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Lokales.
Gießen, 16. Juni 1910. ** Der Großherzog und die Großherzo= gin begaben sich am Dienstag nachmittag mit dem Erbgroßherzog und dem Prinzen Ludwig nach England, und nehmen einen längeren Aufenthalt in dem Seebad Filey ( York).
** Auszeichnung. Auf der letzten Sonntag in Offenbach a. M. stattgefundenen Landesversammlung des Kriegerverbandes„ Hassia". wurde dem Postsekretär a. D. Meyer Gießen die selten zur Ausgabe kommende si l- berne Planchette für Verdienste um den Verband wie um die Kriegervereinssache selbst vom Präsidium mit Worten der Anerkennung überreicht.
er=
* Studentisches. Seitens der Freien Studentenschaft ist jetzt wieder ein studentisches Taschenbuch schienen, das durch seinen gediegenen Inhalt auch in diesem Jahre sich viele Freunde unter den ankommenden Studenten erwerben wird.
-h Achtung vor Taschendieben! Auf dem Lindenplatz wurde einem hiesigen Bürger von 2 jungen Burschen die Uhr aus der Tasche gestohlen. Hoffentlich gelingt es unserer Polizei recht bald, der beiden Verbrecher habhaft zu werden.
* Verhaftung. In der Bleichstraße erregte das Benehmen eines angetrunkenen Mannes großes Aufsehen. Derselbe belästigte alle Vorübergehenden so, daß seitens der herbeigerufenen Polizei zu seiner Verhaftung geschrit ten werden mußte.
-h- Straßenpflasterung. Die Arbeiten auf der Ost- Anlage sind in den letzten Tagen ganz erheblich fortgeschritten. Auch die Bürgersteige haben auf der Gebäudeseite der Straße bereits ein Zementgußpflaster erhalin= ten, daß bei den Bewohnern des dortigen Stadtteils folge seiner mannigfachen Vorzüge zweifellos den größten Beifall finden wird. Die Arbeiten auf der Westanlage nehmen ebenfalls guten Fortgang.
* Vom Tag e. Einem Anwohner der Kaiserallee wurde in der Nacht zum Dienstag ein Firmenschild durch einen Unbekannten in böswilliger Absicht zertrümmert. Hoffentlich gelingt es unserer Polizei, den Unhold zu entdecken, auf den zweifellos die bereits gemeldeten Beschädigungen von Firmenschildern zurückzuführen sind.
* Fröbel- Seminar. Binnen kurzem wird in Gießen unter dem Namen„ Fröbel- Seminar" eine Anstalt entstehen, welche als ihren Hauptzweck die Heranbildung von Kindergärtnerinnen und Erzieherinnen betrachten soll.
** Die vom Hess. Krankenkassenverband veranstaltete 30. Instruktionsstunde findet am nächsten Sonntag, vor= mittags 10 Uhr in Bingen a. Rh. im Hotel zum„ Englischen Hof" und die 31. Instruktionsstunde Sonntag, den 26.
Juni, vormittags 10 Uhr, zu Auerbach a. B. im Saale des Herrn Bürgermeisters Weigold„ Gasthaus zur Berg= straße" statt. Es werden besprochen: 1. Die Reichsversicher ungsordnung; 2. Praktische Verwaltungsfragen.
Hus Hellen und Nachbargebiet.
* Lübellinden. Beim Baden in dem durch die letten Gewitterregen hochangeschwollenen Gleebache ertrant der 11jährige Sohn der Witwe Engel von hier.
* Weilburg. Oberhalb des Forsthauses„ Johan nisburg" wurde der 26jährige Richard Fey, ein Sohn des Besitzers der Eifelsmühle bei Obershausen, mit verschiedenen Wunden tot aufgefunden. Von Wetzlar wurde der städ tische Polizeihund gesandt, der die Spur nach Renderoth nahm. Es wurden schon einige Verhaftungen vorgenom men; doch liegen sichere Indizien noch nicht vor.
* Homberg( Ohm). Vom eigenen Fuhrwerk überfahren und getötet wurde der junge Fuhrmann Lenz. Er war unter seinem mit Bauholz beladenen Wagen beschästigt. Plötzlich zogen die Pferde an und das Hinterrad ging dem jungen Manne über die Brust. Er war sofort
tot.
)( Auf der Hardauin Zürich ging R. Scheuermann am 12. Juni aus einem 10 und 20 Kilometerrennen als Erster hervor. Zweiter im 20 Kilometer- Rennen wurde H. Przyrembel, der wiederum ein 30 Kilometerrennen gewann, in dem sich Scheuermann den zweiten Platz sicherte. Beide fahren Brennabor.
) Die Fernfahrt Berlin- Altona am 12. Juni führte über 310 Kilometer und endete auf der Rennbahn Bahrenfeld. Erster bezw. Zweiter wurden A. Hauptmann und R. Heinrich, welche beide Brennabor fah
ren.
Unwetter.
Während bisher vor allem der Osten und Westen un seres Vaterlandes bös vom Unwetter heimgesucht wurde, tommen jetzt auch Nachrichten aus Süddeutschland, hauptsächlich aus Oberbayern, wo ungeheuere Wollenbrüche niedergegangen sind. Viele oberbayrische Flüsse führen deshalb Hochwasser. In Mittenwald stehen die Mühlen unter Wasser. In Garmisch- Partenkirchen ist der Bahnhof und das Schlachthaus überschwemmt, das Elektrizitätswerk ge fährdet. Der Verkehr Garmisch- Murnau und Weilheim- Peißenberg ist unterbrochen. Oberammergau ist zum großen Teil überschwemmt. Frauen und Kinder mußten durch die Feuerwehr gerettet werden. Die Gegend südlich von Hohenschwangau gleicht einem ungeheuren See. Der Lech ist gleichfalls außerordentlich gestiegen. Man befürchtet eine Katastrophe, da es andauernd regnet. Die Hochwasserflut aus dem Gebirge füllte in wenigen Stunden die ganze Flut= mulde der Isar in der Gegend von München bis zum äußersten Uferrand. Infolge erneuter Regengüsse im Gebirge steigt das Wasser noch. Aus Murnau und Garmisch wird gemeldet, daß die dortigen Wassermassen das Hochwasser von 1899 überstiegen. Die Straßen an dem stark geftiegenen Kochelsee stehen unter Wasser. In Farchant beträgt die Wassertiefe teilweise zwei Meter. Infolge des anhaltenden wollenbruchartigen Regens ist auch die Pöllat über ihre Ufer getreten. Die Feuerwehren von Schwangau und Füssen sind zur Hilfeleistung ausgerückt. Auch Desterreich wurde teilweise schwer heimgesucht. In ganz Steiermark spielte sich eine furchtbare Wetterfatastrophe ab. Etwa 20
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Brücken wurden zerstört und viele Straßen überschwemmt. Der Bahnverkehr über den Semmering und nach Ungarn ist unterbrochen. Zahlreiche Telephonverbindungen sind gestört. In dem Mürz- und Raabtal sind 6 Personen ertrunken.
Das Hochwasser im Ahrtal.
Erst jetzt läßt sich erkennen, welches Unglück die Hochflut über das Ahrtal gebracht hat. Einzelne Dörfer sind völlig verwüstet. Von den Häusern stehen nur noch die Umfassungsmauern. Im Orte Fuchshofen sind alle Bewohner bis auf 6 ertrunten. Fortgesetzt landet man nur teilweise bekleidete Leichen. Zahlreiche Tote liegen zwischen dem Geröll versteckt, so daß die Bergung nur schwierig zu bewältigen ist. Das ganze Ahrtal bildet ein einziges Steingeröll. Im oberen Ahrtal sind die Straßen mit Betten, Möbeln und Kleidern bedeckt. Ein ganger Eisenbahnzug liegt im Wasser. Der Schaden ist unberechenbar. Zahlreiche Städte sind ohne Beleuchtung, wodurch die Gefahr entsteht, daß die auswärtigen froatischen Arbeiter Ausschreitungen verüben, weshalb Infanteriesoldaten zur Aufrechterhaltung der Ordnung in den einzelnen Städten einquartiert wurden. Zahlreiches anderes Militär ist zur Hilfeleistung herangezogen worden. Bisher sind, wenn man die einzelnen Meldungen zusammenfaßt, über 70 Leichen gebor gen worden. Die Zahl der Umgekommenen wird jetzt sogar auf 160 geschätzt. Ein Augenzeuge berichtet aus dem Dorfe Schuld an der Ahr, daß das lintsseitige Dorf völlig zerstört ist. In einem Hause sind 18 Leichen aufgebahrt. Aus anderen Ortschaften an der Oberahr lauten die Meldwasser verursacht wurde, wird auf etwa drei Millionen geungen ebenso troftlos. Der Schaden, der durch das Hochschäßt. Zahlreiche Blätter veröffentlichen Aufrufe für die Geschädigten. Die Aufräumungsarbeiten dürften Monate in Anspruch nehmen.
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