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Zölle auf Getreide und Futtermittel und Ermäßigung der Eisenbahnfrachtfäße für Vieh- und Futtermittel zu wirken.

Um zu verhindern, daß der zur Zeit noch in Urlaub befindliche, aber am Montag seinen Dienst wieder antre­tende Beigeordnete Walter auf den Gang der Untersuch­ung der sanalaffäre und der gegen ihn wegen an­geblich mißbräuchlicher Handhabung der Baupolizei einge­leitete Untersuchung irgendwelchen Einfluß auszuüben ver­mag, wurden ihm sowohl das Dezernat des Kanalbauamts, wie auch das der Baupolizei abgenommen.

* Auz Rheinhessen. Infolge der hohen Fleisch­preise ist in der Provinz der Fleischverbrauch seit 4 Wochen Durchschnittlich um 30 Prozent zurückgegangen. Zu daß der Viehnot fommt noch die bezeichnende Tatsache, viele Landwirte ihr verfaufsfähiges Mastvich in der Hoff­nung auf weiteres Steigen der Viehpreise zurückhalten und so fünstlich die Schlachtviehnot vergrößern.

* Mainz. Eine startbesuchte Protestversammlung nahm einstimmig eine Resolution gegen die Fleischverteuer ung und das persönliche Regiment an.

* Worm 3. Vor einigen Tagen sind auf der Eisen­bahnstrecke Worms- Gundheim durch Explosion der Maschine der Lokomotivführer und der Heizer schwer verwundet wor­den. Nun bringt die" Wormser Voltsz! itung", die bereits früher Enthüllungen über Mißstände bei der Eisenbahnin spektion Worms veröffentlichte, die Mitteilung, die betreff= ende Maschine sei seit längerer Zeit reparaturbedürftig ge­wesen, und bereits 3 mal feien die entsprechenden Einträge in das Reparaturbuch erfolgt, zuletzt noch unmittelbar vor dem Unfall, ohne daß die Aufsichtsbehörde die Reparatu ren vorgenommen hätte. Bei dieser Gelegenheit weist das Blatt darauf hin, daß vor furzem ein hiesiger Lokomotiv= führer die Verantwortung für eine Fahrt ablehnte, weil die Maschine drei lose Radreifen hatte, und daß ein anderer Lokomotivführer bestraft wurde, weil er sich weigerte, mit einer defetten Maschine zu fahren. Alle diese beunruhigen den Mitteilungen verlangen gebieterisch eine Erklärung durch den Eisenbahnminister.

* Marburg. Der hier aufgestiegene Ballon Mar­burg" landete nach einer 12stündigen Fahrt glatt bei Was­serbillig an der Luremburgischen Grenze.

* Marburg. In dem Kontursverfahren über das Vermögen des Bantgeschäfts Justus Wilhelm Berdur be­tragen die bis jetzt angemeldeten Forderungen ohne Vor­recht 786 700 Mt., wofür Deckung im Betrage von Mart 398 782 vorhanden ist. Die Gläubiger werden also taum mehr als 10 Prozent zu erwarten haben. Der Zusammen­bruch des Banthauses ist dadurch gekommen, daß erhebliche Verluste durch den Zusammenbruch der Niederdeutschen Bant in Dortmund eingetreten sind.

* Marburg. Auf dem Herbst- Pferdemarkt standen 161 Pferde und Fohlen zum Verkauf. Der Handel flott.

ging

* Limburg a. d. L. Die Straffammer sprach die Maurergesellen Pfeiffer und Becker sowie den Stut­fateur Simon, welche des Mordes an dem Müller Fey von Obershausen beschuldigt waren, von sämtlichen An- flagepunkten frei. Bei Begründung des Urteils wurde aus­geführt, daß die an der Leiche vorgefundene einzige Ver­lehung nur von einem Schlage oder Falle herrühren konnte und sei das letztere anzunehmen. Sämtliche Angeklagten, welche seit Juni erst in Weilburg, dann in Limburg Untersuchungshaft gesessen hatten, wurden sofort auf freien Fuß gesetzt.

in

* Dillenburg. Die Stadtverordneten gewährten allen Kriegsveteranen von dem Jahre 1848 an, mit Ein­Tommen von 900 Mt. und darunter Steuerfreiheit. Außer­bem erhalten alle gegenwärtig in Dillenburg wohnhaften Veteranen mit einem Jahreseinkommen von 1200 Mart und darunter alljährlich am Sedantage eine Ehrengabe seitens der Stadt.

* Frankfurt a. O. Die Reichstagsersatzwahl für den verstorbenen nationalliberalen Abgeordneten Detto im Wahlkreise Frankfurt a. D.- Lebus findet heute statt. Kon­servative, Nasibnalliberale und Sozialdemokraten haben Kandidaten aufgestellt. Die Möglichkeit eines sozialdemo= kratischen Wahlsieges ist vorhanden; er kann nur verhindert werden, wenn alle bürgerlichen Wähler bis auf den letzten Mann ihre Schuldigkeit tun.

* Wiesbaden. In Gegenwart zahlreicher Ver­treter von deutschen Städten, der Kinderfürsorgevereine des In- und Auslandes, der Schul- und Geistlichen- Behörden wurde hier die 13. Konferenz des Vereins für Erziehung, Unterricht und Pflege Geistesschwacher eröffnet. Den ersten Vortrag hielt Dr. Melzer aus Waldheim über das Thema Die Geistigminderwertigen im Strafvollzug". Er forderte vor allem zur Errichtung des allgemeinen Strafvollzugs be­sondere Anstalten zur Unterbringung Geistigschwacher, in denen ein milderes Regime als in Strafanstalten herrscht. Es folg, en. Vorträge über den Anfangsunterricht der Schwach­sinnigen und über die Idiotenschule in Ungarn.

* Höchst a. M. Die Stadtverordneten wählten den Bürgermeister von Neutreptow bei Stettin, Dr. Janke, zum Oberhaupt der Stadt.

* Weilburg. In der Situng der Stadtverord­neten wurde beschlossen, jedem Veteran eine einmalige Ehren­gabe von 30 Mt. zu gewähren und zwar bis zu einem Ein­fommen von 1500 Mt.

Aus aller Welt.

* Berlin. Der Vorwärts" schreibt über die Stell­ungnahme der Sozialdemokratie bei Stichwahlen: Die So­zialdemokratie kann sich bei Wahlen stets nur von dem Be­streben leiten lassen, in jedem Wahlkreise Kandidaten auf­zustellen, um den Kreis entweder sofort zu erobern oder für fünftige Eroberungen vorzubereiten. Kommen wir nicht in die Stichwahl, dann haben wir zu entscheiden, welchem der Stichwahlkandidaten wir als dem kleineren Uebel unsere Stimme geben wollen. Das wird, wie jetzt die Verhält= nisse liegen, voraussichtlich in den meisten Fällen ein Li­beraler sein.

* Berlin. Auf Trängen des Zündwarensyndika­tes beabsichtigt das Reichsschabamt Anzünder aller Art dem Zündwarensteuergesetz zu unterstellen. In Frage lommen hierbei die bekannten Taschenfeuerzeuge, Herdanzünder, Pil­lenanzünder und andere Sorten. Von Seiten der Haupt­zollämter werden bereits bei der beteiligten Industrie hier­über Erkundigungen eingeholt.

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* Berlin. Der preußische Landwirtschaftsminister v. Schorlemer erklärte der Deputation von Vorstandsmit­gliedern des deutschen Fleischerverbandes, die ihm am Diens­fag eine Dentschrift über die Fleisch not vorlegte, er wende der Teuerungsfrage sowie Heren möglichen Lösung sein lebhaftestes Interesse zu. Herr von Schorlemer erkannte die bedenkliche Höhe der gegenwärtigen Viehpreise an, ber­spricht sich indessen von einer Oeffnung der Grenzen Abhilfe, da eben auch im Auslande Teuerung herrscht. * Berlin. Zum deutschen Gesandten in Chile wurde der bisherige Legationsrat und vortragende Rat im Auswärtigen Amte, v. Erfert, ernannt. Zu General= majoren wurden befördert die Obersten v. Derzen, Kom­mandeur der 25. Kavalleriebrigade( Gr. Hess.), Riedel, be­auftragt mit der Führung der 41. Infanteriebrigade unter Ernennung zum Kommandeur dieser Brigade.

* Siegen. Hier tagte die chriftlich- soziale Partei. Die Abgg. Dr. Burckhardt und Behrens legten Rechen schaftsberichte ab. Stadtverordneter Rippel sprach über die nächstjährige Reichstagswahl. Er ist der Ansicht, daß sich die christlich- soziale Partei zu Vorspanndiensten der Liber­alen nicht mehr gebrauchen lassen dürfte. Namentlich für den Linksliberalismus tönne sich die Partei nicht mehr er­wärmen, da man einen Unterschied zwischen der Fortschritt­lichen Volkspartei und der Sozialdemokratie kaum mehr fest­stellen fänne. Die Partei soll darauf halten, daß sie ihre Minderheit den anderen Parteien nicht tostenlos zur Ver­fügung stelle und bindende Erklärungen nicht eher abgebe, als bis die Meinung der obersten Parteileitung eingeholt worden ist.

* Saarbrücken. In der Stadtverordnetenversamm­lung wurde beschlossen, den Veteranen, welche ein Einfom­men bis zu 1200 Mart haben, eine Ehrengabe von 20 M. zu bewilligen.

* Mannheim. Hier wurde eine Gartenstadt- Aus­stellung eröffnet. Die Ausstellung setzt sich zusammen aus Plänen, Grundrissen, Profilen und Modellen, die teils be­stehende, teils geplante Gartenstädte darstellen. Aufgestellte Tabellen dienen statistischen Zwecken.

* Mergentheim a. d. T. Der württembergische Minister des Innern v. Pischet bezeichnete auf dem landw. Gauseste in Mergentheim als einzige Abhilfe gegen die Fleischteuerung die Vermehrung des heimischen Viehbestan­des durch die deutschen Landwirte.

* Danzig. Der deutsche Juristentag in Danzig be­schäftigte sich eingehend mit der Frage der Todesstrafe, die eine Minderheit ganz aus dem Strafgesetzbuch ausgeschlos= sen zu sehen wünschte, während die Mehrheit ihre Beibe­haltung forderte. Die Mehrheit vertrat den Standpunkt, daß die Todesstrafe im deutschen Reiche jetzt nur noch au­ßerordentlich selten vollzogen würde; wenn sie aber ver= hängt würde, so geschähe es in so schweren Fällen, für die es keine andere Sühne gäbe als die Hinrichtung. Nach einer Verhandlung über die Gefängnisstrafen wurde der Antrag auf Beseitigung der Todesstrafe abgelehnt.

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* Halle a. d. S. Die Stadtverordnetenversamm lung von Halle hat beschlossen, die Regierung zu ersuchen, die Grenzsperre für Jung- und Schlachtvieh aufzuheben und Versicherung gegen Seuchengefahr oder sonstige Maßnahmen zur Erleichterung der Fleischeinfuhr zu treffen.

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Wien. Zur Bekämpfung der Fleischnot beschloß das österreichische Ministerium des Innern im Einverneh men mit dem Ackerbauministerium, eine Kommission zum Studium der Frage der Einfuhr argentinischen Fleisches zu entsenden. Die Kommission wird bereits mit der näch­ften Schiffsgelegenheit die Reise nach Argentinien antreten. Und Deutschland?

)( Der große Herbstpreis wurde in Essen am Sonntag von Jean Böschlin auf Brennabor gewonnen, in Hannover gingen Wegener- Stabe im Tandemrennen als er­stes Paar auf derselben Marte über das Zielband.

)( Das Goldene Rad von Straßburg i. EI., ein 15., 20. und 35 Kilometer- Rennen, gewann C. Simar am Sonntag, während E. Rohmer sowohl im Haupt­fahren wie auch im Punttefahren und Verfolgungsfahren als Erster über das Zielband ging. Simar und Rohmer fahren Brennabor.

Aus dem Gerichtssaal. Straffammer.

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Gießen, 13. Sept. 1910. Der Händler Lazarus Lamm von Hom berg a. O. befam wegen Uebertretung des Gewerbesteuergesebes zwei Strafbescheide durch das Finanzamt in Höhe von je 15 Mr., weil er in den zwei letzten Jahren den Gewerbetrieb im Umherziehen ausgeübt hat, ohne im Besitz eines Wander­gewerbescheines zu schein. Die vorenthaltene Stempelsteuer sollte er nachentrichten. Er trug richterliche Entscheidung an, da er nur auf vorherige Bestellung die Kunden gesucht habe. Er legte ein Notizbuch vor, in welchem sich eine Anzahl Leute eingetragen hatten, wovon es sich aber herausstellte, daß ein Teil derselben überhaupt nicht ge wußt hat, was sie unterschreiben. Bei anderen hat er die Aeußerung getan, es solle unterschrieben werden, damit er wiederkommen dürfe. Das Schöffengericht nahm an, daß dies keine vorherige Bestellungen seien, da man überhaupt auch noch nicht wisse, ob die Unterschriften auch echt seien. Es verurteilte deshalb den Angeklagten zu den in den Strasbescheiden angesetzten Strafen, wogegen der Angeklagte Berufung einlegte. Die Straffammer hielt die Sache nicht für aufgeflärt genug, weshalb Vertagung erfolgte.

Ebenfalls vertagt wurde die Sache der Frau des Wäch­ters Rehme in Trohe gegen einen Gießener Rechtsanwalt wegen Beleidigung. Der Beklagte hatte der Frau in einer Verteidigungsrede den Vorwurf des Ehebruchs gemacht, weshalb sie flagte, es erfolgte aber auf Grund des§ 193 Freisprechung, da der Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hat. Er soll aber die Aeußerung, wäh­rend das Gericht Beratung abhielt, wiederholt haben, wes­halb die Revisionsinstanz das von der Straffammer bestä tigte Urteil insoweit aushob und an die Straffammer zu rückverwies. Es haben schon mehrere Termine stattgefun­den, die Sache liegt aber noch nicht klar, weshalb zu wei­teren Beweiserhebungen Vertagung erfolgen mußte.

Literarisches.

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Die Scholle 1911 erscheint zum erstenmal als hessischer Volkskalender. Das ist doch wieder einmal ein echter Kalender, gut und interessant ausgestattet, mit Liebe und Verständnis ausgewählt, stattlich und schön anzusehen. Wie das Aeußere, so ist auch der Inhalt: gesund u. frisch, fest im Boden der Gegenwart wurzelnd, im Gegensatz zu dem vielen Minderwertigen, das alljährlich ins Volt worfen wird. Der Jahrgang 1911 bringt Beiträge von A. Korell, Dr. Strecker, Dr. Fischer, A. de Nora, Jung, Bu­mann, Loos u. a. m. und wird sich sicherlich viel Freunde gewinnen. Die Bedeutung der Heizung unserer Wohnräume für die Gesundheit. Wir müssen den größten Teil des Jahres in geheizten Räumen zubrin gen und deshalb ist die Heizungsfrage für uns eine sehr schon den Römern be wichtige. Die Zentralheizung fannt ist dabei nicht nur die bequemste, sparsamste, son­dern was die Hauptsache ist auch der Gesundheit am zuträglichsten, sie ist ideal, wenn sie uns unentbehrliche fri­sche Luft ganz rein und mit nötigem Feuchtigkeitsgehalt an­gewärmt in den Raum führt. Der bekannte Kgl. Brunnen­

Kopfschmerzen- Migräne.

Dieses sind Zeichen von Magen- und Leberstärungen, wodurch das Blut mit Harn- und Gallensäure überfüllt. Das zuverläßinite Mittel ist Dr. Wegener's Thee, wodurch eine normale Verdauung und Leberfunktion hergestellt wird und das Blut gereinigt. Dr. Wegener's Thee, das beste Hausmittel, sollte in teiner Familie fehlen. ( 91)

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arzt Dr. Scheibe behandelt in der uns vorliegenden Schrift Die Zentralluftheizung für das Einfamilienhaus". Eine hygienische und Praftische Untersuchung( Preis 60 Pfg. Westdeutsche Verlagsgesellschaft, Wiesbaden) alle diese Fra­gen in leichtverständlicher Form. Wer über Mängel der Heizung flagen muß oder eine neue Anlage beabsichtigt, wird dafür Interesse haben.

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- Vermögen erwerben- Geld dienen. Eine Zusammenstellung von 300 Erwerbsmög­lichkeiten in Stadt und Land mit und ohne Kapital. Von 2. Frieden- Gould. 8.- 10. Auflage. Preis 2 Mark( Porto 20 Pig.) Verlag Emil Abigt, Wiesbaden. Wenn wir auch nicht alle die Vorschläge und Winte gutheißen fönnen, so bietet das Buch doch eine große Menge wertvoller An­regungen, die jedermann ohne große Mühe in bare Münze umsetzen kann.

Tuberkulose im Kindesalter! Gibt es etwas Schrecklicheres für Eltern, als den Gedanken, daß ihr Liebstes diesem furchtbaren Feinde des Menschengeschlechts ausgeliefert werden könnte, vielleicht gar davon ergriffen ist? Daher wird jede Mutter und jeder Vater erfreut sein, daß ein Fachmann einen höchst belehrenden Artikel über dieses stets aktuelle Thema verfaßt und sowohl Vorbeugungs- wie Heilmittel dazu angibt. Der lesenswerte Artikel ist in der neuesten Nummer der in dieser Art einzig dastehenden Mo­natsschrift Kindergarderobe", Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 57 zu finden. Dieses billigste und großartig redigierte Blatt bietet in jeder Nummer vielfältige Beschäftigung und Unterhaltung der Kleinen sowie Belehr­ung der Mütter auf allen Gebieten bis zur Selbstanfertig­ung von Kinderkleidern. Abonnements auf Kindergarde­robe" zu 60 Pfg. pro Quartal bei allen Buchhandlungen und Postanstalten. Gratisprobenummern durch erstere und den Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 57.

Die Fensterpromenade der Königin. Im Buch für Alle" lesen wir folgenden hübschen Zug der Königin von Holland. Seit mehreren Jahren lebt im Haag ganz zurückgezogen der General Bergansius, der sich als holländischer Kriegsminister sehr verdient gemacht hat. Der Schlag hat ihn getroffen, er ist rechtsseitig gelähmt und hat die Sprache verloren. Deshalb verlebt der einst Vielbeschäf­tigte traurige, eintönige Tage. Seine Hauptzerstreuung be­steht darin, von seinem Sessel aus durch das Erkersenster die Vorgänge zu beobachten, die sich in der abgelegenen Straße, in der sein Haus steht, abspielen. Man hatte auch der Königin Wilhelmine, als sie sich nach dem General er fundigte, diesen Sachverhalt erzählt, und seither fährt sie jeden Tag durch die abgelegene Straße. Der Kutscher hat Befehl, bei dem Hause des Generals langsam vorüberzu fahren. Nie verfehlt sie, zu dem Erkerfenster hinaufzugrü­ßen. Vor furzem ließ sie nun dem General Bergansius mel­den, er möge heute ja nicht versäumen, zur gewohnten Stunde am Fenster zu sein. Voll Spannung erwartete der alte Herr den Wagen der Königin, der pünktlich im Schritt angefahren tam. Die Königin hatte die kleine Prinzessin Juliana auf dem Schoße und ließ sie mit den kleinen Händ­chen zu dem alten Soldaten hinaufgrüßen.

Arena. Oktav- Ausgabe von Ueber Land und Meer". Von dieser trefflichen illustrierten, von Dr. Rudolf Presber herausgegebenen und bei der Deutschen Verlags­Anstalt in Stutgart erscheinenden Zeitschrift liegt uns das 12. Hefs bor. Aus der Fülle des Inhaltes dieses Heftes ermonen wir die Essays( Wien" von Karl Fr. Nowak, " Hausmusit" von Prof. Ernst Eduard Taubert, Daa Ge heimnis des Erfolges" von Paul Westheim, Königinnen­Leid" von Ernst Boerschel, Landpartien unserer Voreltern" von Hans Ostwald," Deutsche Flieder" von A. Wienholdt, Natürlichkeit" von Ostar A. H. Schmit. Unter den novel­ristischen Artikeln heben wir die reizvolle Plauderei von B. Kellermann hervor: Im Reiche der aufgehenden Sonne" und die spannende Novelle" Der Wahn" von A. Kuprin. Eine Reihe prächtiger Reproduktionen nach schönen Gemäl den sind dem 12." Arena"-Heft ats Einschaltbilder begege­ben, und als Umschlag ziert es das noch wenig bekannte Lenbach'sche Bild:" Rumänierin".

- Pastille gege Grille". Unter diesem Titel erschien soeben im Verlage von H. 2. Schlapp in Darm­stadt eine Sammlung von 12 Geschichten und 30 Gedichten aus der Feder des bestens bekannten Wiesbadener Schrift­stellers Karl Heinz Hill. Zur Charakterisierung der Neuerscheinung braucht man nur wenige Zeilen des Vor= wories zu zitieren:

Gott grüß die Kunst, un Euch, Ihr Liebe Leut, Wie geht's Euch dann? Es is schee Wetter heut', Was? Wie? Ihr meint, ich glaub ich hör net recht, Die Zeit wär ewe miserawel schlecht? Des Geld wär rar, die Steuern wärn gar groß zu lewe wär e traurig Los?" Un best doch so Sache net, bedenkt emal, Schwetzt

In hunnert Jahr is uns des all egal. Auch unsereiner hat ja schwer sei Last, Man bringt's fast taum noch auf en grüne Ast. Troß alledem verliern mer net de Mut, Dann unser Adern füllt e lustig Blut, Un unser Lieder fließe flar und hell, Als wie des Wasser aus dem Wiesequell. Als besonderer Vorzug der Bastille gege Grille" ist zu erwähnen, daß sich die Geschichten sowohl wie die Gedichte durchweg vorzüglich zum Vortrag eignen, indem sie durch ihre Kürze und die sein herausgearbeiteten Pointen jedem Der Vortragenden einen durchschlagenden Erfolg sichern. schön ausgestattete 180 Seiten starte und mit 3 ganzseitigen Bildern geschmückte Band ist durch alle Buchhandlungen zum Preise von Mt. 2. zu beziehen.

Die Standorte des deutschen Reich 3- heeres mit Armee- Einteilung und Verzeichnis der Regi­menter nach dem Stande vom 1. Oftober 1910. Preis 20 Pfennig. Leipzig, F. A. Berger. Das Heftchen enthält alle am 1. Oftober 1910 eingetretenen Veränderungen.

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Zur Verbilligung der Verpackung wird diese Cigarette, außer in Cartons à 100, auch in solchen à 500 Stück Inhalt geliefert.