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* Friedberg. An dem hessischen Teil der MainWeser- Bahn ist in dem letzten Jahre viel geschehen; Bahnhöfe wurden erweitert, neue Stationsgebäude errichtet oder boch beträchtlich vergrößert, so in Gießen, Großen Linben, Kirch- Göns, Butzbach, Groß- Karben, Lollar und im letzten Jahre in Vilbel und Dortelweil. Jetzt wird es nun auch ernst mit den schon seit Jahren geplanten Um bauten der Bahnhöfe Friedberg und Bad Nauheim. Während der Bahnhof Bad- Nauheim nur beträchtlich vergrößert wird, handelt es sich in Friedberg um eine vollständige Neuanlage, die etwa 700 Meter vom alten Bahnhof südwärts gelegt wird.
* Bettenhausen. Kürzlich veranstaltete Herr Lehrer Diet mit seinen Schülern unter Mitwirkung des Gejangvereins einen Unterhaltungsabend. Das Ganze stellte in Gesängen, Deflamationen und Ansprachen ein vaterlän disches Festspiel dar, dessen Wiedergabe trefflich gelang. Die Darbietungen fanden allseitigen Beifall und ließen den Wunsch nach weiteren derartigen Veranstaltungen laut werden.
* Büdingen, 31. März. Gestern fand die Einweihung des umgebauten Rathauses statt. Die Renovation geschah auf Anregung des Denkmalpflegers Professor WalbeDarmstadt. Die Arbeiten wurden ebenso wie die mittel= alterliche Ausstattung unter Leitung des Regierungsbau meisters Frey ausgeführt.
* Darmstadt, 1. April. Die Wahlrechtsdebatten im November, in denen der Abg. Ulrich bei Beratung des Artikels 15 betreffend das passive Wahlrecht der Lokalbeamten eine scharfe Kritik an verschiedenen Offenbacher Richtern geübt hatte, bildete den Hintergrund einer öffentlichen Beleidigungsflage, die auf Antrag des Amtsrichters Meyer durch die Staatsanwaltschaft gegen den Redakteur des„ Offb. Abendblattes" Ignaz Klug erhoben war und heute vor der Straffammer verhandelt wurde. Das Gericht verurteilte nach mehr als achtstündiger Verhandlung den Angeklagten Slug zu einer Geldstrafe von 500 Mt. und verhängte über den Zeugen und Nebenfläger Amtsrichter Meyer eine Ungebührstrafe von 10 Mart.
* Dillenburg. Die Gewerkschaft Alexandria soll sich entschlossen haben, auf ihrem Werke eine elektrische Ueberlandzentrale von 7500 Pferdekraft für 5000 Kilowattstunden zu errichten. Schon in 40 Kilometer Radius des Werkes kommen alle Ortschaften und Fabriken, z. B. von Höhn bis Wetzlar- Gießen, Koblenz- Neu= wied, Betzdorf- Siegen, Limburg- Ems in Frage und dürfte daher bei Bekanntwerden dieser Ueberlandzentrale die ganze elektrische Erzeugung schon bis zu diesen Städ ten bald vergriffen sein.
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Frankfurt a. M.
Neue Zeil 53, I. erl. Beobachtungen bro Std. 1 Mr. Ermittlungen, Recherchen und Auskünfte von 5 Mk. an, je noch Lage der Sache, auf au- n Pläßen der Welt. Gewissenbafte Aus: führung nnd strengste Diefeetion in Prinzip des Jnsitats.
* Limburg. Dieser Tage befuhr der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten, Beeitenbach, die Lahn strecke bis Niederlahnstein, von wo er sich zum Kuraufenthalt nach Wiesbaden begab. Der Minister hat sich auf der erwähnten Fahrt auch Vortrag über das Projekt einer ev. Kanalisierung des Lahnstromes halten lassen.
Das Eisenbahnunglück bei Mühlheim a. Mh. ist eines der schwersten, die je in Deutschland vorgekommen sind. Ein Augenzeuge meldet darüber:„ Ich fuhr mit der elektrischen Bahn, die eine Strecke parrallel mit dem Eisenbahndamm läuft. Wir sahen den Lloydzug in ziemlich ra scher Fahrt ankommen in einer Biegung, die kurz vorher ein Militärzug passiert hatte, so daß die Führer des Lloydzuges den Militärzug nicht mehr sehen konnten. Ein Zu sammenstoß war unvermeidlich. Die Leute in der Elektrischen fingen an zu schreien. Als die Führer des LloydExpreßzuges das unvermeidliche Unglück sahen, gaben sie Gegendampf, daß die D- Zugwagen im Geleise hochsprangen. Lokomotivführer und Heizer des Lloyd- Expreßzuges sprangen von der Maschine ab. In demselben Moment erfolgte unter furchtbarem Krachen der Zusammenstoß. Die Lokomotive bohrte sich in die letzten Wagen des Militär zuges, die aufgerollt und zertrümmert wurden. Ein furcht barer Schrei, die Züge hielten. In diesem Moment sahen wir einen großen Trümmerhausen, aus dem blutige Körperteile hervorragten. Die Gliedmaßen und Köpfe waren zum Teil vom Rumpfe getrennt. Wir sahen, wie Soldaten aus dem Fenster des Zuges die Köpfe streckten und im nächsten Moment wurde ihnen der Kopf vom Rumpfe ge= trennt. Es war ein furchtbarer Anblick, und die meisten Passagiere der elektrischen Bahn stürzten entsetzt davon."
Einen besonders tief erschütternden Eindruck machte die Katastrophe auf die Augenzeugen, da sie sehen mußten, daß die jungen, frischen Soldaten mitten in ihrer überschäumenden Lebensfreude von ihrem grauenvollen Schicksal ereilt wurden. Die Militärurlauber schauten während des Aufenthalts ihres Zuges auf der Station mit fröhlich la= und chenden Mienen zu den Fenstern des Zuges heraus, lustige Soldatenlieder erflangen noch in dem Augenblick, als der Zusammenprall der beiden Züge erfolgte. Viele Insassen des Militärzuges mochten allerdings die ihnen drohende Gefahr erkannt haben, aber sie konnten sich nicht retten, da der Expreß trotz verminderter Fahrgeschwindigkeit in rasendem Lauf auf den Militärzug aufstieß. Die Einwohnerschaft von Mühlheim war in größter Aufregung. Man sah einzelne Soldaten mit verbundenem Kopf einhergehen, von teilnehmenden Leuten umringt. Ueberall fam das tiefste Bedauern mit den„ armen Jungens" und ihren Angehörigen zum Ausdruck, die am Morgen noch frohgemut sich die Hand zum Abschied gedrückt, und jetzt hier die hoffnungsvolle Jugend schwer verletzt oder tot, dort Vater, Mutter Geschwister oder Bräute in tiefster Trauer. Auf dem äußersten Geleise, ganz nahe der Straße und von ihr nur durch einen Zaun und die Böschung getrennt, standen die Wagentrümmer, mit deren Beiseiteschaffung man gerade beschäftigt war. Eine Lokomotive war mit einer Kette und einem Drahtseil vor die letzten beiden zusam= mengeschobenen Wagen gespannt, sie zog an, ein Krachen,
Windhof.
Einem verehrl. Publikum zur gefl. Kenntnis, dass meine Lokalitäten neu hergerichtet und solche für Vereinszwecke, Geslleschaften etc. etc. unter Zusicherung guter Speisen u. Getränke bestens empfehle.
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Auf Grund des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 wird die Lieferung von zusammen rund 8200 Quadratmeter
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öffentlich ausgeschrieben. Es kann auf die ganze Lieferung ( 6 Lose) oder auf ein oder mehrere Lose angeboten werden. Die Pläne und Angebotsunterlagen sind auf unserem Bureau, Licherstraße 106, einzusehen und letztere werden gegen Erstattung des Selbstkostenpreises, soweit der Vorrat reicht, abgegeben. Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, porto- und bestellgeldfrei bis zum
Samstag, den 30. April 1910, vorm. 10 Uhr einzureichen.
Gießen, den 30. März 1910.
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reichen sind, findet in Gegenwart der erschienenen Bieter
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Gießen, den 23. März 1910. Neubauverwaltung der Provinz Oberhessen.
Müller.
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Arbeitsnachweis der Stadt Gießer. Es tönnen eingestellt werden:
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ein Wanken, als ob die Wagen umfallen wollten, aber sie blieben im Geleise und aufrecht, und langsam wie wantende Ruinen folgten sie der Lokomotive; fie ließen nicht mehr voneinander. zu gewaltig war die Kraft gewesen, die sie zusammengeschweißt hatte. Auch außerhalb war das Unglück schnell bekannt geworden. Teilnehmende, ernste Gesichter drängten sich an den Fenstern der vorüberfahrenden Züge, und wenn ab und zu aus einem Abteil fröhliche Stimmen erschollen, so erstarrten die Lippen angesichts der Trümmer, die von dem Drama Kunde gaben, das sich hier vor wenigen Stunden abgespielt hatte.
Besonders stark wurde der Zudrang zu der Stätte des Unglücks gegen Abend, als die Fabriken ihre Tore öffneten und die Arbeitermassen hinausströmten. Auch der Eingang des städtischen Krankenhauses war von einem dichten Knäuel teilnehmender Menschen umlagert. Ganz still aber war es draußen auf dem neuen Mühlheimer Friedhof, wohin 13 der Opfer der Katastrophe, die sofort tot waren, gebracht worden waren.
Das Neueste vom Tag.
* Homberg v. d. H. Das Kaiserpa ar und Prinzessin Viktoria Luise treffen nächsten Montag zum KurAlsdann erfolgt die Abreise nach Urville. gebrauch hier ein. Der Aufenthalt wird drei Wochen dau
ern.
* Bochum, 1. April. Von der Katastrophe in Mülheim a. Rh. sind nicht weniger als 6 Söhne unserer Stadt mitbetroffen worden. Drei von ihnen sind getötet und die drei anderen liegen schwer verletzt in den Krankenhäusern. Es scheint, als ob Bochum die am schwersten betroffene Gemeinde darstelle. Die bedauerhswerten Angehörigen erfuhren das Schicksal der jungen Soldaten erst gestern durch die Polizei. Besonders tragisch gestaltete sich die Szene im evangelischen Vereinshaus, wo die Witwe Kulezky beim Reklamationsgeschäft erschienen war, um die Freilassung ihrer drei Söhne vom Militärdienst zu beantragen. Hier erfuhr die unglückliche Frau, daß ihre beiden Söhne, die Musketiere Rulezky und Preuß, Stiefbrüder, bei der Eisenbahnkatastrophe den Tod gefunden haben. Die unglückliche Mutter mußte aus dem Saale getragen werden.
Die Zeitungen verbreiteten in den letzten Tagen die Meldung, daß Negus Menelit, welcher schon seit Wochen frank darniederliegt, gestorben sei. Diese von der Agence Havas verbreitete Nachricht ist, wie der„ Agenzia Stefani" aus Addis- Abbeba telegraphiert wird, unbegründet. Der Zustand des Negus ist unverändert. Das Land ist ruhig. Die Kaiserin Taitu hat sich vergeblich bemüht, mit den Anführern von Schoa ein Einvernehmen zu erzielen.
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