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Auflösung

des englischen Parlaments. Bei der Reichsversicherungsordnung würde fle für die

Das deutsche Schwarzbrot als englische Wahlparole,

König Eduard unterzeichnete gestern nachmittag in dem Ministerrat, der im Buckinghampalast stattfand, die Pro­flamation, durch die das Parlament formell aufgelöst wird. Das neue Parlament wird am 15. Februar zusammen­treten. Die Proklamation wurde gleich nach der Unter­zeichnung durch den König der Kronkanzlei übergeben, wel­che sofort mit der Ausgabe der Parlamentsbefehle be­gann. Ein neuer charakteristischer Zug bei dieser Ausgabe war der Gebrauch von Motorwagen, welche die Wahl­befehle den um London gelegenen Bezirken übermittelten. Auf diese Weise wurden 88 Wahlbefehle befördert. Rest wurde durch die Bost versandt.

Der

Selbstverwaltung der Berufsgenossenschaften, die freie Arztwahl und die Wünsche der Aerzte eintreten. Mit der neuen Regierung werde die Partei arbeiten, soweit es im Rahmen ihrer Grundsäße und Traditionen möglich set und möglich gemacht werde.

Der Ankauf des V 3" durch die Militärverwaltung. Die Verhandlungen wegen des Ankaufs des Luftschiffes Parseval 3" durch die Militärverwaltung stehen nunmehr unmittelbar vor dem Abschluß. Der Kaufpreis beträgt rund 370 000 M. Bet der Höhe des Preises muß berücksich tigt werden, daß die Ballonhülle, die durch die ziemlich zahlreichen Probefahrten etwas verbraucht ist, nach dem Anfauf erneuert werden muß. Die Kosten der neuen Hülle schätzt man auf 70 000 M.

Das Antwortschreiben an die Bischöfe von Straßburg und Mezz. Das Antwortschreiben der Regierung in der Kompetenzaffäre ist gestern den Bischöfen von Straßburg und Mez zugegangen. Es ist diesmal nicht vom Staats­sekretär Zorn v. Bulach, sondern vom Statthalter selbst unterzeichnet. Ueber den Inhalt bewahrt die Regierung strengstes Stillschweigen, doch wird bekannt, daß im ersten Teile des Briefes der Statthalter die zu frühzeitige Ver­öffentlichung des ersten Schreibens der Regierung bedauert.

Die Gewerkschaften wachsen wieder. Ueber den Mit­gliederstand der sozialdemokratischen Gewerkschaften liegen in dem gewerkschaftlichen Zentralorgan für das Jahr 1909 vorläufige Angaben vor. Nach den vorhandenen Ziffern von 38 Gewerkschaften, die Ende September 1909 insge= samt 1418 283 Mitglieder zählten, ist der Rückgang auf ge= werkschaftlichem Gebiete im wesentlichen als überwunden zu betrachten. Jene Gewerkschaften zählten 1908 1409 051 Mitglieder. Der Vergleich beider Zahlen ergibt eine Zu­nahme von 0,65 vont Hundert.

Die Wahlkampagne ist nun so gut wie bendet, und alles atmet erleichtert auf. Endlich kann sich England wieder mit sich selbst beschäftigen. Denn in den letzten vier Wochen hat es gar zu viel mit Deutschland zu schaffen gehabt: deutscher deutsche Dreadnoughts, deutsche Baumwolle, Schußzoll, deutsche Löhne, deutsche Lebensweise, das alles hat die Kandidaten beider Parteien für das britische Un­terhaus aufs emsigste beschäftigt, und es hat sich dabei herausgestellt, daß man über alle diese Dinge in England viel mehr weiß als in Deutschland selbst. Jedenfalls wur­den da Dinge erzählt, von denen man in Deutschland bisher keine Ahnung gehabt. Nun hat zum Schluß auch noch, wie vorher die deutschen Dreadnougths, das deut­sche Schwarzbrot seine Verteidiger und Gegner gefunden. Es ist ein heißer Kampf darüber entbrannt, was eigentlich Schwarzbrot sei und ob es besser schmecke als das britische Weißbrot oder nicht. Die Liberalen haben den englischen Arbeitern eine heillose Angst eingejagt mit der Droh ung, daß wenn sie für die schutzöllnerischen Konserva tiben stimmten, es in Zukunft nur noch deutsches Schwarz­brot für sie geben werde. Aber die Lords", wie man sich gewöhnt hat, die konservativen Kandidaten kurzweg zu nennen, haben dem englischen Wähler versichert, daß er sich darüber nur freuen könne. Denn das deutschei Schwarzbrot sei eine Delikatesse, die in London leider bis­her nur im Gambrinus" zu haben sei. Darauf hat am Sonnabend Minister Lloyd George in einer fulminanten Rede geantwortet: Ich will Ihnen einen Rat geben: Lassen Sie uns die Lords drei Monate lang mit deut­schem Schwarzbrot füttern, und sie werden rufen: Um Gottes willen laßt uns das Budget annehmen!" Am Tage darauf ließen sich mehrere konservative Zeitungen spalten­lange Artikel aus Berlin telegraphieren, in denen endlich die Ehre des guten deutschen Schwarzbrotes doch gerettet wird. Da werden vier Arten von Brot unterschieden: der Knüppel, die Schrippe, das Schwarzbrot und der Pum­pernickel, und so appetitlich sind Zubereitung und Aussehen beschrieben, daß dem englischen Leser ordentlich das Wasser im Munde zusammlaufen muß; als das nahr­haftefte und nachhaltigste aller Brote aber wird das Schwarzbrot genannt. Wenn die konservative Partei wirk­lich siegt, verdankt sie es nicht zum wenigsten dem hier so biel geschmähten und doch so wohlschmeckenden deutschen Schwarzbrot.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Eine Verlobung des dritten Sohnes des Kaiserpaares? Brinz Adalbert, der dritte Sohn des Kaiserpaares, ist von feinem Besuche am Hofe von Stockholm am Sonntag in Potsdam wieder eingetroffen. Wie der Voss. 3tg." aus Stockholm gemeldet wird, wird von der dortigen Presse das Zusammentreffen des Prinzen Adalbert mit der Prin­zeffin Viktoria Beatrice von Connaught am schwedischen Königshofe als Zeichen einer nahe bevorstehenden Verlo­bung ausgelegt. Prinzessin Viktoria Beatrice ist am 17. März 1886 geboren als Tochter des Herzogs von Connaught; fie ist eine Nichte des Königs Eduard.

Kleine Nachrichten.

Nachtwächtern, die ihn festnehmen wollten, schwere Ber­legungen bet.

Im Irrfinn. Gestern mittag gegen 1 Uhr erschoß der in der Romintenerstraße in Berlin wohnende 58 Jahre alte Bildhauer Karl Jäger in einem Anfalle von Irrsinn set­nen 2½fährigen Enkel, verwundete seine 49jährige Frau schwer am Kopfe und erschoß sich dann selbst.

Der Gesamtvorstand des Deutschen Sprachvereins hielt in Berlin seine Jahresversammlung ab, die aus allen Gauen des Deutschen Reiches und Deutsch- Desterreichs zahlreich besucht war. Die diesjährige Hauptversammlung des Sprachvereins, mit der die Fünfundzwanzigjahrfeier seines Bestehens verbunden werden soll, findet in Dresden im September statt. Die Mitgliederzahl des Vereins hat gegenwärtig 30 000 überschritten.

Mit ihren Kindern den Tod gesucht. In einem Hause in der Schleibingerstraße in München wollte sich eine Kauf­mannsfrau mit ihren beiden Kindern im Alter von 3 und Jahren mit Leuchtgas vergiften. Alle dret wurden ins Reben zurückgerufen.

Demonstrationen Arbeitsloser in Leipzig. Vor dem neuen Rathause in Lipzig famen es gestern vormittag zu großen Demonstrationen Arbeitsloser. Der Bürgermeister stellte Schaffung von Arbeitsgelegenheit in Aussicht. Aus­schreitungen kamen nicht vor.

Die erste Reichstagsfizung nach den Weihnachtsferien findet heute statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1) die Interpellation über die mecklenburgische Verfassung; 2) die Interpellation der Polen und des Zentrums über die Maßregelung von Reichsbeamten wegen Ausübung ihres kommunalen Wahlrechts; 3) die erste Beratung der Straf­prozeßordnung; 4) erste Beratung der Strafgesegnovelle und 5) erste Beratung eines Gefeßentwurfes über die Haftung des Reiches für seine Beamten.

Schenßliche Eifersuchtstat. In dem Dorfe Koise in Un­garn gerieten zwei Bergwerksarbeiter auf dem Tanzboden wegen eines Mädchens in Streit. Der von dem Mädchen zurückgesetzte Liebhaber griff in seiner Wut zu seiner Art und spaltete im Vorübertanzen seinem Rivalen durch einen Hieb den Schädel.

General Booth als Verkündiger des Weltunterganges. In einer in London gehaltenen Rede hat General Booth ron der Heilsarmee den Untergang der Welt vorhergesagt. Die Sündhaftigkeit der einzelnen Menschen und der Völ­fer schreie zum Himmel, und das Ende aller Dinge könne deshalb nicht mehr fern sein. Vorher aber werde noch eine Sündflut von Blut und eine Verheerung durch die Flam­men des Krieges eintreten.

Der nene preußische Landtag. Seitens des Kultus­ministeriums wird vom Landtage vor allem die Einführung der Bibliothekgebühren gefordert werden. Die Begründung der Forderung rührt von Geheimrat Professor Dr. Harnack her. Die Abzweigung der Medizinalabteilung vom Unter­richtsministerium und deren Angliederung an das Mint­sterium des Innern wird zwar nach wie vor betrieben, ist aber noch nicht so weit vorbereitet, um den Landtag schon in der nächsten Session zu beschäftigen.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

400 000 Mart für ein Tuberkulose- Heilmittel. Für die Entdeckung eines Heilmittels gegen Tuberkulose hat die Vale- Unversität in New Haven einen Preis zu vergeben. Ein unbekannter Spender hat ihr zu diesem Zwecke eine Summe von 100 000 Dollars überwiesen.

Die nenen englischen Telephonbriefe. Das neue Sy­stem der sogenannten Telephonbriefe wurde am Sonntag in England zum ersten Male in Anwendung gebracht und funktionierte zur Freude des Publikums sehr gut. Bet dieser neuen Einrichtung telephontert man Briefe, die Samstag mit der Post aus den Provinzen abgehen, am Sonntag Vormittag an die Adressaten.

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Eine kostbare Bibel. Aus dem Nachlaß der in München verstorbenen Frau Dr. Metger ist eine auf Bergament ge­schriebene, mit besonders schön gemalten Initialen und Bildern geschmückte Bibel für 20 000 M an einen Münchener Antiquar verkauft worden.

Erdbeben in Kalabrien. Aus Gallina in Kalabrien kommt die Meldung von einem heftigen Erdbeben, das Sonntag morgen gegen fünf Uhr die Landschaft heimsuchte. Die Angst, daß weitere Erdstöße folgen können, ist unter den Bewohnern Kalabriens groß.

Auf dem Parteitag der nationalliberalen Partei Würt: tembergs äußerte Reichstagsabgeordneter Hieber, daß die Fusion der linksliberalen Parteien vom nationalen Stand­punkt als ein Fortschritt zu begrüßen sei. Die national= liberale Partei werde die Haltung der preußischen Regie­rung bei den Beamtenmaßregelungen in Saltomis billigen.

8)

Der Fall Welshofen.

Ein Wiederaufban der Schwanenburg bei Kleve. Auf die Immediateingabe der Bewohner des früheren Herzog­tums Kleve an den Kaiser um den Wiederaufbau der alten Schwanenburg, der Residenz der früheren Herzöge und zeit­weise auch der Hohenzollern, erhielt der Generaldirektor Manger aus Kleve eine Einladung zum Kaiser, der ihm gelegentlich des Vortrags Bodo Ebhardts über die Hoh­fönigsburg erklärte, daß er den Wunsch der Bewohner des ehemaligen Herzogtums erfüllen werde. Im Jahre 1020 wurde die Burg zuerst in der Geschichte erwähnt. Manche historisch wertvollen Dokumente sind hier aufbewahrt, so die Todesurkunde der Schillschen Offiziere usw.

Krasser Aberglaube, In Lugas in Frankreich verschied vcr einigen Tagen eine 80 Jahre alte Frau und wurde auf dem dortigen Friedhofe begraben. In der Nacht wurde das Grab von unbekannten Tätern geöffnet, die Leiche her­ausgenommen und schrecklich zerstückelt. Dann durchbohrte man sie mit spitzen Hölzern; dadurch sollte verhindert wer­den, daß die Verstorbene, die dort als Here verrufen war, zur mitternächtlichen Stunde dem Grabe entsteige, um als Vampyr den Menschen das Blut aus der Brust zu saugen.

Millionenstiftung für eine Akademie. Nach Meldungen aus Konstantinopel hat ein türkischer Millionär 2300 000 Franken zur Errichtung einer türkischen Akademie der Wissenschaften gespendet. Die Akademie soll in erster Linie die Aufgabe haben, die Vervollkommnung der türkischen Sprache zu fördern. Ste wird aus 24 türkischen. arabischen und persischen Mitgliedern bestehen und sich nach dem Mu­ster der franzöfifchen fademic fonititutereu.

Verunglückte Dachdecker. Gestern nachmittag stürzte in dem Kölner Vorort Ehrenfeld ein Dachdeckergerüst zusam­men. Der Dachdeckermeister wurde getötet; der Lehrling starb auf dem Transport nach dem Krankenhause; der Ge­selle wurde lebensgefährlich verletzt.

Verhängnisvolle Spielerei. Der Torpedoheizer Wege­wiß in Wilhelmshaven erlitt beim Ringen mit einem Ober­heizer einen Bruch des Rückgrats und starb nach wenigen Stunden.

Aus den Gerichtssälen.

Ein Mordprozeß, wie er in den Annalen der deut­schen Justiz zu den Seltenheiten gehört, nimmt am heu­tigen Dienstag vor dem Lissaer Schwurgericht seinen An­fang. Zur Erörterung kommen die vier Frauenmorde in der Provinz Posen, die in den Gebieten der Landgerichte Lissa und Ostrowo im leßten Sommer verübt waren und die wegen der Aehnlichkeit des Gesamtbildes jeder eins zelnen Tat von vornherein den Gedanken aufkommen ließen, daß ein und dieselbe Person als Täter in Betracht komment müsse. Die Anklage richtet sich gegen den Tischlergesellen Valentin Kosziol, der einen großen Teil seines Lebens hinter Schloß und Riegel zugebracht hat. Er ist jeßt 62 Jahre alt und stammt aus der Nähe von Namslau. Seine erste große Strafe erhielt er 1880 vom Schwurgericht in Dels, das ihn wegen Notzucht, begangen an zwei Minderjäh­rigen, zu sechs Jahren Buchthaus verurteilte. Von be­sonderer Wirkung ist die Strafe aber nicht gewesen, denn am 19. April 1892 schlug Kosziol auf der Schönau- Jauerz schen Chaussee bei Georgendorf eine alleingehende 42jährige Bauersfrau mit einem Stockhieb nieder, warf sie in den Graben, stopfte ihren Mund mit Erde voll und versuchte, sich an ihr zu vergehen, Heftige Gegenwehr und das Rollen eines nahenden Wagens retteten die Frau. Nur drei Tage später schlug er eine 54jährige Witwe, die im Walde Holz sammelte, mit einem in sein Taschentuch ge­wickelten Stein nieder und brachte ihr Schnitte am una terleib bei; er ließ sie dann für tot liegen. Die Frau fonnte aber noch am Leben erhalten werden und ermög lichte die Feststellung des Täters. Wegen dieser beiden Verbrechen wurde Kosziol von den Schwurgerichten in Breslau und Hirschberg zu insgesamt 15 Jahren Zucht­haus, 10 Jahren Ehrverlust und Polizeiaussicht verurteilt. Die Strafe hat er in den Zuchthäusern von Kawitsch und Striegau verbüßt. Am 15. Oktober 1907 wurde er aus der Strafanstalt Striegau entlassen. Seidem beging er vier neue Frauenmorde. Zur Verhandlung find 200 Beu­gen geladen.

Revolverschießerei im Krankenhaus. Sonnabend ver­suchte in Hildesheim der Arbeiter Naujak in das katholische Bernhards- Krankenhaus einzudringen, um seine dort un­tergebrachte Frau zu besuchen. Als ihm von dem Portter des Krankenhauses der Zutritt verweigert wurde, zog er einen Revolver und schoß den Portier durch den Hals. Dann brachte er sich einen Schuß in die Brust bet.

Kriminalroman von M. Kossak. ( Nachdruck verboten.) Frida Sasse war die Tochter eines kleinen Buchhalters aus Berlin, der seinem Kinde Unterricht im Geigenspiel und Gesang hatte erteilen lassen, da sachverständige Per­sonen ihn auf die musikalische Begabung des Mädchens aufmerksam gemacht und gemeint hatten, daß sich auf die­selbe wohl ihre Zukunft gründen lasse. Daß Frida der­einst ihre Kunst auf einer Varieeteebühne zum besten ge­ben würde, ahnte dazumal wohl niemand, ihre Eltern dach­ten vielmehr, daß sie die Tochter zur Musiklehrerin aus­bilden lassen wollten. Erst als ihr Vater ziemlich unerwar­tet an einem Lungenleiden starb, das der schwächliche Mann sich durch das gebückte Sigen in den engen, lustlosen Kon­forräumen zugezogen, und seine ewig sorgenvolle, gedrückte Gattin, die diesen Schlag nicht zu überwinden vermochte, thm wenige Wochen später nachfolgte, trat an Frida die bare Not des Lebens und damit die Frage, was nun werden solle heran. Die Mittel, ihren Unterricht fortzusetzen, be­faß sie nicht und so mußte sie zufrieden sein, als ihr Vor­mund, ein Kollege ihres verstorbenen Vaters, der unter der Last einer zahlreichen Familie seufzte, ihr eine Stelle als Verkäuferin in einem Warenhause besorgte. Das Ge­halt, welches man ihr gab, war gerade groß genug, um nicht zu verhungern, aber oft mußte das arme Ding dessen­ungeachtet mit leeren Magen abends schlafen gehen. Dazu die angestrengte Arbeit, das ewig Stehen und herumlaufen

Ein rabiater Musketier. In Hohensalza( Provinz Posen) beging nachts der Mustetter Schwandtfe argße Ausschreitungen. Er zertrümmerte zahlreiche große Schaut­feniterscheiben im Werte von etwa 1500 M und brachte zwei

Lebzeiten ihrer verstorbenen Mutter beim Varieetee enga­giert gewesen, wo sie dank ihrer eisenstarken großen Zähne ein Heidengeld verdiente.

genug, ihr junger Körper litt unter den Mühen ihres Berufes und ihre frühere sorglose Heiterkeit schwand da­hin. Da, eines Tages, sah sie zufällig ihre frühere Schul­freundin Luise Müller, die im Warenhause, in dem Frida angestellt war, etwas kaufte. Wie die Luise ausschaute! Wahrhaftig, wie eine Prinzessin war sie in die elegantesten Sachen gekleidet und benahm sich mit der Sicherheit einer großen Dame. Anfangs dachte sie, die Luise wäre auf schlechte Wege geraten, aber sie bat ihr ihr Mißtrauen bald ab, denn die Freundin erzählte ihr, daß ihr Geld ehrlich verdient sei und daß sie ein anständiges Mädchen geblie­ben war. wie sie es immer gewesen. Sie war schon bei

Warum gehst Du nicht auch zum Varieetee?" fragte Louison, wie sie sich jetzt als Künstlerin nannte. Sch würde mich an deiner Stelle gerade als Verkäuferin pla­gen! Du bist auch ganz hübsch und wenn Du schöne Klei der hast, wirst Du noch viel besser aussehen. Kannst Du nicht irgend etwas, womit Du Dich auf der Bühne sehen lassen könntest?"

Meine Zähne sind nur klein und auch in den Händen habe ich wenig Kraft," meinte Frida, die noch nie in einem Varieetee gewesen war und eine sehr unbestimmte Vorstellung von einem solchen Kunsttempel hatte, betrübt, indem ihre großen Kinderaugen bewundernd auf Louisons Ebergebiß ruhten.

,, Na", äußerte diese wohlwollend ,,, man kann auch mit anderm verdienen, als bloß mit den Zähnen. Komm mal mit zu meinem Varieeteeagenten der wird schon was für Dich ausfindig machen.

Vermischtes.

Ohne Steuerruder über den Ozean. Der Dampfer Prinzeß Frene" des Norddeutschen Lloyd, der kurz nach der Abfahrt von Neusort das Steuerruder verlor, hat den Ozean, lediglich mit Schrauben steuernd, durchquert mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 12 Seemeilen pro Stunde.

Ats Frida ihren nächsten freien Nachmittag hatte, wan­derte sie unter Louisons Schuß, die ihr für den Besuch eine ihrer eleganten Toiletten geliehen, zu einem Agenten und dieser erfuhr nach einigem Hin- und Herfragen, daß das Mädchen eine geschulte Sopranstimme und erhebliche Fertigkeit im Geigenspielen besaß. Er ließ sich von ihr etwas vorspielen und singen, war ganz entzückt von ihren Leistungen und vermittelte ihr sofort ein Engagement bet einem mittleren Berliner Varieetee. Er wählte ihr selbst die Piecen aus, die sie vortragen sollte und lieh ihr. Geld, um sich für den Anfang zwei Toiletten zu besorgen, die sie nach seiner Anweisung wählen mußte. Da sie dem Publikum gefiel, stieg ihr Gehalt rasch und alle Not hatte ein Ende.

essante Persönlichkeit war, gefiel er außerordentlich, na­mentlich den Damen, die er förmlich faszinierte. Seine Einnahmen übersteigen die Friedas um mehr als das Dop­pelte. Felix war der Sohn eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter, die aber seit langen Jahren ge­trennt lebten. Sein Vater, ein ehemaliger Kaufmann, be­saß genug, um den Sohn studieren zu lassen, nur starb er leider, bevor Felix sein zweites Semester hinter sich hatte und nach seinem Tode zeigte es sich, daß sein Vermögen nahezu aufgebraucht war. Von einer Fortseßung des me­dizinischen Studiums konnte keine Rede fernerhin sein und da er nicht Lust hatte, als Lehrling in ein kaufmännisches Geschäft einzutreten, wozu ihm Verwandte seines Vaters rieten, ging er vorerst nach Italien, um dort auf irgend eine Weise seinen Unterhalt zu verdienen. In dem Lande seiner Mutter war er auf den Einfall geraten, seine viel­seitigen Talente auf dem Varieetee nußbar zu machen. In Anbetracht seiner Gewandtheit und seines einnehmenden Aeußeren glückte es ihm auch tatsächlich über Erwarten. So zog er denn mehrere Jahre durch die großen Städte Euro­pas, wurde überall gern aufgenommen und verdiente eine Menge Geld.

Zum Schluß des Winters machte sie die Bekanntschaft von Felix Offers, der als Improvisator und Humorist auf der nämlichen Bühne auftrat. Er arbeitete nie einen Vortrag aus, sondern erzählte dem Publikum, was ihm gerade einfiel, dazwischen parodierte er irgend jemand, brachte geschickt ein paar Wiße vor oder sprach auch ge­legentlich in gebundener Rede, wie es eben tam. Da er viel Geiſt batte und eine auffallend hübsche und inter­

Das war das, was er selbst Frida über seine Ver­gangenheit erzählte. Frida, ihm blind vertrauend, schwor auf die Wahrheit jedes seiner Worte, ohne viel über die­selben nachzudenken. Als sie aber heute sich alles, was sie vom ihm gehört, zurecht legte, fiel es ihr auf, daß in seinen Berichten eine Lücke war. Ueber das, was er in Italien getrieben, wußte sie so gut wie nichts und doch mußte er bereits zwei Jahre dort gelebt haben, bevor er den Entschluß faßte, zum Varieetee zu gehen. Gr hätte bei seiner Mutter gewohnt, sagte er, als Frida in dieser Richtung Fragen an ihn stellte. Nun war aber seine Mut ter wie das Mädchen wußte ganz mittellos und lebte aus­schließlich von seiner Unterstüßung- wie war es daher möglich, daß sie ihn so lange Zeit hätte ernährt haben können?

( Fortsetzung folgt.)

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