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Königin soll zähneknirschend mit Rache bei der Rückkehr ge­droht haben.

* Gibraltar, 7. Oft. König Manuel, die Kö­niginmutter Amelie, sowie die Königin Großmutter Maria Pia und der Herzog von Oporto sind gestern Abend 11½ Uhr in Gibraltar angekommen und haben sich sofort zum englischen Gouverneur begeben.

* Berlin, 6. Oft. Im Auswärtigen Amt sind nun­mehr von unserem Gesandten in Lissabon amtliche Meld­ungen eingegangen, die sich aber doch wohl ausschließlich

was beachtenswert ist auf den vorgestrigen Tag beziehen. Danach ist bis jetzt keine Meldung über die Ver­nichtung von deutschem Eigentum oder über die Schädigung von Leib und Leben deutscher Untertanen eingegangen, so daß sich vorläufig die Entsendung eines deutschen Schiffes erübrigt. Ueber den Verbleib der Person des Königs liegt etwas Sicheres nicht vor, jedoch ist anzunehmen, daß er weder in den Händen der Republikaner, noch an der Spitze einer monarchischen Gegenbewegung steht. Wäre das letz­tere der Fall, dann müßten die Monarchisten einen Gegen­schlag tun, was aber bis jetzt noch nicht der Fall zu sein scheint. Für die Republikaner wäre die Gefangennahme des Königs eine Quelle von Verlegenheiten, weil sie dann die Intervention Englands zu befürchten hätten. In der Frage, ob Republik oder Monarchie, dürfte eine Intervention auch von englischer Seite nicht beabsichtigt sein. Spanien, das recht naheliegende Interessen verteidigen muß, hat einen Grenzüberwachungsdienst eingerichte und das Kriegsschiff " Numantia" nach Lissabon entsandt.

Bum Barenbesuch in Friedberg

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Prinz Sigismund von Preußen, der zweitälteste Sohn des Prinzen Heinrich von Preußen, ist am Mittwoch, mor­gens, von Kiel kommend, im hiesigen Schloß eingetroffen. Die Großherzogin hat sich nachmittags beim Tennisspiel in Bad Nauheim, zu dem die russischen und die hessischen Herr­schaften im Automobil von Friedberg gefahren kamen, den Fuß verrenkt. Sie hatte starte Schmerzen und wurde im Tragstuhl nach dem Auto gebracht und alsbald nach dem Schloß Friedberg zurückgefahren.

Von der Großherzogin wird nachträglich fol­gende schöne Tat bekannt: Die hohe Frau faufte fürzlich bei einer hiesigen Firma eine gestickte Bettdecke, die in der Auslage ihre Aufmerksamkeit erregt hatte, für 30 Mart. Sie erfundigte sich, wo die Decke gearbeitet wurde. Es wurde ihr gesagt, daß sie von zwei taubstummen Geschwistern na­mens Spier gearbeitet wäre, die mit dieser Arbeit ihren 90jährigen, schon lange erblindeten Vater unterstüßten. Am gleichen Tage trafen vom Schloß weitere 50 Mark für die beiden taubstummen Geschwister, sowie eine größere Be­stellung von der Großherzogin ein.

Lokales.

Gießeu, 8. Oktober 1910.

* Bei der Gießener Handelskammer sind in diesem Jahre 3 Neuwahlen erforderlich, da die Amts- zeit der Handelskammermitglieder Kommerzienrat Schirmer, Fabrikant Zurbuch und Kaufmann Röhr mit dem Ende dieses Jahres abläuft.

Wahlberechtigt zu der Stadtver= ordnetenwahl in Gießen ist jeder, welcher hier, von dem Wahltage ab rückwärts gerechnet, 4 Jahre ansässig ist. ** Die Stellungnahme mehrerer Vereine zu den hiesigen Stadtverordnetenwahlen ist nunmehr erfolgt. Der nationalliberale Verein beschloß am Donnerstag, ein Zusammengehen der bürgerlichen Parteien, getrennt von den Sozialdemokraten, bei der nächsten ge­meinsamen Tagung der Vertreter der einzelnen Vereine zu empfehlen. An demselben Tage befaßten sich auch der Rie­gelpfad und der Seltersbergverein mit den Wahlen. Hier erflärte man sich mit dem Vorgehen des Bürgervereins, also mit einem Zusammengehen der hiesigen Vereine, einver= standen. Von den Sozialdemokraten verlautet bis jetzt nur soviel, daß sie voraussichtlich nur Parteigenossen als Stadt­verordnetenkandidaten aufstellen werden. Uebrigens dürfte das von den Freisinnigen und den Bodenreformern ge= wünschte Bündnis mit der Sozialdemokratie in Gießen nur wenige Verteidiger finden, da der Ton, den die sozialde­mokratischen Blätter gegen das Bürgertum anzuschlagen pflegen, hinreichend bekannt ist.

tig infolgedessen die Annahme der früheren Flugkünstler war, mittels an den Schultern und Armen befestigter Flü gel sich in die Lüfte zu erheben. Der Sprecher entwarf nun ein anschauliches Bild von der heutigen Flugtechnik und befaßte sich mit den Flugversuchen Lilienthals und der Brüder Wright, welch letztere mit ihrem Doppeldecker im Gegensatz zu dem ersteren, welcher bei einem Fluge aus einer beträchtlichen Höhe abstürzte und tot liegen blieb, die ersten Erfolge errangen. Am Schluß seines Vortrages zu der Entwickelung der Flugtechnik übergehend, beschäftigte sich der Redner u. a. mit den Flugmaschinen Bleriots und Farmans. Zahlreiche Lichtbilder unterstüßten die Ausführ­ungen des Vortragenden, welche in Steins Saalbau zahl­reiche Zuhörer versammelt hatten.

** Im Seltersweg ist wieder mit dem Ab= bruch eines der alten Häuser begonnen worden, das einem modernen Neubau, wie ihn diese Hauptverkehrsstraße schon viele aufweist, weichen muß. Wenn man auch aus Grün­den der Pietät bedauern muß, daß diese alten Gebäude mehr und mehr verschwinden, so ist die durch Aufführung von Neubauten erfolgende Verschönerung des Straßenbildes doch sehr zu begrüßen.

* Vom hess. Schulwesen. Zurzeit haben über 200 Lehramtsreferendare und Assessoren, die schon vor 4. Jahren ihre Universitätsstudien beendeten, noch keine dau­ernde dienstliche Verwendung erhalten. Besonders sind Alt­philologen, Mathematiker und Naturwissenschaftler im Groß­herzogtum zur Genüge vertreten.

** Die hiesigen Bäckermeister haben sich zu einer Bezugsgenossenschaft zusammengeschlossen und außerdem eine Sterbefasse gegründet.

Aus Hessen und Nachbargebiet.

Grünberg. Ein von Butzbach hier eingetrof­fener Zug der Nebenbahn überfuhr das Führwerk des Gast­wirts Wagner, das in Trümmer ging, wobei W. schwer verletzt wurde. Er kam in die Gießener Klinik.

* Reichs banknebenstelle. Am 24. Oktober d. Is. wird in Haspe eine von der Reichsbankstelle in Hagen( Westf.) abhängige Reichsbantnebenstelle mit Kassen­einrichtung und beschränktem Giroverdehr eröffnet werden.

* Muschenheim. Bei der stattgefundenen Ge­meinderatswahl siegten die Kandidaten der Partei des Bür­germeisters Becker.

* Gambach. Zum vierten Male wurde hier Herr Reuhl einstimmig als Bürgermeister wiedergewählt.

* Bauernheim. Bei der Bürgermeisterwahl ist Herr August Gustav Walther, der Schwiegersohn des Alt­bürgermeisters Treut, einstimmig zum Bürgermeister ge wählt worden.

* Trais Horloff. Das Maschinenhaus zum Provinzial- Wasserwerk geh, seiner Vollendung im Rohbau entgegen. Der Rohrstrang liegt bereits von hier bis Assen­Die heim und von Nieder- Wöllstadt gegen Frankfurt. Strecke Assenheim- Nieder- Wöllstadt wird gegenwärtig_ge= legt.

* Zahlreiche Kranich e kreuzten auf ihrem Zug nach Süden das Lahntall Auf den Straßen, welche einen freien Ausblick gestatteten, hatten sich infolgedessen ( der Vorgang geschah am Donnerstag nachmittag) zahlreiche Gruppen gebildet, welche den Flug der Vögel verfolgten.

* Buzzbach. Der Schweinemarkt war verhältnis­mäßig gut befahren. 7-8 Wochen alte Ferkel wurden mit 45-55 Mt., Sprenger mit 70-75 Mt. pro Paar bezahlt.

* Aus der Wetterau. Die Kartoffel- und Zu­ckerrübenernte ist hier in vollem Gang. Sehr reichlich ist der Ertrag der Zuckerrüben, wenn auch, veranlaßt durch den nassen Sommer, der Zuckergehalt geringer ist. Die Spätkartoffel gibt eine Mittelernte, der Preis für das Mal­ter beträgt 6 Mart.

tt Stadttheater. Alle die Björnsons Lustspiel Wenn der junge Wein blüht" noch nicht gesehen haben, seien darauf aufmerksam gemacht, daß die Vorstellung des Wertes morgen Nachmittag bei kleinen Preisen die letzte Gelegenheit dazu bietet. Unsere Bühne war im vergan­genen Winter bekanntlich eins der ersten Theater, die das interessante Wert brachten, das sich jetzt wohl sämtliche deut­Die Abendvorstellung von schen Bühnen erobert hat. " Verschwender" findet unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Infanterie- Regiments statt. Besonderes Interesse dürfte erregen, daß die speziell für die Aufführungen von Försterchrist" engagierte Operettensoubrette Frl. Heger­mann sich durch Einlagen zweier Lieder aus Figaros Hochzeit" einführen wird.

* Engelrod. Unsere Gemarkung ist die einzige im hohen Vogelsberg, in der noch Flachs gezogen wird, aber auch nur noch in ganz geringen Mengen. Wie in den benachbarten Orten, macht er auch hier dem Anbau von Winterroggen Play. Dieses Jahr waren nur noch wenige Morgen mit Flachs bestellt.

* Ulfa. Eine dieser Tage hier stattgefundene Acker­versteigerung brachte den Nachweis, wie mit der besseren Verwertung aller landwirtschaftlichen Produkte auch die Objekte eine ganz bedeutende Preissteigerung erfahren ha­ben. Während der Besitz des glücklichen Versteigerers von Sachverständigen auf etwa 12 000 Mt. abgeschätzt worden war, löste er mehr denn 20 000 Mark bei dem Verkaufe seiner Grundstücke.

* Gonterskirchen. Um jede Typhusgefahr für die Zukunft zu beseitigen, hat die Gemeinde endgültig die Errichtung einer Wasserleitung beschlossen. Die Kulturin spektion Gießen hat das Projekt ausgearbeitet, noch in diesem Herbst kommt es zur Ausführung.

** Vortrag. Die hiesige Freidenter- Vereinigung veranstaltete am Donnerstag einen Vortragsabend, in dem der Schüler des Naturforschers Häckel- Jena, Aug. Ka hl= Hamburg, über Vom Urvogel zum Aeroplan" sprach. Der Redner behandelte in der Einleitung seiner Ausführungen die Urgeschichte der Vögel und beschrieb u. a. eingehend Reptilien der Jurazeit, in welchen er die Stammtiere un­serer Vogelwelt erblickte. Nachdem der Vortragende hierauf zu dem eigentlichen Urvogel der Kreidezeit übergegangen war, zeigte er, wie gänzlich verschieden der Bau der Bö­gel von dem des Menschen ist und wie vollkommen unrich

* Büdingen. Auf dem Rinderbügerhof nahm der Schlächter Feßberger die Notschlachtung einer an Milzbrand erkrankten Kuh vor und beging die Unvorsichtigkeit, das blutige Messer in den Mund zu nehmen. Er zog sich da= durch eine Infektion zu, die seinen Tod herbeiführte. Der Pächter, der bei der Schlachtung Hilfe geleistet hatte, ver­ietzte sich mit einem blutigen Messer an der Hand und ist gleichfalls schwer an Blutvergiftung erkrankt.

* Büdingen. Der von dem neuen Obstbauverein für den Kreis Büdingen veranstaltete Obstmarkt war aus 15 Orten des Kreises reich beschickt. Obwohl große Men gen Obst vorhanden waren, wurde doch alles verkauft. Die Obstzüchter erzielten hohe Preise; die besten Sorten Tafeläpfel tosteten 84 11 Mt., Wirtschaftsäpfel 4-7 Mark der Zentner. Der Obstmarkt soll eine ständige Einrichtung werden.

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wieder das alte Spiel. Nachher in der parlamentarischen Hochsaison aber zeigt es sich dann meistens, daß man mit der Zeit nicht auskommt. So haben wir seit langer Zeit die famose Kontingentierung" der Etatsberatungen, wobei wichtige Erörterungen, besonders die sozialpolitischen Ge­samtberatungen zum Etat des Reichsamtes des Innern, zu furz kommen. * Berlin. Eine Novelle zum Reichsbeamtengeset dürfte in der nächsten Tagung des Reichstages eingebracht werden. Sie wird entsprechend einer Anregung des Reichs­tages das Wiederaufnahmeverfahren im Disziplinarverfah­ren für Reichsbeamte im Sinne der Strafprozeßordnung einführen. Dieses Wiederaufnahmeverfahren ist durch das geltende Gesetz im Disziplinarverfahren für Beamte ausge­schlossen, da ein anderes Mittel als die Berufung nicht eri­stiert. * Berlin. Die Justizkommission des Reichstages brachte die Beratung des Gerichtsverfassungsgesetzes zu Ende. * Berlin. In Moabit, wo es in den letzten Ta­gen ruhig geworden war, kamen am Donnerstag wieder Zusammenstöße zwischen Arbeitswilligen der Kohlenfirma Kupfer u. Co. und Streikenden vor, welche Mißhandlungen der ersteren zur Folge hatten. Wegen dieser Ausschreitun­gen wurden 8 Personen unter ihnen organisierte Arbeiter, verhaftet. Jetzt befinden sich 64 Angeschuldigte in Unter­suchungshaft; sie sind zum Teil geständig.

* Darmstadt. Die Stadtverordnetenwahlen finden am 8. November statt. Im ganzen sind 18 Stadtverord­nete zu wählen. Zwölf scheiden aus und 6 Siße sind er­ledigt.

* Darmstadt. 60 junge amerikanische Forstleute werden wieder Anfang November hier eintreffen, um sich in dem Forstfach auszubilden. Für die hessische Oberforst­behörde bedeutet dieser wiederholte Studienbesuch eine hohe Anerkennung ihrer ausgezeichneten Leistungen."

* Hanau. Die Stadtbehörde hat an den Reichs­kanzler, den Minister für Landwirtschaft und den Bundes­rat eine Eingabe gemacht, in der gebeten wird, alle zu Gebote stehenden Mittel zu ergreifen, um die nunmehr als dauernd zu bezeichnende Fleischteuerung zu be seitigen oder doch zu mildern.

* Aus Rheinhessen. Der rheinhessische Obst­markt weist eine starke Anfuhr in Aepfeln und Zwetschen auf. Trotz des starken Angebots sind die Preise durchweg hoch. Für den Zentner Eiseräpfet wurden in letter Zeit 6-7 Mi., Kohläpfel 6-7 Mt., Bohnäpfel 5-6 Mt., Kas­seler Reinetten 6-7 Mart, Goldparmänen 8-10 Mt., Ka= nada Reinetten 8-9 Mt., Mostäpfel 4-4,50 Mt., Birnen 6-7 Mark erlöst. Feinere Sorten und Spalierobst erbrachte in der letzten Zeit 12-20 Mt. der Zentner.

* Hamburg. Der Friede in der Werstindustrie ist wieder hergestellt. Die Differenzen wurden am Donnerstag durch die zwischen den beiden Parteien vor einer Woche eingeleiteten Verhandlungen beigelegt. Die Arbeit auf den Wersten soll nächsten Montag wieder aufgenommen wer den.

)( Nicht nur auf der Rennbahn, sondern auch auf der Straße ist die Marke Brennabor die erfolg­reichste. Am letzten Sonntag wurden bei einer 60 Kilo meter- Kontrolltur der erste und zweite Plab, sowie bei der Fernfahrt Schwerin- Wismar- Rostock Schwerin" der erste Preis gewonnen. Auch wurden in Friedrichshagen bei Ber­lin gelegentlich der Austragung der Landstraßen- Meister= schaften diejenigen über 5 und 30 Kilometer von einem Brennaborfahrer gewonnen.

* Mainz. Vor einiger Zeit hat eine größere An­zahl deutscher Städte einen Verband mit dem Sit in Düs­seldorf gegründet zu dem Zweck, bei Geldbedarf sich eine gegenseitige Unterstützung bei mäßigem Zinsfuß angedeihen zu lassen. Die Stadt Mainz als Mitglied dieses Verban­des hat sich nun vor einiger Zeit an den Vorstand des Verbandes gewendet, um ein kurzfristiges Darlehen zu er langen. Auf Grund dieses Ersuchens erhielt Mainz von Mannheim ein Darlehen von 800 000 Mt., das bis zum 1. April 1911 zurückgezahlt sein muß.

* Eiserfeld( Siegerland). Im hiesigen Ort und Umgegend macht sich ein Apfelschädling sehr be­merkbar. Eine kleine Raupe zerfrißt das Fleisch der Aepfel nach allen Richtungen im Gegensatz zu der Apfelmade, die meistens nur einen Gang macht, und zerstört die Kerne. Es ist die Raupe von Argyresthia conjugella, einer kleinen Motte. Ursprünglich kommt sie auf Ebereschen vor, befällt jedoch bei deren Nichtgeraten auch Aepfel. Es wäre wün schenswert, zu wissen, ob an anderen Orten der Schädling auch auftritt.

Aus aller Welt.

Aus dem Gerichtssaal.

Strafkammer.

Gießen, 7. Oftbr. 1910. Dem Betriebsleiter des Wilson'schen Tonwerts Hütten­berg bei Leihgestern ging ein Strafbefehl über 12 Mart zu, weil er entgegen einer Polizeiverordnung 32 galizische Ar­beiter annahm, ohne dieses der Polizeibehörde anzuzeigen. Der Angeklagte erhob Einspruch und brachte vor, er habe geglaubt, die in Frage kommende Verordnung sei aufge- hoben. Das Schöffengericht hielt trotzdem ein Verschulden für vorliegend und wies den Einspruch zurück. Infolge Be­rusung des Angeklagten, kam die Straftammer zur Ver= werfung der Berufung, da der Angeklagte im Interesse der inländischen Bevölkerung, für die eine Ansteckungsgefahr be stand, verpflichtet gewesen wäre, sich über die einschlägigen Bestimmungen zu informieren.

* Berlin. Der Reichstag soll nicht auf den 8. November, wie seinerzeit beschlossen, wieder einberufen wer­den; man hat mit Rücksicht auf den Stand der ihm vor­liegenden Arbeiten beschlossen, den Wiederzusammentritt bis zum 22. November hinauszuschieben. Das ist alle Jahre

In Rendel hat der Knecht Anton Sauter aus Sins­heim im Mai zwei und im Juli drei Paar Strümpfe, die zum Trocknen aufgehängt waren, gestohlen. Urteil: 3 Mo­nate und 3 Tage Gefängnis.

Der Taglöhner Anton Herbert von Ilbenstadt hat wäh rend einer Leichenfeier, sowohl bei der Einfegnung der Leiche, als auch auf dem Friedhof, den Vornamen des Ver­storbenen laut gerufen. Auch hat er: Lebe hoch!" gerufen und: So ist's recht!" als der Kriegerverein eine Ehren­salve abgab. Als ihn der Polizeidiener zur Ruhe ermahnte, erging er sich in Beleidigungen gegen ihn. Der Angeklagte war angetrunken; auch scheint er geistig minderwertig sein. Das Urteil lautete auf 18 Tage Gefängnis und drei Tage Haft.

zu

Ein Standesbeamter hat die Trauung einer minder­wertigen Braut vollzogen, ohne sich die Einwilligung ihres Vormundes einzuholen. Er wurde zu der Miñimalstrafe von 3 Mart verurteilt.

In Gießen hat der Eisendreher Friedrich Paul Mar­graf aus Langenargen, gelegentlich des Besuchs einer Wirt­schaft, eine Kassette gestohlen, in der er Geld vermutete. Als ihn der Sohn des Wirts festhielt, schlug und trat er diesen und Flüchtete dann. Im Arresthaus gab er einen fal­schen Namen an. Der Angeklagte schüßt Epylepsie vor. Er ist zwar geistig minderwertig, aber für seine Tat doch ver­antwortlich. Das Urteil lautete auf 1 Jahr und 7 Mon. Gefängnis abzüglich eines Monats Untersuchungshaft.

Der jetzt in Ober- Schmitten tätige Lehrer Joh. Diehl aus Jugenheim, hat zu Gedern, wo er zuletzt stand, ein 10jähriges Mädchen mißhandelt, indem er es am Ohr riß, daß eine Wunde entstand, die zugenäht werden mußte. Fer­ner stieß er das Kind mit dem Kopf gegen die Wand und schlug es auch mit einem Stock auf Erm und Rücken. Von der Zeit an tränkelte das Kind und starb bald darauf an einer Gehirnkrankheit. Die Sektion ergab, daß die Ge hirnkrankheit schon vor der Mißhandlung bestanden hat, sodaß der Lehrer nur wegen Ueberschreitung des Züchtig­ungsrechts angeklagt wurde. Das Urteil lautete auf Mart Geldstrafe.

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