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8.1.1910 Erstes Blatt
 
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sten lag, gut, so daß also für Buchheiter tein triftiger Grund bestand, das Hotel in Brand zu sehen. Ueber die Vorgeschichte der Verhaftung wird folgendes bekannt: Aus elnem offenen Fenster des Hotels National sah man in der Nacht zum Dienstag gegen 11 Uhr plötzlich Flammen her­ausschlagen. Da das Haus verschlossen war, mußte sich die Feuerwehr mit Gewalt Eingang verschaffen. Das Feuer hatte erst geringen Umfang angenommen und war bald ge= löscht. Der Hotelbefizer H. Buchheister war mit seiner Fa= milie schon seit Weihnachtsheiligabend verreist, so daß das große Haus unbewohnt war. Bei der Durchsuchung der In Räume machte man eine überraschende Entdeckung. einem im Keller stehenden Schrank stand ein mit Benzin gefüllter Eimer und mitten in dem Eimer ein brennendes Licht. Ueber den ganzen Keller, das Erdgeschoß und das erste Stockwerk verteilt fand man in fast jedem Zimmer, im Kleiderschrank usw. ein mit Benzin oder Spiritus ge­fülltes Eimerchen und darin ein brennendes Licht. In ein­zelnen Schränken war auch Alkohol ausgegossen. Im Spei­fenaufzug fanden sich außer brennenden Kerzen auch Schwe­felfäden, Pakete Streichhölzer und dergleichen; in der Mitte des großen Saales lag ein großer Backen Zündhölzer furz, das ganze Haus war mit Brandherden förmlich über­fät. Der Täter tst mit schlauester Berechnung vorgegangen; fein Plan ging offenbar dahin, zu gleicher Zeit das Haus auf einmal in Brand zu stecken. Die mit Brennstoffen ge= füllten Eimerchen waren mit Pappdeckeln versehen, aus denen die Kerzen hervorragten; die Zündmasse konnte also erst dann in Brand geraten, wenn die Lichte bis zu den Deckeln heruntergebrannt waren. Durch irgendeinen Zu­fall hat eine der Zündstellen zu früh ihre Wirkung getan. Wäre der Plan geglückt, so wäre das Hotel etwa kurz nach Mitternacht an allen Ecken und Enden aufgeflammt und ein Raub des Feuers geworden. In einem Saale lagen Geschäftsbücher in wüster Unordnung durcheinander.

Meuternde italienische Matrosen. Die Mannschaft des Kriegsschiffes Volta", die am heiligen Abend in Neapel Materialien für Messina und Tarent an Bord bringen sollte, hatte an den Platzkommandanten ein Gesuch um Weihnachtsurlaub gerichtet, das abschläglich beschieden wur­de. Das Schiff erhielt außerdem Befehl, sofort in See zu gehen. Die Mannschaft weigerte sich darauf, auf ihre Posten zu gehen. Der Kommandant erstattete Bericht an die vor­gesetzte Behörde, die eine Untersuchung vornahm und die gesamte Mannschaft und die Unteroffiziere nach Ankunft des Schiffes in Tarent schwer bestrafte.

Der gefürchtete Nanbmörder Sternidel soll sich in Lippe umbertreiben. Wie der Lipp. Landesztg." von glaubwür­diger Seite mitgeteilt wird, hat er am letzten Donnerstag in der Silbermühle bet Leopoldstal gebettelt. Der Besizer der Silbermühle will Sternickel nach den in den Tages­blättern veröffentlichten Beschreibungen bestimmt erkannt haben. Er habe, da er nur allein zu Hause gewesen sei, sich nicht getraut, Sternickel festzuhalten. Am Neujahrsnachmit tag ist dann diefelbe Person, auf die die Beschreibung des Eternickel paßt, in Meinberg gesehen worden. Sie hat sich dort bettelnd umhergetrieben, und als hier gesagt wurde, daß sich ein Polizeibeamter im Orte aufhalte, habe die Per­son schleunigst Reißaus durch Gärten und Felder ge­

nommen.

Polizeihund und Bahnfrevler. In der Nähe der Bahn­statton Lübbenau machten vor kurzem Beamte die Wahr­Fehmung, daß ein Kilometerstein, der neben dem Bahn­damm stand, herausgertsen und als Hindernis auf das Gleis gewälzt worden war. Der Tat verdächtig erschien ein als arbeitsschen bekannter Mensch, der sich am Tage zu= ver bettelnd in der Gegend umhergetrieben und dabei auch Bahnbeamte angesprochen hatte. Auf Requisition der Station Lübbenau wurde der Polizeihund Harras" von Rottbus nach dort beordert. Dieser nahm sofort die Spur des Bahnfrevlers auf und verfolgte fie weiterhin durch die Waldung bis zum Dorfe Bischdorf, wo er vor einem Hause in dem der er Bo

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den man im Verdacht hatte, wohnte. In der Wohnung apportierte dann der Hund die Schuhe des Verdächtigen, der darauf in Haft genommen wurde.

Neues von Cook. Der ehemalige dänische Kolonial­verwalter Justizrat Müller berichtet: Im Jahre 1894 war Gook Mitalied einer Grönland- Expedition, die mit dem Schiffe Miranda" nach den dänischen Kolonien kam. In der Kolonie Holftenborg war Cook als Gaft des Kolonial­verwalters Justizrat Müller in dessen Heim und bezauberte dert alle durch seine Liebenswürdigkeit. Dr. Cook war über ein paar kostbare Eiderdaunendecken des Herrn Justiz­tats so entzückt, daß er ihn bat, ihm diese zu verkaufen, wo­Lauf der Justizrat einging, obwohl er das Anfinnen recht sonderbar fand. Der Preis wurde auf 500 Dollars festge= setzt; Cook überreichte dem Justizrat einen Scheck; im näch­sten Jahr erhielt der Justizrat die Nachricht, daß der Scheck nicht honoriert werden könne; es hatte sich nämlich heraus­gestellt, daß Cook bei dem betreffenden amerikanischen Bank­hause, auf das der Scheck lautete, überhaupt kein Guthaben hatte! Der Kolonialverwalter schrieb an Cook, der ihn je­doch mit Ausreden hinhielt. Schließlich erhielt der Justiz­rat auf eine Anfrage beim dänischen Konsul in Neuyork, dem jetzigen dänischen Handelsminister Weimann, die we­nig erfreuliche Antwort, daß Cook in Amerika als Betrüger bekannt, und daß von ihm nichts zu erlangen set. Erst nach wiederholten Drohungen mit Anzeigeerstattung ließ sich Cook herbei, für die Decken nach sechs Jahren ein Drittel des vereinbarten Betrages zu zahlen. Justizrat Müller unterrichtete, als Cook im September 1909 von seiner Nordpolfahrt" in Kopenhagen erwartet wurde, einen der Regierung nahestehenden Herrn von seinen Erfahrungen mit dem Forscher"; die warnenden Worte des Justizrats Müller ertranken aber damals im Festtaumel.

Strychnin statt Opium. In der Londoner Vorstadt Ful­ham starb eine Frau Amelia Pratt, die Gattin eines Thea­ner leichten Magenverstimmung gelitten, und ihr Arzt, Dr. ne leichten Magenverstimmung gelitten, und ihr Arzt, Dr. Fletcher, hatte ihr selbst eine Medizin verabreicht, worauf sich der Zustand so verschlimmerte, daß sie ihren Gatten aus dem Theater rufen ließ. Dieser holte sogleich Dr. Fletcher, der die Magenpumpe anwandte. Frau Pratt starb ihm aber unter den Händen. Der Arzt verließ das Haus, ohne sich über die Ursache des plötzlichen Todes zu äußern. Der Gatte fand dann zu seinem größten Erstaunen die Medizinflasche bis oben angefüllt, obwohl seine Frau ihm gesagt hatte, Dr. Fletcher habe ihr mehrere Löffel davon verabreicht. Man hatte inzwischen noch einen anderen Arzt, Dr. Williams, herbeigeholt, der in der verhängnisvollen Medizin Strnch­nin zu entdecken glaubte, und die Polizei von dem Fall benachrichtigte. Dr. Fletcher gestand nun, daß er sich geirrt und der Frau statt Opium eine Strychninlösung gegeben habe. Er habe nach dem Todesfall die Flasche mit Wasser gefüllt, um zu verhindern, daß weiteres Unheil damit ange­richtet werde.

Der japanische Offizier. Der französische Hauptmann Duval schildert in seinen japanischen Grinerungen den ja­panischen Offizier wie folgt: Vor allem ist es eine Eigen­schaft, die im japanischen Offizier alle anderen übertönt: das Pflichtgefühl. Der Offizier ist mehr als militärischer Lehrer; er erfüllt seinen Beruf mit leidenschaftlicher Hin= gabe, die für europäische Begriffe an Fanatismus grenzt: er ist ein triegerischer Mönch. Ihn erfüllt der Glaube, eine Aufgabe zu erfüllen zu haben. Wenn der ungeschlachte, unwissende Bauer in die Kaserne kommt, so umgibt er ihn mit einer Fürsorge, wie ein Erzieher sie für ein kleines Kind aufbringt. Ehe er das Handwerk der Waffen lehrt, macht er den Zögling mit der Zivilisation betraut; er zeigt ihm, wie man eine Türklinke öffnet, wie man sich in ein Bett legt, wie man sich an einen Tisch seßt. Später, auf dem Ererziernlab. zeiat der jovanische Offizier für alle

Versehen und ungeschicklichkeiten der Refruten eine Ge duld und eine Liebenswürdigkeit, die kaum noch glaublich find. Er bestraft nicht den Mann, der sich irrt, er ist stets nachsichtig für das, was man ein förperliches Versehen nen­nen könnte. Aber er ist unerbittlich gegen das, was er et= nen Fehler der Gesinnung nennt. Er ist unerbittlich gegen den geringsten Verstoß wider die Lebensregeln des inne­ren Dienstes. Und was er vom Soldaten verlangt, das er­füllt er selbst in noch höherem Maße. Jeder japanische Offt­zier betritt morgens um 8 Uhr die Kaserne, und er ver­läßt sie erst nachmittags um 4 Uhr wenn der Dienst ihn nicht früher verlangt und später entläßt. Den ganzen Tag über steht er in unmittelbarem Verkehr mit den Soldaten. teilt thr Leben, ihre Zimmer und jede Arbeit. Im Manö­ver wird man feinen Oberst finden, der auch nur auf Au­genblicke das Biwak verläßt; nachts, wenn alle schlafen, sitzt er noch beim Windlichte und schreibt seinen Bericht."

Der Lehrling als Lebemann.

Veruntreuungen in Höhe von 35 000 Mark wurden dem 20jährigen Banklehrling Anton Aswendt in Berlin zur Last gelegt, der gestern unter der Anklage der Unter­schlagung, des Diebstahls und der Urkundenfälschung vor der zweiten Strafkammer des Berliner Landgerichts stand. Mit ihm hatte sich die angebliche Schauspielerin Ida Anna Vollbrecht wegen Hehlerei zu verantworten. Aswendt trat im Jahre 1907 in ein Berliner Bankgeschäft in der Oranien­straße als Lehrling ein und zeigte sich so tüchtig, daß ihm bald großes Vertrauen entgegengebracht wurde. Als der Kassierer, der 10 Jahre im Geschäft tätig gewesen war, plößlich starb und der Sohn des Geschäftsinhabers sein Militärjahr abdiente, bekam Aswendt als ältester unter mehreren Lehrlingen eine ganz besondere Vertrauensstell­ung, denn er wurde Börsenvertreter und hatte die Ver­waltung der Couponkasse unter sich. An sich leichtsinnig beranlagt, geriet er auf eine abschüssige Bahn. Er bummelte und wettete viel, war Stammgast in Ballokalen und hielt sich ein Verhältnis in der Person der mitangeklagten Voll­brecht. Bei diesen Allüren konnte er mit seiner Lehrlings­vergütung von monatlich 25 Mark natürlich nicht aus­kommen, sondern begann größere Beträge der seiner Obhut anvertrauten Coupons zu unterschlagen, die er durch die Mitangeklagte einlösen ließ. Er soll wöchentlich für etwa 300 Mart Coupons durch die Vollbrecht haben zu Gelde machen lassen, und im Laufe der Zeit hat er auf diese Weise etwa 22 000 Mark Coupons unterschlagen. Sein Chef, der ihm das größte Vertrauen entgegenbrachte, wurde eines Tages durch einen anonymen Brief darauf aufmerksam ge­macht, daß Aswendt in gewissen Lokalen recht viel Geld ausgebe. Am 15. Juni forderte daher der Chef den A. auf, das Couponkonto a jour zu bringen, und aus dieser Tat­sache und anderen Bemerkungen ersah der Angeklagte, daß er entdeckt sei. Er tat deshalb so, als wollte, er die be treffenden Bücher aus dem Geldschranke nehmen, benußte aber diese Gelegenheit, um noch 15 000 Mark Coupons sich anzueignen, ging aus dem Zimmer und kam nicht wie­der. Er stürmte zur Vollbrecht, ließ durch diese in aller Gile 6000 Mart Coupons lombardieren und entfloh. Mit einem Automobil, das er sich seinerzeit angeschafft und wo­rauf er 6000 Mark in Coupons angezahlt hatte, fuhr er davon. Er kam bis Halle, dort brach die Hinterachse des Wagens und er mußte die Reise mit der Eisenbahn fortsetzen. Von Basel aus ließ er etwas von sich hören und bewog die Vollbrecht, zu ihm dorthin zu kommen. In Ostende wurden beide festgenommen und ausgeliefert, nach­dem Aswendt in Belgien eine ihm wegen Führung falschen Namens auferlegte zweimonatige Gefängnisstrafe büßt hatte.

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Der Angeklagte war geständig und entschuldigte sich damit, daß er in leichtsinnige Gesellschaft geraten und da durch verführt worden sei, daß im Geschäft, in dem eigent­nich alles durch vier Leylinge besorgt wurde, jau jeur was durch ältere Personen gefehlt habe. Das Gericht erkannte gegen Aswendt auf Jahre, gegen die Vollbrecht auf 6 Monate Gefängnis.

Merkwürdige Zustände scheinen bei dieser Bankfirma zu herrschen, die ihr Geschäft durch vier Lehrlinge führen läßt und ohne jede Kontrolle einem zwanzigjährigen jun­gen Menschen, der als Börsenvertreter fungiert, die Coupon­tasse anvertraut. Da nimmt es natürlich nicht wunder, wenn derartige gänzlich unbeaufsichtigte junge Leute auf die schiefe Ebene geraten und sich an den ihnen anvertrauten Effekten vergreifen. Leider steht dieser Fall nicht vereinzelt da; es sei nur an die Riesendefraudationen des jugend­lichen Angestellten Wegener erinnert, der vor einigen Jah­ren die Firma Friedländer und Pollack um Hunderttausende schädigte. Bei der Nachlässigkeit und Vertrauensseligkeit, mit der manche Bankfirmen ihre Geschäfte führen lassen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn immer wieder jugendliche Defraudanten auf der Anklagebant siben.

Vorsicht beim Verbrennen von Christbäumen. Die bet­den als Christbäume benußten Bäume, die Tanne und Fichte, sind in Stamm, 3weigen und Nadeln sehr harzreich. Das Harz enthält Kohlenwasserstoff. Wird der Baum ver­brannt, so entströmt der Kohlenwasserstoff in großer Menge. Geschieht das Verbrennen in einem Ofen oder Herd mit starkem Zug, so verbindet sich der Kohlenwasserstoff mit dem Sauerstoff der atmosphärischen Luft und es entstehen Gase sehr explosibler Art, denen der Ofen nicht Stand hält. Wie bedeutend der in den Nadeln des Baumes enthaltene Koh­lenwasserstoff ist und wie kräftig er unter der Einwirkung der Hitze ausströmt, läßt sich erkennen, wenn man einen mit Nadeln besetzten Zweig einer Kerzenflamme nähert. Die Ausströmung des Kohlenwasserstoffes aus den Nadeln, die im inneren eine Röhre besitzen und porös sind, ist so stark, daß die Flamme der Kerze oft ausgelöscht oder ausgeblasen wird. Behufs Vermeidung von Ofenexplosionen und Un­glücksfällen verbrenne man daher die Zweige der abge­leerten Christbäume niemals in großen Partien in ge= schlossenen Defen, sondern der Sicherheit wegen lieber nur einzelne( Teile) 3weige bei offenem Herdfeuer.

Brand des Königsschlosses in Athen.

Im königlichen Schlosse in Athen brach gestern nacht, wie uns der Draht meldet, Fener aus. Das Schloß steht in hellen Flammen. Es ist noch nicht festgestellt, ob es sich bei dem Brande um ein zufälliges Unglück oder um eine verbrecherische antidynastische Tat handelt. Das Schloß ist in der Regel unbewohnt, da König Georg gewöhnlich auf seinem ländlichen Schloß Tatoi, einige Meilen von Athen, residiert. Auch augenblicklich befindet sich die königliche Familie daselbst. Das Schloß wurde 1834 nach den Plänen des Münchener Architekten Gärtner erbaut.

Der Draht übermittelt uns folgende Einzelheiten: Athen, 7. Januar. Zur Bewältigung des Brandes im föniglichen Schlosse sind Truppen herangezogen worden. Sie versuchen das Feuer auf das oberste Stockwerk zu beschränken. Auch Mannschaften von den in der Bucht von Whaleron ankernden Kriegsschiffen sind zur Hilfeleistung herbeigeeilt. Um 11 Uhr abends schien es, als ob das Feuer auf das obere Stockwerk des Mittelbaues beschränkt sei. Man hofft, die königlichen Gemächer zu retten. Die Entstehung des Brandes wird von den einen auf Kurz­schluß zurückgeführt, andere sagen, es sei in der Kapelle ausgekommen.

Athen, 7. Januar. Der Brand im königlichen Schloß entstand, wie vermutet wird, aus den Röhren der Heizanlagen. Starker Wind begünstigte den Ausbruch des Feuers. Hilfeleistung wurde durch die Besatzung der eng­lischen Kriegsschiffe gewährt.

Athen, 7. Januar. Um Mitternacht rraf gestern der König, von Tatoi fommend, hier ein. Gegen ein Uhr war das Feuer im Schloffe fast gelöscht. Die Seitenflügel sind gerettet worden. Der Mittelbau jedoch, in welchem u. a. der Thronsaal lag, wurde vollständig eingeäschert. Die kostbaren Erinnerungen an den Unabhängigkeitskrieg, darunter viele Trophäen, sind gerettet. Das Schloß ist nicht versichert, das Mobiliar dagegen mit 1 200 000 Franken.

Drabtnachrichten und Deaestes.

Shakleton in Berlin.

Berlin, 7. Januar. In der Gesellschaft für Erdkunde sprach gestern der Südpolarforscher Ernst Shakleton zum ersten Male in Deutschland über seine arktische Expedition. Dem Vortrag wohnten außer Vertretern der Wissenschaft der Kronprinz und die Kronprinzessin bei. Nach dem Vor­trag wurde Shakleton von der Gesellschaft die Nachttgal Medaille verliehen.

Die belgische Königsfamilie.

München, 7. Januar. An maßgebender Stelle wird mitgeteilt, daß bei der Vermählung des Prinzen Albert mit der Prinzessin Elisabeth in Bayern durchaus forreki verfahren worden ist und alle Punkte erwogen wurden, die verfassungsgemäß in Frage zu ziehen waren. Die neuerlichen Erörterungen der belgischen Presse über ver­meintliche Unterlassungen bei der Vermählung scheinen auf Quertreibereien von der königlichen Familie feindlich gesinnten Personen zurückzuführen zu sein.

Angriff auf einen englischen Minister.

London, 7. Januar. Als vorgestern Minister Burns das Stadthaus von Wednesbury verließ, um seinen Kraft­wagen zu besteigen, wurde er von einem Manne ange­griffen. Burns versuchte vergebens, den viel kräftigeren Gegner abzuschütteln. Die beiden wurden im Kraftwagen handgemein, bis Schußleute den Angreifer fortrissen. Es gelang ihm indes, zu entkommen.

Die Wahlreden der englischen Minister. London, 7. Januar. In einer Rede sagte Premier­minister Asquith, alle Anstrengungen, die gemacht worden seien, um Schreden wegen Deutschland heraufzubeschwören, seien recht matt ausgefallen. Balfour habe die Zunahme dieser Furcht geschildert, ohne jedoch selbst die Verantwor tung zu übernehmen. Nicht eine einzige Macht rechne in ihrer Politik mit der Annahme, daß ein Serieg zwischen Großbritannien und Deutschland auch nur wahrscheinlich sei. Auch könne er nirgends am politischen Horizont ir­gend etwas finden, das einen Streit zwischen England und Deutschland veranlassen könnte. Inbezug auf Bal­fours Behauptung, Leute an der Spize bedeutender Unter­nehmungen in Deutschland hätten gesagt, sie würden es nicht zulassen, daß England eine Tarifreform annehme, sagte Asquith, daß Balfour sich einen Bären habe auf­binden lassen. Furcht vor Deutschland werde offenbar zu Wahlzwecken erregt.

Aur Vorgeschichte des russisch- japanischen Krieges. Paris, 7. Januar. Die Monde illustree und der Matin bringen heute bedeutsame Dokumente zur geheimen Vorgeschichte des russisch- japanischen Krieges, die ihnen von dem russischen Geheimagenten Burzem geliefert wurden. Es geht daraus hervor, daß die Kamarilla, die Alerijem, Besobrusoff und andere Vertrauensmänner des Hofes bil­deten, eine Politik auf eigene Faust trieb, ohne Wissen der Minister und Botschafter. Besonders wichtig ist eine De­pesche des Zaren an Alerijem vom 26. Januar, die wenige Tage nach der Versicherung des Baren erging, daß er un­ter feinen Umständen Krieg wolle. Diese Depesche lau­tete, es wäre wünschenswert, daß Japan die Offensive er­greife. Wenn die japanische Flotte mit oder ohne Trup­pen an Bord an der Westküste Koreas den 38. Grad nach syne das

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japanische Feuer abzuwarten, sofort anzugreifen. Zur Strandung des Dampfers Fürst Bismard". Paris, 7. Januar. Zur Strandung des Fürst Bis­mard" bei Havre wird noch gemeldet, daß sämtliche Passa­giere wohlbehalten in Havre angekommen sind, von wo sie die Weiterreise mit der Eisenbahn antreten. Es besteht Aussicht auf baldige Flottmachung des Schiffes. Von Pas­sagiergut wird nichts vermißt. Eine mexikanische Familie mußte wegen Erkrankung eines ihrer Mitglieder in Havre bleiben.

Räuberischer Ueberfall.

London, 7. Januar. Aus Neuyork wird gemeldet: Zwei Banditen machten einen vergeblichen Versuch, den Direktor der ausländischen Geldwechselbank in Brooklyn Henry Korn, zu berauben. Dabei verletzten sie seinen Bru­der durch Schüsse tödlich.

Von ihrem Diener überfallen. Rom, 7. Januar. In ihrem Schloß am Nemisee wurde gestern die Fürstin Ruspoli von ihrem Diener überfallen. Während die Kammerzofe und die Lakaien den Diener fest hielten, gelang es der Fürstin, zu entfliehen. Der Atten­täter wurde verhaftet. Was diesen zu der Tat verleitet hat, ist unbekannt.

Schweres Eisenbahnunglück in Italien. Foggia, 7. Januar. Bei dem hiesigen Bahnhof stieß ein Schnellzug mit einem Güterzug zusammen. Drei Per­senen wurden getötet und zehn verletzt.

Straßenbahn und Kraftomnibus.

Berlin, 7. Januar. In der vergangenen Nacht stieß in der Müllerstraße ein Kraftomnibus mit einem Streßenbahnwagen zusammen. Von den Insassen des Straßenbahnwagens wurde einer Frau ein Bein fast voll­ständig abgequetscht, ein anderer Fahrgast erlitt cinent Becker: bruch, während zwei weitere mit leichteren Ver­letzungen davonkamen.

Schneestürme in Nordamerika.

Winnipeg, 7. Januar. Gewaltige Schneestürme ha­ben an der Küste von Neuschottland gestern schwere Ver­Iuste an Menschenleben, sowie an Fahrzeugen der Fischerei flotte verursacht.

Cooks Papiere.

Neuhort, 7. Januar. Die Leiter des von Cook orga nisierten arktischen Klubs haben nunmehr beschlossen, Cook aus dem Klub auszustoßen, da auch seine Berichte über die Besteigung des Mac Kinley Berges gründlich enttäuscht haben. Die öffentliche Bibliothek in Boston hat eine An­regung, die Schriften Cooks aus der Büchersammlung zu entfernen, abgelehnt, aber beschlossen, sie in der Abtei­lung Literatur- Fälschungen unterzubringen.

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Handel und Verkehr.

Frankfurt, 6. Januar. Viehmarktvreise vom 6. Ja 1 Zentner: Kälber: feinfte Maft( Vollm.- Maft) und befte Sauafälber( Lebendgewicht) 54-58 Mr.,( Schlachtgewicht) 90-96 Mr., 2, mittlere Maft- und gute Saugkälber( Lebend gewicht) 50-55 Mr.,( Schlachtgewicht) 85-93 Mt., 3. geringe Sauofälber( Lebendgewicht) 46-49 Mr.,( Schlachtgewicht) 77 bis 83 Mr., Schafe: 1. ältere Masthammel und gut genährte Schafe( Lebendaewicht) 00--31 m.,( Schlachtgewicht) 70-72 Marf 2. ältere Maftbämmel und gut genährte Schafe( Lebend­gewicht) 25 bis 27 Mart,( Schlachtgewicht) 62 bis 66 Mark, 3. mäßig aenährte Hammel und Schafe( Merafchafe) ( Lebendgewicht) 00-00 mr.,( Schlachtgewicht) 00-00 Mart 1. vollfleischige Schweine über 2 Zentner( Lebendgewicht) 58,5 bis 60.50 Mart,( Schlachtgewicht) 75-76 Mart, 2. vollfleischig Schweine bis 311 2 Zentner( Lebendgewicht) 59-60.50 Mart ( Schlachtgewicht) 74-77 mf., 3. fleischige Schweine( Lebend. aewicht) 58-60 mt.,( Schlachtgewicht) 74-76 Mr.