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ten die hohen Herrschaften die Grüße der auf dem Bahn­steig anwesenden Personen.

Um Uhr traf der Zug in Friedberg ein. Dort hatte sich am Bahnhof eine große Menschenmenge ein­gefunden, die den Platz vor dem Bahnhofsgebäude in dich­ten Reihen umsäumte. Die Absperrung war durch ein rei­

*

Die gefürchtete Schweinefeuche beginnt sich wieder auszubreiten. Sie ist festgestellt in Altenschlirf, Grünberg, Mauswinkel, Rirfeld, Freiensteinau, Schlitz, Münschen- Moos, Willofs und Gießen.

** Straßenpflanerung. Jetzt wird auch der zwischen Seltersweg und Südanlage befindliche Teil der Goethestraße, welcher bisher nur eine chauffierte ches Auſgebot von Soldaten, Schuhleuten und Feuerwehr- Jahrbahn aufwics, mit e nem Belag von Granitsteinen

männern vorgenommen. Auf dem Bahnsteig blieben nur die Herren des Sicherheitsdienstes, einige höhere Bahnbe­amte und eine fleine Schar auserlesener Pressevertreter, da­runter Herren aus Petersburg, Paris und Berlin zurüd. Von jeder größeren Station aus wurde ins Großherzog­liche Schloß die telegraphische Mitteilung vom Näherkom­men des russischen Hofzuges gesandt. Der Zug sollte um 2.21 Uhr einlausen, hatte aber eine geringfügige Verspät­ung. 2.20 Uhr verließ das Großherzogliche Paar im offenen Wagen die Burg. Der Großherzog im dunkeln Promenadenanzug mit rundem Hut, die Großher­zogin im einfachen hellen Kleid mit schwarzem Hut. Die Begrüßung des hohen Paares seitens des Publikums war eine ungemein herzliche. Unaufhörlich dankten beide mit freundlichem Nicken und Grüßen.

Kaum, daß das hohe Paar den Bahnsteig betreten hatte, wurde der Hofzug sichtbar. Langsam und geräusch los fuhr er in die Halle. Der erste, der den Wagen ver­ließ, war Raiser Nikolaus im einfachen hellen Rei­seanzug mit weichem Hut, hinter ihm folgten die Kai= serin und die Kinder. Und nun gab es eine rühr­ende Familienszene. Mit beiden Händen begrüßte der Groß­herzog seine Schwester und den Kaiser und füßte sie herz­lichst. Ebenso innig war die Begrüßung zwischen der Groß­herzogin und den hohen Verwandten. Freudig umringten die fünf kaiserlichen reizenden Kinder Onkel und Tante und bekamen jedes ihr Küßchen und Patschhändchen. Mit dem Kaiserpaare trafen ein: Fürst Orloff, der dem Hofzug bis Marburg entgegengefahren war, die Generaladjutanten des Kaisers Graf Benkendorf und Generalleutnant Mossolow, der Hausminister des Kaisers Graf Frederiks, Palasttom­mandant Detjulin, Flügeladjutant Drenteln, Leibarzt Bot­fin, die Ober- Ehrendame Fräulein Büßow, die Ehrendame Fräulein Tjutgeff und sonstiges großes Gefolge. Offizieller Empfang war ertra verbeten und so spielte sich alles ganz im Familientreise ab. Das Publikum draußen auf den Straßen brauchte nicht lange auf das Erscheinen der hohen Herrschaften zu warten. Nach zwei oder drei Minuten er­schienen schon zwei einfach gefleidete Herren- Zar und Großherzog und bestiegen den Wagen. Im ersten Wa­

gen nahmen die Zarin, die Großherzogin, der kleine Zare­witsch Alerei, sowie die älteste russische Prinzessin Olga Plaß. Die Zarin trug ein helles Kleid und schwarzen Hut. Sie sah etwas bleich aus, machte aber sonst einen vorzüg­lichen Eindruck. Man sah ihr die herzliche Freude an, sich im Heimatlande zu befinden. Der Zarewitsch hatte einen Matrosenanzug an und ebensolche Müße auf. Im 3. Wagen folgten die Prinzessinnen Tatjana, Maria und Anastasia. Es war herzlicher Jubel, mit dem die Wagen begrüßt wur­den. Der Kaiser, der ununterbrochen seinen Hut zog, be= hielt ihn schließlich einfach in der Hand und grüßte mit freudestrahlendem Gesicht nach allen Seiten, besonders be­grüßte er freundlich die in der Kaiserstraße aufgestellten Veteranen. Mit stürmischem Jubel begrüßten die Bewoh ner der Burg die Ankunft der hohen Herrschaften. Nach­dem die lange Reihe der Wagen und Automobile mit Ge­folge und Dienerschaft im Burghof verschwunden waren, fiel der weiße Schlagbaum, die Kaiserstandarte auf dem Schloß wurde neben der Standarte des Großherzogs ge­hißt, der Herrscher des mächtigen Rußland und seine Fa­milie hatten auf lange Zeit hinaus Wohnung in der alten Burg Friedberg genommen.

Um Schloß Friedberg wurde es still. Drinnen saßen vier Menschen, die sich viel zu erzählen hatten. Tiefgerührt soll die Kaiserin gewesen sein, als sie das einfach ausge­stattete Zimmer ihrer Mädchenzeit wieder gesehen, in dem sie während ihres hessischen Aufenthaltes wohnen wird. Reizend war die Begrüßung der Kinder. Unsere Prinzen, noch ein wenig scheu gegenüber dem russischen Vetter und den großen Basen, die älteste Prinzessin dürfte bald 15 Jahre zählen, werden bald innige Freundschaft mit ihnen schließen und dann dürfte es in Schloß Friedberg an Le­ben nicht fehlen.

Im Schlosse empfing das Kaiserpaar den hessischen Hof­marschall Frhrn. v. Ungern- Sternberg und den Kammer= herrn Frhrn. v. Leonardi. Um 5 Uhr wurde der Tee ein­genommen, für die Fürstlichkeiten im Garten, für das Ge­folge im Schloß, und abends war Familientafel im eng= sten Streise. Unterdessen wurde es gegen Abend auf der Kaiserstraße von neuem sehr lebhaft. Viele Hunderte pro­menierten auf und ab und ergößten sich an dem Schaw­spiel, das Friedberg seinen Gästen bei eintretender Dunkel­heit bot. Die Kaiserstraße bot dann in ihrer Illumination ein prächtiges Bild. An den Bäumen liefen die langen endlosen Schnüre der Lampions und teilwetse waren auch die Fenster der Häuser illuminiert.

Gast=

Deutschland und das Land Hessen weiß, was freundschaft bedeutet und wir hoffen, daß die hohen Gäste, die auf Schloß Friedberg wohnen, uns gesund verlassen u. die Ueberzeugung mit sich nehmen, daß in Friedberg und Bad Nauheim noch deutsche Treue und Ehrlichkeit zu Hause

ift.

Lokales.

Gießen, 1. September 1910.

* Der Minister des Innern v. Hombergt zu Vach hat einen mehrwöchigen Urlaub angetreten.

* Der Bahnhofs erweiterungsbau ist in den letzten Tagen rüstig fortgeschritten. Er ragt nunmehr 2 Meter über die Straßenfläche empor. Der Sockel ist in Granit gehalten. Das auf dem Unterbau ruhende, nahezu fertiggestellte Erdgeschoß besteht in den Außenseiten aus Totem Sandstein.

bersehen. Im übrigen verdient die rasche Bewältigung der diesjährigen Straßenarbeiten seitens des Tiefbau­omtes Anerkennung.

* Streit. Ein Teil der Arbeiter der Holzbearbeit ungsfabrik von Emil H. Müller zu Gießen ist verschiedener Differenzen halber in den Ausstand getreten.

* Das silberne Berufsjubiläum beging am Dienstag der bei den Rechtsanwälten Katz und Kaufmann tätige Bureauvorsteher Boeck.

* Verhaftet wurde in der Nacht zum Dienstag in der Dammstraße durch den Wach- und Schließmann Schäfer ein Tagelöhner bei der Ausführung eines Keller­diebstahles. Auch sein Gehilfe, welcher ebenfalls dem Ar­beiterstand angehört, wurde durch den genannten Beamten festgenommen, entschlüpfte aber auf dem Wege nach dem Polizeiamt.

* In ein tatholisches Vereinshaus wird demnächst die alte fath. Sirche in der Frankfurterstraße umgebaut wer­den. Die darauf bezüglichen Pläne befinden sich gegen= wärtig im städt. Hochbauamt.

* Cafe Leib. Das überall befannte und alt renomierte Cafe Leib hat am 1. August seinen Pächter ge wechselt und ist in die Hände des Restaurateurs Rosch übergegangen. Dem neuen Pächter geht ein guter Ruf als tüchtiger Fachmann voraus, der es sich sicher angelegen sein läßt, dem Cafe Leib das alte Renommee wieder zu erlangen und zu wahren. Herr Rosch hat bereits große Restaurants und Varietes wieder glänzend in Gang ge bracht, was sich ja leicht denken läßt, da er früher erste Stellungen im Albert Schumann- Theater und Kaiserkeller in Frankfurt begleitet hat. Die großen geräumigen Lofalitä ten sind vollständig renoviert, ebenso der schöne Festsaal, welcher neben anderen auch einen neuen Parkettfußboden er­halten hat, was ja längst schon der Wunsch aller Vereine resp. der tanzlustigen Jugend war. Im Restaurant finden täglich erstklassige Künstler- Konzerte statt bei freiem Eintritt. Der Saal wird in erster Linie für Vereine und Gesell= schaften reserviert gehalten und außerdem zu Varieteee- Vor­stellungen verwendet. Wir wünschen dem Herrn Rosch zu seinem Unternehmen viel Glück und recht lebhaften Besuch.

Lieber­die des

* Um Herrn Köhler Reichstagsmandat scheint es endgiltig geschehen zu sein. Der Abg. mann von Sonnenberg polemisiert im Reich" gegen Mitteilung, die im Anschluß an die Kandidatenfrage Abg. Köhler gemacht wurde, daß nämlich voraussichtlich eine Verschmelzung der antisemitischen Parteien stattfinden werde. Von Interesse ist, daß Herr Liebermann v. Son­nenberg erklärt, die deutsch- soziale Parteileitung werde aus dem Wortlaut der Kundgebungen des Abg. Köhler ledig­lich den Schluß ziehen, daß der genannte Herr endgiltig. auf ein Mandat verzichtet, da eine gemeinsame Kandidatur außer jedem Bereich der Möglichkeit liege.

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* Weinbau in Hessen. Die ungünstigen Wein­ernten der letzten Jahre und die dadurch veranlaßte Un­rentabilität des Weinbaues veranlassen viele Besizer, ihre bisher mit Reben bestellten Kulturböden lieber mit deren Erzeugnissen der Landwirtschaft, von denen sie bessere Erträge erhoffen, zu bestellen. Dies dürfte der Hauptgrund sein, daß der Weinbau in Hessen nach der neuesten Stati­stit nicht unwesentlich zurückgegangen ist. Die gesamte mtt Reben bebaute Fläche belief sich in Hessen im vorigen Jahr noch auf 14 567 Heftar; jetzt beträgt im Jahr 1910 die Ge­samtweinbergsfläche nur noch 14 300 Hektar.

Aus Hessen und Nachbarg ebiet.

* Aus dem Vogelsberg. Groke Heuvorräte sind infolge des reichen Graswuchses im Ueberfluß vor­handen, und die bevorstehende Grummeternte verspricht ebenfalls sehr reichlich auszufallen. Auf den Bahnhöfen werden jetzt bedeutende Heumengen versandt. Der Preis ist 2 Mt. bis 2,25 mt für den Zentner also sehr niedrig.

* Friedberg. Der hiesigen freiwilligen Sanität­folonne vom Roten Kreuz wurde von der Reichsbank in Anerkennung der bei dem Raubanfall im Juni d. Js. dem Bankdirektor Meyer geleisteten ersten Hilfe der Betrag von 40 Mt. überwiesen.

* Friedberg. Unter dem Protektorat des Herrn Kreisrat Schliephake- Friedberg findet am 3. und 4. Sep­tember im Saale des Hotel Trapp eine Rosen und Herbst blumen Ausstellung, veranstaltet vom Bezirtsberein Fried­berg der Verbindung selbständiger Handelsgärtner Hessens, ſtatt.

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* Allendorf a. d. L. Der Verband Oberhessi­scher Kaninchen- und Geflügelzüchter wird seine erste Ver­bandsausstellung am 30. Oktober in Wieseck abhalten. Mit der Ausstellung soll eine Küchenabteilung verbunden wer­den. Kaninchenfleisch wird hier zu Kostproben ausgelegt. Der Verein Gießen wird diese Abteilung einrichten. Ein Kaninchen und Geflügelmarkt in Gießen ist beabsichtigt. * Wezlar. Durch Unvorsichtigkeit wurde in Maschinenfabrik Rose dem Lehrling Karl Hofmann von Werdorf an der Eisensäge das linke Handgelenk durchschnit­ten. Der Verletzte wurde in die Gießener Klinik gebracht. * Eschwege. Die Tabaternte fällt in un serer Gegend in diesem Jahre sehr gut aus. Die Pflanzen fonnten sich bei dem feuchtwarmen Wetter vorzüglich ent= wickeln. Da die Preise des Roh, abats in den letzten Jah­ren gestiegen sind, hat man in diesem Jahre wieder grö­ßere Flächen angepflanzt.

* Frankfurt a. M. Zur Fleischteuerung. Bei der hiesigen Stadtverordnetenversammlung ist folgender Antrag eingebracht worden: Der Magistrat wird ersucht, gemeinsam mit der Stadtverordnetenversammlung bei der Staatsregier­ung dahin vorstellig zu werden: 1. daß die Grenzsperre für die Einfuhr von Jungvieh, Schlachtvieh und Fleisch auf das für den Seuchenschutz unumgänglich nötige Maß her abgesetzt werde, 2. daß die Zölle auf Futtermittel vorerst zeitweise aufgehoben und die Vieh- und Futterzölle herab­gesetzt werden, 3. daß die Frachtsäße für Schlachtv eh und Fleisch zeitweise ermäßigt werden.

* Frankfurt a. M. Wegen großer Betrügereien wurde gestern der hier wohnende 32jährige galizische Reichs­graf Josef Duni- Bockowsky von Szachcince verhaftet.

* Darmstadt. Der Präsident der Hassia", Ge­neralleutnant 3. D. Georg Hof, ist nach langem schweren Leiden gestorben. Der Verewigte stand im 65. Lebens= jahre und gehörte viele Jahre hindurch dem Offizierkorps des 116. Infanterie- Regiments in Gießen an. Er war zuletzt Brigade Kommandeur im Osten des Reiches und er­hielt bei seinem Scheiden aus dem aktiven Dienst den Cha­rafter als Generalleutnant mit dem Titel Exzellenz. Seit

dem lebte er in Darmstadt im wohlverdienten Ruhestand, wo er sich besonders die Pflege alter Kameradschaft ange legen sein ließ, weshalb ihm auch vor etwa sechs Jahren beim Rücktritt des Oberstleutnants 3. D. Gramolini das Präsidium der Hassia" übertragen wurde.

* Wiesbaden. Der Großgerzog von Mecklen burg- Strelitz ist heute vormittag mit Gefolge hier ein. getroffen und hat im Hotel Nassauer Hof" Wohnung genommen.

* Wiesbaden. Dem Ehrenausschuß für die vom 3.- 5. September in Wiesbaden stattfindende 24. Haupt= versammlung des Mittelwestdeutschen Stenographenbundes Stolze- Schrey find hervorragende Vertreter der Behörden, von Wissenschaft, Handel und Industrie beigetreten, u. a. der Herr Regierungs- Präsident Dr. von Meister, Herr Land­rat Kgl. Kammerherr v. Heimburg, Herr Landeshauptmann Krekel. Den Festvortrag hat der als hervorragender Prat­tifer bekannte Kammerstenograph Frey- Karlsruhe i. B. über­nommen, dessen Thema Hat die Stenographie ein Zukunft?" bei der großen Bedeutung der Kurzschrift von Interesse sein wird. Interessenten, auch solche welche feinem Stenographen verein angehören, erhalten gern Auskunft durch den Vor­sitzenden des Wiesbadener Vereins, Herrn A. Todt, Wies­baden, Morißstraße 21.

* Utphe. Bei der Beigeordnetenwahl wurde der seitherige Beigeordnete Konrad Wilhelm Belzer mit 66 Stimmen einstimmig wiedergewählt.

* Bingen a. Rh. Am Rheinischen Technikum in Bingen, einer Lehranstalt, die sich ausschließlich mit der Ausbildung im Maschinenbau und in der Elektrotechnik be­schäftigt, beträgt die Zahl der Studierenden 3. 3. über 500 und wird voraussichtlich im Winter d. Js. abermals eine Vergrößerung erfahren. Ueber Automobilbau als Spezial­fach wird bereits seit 3 Jahren, über Luftfahrzeugbau seit einem Jahre vorgetragen. Mit der Anstalt sind große La boratorien und Versuchsräume für Maschinenbau und Elek­trotechnik verbunden.

Aus aller Welt.

)( Rund um Berlin" ist bereits sieben Mal auf Brennabor gewonnen. Am Sonntag fonnte ein Brenna= borjahrer den achten Platz belegen und die Zeit des vor­jährigen Siegers um 2 Minuten und 43 Sefunden ver­bessern. Das 30 Kilometer lange Straßenrennen Berlin­Tasdorf- Berlin gewann H. Hamann; die 178 Kilometer lange Strecke Berlin- Königsberg N.- M.- Berlin legte E. Mantle als Erster zurück. Hamann und Mantle fahren Brennabor, wie auch 2. Klingelschmitt und A. Tschum­perly, welche sich im 30 Kilometer- Rennen um die Straßen­meisterschaft von Mülhausen i. E. als Erster bezw. Zweiter plazierten.

)( Stundenrennen. In Zehlendorf gewann A. Tezlaff, nachdem er bereits im Hauptfahren gesiegt hatte, am 28. August auch das Stundenrennen. Im Stundenren­nen auf der Barmener Rennbahn gingen T. Hall aus dem ersten und A. Schulze aus dem zweiten Laufe als Sieger hervor, und in Hannover endete das Stundenrennen mit dem Siege von Echterhoff- Moritz, die, wie Tetzlaff, Hall und Schulze, Brennabor fahren.

Abg. Köhler- Langsdorf

hat in der Automobil- Angelegenheit eine Ladung auf das Amtsgericht zu Lich erhalten.

Die hessische Regierung erhielt von dem Abg. Köhler jetzt noch eine zweite Kraftwagen Interpellation, deren Wortlaut folgender ist:

In der Allgem. Automobilzeitung" zu Berlin Nr. 34, vom 26. August 1910, findet sich u. a. auf Seite 33 folgende Zuschrift des hess. Regierungsassessors Dr. L. Opel zu Berlin:" Als hess. Regierungsbeamter und Ken­ner der hess. Verhältnisse halte ich es unter der Würde, etwas auf die Angriffe des Herrn Köhler zu entgegnen. In Hessen ist man ja gewöhnt, daß der antisemitische bauernbündlerische Abgeordnete sich sehr oft journalistisch betätigt, dabei aber das breite Forum des deutschen Blätterwaldes mit der Rednertribüne seines kleinen ober­hessischen Bauernnestes verwechselt."

Da ich als gewiß annehme, daß es, wie hier ge­schehen, durchaus ungehörig und unzulässig ist, wenn ein hessischer Beamter in solch verächtlicher und beleidi gender Art und Weise ein gutes, ehrbares und erweis­lich in jeglicher Beziehung hochangesehenes Dorf seines heimischen Staates und ohne, daß dieses ihm dazu An­laß gegeben hätte, in der Oeffentlichkeit zitiert, frage ich: Ist die Großh. Regierung geneigt, den Gr. Regierungs­assessor Dr. L. Opel zu Berlin in seiner Eigenschaft als hess. Regierungsbeamter wegen dieser, die Gemeinde Langsdorf verächtlich machenden, in der Oeffentlkthteit ohne deren Schuld herabseßenden und sie beleidigenden Aeußerung zur disziplinären Verantwortung zu ziehen. Langsdorf, 29. Aug. 1910. gez. Köhler.

Aus dem Gerichtssaal.

Straffammer.

Gießen, 30. Aug. 1910. Kaum aus dem Zuchthaus entlassen, wo er 5 Jahre verbüßt hatte, stahl der Taglöhner Emerich Schäfer aus Groß Erda in Gießen vor einer Wirtschaft ein Fahrrad, das er sofort in einer anderen Wirtschaft verkaufte und sich eine Anzahlung von 6 Mart geben ließ. Als der Käufer das Rad nach Hause suhr, wurde er angehalten, da man ihn für den Dieb hielt; doch stellte sich bald heraus, daß der Angellagie, der sich in einer Wirtschaft gütlich tat, der Dieb ist und es erfolgte seine Verhaftung. Urteil: 2 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust. 3 Wochen Untersuchungs hast werden aufgerechnet.

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Die Schüler Daniel Nold und Heinrich Schmierle Friedberg haben einem Glaser eine Uhr mittelst Einsteigens gestohlen und sie im Güterschuppen der Eisenbahn versteckt. Sie wollen nicht übergestiegen, sondern durch die Türe in die Wertstätte gekommen sein, so daß kein schwerer Dieb­stahl vorliege. Es stand jedoch fest, daß die Türe und das Tor verschlossen waren, so daß sie eingestiegen sein mußten. Sie wurden zu je 10 Tagen Gefängnis verurteilt.

Gegen den Kreisstraßenwart Kaspar Schäfer wurde wegen Sittlichkeitsverbrechens unter Ausschluß der Deffent­lichkeit verhandelt. Schäfer ist geständig, seiner Nichte, deren Vormund er war, und bei dem sie wohnte, unsittliche An­träge gemacht zu haben, als sie noch nicht gehn Jahre alt war. Später hat er sich bis zu ihrem 13. Lebensjahr in unsittlicher Weise vergangen. Das Urteil lautete auf 4 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust, abzüglich ein Monat Untersuchungshaft.

Der Dienstknecht Dito Hardt von Ober- Mockstadt hat sich in Bad Nauheim, Blofeld, Echzell, Gettenau, Dorn- Assen­heim und Heldenbergen, sowie in Büdesheim vermietet. Nach Empfang des Mietgeldes verschwand er ohne sich wie­der blicken zu lassen. Er ist wiederholt vorbestraft und be­ruft sich auf Trunkenheit, auch sei er geistig nicht normal, da er einen Schuß in den Kopf bekommen habe. Er ist zwar geistig minderwertig, doch muß er für seine Hand­fungsweise verantwortlich gemacht werden. Urteil: Jahr | Gefängnis und 5 Jahre Ghrverlust.