig gewährt werden, wird sofort um einen Pfennig, am 1. April 1911 um zwei Pfennig und am 1. April 1912 wieder um einen Pfennig erhöht. Im übrigen ist die Teuerungszulage abgelehnt worden. Die Nebenbedingungen des Vertrages werden zur Verhand­lung an die örtlichen Instanzen verwiesen werden und ent­gültig entschieden durch die bisherige zweite Instanz. Die Verhandlungen müssen bis zum 8. Juli zu Ende geführt sein. Die zweite Instanz hat bis zum 15. Juli endgültig zu entscheiden.

Soweit sich bis jetzt feststellen läßt, hat dieser Schieds­spruch in zahlreichen Städten nicht die Genehmigung der Arbeitnehmer gefunden. Es liegen darüber folgende Meld­ungen vor:

Karlsruhe. Der Baugewerfenverband Karlsruhe­Durlach hat die Aussperrung mit dem 15. d. Mts. für be­endet erklärt. Die hiesigen Bauarbeiter haben indessen, da ihnen die Bestimmungen des Dresdner Schiedsgerichtsspru ches nicht genehm sind, die Arbeit noch nicht wieder auf­genommen.

Mannheim. Die hiesigen Bauarbeiter haben sich der Entscheidung des Schiedsgerichts nicht gefügt. Sie haben die Arbeit heute früh nicht aufgenommen, sondern über die Baustellen die Sperre verhängt und suchen die Arbeitswil­ligen von der Arbeit abzuhalten.

Nürnberg. Die hiesigen Bauarbeiterorganisationen beschlossen, die Arbeit vorläufig nicht aufzunehmen.

Darmstadt. Eine Versammlung der Freien Ver­einigung der Bauunternehmer, sowie der Maurer- u. Zim­mermeister beschloß, die Arbeit in vollem Umfange wieder aufnehmen zu lassen. Wider Erwarten haben aber die Ar­beitnehmer den Schiedsspruch des Dresdner Schiedsgerichts nicht ohne weiteres anerkannt, sondern beschlossen, nähere Weisungen von der Zentralleitung in Berlin zu erwarten. Daher ist die Wiederaufnahme der Arbeit nicht erfolgt.

Jedenfalls werden, wie aus Dresden gemeldet wird, in den nächsten Tagen die Zentralorganisationen der Un­ternehmer und der Arbeiter abermals zusammentreten, da sie die moralische Verantwortung für die Durchführung des Schiedsspruchs übernommen haben.

Lokales.

Gießen, 18. Juni 1910. ** Der Großherzog und die Großherzo gin sind mit ihren Kindern in Siley angekommen. Der Aufenthalt ist auf einen Monat berechnet.

** In den Ruhestand versetzt wurde vom Groß­herzog der ordentliche Professor in der philosophischen Fa­fultät der Landesuniversität Geheimerat Dr. Richard He ß Gießen auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner lang­jährigen Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober 1910 an.

* Die Stich wah I im zweiten oberhessischen Wahl­kreise Friedberg Büdingen wird auf Freitag, den 24. Juni, festgesetzt werden. Der nationalliberale Wahlausschuß und die Vertrauensmänner der nationallibe­ralen Partei im Wahlkreis Friedberg Büdingen beschlossen, für die Kandidatur v. Helm oft einzutreten.

* Ausflug. Die Bürgermeister, Beigeordneten und sonstigen Beamten der Gemeinden des Kreises Gießen ge­denten am Samstag, den 9. und Sonntag, den 10. Juli, die Rheinufer und zwar Ober- Lahnstein, Königswinter, Bonn und Köln zu besuchen.

* Diebstahl. Aus einem Zigarrengeschäft am| probt werden. Wie die hiesige Freie Studentenschaft mit­Marktplatz wurde ein großer Posten von Zigarren entwen- teilt, steht sie wegen dieser Frage mit einer Anzahl Gutz­det. Von dem Dieb fehlt bis jetzt jede Spur. besitzer in Unterhandlung.

* Jugend se st. Bei dem Jugendfest im Philoso­phenwald am 28. Juli steht eine Beteiligung von etwa 4600 Kindern zu erwarten. Es wird also auch diesmal wieder das Fest einen großartigen Verlauf nehmen.

** Provinzialtag. Der Plan der Errichtung einer elektrischen Zentrale bei Lißberg hat nun auch die Genehmigung des Provinzialtages gefunden. Das Wert wird bei über 3 Millionen Mark Bautosten insgesamt 63 Orte der näheren und weiteren Umgebung bis nach Lich und Grünberg hin mit elektrischem Strom versorgen, der sich infolge der ausgedehnten Verwendung der Wasserkräfte zur Eletrizitätserzeugung nur auf 30-40 Pfg. für die Kilowattstunde stellen wird.

* Die Verwaltung der Ober- Postdirektion Darmstadt geht von dem Wirklichen Geheimen Ober­Postrat Kobelt, der am 1. Juli in den Ruhestand tritt, auf den neu ernannten Ober- Postdirektor Milka u über. Stadttheater. Nach dem großen Erfolg des ersten Nau­heimer Operettengastspiels ist dringend zu hoffen, daß die weiteren Operettenabende besser besucht werden. Die Durchführung dieser Gastspiele in großstädtischer Aufmachung und mit erstklassigen Kräften würde im andern Falle für die nächsten Jahre in Frage

gestellt sein.

Frl. Grete Brill, die ausgezeichnete und beliebte Soubrette des Ensembles ist vom Herbst ab an das Dresdener Residenz­theater verpflichtet. Sie ist zweifellos eine der temperament­vollsten und seschesten Vertreterinnen ihres Faches und wird sicher auch als Briefchristel" im Vogelhändler" am Dienstag mit in erster Reihe des Erfolges stehen. Uebrigens sind sämtliche ersten Kräfte des Ensembles am Dienstag beschäftigt. Die Ausgabe der Billets für Dienstag findet von Sonntag 11 Uhr ab statt.

Aus Hessen und Nachbargebiet.

* Nieder- Kleen. Am nächsten Sonntag und Montag wird hier das Hüttenberger Sängerbundesfest ge­feiert. Unsere Gemeinde und der festgebende Verein haben alles aufgeboten, um das Fest zu einem schönen und wohl­gelungenen zu gestalten. Außer den Gesangvereinen, die dem Hüttenberger Sängerbund angehören, werden noch eine Anzahl anderer Gesangvereine eintreffen, so daß sich eine stattliche Sängerschar bei uns zusammensinden wird.

* Aus der Wetterau. Einige Wochen früher als sonst hat dieses Jahr die Heuernte begonnen. Die letz­ten Gewitterregen waren für den Graswuchs nur sehr för­derlich, so daß die Ernte außerordentlich reich und die Güte des Futters vorzüglich ist. Der Zentner neues Heu wurde mit 2,20-2,50 Mt. bezahlt, während im Vorjahre der Preis auf das Doppelte gestiegen war.

Ober See men. In einem Dampfsägewerk war ein Arbeiter mit dem Durchlägen eines Holzes an der Zir­kelsäge beschäftigt, als plöblich ein Spahn abflog und dem Manne den Hals durchbohrte. Der Tod trat auf der Stelle ein.

* Büdingen. Hier wurde ein Hebammenverein für den Kreis gebildet, der die Hebung der Standesinteres sen und Förderung der Ausbildung bezweckt. Der Verein zählt bis jetzt 50 Mitglieder. Vorsißende ist Frau Kölsch­Nidda, Stellvertreterin Frau Hillenbrand- Bleichenbach.

* Hungen. Die für den Verkehr mit elektrischen Triebwagen auf dem hiesigen Bahnhofe zu errichtende Kraft­station ist hinter dem Lokomotivschuppen im Bau begriffen die und schreitet rasch vorwärts. In Kürze sollen auch Arbeiten zur Erweiterung des Personenbahnhofs und des auf Güterschuppens vergeben werden. Der Güterverkehr der hiesigen Station hat eine fortwährende Steigerung er der fahren und ist der stärkste von sämtlichen Stationen Bahnlinie zwischen Gießen und Gelnhausen.

* Friedberg. Im Hotel Trapp fand die Gene­ralversammlung des Hessischen Sparkassenverbandes statt, der als Vertreter des Deutschen Sparkassenverbandes Göt­64 Direktoren vertraten die ting- Hildesheim beiwohnte. Kassen des Großherzogtums. Nach Erstattung des Geschäfts­berichts hielt Direktor Bastian einen eingehenden Vortrag über den Verkehr mit der Hessischen Landes hypothekenbank und Landesbankrat Rausch einen Vortrag über Wertpapiere und ihre Bedeutung für die Sparkassen.

* Friedberg. Ihr 700jähriges Bestehen kann unsere Stadt 1916 begehen. Da Friedberg auf eine reiche denkwürdige Geschichte zurückblickt, so ist angeregt worden, das neu entstandene umfangreiche Archiv und das reichhal­tige Museum in einem angemessenen Gebäude unterzubrin­gen. Man hofft auch, daß eine würdige Gedenkfeier zustande kommt.

* Laubach. Der letzte Schweinemarkt war unge­wöhnlich start, mit 436 Stück, befahren, wovon 313 von Händlern, der Rest mit 123 Stück von Bauersleuten aus Ser Umgegend aufgetrieben waren. Schwächere Ferkel stell­ten sich das Paar 50 Mark, stärkere auf 65-80 Mart. * Nidda. In dem Kontursverfahren über das Ver­mögen des Vorschuß- und Kreditvereins zu Ober- Mockstadt, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, soll eine zweite Abschlagsverteilung stattfinden. Zu berück sichtigen sind 2014 578.31 Mark nicht bevorrechtigte Forder­ungen denen eine verfügbare Masse von 302 323,55 Mart gegenübersteht.

* Darmstadt. Hier starb nach langem Leiden im Alter von 73 Jahren Generalmajor a. D. F riz Beck. Der Verstorbene war längere Zeit Distriktskommandeur der Gendarmerie in Oberhessen und in Rheinhessen, bis er am 10. Mai 1888 Korpskommandeur der Gendarmerie wurde. In dieser Eigenschaft wirkte er bis zum 1. Okto­ber 1906, wo er in den Ruhestand trat. Bei seinem Schei­den aus dem Dienst wurde ihm der Charakter als General­major verliehen.

* Darmstadt. Nach dem Personalverzeichnis der Technischen Hochschule für das Sommersemester 1910 ist eine Gesamtbesucherzahl von 1407 gemeldet, darunter 43 Damen. Im letzten Wintersemester betrug die Zahl 1682, darunter 132 Damen. Die Besucher sind 1042 Deutsche und 365 Ausländer. Preußen stellt 503, Hessen 337, Bayern 58, Elsaß Lothringen 25, Baden 23 Besucher 2c. Von den Ausländern sind 277 Russen, 25 Desterreicher, 20 Norwe­ger, 8 Schweizer, 7 Engländer, 5 Italiener 2c. An der Hochschule sind 41 Studentenvereinigungen und Verbindun­gen angemeldet und zugelassen.nd

* Aus Rheinhessen. Die Provinz Rheinhes­sen steht im Gegensatz zum Vorjahr vor einer reichen Ge­treide und Futterernte. Korn, Gerste und Weizen, die hauptsächlichsten hier gepflanzten Halmfrüchte, haben sich so prachtvoll entwickelt wie seit Jahren nicht.

* Offenba ch. Die Schuh- und Schäftefabriken fündigten sämtlichen Arbeitern, 1000 an der Zahl, zum 21. Juni, weil in einer Schuhfabrit ein Streit ausbrach und eine Einigung nicht herbeigeführt werden konnte.

* Marburg. Die Gesamtzahl der an der hiesigen Universität immatrikulierten Studierenden beträgt 2192 ( darunter 55 Frauen). Rechnet man noch die 31 Männer und 14 Frauen, welche zum Hören der Vorlesungen berech­tigt sind, hinzu, so erhöht sich die Ziffer auf 2237, gegen 2113 im vorigen Sommer und 1829 im letzten Winter.

* Marburg. Die Anregung, daß Studenten wäh­rend der großen Ferien bei Landwirten Beschäftigung fin­den, dürfte in diesem Sommer hier zum ersten Male er­

Aus aller Welt.

* Berlin. Der Kaiser hat sich einen anschei­nend durch die ersten, nach der Genesung unternommenen Ritte veranlaßten Erguß im rechten Kniegelenk zugezogen. Sein Allgemeinbefinden ist in keiner Weise gestört. Um Mißdeutungen vorzubeugen, wird ärztlicherseits Wert da= rauf gelegt, auszusprechen, daß ein Zusammenhang der Knieaffektion mit dem nunmehr geheilten Furunkel nicht be­steht. * Stuttgart. Das Befinden des Königs von Württemberg, der, wie bereits gemeldet, an einem Darm­leiden erkrankt war, hat sich in den letzten Tagen soweit gebessert, daß sich der Monarch jetzt außer ärztlicher Behand­lung befindet.

* Plauen i. V. Die 75 Jahre alte Milchfrau Rau in Feldwiese bei Elsterburg wurde in ihrer Wohnung ermordet. Es liegt ein Raubmord vor. Vom Täter fehlt jede Spur.

* Danzig. Eine Feuers brunst hat das Dorf Schlachting im Kreise Tuchel in Westpreußen heimgesucht. Nicht weniger als 15 Gehöfte wurden in furzer Zeit ein Raub der Flammen. Im ganzen sind 37 Gebäude einge­äschert worden. Zwei Kinder sind in den Flammen um­gekommen. An eine Rettung war bei der herrschenden Dürre nicht zu denken. Das ganze lebende und tote Inventar ist mit verbrannt. Die Abgebrannten sind meist nur gering versichert. Der Brand soll durch Kinder verursacht worden sein.

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* Montreal. Auf dem Dach des Geschäftshauses des Herald" in Montreal stürzte ein riesiger Wasserbehäl­ter zusammen und durchschlug die vier Stockwerke des Ge­bäudes. Eine große Anzahl der Angestellten wurde tötet oder verwundet. Im Anschluß daran brach ein Feuer aus, welches das Gebäude vollständig zerstörte. Die Zahl der Toten wird auf 30-40, die der Verwundeten auf 50 angegeben.

* Southampton. Theodor Roosevelt ist mit seiner Familie an Bord des Dampfers Kaiserin Auguste Viktoria" nach New- York abgereist.

* Jerusalem. Das syrische evangelische Waisen­haus in Jerusalem wurde ein Raus der Flammen. Ueber 1000 Waisenfinder sind einstweilen in den Räumen der Kai­serin Auguste- Vittoria- Stiftung auf dem Delberge unterge­bracht.

)( Jean Böschlin gewann am 12. Juni wieder­um auf seinem leichtlaufenden Brennaborrade ein 60 Kilo­meter- Dauerrennen hinter Motorführung um den Grand prig des nations in La Louviere.

)( Den Prir Troyes gewann C. Simar am 12. Juni in einem 30 Kilometer- Rennen vor Bouhours, Goche u. a. in Troyes. Simar benußt die Markte Brennabor.

Hochwasser.

Von den bayrischen Städten ist Augsburg am schwersten durch das Hochwasser betroffen worden. Der Lech ist mit unheimlicher Schnelligkeit um mehr als 4 Meter ge stiegen und hat die westliche Stadt mit ihrer vielseitigen Industrie, die vielfach stilliegt, überschwemmt. Die Eisen­bahnbrücke bei Hochzell, auf der die Linien Augsburg- Mün­chen und Augsburg- Kempten- Lindau abzweigen, ist in Ge­fahr, einzustürzen. Hochzell, Friedberg, Gerau und Sieben brunn stehen völlig unter Wasser. Die Verheerungen find große. An der Ringbahn trat ein 300 Meter langer Damm­bruch ein. Die Schienen wurden mit fortgerissen., Schulen sind teilweise geschlossen, Militär und Feuerwehr arbeiten angestrengt.

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Auch das A m mertal wurde durch eine Ueberschwem­mung heimgesucht. Oberammergau ist von allem Verkehr abgeschnitten, so daß die Spiele bis auf weiteres einge stellt werden mußten. Die Iller führt Hochwasser von noch nie dagewesener Stärke. Oberhalb UI m sind die Hoch wasserdäme häufig durchbrochen. Die Ueberflutung dehnt sich von Dietenheim bis nahe an Ulm aus. Dietenheim, Ar und Au stehen ganz unter Wasser. Die Spinnereien Au und Gerlenhofen sind vollständig von Wasser umgeben. Die Donau ist auf 3.50 Meter gestiegen. Der Prinzre gent, der vorgestern den Minister Brettreich empfing, spen Sete 20 000 Mt. zur Linderung der ersten Not.

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Der Rhein führt ebenfalls seit vorgestern Hochwas­ser, das namentlich in Oberelsaß große Verheerungen an richtete. Aus Diebolsheim und Rheinau wird der Bruch be­eines Querdammes gemeldet. Die Wasserwehren der teiligten Orte sind aus dem Plaße und errichten Notdämme, da Diebolsheim bedroht ist. In Markolsheim und Rheinau ist der Rhein überraschend schnell in Wald und Feld ge treten und steht dort stellenweise sehr hoch, so z. B. bei Markolsheim im sohenannten Niederholz, einem großen, fruchtbaren Ackerland, Meter hoch, ebenso bei Boots heim Meter hoch, ferner sehr hoch bei Schönau. Die Zu Feldfrüchte der ganzen Umgegend sind bedroht. Die fahrtstraßen für Wagen nach Rheinau, Schönau, sowie Mar folsheim sind für den Fuhrverkehr vollständig gesperrt.

In der nördlichen und östlichen Schweiz, besonders in der Bodenseegegend, gleichen die Niederungen einem großen See. In Schruns im Voralberg zerstörte das Hoch­wasser die Parkett- und Bodenfabrik von Montafoner; die Bahn mußte den Betrieb für mehrere Monate einstellen. In Bregenz ist ein Mann ertrunken. Die Staatsbahnbrücke über den Fluß bei Ludesch ist gefährdet. Die Brücken bei Martinau, Vorder- Nernbach und Weißenbach find wegge rissen; die Dörfer Breitenwang, Moosau und Binswang stehen unter Wasser. Die Lech- Regulierungsarbeiten wur den vielfach zerstört.

Auch aus Ungarn laufen Nachrichten dieser Art ein: Im Komitat Krasso Szoorony ist ein Wolkenbruch nieder gegangen. Mehrere Orte wurden von der Flut buchstäblich fortgeschwemmt. In zahlreichen Ortschaften stürzten die mek sten Häuser ein. Bisher wurden 259 Tote gefunden. Borzasta und Lynot allein über 100. Straßen, Brücken, Telegraphen und Telephone sind zerstört. Die Saaten und Wiesen haben den größten Schaden erlitten. Der größte Teil der Bevölkerung ist dem Elend preisgegeben.

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Serbien ist ebenfalls nicht verschont geblieben. Der in Swilajnaz und Umgebung durch das Unwetter angerich tete Schaden ist so groß, daß ein großer Teil der Bevöl ferung von allen Mitteln entblößt ist und auf staatliche Unterstüßung angewiesen ist. Von tausend Häusern in Swi Tajnaz ist nur ein kleiner Teil unversehrt. Bis jetzt wur den 62 Leichen aufgefunden. In den Dörfern an der Ro ava sind viele Häuser samt ihren Einwohnern fortgeschwemmt.

Literarisches. momida

Griebens Reiseführer. Band 6. Ber lin und Umgebung.( 2 Mt.), fleine Ausgabe 1 M. Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin W. Die Bearbeit ung des Buches verdient volle Anerkennung; die Angaben der Besuchszeiten von Sammlungen und Museen find ge nau revidiert und enthalten, was besonders für Fremde an genehm ist, überall die Straßenbahnverbindung. Man fans

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