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Die Vorbildung unserer Reichsboten.

hervor, daß unsere Schutzgebiete im abgelaufenen Jahre erfreuliche Fortschritte gemacht haben. Auch das Schul- und Missionswesen befindet sich im Fortschritte. Die Gesund­heitsverhältnisse sind befriedigend. Die weiße Bevölkerung in den Schutzgebieten stellt sich inklusive der Schußtruppen auf 18 169 Personen. Die Kakaokultur hatte allein einen Ausfuhrwert von 144 000 M. Die Baumwollproduktion ist um 38,2 Prozent gestiegen. Die Arbeiterversorgung war genügend. Der Gesamthandel ist um 8,4 Mill. M gegen 1907 gestiegen. Wichtige Etsenbahnstrecken wurden vollendet. Die Einnahmen dürften 1910 eine Steigerung um 50 Prozent aufweisen. Im allgemeinen spricht die Denkschrift von et­ner erfreulichen Entwickelung unserer Kolonien auf allen Gebieten.

Der Zar und die Beschlagnahme russischer Depots. Nach einer Petersburger Meldung sollte sich der Bar in miß­billigender Form über die Beschlagnahme der russischen Staatsdepots in Berlin geäußert haben. Mit Rüsicht auf die Zurückhaltung, die der Zar derartigen Angelegenheiten gegenüber zu beobachten pflegt, kann man von vornherein die Nachricht als vollkommen unglaubwürdig bezeichnen. Der Dank der Königin Elena. Die Königin von Jta­Iten hat an die Katserin das nachstehende Telegramm ge­richtet: Die Beendigung der Arbeit des deutschen Hilfs­fomitees für die in Sizilien und Kalabrien durch das Erd­beben Geschädigten gibt mir Gelegenheit, Ew. Majestät die Bezeugung meiner lebhaften Dankbarkeit für die Förde­rung zu wiederholen, die Ew. Majestät dem zugunsten der Opfer des Erdbebens mit so brüderlicher Fürsorge durch­geführten Liebeswerke gewährt hat. Ich bitte Ew. Maje­stät, den Ausdruck dieser Gesinnungen, die der König teilt, genehmigen zu wollen."

Unsere Volksvertreter, die den mannigfachsten Berufen angehören, haben auch einen sehr verschiedenen Bildungs­gang hinter sich. Die Welt der Wissenschaft, die sich so gern der Politik fernhält, ist in ihm fast gar nicht vertreten. Auch andere hervorragende Bevölkerungsgruppen haben nur we­nige Mitglieder in das Reichshaus entsandt. Bemerkens­wert ist dagegen das starke Hervortreten des akademischen Elements im Reichshause. Ob nun alle die Herren, die an­geben, da und dort als akademischer Bürger gelebt zu ha­ben, wirklich sehr eifrig die Bänke der Hochschullehr­fäle gdrückt haben, mag dahingestellt sein. Jedenfalls rechnet sich die Mehrheit unserer Volksvertreter nämlich 212- zu den akademisch gebildeten Kreisen. Die meisten Akademiker hat das Zentrum mit 63 Abgeordneten, die studiert haben; ein gro= Ber Prozentsatz davon in den theologischen Fakultäten. Unter den Konservativen sind 35 Akademiker, unter den Freisinnigen 34, den Nationalliberalen 33, in der Reichs­partet 14, unter den Polen ebenfalls 14, in der Wirtschaft­lichen Vereinigung 8, bei den Sozialdemokraten 6 und den fleinen Gruppen( Elsässer, Lothringer, Welfen, Dänen, Wilde) 12. Verhältnismäßig sehr hoch ist die Zahl der Stu­dierten bei den Freisinnigen, sehr niedrig bei den Sozial­demokraten. Einige Abgeordnete, drei von den Konserva­tiven und einer von der Reichspartei, haben ihre Ausbil­dung ausschließlich im Kadettenkorps erhalten. Etwa acht­zig bis neunzig Abgeordnete haben Gymnasien, Realgym­nasien oder Oberrealschulen besucht, ohne eine Abschlußprü­fung zu machen oder in das akademische Leben zu treten. Bei manchen der Herren mag die Gastrolle auf der höheren Schule nur sehr kurz gewesen sein. Doch davon spricht man nicht. Jedenfalls ergibt sich als Gesamtresultat, daß rund 800 unserer Volksvertreter mindestens die unteren Klassen Sexta, Quinta und Quarta mit ihrem Besuche beehrt ha ben. Nur wenige sind offenherzig genug, zu erklären, daß fie von der Quarta oder Tertia aus in das öffentliche Leben traten. Von der Gruppe der auf höheren Schulen vorge­bildeten Nichtakademiker gehören die meisten zu den Na­tionalliberalen, nämlich 17. Dann folgen 15 Konservative, 13 Herren vom Zentrum, 11 Freisinnige, 9 Mitglieder der Reichspartei, 5 Polen und 4 Sozialdemokraten. schließen sich noch einige Vertreter der kleineren Gruppen. Etwa 10 Abgeordnete sind in Seminaren ausgebildet wor­den. Ungefähr 80 haben nur eine Volksschule besucht. Die metsten von diesen, 34 an der Zahl, gehören zur sozialdemo= fratischen Fraktion. Dann folgen das Zentrum mit 22, die Wirtschafliche Vereinigung mit 10 Mitgliedern, 5 Frei­finnige, 4 Antisemiten und 2 Nationalliberale. Zwei Par­teten find so vornehm, überhaupt keine Mitglieder mit Volksschulbildung in ihren Reihen zu haben: die Reichs­partei und die Polen. Die meisten Männer aus dem Volke entsendet also immerhin noch die äußerste Linke. Auffallend ist es, daß in der sozialdemokratischen Fraktion das journalistische Element fast das Uebergewicht hat. 16 sozialdemokratische Abgeordnete bezeichnen sich nämlich als Schriftsteller und Redakteure. Stark ist der landwirtschaft= liche Einschlag. Von den Konservativen bekennen sich 43, vom Zentrum 28, von den Nationalliberalen 13, von der Reichspartei 11 Abgeordnete zum landwirtschaftlichen Be­rufe. Sehr vermehrt hat sich gegen früher die Zahl der Vertreter der freien Berufe, und der Privatbeamten. Das juristische Element vertreten etwa 40 richterliche Personen und Rechtsanwälte, die Theologie 23 katholische und sechs evangelische Geistliche. Die Medizin hat nur ein knappes halbes Dußend Anhänger im Reichstage. Aus allen Schich­ten der Bevölkerung und mit der verschiedensten Art von Bildung sind, wie man sieht, dte Abgeordneten zum Reichs­tage gekommen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Daran

Prinz Thai- Hsun am Kaiserhose. Im Auftrage des Kaisers überreichte der Vizeadmiral Coerper, der bei dem chinesischen Prinzen Tsai- Hsun während dessen Aufenthalt in Deutschland den Ehrendienst versteht, dem Prinzen ein Delbildnis des Katsers. Es gibt den Monarchen in der Garde du Corps- Uniform mit dem Adlerhelm wieder und trägt den eigenhändigen Namenszug des Monarchen. Auf dem kostbaren Goldrahmen ist die Kaiserkrone angebracht. Wie die Voss. 3tg." weiter erfährt, hat auch die Prinzessin Heinrich von Preußen dem chinesischen Prinzen ein Ge­schenk in Gestalt eines silbernen Leuchtturmes überreichen lassen. Im Laufe des gestrigen Nachmittags ist der Prinz Tsai- Hsun auch von der Kaiserin empfangen worden.

Im preußischen Herrenhause ergriff gestern nach eini­gen geschäftlichen Mitteilungen Minister von Moltke das Wort, um den Entwurf eines Gesetzes betr. die Vermeidung von Doppelbesteuerung bei Heranziehung zu direkten kom­munalen Steuern in verschiedenen Bundesstaaten kurz zu begründen. Der Gesebentwurf wurde hierauf der Finanz­kommission überwiesen. Schließlich wurde noch ein Gesetz­entwurf betr. das Staatsschuldbuch an die Finanzkommis­fion überwiesen. Hiermit war die Tagesordnung erledigt und das Haus vertagte sich auf unbestimmte Zeit.

Konflikt deutscher Instrukteure mit türkischen Offizie ren. Ein Pariser Blatt berichtet von angeblichen Zwistig­keiten deutscher Instruktionsoffiziere mit türkischen Offi­zieren. Major Rejeb Bey habe dem General Imhof erklärt, der Unterricht sei für sie und die Kameraden zu kompliziert. Mahmud Schewket Pascha hielt darauf den Artillerieoffi­steren eine scharfe Standrede, doch ohne Erfolg. Sie er­widerten bei der folgenden Instruktionsstunde seinen Gruß nicht und verweigerten die Antwort, so daß er sich zurück­ziehen mußte. Ein anderer Zwischenfall habe sich in der Tachefichtakaserne ereignet, wo ein deutscher Offizier einen türkischen Zögling insultierte und dieser entsprechend er­widerte. Er und 6 andere Offiziere verweigerten die von Mahmud Schewfet geforderte Abbitte und wurden vom Komitee für Einheit und Fortschritt unterstützt. Die Lage der deutschen Instrukteure gestaltet sich daher sehr heifel. Man wird die Richtigkeit der Meldung einstweilen noch be­zweifeln dürfen.

Die amtliche Denkschrift über die Entwicklung unserer Schutzgebiete. Aus der recht umfangreichen Denkschrift geht

10)

Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossat.

Drohender Zollkonflikt zwischen Deutschland und Ame­rika. Washingtoner Meldungen zufolge sind die Zollver­handlungen mit Deutschland tus Stocken geraten, weil Deutschland sich nicht geneigt gezeigt hat, das Verbot der Einfuhr von Schlachtvieh zu lindern. Ein Zollfrieg wird in den Bereich der Möglichkeit gezogen.

Nachdruck verboten.) ,, Hattasch Hattasch ist mein Name," fiel der Kol­porteur ein. Bin ein ehrlicher Böhme von Geburt, wenn auch schon lange hier in Wien. Und was ich von dem Herrn Bräutigam weiß, fragt das Fräulein? Aber gar nichts bloß in den Kaiserhallen" hab' ich den Herrn Olfers gesehen, wo er den Leuten immer so spaßige Sachen erzählt, daß unsereiner sich totlachen könnte. Nu und da ist's doch natürlich, daß man fragt, wer der hübsche junge Herr, der aussieht, wie ein Italiener, troß seines deutschen Namens? Da ist mir denn erzählt wor­den, daß er mit dem Fräulein Frida Sasse, die so schön auf der Geige spielt und dazu singt, verlobt ist. Einige Leute sagten ja freilich: Aber nein doch, der ist mit der Italienerin, der Anita Brusio verlobt, aber andere mein­ten, das wäre vorbei, früher hätte er was mit der Anita Brusio gehabt, aber jeßt wäre das Fräulein Sasse seine Braut."

Frida fühlte, wie ihr das Blut zu Gesicht stieg. ,, Wa­rum erzählen Sie mir das alles?" fragte sie aufgeregt. Das ist doch-"

Kleine Dachrichten!

Eine lustige Gratulation. Der Kronprinz hat in die­sem Jahre seinem kaiserlichen Vater eine besondere Neu­jahrstarte gewidmet. Maler Franz Jüttner, politischer Karikaturist der Lustigen Blätter, erhielt den Auftrag, diese Karte zu zeichnen. Er hat die Neujahrsgratulation der fronprinzlichen Familie vom Kronprinzen herab bis zu seinem jüngsten Söhnchen lustig dargestellt. Dem Kaiser machte die Karte viel Spaß. Der Kronprinz hat dem Künst­ler seine in der Familie hergestellte Photographie über­sandt.

Aber Fräulein, warum soll ich's nicht erzählen?" unterbrach fie der Mann. Darüber können Sie sich doch gar nicht ärgern, daß Ihr Herr Bräutigam vor Ihnen chon eine Braut gehabt hat. Welche junge Dame ist denn Die erste Liebe von ihrem Schab? Keine teine. Und nun gar so' n hübscher Mensch, wie der Herr Olfers, ber hat doch gewiß schon viele Lieben vor Ihnen gehabt. Wenn Sie nur seine lebte Liebe sind das ist die Haupt­fache. Hab' ich nicht recht?" Und Hattasch lachte unbändig, wie über einen guten Wiß.

Ein starrer Lenkballon für die französische Armee. Das französische Kriegsministerium hat sich entschlossen, den ihm angebotenen Ballon starten Systems anzunehmen. Als Material für das Gerüst ist Holz verwendet worden. Das ganze Luftschiff ist mit luftdichter Gummileinwand über­zogen und enthält im Innern 12 durch Schotten getrennte Gasbehälter.

Wir haben nicht längere Zeit, wir müssen zur Probe," sagte Frida, sich gewaltsam zusammennehmend. Halten Sie uns nicht auf, Herr Hattasch."

bearbeitete ihn mit den Fäusten. Nur mit Mühe konnte die erregte Person von dem Letchnam entfernt werden.

Gefühnte Bluttat. Der russische Arbeiter Sigismund Turba, der am 8. März 1909 den Gutsinspektor des Gutes Damrath, Spißings, erschoß, ist in Königsberg i. Pr. durch den Scharfrichter Schwieß aus Breslau enthauptet worden. Beim Fußballspielen getttet. In Hohenlimburg( West­falen) wurde beim Fußballiptelen der 10jährige Schüler Frib Schüngel vom Ball mit voller Wucht gegen den Unter­leib getroffen. Der Knabe brach bewußtlos zusammen und starb alsbald an den erlittenen inneren Verlegungen.

Mord anf offener Straße. Der 23jährige Arbeiter Heer in Witten a. d. Ruhr ermordete aus Rache auf offener Straße den Steinbrucharbeiter Mihm. Der Täter flüchtete, er wurde jedoch verhaftet.

Eine schwere Gasexplosion ereignete sich gestern mor­gen in der 2. Etage eines Hauses in der Bredderstraße in Barmen. In einer nicht mehr im Gebrauch befindlichen Gasleitung des Hauses entstand plöblich aus unbekannter Ursache eine Explosion, die große Verheerungen anrichtete. Die Decken wurden heruntergeschleudert, Fenster zertrüm­mert, Türen ausgehoben usw. Die Bewohner des Hauses blieben unverleßt. Dagegen fand man in der dritten Etage einen 60jährigen Bandwirker namens Berkhaus tot vor. Seine Tochter lag besinnungslos am Boden, konnte aber wieder ins Leben zurückgerufen werden.

Attentat gegen einen österreichischen Abgeordneten. Im Haufe des Abgeordneten des Landesausschusses und des Landtages, Steiner, in Wien, explodierte gestern früh eine. von unbekannten Tätern gelegte Bombe, ohne jedoch grv= ßen Schaden anzurichten. Da dem Abgeordneten Steiner die hiesigen Frrenanstalten unterstehen, dürfte es sich wohl um den Racheakt eines Jrrsinnigen handeln. Bisher ist es der Polizei nicht gelungen, den Täter zu ermitteln.

Tore Sine qualvolle Zeit durchlebten zwei Perſonen in Ver­

,, Na, na, mit der Probe wird's nicht so eilig sein," entgegnete der Mann. Bleiben Sie noch ein bißchen, Fräulein, und erzählen Sie mir etwas von Ihrem Herrn Bräutigam. Ich meine, er muß allerhand über die Mord­

lin, die den Fahrstuhl in einem Hause der Köpenickerstraße benutzten. Zwischen dem dritten und vierten Stockwerk blieb der Aufzug ohne erkennbare Veranlassung plößlich stehen. Erst der herbeigerufenen Feuerwehr und Mon­teuren gelang es, den Fahrstuhl wieder in Bewegung zu setzen und die beiden Gefangenen zu befreien.

Neuer Skandal in der Nenyorker Geldaristokratie. Die 27jährige Tochter einer alten Neuyorker Familie soll mit einem 21jährigen Chauffeur durchgegangen sein. Die junge Dame hatte den Ankauf des Automobils sehr energisch be­trieben, das von ihrem Vater nie benutzt wurde und ihr nur Gelegenheit zu Liebeleien mit dem Chauffeur schaffen sollte. Dieser war früher Verkäufer in einem Modewaren­geschäft und war der Dame schon damals bekannt.

Die entlaufene Millionärin wiedergefunden. Die 17­jährige Millionärin de Janon aus Philadelphia, die kürz lich mit einem verheirateten 50jährigen Hotelangestellten durchging, wurde vollständig mittellos in Chikago mit ihrem Geliebten entdeckt. Das Mädchen, eine bekannte amerikani­sche Schönheit, hatte sich, wie berichtet, in dem einsamen Hotel in Philadelphia in den 50jährigen Kellner Cohen verliebt.

Störung bei der Beerdigung eines Selbstmörders. Eine peinliche Szene spielte sich in Oranienburg bei der Beerdt­gung eines Selbstmörders ab. Auf Wunsch der Mutter des Toten wurde die Leiche vor dem Begräbnis thr noch einmal gezeigt. Zum Entsetzen der Anwesenden warf sich die Frau wie eine Wütende unter, Schimpfreden auf den Toten und

geschichte wissen- da er doch früher mit der Anita Brusio so gut Freund war der Anita Brusio, die den Grafen Welshofen heiraten sollte. Leider ist nun aus der Heirat nichts geworden, da der Graf tot ist, aber wenn er nicht ermordet wäre, so würde er die Anita Brusio geheiratet haben. Da muß doch Ihr Herr Bräu­tigam ein großes Interesse an des Grafen Tod habent= nicht?"

,, Ich weiß nicht ich ich weiß nicht, was Sie wollen," stieß Frida entseßt heraus. Lassen Sie uns gehen hören Sie?"

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Die Oper im Hause. Aus Neuyork meldet der B. Lok.­anzeiger: Das Metro litan Operahouse in Neuyork be­ginnt vom nächsten Letttwoch an, seine Opern durch drah.­lose Telephonie an Abonnenten zu übermitteln. Die draht= losen Apparate werden seit einer Woche angebracht. Ge­stern wurde eine Probe unternommen. Die Abonnenten, welche die Oper mit ihren drahtlosen Apparaten mitanhör­ten, waren mit dem Erfolge vollständig zufrieden.

Das riesenhafte Anwachsen. der dramatischen Werke in Frankreich wird in dem Verzeichnis über die von 1899 bis 1909 zur Aufführung gelangten neuen Bühnenwerke scharf hervortreten, das der Bühnenschriftstellerverband demnächst veröffentlichen wird. Nicht weniger als 10 000 neue Werke find während dieser zehn Jahre aufgeführt worden; in dem vorangegangenen Jahrzehnt war die Zahl kaum halb so groß gewesen.

,, Aber nicht so hißig, Fräulein, nicht so aufgeregt! Schwaben wir doch' n bißchen noch über die Geschichte. Meinen Sie nicht, daß Ihr Herr Bräutigam ein Inter­esse an des Grafen Tod gehabt hat? Ich mein' ia und vielleicht auch, daß er mehr davon weiß, als andere Leute. Immer hab' ich gesagt, der Untersuchungsrichter sollt sich an den Herrn Olfers wenden, dann würde er bald Näheres über den Fall erfahren, denn der Herr Olfers"

,, Meine Freundin hat Ihnen bereits zweimal gesagt, daß Sie gehen sollen," fiel Louison, die bisher als stumme Beobachterin dem Gespräch zugehört hatte, nachdrücklich ein. Ich fordere Ste daher zum dritten Male auf, un­sere Wohnung zu verlassen= wissen Sie, was das heißt?"

Der Kolporteur lachte hell auf.

Ein weiblicher Professor der Mathematik. Fräulein Adelaide Senty, die in der nordamerikanischen Stadt Boone geboren ist, wurde auf den Lehrstuhl für Mathematik an die kalifornische Universität in Berkelen berufen. Vor meh­reren Jahren ging sie von ihrer Heimatstadt nach Chicago dem jebigen Wohnort ihrer Eltern. Hier studierte ste Ma­thematik und folgte später einem Rufe nach Johannesburg in Südafrika, wo sie an der dortigen Universität den Lehr­stuhl für Mathematik innehatte.

Sollt' ich das nicht wissen? Die Fräulein machen von ihrem Hausrecht Gebrauch. Wenn man einen Menschen dreimal auffordert, die Wohnung zu verlassen und er tut es nicht, so ist das Hausfriedensbruch. Weiß ich alles- weiß ich. Aber ich gehe gleich. Nur fragen möchte ich das Fräulein" dabei zeigte er auf Frida- ,, noch, ob sie diese Schrift hier kennt? Was?" Er hielt ihr die Pho­tographie eines Briefes vor die Augen.

Frida taumelte zurück, denn sie erkannte Felix Olfers' Handschrift.

Aus dem Reiche der Technik.

Teslas Wunderlicht. Der amerikanische Erfinder Niko­laus Tesla, der seit zwanzig Jahren an einem drahtlosen elektrischen Licht" arbeitet, hat nunmehr, wie die Neuvorker World zu berichten weiß, das Problem endlich gelöst und seine Erfindung vollendet. Mit meinem großen drahtlosen Lichtgeber", so äußerte sich Tesla, könnte ich die ganzen Vereinigten Staaten erleuchten. Der Strom würde sich in die Luft ergießen und nach allen Richtungen sich verbreiten mit der Wirkung eines starken Nordlichtes. Es wäre ein sanftes Licht, fedoch stark genug, um die Gegenstände zu un­terscheiden". Tesla plant, zunächst den Hafen von Neuyork in einem Umkreis von rund 100 englischen Meilen zu er= leuchten. Eine einzige große Zentralstation wäre das Bil­ltaste und das Sicherste, um bestes Licht zu erhalten. Meine Lampen bedürfen keiner Erneuerung, denn nichts in ihnen brennt ab. Sie sind einfache Kuaeln aus Glas. die Herme= tisch verschlossen und versiegelt sind und verdünntes Gas enthalten." Hoffentlich läßt sich bald über den praktischen Nuken dieses munderbaren Richtea herichten.

Wir kennen diese Handschrift nicht," sagte Louison

brüst.

Sie vielleicht nicht, Fräulein, aber Ihre Freundin wird sie schon kennen. Die Braut kennt doch die Hand­

Aus den Gerichtssälen.

Schülerschneeballen vor dem Oberverwaltungsgericht. Das Oberverwaltungsgericht hat eine für Lehrer wichtige Entscheidung getroffen. Vor einiger Zeit bewarfen sich die Schüler einer höheren Lehranstalt auf dem Schulhofe mit Genehmigung des Lehrers mit Schneebällen. Bei dieser Ge­legenheit wurde das Auge eines Schülers derart durch einen Schneeball verletzt, daß er fast erblindete. Der Vater des Schülers machte hierfür sowohl den Direktor der Schule

schrift von ihrem Verlobten. Denn das ist sie doch wie?"

Jaaber" hauchte Frida, aber noch ehe Loui­son ihr zuzuflüstern vermochte, daß sie nicht antworten sollte.

Sehen Sie, das habe ich doch gleich gewußt," meinte Hattasch. Und nun empfehle ich mich gehorsamst den Damen. Einen schönen guten Morgen!"

Er zog mit ironischer Höflichkeit seinen Hut und ent­fernte sich.

,, Was war das?" fragte Frida angstvoll, als der Mann hinaus war.

Louison sah sie mitleidig an. Ist Dir das wirk­lich nicht far, Frida? Der Mann war doch ein De­tektiv."

Ein Detektiv? Aber was"

Die Freundin trat zu ihr und streichelte ihr liebkosend die Wange. Armes Ding!" sagte sie. Armes Ding!" Das blonde Kind verstand immer noch nicht. Sie be­griff nur, daß etwas Entseßliches sich ereignet hatte, aber etwas, dessen Tragweite sie nicht zu übersehen vermochte. Ein Bild hilfloser Angst stand sie da und strich sich mit mechanischen Bewegungen über die Schläfen. Louison über­legte, ob sie ihr die Vorgänge erklären sollte. Aber besser sie bereitete sie auf das vor, was kommen mußte. als daß sie es anderen überließ, ihr das Furchtbare mit­zuteilen. sprach sie ihr den Hut abnehmend und sie

,, Komm ins Zimmer zurückführend, wo sie sie auf einen Stuhl drückte ich will nur rasch zum Kaufmann gegenüber gehen und telephonieren, daß wir verhindert sind, zu der Probe zu kommen in wenigen Minuten bin ich wieder da und erkläre Dir alles."

Darauf eilte sie hinaus, die Freundin in einem Zustand der Betäubung, unfähig zu denken, zurückfassend.

,, Armes Hascherl," sagte sie, einen Wiener Ausdruck gebrauchend als sie zurückkehrte, armes Hascherl. Der Brief, den der Mensch Dir vorhielt, war doch selbstver­ständlich die Photographie desjenigen, den man in der Nachttischschublade Welshofens gefunden hat. Ich sah ia auch ganz deutlich, daß er in italienischer Sprache ges schrieben war." ( Fortsetzung folgt.)

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