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Gesetzliche Meisterprüfungen für Handwerker.
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Die diesjährigen Prüfungen zur Erlangung des Meistertitels(§ 133 der Gewerbeordnung) werden in der Zeit vom 2. Mai bis Ende Juli d. J. abgehalten. Gesuche um Zulassung zur Meisterprüfung sind mit den erforderlichen Unterlagen bergl. Anmeldeformular rechtzeitig an die unterzeichnete Piüfungskommission zu richten. Vorher ist jedoch die Prüfungsgebühr von 35 Maik an die Handwerkskammer in Darmstadt einzuzahlen. Die erhaltene Quittung ist dem Gefuche betzulegen.
Gießen, am 5. April 1910.
Die Meisterprüfungskommission für die Provinz Oberhessen. Traber, Vorsitzender.
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32)
Die Freundinnen.
Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)
Die kleine Maja!- Und Sie sind wirklich das kleine Mädchen, daß einst von meiner Schwester unzertrennlich war?- Ach das nenne ich aber Glück haben!" lautete die in freudigem Tone gegebene Antwort. Er warf dabei einen raschen und wie es schien, halb verlegenen Blick auf feine Stiefel, die allerdings ebenfalls kein salonfähiges Ausieben hatten, und fügte dann, als müsse er sich entschuldigen, hinan:
" Ich habe eine weite Reise hinter mir, daher mein deangiertes Aussehen. Mich umzufleiden, hatte ich noch keine Zeit. Aber nun sagen Sie mir, Fräulein Maja- sind Sie mit Sulvia noch immer so eng befreundet?"
Jawohi, wir sind noch heute unzertrennlich." „ Aber wo wohnt denn meine Familie jetzt?" " Draußen in Neunlinden, bei Ihrem Onkel." , in dem Nest? Aber weshalb verließen meine Angehörigen die Stadt?"
Maja geriet in Verlegenheit. Sollte sie dem eben erst Angekommenen von dem Unglück erzählen, das die Familie betroffen? Jedenfalls war hier nicht der Ort dazu. " Sie werden sehr erstaunt sein, wenn Sie Ihren Papa wiedersehen. Er ist sehr alt geworden in der letzten Zeit und beinahe menschenschen. Er hatte wenig Glück im Leben-
"
„ Ach, Sie denken wohl an meine damalige Flucht?" unterbrach Leon das Mädchen rasch. Hat mein Vater das immer noch nicht verschmerzt? Glauben Sie, daß er mich in Gnaden aufnehmen wird, oder werde ich als verlorener Sohn behandelt?"
Wie Ihr Vater jetzt, nach so vielen Jahren darüber denkt, kenn ich nicht sagen, denn Ihr Name wird, so viel ich weiß, nicht genannt," erwiderte Maja ausweichend. Die Blicke, die ihr der junge Mann zuwarf, begannen ihr beinahe lästig zu werden; denn sie verrieten deutlich die offenbare Bewunderung, die er ihr zollte.
Jedenfalls", fuhr sie nach einer kleinen Pause fort, haben Sie Ihrem Vater damals sehr wehe getan. Er litt
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schwer um Ihretwillen. Weshalb mußten Sie ihm das antun?" ,, Weil ich nicht anders konnte! Papa ließ mir keite Wahl! Er wollte mir mit Gewalt einen Beruf aufzwingen, den ich nun einmal nicht liebte! Er trug allein die Schuld an meiner Flucht! Ich lasse mich nicht zwingen,- auch jetzt noch nicht! Aber damals- da wollte ich frei sein frei von dem Zwange der verhaßten Anstalt. Ich habe es meinem Vater oft gesagt, er aber wollte nicht hören. Ich hoffte draußen in der Welt das Glück zu finden, das ich so heiß begehrte! Soldat aber mochte ich nicht werden! Ich bitte Sie, was spukt nicht alles in einem sechzehnjährigen Knabenkopfe! Goldene Berge versprach ich mir, wenn ich nur erst frei war. Ich glaubte, man dürfe nur die Hand ausstrecken, um das Glück zu fassen. Und ich, ich wollte glüdlich sein um jeden Preis!"
„ Und sind Sie es geworden da draußen in der Fremde?" fragte Maja.
Er schüttelte heftig den Kopf.
Nein, Fräulein Maja, sonst wäre ich nicht hier! Ich möchte ein neues Leben anfangen. Ich denke es mir nicht gerade leicht, vor den Vater hinzutreten und ihn um Verzeihung zu bitten; noch dazu eingestehen zu müssen, daß man nichts, gar nichts erreicht hat! Aber es geht nun eben nicht anders. Die Verhältnisse zwingen mich dazu. Ich habe alles versucht, alles vergebens!- Ich hatte eben kein Glück. Aber jezt, jetzt hoffe ich wieder. Denn daß gerade Sie mir als erste in der Heimat entgegentraten, ist sicher ein gutes Zeichen. Freilich, erkannt hätte ich Sie nicht. Wie fonnte ich auch ahnen, daß Sie so- so schön geworden sind!"
Er heftete wieder seine Augen mit dreister Bewunderung auf das sich unwillig abwendende Mädchen.
Bürnen Sie mir nicht, Fräulein Maja," bat er rasch, als er sah, daß sie merklich fühler wurde.„ Wenn es Ihnen unangenehm ist, werde ich so etwas nicht mehr sagen, aber Ihre ungeahnte Schönheit riß mich förmlich hin." Lassen Sie uns gehen," sagte Maja und bemühte sich, das unangenehme Gefühl, das ihr die Nähe dieses Menschen verursachte, zu überwinden. Er war doch der Bruder ihrer geliebten Sylvia, die ihr, den Vater abgerechnet, das Liebste war, was sie besaß. Um der Freundin willen bezwang sie!
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auch jest ihren Unmni und sagte ablentend: Hier fönnen wir doch nicht fteben bleiben. Ueberbles muß to ellen, nach Hause zu kommen, Papa erwartet mich längst. Ich mache Ihnen deshalb etren Vorschlag: Kommen Sie mit zu meinem Vater, er wird ebenfalls erfreut fetn, Sie nach so langer Zeit begrüßen zu dürfen."
Glauben Ste bas. Fräulein Maja?"
Es war ein feltfamer Bltd, mit dem Leon v. Schmettwitz die junge Dame ftreifte und mit dem er dann an seinem etwas schäbigen Uebersteher hinunterfah.
Maja betrachtete den Einwurf nicht weiter, sie fuhr in leichtem Tone fort: Ste fpetfen bei uns zu Mittag, und dann fahre ich mit meinem Bonywagen nach Neunlinden. Sie müssen nämlich wiffen, ich futschlere selbst, es macht mir viel Spaß. Na, was Sylvia sagen wird, wenn ihr Bruder so urplötzlich vor ihr steht, darauf bin ich wirklich neugierig."
Leon von Schiettwitz schien mit Majas Vorschlag sehr zufrieden zu sein: er nickte ihr lachend und dankbar zu.
" Das ist immer noch die kleine Maja von chemals, die alle Leckerbisien mit dem ersten besten Betteljungen teilen wollte und die stets davonlief, wenn in der Küche Tauben gerupft wurden, weil sie das nicht sehen konnte. Und wenn ich als übermütiger Bengel in des Vaters Garten einen Spazzen totgeschossen hatte, dann meinte sie um das niedliche Tierchen heiße Tränen und begrub es eigenhändig unter irgend einem blühenden Strauch."
Er lachte laut auf. Als ob diesem frechen Spatzenvolk nicht ganz recht geschehen wäre."
Maja sah ihn ernst und vorwurfsvoll an. „ Ich kann noch heute kein Tier leiden sehen. Es tut mir in der Seele weh."
,, Und sicher haben Sie auch Mitleid mit den Menscher., die leiden müssen?" verfekte er rasch.
„ Aber gewiß, mit denen erst recht." " Nun sehen Sie, ich wußte es ia,- da können Sie gleich ein gutes Werk tun, Fräulein Maja!"
Er wollte ihre Hand fassen, doch sie entzog ihm diefelbe mit einer raschen Bewegung. Halb unwillig wandte sie sich ab. Er beachtete es kaum, sondern fuhr leise und eindringlich fort:„ Ich ich leide nämlich auch!" ( Fortfeßung folgt.),


