Ausgabe 
29.9.1906 Zweites Blatt
 
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Dunkelheit durchgefochten. Nach fünfundzwanzig Gängen wurde die Fortsetzung des seltsamen Duells auf Sonntag vertagt. Gestern nahm das Säbelduell ein Ende, indem der sozialistische Redakteur von seinem Gegner einen Säbelhieb in den Schenkel erhielt.

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Unterm Sternenbanner. In den Schulen Ameritas ist zur Sitte geworden, einmal in der Woche das Banner der Stars and Stripes" zu entfalten, um den Kindern Gelegenheit zu geben, dem glorreichen Wahrzeichen Uncle Sams ihren Respekt zu erweisen. In Manitoba wurde jetzt durch einen Eriaß angeordnet, daß vom nächsten Neujahrs­tag ab jede vom Staat unterstützte Schule während der Unters richtsstunden den Union Jack flattern lassen muß. Jede Schule, die das Heraushängen der Fahne einmal ohne vernünftigen Grund unterläßt, hat wegen unpatriotischen Verhaltens die staatliche Unterstüßung verwirkt.

Das Zeitungslesen schützt vor geistiger Erschöpfung. So behauptet der Vorsitzende der Londoner Sanitäts- Ver­einigung, Sir James Browne. Und da er berufen ist, über bie öffentliche Gesundheit zu machen, darf man ihm wohl einigermaßen Sachfenntnis zutrauen. Vor allen Dingen soll bas Zeitungslesen gegen die typische moderne Krankheit, die nervöse Müdigkeit, helfen. Sir James sagte in einem Vor­trage darüber: Ich sage es mit voller Ueberlegung, daß die Beitung mit allen ihren Fehlern eines der Bollwerke zur Er­haltung unserer Gesundheit in der gegenwärtigen Zeit ist. So mancher Mann ist vor Schwermut und Trübsinn nur burch seine Zeitung gerettet worden. Wollte man die Zeitungen abschaffen, so müßte man gleichzeitig die Irrenhäuser ver­größern." Sir James wird mit seinen Ausführungen vielleicht Widerspruch finden, aber andererseits werden auch die Feinde des Zeitungslesens fie sollen hier und da noch vorkommen den berechtigten Kern in seinen Anschauungen nicht leugnen. Die Zeitung bietet heutzutage soviel Anregungen, daß sie wohl geeignet ist, von den Sorgen des aufreibenden Kampfea ans Dasein abzulenken, das Ueberwuchern der selbstsüchtigen Instinkte in den Hintergrund zu drängen und idealen und versöhnenden Ideen Raum zu geben. Jeden Tag entrolli die Zeitung ein neues, und manchmal sogar ein interessantes Weltbild und vertritt auf diese Weise die Stelle des Geistes. und Seelenarztes, der den müden, gehezten, modernen Menschen Schritt um Schritt der Gesundung entgegenführt.

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Für die Kay. Jn esparre taro fürzlich eine Kaze, die ihrer Milchschwester" ein Vermögen von 90 000 m. hinterließ. Jede der beiden Katzen hatte voriges Jahr von einem exzentrischen Millionär namens Dilley ein Vermögen bon 85 000 m. geerbt. Leider bieten die Geseze des Staates Pennsylvanien keine Handhabe, um die unsinnige Testamentse bestimmung aus der Welt zu schaffen. Das Geld ist unab änderlich für die Kaz".

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Das abgepflückte Runkelblatt. Der Flurdiener von Büttstedt i. Th. brachte eine Einwohnerin zur Anzeige, weil fie Runkelblätter abgepflückt hatte. Wegen dieses Verbrechens erhielt die Uebeltäterin einen polizeilichen Strafbefehl über drei Mart, gegen den sie Berufung einlegte, da sie sich un­schuldig fühlte. Der Vorfall beschäftigte daher das Schöffen­gericht in Mühlhausen i. Th. Der Gerichtshof glaubte, es handle fich um eine so große Anzahl von Blättern, daß zur Fortschaffung ein Wagen oder doch wenigstens ein Tragforb nötig sei. Wer beschreibt aber das Erstaunen aller, als der Flurdiener aussagte, daß die Frau nach seiner Ueberzeugung zwei, aber mindestens ein Blatt abgerupft habe. Der Gerichts­hof sprach die Angeklagte frei und legte die Kosten der Staats:

Bekanntmachung.

Auf Grund des Artikel 23 des Volksschulgesetzes und der Bestimmung Großh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, vom 26. November 1901 bringen wir zur allgemeinen Kenntnis, daß die

Fortbildungsschule

tasse auf. Das abgepflüdte Runkelblatt kostet dem Staat dis Kosten der Reise zweier Personen von Büttstedt nach Mühl hausen und Zeugengeld für die Vernehmung eines Zeugen und die Verhandlungskosten.

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Die Stärke eines Hühnereis. Neuerdings hat max die Widerstandskraft der Schale eines Hühnereies wissenschaft lich geprüft, und zwar erstens gegen einen mechanischen Drud zwischen den beiden Polen des Eies, zweitens gegen einen hydraulischen Druck von außen her. Für die Versuche mit mechanischem Druck wurde das Ei zuvor durch eine fleine Deffnung entleert, dann auf eine Platte gelegt und von oben her mit Gewichten beschwert. Da zerbrach die Schale durch. schnittlich bei einer Belastung von 18-34 kg, niemals aber an den Enden. Für den Nachweis der Widerstandsfähigkeit gegen einen äußeren Wasserdruck schloß man das Ei in einen dein hydraulischen Druck unterworfenen Behälter ein. Unter diesen Verhältnissen erfolgte ein Zerbrechen des Eies erst bei cinem Druck von 30 bis 37 Atmosphären. In Berücksichti gung der äußerst geringen Stärke einer Eierschale sind diese Bahlen sehr hoch zu nenen.

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Modernes Kinderspielzeug. Der alljährlich wieder: tehrende Spielzeug- Wettbewerb in Paris bringt wieder Neu­heiten von geradezu überraschender Wirkung. Wenn man es nicht sehen würde, könnte man es kaum glauben, auf welche Gedanken die Erfinder von Kinderspielzeug gekommen sind. Besondere Aufmerksamkeit lenkt ein ,, Katastrophen- Automobil auf sich. Es wird aufgezogen, fährt eine Strecke und fliegt bann in die Luft mitsamt seinen Insassen. Natürlich kann es sehr leicht wieder zusammengesetzt werden für eine neue Katastrophe. Dagegen sieht man ein Kriegsautomobil, ge­panzert und mit einer drehbaren Kanone versehen, deren Knall dem eines Revolvers ähnlich ist. Auch eine Drahtseil­bahn fehlt nicht, und ein Schiff ist zu sehen, das niemals untergeht. Aber auch für Erwachsene ist gesorgt. Leute, die früh aufstehen wollen, werden eine neue Weckuhr sehr zu schätzen wissen. Zur bestimmten Stunde entzündet sich von bst ein Lämpchen, und die Flamme teilt sich einem fleinen Dfen mit, um das Frühstück zu wärmen. Für Herren mit sehr festem Schlaf und guten Nerven ist ein Wecker erfunden, ber den Schläfer mit einem Pistolenschuß aufweckt.

Kunst und Wiffenfchaft.

HN. Die internationale Konferenz für Krebsforschung ist in Heidelberg zusammengetreten. Sie dauert bis zum 27. September und vereinigt mehr als 200 Krebsforscher aller Nationalitäten, wird aber von Mittwoch, den 26. September in Frankfurt a. M. fortgesetzt. Vorher wird in Heidelberg unter Teilnahme des Großherzogs von Baden und seiner Bemahlin das neue Institut für Krebsforschung eingeweiht. Nachdem bis jetzt noch immer die chirurgische Behandlung des Carcinoms als die wirksamste gelten muß, ist die Kranken­abteilung des Instituts als chirurgisches Krankenhaus gebaut, sodaß alle notwendigen Operationen ausgeführt und nach­behandelt werden können. Daneben ist durch Anschaffung der betreffenden Einrichtungen dafür gesorgt, daß auch die Radium-, Röntgen- und Lichttherapie zur Anwendung gelangen können. Auch die immer wieder neu auftauchenden Mittel zur Heilung bes Krebses sollen, soweit ihre Herstellung oder Anwendung wissenschaftlich begründet und rationell erscheint, den Kranken Jugute kommen. Die Verknüpfung des Instituts mit der Universität macht es leicht möglich, in regelmäßigem Unter ticht und in praktischen Kursen Studenten und Aerzten Ge:

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Montag, den 1. Oktober ds. Js., im Stadtknaben: schulhaus an der Nord- Anlage beginnt und von Masch, Wring- und Meongelmaschinen, Dezimal-, Tafel: n. genanntem Tage an wöchentlich zweimal abgehalten wird. Wirtschaftswagen, Fleischhack, Reib- u. Meffervuhmaschinen, Vogelkäfige und Züchter- Utensilier, Fischeretgeräte, Bürsten, Zum Besuche derselben sind alle Knaben verpflichtet, Besen und Türvorlagen, Kokosstricke, Flechtrohr, Raffiabaft welche während der letzten drei Jahre aus der Volksschule Werkzeuge, Beschläge, Eisenwaren, Kurzwaren, Solinger entlassen worden sind, sowie die Schüler der Gymnasien, Stahlwaren, Waffen und Munition empfiehlt Realgymnasien, Oberrealschulen, Realschulen und höheren Bürgerschulen, welche nach Ablauf des achten Schuljahres Edgar Borrmann, Giessen. austreten, ohne mindestens ein Jahr lang der Obertertia Telefon 165 angehört zu haben.

Es haben sich einzufinden:

Montag, den 1. Oftober, nachmittags 2 Uhr: alle schulpflichtigen Kaufleute, soweit dieselben nicht die faufmännische Fachschule besuchen, Schreiber, Schriftsetzer, Buchbinder, Geometer, Photographen, Graveure, Litho­graphen, Mechaniker, Maler, Lackierer, Friseure, Metzger, Auslaufer, Hausburschen, Gärtner.

Montag, den 1. Oktober, nachmittags 5 Uhr: alle schulpflichtigen Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dachdecker, Spengler, Schlosser, Schreiner, Glaser, Weiß­binder, Eisendreher, Installateure, Instrumentenmacher, Schmiede, Technifer.

Dienstag, den 2. Dttober, namittags 5 Uhr: alle schulpflichtigen Bäcker, Schneider, Schuhmacher, Sattler, Tapezierer, Wagner, Kellner, Köche und alle übrigen Schulpflichtigen.

Außerdem haben diejenigen Schüler der Nachbar­gemeinden, die abends in ihren Heimatsort zurückkehren, aber zum Besuche der hiesigen Fortbildungsschule ange­meldet worden sind, sittwoch, den 3. Oftober, nachmittags 4 Uhr, im Stadtfuabenschulhause ein­zufinden.

Unter Hinweis auf Artikel 25 des Volksschulgesetzes, wonach Lehrherren, Dienstherren und Arbeitgeber ihren Lehrlingen, Dienern und Arbeitern die zum Besuche der Fortbildungsschule nötige Zeit bei Meidung polizeilicher Strafen einzuräumen haben, ersuchen wir die Genannten, sowie die beteiligten Eltern, Vormünder 2c., den Schul­pflichtigen von vorstehender B.fanntmachung rechtzeitig Kenntnis zu geben.

Gießen, den 20. September 1906. Für den Schulvorstand: Mecum, Oberbürgermeister.

Hahn, Rektor.i

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Legenheit zum Lernen zu bieten. Hand in Sand gehend mis ihr soll die wissenschaftliche Abteilung das Problem bes Krebses von verschiedenen Gesichtspunkten aus angehen. Gin anderer Teil der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten dient zur Unterbringung der verschiedenartigsten Versuchstiere,

CC. Fünfzig Millionen für öffentlichen Unterricht. Der Behörde für den öffentlichen Unterricht" in den Bereinigten Staaten bat adefeller die Summe von 50 Millionen Mart überwiesen, damit fie in allgemeinnüßiger Weise verwendet werde. Bis jetzt sind an neun große Unterrichtsanstalten Geschenke von 125 000 bis 375 000 Mark verteilt worden, damit Vervollkommnungen aller Art in ihnen geschaffen

werden könnten.

S1. Der deutsche Chemikertag tagte in Dessau. Dr. Treu­mann- Hannover hielt einen bedeutungsvollen Vortrag über die Errichtung einer chemischen Reichsanstalt. Er brachte eine Resolution zur Annahme, die sich für Errichtung der chemischen Reichsanstalt aussprach. Dr. Lenze- Dessau sprach über die moderne Milchhygiene; in der anschließenden Diskussion wurde zur Verminderung der Säuglingssterblichkeit eine Veri Terung der sanitären Verhältnisse in Gemeinschaft mit den Landwirten empfohlen. RW. Die internationale Konferenz für Krebsforschung wurde gestern in Frankfurt a. M. durch Geh. Rat Biofeffor von Leyden- Berlin eröffnet. Im Namen des Kultusministers wünschte Geh. Rat Professor Kirchner den Verhandlung in der Konferenz besten Erfolg. Bürgermeister Varrentras begrüßte die Versammlung im Namen der Stadt Frankfurt.

Hus dem Gerichtslaa!.

Der geiftestranke Massenmörder Dittrich. Georg Dittrid, melcher sich seit einiger Zeit in der Jrrenabteilung des Zuch hauses in Waldheim befindet, wird demnächst wieder nach Berlin zurückgebracht werden, wo beim Landgericht II die Untersuchung bezüglich der ihm zur Last gelegten Morde an den beiden Frauen Schurm( Zeuthen) und Graßnid( Eichs walde) weitergeführt wird. Die fürzliche Nachricht, daß Dittrich infolge von Geisteskrankheit gänzlich außer Straf verfolgung gesezt und demgemäß zu zeitigem Aufenthalt einer Frrenanstalt überwiesen sei, bestätigt sich nicht. Er ist viel. mehr laut Beschluß der ersten Strafkammer des Dresdener Landgerichts auf Grund des von den Waldheimer Psychiatern erstatteten Gutachtens nur außer Verfolgung gesetzt worden wegen eines in Sachsen verübten Lustmordes. Das Gut achten geht dahin, daß Dittrich bei Begehung der ieztge nannten Tat geistig nicht zurechnungsfähig gewesen ist. Ob aber die Annahme der geistigen Unzurechnungsfähigkeit auch bei den beiden in der Umgegend von Berlin verübten Frauen, morden zutrifft, muß erst durch eine erneute Beobachtung des Täters in einer preußischen Jrrenanstalt festgestellt werden, von deren Ergebnis dann die weiteren Maßnahmen abhängen werden.

§ Wegen Urkundenfälschung wurde die erst sechzehnjährige Margarethe Antoniewicz von der 2. Strafkammer des Land gerichts I. in Berlin zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe berurteilt. Das vielversprechende Früchtchen hatte mit größter Dreistigkeit diverse Wechsel über Summen von 4000 und 6000 Mart gefälscht und in Umlauf zu sezen versucht.

§ Der Fall Biewald vor Gericht. Die Verhandlung vor dem Breslauer Zivilgericht in der Klage des Arbeiters Biewald, dem bei dem Krawall am 19. April die Hand abgeschlagen wurde, gegen die Stadtgemeinde Breslau auf Zahlung voll 5000 Mart sowie einer lebenslänglichen Rente, ist aufgehoben worden. Ein neuer Termin ist noch nicht anberaumt.

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AUS DEM REICHE

DES

WISSENS

Infekten- Intelligenz.

In den russischen Kohlenfeldern am Dornetzfluffe wurde

welche

St. Lorenzfluß besitt

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Benbahnbrücke aus Efe.

Die fanabische Brilcke über bet große Güterfrachten

läßt wären ber eisfreien

Rähne unpassterbar, und der Boll mußte von mittels Fähre über den Strom transportieren, um dadurch ist der Fluß für Rörüdenzölle zu ersparen. Im Winter aber der Gesellschaft entrichtet werden, bis die Direktion auf ben Einfall fam, einen Schienenweg auf der festgefrorenen Ober­die bedeutenden

amstag, ben 29. September

berbessische

1906

Familienzeitung

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

380

Nr. 224