Ausgabe 
15.1.1910 Erstes Blatt
 
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nach einem Arzt rief, da seine Frau plöblich erkrankt sei. Rasch wurde ein Arzt geholt, inzwischen war aber auch der Herr bewußtlos geworden. Der Arzt stellte sofort fest, daß beide vergiftet waren, und zwar, wie man später ermittelte, mit Morphium und Opium. Der Zustand der Dame war so bedenklich, daß sie sofort nach dem Krankenhaus am Urban geschafft werden mußte. Dort liegt sie sehr bedenk­lich darnieder. Der Herr wurde nach der Rettungswache gebracht, wo er zum Bewußtsein gebracht wurde. Die Po­lizei ermittelte inzwischen, daß der angebliche Ehemann sich unter seinem richtigen Namen in das Fremdenbuch ein­getragen hatte. Er ist ein 28 Jahre alter Ingenieur aus Hannover, seine angebliche Ehefrau die Studentin der Me­dizin Pauline N., die mit ihm ein Verhältnis unterhielt. Sobald es der Zustand des B. erlaubte, wurde er nach der Polizei transportiert, da der Verdacht besteht, daß er seine Geliebte ohne ihr Vorwissen vergiftet habe, Ihm hat das Gift nicht viel geschadet, da er Morphinist ist und aus diesem Grunde die Wirkung ausblteb. B. selbst verweigert fede Auskunft, seine Geliebte ist noch nicht vernehmungs­fähig.

Eine aufregende Szene spielte sich gestern mittag in Plößensee bei Berlin ab. Die Leiche des Lokomotivführers Lucht, der im Irrsinn erst seine Frau zu erschießen ver­suchte und, als ihm dieses mißlungen war, sich selbst er­schoß, sollte gestern mittag vom Leichenschauhaus in Berlin zur Beiseßung nach Spandau übergeführt werden. In Plößenfee scheuten aber die Pferde und gingen durch. Zu­erst raften sie gegen einen Baum, wobei das Verdeck des Wagens in Trümmer ging. Dann rannten sie mit dem Wagen weiter und stießen gegen einen des Weges kom­menden Lastwagen. Der Anprall war so heftig, daß der Leichenwagen in Trümmer ging und der Sarg vom Wagen geschleudert wurde. Eine Abteilung des Luftschiffer- Ba­taillons, die gerade die Infallstelle passierte, hielt die Pferde an, ehe sie weiteres Unheil anrichten konnten. Die Leiche wurde in einen inzwischen besorgten anderen Sarg gebettet und ihrem Bestimmungsort zugeführt.

Eine Schußmaner auf Helgoland. Für die Insel Hel­goland soll eine Schußmauer errichtet werden. Im Etat der preußischen Bauverwaltung wird dafür eine erste Rate von 250 000 M gefordert. In der Begründung heißt es, daß die Felseninsel Helgoland auf der ganzen Südwest­seite fortgesetzt start abbröckelt, so daß an einzelnen Stellen außer den militärischen Befestigungen auch die preußischen Fiskalanlagen und bei weiterem Fortschreiten des Ab­bruches der Bestand der ganzen Insel gefährdet wird. Es muß die Möglichkeit geschaffen werden, den Felsenfuß gegen weitere Auswaschungen zu sichern und die abstürzenden Felsentrümmer der Insel zu erhalten. Die Kosten für die geplanten Anlagen werden auf 1636 000 M veranschlagt. Auf Preußen entfällt die Summe von 818 000 M.

Deutsch- amerikanischer Studentinnenaustausch. Wie die Neue Preuß. Corresp." aus akademischen Kreisen erfährt, hat das Frauencollege Bryn Marw bei Philadelphia be= schloffen, fünf Stipendien auszusetzen, die es deutschen Studentinnen ermöglichen sollen, dem Studium an dem College während je eines Studieniahres ohne nennens= merte Kosten zu obliegen. Auch die Harvard- Universität hat sich entschlossen, die Sache des deutsch- amerikanischen Studentenaustausches dadurch zu fördern, daß sie sich bereit erklärt hat, für die Dauer von 10 Jahren die vom preußi­schen Kultusministerium empfohlenen Studenten von den Universitätsgebühren in allen Fakultäten zu befreien.

Warum der Mond keine Atmosphäre hat. Wenn der Mond irgendeine Spur einer Gashülle haben sollte, so kann sie jedenfalls nur außerordentlich gering sein, sonst wür­den die Astronomen mit ihren scharfen Fernrohren ihr Vor­handensein längst entdeckt haben, zumal die häufigenStern­bedeckungen durch den Mond die beste Gelegenheit dazu bieten. Der Umstand, daß ein Stern, der über den Mond hin­weggeht, ganz plötzlich verlischt, scheint zu beweisen, daß der Mond eine Atmosphäre nicht besißen kann. Die Natur­forscher lassen sich damit aber nicht genügen, sondern Prof. Johnson stellt jetzt in der Nature" sieben Gründe zusam= men, die beweisen sollen, daß der Mond eine Atmosphäre gar nicht haben kann. In der Hauptsache kommt die Be­meisführung darauf hinaus, daß der Mond zwar früher eine Atmosphäre besessen haben muß, daß ihre Bestandteile aber mit der Zeit nach Art des Radiums eine Zersetzung erfahren haben, die dazu führte, daß der Mond mit seiner Schwerkraft sie nicht mehr zu halten vermochte. Dann wur= de sie von ihm losgelöst und in den Weltraum hinausge­stoßen, und zwar durch die Kraft der Sonne, die als soge= nannter Lichtdruck ausgeübt wird und namentlich auch in den Kometenschweifen zum Ausdruck kommt. Ob dieser Vorgang sich so abgespielt hat oder anders, könnte den Men­schen verhältnismäßig gleichgitig sein. Bedenklicher aber wird die Sache, wenn der Gelehrte daraus schließt, daß in der Erdatmosphäre ähnliche Umwandlungen bereits im Gge find, d h. daß die Lufhülle der Erde einer allmäh= li ea Berseßung entgegengeht, die dann schließlich ihr Ende und damit selbstverständlich auch das jedes Lebewesens auf de: Erde sein würde. Es wäre das also ein neues Bild des rganges der Menschheit. Da die Schwerkraft der Erde efer um ein vielfaches stärker ist als die des Mondes, so fie freilich noch eine beträchtliche Spanne Zeit vergehen, the diese Gefahr dringend werden könnte.

Der Zollabschätzer als Millionärskandidat. Man schreibt De Franks. 3tg. aus Neuyork: Jeden Abend, wenn sich der hifige Zollabschätzer Richard Parr zu Bett legt, fragt er sich, cb er nicht vielleicht am Morgen als Millionär aufstehen wird. Zwar hat er keine großen Spekulationen laufen und feit Gehalt beträgt nur 2000 Dollars pro Jahr, auch er= Hofft er feinen Lotteriegewinn oder eine Erbschaft, nichts­bestoweniger hat er wenigstens gute Anwartschaft darauf, fer Nacht in den Stand der Millionäre einzurücken. Herr Parr ist nämlich derjenige Angestellte des Zollamts. der die Zollunterschleife des Zuckertrusts zuerst zur Anzeige gebracht hat. Nun besteht ein Gesetz, nach welchem in einem solchen Falle der Angeber eine Belohnung erhalten soll, die die Hälfte des Hinterzogenen Betrages erreichen kann. Da nun der Zuckertrust 2 200 000 Dollars an hinterzogenen Ge­fällen in die Regierungskasse abgeführt hat, lehrt eine ein­fache Rechnung, daß Herr Parr wirklich über Nacht Millio= när werden kann. Das kann" ist zu unterstreichen, denn ce steht im Belieben des Schatzsekretärs, ihm von 50 Proz. abwärts bis zu 5 Proz. auszahlen zu lassen. Bitter ent­täuscht war der eifrige Zollbedienstete, als ihm der Schatz­sekretär die Million nicht unter den Weihnachtsbaum ge­Teat hatte- aber er hofft noch immer.

Ingendliche Wahlkandidaten in England. Kein Land der Welt gibt seinen Bewohnern die Möglichkeit, in so jun­gen Jahren zum Abgeordneten gewählt zu werden, wie England, da hier nicht wie anderswo eine bestimmte Alters­stufe zur Bekleidung eines Mandates vorgeschrieben ist. Daher wiederholt sich nicht selten der Fall, daß junge Leute con 20 und 22 Jahren, die das von der Verfassung vorge= schriebene Vermögen haben, nicht nur als Kandidaten auf= treten, sondern auch die Stimmen ihrer Wähler auf sich vereinigen. So sind auch in dem jezt in England tobenden Wahlkampf dret junge Leute als Kandidaten aufgestellt wor= den, die kaum das 20. Jahr erreicht haben. Ihre Bilder, die in den Londoner Kunsthandlungen ausgestellt sind, wer= den von den neugierigen Engländern weit genauer betrach­tet, als die Photos der im Dienste des Landes ergrauten Politiker, aber man kommt, wenigstens in den Kreisen der Selteren, zu dem Schluß, daß es weit besser wäre, wenn die trotz ihres zur Schau getragenen Ernstes doch noch so jungen Leute zunächst thre Studien vollendeten, ehe sie sich zum Wortführer ausgedehnter Wahlkreise machten, und sich Besser mit den Ereignissen und Ergebnissen der Sport­släbe als mit den somerwiegenden Fragen der englischen

Politit beschäftigten. Diese Bekämpfer der Jugendlichkeit der Abgeordneten werden mit besonderer Vorliebe auf das Beispiel des jüngeren Pitt verwiesen, der mit 22 Jahren Abgeordneter war und zwei Jahre später vor den Augen des erstaunten Europa sein erstes Ministerium bildete. Aber nicht jeder junge Mann ist ein Pitt, und so hat dieses Argument auch weit weniger Bedeutung, als die halb scherz­haft, halb ernsthaft hingeworfene Bemerfung, daß man in England, wo jeder Stand seine Vertretung im Parlament habe, auch der Jugend nicht verwehren könne, durch junge Abgeordnete ihre Interessen vertreten zu lassen.

Das Haus eines Gutsbesizers von den Dorfleuten be= schossen. Bereits vor einigen Tagen wurden dem Guts­befizer Enze in Freudenberg t. W., der mit den Leuten in dem Orte stark verfeindet war, sämtliche Fensterscheiben zertrümmert. In der gestrigen Nacht sammelten sich nun vor dem Hause des Befibers eine große Menge Menschen an, die ununterbrochen Salven auf das Haus abgaben. Sämtliche Fenster und Rahmen wurden vollständig zer­trümmert. Der Gutsbesitzer gab nun einige Schreckschüsse ab. Dies wurde aber von der Menge nur mit Hohnge­lächter aufgenommen und das Salvenfeuer dauerte mit Heftigkeit fort. Die Hausbewohner versteckten sich so gut fie tonnten, um dem Kugelregen zu entgehen. Am frühen Morgen haben die Bewohner mit Hab und Gut das Haus verlassen, da sie ihres Lebens nicht sicher sind. Die Polizei bewacht das Gebäude und hat Polizeihunde auf die Spur der Täter gesetzt. Einige konnten bereits verhaftet werden.

Ein Selbstmordversuch im Kammergericht zu Berlin rief gestern großes Aufsehen hervor. Im Gerichtsgebäude vor dem Anwaltszimmer griff der 48jährige Buchhalter Gustav Palazky zu Tegel zum Revolver. P. ist durch ein schweres Nervenleiden, das die Folge eines Sturzes in einen Treppenschacht ist, erwerbsunfähig geworden und lebt in großer Not. Mit seinem Regreßanspruch ist P. in erster Instanz abgewiesen. Am Freitag steht vor dem Kammer­gericht in der Berufungsinstanz eine erneute Verhandlung an. Ein Gesuch des P. um die Stellung eines Rechtsan­walts im Armenrecht war vom Kammergericht abgelehnt, und so reifte bei ihm der Entschluß, aus dem Leben zu scheiden. Er faufte sich einen Revolver und ließ diesen mit drei Kugeln laden. Aber der Verkäufer, der die Situation sofort überfah, steckte nur Platpatronen in die Trommel. Als dann P. im Kammergericht wirklich seinen Entschluß zur Ausführung brachte, brach er zwar unter der seelischen Erregung völlig zusammen, sodaß man ihn zunächst tat­sächlich für tot hielt. Unter ärztlicher Hilfe erholte sich P. jedoch nach längerer Zeit wieder. Er ist unverlebt ge­blieben.

Miß Morgans Blusenfabrik. Wie aus Neuyork ge­meldet wird, hat Mik Anna Morgan, die Tochter Pierpont Morgans, die in dem Streit der amerikanischen Blusen­arbeiterinnen eine führende Rolle spielt. die Errichtung einer großen Blusenfabrik beschlossent, da sie der Ansicht ist, daß die Blusenarbeiterinnen ihre Forderungen gegen­über ihren Brotherren nicht durchsetzen können. Anna Morgan hat sich mit einer Anzahl reicher Amerikanerinnen in Verbindung gesetzt, die ihr ihre Unterstützung für ihr neues Unternehmen zugesagt haben. In der neuen Blusen­fabrik werden nur organisierte Blusenarbeiterinnen Be­schäftigung finden. Das ganze Unternehmen soll, ähnlich wie die bekannten Zeißwerke in Jena, auf Gewinnbe­teiligung aller Angestellten und Arbeiterinnen beruhen. Zwanzig Millionen Mark hat Anna Morgan für ihr Un­ternehmen bereit. Sie glaubt, daß die neue Blusenfabrik mohl mit den jetzt bestehenden Geschäften in Konkurrenz treten kann, da gerade die besten Blusenarbeiterinnen or= ganisiert sind und gegenwärtig streifen. Diese geschickten Arbeiterinnen würden das Unternehmen bald in die Höhe bringen.

Die Erwärmung des Eismeeres. Ein phantastisches Projekt, das ein angesehener Kanadier, Mr. Lonnan, auf­gestellt hat und für das sich sowohl die amerikanische wie die britische Regierung lebhaft interessieren, wird in der Illustration" geschildert: es handelt sich um nichts gerin­geres, als um die Erwärmung des arktischen Ozeans, Die große Eissperre, die das Polarmeer von dem Atlantischen Ozean trennt, soll gesprengt werden, um so den warmen Meeresströmungen einen Weg zu den Nordküsten Kanadas und Grönlands zu öffnen. Labrador, Neufundland und Grönland liegen auf gleicher Höhe wie London, Lille und Tromsö. Aufgefundene Pflanzenreste im Norden haben ge= zeigt, daß das nördliche Amerika in lang vergangenen Epochen ein gemäßigtes Klima besaß. Man nimmt an, daß damals das Polarmeer mit dem Atlantischen Ozean frei verbunden war und daß die Eisregion sich auf den Umkreis des Poles beschränkte. Das fühne Projekt will nun den eisigen Gegenden ein gemäßigtes Klima zurück­geben. An zwei Stellen soll durch ein besonderes System die Sprengung der großen Eisbarre begonnen und von Süden in nordöstlicher Richtung durchgeführt werden. Mit dem vordringenden wärmeren Wasser würde die Neubil­dung des Eises verhindert. Nach den Berechnungen Lon­nans würde das gewaltige Werk in fünf bis sechs Jahren durchzuführen sein. Sein Plan gründet sich auf sehr ge= naue und sorgsame Berechnungen und eine Anzahl von Fachleuten bestreitet nicht die theoretische Möglichkeit, wenngleich man die angesetzte Beit als zu kurz ansieht, hat doch die Meerenge von Davis, der Ausgangspunkt der einen Sprengung, eine Breite von 1200 bis 1500 kilo­metern.

Herr Mener mit der Uniform. In einer Wirtschaft in Mainz öffnete sich dieser Tage jeden Augenblick die Tür, und immer neue Gäste kamen. Alle gehörten aber sonderbarerweise der Gilde der Althändler und Trödler an. Das Lokal war schon ziemlich gefüllt, als ein in einer Ecke sitzender Herr, der stets zu Ulkereien besonderer Art aufgelegt ist, mit hellem Lachen und raschen Schritten die Wirtschaft verließ. Hinter ihm erscholl plötzlich ein Sturm der Entrüstung, und mit Schimpfen und Toben eilten auch die Althändler auf die Straße. dem bereits Verschwundenen nach. Der Mann hatte att fast alle Althändler und Tröd­Ier Postkarten gesandt, wonach jeder einzelne in die Wirtschaft geladen wurde. Ein Herr Meyer warte da, der eine Reserveoffiziersuniform zu einem sehr billigen Preise zu verkaufen habe. Wer den Schaden hat

Amerikanische Millionäre auf der Hochzeitsreise.

Dem Deutschen, der die ersten seligen Tage seiner Ehe in Venedig oder an den Ufern des Gardasees zubrachte und den diese Erinnerung dann bis ans Ende seines Lebens begleiett, mag es seltsam genug erklingen, daß vor einiger Beit ein amerikanischer Millionär und seine ihm eben an­getraute Gattin zum Ziele ihrer Hochzeitsreise das nörd­liche Eismeer wählten. Dieser Nabob aus dem Dollarlande trägt den Namen Mr. Max Fleischmann. Er war in der glückliche Lage, sich seine Flitterwochen die niedliche Summe von rund einer Million Mart tosten zu lassen. Aller­dings dauerten diese Flitterwochen ein ganzes Jahr. Der Bau eines geeigneten Schiffes forderte 400 000 Mart und die sonstigen Ausgaben betrugen 600 000 Mark. Das Schiff hatte eine Besabung von neunzehn in den ark­tischen Gewässern erfahrenen Seeleuten, und so nahm denn die Fahrt auch einen durchaus programmäßigen Verlauf. Sie diente hauptsächlich dem Vergnügen des Sportes, in erster Linie natürlich der Jagd, und als Herr und Frau May Fleischmann zurückkamen, hatten sie eine Jagdbeute aufzuweisen, die aus dreißig Renntieren, einhundert See­hunden und zweiunddreißig Eisbären bestand. Mit einer einfachen Hochzeitsreise von einigen Wochen oder Monaten begnügt sich ein richtiger moderner amerikanischer Millionär überhaupt nicht mehr. Eine Hochzeitsreise auf eigener Jacht rund um die Erde herum gilt als etwas gar nicht

Außergewöhnliches. Die ertravaganteste Hochzeitsreise Yei­stete sich der Comte de Lesdain, der durch seine Heirat mit einer reichen amerikanischen Erbin Bürgerrecht in der Union erworben hat. Der Graf und die Gräfin de Lesdain unternahmen ihre Hochzeitsreise nach dem Lande Tibet und waren im ganzen mehrere Jahre abwesend. Sie legten während dieser Zeit ungefähr 5000 englische Meilen zu­rück und waren allerhand Gefahren und Schrecknissen aus­gesezt, die indessen glücklich überwunden wurden und ihnen nach ihrer Rückkehr Stoff zu einem interessanten Buche geliefert haben. Die Kosten dieser Hochzeitsreise beziffert man auf 200 000 Mart. Etwa das Doppelte, nämlich 400 000 Mart, verbrauchten Mr. und Mrs. Penfield zu einer Hochzeitsreise, welche sie vor einigen Monaten den Nil aufwärts führte. Mr. Eduard Penfield ist ein Zeich­ner und Illustrator von Ruf, dem es nicht an der Wiege gesungen war, daß er einst über 1: he Riesensummen ver fügen würde; dazu hat ihn erst seine Heirat mit einer mil­lionenschweren Witwe, Mrs. Annie Walker, instand ge­setzt, der einzigen Tochter und Erbin eines Chemiters in Philadelphia. Am teneken kam aber seine Hochzeitsreise den jungen Mr. Burnett Taah zu tehen. Dieser Sproß der bekannten, auf dem Gebiete des Kunstgewerbes zu ungeheuerem Reichtum gegten Familie Tiffany hatte sich gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters mit einem armen Mädchen vermählt. Und als der Vater nun zum Sterben kam, vermachte er sein gesamies, 40 Mil­lionen Mark betragendes Vermögen seinem zweiten Sohne und setzte für Mr. Burnett Tiffany nur die Zinsen eines faufmännisch festgelegten Kapitals von vier Millionen aus. Da Mr. Burnett Tiffany sich aber schon elf Tage nach seiner Trauung auf der Hochzeitsreise von seiner Gattin getrennt hatte, so hat ihn ieder Tag dieser Hochzeitsreise ein Re­mehr als anderthalb Millionen Mark gekostet, Rekord, den ihm sobald keiner nachmachen wird!

Drabtnacbricbten und Deaestes.

Die deutschen Instrukteure.

Berlin, 14. Januar. Die kaiserlich türkische Botschaft in Berlin teilt über die Meldung von Zwistigkeiten zwi= schen türkischen Offizieren und deutschen Instrukteuren fol­gendes mit: Die vom Echo de Paris" gebrachte Nachrich über vermeintliche Konflikte zwischen türkischen und deuts schen Offizieren in Konstantinopel ist vollständig falsch. Als Beweis dafür, daß es sich lediglich um eine plumpe Erfindung handelt, braucht nur hervorgehoben zu werden, daß bei der Kriegsschule sowie in der Kischla- Kaserne kein einziger Instrukteur angestellt ist.

Luftschiffstationen.

Hamburg, 14. Januar. Die vorgestern und gestern geführten Verhandlungen des Direktors Colsmann von der deutschen Luftschiffahrtsgesellschaft in Frankfurt a. M. mit dem Ausschuß der Hamburger Anteilzeichner haben dazu geführt, daß noch im Laufe dieses Jahres eine Luftschiff­halle in Hamburg erbaut werden soll. Die zur Verfüg ung gestellten Mittel haben ießt die Summe von fast 800 000 Mt. erreicht. Die Luftschiffstation wird errichtet, um den Verkehr mit den Nordseebädern einzuführen. Di reftor Colsmann wird sich heute von hier nach Stiel be­geben, um auch dort eine Luftschiffhalle durchzusehen. Maßregelung wegen Disziplinwidrigkeit.

Madrid, 14. Januar. Einige Offiziere veranstalte­ten vorgestern eine Sympathiekundgebung vor dem Ne­daktionslokal des militärischen Fachblattes, das auf die Ungerechtigkeit der Belohnung für Verdienste im maroffa­nischen Feldzug hingewiesen hatte. Der gestrige Minister­rat beschloß nun, den Madrider Generalfapitän und meh­rere hohe Offiziere abzusehen und sie unter Anklage zu stellen. Die Aufregung in Militärkreisen ist sehr groß. Angeblich soll die Regierung bedenklich ins Schwanken ge­raten sein.

Untergang eines deutschen Schiffes. Curhaven, 14. Januar. Der deutsche Motorschoner Arcturus ging auf der Fahrt nach England auf hoher See unter. Von der Besatzung konnte niemand gerettet wer­den. Der Kapitän hinterläßt eine Frau und sieben Kinder. Liebestragödie.

Berlin, 14. Januar. Gestern abend wurde ein 17jäh­riges Dienstmädchen in der Warschauerstraße, das vor fur­zem einen 23jährigen Bäckergesellen kennen gelernt hatte, von diesem erschossen. Der Mörder wollte entfliehen, wurde aber von Hausbewohnern im Hausflur gestellt und jagte sich eine Kugel in den Leib. Schwer verletzt wurde er nach dem Krankenhaus gebracht.

Verhaftete Mörder.

Paris, 14. Januar. Die Urheber eines der beiden in der Nacht zum Montag im Quartier Batignolles be gangenen Frauenmorde sind verhaftet worden. Es sind brei jugendliche Apachen, die es auf den von der Haus­besorgerin Caillaud einkassierten Mietbetrag von 3000 Francs abgesehen hatten. Der Plan ging von einem in einem Dachzimmer des Hauses wohnenden 19jährigen Strolch namens Hamelet aus, der auf der Straße lauerte, während seine Spießgesellen zwischen 10 und 11 Uhr in das Zimmer der Frau eintraten und sich mit ihr in ein Gespräch einließen. Sie betäubten zunächst die Frau durch Chloroform und erdrosselten sie dann. Die 3200 Francs, die sie eroberten, teilten sie in einer Kneipe in derselben Straße. Der Kneipenwirt, dem das Benehmen der Bur­schen auffiel, erstattete Anzeige.

Eine englische Radiumbank.

London, 14. Januar. In diesen Tagen wird eine Ra­diumbank für Großbritannien eröffnet werden. Sie ver­fügt über eine Quantität Radium im Werte von über eine Million Marf und will gegen entsprechende Sicherheit und Zinsen Radium an Aerzte und Männer der Wissen­schaft in Quantitäten von 10-100 Milligramm ausleihen. Wieder ein Londoner Warenhausbrand. London, 14. Januar. Im Kilburn- Viertel steht cin großer Bazar in Flammen. Die weiblichen Angestellten stürzten beim Ausbruch des Feuers in großer Banik auf die Straße, doch konnten sämtliche Angestellte gerettet wer= den. Ein großer Komplex von Nebengebäuden wurde eben­falls vom Feuer ergriffen. Große Summen stehen auf dem Spiel.

London, 14. Januar. Der Brand in der Tuch­fabrik Evans in der Vorstadt Kilburn entstand infolge Explosion einer Lampe im Schaufenster, in welchem eine Menge Waren auslagen. Das Gebäude wurde vollständig zerstört. Die wenigen Personen, die sich bei Ausbruch des Brandes in der Fabrik befanden, konnten gerettet werden. Schiffsunglück.

London, 14. Januar. Aus Marsfield wird ge­meldet: Gestern abend lief am Quai in der Coos- Bucht der Dampfer Szarina" der Süd- Pacific- Bahn auf den Hafendam mauf. Die Mannschaft kletterte in das Takel­werk. Ein Mann nach dem anderen wurde jedoch über Bord gefegt. Als die Dunkelheit eintrat, waren nur noch wenige Matrosen an Bord. Die Besatzung bestand im ganzen aus 30 Mann, die alle ertrunken sind. Das Schift gilt als verloren.

Handel und Verkehr.

Der Diskont der Deutschen Reichsbank wird demnächs nach dem Vorgange der Bank von England herabgefehl werden, zunächst wahrscheinlich jedoch nur um 2 Brozent. Von Wichtigkeit für die Entscheidung ist der Ausweis der Bank vom 15. d. Mts. Zu Anfang dieser Woche zeigte der Status der Bank eine Besserung gegen das Vorjahr um 3 Millionen Mark.