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konnte nach einer eingehenden Untersuchung ein Bedürfnis zur Anschaffung eines zweiten neuen Wagens nicht aner­kennen, da der zu der Einstellung eines solchen nötigende Minutenverfehr sich nicht rentierbar gestaltet hat. Die Stadtverordneten erklärten sich mit dem Gutachten der De­putation einverstanden.

Punkt 11 betraf die Rechnung des Elektri­zitätswertes für 1908. Diese Rechnung ist von der Deputation geprüft und für richtig befunden worden. Die Versammlung erteilte deshalb dem Ausschuß die nach­gesuchte Entlastung.

Punkt 12 betraf die Rechnung des G a s- und Was serwerks für 1908. Die Kommission hatte auch in diese Rechnung Einsicht genommen und die Bilanz für richtig befunden. Die hierfür beantragte Entlastung wurde ebenfalls erteilt.

Punkt 13 war: Kosten des Kaiserbesuches. Der deutsche Kaiser hat, wie bereits gemeldet, der Stadt seinen Dank für den ihm gewordenen begeisterten Empfang in Gießen aussprechen lassen. Die Beschaffung der für die Ausschmückung der Straßen notwendig gewesenen Guir- landen hat der Stadt eine Ausgabe von 1000 Mt. verur sacht, um deren nachträgliche Genehmigung nun die Stadt­verwaltung ersucht hatte. Die Lieferungen waren sämtlich an hiesige Firmen vergeben worden. Die Stadtverordne ten erklärten sich mit Ausnahme des Stadtv. Krumm mit dieser Ausgabe einverstanden. Stadtv. Troß: Daß Herr Krumm gegen die Bewilligung der Ausgaben stimmte, geschah lediglich im Interesse der Sozialdemokratie. Aber zweifellos hat doch der Besuch viel Geld nach Gießen ge­bracht und es wäre deshalb zu wünschen, daß Herr Krumm auch die Vorteile eines solchen Ereignisses bei der Abstimm ung über die Kosten des nächsten Kaiserbesuches in Betracht ziehen möchte. Stadtv. Krumm: Als mich das Ver trauen meiner Wähler in das Stadtparlament berief, war allgemein in der Stadt meine grundsätzliche Stellungnahme zu derartigen Dingen bekannt. Deshalb erübrigt es sich, auf die Ausführungen des Stadtv. Troß näher einzugehen.

Punkt 14 betraf die Miete für den der Häute- und Fetiverwertungsgesellschaft seitens der Stadt überlassenen Raum, die jährlich 100 Mark betragen soll. Die Stadtver­ordneten erklärten sich damit einverstanden.

Punkt 15: Wertzuwachs steuer für die Hen selstraße. Geh. Kommerzienrat Gail hatte seine an der Henselstraße gelegenen Grundstücke nach dem Infrafttreten der Wertzuwachssteuer verkauft. Diesen Verkauf beantragte die Deputation deshalb von der Zuwachssteuer auszuneh­men weil die genannte Straße ihren gegenwärtigen ein­wandfreien Zustand in erster Linie dem Wirten des Kom­merzienrat Gail verdanke. In anbetracht dieses Umstandes beschloß die Versammlung, dem Geh. Kommerzienrat Gail die mit 7664 Mt. veranschlagte Wertzuwachssteuer zu er­lassen.

Punkt 16: Niederschlagung von uneinbringlichen Ka­nalgebühren. Dieselben beliefen sich in dem abgelaufenen Verwaltungsjahr auf 705,18 Mt., welche die Stadtverwalt­ung niederzuschlagen beantragte. Die Stadtverordneten ge­nehmigten die Niederschlagung.

Punkt 17 betr. Wappen der Stadt Gießen wird erst in der nächsten Sitzung zur Verhandlung kommen. Punkt 18 war ein Gesuch des Männerturnver­eins um Ueberlassung des Triebs zur Feier seines 25 jährigen Bestehens. Dazu stellte die Kommission den An­trag, daß die Ueberlassung des Plates mit der Maßgabe erfolgen solle, daß der Weg bis auf die 3 Festtage selbst frei bleiben soll. Die Versammlung beschloß demgemäß. Punit 19 war Gesuch des Stemm und Ring= klubs um Ueberlassung des Triebs für seine Uebungen. Die Stadtverordneten beschlossen in zustimmendem Sinne. Punkt 20 befaßte sich mit der Verpachtung eines Pla­ßes an der Friedrichstraße an Heinrich Giehl zur Auf­stellung eines Wasserhäuschens. Der betreffende Platz war früher Eigentum des Stadtv. Winn und gehört gegenwär tig der Stadt; die jährliche Pacht für den Platz soll sich auf 30 Mart belaufen. Die Stadtverordneten genehmigten die Verpachtung.

Bunft 21 war Einführung des 8 Uhr Laden­schlusses für die Leder, Parfümerie- und Toilettewa­renhandlungen. Diese genannten Geschäfte wollen den 8 Uhr- Ladenschluß einführen und hatten zu diesem Zweck bei der Stadt um Erlaubnis dieses früheren Ladenschlusses nachgesucht, welche die Versammlung auf Befürworten des D.-B. Mecum auch einstimmig erteilte.

Der letzte Punkt der Tagesordnung behandelte ein Ge­such des Georg Ehrhardt um Erlaubnis zum Schant­wirtschaftsbetrieb im Hause Bleichstraße 31. Da dieses Ge­such zu irgend welchen Ausständen Anlaß nicht gab, fand es auf Befürworten der Deputation die einstimmige Ge­nehmigung der Versammlung. = h=

Lokales.

Gießen, 7. Mai 1910.

** Der Großherzog empfing am Dienstag den Konsul von Passavant aus Frankfurt a. M.

** Die Großherzoglichen Herrschaften begaben sich am Mittwoch nach dem Truppenübungsplab, stiegen daselbst zu Pferde und wohnten hierauf der feierlichen Uebergabe der neuen Fahnen an das Infanterie- Regiment Nr. 168 bei. Scdann erfolgte die Rückkehr nach Darmstadt.

-h- Vom Tage. Aus der Wohnung einer Frau wurde von einem Bettler, der um eine Gabe vorgesprochen und diese auch erhalten hatte, ein Ueberzieher entwendet.

* Kreisrinderzuchtverein. Im Cafe Ebel fand unter Vorsitz des Regierungsrats Dr. Merck die Ge­neralversammlung des Kreisrinderzuchtvereins statt. Nach dem Jahresbericht zählte der Verein in 10 Ortsgruppen 400 Mitglieder. Der Kassenbericht ergab 261,24 Mr. Ein­nahmen und 39,65 Ausgaben; verblieb ein Ueberschuß von 221,59 Mt. Das Vereinsvermögen erreichte die Höhe von 1702,02 Mr. Der Voranschlag für 1910 schließt in Ein­nahmen und Ausgaben mit 371.59 Mt. ab. Der Verein beschloß, sich an der landw. Ausstellung in Kassel 1911 mit ungefähr 10 Bullen und einer doppelt so großen Zahl weiblicher Tiere zu beteiligen.

* Rindvieh markt. Der Rindvichmarkt am leß ten Dienstag und Mittwoch brachte einen Auftrieb von 1270 Stück Rindvieh und 568 Schweine. Besonders stark war die Nachfrage nach Milchfühen, welche folgende Preise er zielten: 1. Qualität 500-525 Mt., 2. Qualität 410 bis 470 Mt. und 3. Qualität 350-400 Mt. Auch die Preise auf dem Kälbermarkt zogen an. Der Zentner Schlachtge­wicht brachte hier in 1. Qualität 75-84 Mt., in 2. Qua­lität 70-75 Mt. und in 3. Qualität 65-70 Mr. Bei den fetten Ochsen kostete der Zentner Schlachtgewicht 82-85 Mark. Der nächste Markt findet am 24. und 25. Mai statt. An dem letzteren Tage ist auch Krämermarkt.

= p Warnung! Seit einigen Jahren wird im Großherzogtum ein schwunghafter Handel mit sogenannten Viehpulvern und ähnlichen Geheimmittein( Freß-, Mast-, Kraft, Milchpulver und dergl.) betrieben. Dies muß aber als ein die Interessenten des Bauernstandes in hohem Grade schädigender Uebelstand bezeichnet werden. Eine marktschrei­erische und wahrheitswidrige Reklame, mit der solche Mit­tel angepriesen werden, ist darauf berechnet und geeignet, die Landwirte irre zu führen und sie zu veranlassen, Mit­tel zu kaufen, deren Wert und Wirkung in gar keinem Ver­hältnisse stehen zu den dafür gezahlten Preisen. Da die in Betracht kommenden Mittel vielfach als Heilmittel gegen Tierfrankheiten angepriesen und vertrieben werden, kann dies leicht die bedenkliche Folge haben, daß deren Anwendung die sachgemäße und rechtzeitige Behandlung der erkrankten | Tiere verzögert oder verhindert. Die Landwirte werden deshalb vor dem Ankauf dieser Geheimmittel gewarnt.

!! Eine Entscheidung von weittragen­der Bedeutung fällte das Landgericht zu Darmstadt. Der Fabrikant Klein zu Bensheim flagte gegen die groß­herzogliche Brandversicherungstasse auf Zahlung von 5500 Mark für bei dem Brand seines Fabrikgebäudes stehen ge­bliebene und nicht entschädigte Fundamente. Das Landge­richt gab der Klage dem Grunde nach statt, wodurch fest gelegt ist, daß die Brandversicherungstämmer auch für Ge­bäudeteile, die nicht abgebrannt, aber bei einem anderwei­ten Bau nicht verwandt werden können, Entschädigung zu leisten hat.

*

Zur Reichstagserfahwahl Friedberg- Büdingen.

Friedberg, 6. Mai. In der heute Abend abge­haltenen Sitzung von Vertrauensmännern der National= liberalen und der Fortschrittlichen Volkspartei wurde Prof. van Calker- Straßburg als gemeinsamer Kandidat für die Reichstagsersatzwahl aufgestellt.

Der Bund der Landwirte hat nun endgültig seinen Wahlkreisvorsitzenden, Rechtsanwalt von Helm o lt zum

Kandidaten nominiert.

Die Neuorganisation

der hessischen Staatsbauverwaltung.

Von Seiten des Verbandes der akademischen Staats baubeamten Hessens ist dem Großh. Ministerium ein Ent­wurf zur Vereinfachung und Verbilligung des Staatsbau­wesens vorgelegt worden, nach dem von den bisherigen 45 alademischen Lokal- Baubeamten mindestens neun gespart werden können und damit ferner die entsprechenden fach lichen Kosten. Da dieser Entwurf von dem genannten Ver­band freiwillig erfolgt ist, verdient dies Vorgehen um so mehr Anerkennung und Beachtung als die Beteiligten ohne Rücksicht auf die sich durch die eventuelle Ausführung des Entwurfs verschlechternden Anstellungsverhältnisse allein das allgemeine Interesse im Auge haben. Es dürfte dies wohl der erste Fall sein, daß von der Gesamtheit einer Beam­tengruppe auf eine für sie zu einer Stellenverminderung führende Neuorganisation geraten wird. Allerdings muß man auch von den mit dem praktischen Erwerbsleben in unmittelbarer Verbindung stehenden Baubeamten erwarten, daß sie zu den praktischen Fragen unserer Zeit Stellung nehmen und sich mit allen Kräften von dem manche Be­amtentlassen leicht ergreifenden Bureaukratismus freihalten, was auf die Dauer nur dadurch geschehen kann, daß den neuen Bauämtern bei größtmöglichster Verantwortung auch größtmöglichste Selbständigkeit gegeben wird, woran vor allem die Allgemeinheit und besonders die auf die praf­tische Einsicht der Baubeamten angewiesenen Handwerker­und Arbeiterkreise das größte Interesse haben. Keiner, der die Organisation unseres derzeitigen Staatsbauwesens tennt, wird sich der Einsicht verschließen, daß gerade dieses Ge­biet einer Vereinfachung dringend bedürftig ist. Zur Zeit unterstehen die hessischen Staatsbaubeamten teils dem Mi­

Das Museum für Völkerkunde in Gießen.| Ganzpunkt unstreitig die Abteilung Per u" mit ihren

Die in einer früheren Nummer der Gießener Zeitung" bereits erwähnte ethnographische Sammlung ist nun bis auf weiteres in dem Turmhaus am Brand untergebracht und für jedermann unentgeltlich von 11-1 Uhr und 3-6 Uhr geöffnet. Es läßt sich heute schon feststellen, daß Gie' ßen mit der Sammlung einen Schatz erhalten hat, der mit Recht ein Gegenstand des Neides unserer Nachbarstädte wer­den dürfte. Eines nur fann hierbei Bedauern erwecken, nämlich daß sich infolge des beschränkten Raumes in dem alten Schloß nicht ein Platz für die Sammlung gefunden hatte. Denn zweifellos würden die steinzeitlichen Funde in dem Museum des Oberh. Geschichtsvereins eine würdige Ergänzung durch die in der Sammlung vertretenen Haus­haltungsgegenstände der Australierstämme erhalten haben, die ja auch heute noch teilweise in einer Steinzeit leben. Da nun, wie gesagt, das gegenwärtige Heim der Ausstell ung nur ein vorübergehendes ist, kann es nur der Wunsch eines jeden Kunstliebhabers sein, daß die Sammlung mög lichst bald einen geeigneten, dauernden Unterkunftsort halten möchte. Als solcher dürfte in erster Linie wegen der Nähe des Museums des Oberh. Geschichtsvereins ein Ge­bäude an dem Brandplay und zwar das neue Schloß in Betracht kommen, dessen renovierter Saal sich vortrefflich zur Aufnahme der Sammlung eignen würde. Ganz sicher würde auch der Staat der Stadtverwaltung den genannten Raum für einen derartigen Zweck sehr gerne zur Verfüg­ung stellen, da solche Sammlungen nicht wenig zur Volts­bildung beitragen.

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Alle größeren unkultivierten oder halbgesitteten Völker­schaften der Erde sind durch ihre verschiedenartigsten Ge­brauchsgegenstände auf der Ausstellung vertreten, deren

Mumien und Tongefäßen aus der Inkazeit bildet. Was die Mumien anbetrifft, so sind dieselben noch ganz gut erhal ten. Auch die Tongefäße haben durch ihren langen Auf­enthalt in der Erde wenig oder gar nicht gelitten; ihr Bau erinnert äußerlich an die Amphoren der Griechen, ohne daß sie jedoch denselben an Größe gleichkommen.

Auch die Abteilung a pan" darf einen hervorragen­den Platz in der Sammlung umso eher beanspruchen, als der russisch- japanische Krieg wie ehedem schon der Krieg Japans gegen China von neuem die Aufmerksamkeit der gesitteten Welt auf die japanische Inselgruppe gelenkt hat. Das ganz besondere Interesse des Besuchers erwecken hier die japanischen Malereien, auf deren Farbenbetonung ja auch der sogenannte Impressionismus sein Entstehen zu= rückführt. Aus der Zeit vor dem Sturz des Shogunats sind verschiedene Waffen bemerkenswert, während die Ge­genstände der mit dem Sturz des Shogunais ihren Anfang nehmenden modernen Zeit Japans schon vielfach an Eu­ropa erinnern, wie beispielsweise heute das in dieser Ab­teilung auch vorhandene Papier des Nodzustrauches dem europäischen Papier bereits vollkommen gewichen ist. Das Schwestervoll Japans, China, ist namentlich durch Budhastatuen und Musikinstrumente vertreten, welch letztere mitunter die seltsamsten Formen zeigen.

Einen größeren Raum in der Ausstellung nehmen fer­ner die deutschen Schutzgebiete ein. Hier fesselt den Besucher in erster Linie Uganda durch die verschiedenartig­sten Waffen seiner Bevölkerung. Kamerun und Togo zeigen ihre Eigenarten durch die gleichen Gegenstände, währ­end Kaiser Wilhelms- Land in der Abteilung Neu- Guinea zu finden ist, die durch ein Kanoe mit zwei schön verzierten Rudern dem Beschauer im Verein mit

nisterium der Finanzen, teils dem Ministerium des Innern, wovon einzelne wieder dienstlich den Kreisämtern ange gliedert sind. Die hierdurch geschaffenen Zustände sind auf die Dauer unhaltbar. Hoffentlich wird mit ihnen nun auf geräumt und zwar am besten durch Schaffung selbständiger, nur einem einzigen Ministerium unterstehender Bauämter in entsprechender geringerer Zahl als seither.

Aus aller Welt.

* Berlin. Der Reichstag nahm das Ausführungs­gesetz zu der revidierten Berner Konvention zum Schuße von Werken der Literatur und Kunst an. * Köln. Nach einer vorläufigen Prüfung des 32" erklärte Oberingenieur Dürr, daß der Inhalt der Gondeln, die Apparate und Motore ziemlich unbeschädigt sind. Wenn das Reich den Auftrag gebe, hoffe man" 32" in Fried­richshafen bis zum Herbst wieder herzustellen. Ein Drittel des Luftschiffes fönne wieder verwendet werden. Am Mitt woch wurde das gesamte Material nach Friedrichshafen ge schickt. In militärischen Kreisen wird die Errichtung einer großen Luftschiff Reparaturwerkstätte in Köln ernstlich er­wogen.

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* Straßburg i. E., 5. Mai. Der deutsche Avi­atifer Wienecziers unternahm unter ungeheurem Jubel der Bevölkerung von dem 4 Kilometer entfernt liegenden Trup­penübungsplatz Polygon aus mit seinem Antoinettemono­plan einen Flug um das Straßburger Münster, wobei er sich zeitweise in einer Höhe von 200 Metern bewegte und den Münsterturm zweimal umkreiste. Für den Flug hatten der Statthalter Graf Wedel, Staatssekretär von Bulach u. einige Bürger Preise ausgesetzt.

* Wien. Das Bekenntnis Hofrichters hat zur Ge wißheit ergeben, daß er den Entschluß zu dem Verbrechen bereits vor Jahresfrist gefaßt und es in allen Einzelheiten vorbereitet hat. Frau Hofrichter ist völlig gebrochen. Sie will um die Genehmigung einkommen, für sich und ihr Kind ihren Mädchennamen annehmen zu dürfen.

* Christiania. Am Dienstag fand in Christia­nia die seierliche Beise zung Björnsons statt. Außer dem Königspaar waren anwesend: Björnsons Familie, die Ver­treter ausländischer Fürsten, darunter Legationssekretär von Malzan, der den deutschen Kaiser vertrat, der Stadtver waltung, der Gesellschaft der Wissenschaften, Mitglieder der Regierung und des Storthings und der norwegischen, dä­nischen und schwedischen Schriftstellervereine. Professor Frithjof Nansen hielt die außerordentlich warm empfundene Gedächtnisrede. Es wurden ungezählte Kränze niedergelegt, darunter auch solche vom deutschen Kaiser und dem deut­schen Reichskanzler."

Beitungslektüre im Schulunterricht.

Die beklagenswerte Tatsache, daß die Zöglinge unserer Schulen vom öffentlichen Leben im allgemeinen wenig Kenntnisse besitzen, ist schon mehrfach im Parlament, wie in der Presse einer eingehenden und berechtigten Kritik un­terzogen worden. Hier und da sind in den Schulen( ver gleiche Art. Zeitungslektüre als Schulunterrichtsfach in Nr. 59) behuss Einführung eines staatsbürgerlichen Unterrichts, einige Ansäße gemacht worden, aber derartige Schulen sind tatsächlich an den Fingern zu zählen. Erfreulicherweise will man jetzt im Königreich Sachsen nach dieser Richtung hin vorgehen. Eine allgemeine Verordnung ist soeben vom säch sischen Kultusministerium an die Leiter der höheren Lehr­anstalten ergangen, in welcher gewisse Grundsätze für eine staatsbürgerliche Erziehung niedergelegt werden. Zu einem besonderen Unterricht in Staats- und Bürgerfunde kann man sich allerdings nicht entschiießen, es soll der Versuch ge­macht werden, die Ausgaben im Rahmen der bestehenden Lehrpläne zu lösen. namentlich beim Geschichtsunterricht, sowie gleichzeitig der Heimat und Erdkunde. Es soll sich nicht darum handeln, den Schülern Abfragewissens über die staatlichen Einrichtungen mitzuteilen, sondern vielmehr ihr Verständnis und ihre Empfänglichkeit für das Staats­und Wirtschaftsleben der Gegenwart zu wecken und sie für die Zukunft fähig zu machen, die Erscheinungen des öffent lichen Lebens zu beobachten und zu würdigen. Hier erwächst währ.ich dem Lehrerstand eine herrliche Aufgabe, der er sich sicherlich mit Freude unterziehen wird, soweit dies bis­her noch nicht geschehen konnte. Die Schule soll immer mehr, wie es bis jetzt der Fall ist, für das fünftige Leben vorbereiten, allerdings nicht für besondere Spezialfächer, wohl aber soll eine Grundlage geschaffen werden, damit der Knabe oder das Mädchen, wenn sie aus der Schule ins Leben hinaustreten, doch einigermaßen Ahnung von Ordnung der Dinge haben, in denen sie stehen. Nicht über all kann, wie es vielleicht ergänzend geschehen könnte, das Elternhaus eingreifen, denn selbst in gebildeten Kreisen fann man nur zu oft die Wahrnehmung machen, daß der Familienvorstand von öffentlichen Einrichtungen und dergl. faum eine Ahnung hat.

Vermischtes.

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Eine alte Bauernregel übers Kar­toffellegen lautet:

Legst du mich im April, komm' ich wenn ich will; Legst du mich im Mai, komme ich glei." Dies soll sagen, daß man gut tut, auch bei mildem

zahlreichen Waffen ein getreues Bild von der Gesittung der Bewohner der genannten Insel gibt. Die Kultur der Sa­moaner schildert gleichfalls eine große Anzahl von Waffen, zu denen sich eine ebenso umfangreiche Auswahl von Haus­haltungsgegenständen gesellt, welche für eine hohe Intelli­genz dieses Volkes sprechen.

Indien hat zu der Sammlung neben Dolchen auch zwei prächtige Gebetsteppiche beigesteuert, welche aber wohl schon den in diesem Lande immer mehr vordringenden mechanischen Spinnereien ihr Entstehen verdanken.

In der Abteilung Birma" verdient ein aus Pal­Er menblättern mühsam zusammengestelltes Arzneibuch wähnung, das heute infolge des Vordringens des europä ischen Papiers in diesem Lande ziemlich selten geworden

ist.

Schließlich dürfte noch die Abteilung Australien" sowohl der bereits erwähnten Steinwerkzeuge halber als der sogenannten Bumerangs wegen anzuführen sein, welche be­fanntlich zum Erlegen der kleineren Tiere dienen, aber ihre größere Kenntnis in Europa hauptsächlich der Eigentüm lichkeit ihres Fluges verdanten.

Zweifellos wird die Ausstellung durch ihre Gediegen­heit auch den Kenner zufrieden stellen können. Wenn nun manche Abteilungen der Sammlung eine größere Reichhal­tigkeit vermissen lassen, so steht ganz gewiß zu erwarten, daß die Opferwilligkeit des Gießener Publifums in bereit willigster Weise die noch vorhandenen Lüden durch frei willige Spenden ausfüllen wird. Denn daß die Sammlung bei der Gießener Bürgerschaft wirklich Antlang gefunden hat, das konnte vor allem der gute Besuch beweisen, dessen sich die Ausstellung seit ihrer am Sonntag erfolgten Eröff nung seitens aller Schichten der Bevölkerung zu erfreuen = h- hatte.

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