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Wie ein drahtloses Telegramm des Kapitäns nach South­hampton mitteilte, traf der Dampfer gestern mittag gegen 2 Uhr im englischen Kanal ein. Troßdem eine Gefahr für den Dampfer absolut nicht vorhanden ist, hat die Verwal­tung des Lloyd ihm dennoch einen Tender zur eventuellen Hilfeleistung entgegengesandt. Die Prinzeß Irene" fährt direkt nach der Weser weiter und wird voraussichtlich am Dienstag abend oder Mittwoch vormittag in Bremerhaven zu erwarten sein.

Das versunkene Spital von Naibl. Telegramme aus Graz, Villach und Tarvis schildern die Katastrophe von Raibl als ein entseßenerregendes Unglück. Der Einsturz des Spitals und dessen Versinken unter Tag, war das Weck eines Augenblicks. Es bildete sich eine tiefe Grube, die sich sofort mit Wasser anfüllte. Das Spital war nur ein Not­spital mit einem Belegraum von zehn Betten im Souter­rain, die zur Zeit des Einsturzes leer waren. In den Par­terreräumlichkeiten ordinierte gerade der Bergarzt Dr. Ve­fely mit Hilfe der Wärterin Langsteiner und ihres Mannes, der zugleich Portier und Wärter ist. Die junge Frau des Arztes hielt sich mit dem kleinen Kind und zwei Dienst­boten zur Zeit des Einsturzes in der Wohnung im ersten Stod auf, wo alles zum Mittagsmahl bereit war. Der Einsturz wurde durch Verbruch eines Abbaues in dem unter dem Spital gelegenen Bergwerk des Grafen Henckel Donnersmarck verursacht. Sogleich nach dem Einsturz wur= den die ganze dienstfreie Bergmannschaft und die Besazung der Forts an Ort und Stelle befohlen. da man anfangs glaubte, eine Rettungsaktion wäre möglich. Diese hat sich aber als ganz undurchführbar erwiesen. Die Ursache der Katastrophe ist zwar noch nicht zweifellos festgestellt, doch glaubt man, sie auf die Erschütterungen bei Minterar­beiten zurückführen zu können.

Den Vater um 30 000 Mark bestohlen. Eine schändliche Tat beging der Sohn eines kleinen Beamten in Berlin, in­dem er seinen Vater um das gesamte Vermögen bestahl. Dieser hatte es durch Sparsamkeit und durch Erbschaft von der Seite seiner Frau her zu einem Vermögen von 30 000 Mark gebracht. Der Mann bewahrte alles in Papieren, zum größten Teil ausländischen, in seiner Wohnung auf. Das erfuhr sein mißratener Sohn, der nichts Rechtes ge­lernt hat und sich längere Zeit ohne feste Arbeit in der Provinz umhergetrieben hatte. Vor etwa Jahresfrist tehr­te er wieder nach Berlin zurück und wohnte hier, von den Eltern getrennt, in Schlafstelle. Der Bursche kundschaf= tete nun aus, wann seine geistig etwas beschränkte Mutter allein zu Hause war Trotz des Verbotes ihres Mannes gewährte die Frau ihm Zutritt zur Wohnung, wo er fich den ganzen Betrag in Wertpapieren aneignete. 25 000 M versteckte er in der Wohnung, so daß er sie jederzeit er= reichen konnte, 5000 M nahm er gleich mit. Auf verschiedenen Banken ließ er die Paptere in bares Geld umwechseln, kleidete sich fein und spielte nun den Lebemann. Er besuchte nur bessereLokale und verspielte an einem einzigen Tage in einem Cafee nicht weniger als 1100 M. Als er 4000 M durch= gebracht hatte, beschloß er, sich neuen Vorrat aus der elter­lichen Wohnung zu holen. Die Kriminalpolizei war be­reits verständigt worden und nahm den Burschen fest, als er gerade ein Lokal in der Nähe seiner Eltern verließ, und sich zu dem neuen Raubzuge anschickte.

Bielstation. Es kommt sehr oft vor, daß Passagiere, welche die Eisenbahn benüßen, die Bett verschlafen und aus diesem Grunde über die Zielstation hinwegfahren. Auch Landeskundige kommen vielfach in dieselbe Verlegenheit. Besonders gilt dies von kleinen Leuten, Auswanderern usw. Da hat denn ein englischer Eisenbahningenieur einen praktischen Vorschlag gemacht. Jeder Reisende erhält auf ber Abfahrtstation bei Erwerb feines Billetts, einen Bettel, auf dem vom Schalterbeamten in sichtbarer Schrift die Ziel­station vermerkt ist. Diesen Zettel übergibt er beim Ein­teigen in den Bug dem Kondukteur rfp. Heftet ihn an auf­fallender Stelle im Rupee selbst an die Wand. Der zugbe­gleitende Schaffner hat sodann die Verpflichtung, den Rei­senden darauf aufmerksam zu machen, daß er an der Biel­station angelangt set. Eine englische Eisenbahngesellschaft hat versuchsweise dieses System auf ihren Strecken einge­führt und, wie die Direktion mitteilt, auch mit gutem Erfolg.

Die Familienhofse. Ein drolliger Vorfall spielte sich, wie man der Frtf. 3tg. aus Stettin berichtet, in dem Dorfe Haussagen( Kreis Greifswald) ab. Mehrere junge Burschen saßen in einem Gasthaus beim Kartenspiel. Da erschien ein sechsjähriges Mädchen, die Schwester eines der Burschen, auf der Bildfläche, um ihren Bruder zu holen: Jehann, dit saft na Hus foamen!" Doch Johann rührte sich nicht. Endlich ward die Kleine ungeduldig, zupfte ihren Bruder energisch am Rock und rief nun mit lauter Stimme:, 30­kann, du sast na Hus koamen und de Hosen uttrecken, - Sie brauchte nicht mehr lange Badder will or utgahn!" zu warien, bis Johann heimeilte, seine Hosen dem sehn­süchtig harrenden Vadder" zu überlassen.

Diätetik des Ausbrechers. Einer Entfettungsfur zu ei­rem ungewöhnlichen Zweck hat sich der im Brüsseler Ge­fängnis Saint Gilles internierte König der Gauner" Pel­laert alias Chatterton unterzogen, der als Schwindelgenie berüchtigt ist und erst vor kurzem wegen eines Riesenbe huges, durch den er einen braven Bürger um eine Vierter­million preflte, zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Der unternehmungslustige Schwindler hat sich Im buchstäblichen Sinne des Wortes dünne gemacht", als er vor zwei Monaten in Erfahrung brachte, daß er zur Ver­büßung seiner Strafe vom Gefängnis Saint Gilles nach der Strafanstalt in Louvain überführt werden sollte. Er hatte sich sofort frank gemeldet und war daraufhin in einer Belle der Krankenabteilung untergebracht worden, wo er auf Grund seines Magenleidens die Nahrungsaufnahme verweigerte und eine freiwillige Hungerkur durchmachte. Dank dieser zielbewußten Enthaltsamkeit war es Pelleard glücklich gelungen, in acht Wochen so schlank zu werden, daß er seinen Körper durch das enge Fenster seiner Belle, deren Eisengitter er in geduldiger Nachtarbeit allmählich durchgesägt hatte, hindurchzuzwingen vermochte. So fand man denn dieser Tage eines schönen Morgens bei der Vi­sitation die Belle leer und auf dem Tisch ein höfliches Schreiben, in dem Ehren- Pellart dem Herrn Gefängnis­direktor mit der Bitte um Entschuldigung wegen der ver­ursachten Verdrießlichkeiten sein Bedauern aussprach, die Anstalt heimlich verlassen zu müssen.

Von der Berufsarbeit der Frau. Die Zahl der Aerz­tinnen in Deutschland ist nach dem Ausweise des Reichs­Medizinalkalenders für 1910 fortgesetzt im Steigen begrif= fen. Sie hat sich von 55 im Vorjahre auf 69 vermehrt. Die meisten der Aerztinnen sind in Großstädten tätig. Auf Ber­Iin kommen 21 gegen 17 im Vorjahre. In München leben 6, in Frankfurt a. M. 5, in Dresden und Hamburg je 4, in Heidelberg 8, in Danzig, Breslau, Nürnberg und Freiburg fe 2 Aerztinnen. Wieder einen neuen Beruf hat sich die Frau in einer kleinen englischen Stadt erobert. Es ist dies das Dertchen Magherofeldt, und zwar ist dort Ina Rich­mond mit dem Amte des Gasdirektors betraut worden. Unseres Wissens ist diese Dame die erste weibliche Gas­direktor der Welt. Ursprünglich war Fräulein Richmond bei der Post angestellt; sie zog aber später zu einem Bruder, der, wie zuvor ihr Vater, Direktor des Gaswerkes war. In einem 13jährigen Aufenthalte bei der Familie dieses Bruders gewann sie nach und nach ein immer größeres In­tereffe für den Familienberuf, und eignete sich allmählich bte dazu nötigen Kenntnisse so vollkommen an, daß sie, als thr Bruder einen anderen Beruf annahm, in seine Stellung eintreten konnte. Einen weiblichen Geistlichen haben die evangelischen Gemeinden von Siebenbürgen in der Person der Frau Julia Vorgha, der Tochter eines reformierten Bischofs, die in den siebenbürgischen Städten predigt.

Hörschüler und Sehschüler. Eine pädagogische Neuhett sucht die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken: es handelt sich um eine Art Zuchtwahl oder Auswahl der Schulklassen auf Grund des psychologischen Typs der Schü­ler. Vorläufig hätte die Selektion zwischen zwei großen Kategorien zu geschehen: zwischen Schschülern und Hör­schülern, d. H. zwischen Schülern, deren stärkste Sinnes­wahrnehmungen ihren Sitz im Auge oder im Ohre haben. Der italienische Jugendbildner Ugo Pizzoli erklärt im Resto del Carlino, daß seine Praxis ihn zu der leber­zeugung gebracht habe, daß die beiden Typen eine ganz ver­schiedene pädagogische Behandlung verlangen. Der Lehrer fann, wenn er nur ein ganz klein wenig aufmerkt, mit Leichtigkeit die verschiedenen Typen feststellen: die Unter­haltungen der Schulkinder, das sogenannte musikalische Gehör und das mehr oder minder stark entwickelte Zeichen­talent können ihm wertvolle Fingerzeige geben. Man er­zähle", schreibt er, eine Geschichte, die sich in gleicher Weise an das Auge und das Ohr wendet; dann fordere man die Schüler auf, das Erzählte niederzuschreiben; man kann auf diese Weise leicht in Erfahrung bringen, ob die Schüler die dargestellten Bilder mit dem Gesicht oder mit dem Gehör erfaßt haben. Eines Tages forderte ich Schüler der fünften Klasse auf, ein Pferd zu schildern. B., ein Sehschüler, sieht ganz genau das Pferd seines Oheims, wie wenn er es dicht vor Augen hätte. Er beschreibt sofort die Farbe des Tieres, die Form der Mähne, den Schweif und vergißt nicht, zu er­wähnen, daß dem Tiere der Schweif vor einigen Tagen gekürzt worden ist. M. dagegen, ein Hörschüler, weist da­rauf hin, daß das Pferd ausschlägt, wiehert, schnaubt, daß man, um es zu lenfen, mit der Peitsche knallen und Ho! und! rufen muß. Die Klasse der Sehschüler ist weit größer als die Klasse der Hörschüler; aber es gibt auch ge­mischte Typen, die die Dinge ringsum mit den Augen und mit den Ohren zugleich wahrnehmen. Schüler dieser Art zeichnen sich in der Schule ganz besonders aus, weil sie ihre Energien" gleichmäßig verteilen.

Der Richter in der Tretmühle. Einem englischen Rich­ter, der sich von der Zwangsarbeit der Zuchthaussträflinge einen klaren Begriff machen wollte, ist jüngst ein unan­genehmes Abenteuer passiert. Man weiß, daß in den eng­lischen Strafanstalten noch oft die sogenannte Tretmühle zur Anwendung kommt. Der Gefangene wird in einen großen leeren Zylinder gesetzt und muß sich mit diesem drehen wie das Eichhörnchen im Käfia. Bor kurzem, so erzählt der Berliner Börsen- Courier, geschah es nun, daß der Oberrichter Platt sich von dieser Strafe, zu der er schon so viele Leute verurteilt hatte, eine konkrete Vor­stellung machen wollte. Er kletterte in die Tretmühle und ersuchte einen Gefängniswärter, die Maschine in Bewegung zu setzen. Das Rad begann sich zu drehen, und der Richter machte die größten Anstrengungen, die Stufen, die er bet den raschen Umdrehungen zu sehen glaubte, hinanzuklettern, blieb aber zu seinem Leidwesen immer auf demselben Fleck. Nachdem er sich etwa eine minute lang dieser harten und nicht besonders angenehmen Arbeit hingegeben hatte, be­fahl er dem Beamten, die Maschine zum Stillstand zu bein­gen. Man kann sich vorstellen, wie erstaunt und entsetzt der Richter war, als er die Antwort erhielt: Es ist unmöglich, Sie können nicht sofort wieder hinaussteigen, da ich die Maschine für 20 Minuten, die vom Gesetz vorgesehene für­zeste Torturfrist, eingestellt habe." Der arme Richter mußte infolgedessen noch weitere 19 Minuten das Eichhörnchen spielen.

Die Gafthofsbefiker an die Selbstmordkandidaten. Die Gasthofsbesitzer Deutschlands haben sich zu einer Bitte an die Selbstmordkandidaten entschlossen. Sie wünschen, daß diese sich nicht gerade die Gasthöfe zu Schaupläben ihres Endes wählen und den Hotelbesibern ebenso wie den Gä­sten Unannehmlichkeiten bereiten möchten. Die Bitte ist im Zentralorgan der Gasthofsbefizer Küche und Keller" erschienen und lautet: Es ist geradezu entseblich, daß Verso­nen, die aus dem Leben scheiden wollen, zu diesem Zwecke ein Hotel aufsuchen und somit nicht allein die Hoteliers, sondern die Hotelgäste aufs höchste stören und beunruhigen. Ein solcher Fall wird jetzt wieder aus Berlin gemeldet Als ob es nicht stille Pläße außerhalb des Hotels genug geben würde! Es gehört eine große Rücksichtslosigkeit da­zu, in dieser Weise gegen seine Mitmenschen zu verfahren. .. Wer schon durchaus aus dem Leben scheiden will, sollte Der das doch wenigstens in Ruhe und Frieden tun... Wirt erleidet, abgesehen von der Unruhe und der Belästt­gung der anderen Gäste, dadurch stets einen Vermögens­schaden, den er in den meisten Fällen nicht ersetzt bekommt. Sehr häufig ist in solchen Fällen ein Nachlaß gar nicht vor­handen, an den der Wirt sich halten könnte. Der Wunsch der Gasthofsbesitzer ist begreiflich. Er erinnert an einen in der Nähe der Großstadt ansässigen Gutsbesitzer, in dessen Wald sich öfter Städter erhängten. Das verursachte dem Besitzer viele Unbequemlichkeiten. Schließlich brachte er an den Rändern des Waldes Tafeln an mit der Bitte, sich einen anderen Platz für das Aufhängen zu suchen. Da= durch sollen die Selbstmordkandidaten stets anderen Sinnes geworden sein, und es soll sich dort niemand mehr aufge­knüpft haben.

Das Telephoneden. Bei englischen Wahl­

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Diskussion, wohl aber werden Fragen an die Redner gestellt, und diese Fragen werden oft als wichtiger angesehen, als die Rede selbst. Herr A. W. Black, der liberale Kandidat für Biggleswade, der sich so unwohl fühlte, daß er das Bett hüten mußte, Iteß sich das Telephon bringen, um alle Fragen beantworten zu können. Eine Idee, die der Beachtung angehender Komödienschret­ber wert ist.

Eine Kindertragödie.

Draußen in Fünfhaus, an der Peripherie von Wien, dort, wo die Armut und der Hunger und ihre traurigste soziale Folgeerscheinung, das Kinderelend, zu Hause find, hat sich der letzte Akt der Tragödie eines kleinen, dreizehn­jährigen Burschen abgespielt, wie er herzzerreißender und beklemmender nicht gedacht werden kann. Das ist ein Fall, der beweist, wie viel noch auf dem Gebiete der Kinderfür­forge zu tun ist in diesem Jahrhundert, an dessen Schwelle in Desterreich die tönende Parole Für das Kind" ausge­rufen wurde und so viel ehrlichen und begeisterten An­flang fand.

In Fünfhaus, in der Märzstraße, wohnte- wir folgen hier einem Bericht der N. Fr. Pr.- der kleine Adolf St Sein Vater ist Deichgräber, die Mutter Wäscherin. Vater und Mutter sind tagsüber vom frühen Morgen bis zum späten Abend außer Hause beschäftigt. Noch eine ältere Schwester ist da. Sie verdient ihr färgliches Brot als Dienstmädchen. Der Knabe war sich selbst überlassen. Ein Dreizehnjähriger, den die Freiheit, des Unbeaufsichtigtseins zu kleinen Streichen verleitete. Er besuchte nicht die Schule wurde ein Schulschwänzer, so daß der Vater von dem Leh­rer in die Schule gerufen wurde, um auf das Kind einzuwir­fen. Da seßte es Ermahnungen und Schläge und strenge Strafen ab. Aber der Erfolg war nicht durchgreifend. Um­soweniger, als das Kind Mangel litt. In seinen freien Stunden verdingte es sich einer Kohlenhändlerin, die im selben Hause etabliert ist, als Kohlenträger. Mitunter er­hielt der Junge bei den Parteien, denen er die Kohle zu­brachte, einige Heller Trinkgeld. Leider kam es dazu, daß er diese winzigen Geldbeträge als Trinkgeld im wört­lichsten Sinne des Wortes benüßte. Er kaufte sich Brannt­wein, und heute erzählen die Parteien, daß sie ihn wieder­holt am Abend trunken nach Hause kommen gesehen hätten; in der Küche der elterlichen Wohnung habe er dann seinen Rausch ausgeschlafen. Montag nachmittag hat der kleine Adolf S. elnen Selbstmord begangen. Er hat eine Schnur

am Türstock befestigt und sich in aufrechter Stellung er­hängt. Das Kind hat mit einer staunenswerten Energie den Kopf selbst in die Schlinge gesteckt und die Schnur dann zugezogen. Wiederbelebungsversuche sind erfolglos geblieben. Man fand bei der Leiche einen Zettel, der für das Motiv des Selbstmordes merkwürdige Umstände an­gibt. Dieser Zettel hatte folgenden, unorthographisch ge­schriebenen Inhalt: ,, Liebe Mutter! Mich gefreut das Leben nicht mehr. Ich begehe einen Selbstmord. Weil mich die Kohlenhändlerin einen Dieb erklärt. Gruß an Vater und Mutter. Adolf."

Die Kohlenhändlerin stellt in Abrede, daß sie den Knaben beschimpft habe. Sie erzählt aber, daß er vor einiger Zeit, als er ausgeschickt worden war, Kohlen aus­zutragen, ohne Geld zurückgekommen sei, troßdem ihm die Parteien gezahlt hätten. Die Händlerin will dem Knaben nur Vorwürfe gemacht haben, sie hätte ihn aber, wie sie ausdrücklich hinzufügt, in ihrem Dienst behalten. Nach einem Streit mit seiner Dienstgeberin ging der Knabe in die elterliche Wohnung und beging in der Küche den Selbstmord. Die Küchentür hatte er abgesperrt.

Drabtnachrichten und Deaestes.

Romreise des Reichskanzlers.

Mailand, 11. Januar. Nach Informationen aus best unterrichteten Kretsen ist die wegen des römischen Kabis nettswechsels verschobene Romreise des deutschen Reichs­fanzlers nunmehr bestimmt auf die nächsten Osterferien festgesetzt.

Chilifalpeter statt Vichsalz.

Frankenthal, 11. Januar. In Dannstadt nahm det Stallknecht Gg. Geiger versehentlich zur Fütterung Chili­salpeter statt Viehfalz, sodaß 18 Tiere vergiftet wurden. Ein Teil der Tiere ist eingegangen.

Zwei Polizeibeamte von Banditen getötet. Posen, 11. Januar. In Czenstochau wurden zwei aus Bosen stammende Polizeibeamte von Banditen durch zahl reiche Revolverschüsse getötet. Die Mörder nahmen ihren Opfern Uhren und Revolver ab und entkamen.

Liebestragödie.

Hamburg, 11. Januar. In Osdorf bei Altona er schoß gestern nachmittag der 51jährige Fuhrmann John Ennerstedt seine Schwägerin und dann sich selbst. Beide sollen ein Liebesverhältnis unterhalten haben.

Vom Zuge erfaßt nnd tödlich verlegt. Essen, 11. Januar. Gestern nachmittag wurde ein auf dem Bahnsteig stehender Fahrgast von der Maschine cines einfahrenden Zuges gefaßt und lebensgefährlich ver­Icht. Der Betreffende hatte eine Fahrkarte Essen- Frank­furt und ist ein Fabrikarbeiter Ludwig Herchenhahn aus Oberelsbach. Er kam alsbald ins hiesige Krankenhaus, wo er hoffnungslos darniederliegt.

Selbstmord einer Irrfinnigen.

Altenbornbach,( Rheinpfalz), 11. Januar. Eine durch den rasch nacheinander erfolgten Tod ihres Mannes und Sohnes trübsinnig gewordene Bäuerin gab ihren Ver­wandten ihr Geld, verbrannte ihre Habseligkeiten und tötete sich dann durch Beilhiebe auf den Kopf.

Zugentgleisung.

Beuthen, 11. Januar. Amtliche Meldung. Gestern abend gegen 8 Uhr entgleisten auf dem hiesigen Bahn­hof von dem einfahrenden Güterzug 9404 zwölf Wagen. Hiervon wurden sieben Wagen zertrümmert und drei stark und zwei leicht beschädigt. Ein Bugschaffner wurde leicht berleßt. Der Materialschaden ist erheblich.

Tödlicher Absturz in den Bergen.

Freiburg,( Schweiz), 11. Januar. Bei der Rückkehr von einem Aufstieg auf den Moleson in den Voralpen stürzte der aus Berlin gebürtige Buchdruckergehilfe Robert Franselau ab. Im Hospital zu Riaz ist er seinen Ver legungen erlegen.

Unter Erdmaßen begraben.

Prag, 11. Januar. Bei Saaz stürzte gestern in einer tief gelegenen Sandgrube infolge Untergrabung die ganze obere Erdschicht ein. Dadurch wurden die in der Sand­grube beschäftigten Arbeiter, deren Zahl bisher noch nicht festgestellt ist, unter den Erdmassen begraben. Bis zum Abend gelang es der Feuerwehr und der Polizei, einen 70­jährigen Arbeiter als Leiche auszugraben.

Eine ganze Familie verbrannt. Lisburn,( Irland), 11. Januar. Im Hause eines La­ternenanzünders brach Feuer aus. Mann, Frau und vier Kinder verbrannten.

Pariser Bluttaten.

Paris, 11. Januar. Die 22jährige Portiersfrau eines Hauses im Quartier Batignolles, Witwe Caillaud, wurde gestern früh im Hausflur erdrosselt aufgefunden. Der un­bekannte Täter hatte der Frau die von ihr einkassieten Mie­ten im Werte von 3000 Francs geraubt. Eine zweite Mordtat wurde an der 55jährigen Witwe Rinwulle in Neuilly bei Paris verübt. Der Leichnam der Frau, der schwere Verlegungen an Etirn und Brust aufwies, murde vor ihrem Hause aufgefunden. Man stellte fest, daß die Frau abends ihren Sohn nach der Bahn begleitet hatte und allein Heimgekehrt war. Bwet traitenische Apachen, die der Frau gefolgt waren, werden als der Tat verdächtig ge­sucht. Barschaft und Schmucksachen der Frau fehlen.- Im Stadtviertel Batignolles feuerte gestern vormittag ein fun­ger Mann namens Rocher auf offener Straße auf seine Begleiterin, die 25jährige Buchhalterin Gertrud Hubert, zwei Schüsse ab und verletzte sie schwer am Kopf. Darauf jagte er sich selbst eine Kugel in den Kopf. Aller Wahr­scheinlichkeit nach war Eifersucht das Motiv der Tat.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 10. Januar. Viehmarktvreise vom 10. Ja muar. Breise für 1 Bentner: Rinder: Ochsen: a) vollfleifchine ausgemäftete höchsten Schlachtwertes höchftens 6 Jahre alt ( Lebendgewicht) 43-46 MP.,( Schlachtgewicht) 77-85 m., b) iunge fleischige, nicht ausgemäftet und ältere ausnemäftete ( Lebendgewicht) 38-42 m.,( Schiachtgewicht) 64-77 mf., c) mäßig genährte iunae, aut nenährte ältere( Lebendgewicht) 35 bis 37 Mr.,( Schlachtgewicht) 69-73. Buffen: a) vollfleischiae, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes( Leben gewicht) 39-41 Mart,( Schlachtgewicht) 67-69 Mr., b) vollfleischige jüngere ( Lebendgewicht) 35-38 Mart,( Schlachtgewicht) 60-64 Mark. Färfen und Kühe a) vollfleischige, ausgemäftete Färfen böchften Schlachtwertes( Lebendgewicht) 36-41 m.,( Schlachtgewicht) 68-77 Mr., b) voflfleischige ausgemäftete Kübe höchsten Schlacht­wertes bis zu 7 Jabren( Lebendgewicht) 34-40 mt.,( Schlacht­gewicht) 65-70 m., c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kübe und Färfen( Lebendaewicht) 26 bis 33 Mr.,( Schlachtgewicht) 52-64 m., d) mäßia aenährte Kühe und Färfen( Lebendaewicht) 20-26 mr.,( Schlachtgewicht) 41-49 Mf., e) gering genährte Kübe u. Färfen( Lebendaewicht) 14-19 Mr.,( Schlachtgewicht) 33-39 Mf., a) feinste Maft( Bollm.) Maft) u. beite Saugfälber( Lebendgem.00-00 mt.,( Schlachtgew.) 00-00 Mr., b) mittlere Mast und gute Saugfälber( Lebend­gewicht) 45-50 Mt.,( Schlachtgewicht) 83-90 Mr., c) geringe Saugfälber( Lebendgewicht) 52-56 mr.,( Schlachtgewicht) 86 bis 94 Mr. Schafe: a) Maftlämmer und jüngere Maftbammel ( Lebendaewicht) 29-32 m.,( Schlachtgewicht) 72-74 Mr., b) ältere Mastbämmel und gut genährte Schafe( Lebendgewicht) 26-28 m.,( Schlachtgewicht) 65-68 Mr., c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Merafchafe)( Lebendgewicht) 17-20 Mr., ( Schlachtgewicht) 42-48 Mr., a) vollfleischige Schweine über 28tr. ( Lebendgewicht) 58-60 Mart,( Schlachtgewicht 74-76 Mart b) vollfleischige Schweine bis au 2 Zentner( Lebendgewicht) 58-60 Mr.,( Schlachtaew.) 74-77 Mr., c) fleischige Schweine ( Lebendaewicht) 58.50-60 mt.,( Schlachtgericht) 74-76 Mr.