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Maschinensteiger Heinrich Neuß. oer 42jährige Schichtmeister Fritz Opel, der 49jährige Kesselmeister Friedrich Neuß und der 38fährige Lampenmeister Hermann Neuß aus Buer. Die Anklage lautet gegen Heinrich und Opel auf schweren Diebstahl, gegen die anderen auf Beihilfe dazu. Die zur Anklage stehende Straftat erfolgte, wie wir wiederholt be­richteten, in der Nacht zum 5. November v. J. im Gebäude der Königlichen Berginspektion II in Gladbeck. Als die Beamten am Morgen das Zimmer betraten, von wo aus die Lohnzahlung an die Bergarbeiter erfolgt, saben sie, daß ein Betrag von insgesamt 279 500 M in Gold und Papiergeld fehlte. Einem Berliner Kriminalkommissar gelang es in verhältnismäßig furzer Zeit, die Diebe in 5. Neuß und Opel zu ermitteln. Es gelang auch, den größten Teil des gestohlenen Geldes wieder herbeizuschaf= fen. An der ganzen veruntreuten Summe fehlen bisher nur noch 22 000 M. Bet seiner Vernehmung gab Opel an, daß er von Neuß zu der Tat veranlaßt worden sei. Neuß will auf den Gedanken zu dem Diebstahl durch den schlech­ten Wachdienst auf der Zeche gekommen sein. Die Haupt­ursache sei aber gewesen, daß sie beide gesehen hätten, wie leichtfertig in der Zeche mit Geld umgegangen wurde. Das Urteil lautete gegen den Schichtmeister Friedrich Opel und den Maschinensteiger Heinr. Neuß auf je 4 Jahre Zucht­haus und fünf Jahre Ehrverlust. Der Kesselmetster Fried­rich Neuß und der Lampenmeister Hermann Neuß erhielten je ein Jahr drei Monate Gefängnis.

Mit anonymen Drohbriefen eines Fünfzehnjährigen hatte sich gestern der Jugendgerichtshof in Bamberg zu beschäftigen. Ein 15jähriger Fortbildungsschüler war we­gen Zeugnisfälschung um eine Klasse zurückversetzt worden, und nun hatte das Bürschchen dem Kultusminister mit dem Aufmarsch von 4600 Arbeitern gedroht, die nach russi­scher Art alles vor sich niedermeßeln würden, wenn der barbarische Klassenlehrer nicht binnen drei Tagen entlassen würde. Auch an den Prinzregenten hatte der junge Bursche einen anonymen Brief gerichtet; in dem Schlußpaffus des Briefes hieß es: Ihre Majestät wird dringend um Ab­hilfe gebeten durch sofortige Entlassung des betreffenden Lehrers, nachdem ein Schreiben an den Kultusminister er­folglos geblieben ist. Mit vielen Grüßen 4634 Arbeiter." Das Urteil lautete auf drei Wochen Gefängnis.

Vermischtes

Milde Winter. Die auffallend milde Witterung, deren wir uns im heurigen Winter erfreuen, gibt Anlaß, auf ähnlich milde Winter in früheren Zetten hinzuweisen. Aus dem Jahre 1182 wird berichtet, daß die Bäume damals in­falge der warmen Witterung bereits im Februar Früchte getragen hätten.(?) 1186 gab es im Januar Baumblüte und Anno 1387 war dies bereits um Weihnachten der Fall. Eine alte Konstanzer Chronik erzählt, daß die Mägdelein mit frischen Blumen geschmückt umhergegangen seien und die Knaben im Bodensee gebadet hätten. Ein gleiches wird im Jahre 1287 aus dem Elsaß gemeldet. Die Vegetation war da zu Anfang Januar bereits so weit vorgeschritten, wte im Monat Mai, der Wein blühte und überall herrschte sommerliches Treiben. Auch die Winter der Jahre 1290 und 1801 hatten abnorm milde Temperaturen aufzuweisen, die pärmste Witterung aber scheint Anno 1420 geherrscht zu ha= ben. Die Bäume trugen in jenem Jahr zweimal Früchte, Flur und Hain prangten während des Dezembermonats Im Schmuck des Frühlings und Anfang April konnte be­reits der Schnitt des Getreides stattfinden. In den Jahren 1416, 1478 und 1497 erfreute man sich zur Adventszeit der Baumblüte, und auch 1586 standen Baum und Strauch um das Christfest in frühlingsfrischem Blütenschmuck. Aus dem 19. Jahrhundert werden gleichfalls verschiedentlich beson­ders milde Winter gemeldet. So soll die Temperatur in den Jahren 1811, 1815 und 1822 während der Monate De­zember und Januar eine außergewöhnlich hohe gewesen sein.

Bogenlampen in Eisenbahnwagen. Seit einiger Zett hat, wie die Deutsche Verkehrs- Zeitung" mitteilt, eine amerikanische Eisenbahngesellschaft auf der Linie Chicago­Wanhegan eine Anzahl von Wagen mit elektrischen Bogen­lompen versehen lassen. Sie haben eine Lichtstärke von 200 Kerzen. Die Batterien sind unter den einzelnen Wagen an= gebracht. Statt der zahlreichen Glühlampen, die sonst die Pullman- Wagen erleuchten, benötigt man nur drei Bogen­lampen und hat dadurch ein weit helleres, besonders dem Beitung lesenden Publikum angenehmes Licht, dessen ruhiges Brennen durch die federnde Aufhängung der Bo­genlampen gesichert ist.

Einer der Kronzengen im Prozeß Eulenburg, der Milch­händler Georg Niedl, sollte gestern vor dem Münchener Schöffengericht wegen groben Unfugs und Schutzmanns­beleidigung sich verantworten. Riedl hatte sich im Septem= ber vorigen Jahres in einem Restaurant in München set­ner Beziehungen zum Fürsten Eulenburg in einer derart ungebührlichen Weise gerühmt, daß das Publikum Nerger­nis daran nahm und Riedl gewaltsam aus dem Lokal ent­fernte. Riedt begab sich hierauf zur Polizeidirektion und er­stattete wegen der ihm widerfahrenen Mißhandlung An­zeige, wobei er obenein einen Schuhmann beleidigte. Riedl war zur Verhandlung nicht erschienen, weshalb zwangs= weise Vorführung angeordnet wurde. Da er abe in sei­ner Wohnung nicht angetroffen wurde, mußte die Verhand lung bis auf weiteres vertagt werden.

Chinesische Barbarci. Aus Schanghai wird gemeldet, baß die Konsuln gestern den deutschen, englischen und amert­tanischen Assessor des gemischten Gerichtshofes beauftragten, sich zu dem Richter in der Chinesenstadt zu begeben und von biesem die Herausgabe eines widerrechtlich verhafteten chinesischen Bewohners der europäischen Niederlassung zu verlangen. Der Mann war infolge eines unbedeutenden Landstreites von den chinesischen Behörden festgenommen und nach der ummauerten( Chinesen-) Stadt verschleppt worden. Als sich seine Verwandten be dem gemischten Ge­richtshof beklagten, verurteilte der chinesische Richter den Gefangenen zu 4000 Stockhieben. Nachdem er 2900 Hiebe ausgehalten hatte, mußte die Bestrafung jedoch eingestellt werden, da das Fleisch in Feßen abfiel, und die Knochen bloßgelegt waren. Die drei europäischen Beamten verlang­ten nun die sofortige Auslieferung des Gefangenen, der Richter aber weigerte sich, diesem Verlangen nachzukommen, meil er vorerst Instruktion vom Taoti( Statthalter) ein­holen müsse. Daraufhin erklärten die Europäer, sie wür­den das Haus des Richters nicht eher verlassen, als bis ihnen der Gefangene ausgeliefert sei. Nachdem sie sieben Stunden gewartet hatten, gab endlich der Taott, auf den die Festigkeit der europäischen Beamten einen tiefen Ein­druck gemacht hatte, nach und ordnete die Auslieferung des Gefangenen gegen Bürgschaft an. In der europäischen Stadt ist man aufs höchste über die unmenschliche Bestra­fung des Gefangenen entrüstet.

Lieber tot als arm." Der 18jährige Kurt Beyer aus der Schönholzer Straße in Berlin besuchte eine Techniker­schule und nebenbei beschäftigte er sich als Photograph. Er glaubte, daß er Talent zum Maler habe und wollte eine Kunstreise nach Italien unternehmen. Hierzu fehlte ihm aber das Geld. Vergeblich klopfte er bei Verwandten an. Dann spielte er ein Viertellos der Preußischen Klassen­lotterie. Das Glück wollte aber nicht eintreten; er gewann nichts. Nun war B. verzweifelt. Gestern wurde er in feiner Dunkelfammer vergiftet aufgefunden. Das Viertel­los hatte er photographisch vergrößert und darauf die Worte gemalt: Lieber tot als arm." Darüber stand ein Toten­kopf. Auch dieser Selbstmord ist ein trauriges Zeichen der Zeit.

Wahnsinnstat zweier Griechinuen. Unter dieser Spiz­marke erzählt eine Berliner Zeitung folgendes: In der

vergangenen Nacht sind zwei Damen, die in der Uhland­straße in Berlin wohnen, vom Verfolgungswahn befallen worden und haben auf die ihnen zu Hilfe eilenden Be­amten geschossen. Die beiden Damen sind Griechinnen. Gegen 12 Uhr riefen sie aus dem Fenster um Hilfe. Eine Schußmannspatrouille hörte die Rufe und eilte herbet. Daraufhin schoß eine der Damen mit einem Revolver auf die Beamten. Nun drangen diese in die Wohnung ein und fanden die beiden fremden Damen nur ganz not­dürftig bekleidet vor. Die eine hielt ihnen den Revolver entgegen und schoß zum zweiten Male, wiederum, ohne zu treffen. Die andere ging auf die Schuhleute mit erhobenem Dolch los. Bei dem Versuch, thnen die Waffen zu entwin­den, verletzte sich der eine Beamte an der Hand. Die beiden Kranken wurden dann ins Krankenhaus überführt.

Eine eigenartige Wette, die im Laufe dieses Jahres noch ihre Erledigung finden wird, wird zurzeit in Paris viel besprochen. Als die Weltausstellung von 1900 ge= schlossen wurde, Iteß man die große Uhr des sogenannten " Petit Palais" an der Alexanderbrücke stehen und seither zog man sie nicht wieder auf, vermutlich, weil kein Funk­tionär als uhraufzieher im Budget der Stadt Paris stand. Ein Amerikaner, der Paris gut fannte, wettete damals mehrere tausend Dollar, daß die Uhr wenigstens zehn Jahre lang unaufgezogen stehen bleiben werde. Jetzt sind mehr als neun Jahre um, und die Uhr zeigt noch immer wie beim Schluffe der Weltausstellung sechs 1thr zehn Minuten. Pouvard, der Architekt der Stadt Parts, stellt nun aber den Antrag, gewisse Reparaturen am Petit Palais auszufüh= ren, unter denen auch das Wiederausziehen der 1hr figu= riert. Es fragt sich nun, ob diese schwere Arbeit bis zum November dieses Jahres getan sein wird oder nicht. Im letzteren Falle hätte der Amerikaner seine Wette gewonnen. Automobilismus und Vegetarier. Daß der Vegetaris= mus auf die Automobilindustrie einen schädigenden Ein­fluß ausübt, diese Entdeckung zu machen, blieb dem Präsidenten der Stiefel- und Schuhfabrikantenvereine Nordamerikas, Mr. Hanau, vorbehalten. Präsident Hanau teilte dem Vorstand der Automobilfonvention mit, das ständige Anwachsen der vegetarischen Bewegung würde auch dte Automobilfabrikanten zwingen, höhere Preise zu ver­langen. Zur Industrie der Automobile mürden heitte in den Vereinigten Staaten jährlich 500 000 Felle gebraucht. Die Schuhfabrikanten zahlen jebt zehn Prozent mehr für die Rohmaterialien als vor einem Jahr. Und warum? Weil- so folaert Mr. Hanau die Vegetarier einen Rückgang in der Zahl der getöteten Rinder verursachen.

Ein merkwürdiner Fall von religiösem Wahnsinn in Verbindung mit hysterischer Anästhesie erregt in Turin gro­kes Aufsehen. Die zwanzigjährige Dienstmaad Olumnia Jeangros wurde gestern in ihrem Bett bewußtlos aufge= funden. Sie hatte die Kreuzigung erleiden wollen, stch Nä­gel durch Hände und Füke aetrieben, und Kopf und Brust durch zahlreiche Stiche und Stöße verletzt. Der Grund, der das aus dem Aosta- Tale stammende Mädchen veranlakt hatte, sich selbst zu martern, war gering genug; sie war am Nachmittage bei ihrer Schwester gewesen und diese hatte thr vorgeworfen, sie hätte von ihrer letzten Dienstherrschaft schlecht gesprochen. Das unglückliche Mädchen beschloß zu sterben, und dabei die Qualen thres Erlösers zit erleiden. Betm schwachen Scheine einer Kerze vollbrachte sie in ihrer Kammer ihr Werk: fie trieb sich mit vieler Mühe zwei ver­rostete Nägel von fünf Zentimeter Länge durch die Fikke und dann zwei andere durch die Hände. Sie vollbrachte diese stotsche Tat mit einer überraschenden Genauigkeit: sämtliche Nägel gehen genau durch die Mitte der Hand­und Fußflächen. die Wunden haben keinen Bluterguß ver­ursacht, und vernarben, ohne daß der Rost Veralstung her­vorgerufen hat. Als am Morgen nach langstündiger. Gr= wartung der Tod nicht eintrat, Holte das Mädchen ein Ta­schenmesser, brachte sich damit zahlreiche Stiche an Kopf und Brust bet und stieß sich mit dem Heft viele Beulen. Wenn das Mädchen infolge des nun entstandenen Bintverluftes nicht ohnmächtig geworden wäre, so hätte es wahrscheinlich mit sich ein Ende gemacht. Wenige Stunden darauf wurde die freiwillige Märtyrin von ihrer Herrschaft gefunden und in ein Hospital geschafft, wo sie jetzt unter großen Schmerzen darniederliegt.

Die Sefte der Faullenzer. Im Kaukafus hat sich eine neue Sekte gebildet. deren Grundsätze geeignet sind, ihr in der ganzen Welt zahllose begeisterte Anhänger zu verschaf= fen. Schon ihr Name klingt äußerst snmpathisch. Sie nennt fich die Sekte der Faullenzer. Ihr Stammgebiet ist Gru­sien. Dort tauchte vor kurzem ein Prophet auf, der von der herrlichen Faulheit zu predigen begann. Er erzählte den Leuten, die von allen Seiten herbeiströmten, um die neue Heilsbotschaft zu vernehmen, daß man blok Tage in der Woche arbeiten dürfe, die anderen Tage aber dem köstlichen Nichtstun weihen müsse. Diese angenehme Weisheit fiel sofort auf fruchtbaren Boden. Zu Hunderten bekehrten sich die Hörer zu der neuen Lehre. Sie arbeiten fortan nur am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Die anderen Tage bleiben blau". Wer sich eines Ungehorsams gegen die Sabung zu schulden komemn läßt, muß Strale zahlen. Die Geldstrafen schwanken zwischen 25 und 50 Ru­bel. Von Grusien aus verbrettet sich die neue Lehre auch auf andere Gebiete des Kaukasus. Man darf annehmen, daß sich bald noch eine radikalere Gruppe bildet, die sich gegen die noch übrig geblichenen Arbeitstage wendet. Ein Kinderstreit im Theater. Donnerstag nachmit­tag hat sich im Kieler Stadttheater bei der Wiederholung des Weihnachtsmärchens Aschenbrödel" eine regelrechte Streifzene abaespielt. Die Kieler N. N. berichten darüber: Die kleinsten Mitwirkenden, ungefähr 30 Kinder, die feit Anfang Dezember in allen Aufführungen des Märchens als Statisten und Tänzer beschäftigt sind, haben bisher aus unerklärlichen Gründen troß wiederholter Bitten ihr verdientes Spielhonorar noch nicht erhalten und weiger­ten sich plötzlich einmütig, ferner mitzuwirken, wenn nicht vorher die Auszahlung erfolgte. Frei nach Muster benußten die Kinder den für sie günstigsten Mo­ment zur Erreichung ihrer Forderung, denn sie wußten, daß durch ihre Weigerung die Vorstellung in Frage ge­stellt wurde. Der für die Honorarbewilligung dige Stadtrat M. Möller wurde schleunigst antelephoniert und versprach auch, die Honorare bis Freitag auszuzahlen. Doch dieses Mittel half nicht viel, denn die Kinder erklär­ten einmütig, derartige Versprechungen wären ihnen schon oft gemacht, und statt dessen wären sogar immer Abzüge durch Stadtrat Möller erfolgt. Zu Weihnachten hätten sie bestimmt auf ihren sauer erworbenen kleinen Verdienst gerechnet, um dafür allerhand Einkäufe machen zu können und sie wären immer wieder vertröstet worden. Erst als von verschiedenen Seiten durch eindringliches Zureden auf die Kleinen gewirkt und ihnen für das Ankleiden zur Vor­stellung Schokolade versprochen wurde, konnte die Miß­stimmung einstweilen beseitigt und die Aufführung ermög­licht werden.

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Aus dem Leben der Eskimos.

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Ueber die Eskimos, die bei den Nordpolerforschungen seit ieher unentbehrlich waren, veröffentlicht Stefansson auf Grund eigener Beobachtungen im Bulletin der ame­rikanischen Geographischen Gesellschaft interessante Beiträ­ge. Seitdem in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhun­Berts die Walfischfänger die Nordküste Alaskas zu Fang­zwecken aufsuchen u. sich gleichzeitig die Missionare der Ein­geborenen angenommen haben, haben sich die Verhältnisse ber Estimos sehr verschlechtert, und ihre Bahl ist bedeu­tend zurückgegangen. Bis dahin lebten die Eskimos in elenden Hütten mit außerordentlich dicken und undurch­

lässigen Wänden, die es ermöglichten, daß vter oder fünf brennende Tranlampen og genügender Ventilation eine fonstante Temperatur von 20-30 Gr. Celsius in der Hütte schafften. Tran liefern im Ueberfluß die Seehunde, Wal­rosse und Walfische des Meeres, und so vermochten sich die Estimos gut gegen die extremen Wintertemperaturen zu schützen. Als die Missionare kamen, lehrten sie die Es timos Häuser bauen, wozu ein großer Teil der an der Küste angeschwemmten Treibhölzer verwendet wurden; mit dem Resie des Treibholzes wurden die Desen in den neuen Wohnungen geheizt, da Tranlampen hier nicht zu ver­wenden waren. In kurzer Zeit war die ganze Küste, so­weit sie bewohnt ist, vom Treibholz entblößt, und der reiche Eskimo muß sich nun Kohlen von Seattle herkom. men lassen, während der arme zu langen Schlittenreisen zwecks Erlangung von Feuerungsmaterial gezwungen ist. Troß alledem ist es nicht möglich, in den neuen Wohn­ungen auch nur annähernd so hohe Temperatur zu erzeu gen wie in den alten Hütten; die' skimos können infolge­dessen den niedrigen Wintertemperaturen nicht mehr wider­stehen und fallen schnell der Lungenschwindsucht zum Opfer.

Außer dem Treibholz ist noch ein anderes wichtiges Subsistenzmittel der Eskimos in den letzten Jahren sehr selten geworden: das Renntier. Die Verproviantierung der jährlich an der Küste erscheinenden Weffängerflotten ,. die gegenwärtig eine der Haupteinnahmequel en der Es. fimos bildet, erforderte eine große Menge Estimofleisches, und in wenigen Jahren waren die ansehnlichen Renn tterbestände des Landes fast völlig aufgebraucht. Dadurch wurde den im Innern des Landes lebenden Eskimos ihre Hauptnahrungsquelle entzogen, und sie wurden gezwun­gen, sich nach der Küste oder an die Flußläuse zurückzuzie­hen, wo sie von Fischen und Trantieren leben können. Eine größere Zahl von Eskimos hat sich auch bei den Walfängerstationen niedergelassen und tre: bt bier einen lebhaften Handel mit den Walfängern. Die Zahl der sich überhaupt im nördlichen Alaska aufhaltenden Estimos hat Stefansson auf tausend Köpfe festgestellt. Indessen, ihre Gesamtzahl im arktischen Amerika und an den Küsten der benachbarten Inseln und Grönlands dürfte sich auf etwa 40 000 Köpfe belaufen. Sie schließen ihre Ghen meist sehr früh und leben meist in Monogamie, obwohl Poly­gamie erlaubt ist. Auch Polyandrie hat man bei ihnen beobachtet. Sie sind nicht ohne geistige Begabung, was sich schon darin zeigt, daß sie die außerordentlichen Schwierigkeiten ihrer durch den Wohnsiz in so unwirt­lichen Gegenden hervorgerufenen Lage zu überwinden wis sen. In der Anfertigung ihrer Geräte bekunden sie einen tünstlerischen Sinn. Auch haben sie sich als gelehrige Schüler der Missionare erwiesen. Schon in alten Zeiten haben sie den Seefahrern wesentliche Dienste geleistet und sind dieser Kulturarbeit bis in die neueſte Zeit treu geblieben.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Parlamentarische Nachrichten.

Berlin, 15. Januar. Das preußische Abgeordneten haus nahm heute die Wahl des Präsidiums vor. Abgeord: neter Kröcher( fons.) wurde zum Präsidenten, der Abge ordnete Porsch( Zentrum) zum ersten und der Abg. Krause ( natl.) zum zweiten Vizepräsidenten wiedergewählt. Eben so wurden die Schriftführer durch Zuruf wiedergewählt Darauf trat das Haus in die Beratung des Etats ein. Passagierfahrten im Ruftichiff.

München, 15. Januar. In einem Vortrag, den Maior v. Parseval hier in Gegenwart der Prinzen Ludwig, Nupp­recht und Leopold sowie des Kriegsministers Freiherrn b. Horn hielt, teilte er mit, daß für Anfang Mai dieses Jahres die Eröffnung des Betriebes der von der Münche­ner Parseval- Luftfahrzeug- Gesellschaft mit Unterstützung der Stadt München geplanten Fahrten mit einem. Parseval­ballon von München aus gesichert sei.

Ein verunglückter Flugversuch.

Chemnitz, 15. Januar. Bei einem Aufstieg mit dem von ihm selbst konstruierten Flugapparat stürzte gestern der junge Flugtechniker Schüler zu Boden, wurde aber nur leicht verletzt. In einer Höhe von acht Metern war der Apparat plötzlich von einem starken Windstoß erfaßt wor den. Die Propeller brachen beim Ueberschlagen und wur den 40 Meter weit fortgeschleudert.

Von einem Torpedo getötet. Wilhelmshaven, 15. Januar. Beim Einsetzen eines Torpedos auf dem Kreuzer Dresden wurde ein Oberheizer durch den Torpedo so unglücklich im Nacken getroffen, daß er sofort tot war.

Aus der Klasse heraus verhaftet. Völklingen, 15. Januar. Ein 17jähriger Gymna siast, Sohn einer angesehenen Familie, wurde aus der Klasse heraus verhaftet, weil er sich an seiner 11jährigen Schwester schwer vergangen hatte.

Ein Lehrer von seinen Schülern mißhandelt. Breslau, 15. Januar. In der ländlichen Forthil­dungsschule in Mikultschütz( Oberscht.) haben die Schüler einer Klasse ihren Lehrer wegen Maßregelung eines Mit­schülers in schwerster Weise mikhandelt.

Die vergeßlichen Berliner.

Berlin, 15. Januar. Im vorigen Jahre sind in den Straßenbahnwagen 29 000 Regenschirme verloren gegangen; nur etwa 16 000 wurden abgeholt, Ferner wurden 4000 Portemonnaies und Damentaschen mit mehr oder weniger wertvollem Inhalt, 2400 Bücher, zum größten Teil Schund literatur, und 985 Operngläser gefunden.

Selbstmord megen eines Geldverlustes. Dessau, 15. Januar. Vor einiger Zeit verlor ein Rentier auf einem Spaziergang seine Brieftasche mit 4500 Mt. Untröstlich über den Verlust erhängte er sich an einem Baume des Weges, auf dem er sein Eigentum berloren hatte.

Der Hamburger Raubmörder entdeckt. Samburg, 15. Januar. Der Mörder der fandleihe rin Merkli ist gestern abend im Cafe Opera verhaftet wor den. Es ist der 19jährige Handlungsfommis Holfte, an­geblich aus Hannover gebürtig. Der Verhaftete legte das Geständnis ab, die Merkli im Laufe einer Unterredung durch mehrere Hammerschläge niedergestreckt und ihr dann mit einem Rasiermesser die Kehle durchschnitten zu haben. Der Verdacht lenfte sich auf Holste dadurch, daß er das bei der Mordtat mit Blut besprißte Jakett zur chemischen Reinigung, übergeben hatte. Dem Morde an der Bjandleiherin Luise Merkli muß ein erbitterter Stampf zwi­schen dem Verbrecher und seinem Opfer vorangegangen sein. Der erstere hat sich nach der Tat mit aller Ruhe gereinigt, zwei blutbefleckte Handtücher deuten darauf hin. Was geraubt ist, konnte noch nicht mit Sicherheit fest­gestellt werden; es fehlen an barem Gelde etwa 1300 Mart, außerdem Ringe, Medaillons, Ohrringe usw., alles in Etuis verpackt. Die Merkli war unverheiratet. Streit in Pariser Varietees.

Paris, 15. Januar. In den Varietees Moulin Rouge" und Parisiana" sind die Maschinisten und ein Teil der Musiker in den Ausstand getreten. Die Vorstellungen konnten trotzdem zu Ende geführt werden.

Verhaftete Kirchenräuber.

Paris, 15. Januar. Die Polizei verhaftete gestern eine aus drei Italienern und einem Russen bestehende Diebesbande, die u. a. vor zwei Monaten in einer Kirche zu Rouen mehrere kostbare Tapisserien und andere wert­volle Gegenstände geraubt hatten