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Eine Erinnerung an Kronprinz Rudolf.

In den ersten Novembertagen des vorigen Jahres starb, mie gemeldet, in Colombo in Südamerika der Baron Louis Vetsera, dessen Tod dem Ministerium des österreichischen Kaiserhauses durch ein Kabeltelegramm mitgeteilt wurde. Die Identität des Toten wurde behördlich festgestellt und dessen Papiere beschlagnahmt. Baron Vetsera hatte cber schon vorher einige Aufzeichnungen an einen Freund ge= sandt, der diese Papiere einer österreichischen Zeitschrift zur Verfügung stellte. Baron Vetsera hat die Verfügung ge= troffen, daß diese Aufzeichnungen erst nach seinem Tode ver­öffentlicht werden sollten. Nach den veröffentlichten Papie­ren lernte Kronprinz Rudolf die Schwester des Barons, die Baronesse Marie Vetsera, in Wien am Turf kennen. Ba­ron Vetsera nennt seine Schwester das schönste und sittsamste Mädchen, das iemals lebte, durchaus nicht groß, sondern klein und zierlich. Der Kronprinz lernte die Baronesse ken­nen und lieben. Er meinte, wie die Baronesse ihrem Bru= der und ihrer Mutter erzählte, es sehr ernst; er habe ihr die Absicht kundgegeben, sich scheiden zu lassen, um dann mit Baronesse Marie eine morganatische Ehe einzugehen. Den­felben Plan teilte der Kronprinz dem Bruder der Baronesse mit. Er sagte gleich, daß er sich die großen Schwierigkeiten nicht verhehlen könne, die seinem Wunsche im Wege stehen könnten. Der Verkehr des Kronprinzen mit Marie Vetse ra wurde bald Tagesgespräch der Wiener Gesellschaft. Die Gemahlin des Kronprinzen schickte eine Hofdame zur alten Baronin Vetsera, und dieser wurden heftige Vorstellungen gemacht. Die Familie der Baronesse beschwor den Kron­prinzen, von seinem Plane abzulassen. Ev blieb aber bei seinem Entschlusse.

Ueber die Katastrophe bet Meyerling berichten die Briefe: Wir fuhren am 28. Januar 1889 zur Jagd nach Menerling. Die Jagd war sehr schlecht. Am 29. Januar saßen wir alle in der Bauernstube, als die Baronin an­fam. Der Kronprinz sagte, daß er jede Hoffnung aufgeben müsse, denn er werde seine Liebe nicht durchsetzen können. Er dürfe weder dem Kaiser noch der Kaiserin etwas ab= trozen. Die Baronin sprach kein Wort, und als der Kron­prinz sie aufforderte, doch etwas zu sagen, schwieg sie an­fangs. Dann aber antwortete sie ganz leise: Mir bleibt nur der Tod übrig!" Der Kronprinz ließ sich noch von der Kapelle viel vorspielen und zog sich gegen Mitternacht in sein Schlafzimmer zurück. Er hatte befohlen, ihn um 6 Uhr früh zu wecken. Einige Minuten nach 7 Uhr entstand im Schlößchen Lärm. Wir erhoben uns alle. Der Kammer­diener, der im Vorzimmer des Kronprinzen schlief, erzählte, daß Seine Kaiserliche Hoheit um 6 Uhr früh in das Vor­zimmer getreten sei und ihm gesagt habe, er wolle noch eine Stunde schlafen. Um 7 Uhr habe er geklopft, habe dann die Tür öffnen wollen und bemerkte, daß sie verriegelt sei. Nach abermaligem vergeblichem Klopfen wurde beschlossen, die Tür gewaltsam zu öffnen. Die Rouleaux waren tief herabgelassen. Vier Kerzen brannten; sie waren fast abge= brannt. Der Kronprinz lag im Bett tot. Seine rechte Hand hing aus dem Bett hervor. Auf dem Teppich lag der Re­volver. Die rechte Schläfe des Kronprinzen wies eine kleine Wunde auf. Baronesse Marie sahen wir anfangs nicht. Eine weiße Decke hüllte sie vollkommen vom Kopf bis zu den Füßen ein. Auf ihrem Nachtkästchen stand ein Glas mit Filbernem Löffel. Sie hatte sich vergiftet. Unter dem Leuch­ter lagen vier geschlossene Briefe und ein offener. Baro­neffe Maries Leiche wurde in einen einfachen Holzsarg ge­bettet und dieser wurde durch den Wald nach dem Friedhofe zu Heiligenkreuz getragen."

Auch die Prinzessin Luise bringt Enthüllungen über das Drama von Meyerling. Ste hatte unlängst von Köln aus gedroht, sie würde der erstaunten Welt neue Ent­hüllungen über das Leben an den europäischen Höfen vor­seßen und namentlich den Schleier lüften, der noch immer über dem Drama von Meyerling liegt, für den Fall, daß man ihr in Belgien die ihr angeblich noch zukommenden Ehrungen nicht erweisen oder ihr Schwierigkeiten beim An­tritte der Erbschaft ihres Vaters bereiten sollte. Schon jetzt führt sie einen Teil dieser Drohungen aus; denn der Dr. H., der bereits mehrfach für sie im Pariser Matin für sie eingetreten war, und der dem Herrn Mattach ich außeror­dentlich nahe stehen soll, bringt in dem genannten Blatte eine zwei Spalten lange Darstellung über die Vorfälle vok Meyerling, die nicht wesentlich von dem abweicht, was man bereits hier und da unter der Hand darüber erfahren hatte. Das einzige allenfalls neue, was der sogenannte Dr. H. auf eigene Berantwortung anführt, ist, daß er behauptet, Erz­herzog Rudolf von Desterreich sei gewissermaßen einem Massenzornesausbruche zum Opfer gefallen, und einer sei­ner Mörder habe der Prinzessin Luise von Belgien, der vormaligen Prinzessin von Koburg, ganz besonders nahege= standen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Prinzregent Luitpold von Bayern ist an einem Bronchialfatarrh erkrankt. Er konnte gestern nachmittag eine Spazierfahrt nach Schloß Nymphenburg machen. Im Befinden des Regenten konnten die Aerzte beim Abendbe­such eine leichte Besserung feststellen.

2)

Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossak.

Nachdruck verboten.

Das kann ich nicht finden," entgegnete die andere Ampfindlich. Und wenn auch ich möchte sie doch nicht zur Frau haben, denn sie hat einen schlechten Charakter. Wenn der Graf sie fennen möchte, wie sie wirklich ist, dann würde er sich hüten, sie zu heiraten."

,, Wie Du redest!" tadelte die blonde Kleine. Es kann doch niemand der Anita etwas nachsagen. Sie ist ein an­ständiges Mädchen, das weiß jeder."

,, Na ja, das wohl, aber daß sie sich den Grafen gefapert hat, ist doch bloß Berechnung. So'n alter Mann!"

,, Vielleicht liebt sie ihn doch und"

Lieben? Die?" unterbrach sie Louison, in ein höhni­sches Gelächter ausbrechend. ,, Du bist doch wirklich manch­mal noch zu dumm. Er, der alte Narr, der Welshofen ist bis in die Ohren in sie vernacrt gewiß aber sie? Ne, so was gibts nicht! Hast Du das schöne Bukett gesehen, das er ihr zuwarf? Wahrscheinlich steckt wieder ein Bril­Tantarmband oder so etwas drin.. Ist doch eine komische Manier, dergleichen auf die Bühne zu werfen! Das läßt man doch sonst aus dem Souffleurkasten reichen! Aber er tuts bloß, damit alle sehen, daß er die Anita liebt."

,, Das ist doch nett von ihm," gegenredete die Blonde. ,, Und da die Hochzeit doch bald sein wird

,, Noch ist sie nicht gewesen," unterbrach sie Louison giftig. Bis dahin kann noch viel Wasser über den Berg laufen. In sechs Wochen lieber Gott, was kann da geschehen!"

Daß er Dich heiratet, geschieht ganz gewiß nicht," sagte hönisch ein Clown mit freideweiß angestrichenem Haar und fuchsroter Perücke, der eben an den Mädchen vor­überstrich. ,, Vor Deinen Zähnen fürchtet sich ja doch jeder."

Die lettere Bemerkung galt dem auffällig starken Ge­biß Louisons, der Quelle ihrer Erfolge und Einnahmen, denn diese wie aus Eisen gemachten großen Zähne waren

Ordensverteigungen. Dem Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Regenten des Herzogtums Braunschweig, ist das Kreuz der Großkomture des Hausordens von Hohen­zollern und der Herzogin Johann Albrecht zu Mecklenburg der Luisenorden mit der Jahreszahl 1813/14 verliehen worden.

Dr. Potthoff und der deutsche Wertmeisterverband. Den Verwaltungsbehörden des Deutschen Werkmeisterverbandes, die am 1. Januar in Düsseldorf tagten, lag ein Antrag des Verbandsvorsitzenden Barthelm- Kottbus auf Entlassung des Verbandssyndikus, Reichstagsabgeordneten Dr. Potthoff, vor. Der Aufsichtsrat stimmte in seiner Mehrheit dafür, bei dem Zentralvorstande ergab sich Stimmengleichheit. Darauf legte Dr. Potthoff sein Amt als Syndikus nieder. In erster Linie soll die politische Tätigkeit des bisherigen Verbands­syndikus für das Vorgehen gegen ihn bestimmend gewesen sein.

Die neue Schießvorschrift für die Kavallerie ist am 2. Dezember genehmigt und soeben an die Truppenteile auf­gegeben worden. Sie trägt dem technischen Fortschritt Rech= nung, den die nunmehr in der ganzen deutschen Reiterei erfolgten Einführung des Karabiners 1908 bedeutet, und stellt daher erhöhte Ansprüche an die Schießausbildung und an die Tätigkeit der Kavallerie im Gefecht und zu Fuß.

Nene Versetzungen in Kattowiz. Elf Kattowiter Post­unterbeamten ist eröffnet worden, daß sie zum 1. Februar versetzt würden; alle diese Beamten hatten bei der Katto­wißer Stadtverordnetenstichwahl dem polnischen Kandidaten ihre Stimme gegeben. Ein Reichsbankkassendiener, der auch für den volnischen Kandidaten gestimmt hatte, wurde nach Plauen versetzt.

Der fozialdemokratische Preußentag ist gestern in Ber­lin unter Beteiligung von über 200 Delegierten eröffnet worden. Die Abgeordneten Singer und Parteisekretär Ru­dolph- Frankfurt a. M. wurden zu Vorsitzenden gewählt. Abgeordneter Singer übernahm die Leitung mit begrüßen­den Worten, in denen er ausführte, man träte an die Be­ratungen heran mit dem Schwur, nicht zu ruhen und zu rasten, bis das Ziel erreicht sei, von dem aus die Befreiung des preußischen Proletariats vor sich gehen könne."

Der Wahlkampf in England. Nach den letzten Meldun­gen aus London glauben die englischen Konservativen jetzt selbst nicht mehr an ihren Steg bei den Wahlen; nach einer Aeußerung Balfours erhoffen sie nur noch eine derartige Herabminderung der liberalen Mehrheit, daß eine neue Auflösung des Unterhauses unvermeidlich ist.

Frankreichs Pläne in Marokko. Der Londoner Times wird aus Tanger gemeldet, daß die dortigen französischen Behörden seit dem Zustandekommen der Anleihe einen auf­fallenden Eifer betätigen. Offenbar wollen sie auf gründ= liche Abrechnung dringen. In Zukunft werden sie selbst den Schutz ihrer Staatsangehörigen und anderer Europäer ener­gisch in die Hand nehmen. In Fez ist man ganz bestürzt über diese plötzliche Energie der Franzosen, denn der Sul­tan und seine Berater waren der Meinung, daß gerade nach Erledigung der Anleihefrage Frankreich eine abwartende Haltung einnehmen werde. Marokkanische Beamte klagen, daß die Noten der europäischen Regierungen an den Mach= sen in der jüngsten Zeit wieder eine sehr dringende Sprache führen. Man wird in Fez allmählich gewahr, daß ganz Eu­ropa darauf besteht, daß Mulen Hafid seine Haltung ändect.

Gegen den Sozialismus in Frankreich. Eine Anzahl Persönlichkeiten der Gewerbe-, Handels- und Kunstwelt sind in Paris zusammengetreten, um einen national- antifollek= tivistischen Bund zu gründen, der die sozialistischen Theorien bekämpfen und die Abgeordneten überwachen soll

Türkische Flottenbegeisterung. Wie Konstantinopeler Blätter melden, haben die Offiziere und Mannschaften der ganzen Armee beschlossen, ihr Gehalt von zwei Monaten in Raten für Flottenzwecke zu stiften. Auch sonst wird in der Provinz die Subskription für die Flotte eifrig betrieben. Der Flottenverein soll in der nächsten Zeit dem Schabe als erste Rate 150 000 Pfund zum Ankauf eines Kriegsschiffes überweisen. Die Regierung gedenkt, behufs Wiederauf­baues der Flotte eine innere Anleihe aufzunehmen.

Drohende soziale Kämpfe in Nordamerika. Der größte Streik in der Geschichte der Vereinigten Staaten steht bevor. Die amerikanische Arbeitervereinigung, die über 1500 000 Mitglieder besitzt ist, wie gemeldet, im Begriff, die Feind­feligkeiten gegenüber dem Stahltrust zu eröffnen. Bereits wird ein Kriegsfonds erhoben, zu dessen Kosten jedes Mit­glied 10 Cents wöchentlich beitragen muß. Die Gewerk­schaften behaupten, daß der Stahltrust, der bekanntlich seinen Arbeitern die Teilnahme an den Gewerkschaften verweigert, seine Gewinne durch die herzloseste Sklavenwirtschaft er­zielt. Als Antwort ließ der Stahltrust am Freitag abend zwei Millionen Dollar an seine Angestellten als Gratifi­fation verteilen. Die Gewerkschaften behaupten ihrerseits wieder, daß das einfach Bestechung ist, um eine kleine Mi­norität der Arbeiter zu veranlassen, die größere Anzahl unterdrücken zu helfen.

Kleine Nachrichten!

Weibliche Beamte in Baden. Die badische Regierung hat in der Frauenfrage einen bedeutsamen Schritt getan, indem sie bestimmte, daß von nun ab auf allen Stellen des Gehaltstarifs weibliche Beamte angestellt werden können,

es, mit denen sie zum Staunen des Publikums die schwer­sten Lasten aufhob. Leider nur konnte man nicht sagen, daß sie den Reiz ihrer Persönlichkeit erhöhten, sie wäre ein sehr hübsches Mädchen gewesen, hätte der Kontrast zwischen ihrer zarten Erscheinung und den großen Zähnen nicht jeden gestört. Anbeter hatte sie dessenungeachtet ge­nug, u nd wie alle wußten, war Graf Welshofen, bevor er der schönen Anita Brusio begegnete und unrettbar ihrem Zauber verfiel, einer von ihnen gewesen. Dies war auch der Grund, warum Louison die Italienerin so bitter haßte. Man sagte dem alten Lebemann nach, daß nur die brünet­ten Frauen Charme für ihn besäßen, denn auch Louison hatte schwarzes Haar, dunkle Augen und bräunlichen Teint. Ihrem Typus zuliebe hatte sie sich auch einen französi schen Künstlernamen beigelegt, obgleich sie Berlinerin durch Geburt und Erziehung war. Dank mehrjährigen Engage= ments in Frankreich sprach sie jedoch ein perfektes Franz­zösisch, woher denn viele glaubten, daß sie jenseits des Rheines ihr Vaterland hatte. Mit der blonden Frida Sasse verband sie eine enge Freundschaft, die im Hinblick auf die Verschiedenheit beider eigentlich verwunderlich er­schien. Denn Frida war ein völlig unverdorbenes, gut­herziges Kind, von einer Unschuld und holden Mädchen­haftigkeit, wie man sie in dem Maße in demkreise ihrer Kolleginnen doch nicht oft findet. Aber das Sprichwort von den Gegensäßen, die sich anziehen, bewährt sich auch hier, die beiden Mädchen wohnten sogar zusammen und bertrugen sich ausgezeichnet. Eine wie die andere war eine Waise ohne Verwandte und irgendwelchen Anhang, und der Umstand, daß sie ganz allein auf der Welt standen, trug wohl auch noch dazu bei, daß sie sich um so enger aneinander anschlossen. Uebrigens war auch Louisons Ruf streng genommen, makellos, da sie viel zu berechnend war, um sich ihre Zukunft zu verderben. Sie hatte wohl An­beter, aber alle ihre Beziehungen bewegten sich in erlaub­ten Formen. Daß der Graf Welshofen sie wahrscheinlich zu seiner Frau gemacht haben würde, wenn Anita Brusio nicht dazwischen getreten wäre, stand in ihrer Ueberzeug= ung fest, obgleich dieselbe von niemand sonst geteilt wurde. Wie sie jest während der Pause durch das Loch im Vorhang zu der Proszeniumsloge hinausblickte, erschienen ihre Züge förmlich wie von Wut verzerrt. Ein Abglanz davon war

sofern sie den für die männlichen Beamten vorgeschriebenen Bedingungen, insbesondere in der Vorbildung entsprechen.

Prozeßgegner. Der 65 Jahre alte Privatier Rabe aus Stolberg in Sachsen besuchte am Neujahrstage den Gottes­dienst in Zwöniß. Auf dem Nachhausewege lauerte ihm sein Prozeßgegner, der Tischler Müller aus Nieder- Würsch­niß auf und gab mehrere Revolverschüsse auf ihn ab, von denen einer am Gesangbuche Rabes abprallte. Dann er­schoß sich Müller. Rabe ist nur leicht verletzt.

Schwere Stürme in Neufundland. Aus Saint Jean ( Neufundland) kommt die Nachricht, daß die neufundlän­dische Fischerflotte durch Stürme schwere Verluste erlitten hat. Zwölf Fahrzeuge gingen mit ihrer Besatzung unter. Viele andere Schiffe erlitten schwere Havarie. Sechzig See­leute haben den Tod gefunden.

Schneefall in Algier. In Constantine und in Setif im Süden Algeriens war gestern zum größten Erstaunen der arabischen Bevölkerung Schnee gefallen. Die Schneedecke war so dick, daß stellenweise der Eisenbahnverkehr unter­brochen wurde.

Verhängnisvolle Gasexplosion. In dem böhmischen Grenzorte Libochowitz wurde in dem Hotel Drei Linden der Keller durch ausströmendes Acetylengas vollständig mit Gas gefüllt, das sich plötzlich entzündete. Das Gebäude wurde demoliert, der Hotelbesitzer im Keller als Leiche aufs gefunden. Auch ein Angestellter des Hotels erlitt tödliche Verletzungen.

Erschossen hat sich der frühere Amtsrichter Sch. aus Dresden, der von dort anfangs Dezember wegen einer Schuldenlast von etwa 100 000 M flüchtig geworden und Ende Dezember seines Amtes entsetzt worden war. Er hat den Selbstmord am Neujahrstage verübt.

Festnahme von Mördern. Am Weihnachtsheiligabend wurde ein Schulknabe aus Scheidelwitz bei Brieg( Schle­sien), der von seiner Mutter nach Liegniß geschickt worden war, um 6 M Wochenlohn abzuholen, auf dem Rückweg ermordet und beraubt. Jetzt ist es der Polizei gelungen, die Mörder zu verhaften. Es sind zwei 17- und 18jährige Dienstknechte aus Scheidelwit.

Der Tod auf den Schiehen. Auf schreckliche Weise ist der Arbetter Noll auf dem Bahnhof Mühlheim a. d. Ruhr ums Leben gekommen. Er wollte nach der Abkuppelung eines Wagens zur Seite des Gleises treten, blieb aber mit einem Fuß in der Weiche hängen. Noll schrie verzweifelt um Hilfe, da mehrere Wagen heranrollten. Indessen seine Rufe verhallten ungehört in der Nacht. Er wurde über­fahren und getötet.

Familiendrama. Wie die Landshuter Zeitung meldet, hat am Neujahrstage der Bäckergehilfe Scheurer in Lands= hut i. B. sein anderthalbjähriges Kind aufzuhängen ver­sucht. Hierauf beging er Selbstmord. Das Motiv zu der Tat ist nicht bekannt.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Vom Germanischen Museum. Der vor kurzem in Ber­lin verstorbene Kommerztenrat J. Kahlbaum hat dem Ger­manischen Nationalmuseum in Nürnberg seine hochbedeit­tende Münzsammlung und seine Altertümer vermacht. Das Museum hat diese Erbschaft nunmehr angetreten. Die Münzsammlung, die etwa 4000 Gold- und Stibermünzen umfaßt, gibt ein anschauliches Bild des mittelalterlichen und neuzeitlichen Geldwesens der europäischen Staaten und Städte und erregt durch ihren Reichtum und ihre Schönheit die Bewunderung der Laien wie auch durch einzelne hervor ragende Seltenheiten das höchste Interesse der Fachgelehr­ten. Auch eine ansehnliche Sammlung der seit 1871 a gegebenen goldenen und silbernen Geldstücke der verschie= denen Staaten des Deutschen Reiches in zumeist it mpel­glänzenden Exemplaren befindet sich darunter. Von den Altertümern, die vorwiegend aus Hausgeräten und Waffen bestehen, sind die Zinnsachen( 124 Stück) besonders wertvoll; ihr wichtigster Teil stammt aus dem Eigentum der Wis­marer Zünfte.

Millionengeſchenk für eine Universität. Die Witwe des bekannten Multimillionärs Russel- Sage hat nach einer Mel­dung aus Neuvork der Universität Vale als Neujahrs­aeschenk die Summe von 650 000 Dollars gleich 2 800 000 M überreicht.

Vermischtes

Ein Zigeunerdrama. In einem Hause in der Kleinen Gartenstraße in Stolp i. P. wohnen seit einiger Zeit die Zigeunerfamilien Krause und Rosenbach, zu denen Sonn­tag abend in der 11. Stunde ein Arzt gerufen wurde. Die­ser fand die 27jährige Ehefrau Rosenbachs mit einer Schuß­verletzung im Kopfe vor und veranlaßte die Ueberführung der Schwerverleßten in das städtische Krankenhaus. Die Verlegung sollte dadurch entstanden sein, daß die Frau Kehricht zum Kaffeekochen auf das Herdfeuer legte und eine in dem Müll enthaltene Patrone explodiert sei. Es wurde aber festgestellt, daß die Verletzung von einem di­reft abgefeuerten Schuß herrühren mußte. Infolgedessen wurde der Ehemann der Frau verhaftet und hat im Un tersuchungsgefängnis auch das Geständnis abgelegt, daß beim Untersuchen seines Revolvers ein Schuß ,, losgegangen" sei und seine Frau getroffen habe. Die Unglückliche dürfte kaum mit dem Leben davonkommen.

auch noch in ihnen zurückgeblieben, als der Inspizient die Mädchen von der Bühne fortrief, um das Zeichen zum Wiederbeginn der Vorstellung zu geben.

Louisons Nummer war die nächstfolgende, dann kam Frida an die Reihe. Sie besaß eine sehr schöne, auch leid­lich gut ausgebildete Sopranstimme, und ihre Spezialität! bestand darin, daß sie sich im Verein mit dem Orchester, selbst auf der Geige begleitete. Im Grunde boten ihre Leistungen nichts gerade Außerordentliches, aber sie sang: und spielte mit viel Ausdruck und vor allem sah sie gar! 311 lieblich und reizend aus, wenn sie in ihrer eleganten, aber backfischmäßigen Gesellschaftstoilette, auf der Bühne stand und geigte. Sie erntete stets reichen Beifall, und ihre Nummer war denn auch in wenigen Wochen vom Anfang des Programms immer mehr nach dessen Ende gerückt.

Während sie hinter der Szene des Augenblicks harrte, in dem sie auftreten sollte, lag ein trüber Ernst auf ihrem süßen Kindergesicht, der auch nicht wich, als ein junger Mann im Frandanzug mit weißer Halsbinde zu ihr trat und mit scherzender Vertraulichkeit ihren Arm berührte. ,, Was hat mein kleiner Schatz schon wieder?" fragte er lachend. Siehst ja so böse aus, Kindchen- was ist denn?"

,, Ach, laß mich, Felix," erwiderte das Mädchen weiner­lich. Du machst Dir ja doch nichts aus mir." Wirklich nicht? Weißt Du das so genau?"

Da sie sich schmollend abkehrte, legte er zärtlich den Arm um sie. Komm, sei vernünftig, Kleine, und beichte mir. Was ist Dir geschehen was bereitet Dir Kummer?"

Eine Weile kämpfte sie noch mit sich und widerstrebte, aber dann gab sie nach. Sie war ia doch viel zu ver liebt in den schönen Menschen mit dem interessanten dunk­len Kopf, um lange mit ihm zu schmollen, seinen freund­lichen, liebkosenden Worten gegenüber schwand ihr Trop wie Schnee an der Sonne.

,, Die Louison meint, daß es noch gar nicht sicher ist­gestand sie leise= ,, daß daß der Graf Welshofen die Anita heiratet."

( Fortsetzung folgt.)