*)(* Abschiedskommers. Morgen Sonntag nachmittag findet zu Ehren des nach Mainz berufenen Provinzialdirektor Dr. Breidert in der Turnhalle am Dswaldsgarten ein Abschiedskommers statt, zu dem Jedermann Zutritt hat. Bei der großen Beliebtheit des Scheidenden wird ohne Zweifel die große Halle kaum ausreichen, alle die zu fassen, welche nochmals mit dem liebenswürdigen Herrn, der 8 Jahre die Direktion der Provinz Oberhessen geführt, angenehme Stunden zusammen verleben wollen.
* Mitteldeutscher Sängerverband. Der Mitteldeutsche Sängerverband wurde vor kurzem von seiten eines hochherzigen Gießener Bürgers mit der nämhaften Spende von 2000 Mt. bedacht. Dieser Fall beweist so recht, welch großer Beliebtheit sich der Männergesang erfreut und welche ungenannten Gönner seinen Bestrebungen zur Seite stehen. Auch dieser Bund ist bekanntlich ein Werk des Geheimerais Dr. Breidert gewesen, der, wie wir bereits in einer der früheren Nummern erwähnten, sich große Verdienste um den Männergesang in Oberhessen erworben hat.
- Die Zuckerfabriken verlangen schon im September ausgereifte, möglichst zuckerreiche Rüben, um mit der Kampagne anfangen zu können. Die reisebeschleunigende aber auch nachhaltige Wirkung der Thomasmehlphosphorsäure verschafft diesem Düngemittel auch in den Rübenwirtschaf= ten von Jahr zu Jahr größeren Eingang, nachdem es von jeher auf den leichteren Lehm- und Sandboden als gege= bener Kartoffeldünger zur Ergänzung von Stallmist und Gründüngung bekannt ist.
** Militärische Uebung. Die Garnisonen von Gießen, Marburg und Butzbach vereinigten sich am Donnerstag zu einer großen Feldübung, welche in der Umgebung von Klein- Linden, Hochelheim und Hörnsheim stattfand. Die Schüler der höheren Lehranstalten in Gießen und die Kinder der Volksschulen der Umgebung wohnten der Uebung in großer Anzahl bei. Das militärische Schauspiel hatte auch viele Gießener Bürger nach dem Üebungsgeiände hinausgelockt.
*)(* Verein für Sterbeunterstützung. Wir möchten unsere Leser noch einmal auf die morgen nachmittag 3½ Uhr in Lonys Bierkeller stattfindende Generalversammlung des Vereins für Sterbeunterstützung aufmertsam machen.
Vortrag. Der letzte Vortrag in dem Kaufmännischen und Ortsgewerbeverein", den Herr Koeppen- Berlin am Donnerstag über„ Venedig und seine Kunstschäße" hielt, hatte nicht verfehlt, die nach einer großen Allgemeinbildung strebenden Kaufleute und Gewerbetreibenden unserer Stadt nebst ihren Angehörigen in großen Scharen anzulocken. Sicherlich aber wurden die Erwartungen der Erschienenen durch die Ausführungen des Redners übertroffen, der in überaus fesselnder Weise ein klares Bild von der Geschichte der alten Handelsstadt zu entwerfen wußte und welcher in ebenso klarer Weise die Sehenswürdigkeiten Venedigs zu schildern vermochte. Vorzügliche Lichtbilder standen dem Vortragenden bei seinen Ausführungen zur Seite, welche reichen Beifall ernteten.
tt Stadttheater. Dienstag, den 15. März, ge= langt als Benefiz- Vorstellung für den Charakterspieler und Regisseur Herrn Curt Gühne Brachvogels„ Narz i ß" zur Aufführung. Die Titelrolle gibt dem Benefizianten Geegenheit, sein ganzes Können zu entfalten. Die Vorstellung findet im Abonnement statt, doch wird„ Narziß“ im Freitag- Abonnement bestimmt nicht wiederholt.
* Der Gernhardt'sche Zither u. Man= dolinen- Chor hält morgen Sonntag im„ Felsenkeller" sein Frühjahrskonzert ab. Ein reichhaltiges Programm sorgen für gute Unterhaltung.
* Kinematograph. In der bekannten Weise hat auch diesmal wieder der" Kinematograph" sein Programm äußerst reichhaltig gestaltet. Ganz besonderen Beifall dürfte diesmal das dramatische Schauspiel„ Der Mann mit den weißen Handschuhen" ernten, für das ein 315 Mtr. langer Kunstfilm zur Verfügung steht. Der Aumor kommt nicht minder gut in den trefflichen Stücken" Der sentimentale Gellospieler",„ Ein böser Tag" und„ Mit Adolphine ist nichts anzufangen" auf seine Rechnung. Sicher wird auch dieses Programm nicht seine Anziehungskraft auf alt und jung verfehlen.
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** Ein diretter Erfolg zur Ermittelung von Spitzbuben hat gestern vormittag der Schußmann Klees mit seiner Polizeihündin„ Zella" erzielt. Dem Kohlenhändler Klintel sind in vorhergehender Nacht aus seinem Lager Kohlen und Briketts gestohlen worden. Die Hündin " Bella", gestern vormittag an den Tatort geführt, nahm sofort die Spur querfeldein nach einem Feld auf und reichte in einer Entfernung von etwa 1000 Meter 2 nahe 14jährige Jungen, die vom Hund gestellt und verbellt wurden. Schußmann Klees hinzugekommen, nahm die Jungens ins Verhör und sie gestanden dann den Kohlendiebstahl ein. Das gestohlene Gut hatten die Diebe mitten im Feld in einer Furche vergraben; auch diese Stelle wurde von der Hündin entdeckt.
Die richtige Spur hatte vor einiger Zeit der Polizeihund des Schußmann Neuz in Villmar aufgenom
men. Dort war seit einiger Zeit ein Mann verschwunden und der Hund hatte dessen Spur ans Lahnuser verfolgt. Nach einer jetzt hier eingetroffenen Nachricht ist der betr. Mann bei Balduinstein aus der Lahn als Leiche geländet worden.
= b Viehmarkt. Bei dem am 8. und 9. März stattgefundenen Markte waren aufgetrieben: 1684 Stück Rindvieh, 426 Schweine. Der nächste Markt findet am 22. und 23. März 1910 statt, am letzten Tage auch Krämermarft.
Aus Hessen und Nachbargebiet.
* Alsfeld. In einer zahlreich besuchten öffentlichen Versammlung des Freisinnigen Wahlvereins sprach neulich Privatdozent Dr. V og t- Gießen über„ Liberalismus und Verfassung". Als zweiter Redner sprach Justizrat Reh über die hessische Wahlrechtsvorlage. Beide Redner fanden den lebhastesten Beifall. Eine Resolution, die sich gegen das Pluralwahlrecht wendet und die Regierung auffordert, dem Gesetze die Genehmigung zu versagen, fand einmütige Annahme.
* Aus Rheinhessen. Die mißliche Lage der rheinhessischen Winzer vermag wohl am besten eine Ver= öffentlichung der Landwirtschaftskammer zu illustrieren, wonach bei einer Zwangsversteigerung in Stadecken für 9594 Quadratmeter Weinberg, die mit 7190 Mt. durch das Ortsgericht geschäßt waren, 2354 Mt. erlöst wurden. In Sulzheim wurden für 6282 Quadratmeter, die zu 3100 Mt. geschätzt waren, 363 Mt. und in Niederolm für 2522 Quadratmeter Weinberg, die mit 2190 Mt. geschätzt waren, 1300 Mt. bezahlt. In Zornheim kosteten 8614 Quadrat meter Weinberg, die zu 8614 Mark vom Ortsgericht ge= schäßt waren, ganze 987 Mart.
* Mainz. Hier ist vor einigen Tagen ein Milchfrieg ausgebrochen, der auf die Erhöhung des Milchpreises seitens der Milchproduzenten zurückzuführen ist. Neue, einschneidende Aktionen hat die„ Genossenschaft der vereinigten Milchproduzenten von Rheinhessen und den angrenzenden Gebieten" neuerdings eingeleitet, um ihren For= derungen zum Siege zu verhelfen. So wurde am Montag über die Stadt Mainz und die eingemeindeten Vororte der allgemeine Milchboykott verhängt. Infolgedessen ist nun auch die Zufuhr der Milch aus der nächsten Nachbarschaft die bisher meist direkt und zu höheren Preisen lieferte, sowie die Bäckermilch gesperrt. Üm in dem heißen Ringen nun aber vor allen Dingen das konsumierende Publikum in der Stadt für sich zu gewinnen, beabsichtigt man seitens der Produzenten die Errichtung von Milchverkaufsstellen, resp. die Gründung einer Milchzentrale in hiesiger Stadt.
* Die Vorarbeiten für die vom 12. bis 14. d. Mts. in der Stadthalle zu Mainz stattfindende Landes= Geflügel- Ausstellung sind beendet. Insbeson= dere hat der Großherzog sein persönliches Interesse an der Ausstellung noch dadurch befundet, daß er am leßten Samstag die Leitung des Landesverbandes Hessischer Geflügelzüchter und die Ausstellungsleitung in Audienz empfing und dabei sein Erscheinen zur Ausstellungseröffnung für Samstag, den 12. d. Mts., vormittags 11 Uhr, in Aussicht stellte.
Aus aller Welt.
* Berlin, 9. März. Die Verhandlungen zwischen den Parteiführern des Abgeordnetenhauses über die Wahlrechtsfrage sind, wie der Lokalanzeiger mitteilen kann, ergebnislos verlaufen, da die Rechte den Wünschen der Li| beralen nicht entgegenzukommen geneigt ist.
== bernhausen, 9. März. Hier verschwand vor einiger Zeit ein 16'ähriges Dienstmädchen, ohne daß über ihren Verbleib bisher etwas zu ermitteln war. In einem nun bei Verwandten eingetroffenen Briefe des Mädchens aus Brüssel, in dem sie um Reisegeld zur Heimkehr bittet, teilt das Mädchen mit, daß sie von drei Männern entführt worden sei. Die drei Entführer wurden unter Zuhilfe- nahme des deutschen Konsuls in Brüssel verhaftet.
== Cleve, 9. März. Das hiesige Schwurgericht verurteilte gestern den Wilddieb Hermann Oste aus Mörs wegen Erschießung des Jagdhüters Ellmann aus Crefeld zum Tode und 6 Jahren Zuchthaus.
Das Neueste vom Tag.
= h Berlin, 12. März. Der„ Vorwärts" meldet: Die Berliner Staatsanwaltschaft hat gegen eine Reihe von Parteigenossen ein Verfahren eingeleitet, wegen der De=
| monstrationen des 13. Februar. Die Betreffenden werden beschuldigt, Veranstalter oder Leiter nicht genehmigter Versammlungen unter freiem Himmel gewesen zu sein, oder nicht genehmigte öffentliche Aufzüge veranstaltet oder geleitet zu haben. Als solche Uebeltäter sieht die Polizei vorzugsweise die Redner an, die am 13. Februar bei Ver
sammlungen über die Wahlreform gesprochen haben. Am Freitag finden bereits mehrere Vernehmungen in der Angelegenheit statt. Die Staatsanwaltschaft will Anklage erheben wegen Vergehen gegen§ 111 des Str.-G.-B.( Aufforderung zu strafbaren Handlungen) und wegen Ueber tretung des§ 19 des Reichsvereinsgesetzes.
Am Grabe Luegers.
== Wien, 12. März. Der deutsche Botschafter wird heute im Auftrage Kaiser Wilhelms am Sarge Luegers einen prachtvollen Kranz niederlegen. Die beiden Schleifen des Kranzes tragen die Buchstaben W. R. überragt von der deutschen Kaiserkrone.
= h= Wien, 12. März. Vor dem Rathause kam es gestern Abend gegen 5 Uhr zwischen der Wache und einer nach Tausenden zählenden Menge, die die Aufbahrung des Bürgermeisters in der Volkshalle sehen wollten, zu erreg= ten Szenen. Schon in den Vormittagsstunden hatte sich eine große Volksmenge vor dem Rathause angesammelt und die Polizei sperrte daher den Platz ab, da aber die Menge immermehr anschwoll und den Absperrungs- Kordon zu durchbrechen drohte, umzingelte berittene Schußmann= schaft die Neugierigen und trieb sie auseinander.
Oeffentlicher Sprechsaal.
Arbeiterversicherung.
Nach Krofdorf. Bei Doppelversicherung soll die Gesamtleistung an Krankengeld( aus beiden Kassen) den Betrag des vollen Lohnes nicht übersteigen. Eine Kürzung des Mehrbetrages dann durch das Kassenstatut ausgeschlos sen werden, das ist aber bei Ihnen nicht der Fall. Unfallversicherung. Auch Betriebsunternehmer mit nicht mehr als 3000 Mt. Jahresarbeitsverdienst, oder mit nur 2 Lohnarbeitern sind berechtigt, sich zu versichern( im ersten Fall ohne Rücksicht auf die Zahl der Lohnarbeiter, im letteren Fall ohne Rücksicht auf die Höhe des Jahresarbeitsverdienstes), sofern nicht der Versicherungszwang auf sie ausgedehnt ist. Durch Statut tann diese Berechtigung auf Unternehmer mit einem höheren Arbeitsverdienst erstreckt werden.
Rentenant ra g. Wir empfehlen Ihnen bei der Bürgermeisterei Erfundigungen über den Stand der Angelegenheit einzuziehen und auf Beschleunigung der Sache zu dringen. Derartige Anträge sind als eilig zu behandeln, das scheinen die Herren nicht zu wissen.
Dienstvertrag.
2. B. hier. Wenn ein Dienstbote sich an mehrere Dienstherrschaften für dieselbe Zeit vermietet, so ist er verpflichtet, bei der Herrschaft, mit welcher er den Dienstvertrag zu erst abgeschlossen hat, auf deren Verlangen einzutreten; den übrigen Dienstherrschaften ist er zur zurück
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der auch zugleich ein Hochgenuss, ist eine feine Cigarette, die hergestellt an deutscher Stätte:
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