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troffen Frankreich bezweckt mit dieser Kundgebung, die
Zum Kapitel von den Schülerselbstmorden marekanische Regierung zu veranlaffen, die französischen
liest man im ,, Korrespondenzblatt für den akademisch gebildeten Lehrerstand" folgenden Beitrag: Im vorigen Winter riet ich dem Vater eines Obersekundaners, seinen Sohn, da er unbegabt und kränklich sei von der Schule fortzunehmen. Der Vater aber, der der oberen Gesellschaftsschicht angehört, hielt es offenbar für unerhört, seinem Sprößling den Zugang zu höherer Lebensstellung zu versperren, und ließ dem armen Jungen, obwohl er auch an den Augen litt, gegen meinen ausdrücklichen Rat im letten Quartal vor der Verseßung Privatstunden geben. Natürlich blieb der Schüler doch in II ſizen. Am Ende des jeßigen Semesters fommt nun der sehr brave und nette Junge am Schlusse einer Unterrichtsstunde hinter mir her und sagt: Glauben Sie nicht, Herr Professor, daß ich unfleißig bin, ich kann oft nicht arbeiten, weil ich zu schwach bin." Nachdem ich ihm gesagt hatte, daß ich das wüßte, brach er in Tränen aus und hagte, daß er auch beim besten Willen nicht immer aufpassen könne, er wäre zu blutarm; wenn er sich in den Ferien etwas erholt hätte, dann ginge es eine Zeitlang besser, bald aber versagten seine Nerven wieder. Vor Schluchzen konnte er zulegt nicht weiter sprechen. Ich frage: Wenn ein solcher Mensch aus Verzweiflung schließlich zur Pistole greift und seinem traurigen Dasein ein Ende macht wer trägt dann die Schuld?
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Ein paar Tage hierauf kommt eine Mutter zu mir, deren Sohn nach halbjährigem Besuche der U I nicht nach
und die Forderungen der übrigen Mächte schnell zu erledigen.
Mißstände in der französischen Marine. Der Marineminister richtete an die Artilleriedirektion in Toulon ein Tadelsschreiben, weil sie es unterlassen habe, die Munition für 37 Torpedoboote der zweiten Flotte zu erneuern. Der Befehl zur Erneuerung der Munition war bereits im letzten Juni gegeben worden, aber unausgeführt geblieben.- In Toulon füllte sich gestern ein Torpedo unauffällig mit Wasser und wäre untergegangen, wenn es nicht noch im letzten Augenblick bemerkt worden wäre.
Ein französisch- türkischer Zwischenfall. An der Grenze von Tripolis ereignete sich ein bedeutsamer Zwischenfall. Türkische Soldaten betraten das Gebiet von Tunis, drangen in ein Grenzdorf ein und gaben auf die Bevölkerung blindlings mehrere Schüsse ab. Die Soldaten wurden durch einen Offizier befehligt. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Die französische Regierung hat sofort ihren Botschafter in Konstantinopel die dringende Weisung erteilt, an den maßgebenden Stellen in Konstantinopel ener= gischen Protest gegen dieses völkerrechtswidrige Vorgehen der türkischen Soldaten einzulegen und die türkischen Behörden aufzufordern, unverzüglich nach Tripolis Befehle gelangen zu lassen, durch die ein Weitergreifen dieser unerflärlichen Bewegung verhindert wird.
I verseßt worden war, und weint und flagt über die Hartherzigkeit der Lehrer. Meine Vorstellungen, daß ihr Sohn schwerlich jemals das Abiturium bestehen könne, da es ihm an Begabung fehle, daß er aber außerdem, wie ich gehört hätte, sich zu sehr zerstreue, indem er zuviel auf die Jagd und zu Tanzvergnügen gehe, machten keinen Eindruck. An zwei unerschütterlichen Dogmen scheiterten alle meine eindringlichen Worte. Die Frau, die zu den sogenannten gebildeten Kreisen gehörte, hielt mir stets diese beiden selbstverständlichen Postulate entgegen und fam immer wieder auf sie zurück, so oft ich sie auch glaubte als widersinnig erwiesen zu haben. Sie lauten: ,, Er muß doch seine Jugend genießen" under muß doch das Abiturienteneramen machen". Er muß das Abiturienteneramen machen, denn sonst kann er ja nichts werden, da er leider zum Offizier zu schwächlich ist!" Und ich frage noch einmal: Wer hat die Schuld, wenn dieser Junge aus Verzweif lung Hand an sich legt? Natürlich die Schule! Ein Teil unserer Presse und des lieben Publikums würde darüber nicht im Zweifel sein. Nein, unsere verschrobenen gesellschaftlichen Verhältnisse, der Unverstand der Eltern, ihre Eitelkeit und ihr Ehrgeiz tragen den größten Teil der Schuld! Und die Schule? Ist sie ganz unschuldig?- Milde bei der Aufnahme, Milde bei der Versetzung und bei Disziplinarfällen! Und so wird immer hübsch hinauf in die höhere Klasse geschoben und geschoben, bis die Schüler verzweifelt vor den Anforderungen der Klasse stehen, in die ste nicht hineingehören. Ja die Schule ist auch nicht ganz frei von Schuld. Uebertriebene Milde, wie sie, wie mir scheint, ießt immer mehr in Uebung kommt, ist nicht nur ein pädagogischer Fehler, sie drückt auch unsere Schulen mehr und mehr in ihren Leistungen herab, ia sie ist in Wahrheit keine Milde, sondern Grausamkeit, denn sie läßt den jungen Menschen seine Zeit vertrödeln und stellt ihn schließlich vor Aufgaben, denen seine Kraft nicht gewachsen ist.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Vorbereitungen für die Mittelmeerfahrt des Kaiserpaares. Die Kaiserjacht Hohenzollern" erhielt Befehl his ungsarbeiten für die Mittei=
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anfang Februar vie
meerreise des Kaiserpaares zu beendigen.
Neue Fremdenheze in China. Der Londoner Morningpost wird aus Schanghai gekabelt, daß dort hartnäckige Gerüchte von der Vorbereitung einer neuen Fremdenheze im nördlichen Teil der Provinz Kiangsu im Umlauf sind. Auch aus allen Teilen Schantungs hört man von fremdenfeindlichen Umtrieben der Studenten und buddhistischen Priester, die sogenannte patriotische Vereine gründen und die Austreibung der Fremden predigen.
Das Kronprinzenpaar wird sich, einer Einladung des Fürsten von Pleß folgend, heute zur Jagd nach Fürstenstein in Schlesien begeben. Von dort erfolgt am 9. d. M. die Weiterreise nach Dels zum Besuche des 8. Dragonerregiments, dessen Chef die Kronprinzessin ist, und zur Fafanenjagd.
Kleine Dadrichten.
Erkaiserin Charlotte. Der Gesundheitszustand der geisteskranken Erkaiserin Charlotte von Mexiko, der Schwester des verstorbenen Königs Leopold, ist sehr besorgniserregend. Sie hatte in den letzten Tagen wiederholt heftige Wutanfälle.
Regelung der hansindustriellen Arbeit. Wie die Fachzeitschrift„ Die Textilwoche" erfährt, ist beabsichtigt. die Teile der dem Reichstage im Dezember 1907 vorgelegten Novelle zur Gewerbeordnung, die zwar in der Kommission des Reichstages durchberaten worden sind, jedoch wegen des Schlusses der Tagung nicht erledigt werden konnten, in einem besonderen Entwurf zu behandeln. Es bezicht sich dies namentlich auf den Teil des Entwurfs von 1907, der eine Regelung der hausindustriellen Arbeit zum Gegenstande hatte.
Der Ballon„ Parseval 3" unternahm gestern mittag seinen ersten diesjährigen Aufstieg von Bitterfeld aus zum Zweck der Abnahme durch die Militärverwaltung. In der Gondel befanden sich außer Major v. Parseval mehrere Vertreter der Militärverwaltung, im ganzen 11 Personen. Die Fahrt erstreckte sich bis zum Dessauer Walde.
enleiche entdeckt, welche schon in Verwesung übergegangen war. Vor zwet Monaten hatte ein Mann zwei Zimmer ge= mietet und mehrere Koffer gebracht. Die Miete hatte er im voraus bezahlt und erklärt, die übrigen Möbel würden später nachkommen. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Explosion einer Bombe. In Marseille explodierte gestern abend eine Bombe, wodurch zwei Häuser schwer und einige andere minder schwer beschädigt wurden. Man glaubt, daß zwet Gauner, die im Begriffe waren, einen Hühnerstall auszurauben und dabei durch hinzukommende Personen gestört wurden, dte Bombe geworfen haben, um ihren Rückzug zu decken.
Arbeitsstunden für die Berliner Volksschüler. Die städtische Schuldeputation in Berlin beschloß, einen Versuch mit der Einrichtung von Arbeitsstunden für die Gemeindeschüler unter der Voraussetzung zu machen, daß die Lehrer die unentgeltliche Aufsicht übernehmen. Die Arbeitsstunden sind für solche Schüler bestimmt, die ihre Schularbeiten zu Hause nur unter ungünstigen Verhältnissen erledigen können.
Die diesjährige Generalversammlung des Bundes der Industriellen findet am Montag den 24. Januar in Berlin statt. Den Geschäftsbericht wird Dr. Wendlandt erstatten. Außerdem wird Reichstagsabgeordneter Dr. Stresemann über Industrie- und Hansabund" und Fabrikbe= fizer Leboldt- Gera über die Reichsversicherungsordnung sprechen.
Eine ernste Mahnung an Marokko. Eine Division des französischen Mittelmeergeschwaders ist vor Tanger einge
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Der Fall Welshofen.
Kriminalroman von M. Kossak.
Nachdruck verboten.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
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Der Abendstern in seinem größten Glanze. Schon seit einigen Wochen erregte der in einer nur von schwachen Sternen besäten Gegend, in den Sternbildern des Steinbocks und des Wassermanns sich aufhaltende Planet Venus durch seinen prächtigen Glanz allgemeine Aufmerksamkeit. Kaum ist die Sonne im Südwesten unter den Horizont gesunken, so tritt der Abendstern in noch recht bedeutender Höhe hervor, um darauf schnell an Glanz zuzunehmen. Am 8. Januar, zu welcher Zeit der Phasenwinkel der Venus 118 Grad beträgt, ist ihr Licht am stärksten, und man vermag in den Wochen unmittelbar vor und nach diesem Termin im Freien, wo kein künstliches Licht stört, deutlich einen Schattenwurf der Gegenstände zu erkennen. Da am 11. Januar Neumond ist, kommt auch das Mondlicht in der Beriode größten Glanzes der Venus nicht in Betracht. Verschönt wird der Anblick des Himmels noch durch die etwas höher im Tierkreise nahe beieinander stehenden, gegen 6 Uhr abends kulminierenden Planeten Mars und Saturn. Während Venus im ersten Monatsdrittel mehr als drei Stunden nach Sonnenuntergang über dem Horizont verweilt, bleiben Mars und Saturn zunächst noch sieben Stunden lang sichtbar. Am 14. Januar bes wegt sich die zarte zunehmende Mondsichel südlich an dem funkelnden Abendstern vorüber.
Eine frohe Knude für Scereisende kommt aus Breslau. Danach hätte Fräulein Dr. M. Ritter daselbst ein Mittel gegen die Seekrankheit gefunden, das auch wirklich hilft. Die Bestandteile des Medikamentes sollen unser bekannter Kalmus, der Wallnußbaum und Satureja montana, eine Verwandte unseres Bohnenkrautes, liefern. Das Mittel foll sich bereits unter ganz besonders schwierigen Verhältnissen bewährt haben.
Lanzani verneinte. Ich bin durch die Wilson- Scool so sehr in Anspruch genommen, daß mir nur wenig Zeit zur Lektüre übrig bleibt und außerdem wird es mir auch schwer, mich mit den Wienern zu verständigen."
Einen humorvollen Stadtrat besitzt Musbach. Dort wurde der durch seine großen Weinfälschungen bekannte frühere Reichstagsabgeordnete Sartorius, der in Musbach wieder in den Stadtrat gewählt wurde, jetzt auch in die Wasserkommission gewählt.
,, Das Verbrechen, von dem ich spreche" fuhr die junge Dame fort ist erst in der vergangenen Nacht geschehen. Ein vornehmer älterer Herr, ein Graf Welshofen ist in seiner eigenen Wohnung ermordet worden und
Ein deutscher Dampfer gestrandet. Nach aus Havre eingelaufener Meldung ist der Dampfer Fürst Bismarc" der Hamburg- Amerika- Linie in dichtem Nebel vor Octevine bei Davre aufgetaufen. Die Zuge i fwwierig, va der Dampfer während der Flut auflief.
,, Welshofen? Graf Welshofen?" Der Italiener schrie es fast heraus. Sein Gesicht war totenblaß geworden und mit einem Ausdruck, von dem man nicht wußte war er Entsetzen oder was sonst, starrte er BauYa an.
Frühling im Winter. Seit Wochen herrscht in der Westpfalz Frühlingswetter. 6 und 12 Grad Wärme herrscht regelmäßig. Daß diese Witterung auf die Pflanzenwelt nicht ohne Einfluß sein kann, beweist die Tatsache, daß allenthalben Bäume und Sträucher zu knospen beginnen. I'm Dörfchen Hassel Bez. St. Ingbert steht ein Apfelbaum in Blüte.
Ja doch", erwiderte sie überrascht. ,, Kennen Sie den Herrn?"
Der Erreger der Masern ist nach einer Mitteilung von Prof. Sittler in der Münch. Med. Wochenschrift wahrscheinlich von ihm gefunden worden. Es handelt sich, wie ja schon vorher vermutet wurde, um ein den gewöhnlichen traubenförmig wachsenden Gitererregern nahestehendes Batterium, das dadurch sich auszeichnet, daß es auf das Blut von Kindern, die die Masern bereits überstanden haben, nicht einwirkt, wohl aber auf das Blut von Kindern, die ficher noch nicht masernkrant waren. Die Erreger der Masern sind bei der Erkrankung in den oberen Luftwegen, Nasenrachenraum, Luftröhre und Bronchien zu finden. Der Masernausschlag würde sich nach Sittler dadurch erklären, daß Giftstoffe, die während der Lebenstätigkeit der Bakterien oder bei ihrem Absterben entstehen, in die Blutbahn gelangen, diese Veränderung hervorrufen. Der Masernausschlag wäre dann jenen Ausschlägen zuzurechnen, die nach Einsprißung von Serum verschiedener Art beobachtet werden können. Der Ausschlag bet Masern ist sehr wertvoll zur Erkennung des Wesens der Krankheit, aber stellt keineswegs die eigentliche Erkrankung dar, sondern der Herd der Erkrankung ist in den Luftwegen gelegen. Deshalb richteten sich die ärztlichen Maßnahmen bei der Bekämpfung der Masernkrankheit auch stets auf diese Organe.
Der Gattenmord in Dudweiler. Der Ehemann Loch in Dudmeiler- Jägersfreude hat sich gestern früh freiwillig der Polizei als Mörder seiner Frau gestellt. L. sucht die Tat als einen Unfall hinzustellen. Er habe Kohlen zerschlagen wollen, dabei habe sich seine neben ihm stehende Frau plötzlich gebückt und der mit voller Wucht geführte Hammerschlag habe ihr sofort den Schädel zertrümmert. Diese Angaben verdienen indessen keinen Glauben.
Er schüttelte das Haupt. ,, Nein- nein doch, wie - wie käme ein armer Sprachlehrer wie ich zu solch einer vornehmen Bekanntschaft?" Ich ich" er rang mühsam nach Fassung und mit gewaltsamer Willensanstrengung gelang es ihm endlich, seine Selbstbeherrschung zurückzugewinnen. ,, Unwillkürlich erschrickt man eben, wenn man von solch einer Mordtat hört," meinte er, schon wieder mit ganz ruhiger Stimme.
,, Dann müssen Sie aber wirklich sehr schwache Nerven haben, Signor Lanzini", entgegnete Paula kopfschüttelnd. ,, Die Tatsache, daß irgend ein beliebiger fremder Mensch ermordet ist, kann einen doch nicht so angreifen."
Hinrichtung eines Lustmörders in Frankreich. In Montauban wurde gestern morgen im Beisein einer großen Menge, die die Nacht vor dem Richtplaße verbracht hatte, der Lustmörder Hebrard guillotiniert. Der Delinquent, der zwei kleine Kinder hinterläßt, beschwor seinen Advokaten, für die Namensänderung der Kinder zu sorgen und alles aufzubieten, damit sie niemals den Namen ihres Va= ters erführen.
Eine Frauenleiche im Koffer. Gestern wurde im Zimmer eines Gasthauses in Lüttich in einem Koffer eine Frau
Im allgemeinen sind meine Nerven die besten, aber zurzeit bin ich wohl ein wenig überangestrengt. Ich war bom frühen Morgen an nicht ganz wohl. Signora dürfen mich nicht für einen Schwächling halten, denn ein solcher ist immer lächerlich und verächtlich in den Augen der Damen. Ich bin aber doch zu eitel, als mir das" hier eine kleine Verbeugung zu Paula hinder Signora gegenüber gleichgültig sein könnte." Er lächelte ein seltsam verzerrtes Lächeln! Auch stand die gleichsam
wie scherzhaft gemeinte, ziemlich provokante Galanterie der letzten Worte, sowie die Art, wie sie gesagt wurden, in viel zu greffem Widerspruch zu seinem bisherigen feinen und bescheidenen Wesen, als daß sie Paula nicht hätte befremden sollen.
,, Wollen Signora mir gütigst die Einzelheiten der Mordtat erzählen?" bat er. Es ist eine gute Uebung im Stalienischen für die Signora, und ich finde Gelegenheit, meine Scharte von vorhin auszuweßen."
Vermischtes
Eine Köpenickiade in Gelsenkirchen. Zu dem Oberbür germeister in Gelsenkirchen fam vor einiger Zeit ein schneidiger Herr, stellte sich als Dr. jur. Reinhard vor und bat um die Erlaubnis, sich in die Kommunalverwaltung einar= beiten zu dürfen. Nachdem er den höheren Beamten auf
Rathause vocaren worden mar, erhielt er sein eincé nes Zimmer angewiesen und bearbeitete nun tatsächlich 4 Wochen lang städtische Angelegenheiten, dann verschwand er spurlos. Inzwischen aber hatte er bei Hoteliers, Restautrateuren und Privatpersonen große Schulden gemacht. Reinhard wurde gestern in Aachen verhaftet, wo er dieselben Schwindeleien versuchte. Er heißt auch wirklich Reinhard, ist aber nicht Dr. jur. und im übrigen ein bekannter Schwindler und Hochstapler. Die ganze Angelgenheit wird geheimgehalten, doch erfährt man nach anderen Berichten, daß sich der Schwindler auch als Regierungsvertreter vor= acstellt habe, der beauftragt worden set, die Geschichte der Stadt Gelsenkirchen zu studieren. Ein weiterer Bericht be. sagt, daß Reinhard als juristischer Beirat angestellt worden sei. Dieser Titel habe auch an seinem Wohnungsschild ge= standen. Als Beirat hatte er Steuerreklamationen usw. zu bearbeiten und verstand es dabei, alle mit ihm in Berüh rung kommenden Personen gehörig zu schröpfen, ohne daß im Publikum oder bei den Behörden Verdacht entstand. Brandstiftung in einem Harzer Hotel. In Bad Harzburg wurde, wie schon mitgeteilt, der Hotelbesitzer H. BuchHeister mit seiner Frau auf dem Bahnhof in dem Augenblick verhaftet, als er von einem Besuch, den er bei Verwandten in Langenweddingen bei Magdeburg gemacht hatte, zurückkehrte. Buchheister steht unter dem Verdacht, sein Hotel National in Brand gesteckt zu haben. Das Hotel war mit 64 000 M versichert und aina, da es den Gichen om näch=
Und nun berichtete Paula, was sie über die Sache hatte erzählen hören. Als der Diener des Grafen diesem, wie an allen Tagen das Frühstück ans Bett hatte bringen wollen, war die Tür verschlossen gewesen. Dem Diener war die Sache gleich nicht recht geheuer erschienen, da dergleichen während seines langen Dienstes in dem Hause noch nicht vorgekommen war. Der Graf pflegte sehr früh sein Frühstück einzunehmen und dann noch ein paar Studen im Bett liegen zu bleiben und zu schlafen. Andererseits mochte der Diener sich nicht Vorwürfe seines Herrn zuziehen, sofern er ihn nach einer vielleicht schlecht verbrachten Nacht aus seinem Morgenschlummer erweckte. So zog er sich denn leise zurück, erwartend, daß der Graf schon klingeln würde, sobald er erwachte. Doch eine Stunde um die andere verging, ohne daß das erhoffte Glockenzeichen ertönte. Zufeßt gegen 9 Uhr, faßte den Mann eine namenlose Angst, die er nicht länger ertragen konnte, und er lief zum Hausmeister, um sich mit diesem zu be sprechen. Die beiden nahmen noch einen Schußmann und einen Schlosser und ließen von diesem die Tür gewaltsam öffnen. Da fand man denn den Grafen tot in seinem Bett liegen. Schleunigst wurde ein Polizeikommissar und ein Arzt herbeigerufen, aber der letztere konnte nur konstatieren, daß der Graf tot war. Der Körper hatte bereits Leichenstarre angenommen, so daß der Tod schon viele Stunden zuvor eingetreten sein mußte. Da eine Pistole auf dem Nachttisch lag, vermutete man zuerst einen Selbstmord, doch fand man keine Schußwunde an dem entseelten Körper, auch enthielt das Pistol noch alle Schüsse. Nun meinte man, daß den Grafen vielleicht ein Herzschlag getroffen haben möchte, doch erwies sich auch diese Annahme als irrig, weil der Arzt aus gewissen Anzeichen schließen zu fönnen glaubte, daß der Tote an Gift aestorben sei. Tata
sächlich entdeckte man auf dem Nachttisch ein leergetrunkenes Glas, neben dem die Papierhülse eines Bulvers lag. Die paar darin zurückgebliebenen Stäubchen waren Morbhium und auch die wenigen im Glase befindlichen Tropfen enthielten das gleiche Medikament. So schien denn ieder Zweifel daran, daß dasselbe den Tod des alten Aristokraten verursacht hatte, ausgeschlossen.
Ja, warum soll sich der Graf denn nicht selbst ge= tötet haben? Wie verfällt man auf die Annahme des Mordes?" fragte Lanzani hastig, als Paula bis zu dieser Stelle ihrer Erzählung gelangt war.
Ja, das vermag ich Ihnen allerdings auch nicht zu sagen," gestand sie zögernd. Das Verbrechen ist erst vor zu kurzer Zeit geschehen, als daß die Nachrichten über die gemachten Ermittelungen schon ins Publikum hätten gedrungen sein können. Wenn ich mich recht erinnere, so hat man etwas in dem Schlafzimmer des Grafen gefunden, was auf Mord hindeutete."
,, Einen Brief?" fuhr es dem Italiener heraus. ,, Einen Brief?" wiederholte die junge Frau erstaunt. Ich verstehe Sie nicht. Der Mörder wird doch nicht einen Brief hinterlassen, in dem er von seiner Tat Zeugnis ablegt. Und der Graf wird ebensowenig schriftlich seinen Mörder angeklagt haben. Hätte er dazu noch Zeit gefunden, so dürfte er doch eher nach seinem Diener geschellt und seine Enthüllungen mündlich gemacht haben." Nun, der Diener könnte ja fest geschlafen und das Glockenzeichen überhört haben."
,, Ja, dann würde der Graf doch den Versuch gemacht haben, aufzustehen, aber er hat ganz ruhig wie ein Schla fender in seinem Bett gelegen. Alle, die mir von der Sache erzählen, bestätigen dies."
,, Es hätte ja auch ein Drohbrief sein können. In Anbetracht der nihilistischen und anarchistischen Komplotte, von denen man in unserer Neuzeit hört"
,, Das alles scheint mir furchtbar unwahrscheinlich", meinte Paula befremdet. Ich muß Ihre Phantasie be wundern, Herr Lanzani, die solche Blüten treibt."
( Fortseßung folgt.)
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