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ermordet. Der Schweizer hatte oas Mädchen mit Heiratsanträgen bestürmt, von denen dieses aber nichts wissen wollte. Gegen mittag nun überfiel der Mann im Stalle das Mädchen und schnitt thm im Stalle mit einem scharfen Rastermesser den Kopf vom Rumpfe. Darauf brachte er sich selbst durch zahlreiche Stiche in die Brust, am Halse, sowie Durchschneiden der Pulsadern lebensgefährliche Verlegungen bei.
Schwerer Eisenbahnfrevel. Der 1 Uhr 5 Min. nachmittags in Naumburg eintreffende Personenzug der Unstrutbahn mußte gestern bei dem Dorfe Nißmit zweimal halten, weil unbekannte Frevler, um den Zug zur Entgleisung zu bringen, am Schienenstrang an zwei Stellen einen eisernen Kasten, sowie zentnerschwere Steine befestigt hatten. Der nachmittags 2 Uhr 58 Min. in Naumburg eintreffende Personenzug mußte gleichfalls bei dem Dorfe Nißmiz halten, weil die Schienen mit eisernen Schaufeln und schweren Bruchsteinen versperrt waren. Die Eisenbahndirektion Erfurt sette eine Belohnung von 300 M für die Ermittelung der Täter aus.
Ein Richter von einem Kollegen verprügelt. Vor dem Gericht zu Nagyhalmagy in Ungarn kam es zwischen dem Bezirksrichter Köhalmy und dem Verhandlungsleiter aut einem heftigen Wortwechsel. Köhalmy verlangte ritterliche Genugtuung, die der Richter mit Rücksicht auf seinen Stand verweigerte, worauf köhalmy den Richter durchprügelte. Das Gericht Nagybuttin, das nun über die Affäre zu urteilen hatte, verdammte Köhalmy bloß zu einer Geldstrafe von 250 Kronen und erklärte es als Milderungsgrund, daß Köhalmy als Reserveoffizier gezwungen war, nach der Ablehnung der ritterlichen Genugtuung den Beleidiger zu insultieren, da er sonst seines Offiziersranges verlustig gegangen wäre.
Ein verbrecherischer Anschlag in einer französischen Kohlengrube: In den Marsgruben bei Saint- Etienne wurde gestern ein Akt verbrecherischer Sabotage entdeckt. Ein die Gruben besichtigender Aufseher fand in den Galereien etwa fünfzehn hölzerne Stüßpfeiler in ganz charakteristischer Weise angesägt, so daß sie jeden Augenblick brechen konnten. Hätte sich der Zusammenbruch zur Zeit der Arbeit in jenen Galerien ereignet so wäre durch das Nachstürzen von Erd- und Gesteinsmaffen eine furchtbare Katastrophe eingetreten, der sicher zahlreiche Arbeiter zum Opfer gefallen wären. Der betreffende Minengouverneur erstattete von dem Funde Anzeige bei der Grubendirektion und der Staatsanwaltschaft und benachrichtigte die Inge= nieure von der Dringlichkeit der Gefahr. Eine gerichtliche Untersuchung ist in der Stille eingeleitet worden. Die Behörden bewahren vorderhand über den Gang dieser Erbebungen strengites Schweigen. Immerhin steht es über allem Zweifel fest, daß hier keine sträfliche Nachlässigkeit sondern ein Verbrechen vorliegt. Die Erregung unter der Bergarbeiterbevölkerung der ganzen Gegend ist ungeheuer, da noch niemals ein derartiger Anschlag gegen das Leben der Grubenleute geschehen ist
Was geschicht mit den Cookschen Papieren? Die Frage, was mit den Papieren anzufangen ist, die Cook der Univerfität Kopenhagen zur Prüfung übergeben hat und die durch das Verschwinden Cooks, vorerst wenigstens, herrenlos geworden sind, hat vor einigen Tagen die Univcef= tätsbehörden der dänischen Hauptstadt beschäftigt. In dieser Sizung versuchte niemand mehr, das Verhalten Cooks auch nur zu erklären, im Gegenteil, der einstimmig gefaßte Beschluß über die weitere Verwendung seines Beweismoterials" ließ zur Genüge erkennen, mit welcher Lerachtung der einst so gefeierte Forscher" von den dänischen Gelehrten jetzt behandelt wird. Nach kurzer Beratung fam man zu dem Erkenntnis, den Dr. Cook trotz seiner wissenschaftlichen Vergangenheit nicht mehr als Gelehrten oder ernsthaften Forscher, sondern als Fälscher und Betrüger zu betrachten und ihn in diesem Sinne auch zu behandeln. Von dem ursprünglichen Gedanken, seine Aufzeichnungen dem Universitätsarchiv oder den Beständen der königlichen Bibliothek einzuverleiben, trat man daher wieder zurück und hat die Papiere Cooks dem Kriminalmuseum in dopenhagen überwiesen, das von der dortigen Polizeivermor= tung feit langen Jahren unterhalten wird. In dem Archiv dieses Museums werden die Aufzeichnungen Cooks untergebracht, und zwar in jener Abteilung, in dem Briefe und sonstige Handschriftliche Dokumente der berühmtesten dänischen Fälscher und Gauner aufbewahrt werden.
Ein fürstlicher Heiratskandidat. Budapester Blätter haben dieser Tage das folgende Inserat veröffentlicht: „ Ein deutscher Prinz, der ein Riefenvermögen in Gütern besitzt, aber 750 000 Gulden Geldschulden hat, bietet jedem ungarischen Mädchen Herz und Hand, das eine zur Bezahlung der Schulden genügende Mitaift, erhält. Der Bewerber ist 40 Jahre alt, von dynastischem Wuchs und hat Zutritt beim deutschen Kaiserhofe. Besonders zu beachten ist, daß der Prinz ungarisch spricht."
Eine schändliche Eheintrige beschäftigt zurzeit die Behörden und Bewohner der südfranzösischen Stadt Bayonne. Der Staatsanwaltschaft von Bayonne übergab ein Herr namens Bounsfonnie einen angeblich von ihm aufgefangenen, an seine Gattin gerichteten Brief eines Liebhabers, worin es heißt:„ Nur Gift fann Dich freimachen, und unser Glück wird vollständig sein." Der Untersuchungsrichter erkannte schon beim ersten Verhör der Frau Bounsfonnie, daß es sich um ein gegen sie gerichtetes tückisches Manöver handle. Der Gatte, in die Enge getrieben, gestand schließ= lich, daß er den Brief auf Veranlassung seiner Geliebten abgesandt und, daß sie den verleumderischen Zettel nach setnem Diktat geschrieben habe. Weitere Nachforschungen ergaben, daß Bounssonnie seiner Frau einmal Arsenik in die Suppe geschüttet hatte. Das Gift war ihm von der Geliebten geliefert worden. Diese versuchte sich gestern zu erhängen, wurde aber noch vechtzeitig abgeschnitten.
Schwere Vorwürfe gegen die Behörden von Messina. Der italienische Gelehrte Guido Alfani vom Observatorium in Florenz erhebt schwere Anklagen gegen die Behörden von Messina und Kalabrien, weil sie nicht die geringsten Vorfehrungen zum Schuße gegen Erdbeben getroffen haben. Als einen Hauptgrund für die großen Verluste an Menschenleben im Vorjahr gibt Alfani die nachlässige Bauart der Häuser von Messina an. Seiner Ansicht nach wird bei dem Wiederaufbau der Stadt nichts getan. um eine Wiederholung des furchtbaren Unglücks zu vermeiden. Als Beispiel für die unsolide Bauart der Häuser gibt er an, daß an Stelle von Mörtel und Kalk vielfach Schlamm zum Verbinden der Bausteine verwendet wird. Er erklärt, daß das Messina, das jebt aufgebaut wird, nichts anderes als ein ungeheures Grab für die kommenden Geschlechter sei. Anstatt die Stadt, die auf derartig gefährlichem Boden sich erhebt, so anzulegen, daß bet einem erneuten heftigen Erdbeben nicht die schüßenden Häuser selbst die Ursache des Unterganges der Bevölkerung werden, beherzigt man keineswegs die Lehren der Vergangenheit, sondern wiederholt die Fehler nur noch in größerem Maßstabe. Vor allen Dingen tadelt er die mangelnden Vorsichtsmaßregeln beim Bau der Hafenstraße Palazzata, die vom Meere unterspült wird, ohne daß genügende Versteifungen und Aufschüttungen stattfinden.
Das erste chinesische Kursbuch. In den nächsten Tagen wird das erste amtliche chinesische Kursbuch ausgegeben werden. Einer der höheren Beamten des chinesischen Verkehrsministeriums hat sich vor einigen Wochen nach Japan begeben, um die dort geltenden Eisenbahnverkehrsbestimmun= gen zu studieren. Er hat nunmehr ein den chinesischen Verhältnissen angepaßtes Handbuch des Eisenbahnverkehrs zusammengestellt, das als einen Anhang die Fahrpläne sämt= licher chinesischen Eisenbahnen enthält. Das Verkehrsministerium hat angeordnet, das Handbuch unverzüglich in
Druck zu geben und an sämtliche Eisenbahnverwaltungsstellen zu verteilen.
Tenre Festblumen. Aus Neuyork wird berichtet: Von Jahr zu Jahr steigen die Aufwendungen, die die Amerifaner machen, um ihren Freunden zu Weihnachten und zum neuen Jahre durch Blumenspenden eine Aufmersamkeit zu erweisen. Die Blumenhändler haben gute Tage. In Neuyork bezahlt man jetzt bereits 144 M für das Dußend blühender American Beauty- Rosen und die Vorräte genügen nicht der Nachfrage. Für andere Rosen sind 60, 70, 100. ja 120 M für das Dußend ein völlig normaler Preis. Für Was= serlilien bezahlt man einen Dollar für das Stück, Azalten 6 M für das Dutzend Blüten; nur die Orchideen sind im Preise gesunken und mit 6 M für die Blüte„ billig" zu faufen.
Eine historische Ueberwurst. In einem alten geschichtlichen Werk über Preußen wird erzählt, daß die Fleischer= meister in Königsberg in Ostpreußen zum 1. Januar 1600 vermutlich, um den Jahrhundertwechsel durch eine große Tat zu feiern- eine Wurst hergestellt hatten, die wohl die Bezeichnung leberwurst" verdient. Sie hatte die stattliche Länge von 1005 Ellen und das nicht minder stattliche Ge= wicht von 885 Pfund. Gemeint ist wahrscheinlich die sogenannte furze Elle; trotzdem kann die Wurst nicht sehr dick gewesen sein, und man scheint den größeren Wert auf ihre Länge gelegt zu haben. Die Riesenschlange wurde in feierlichem Aufzuge von 103 Fleischergesellen durch die Stadt ge= tragen. Verwendet wurden zu ihrer Herstellung 81 Schweineschinken, gleich 118 M 10 Broschen; anderthalb Tonnen Salz, gleich 3 M 5 Gr.; anderthalb Tonnen Vier, gleich 3 M; 18% Pfund Pfeffer, gleich 24 M 13 Groschen. Für Kränze zur Schmückung der Wurst wurden 112 M 16 Groschen und 3& verwendet. Es fällt uns auf, daß der Chronist behauptet, es sei auch Bier zur Wurst genommen; das soll aber in der Tat früher häufig geschehen sein. Im ganzen kostete die Wurst nach damaligem Gelde 412 Taler 16 Groschen 3 Pfennige, wobei der Taler zu 36 Groschen gerechnet ist. Da die Königsberger Bäcker von den Fleischern eingeladen waren, an der Vertilgung der Wurst teilzunehmen, so lieferten sie als Gegenleistung 8 Brezeln und 6 Handbrezeln. Von den ersteren waren zwei 43%, Ellen lang. Uebrigens konsumierten nach demselben Berichte die 3 Meister und, 87 Geselien, die die Riesenwurst herstellten, bei ihrer anderthalbtägigen Arbeit für 480 M Bier. Die Ueberwurst scheint also schon vor ihrer Vertilgung auch et= nen Ueberdurst erzeugt zu haben.
Das Nordpolbankett. Gerade in diesen Tagen, wo die Ansprüche Dr. Cooks auf die Entdeckung des Nordpols als unerwiesen abgelehnt worden sind, hat ein in England le= bender Millionär, Mr. George A. Keßler, der schon in früHeren Jahren durch seine exzentrischen Diners von sich reden machte, den Nordpol als Motiv für ein Prunkmahl berußt. Vor vier Jahren gab er im Savoyhotel ein Gondelbankett, bei dem der Wintergarten in eine Lagune verwan= delt worden war. Diesmal wurde der Festsaal in nur 2½ Stunden in eine arktische Landschaft verwandelt; die Gäste des erzentrischen Millionärs wandelten zwischen Eisbergen, in deren Mitte sich der„ Große Nagel", der Nordpol erhob. Peary und Cook suchten von verschiedenen Seiten den Nordpol zit erreichen. Die 34 Gäste speisten an einem Tisch von tmitiertem Schnce, der den Nordpol umgab. Imitierter Schnee bedeckte auch den Boden, und wundervolle schneeweiße Chrysanthemen zierten das Gitterwerk grünen Ge= ranks, das alle Wände bedeckte. Weiße Gardenien wurden den Damen überreicht; kleine Schneemänner präsentierten die Namensfarten, weiße Stühle harrten der Gäste, und das Menü flatterte als amerikanische Fahne über dem Nordpol. Es war natürlich zum größten Teil aus kostspieligen Leckerbissen zusammengesetzt, die Polarnamen trugen. Die Kellrer waren als Eskimos verkleidet, und zum Schluß verteilte der Gastgeber aus dem Dollarlande unter seine PoTaraäste Weihnachtsgeschenke, die unter vier mit silbernen Giszapfen behangenen Christbäumen lagen. Das Nordpolbanfett foftete die Kleinigkeit von 40 000 M, und da nur 34 Gäste daran teilnahmen, so kann man ausrechnen, daß sich das Kuvert auf 1200 M ſtellte.
Das boshafte Dienstmädchen. Sie haben schon wieder meine Lackschuhe angehabt, Minna!"- Ach, pardon, gnädige Frau, ich verwechsle sie in der Eile immer mit meinen Gummischuhen!"
Die Panik im Eisenbahnzuge.
Aus Dresden wird der Tägt. Rdsch." geschrieben: Ea ist schon gemeldet worden, daß in diesen Tagen der München Dresdner D- Zug dicht vor Freiberg plöblich dadurch zum Halten auf freier Strecke genötigt wurde, daß der Sturm mehrere große Bäume entwurzelte, die mit den Wipfeln auf den Zug stürzten, wodurch eine große Anzahl Fensterscheiben zertrümmert wurden. In der amtlichen Mitteilung über den Unfall wird noch gesagt: ,, Sätten sich die Bäume, die erst hinter der Lokomotive den Zug trafen, nur wenige Sekunden früher über das Gleis gelegt, so wäre eine Entgleisung kaum zu vermeiden gewesen, die allerdings bei der Schnelligkeit des Zuges ein großes Unheil hätte anrichten fönnen." Sehr anschaulich schildert eine Reisende, die im Zug saß, den Unfall: In den Coupees waren schon die Lampen angezündet, doch konnte man noch deutlich unterscheiden, wie der orfanartige Sturm drauhen die Wipfel der Bäume beugte. Trotz des Rollens der Räder vernahmen wir die Stöße des Sturmes, die, wie es schien, mit immer größerer Gewalt einherbrausten. Plößlich dröhnte ein entsetzliches Krachen durch den Zug, ein Rucken und Stoßen erschüttert die Wagen, über unseren Köpfen erschallt ein Donner, als bräche mit Macht die Decke hernieder, ein Splittern und Krachen ist uni uns, mit hellem Geffirr brechen draußen im Gang die großen Fensterscheiben an unseren Coupeetüren und zerschellen auf dem Boden in tausend Stücke. Ein Schreien durchgellt den Wagen; wer sollte bei diesem typischen Zeichen einer Katastrophe nicht das schlimmste befürchten! Die Menschen klammern sich in ihrem Schrecken an die Gepäcknete, um dem Erdrücktwerden auf den Bänken zu entgehen, Stoßgebete durchhallen den Raum. Mir gegenüber verfällt ein junges Mädchen in Krämpfe, in der anderen Ecke ist eine Frau ohnmächtig umgesunken. Wir erwarteten jede Sefunde, daß sich unser Wagen hebt, oder daß er aus dent Gleise geschleudert wird. Entsetzliche Augenblicke, die man nie vergessen wird. Jetzt hören wir, wie die Bremsen sich mit ungewöhnlicher Wucht an die Räder legen. Nach schrecklichen Stößen und Rucken hält endlich der Zug: Die Fenster reißen wir auf, da sehen wir, daß wir mitten im Walde halten. Das Zugpersonal durcheilt die Wagen und ersucht die aufs höchste erregten Reisenden, sich zu beruhigen. Man spricht von einem Blißschlag, einer Windhose, umgestürzten Bäumen u. a. Nach viertelstündiger genauester Prüfung aller Räder, sette der Zug seine Fahrt langsam durch den Schneesturm fort. In Dresden, wo wir natürlich mit Verspätung eintrafen, mußte der ganze Zug, in dem man die Glassplitter förbeweise sammelte, ausgewechselt werden, so daß der um 5 Uhr nach Breslau abgehende Zug aus neuen Wagen zusammengestellt werden mußte."
Tödlicher Unfall eines Luftschiffers.
Der farnzösische Aviatiker de la Grange ist mit seinem Aeroplan abgestürzt und war auf der Stelle tot. Weiter wird noch zu dem Unfall gemeldet: Bordeaux, 4. Januar. Der verunglückte Aviatiker de la Grange ist heute nachmittag gegen 3 Uhr mit seinem
Monoplan auf dem Flugplatz Croir d' Hins ausgestiegen. Die Flugmaschine flog glänzend. Bei einem zweiten Versuch erhob sich de la Grange zu 30 Meter Höhe und hatte eben die dritte Runde vollendet, als infolge eines heftigen Windstoßes der linke Flügel der Maschine brach und der rechte sich senkte. Der Aeroplan fiel auf den Abhang einer 20 Meter hohen Anhöhe, stieß dabei gegen einen Wagen und gegen einen Schuppen und stürzte dann zu Boden. De la Grange wurde kopfüber von seinem Size geschleudert und blieb sofort tot. Im Gesicht hatte er eine Verletzung über dem linken Auge erlitten, aus dem rechten Ohr floß Blut und ein Bein war gebrochen.
Noch ein aviatischer Unfall.
Baris, 5. Januar. Auch auf dem Lagerfelde von Chalons ereignete sich gestern ein Unfall. Die jugendliche Aviatikerin de la Roche wollte den von ihr vor kurzer Beit gekauften Voisin- Apparat erproben. Bei leichtem Win de erhob sie sich bis zu 5 Meter in die Luft, doch schon bei der ersten Runde fuhr sie infolge eines ungeschickten Manövers gegen die das Aerodrom umgrenzenden Bappeln. Der Apparat stürzte herab und zerbrach. Die Flie gerin wurde von ihrem Size geschleudert und fam neben den Apparat zu liegen. Besinnungslos brachte man sie nach ihrem Schuppen. Sie flagte über heftige innere Schmerzen. Aeußerlich war nur eine Schulterverrenkung festzustellen.
Vom deutschen Ballon Luna
und seinem Führer Leutnant Richter ist bis jetzt teinerlei. Nachricht eingetroffen. Man gibt nunmehr den Ballon und den Luftschiffer verloren und hofft nur noch auf die Auffindung beider. Von den nordischen Regierungen ist ebenfalls bis jetzt keine Nachricht nach Deutschland gelangt, obwohl sie eifrig bemüht sind, Spuren des Vermißten auf zufinden. Man erzählt sich, daß Leutnant Richter von seinen. Eltern ausdrücklich vor dem Antritt dieser Rekordfahrt gewarnt worden ist.
Drabtnachrichten und Deaestes.
Aus dem Reichslande.
Straßburg i. E., 5. Januar. Der Statthalter Zorn ven Bulach veröffentlicht in der amtlichen Korrespondenz ein Schreiben an die Bischöfe von Meß und Straßburg, in dem er gegen den Erlaß der Bischöfe Stellung nimmt, der die reichsländischen Lehrer von dem Anschluß an den allgemeinen deutschen Lehrerverein abhalten soll. Der ErTaß der Bischöfe wird als ein Eingriff in die Staatshoheitsrechte bezeichnet, der entschieden zurückgewiesen werden müsse. Vorbereitungen zum Bergarbeiterstreik.
Bochum, 5. Januar. Einen wichtigen Beschluß hat eine Vertrauensmännerversammlung des alten Bergarbeiterverbandes gefaßt. Um die Kampffähigkeit des Bergarbeiterverbandes gegen die Bergwerksbesitzer zu erhöhen, wurde der Vorstand ermächtigt, in Zukunft einen Sonderbeitrag in Höhe von etwa 50 Pfg. monatlich zu erheben. Mit den übrigen Verbänden soll bezüglich der Extrabeiträge eine Verständigung herbeigeführt werden.
Prinzessin Luise.
München, 5. Januar. Prinzessin Luise von Belgien reiste heute nach Paris ab. Von dem Ankauf eines Grundstückes in der Umgebung von München ist nichts bekannt geworden.
Ein neuer Leichenfund in Berlin.
Berlin, 5. Januar. Gestern nachmittag wurde au, der Königsheide in unmittelbarer Nähe der Nixdorfer Walderholungsstätte die Leiche eines erschossenen jungen Mädchens gefunden. Sie war in eine wollene Decke und Packpapier eingehüllt. Die Polizeibehörde wurde benachrichtigt und diese stellte fest, daß es sich um die 19 Jahre alte Schneiderin Upsultat aus Rigdorf handelt. Als Täter fommt, wie aus Briefen zu ersehen war, der Monteur Friedmann aus Rixdorf in Betracht, der das junge Mädchen wohl mit deren Einverständnis erschossen hat und zu dann den Mut verlor, die Waffe gegen sich selbst richten.
Selbstmord eines Studenten.
Breslau, 5. Januar. Der 19jährige Student Thimm, der sich in den Ferien bei seinen Eltern aufhielt, beging in der Nähe von Militsch Selbstmord, indem er sich vor den Schnellzug Breslau- Kalisch warf. Er wurde vollständig zermalmt.
Dreizehn Jahre gefangen gehalten.
Hof, 5. Januar. Ein fast unglaubliches Vorkommnis bewegt in der hiesigen Gegend die Gemüter. Der Färbereibesitzer Müller im nahen Förbau hielt seine Tochter seit 13 Jahren in einer Kammer gefangen. Die jest 36 Jahre alte Person wurde vor einigen Tagen von einer Gerichtskommission in vollständig verwahrlostem Zustande aufgefunden und in das Krankenhaus Schwarzenbach a. S. verbracht. Was die Eltern veranlaßt hat, ihre Tochter voll ständig von der Welt abzuschließen, muß die eingeleitete Untersuchung ergeben. Der Vater der Verwahrlosten be kleidet das Ehrenamt eines Gemeindekassierers und das eines Armenpfegschaftsrats.
Im Gebirge verirrt.
Bern, 5. Januar. Ein achtjähriger Schuftnabe verirrte sich im Jura im Schneetreiben und lief die ganze Nacht im Gebirge herum. Am Morgen wurde er erfroren aufgefunden.
Ein Bergdorf in Gefahr.
Mailand, 5. Januar. Das Apenninendorf Scopolo ist durch einen unaufhaltsam vorrückenden Bergrutsch in Gefahr. Die Erdmassen, die an der Basis 500 Meter breit sind, erreichten bereits die ersten Häuser der Ortschaft, die gänzlich geräumt werden mußten.
Das nahe Ende Meneliks.
Mailand, 5. Januar. Der Korrespondent des Corriere della Sera meldet, daß die europäische Kolonie in Adid Abeda den Tod Meneliks stündlich erwartet. 3000 abessi= nische Soldaten sind fieberhaft damit beschäftigt, die Höhen zu befestigen, die das Europäerviertel der abessinischen Hauptstadt beherrschen. Die Lage wird als äußerst ernst angesehen.
Nationalspende in Spanien.
Madrid, 5. Januar. Eine in ganz Spanien veran staltete Sammlung für die in Marokko zu Schaden getommenen Soldaten und die Familien der Gefallenen hat die Summe von 1976 000 pesetas erbracht.
Zwei französische Soldaten als Mörder. Paris, 5. Januar. Die Mörder der Witwe Gouin, deren Verhaftung bereits gemeldet ist, sind die Soldaten Graby und Michel vom 31. Infanterieregiment. Sie waren von einem ehemaligen Kameraden gesehen worden, als sie in Melun, da der Zug nach Paris überfüllt war, in ein Abteil erster Klasse stiegen. Während der Fahrt bemerkten sie Frau Gouin, und deren mit Juwelen geschmückte Hände flößten ihnen den Gedanken des Mordes ein. Sie erbeuteten außer Juwelen nur fünf Francs. Die Leiche warfen fie auf die Schienen.
Paris, 5. Januar. Die Mörder der Frau Gouin, die Soldaten Michel und Graby, werden vor das Schwurgericht gestellt werden, da sie das Verbrechen während eines 24stündigen Urlaubs begingen. Die von der Familie der Frau Gouin ausgesetzte Belohnung von 25 000 Francs wird einem Koch zufallen. Mehrere Blätter verlangen aus Anlaß des von den Soldaten verübten Mordes, daß die Armee von den„ Apachen" gesäubert werde


