Ausgabe 
8.1.1910 Erstes Blatt
 
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troffen Frankreich bezweckt mit dieser Kundgebung, die

Zum Kapitel von den Schülerselbstmorden marekanische Regierung zu veranlaffen, die französischen

liest man im ,, Korrespondenzblatt für den akademisch ge­bildeten Lehrerstand" folgenden Beitrag: Im vorigen Win­ter riet ich dem Vater eines Obersekundaners, seinen Sohn, da er unbegabt und kränklich sei von der Schule fort­zunehmen. Der Vater aber, der der oberen Gesellschafts­schicht angehört, hielt es offenbar für unerhört, seinem Sprößling den Zugang zu höherer Lebensstellung zu ver­sperren, und ließ dem armen Jungen, obwohl er auch an den Augen litt, gegen meinen ausdrücklichen Rat im letten Quartal vor der Verseßung Privatstunden geben. Natürlich blieb der Schüler doch in II ſizen. Am Ende des jeßigen Semesters fommt nun der sehr brave und nette Junge am Schlusse einer Unterrichtsstunde hinter mir her und sagt: Glauben Sie nicht, Herr Professor, daß ich unfleißig bin, ich kann oft nicht arbeiten, weil ich zu schwach bin." Nachdem ich ihm gesagt hatte, daß ich das wüßte, brach er in Tränen aus und hagte, daß er auch beim besten Willen nicht immer aufpassen könne, er wäre zu blutarm; wenn er sich in den Ferien etwas erholt hätte, dann ginge es eine Zeitlang besser, bald aber ver­sagten seine Nerven wieder. Vor Schluchzen konnte er zu­legt nicht weiter sprechen. Ich frage: Wenn ein solcher Mensch aus Verzweiflung schließlich zur Pistole greift und seinem traurigen Dasein ein Ende macht wer trägt dann die Schuld?

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Ein paar Tage hierauf kommt eine Mutter zu mir, deren Sohn nach halbjährigem Besuche der U I nicht nach

und die Forderungen der übrigen Mächte schnell zu er­ledigen.

Mißstände in der französischen Marine. Der Marine­minister richtete an die Artilleriedirektion in Toulon ein Tadelsschreiben, weil sie es unterlassen habe, die Munition für 37 Torpedoboote der zweiten Flotte zu erneuern. Der Befehl zur Erneuerung der Munition war bereits im letz­ten Juni gegeben worden, aber unausgeführt geblieben.- In Toulon füllte sich gestern ein Torpedo unauffällig mit Wasser und wäre untergegangen, wenn es nicht noch im letzten Augenblick bemerkt worden wäre.

Ein französisch- türkischer Zwischenfall. An der Grenze von Tripolis ereignete sich ein bedeutsamer Zwischenfall. Türkische Soldaten betraten das Gebiet von Tunis, dran­gen in ein Grenzdorf ein und gaben auf die Bevölkerung blindlings mehrere Schüsse ab. Die Soldaten wurden durch einen Offizier befehligt. Verletzt wurde glücklicher­weise niemand. Die französische Regierung hat sofort ihren Botschafter in Konstantinopel die dringende Weisung er­teilt, an den maßgebenden Stellen in Konstantinopel ener= gischen Protest gegen dieses völkerrechtswidrige Vorgehen der türkischen Soldaten einzulegen und die türkischen Be­hörden aufzufordern, unverzüglich nach Tripolis Befehle gelangen zu lassen, durch die ein Weitergreifen dieser uner­flärlichen Bewegung verhindert wird.

I verseßt worden war, und weint und flagt über die Hartherzigkeit der Lehrer. Meine Vorstellungen, daß ihr Sohn schwerlich jemals das Abiturium bestehen könne, da es ihm an Begabung fehle, daß er aber außerdem, wie ich gehört hätte, sich zu sehr zerstreue, indem er zuviel auf die Jagd und zu Tanzvergnügen gehe, machten keinen Ein­druck. An zwei unerschütterlichen Dogmen scheiterten alle meine eindringlichen Worte. Die Frau, die zu den soge­nannten gebildeten Kreisen gehörte, hielt mir stets diese beiden selbstverständlichen Postulate entgegen und fam im­mer wieder auf sie zurück, so oft ich sie auch glaubte als widersinnig erwiesen zu haben. Sie lauten: ,, Er muß doch seine Jugend genießen" under muß doch das Abiturien­teneramen machen". Er muß das Abiturienteneramen machen, denn sonst kann er ja nichts werden, da er leider zum Offizier zu schwächlich ist!" Und ich frage noch einmal: Wer hat die Schuld, wenn dieser Junge aus Verzweif lung Hand an sich legt? Natürlich die Schule! Ein Teil unserer Presse und des lieben Publikums würde darüber nicht im Zweifel sein. Nein, unsere verschrobenen gesell­schaftlichen Verhältnisse, der Unverstand der Eltern, ihre Eitelkeit und ihr Ehrgeiz tragen den größten Teil der Schuld! Und die Schule? Ist sie ganz unschuldig?- Milde bei der Aufnahme, Milde bei der Versetzung und bei Disziplinarfällen! Und so wird immer hübsch hinauf in die höhere Klasse geschoben und geschoben, bis die Schüler ver­zweifelt vor den Anforderungen der Klasse stehen, in die ste nicht hineingehören. Ja die Schule ist auch nicht ganz frei von Schuld. Uebertriebene Milde, wie sie, wie mir scheint, ießt immer mehr in Uebung kommt, ist nicht nur ein pädagogischer Fehler, sie drückt auch unsere Schulen mehr und mehr in ihren Leistungen herab, ia sie ist in Wahrheit keine Milde, sondern Grausamkeit, denn sie läßt den jungen Menschen seine Zeit vertrödeln und stellt ihn schließlich vor Aufgaben, denen seine Kraft nicht gewach­sen ist.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Vorbereitungen für die Mittelmeerfahrt des Kaiser­paares. Die Kaiserjacht Hohenzollern" erhielt Befehl his ungsarbeiten für die Mittei=

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meerreise des Kaiserpaares zu beendigen.

Neue Fremdenheze in China. Der Londoner Morning­post wird aus Schanghai gekabelt, daß dort hartnäckige Gerüchte von der Vorbereitung einer neuen Fremdenheze im nördlichen Teil der Provinz Kiangsu im Umlauf sind. Auch aus allen Teilen Schantungs hört man von fremden­feindlichen Umtrieben der Studenten und buddhistischen Priester, die sogenannte patriotische Vereine gründen und die Austreibung der Fremden predigen.

Das Kronprinzenpaar wird sich, einer Einladung des Fürsten von Pleß folgend, heute zur Jagd nach Fürsten­stein in Schlesien begeben. Von dort erfolgt am 9. d. M. die Weiterreise nach Dels zum Besuche des 8. Dragoner­regiments, dessen Chef die Kronprinzessin ist, und zur Fa­fanenjagd.

Kleine Dadrichten.

Erkaiserin Charlotte. Der Gesundheitszustand der gei­steskranken Erkaiserin Charlotte von Mexiko, der Schwe­ster des verstorbenen Königs Leopold, ist sehr besorgnis­erregend. Sie hatte in den letzten Tagen wiederholt heftige Wutanfälle.

Regelung der hansindustriellen Arbeit. Wie die Fach­zeitschrift Die Textilwoche" erfährt, ist beabsichtigt. die Teile der dem Reichstage im Dezember 1907 vorgelegten Novelle zur Gewerbeordnung, die zwar in der Kommission des Reichstages durchberaten worden sind, jedoch wegen des Schlusses der Tagung nicht erledigt werden konnten, in einem besonderen Entwurf zu behandeln. Es bezicht sich dies namentlich auf den Teil des Entwurfs von 1907, der eine Regelung der hausindustriellen Arbeit zum Gegen­stande hatte.

Der Ballon Parseval 3" unternahm gestern mittag seinen ersten diesjährigen Aufstieg von Bitterfeld aus zum Zweck der Abnahme durch die Militärverwaltung. In der Gondel befanden sich außer Major v. Parseval mehrere Vertreter der Militärverwaltung, im ganzen 11 Personen. Die Fahrt erstreckte sich bis zum Dessauer Walde.

enleiche entdeckt, welche schon in Verwesung übergegangen war. Vor zwet Monaten hatte ein Mann zwei Zimmer ge= mietet und mehrere Koffer gebracht. Die Miete hatte er im voraus bezahlt und erklärt, die übrigen Möbel würden später nachkommen. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Explosion einer Bombe. In Marseille explodierte ge­stern abend eine Bombe, wodurch zwei Häuser schwer und einige andere minder schwer beschädigt wurden. Man glaubt, daß zwet Gauner, die im Begriffe waren, einen Hühnerstall auszurauben und dabei durch hinzukommende Personen gestört wurden, dte Bombe geworfen haben, um ihren Rückzug zu decken.

Arbeitsstunden für die Berliner Volksschüler. Die städtische Schuldeputation in Berlin beschloß, einen Ver­such mit der Einrichtung von Arbeitsstunden für die Ge­meindeschüler unter der Voraussetzung zu machen, daß die Lehrer die unentgeltliche Aufsicht übernehmen. Die Ar­beitsstunden sind für solche Schüler bestimmt, die ihre Schularbeiten zu Hause nur unter ungünstigen Verhält­nissen erledigen können.

Die diesjährige Generalversammlung des Bundes der Industriellen findet am Montag den 24. Januar in Ber­lin statt. Den Geschäftsbericht wird Dr. Wendlandt er­statten. Außerdem wird Reichstagsabgeordneter Dr. Stre­semann über Industrie- und Hansabund" und Fabrikbe= fizer Leboldt- Gera über die Reichsversicherungsordnung sprechen.

Eine ernste Mahnung an Marokko. Eine Division des französischen Mittelmeergeschwaders ist vor Tanger einge­

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Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossak.

Nachdruck verboten.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

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Der Abendstern in seinem größten Glanze. Schon seit einigen Wochen erregte der in einer nur von schwachen Sternen besäten Gegend, in den Sternbildern des Stein­bocks und des Wassermanns sich aufhaltende Planet Venus durch seinen prächtigen Glanz allgemeine Aufmerksamkeit. Kaum ist die Sonne im Südwesten unter den Horizont gesunken, so tritt der Abendstern in noch recht bedeuten­der Höhe hervor, um darauf schnell an Glanz zuzunehmen. Am 8. Januar, zu welcher Zeit der Phasenwinkel der Venus 118 Grad beträgt, ist ihr Licht am stärksten, und man vermag in den Wochen unmittelbar vor und nach diesem Termin im Freien, wo kein künstliches Licht stört, deutlich einen Schattenwurf der Gegenstände zu erkennen. Da am 11. Januar Neumond ist, kommt auch das Mond­licht in der Beriode größten Glanzes der Venus nicht in Betracht. Verschönt wird der Anblick des Himmels noch durch die etwas höher im Tierkreise nahe beieinander stehen­den, gegen 6 Uhr abends kulminierenden Planeten Mars und Saturn. Während Venus im ersten Monatsdrittel mehr als drei Stunden nach Sonnenuntergang über dem Horizont verweilt, bleiben Mars und Saturn zunächst noch sieben Stunden lang sichtbar. Am 14. Januar bes wegt sich die zarte zunehmende Mondsichel südlich an dem funkelnden Abendstern vorüber.

Eine frohe Knude für Scereisende kommt aus Breslau. Danach hätte Fräulein Dr. M. Ritter daselbst ein Mittel gegen die Seekrankheit gefunden, das auch wirklich hilft. Die Bestandteile des Medikamentes sollen unser bekannter Kalmus, der Wallnußbaum und Satureja montana, eine Verwandte unseres Bohnenkrautes, liefern. Das Mittel foll sich bereits unter ganz besonders schwierigen Verhältnissen bewährt haben.

Lanzani verneinte. Ich bin durch die Wilson- Scool so sehr in Anspruch genommen, daß mir nur wenig Zeit zur Lektüre übrig bleibt und außerdem wird es mir auch schwer, mich mit den Wienern zu verständigen."

Einen humorvollen Stadtrat besitzt Musbach. Dort wurde der durch seine großen Weinfälschungen bekannte frühere Reichstagsabgeordnete Sartorius, der in Musbach wieder in den Stadtrat gewählt wurde, jetzt auch in die Wasserkommission gewählt.

,, Das Verbrechen, von dem ich spreche" fuhr die junge Dame fort ist erst in der vergangenen Nacht geschehen. Ein vornehmer älterer Herr, ein Graf Wels­hofen ist in seiner eigenen Wohnung ermordet worden und

Ein deutscher Dampfer gestrandet. Nach aus Havre eingelaufener Meldung ist der Dampfer Fürst Bismarc" der Hamburg- Amerika- Linie in dichtem Nebel vor Octe­vine bei Davre aufgetaufen. Die Zuge i fwwierig, va der Dampfer während der Flut auflief.

,, Welshofen? Graf Welshofen?" Der Italiener schrie es fast heraus. Sein Gesicht war totenblaß geworden und mit einem Ausdruck, von dem man nicht wußte war er Entsetzen oder was sonst, starrte er Bau­Ya an.

Frühling im Winter. Seit Wochen herrscht in der West­pfalz Frühlingswetter. 6 und 12 Grad Wärme herrscht re­gelmäßig. Daß diese Witterung auf die Pflanzenwelt nicht ohne Einfluß sein kann, beweist die Tatsache, daß allent­halben Bäume und Sträucher zu knospen beginnen. I'm Dörfchen Hassel Bez. St. Ingbert steht ein Apfelbaum in Blüte.

Ja doch", erwiderte sie überrascht. ,, Kennen Sie den Herrn?"

Der Erreger der Masern ist nach einer Mitteilung von Prof. Sittler in der Münch. Med. Wochenschrift wahr­scheinlich von ihm gefunden worden. Es handelt sich, wie ja schon vorher vermutet wurde, um ein den gewöhnlichen traubenförmig wachsenden Gitererregern nahestehendes Bat­terium, das dadurch sich auszeichnet, daß es auf das Blut von Kindern, die die Masern bereits überstanden haben, nicht einwirkt, wohl aber auf das Blut von Kindern, die ficher noch nicht masernkrant waren. Die Erreger der Ma­sern sind bei der Erkrankung in den oberen Luftwegen, Nasenrachenraum, Luftröhre und Bronchien zu finden. Der Masernausschlag würde sich nach Sittler dadurch erklären, daß Giftstoffe, die während der Lebenstätigkeit der Bak­terien oder bei ihrem Absterben entstehen, in die Blut­bahn gelangen, diese Veränderung hervorrufen. Der Ma­sernausschlag wäre dann jenen Ausschlägen zuzurechnen, die nach Einsprißung von Serum verschiedener Art be­obachtet werden können. Der Ausschlag bet Masern ist sehr wertvoll zur Erkennung des Wesens der Krankheit, aber stellt keineswegs die eigentliche Erkrankung dar, son­dern der Herd der Erkrankung ist in den Luftwegen ge­legen. Deshalb richteten sich die ärztlichen Maßnahmen bei der Bekämpfung der Masernkrankheit auch stets auf diese Organe.

Der Gattenmord in Dudweiler. Der Ehemann Loch in Dudmeiler- Jägersfreude hat sich gestern früh freiwillig der Polizei als Mörder seiner Frau gestellt. L. sucht die Tat als einen Unfall hinzustellen. Er habe Kohlen zer­schlagen wollen, dabei habe sich seine neben ihm stehende Frau plötzlich gebückt und der mit voller Wucht geführte Hammerschlag habe ihr sofort den Schädel zertrümmert. Diese Angaben verdienen indessen keinen Glauben.

Er schüttelte das Haupt. ,, Nein- nein doch, wie - wie käme ein armer Sprachlehrer wie ich zu solch einer vornehmen Bekanntschaft?" Ich ich" er rang mühsam nach Fassung und mit gewaltsamer Willensan­strengung gelang es ihm endlich, seine Selbstbeherrschung zurückzugewinnen. ,, Unwillkürlich erschrickt man eben, wenn man von solch einer Mordtat hört," meinte er, schon wieder mit ganz ruhiger Stimme.

,, Dann müssen Sie aber wirklich sehr schwache Nerven haben, Signor Lanzini", entgegnete Paula kopfschüttelnd. ,, Die Tatsache, daß irgend ein beliebiger fremder Mensch ermordet ist, kann einen doch nicht so angreifen."

Hinrichtung eines Lustmörders in Frankreich. In Mon­tauban wurde gestern morgen im Beisein einer großen Menge, die die Nacht vor dem Richtplaße verbracht hatte, der Lustmörder Hebrard guillotiniert. Der Delinquent, der zwei kleine Kinder hinterläßt, beschwor seinen Advo­katen, für die Namensänderung der Kinder zu sorgen und alles aufzubieten, damit sie niemals den Namen ihres Va= ters erführen.

Eine Frauenleiche im Koffer. Gestern wurde im Zim­mer eines Gasthauses in Lüttich in einem Koffer eine Frau­

Im allgemeinen sind meine Nerven die besten, aber zurzeit bin ich wohl ein wenig überangestrengt. Ich war bom frühen Morgen an nicht ganz wohl. Signora dürfen mich nicht für einen Schwächling halten, denn ein solcher ist immer lächerlich und verächtlich in den Augen der Damen. Ich bin aber doch zu eitel, als mir das" hier eine kleine Verbeugung zu Paula hinder Sig­nora gegenüber gleichgültig sein könnte." Er lächelte ein seltsam verzerrtes Lächeln! Auch stand die gleichsam

wie scherzhaft gemeinte, ziemlich provokante Galanterie der letzten Worte, sowie die Art, wie sie gesagt wurden, in viel zu greffem Widerspruch zu seinem bisherigen feinen und bescheidenen Wesen, als daß sie Paula nicht hätte be­fremden sollen.

,, Wollen Signora mir gütigst die Einzelheiten der Mord­tat erzählen?" bat er. Es ist eine gute Uebung im Sta­lienischen für die Signora, und ich finde Gelegenheit, meine Scharte von vorhin auszuweßen."

Vermischtes

Eine Köpenickiade in Gelsenkirchen. Zu dem Oberbür germeister in Gelsenkirchen fam vor einiger Zeit ein schnei­diger Herr, stellte sich als Dr. jur. Reinhard vor und bat um die Erlaubnis, sich in die Kommunalverwaltung einar= beiten zu dürfen. Nachdem er den höheren Beamten auf

Rathause vocaren worden mar, erhielt er sein eincé nes Zimmer angewiesen und bearbeitete nun tatsächlich 4 Wochen lang städtische Angelegenheiten, dann verschwand er spurlos. Inzwischen aber hatte er bei Hoteliers, Restaut­rateuren und Privatpersonen große Schulden gemacht. Reinhard wurde gestern in Aachen verhaftet, wo er diesel­ben Schwindeleien versuchte. Er heißt auch wirklich Rein­hard, ist aber nicht Dr. jur. und im übrigen ein bekannter Schwindler und Hochstapler. Die ganze Angelgenheit wird geheimgehalten, doch erfährt man nach anderen Berichten, daß sich der Schwindler auch als Regierungsvertreter vor= acstellt habe, der beauftragt worden set, die Geschichte der Stadt Gelsenkirchen zu studieren. Ein weiterer Bericht be. sagt, daß Reinhard als juristischer Beirat angestellt worden sei. Dieser Titel habe auch an seinem Wohnungsschild ge= standen. Als Beirat hatte er Steuerreklamationen usw. zu bearbeiten und verstand es dabei, alle mit ihm in Berüh rung kommenden Personen gehörig zu schröpfen, ohne daß im Publikum oder bei den Behörden Verdacht entstand. Brandstiftung in einem Harzer Hotel. In Bad Harz­burg wurde, wie schon mitgeteilt, der Hotelbesitzer H. Buch­Heister mit seiner Frau auf dem Bahnhof in dem Augen­blick verhaftet, als er von einem Besuch, den er bei Ver­wandten in Langenweddingen bei Magdeburg gemacht hatte, zurückkehrte. Buchheister steht unter dem Verdacht, sein Hotel National in Brand gesteckt zu haben. Das Hotel war mit 64 000 M versichert und aina, da es den Gichen om näch=

Und nun berichtete Paula, was sie über die Sache hatte erzählen hören. Als der Diener des Grafen diesem, wie an allen Tagen das Frühstück ans Bett hatte bringen wollen, war die Tür verschlossen gewesen. Dem Diener war die Sache gleich nicht recht geheuer erschienen, da dergleichen während seines langen Dienstes in dem Hause noch nicht vorgekommen war. Der Graf pflegte sehr früh sein Frühstück einzunehmen und dann noch ein paar Stu­den im Bett liegen zu bleiben und zu schlafen. Andererseits mochte der Diener sich nicht Vorwürfe seines Herrn zu­ziehen, sofern er ihn nach einer vielleicht schlecht ver­brachten Nacht aus seinem Morgenschlummer erweckte. So zog er sich denn leise zurück, erwartend, daß der Graf schon klingeln würde, sobald er erwachte. Doch eine Stunde um die andere verging, ohne daß das erhoffte Glocken­zeichen ertönte. Zufeßt gegen 9 Uhr, faßte den Mann eine namenlose Angst, die er nicht länger ertragen konnte, und er lief zum Hausmeister, um sich mit diesem zu be sprechen. Die beiden nahmen noch einen Schußmann und einen Schlosser und ließen von diesem die Tür gewaltsam öffnen. Da fand man denn den Grafen tot in seinem Bett liegen. Schleunigst wurde ein Polizeikommissar und ein Arzt herbeigerufen, aber der letztere konnte nur kon­statieren, daß der Graf tot war. Der Körper hatte bereits Leichenstarre angenommen, so daß der Tod schon viele Stunden zuvor eingetreten sein mußte. Da eine Pistole auf dem Nachttisch lag, vermutete man zuerst einen Selbst­mord, doch fand man keine Schußwunde an dem entseelten Körper, auch enthielt das Pistol noch alle Schüsse. Nun meinte man, daß den Grafen vielleicht ein Herzschlag ge­troffen haben möchte, doch erwies sich auch diese Annahme als irrig, weil der Arzt aus gewissen Anzeichen schließen zu fönnen glaubte, daß der Tote an Gift aestorben sei. Tata

sächlich entdeckte man auf dem Nachttisch ein leergetrunkenes Glas, neben dem die Papierhülse eines Bulvers lag. Die paar darin zurückgebliebenen Stäubchen waren Morbhium und auch die wenigen im Glase befindlichen Tropfen ent­hielten das gleiche Medikament. So schien denn ieder Zwei­fel daran, daß dasselbe den Tod des alten Aristokraten ver­ursacht hatte, ausgeschlossen.

Ja, warum soll sich der Graf denn nicht selbst ge= tötet haben? Wie verfällt man auf die Annahme des Mor­des?" fragte Lanzani hastig, als Paula bis zu dieser Stelle ihrer Erzählung gelangt war.

Ja, das vermag ich Ihnen allerdings auch nicht zu sagen," gestand sie zögernd. Das Verbrechen ist erst vor zu kurzer Zeit geschehen, als daß die Nachrichten über die gemachten Ermittelungen schon ins Publikum hätten ge­drungen sein können. Wenn ich mich recht erinnere, so hat man etwas in dem Schlafzimmer des Grafen gefunden, was auf Mord hindeutete."

,, Einen Brief?" fuhr es dem Italiener heraus. ,, Einen Brief?" wiederholte die junge Frau erstaunt. Ich verstehe Sie nicht. Der Mörder wird doch nicht einen Brief hinterlassen, in dem er von seiner Tat Zeugnis ablegt. Und der Graf wird ebensowenig schriftlich seinen Mörder angeklagt haben. Hätte er dazu noch Zeit ge­funden, so dürfte er doch eher nach seinem Diener geschellt und seine Enthüllungen mündlich gemacht haben." Nun, der Diener könnte ja fest geschlafen und das Glockenzeichen überhört haben."

,, Ja, dann würde der Graf doch den Versuch gemacht haben, aufzustehen, aber er hat ganz ruhig wie ein Schla fender in seinem Bett gelegen. Alle, die mir von der Sache erzählen, bestätigen dies."

,, Es hätte ja auch ein Drohbrief sein können. In Anbetracht der nihilistischen und anarchistischen Komplotte, von denen man in unserer Neuzeit hört"

,, Das alles scheint mir furchtbar unwahrscheinlich", meinte Paula befremdet. Ich muß Ihre Phantasie be wundern, Herr Lanzani, die solche Blüten treibt."

( Fortseßung folgt.)

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