pochte die Liebe an Doras Herz und an einem frostigen, klaren Wintermorgen erwachte sie als Braut.
ihre Träume weiter fort. Eines Tages jedoch einer alten Kiefer, die vor dem Forsthause in ge= waltiger Höhe aufragte. Dora schalt sich jetzt, daß sie so lange„ faul" gewesen. In diesen letzten Monaten, in denen ihr Pinsel geruht, hätte sie einen hübschen Sparpfennig verdienen können.
Sie war sehr glücklich.
Ihr Verlobter war Forstmann. Unweit der Stadt, in einem romantisch gelegenen Forsthause würde sie wohnen, so recht im Herzen des Waldes. Dora jubelte darüber. Welch herrliche Studien wollte sie dort nach der Natur machen. Das hatte sie ihrem Arvid gleich gesagt, daß sie vom Malen nimmer lassen würde.
„ Ich werde Deiner Neigung dazu niemals entgegen sein, liebes Kind", hatte er erwidert.
Auch von ihrer Sehnsucht, das Ausland kennen zu lernen, sprach sie mit ihm.
Er begriff ihren Wunsch. Aber", meinte er, ,, als meine Frau wirst Du doch nicht in Italien Malstudien machen wollen, während ich einsam in unsrer Waldklause size".
,, Nein, nein", Arvid", rief Dora eifrig, damit, eine berühmte Malerin werden zu wollen, hatte ich schon abgeschlossen, als ich Dir mein Jawort gab. Meine Liebe zu Dir ist größer als mein Wunsch, berühmt zu werden. Aber trotzdem könnten wir doch einmal hinausreisen, wenn wir uns etwas erspart haben. Du glaubst gar nicht, welch' eine umsichtige Hausfrau ich werden will. Und bei jedem Groschen, den ich bei Seite lege, werde ich mir sagen: Nun kommst Du um so eher ins Land
Deiner Träume".
Der junge Forstmann hätte mit seiner jungen Frau gern eine Hochzeitsreise in den Süden gemacht, aber es fehlte ihm an Mitteln zu solch' einer Ausgabe.
Sein Zurückgelegtes reichte gerade hin, um einen bescheidenen Hausstand zu gründen.
„ Wenn ich Oberförster geworden bin, dann will ich Doras Wunsch erfüllen," gelobte er sich.
Im Mai machten die beiden Hochzeit; ganz still, ohne Sang und Klang- es war nur eine Feier im engsten Familienkreise.
Dora ging das Herz auf, als sie ihren Einzug ins Forsthaus hielt. Die Künstlerin in ihr sah mit anderen Augen wie gewöhnliche Sterbliche.
Das gemütliche, geräumige Haus, die prachtvollen Geweihe über den Türen, die größtenteils altmodische, aber gediegene Einrichtung der Zimmer alles entzückte sie.
Und gar erst der Wald! Sie konnte sich nicht sattschauen an den schlank aufstrebenden Tannen und Fichten, an den mannigfachen Reflexen, welche die Sonne hervorzauberte, wenn sie durch das Geäst schien. Dora liebte es, stundenlang auf dem weichen, nadel- und moosbedeckten Waldboden zu liegen, die Arme unter dem Kopf verschränkt, die Gedanken in weiter Ferne verloren, im Lande ihrer Träume...
Oft geschah es dann, daß der Schlummer sie schließlich übermannte; erschrocken fuhr sie empor, wenn eine kalte Hundeschnauze an ihrer Wange herumschnüffelte. Dachsi, der braune Teckel, war es, der sie geweckt, und wenn Dachsi da war, so pflegte auch sein Herr nicht fern zu sein.
Die ersten Monate ihrer Ehe verstrichen Dora mit Windeseile, sie hatte weder Lust noch Zeit zum Malen, sie lebte nur für ihren Mann und tummelte sich fleißig in ihrer Wirtschaft.
" Daß so viel praktischer Sinn in der Dora steckt, das hätten wir nicht gedacht", meinten die Verwandten der jungen Frau anerkennend.
Zu Beginn des Herbstes mußte Arvid eine Dienstreise antreten. Dora empfand die, wenn auch kurze Trennung schmerzlich; um sich zu zerstreuen, suchte sie ihr Malgerät hervor und bald saß sie, emsig zeichnend und malend im Schatten
Das Versäumte wollte sie nun nachholen. Am folgenden Tage begab sie sich zur Stadt und in die Kunsthandlungen, für die sie vor ihrer Heirat tätig gewesen.
Sie erbat und erhielt auch gleich Bestellungen auf Fächer und Wandteller, und von nun an malte sie emsig in all' ihren Freistunden.
Voller Stolz zeigte sie bald darauf ihrem Manne eine kleine Sparbüchse.
" Sieh her, Arvid, hier in diesem Kästchen ruht der Fond zu unsrer Reise nach Italien".
Arvid lächelte zerstreut. Er hatte zur Zeit viel Sorgen. Vor einem Jahr hatte er für einen Freund, der einst neben ihm auf der Schulbank gesessen, Bürgschaft geleistet, nun konnte der junge Mensch seiner Verpflichtung nicht nachkommen, der fällige Wechsel wurde Arvid Holm präsentiert und von diesem stillschweigend bezahlt.
Arvid wußte, daß sein Freund durch eigene Schuld, durch sträflichen Leichtsinn alles verloren, aus Rücksicht für die alte Mutter des jungen Bankerotteurs, deren Einziges auf der Welt ihr Sohn war, schwieg er und verschaffte sich mit pekuniären Opfern die Summe, die zur Deckung des Wechsels nötig war. Kurze Zeit darauf hörte er, daß sein Freund wegen noch weiterer Schulden, die cr ebenfalls nicht begleichen konnte, nach Amerika entflohen sei.
Eines abends, als Arvid und Dora vor dem Kaminfeuer saßen der Oktober war besonders kühl in diesem Jahr, und Dora liebte es, in die knisternden, züngelnden Flammen zu blicken- erzählte der junge Gatte, welche Verluste und welche Sorgen er gehabt.
„ Das muß ich nun durch doppelte Sparsamkeit wieder einbringen", schloß er; ich habe, wie gesagt, ein größeres Darlehen aufnehmen müssen, um den Wechsel zu bezahlen."
Dora war ganz blaß geworden, dann umfaßte sie ihren Mann und küßte ihn heftig.
" Du Armer, Lieber", rief sie, warum hast Du mir so lange Deine Sorgen verheimlicht und sie allein getragen?"
" Ich hätte Dir auch jetzt nichts gesagt, aber es ist meine Ansicht, daß eine Frau um die geschäftlichen Angelegenheiten ihres Mannes wissen muß. Sie kann nur dann im wahren Sinne des Wortes sein treuer Lebenskamerad sein, und der Rat einer Frau, die in vielen Dingen, in kleineren, wollen wir sagen, einen schärferen Blick hat, als wir Männer, ist oft viel wert. Ich habe so lange geschwiegen, weil ich zu erregt war, um ruhig über die fatale Sache zu reden. Nun, wo alles bis auf Weiteres geordnet, kann ich darüber sprechen. Du weißt nun, Dora, daß ich eine Schuld abzutragen habe nebst Zinsen, und wirst dich nicht wundern, wenn ich mich in manchen Ausgaben, die ich früher ohne Bedenken gemacht, einschränken werde."
" Du hast recht getan, Arvid, daß du, ohne viel Worte, zu machen, deinem Freunde geholfen, obzwar er es nicht verdient; und daß du ihn auch jetzt nicht verdammst, noch schmähst, ist ein Zeichen deines hochherzigen Charakters. Ich bin stolz auf dich und will dir helfen, die Schuld zu bezahlen. Noch nie bin ich Gott für mein kleines Talent so dankbar gewesen, wie jetzt."
( Fortsetzung folgt.)
Frühsommer. Nach einem Gemälde von H. Bürgel.
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