Einzelbild herunterladen

MEEL

Π

228

Banpterpebition: Gießen, Seltersweg 38.

Fernsprechenfchlek Rr. 362.

Freitag, den 28. September 1906

Gießener

15. Jahrgang

Contibellagen: Oberbeffiche Familienzeitung( D unb bie Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

Neuelle Nachrichten

ichener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Beifung)

Mr Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle eintlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberbeffen.

Was ift ein Generalstreik?

Thas Mannheim wird der Deutschen Reform­Surrefpondenz" geschrieben:

Unter den Kampfmitteln der Sozialdemokratle spielt der Ceneralstreit die Rolle der ultima ratio. Wenn alle übrigen Sittel vergeblich aufgebraucht sind, soll der Generalstreit den Wzten Ansturm bilden, der jeden Widerand niederwirft. Cleber ben Generalstreit, seine Anwendbarkeit und seine Wirk­Framleit ist schon sehr viel gesprochen worden, erst jetzt wieder caf dem hier tagenden sozialdemokratischen Parteitage. Es wurde festgestellt, daß man über Theorie und Praxis des Oeneralftreits fehr verschiedener Mernung sein könne, daß das Urteil in Deutschland anders lauten dürfe als in Desterreich, und in Desterreich anders als in Rußland. Es wurde ferner Fitgestellt, daß der Generalstreit ein äußerst gefährliches, leicht Blen Beranstalter selbst verderbendes Kampfmittel sei, von hefen Gebrauch in Deutschland einstweilen und für absehbare eit nicht ernstlich die Rede sein tömme. Es wurde sogar ohne Biderspruch behauptet, daß der Generalstreit sich gar nicht an­Fronen oder organisieren oder vorbereiten lasse, daß er gleich mem elementaren Ereignis komme und plöglich da sei, micht weil man ihn wollte, sondern weil er sich aufzwinge. Ein solcher innerer Zwang werde eintreten, wenn man etwa en Arbeitern ihre politischen Rechte türzen, das Koalitions­recht einschränken, das allgemeine Wahlrecht aufheben würde.

In diesem äußersten Fall würde der Generalstreik das ge= gebene Abwehrmittel auch dann sein, wenn man die Nieder­age boraussähe. Da Rechtsänderungen der angedeuteten Un bon bestimmender Seite nicht beabsichtigt werden, so ist Der Hinweis auf die Möglichkeit eines Generalstreits bei uns Dein theoretisch. Daran wird auch durch die Versicherung michts geändert, daß alle Vorbehalte nur einstweilige Geltung batten, so lange nämlich die sozialdemokratische Partei nicht tarter sei, als fie tatsächlich ist. Dabei lief das Bekenntnis Enter, daß die Sozialdemokratie in Deutschland auf nicht tehr als 400 000 gewerkschaftliche Arbeiter rechnen könne.

In allen Erörterungen über den Generalstreit ist nur Sines nicht gesagt worden: was der Generalstreik eigentlich ff war das Wort ist leicht zu übersetzen: der Generalstreik die allgemeine Arbeitseinstellung. Alle Räder stehen il, wenn dein starker Arm es will"," heißt es in einem Bartenlied. Aber ein rechtes Bild von dem Generalstreit hat man darum doch nicht. Der partielle Streit, auch der über ein ganzes Gewerbe sich erstreckende Streit ist keine un­

gewöhnliche Erscheinung. Man hat ihn manches Mal gesehen. Rußland sogar einen Streif der Eisenbahner, der Post­Bamten, der Telegraphenbeamten und selbst der Polizisten. Bei jedem dieser Streits ist die Hoffnung der Streifenden borauf gerichtet, daß Hilfe und Unterstützung von Außen­Fhen den kommt. Die aufgesammelten eigenen Mittel der Cheifenden reichen nicht lange genug aus, um die wirt­Thaftliche Gegenpartei mürbe zu machen. Deshalb erfordert en Streit desto mehr Zuschüsse von außen und geht er maturgemäß desto schneller vorüber, je größer die Zahl iner Teilnehmer ist. Woher soll nun beim Generalstreik die Silfe tommen? Gewiß würde er unermeßliche Störungen mit emer gewissen Plöglichkeit hervorrufen, nicht bloß bei den Arbeitgebern im engeren Sinne, sondern in allen Gesellschafts= dichten. Auch wären die Störungen sicher mit großen Schädi­gungen verbunden. Was wäre aber damit geholfen? Die Arbeiter Leben doch nicht außerhalb der Welt, sie sind doch alle nicht Blog Produzenten, sondern zugleich Konsumenten. Stellen sie alle die Produktion ein, so haben se auch nichts für ihren Bonsum. Die Rechnung auf die grögere Empfindlichkeit und de damit in Zusammenhang stehende geringere Widerstands­Thigkeit der befizenden Klassen fann gar nicht anders als trigerisch sein. Sie erinnert an den Rat jenes Mannes, der ine Unmenge Fische, für die es an Kesseln aus Kupfer ge= Thrach, in Kesseln aus Wachs zu sieden empfahl, und auf die Ginrede, daß die Wachskessel am Feuer schmelzen würden, Thinzarfügte: man solle das Feuer so mächtig machen, daß die Fiche früher gar als die Wachskessel geschmolzen wären! Der finge Ratgeber wurde ausgelacht. Die Fürsprecher des Generalstreits werden es einstweilen noch nicht. Aber es wird hom dahin kommen, hoffentlich ehe ein Versuch angestellt bird, der nur Unheil anrichten kann. Das wissen auch die recht gut, die mit der Vorstellung tine Generalstreifs zu spielen lieben und von ihm als einem möglichen und praktisch anwendbaren Mittel sprechen. Sie hm es vielleicht bloß, um den Massen nicht ein liebgewordenes Bhantasiebild zu nehmen. In Wirklichkeit ist der General. herif eine fata morgana, eine leere Luftspiegelung, und nicht animal eine schöne."

Politische Rundschau.

Deutfches Reich.

Eine große, von der Leipziger Fleischerinnung einbe­rufene Versammlung erklärte zu der Frage der Fleischteuerung, bei fortgesetter Steigerung der Einkaufspreise sei eine aber­mallige Erhöhung der Verkaufspreise für Fleisch und Fleische warren unausbleiblich. Die Versammlung forderte dringend die Deffnung der Grenzen. Anläßlich der ungewöhnlichen Fleischteuerung richtet der Frankische Bauer", das Organ des

aringen Bauernvereins in Franken, eine Wahnung an seine Safer, alles schlachtreife Vieh underweilt auf den Markt zu bringen, damit der Teuerung in etwas abgeholfen würde. Wenn die Klagen über die Teuerung immer stärker würden, so müßten die öffentlichen Sympathien für die Landwirtschaft mehr und mehr schwinden.

Much gefter beherrschten die Diskussionen über den Maenstreit noch den sozialdemokratischen Parteitag in Mann­heim. Vom Parteivorstand und der Kontrollkommission in eine Resolution gegen die Anarchosozialisten eingebracht worden, in der es heißt:

Die anarcho- sozialistischen Bestrebungen, wie sie in den lokal organisierten Gewerkschaften fich geltend machen, sind unverein bar mit den Zielen und Interessen der Sozialdemokratie. Die Parteipresje hat daher die Pflicht, die anarcho- sozialistische Bewegung auf das entschiedenste zu bekämpfen, und die Partei­genossen haben die Aufgabe, die für diese anarcho- sozialistischen Bestrebungen eintretenden und agitierenden Bersonen, soweit diese Bersonen Parteigenossen find, aus ihren Reihen auszu­schließen.

Leber- Jena spricht gegen den Zusatzantrag Legien zur Bebelschen Resolution. Reichstagsabgeordneter Bömelburg, Vorsitzender des Zentralverbandes der Maurer, sagt: Klarheit herrscht heute nach meiner Auffassung über die Anwendung des politischen Massenstreits. Partei und Gewerkschaften sind ber Meinung, daß, wenn die herrschenden Klassen den Versuch machen wollten, das Wahlrecht oder das Koalitionsrecht an­zutasten oder wenn Stimmung in den Massen vorhanden sein sollte, zu dem Abwehrmittel des politischen Massenstreiks zu greifen sei. Nach längerer Debatte wurde die Abstimmung über die Anträge zum Massenstreif bis Freitag vertagt. Nach mittags unternahmen die Delegierten einen Ausflug nach Heidelberg.

-

* Der in Augsburg tagender Hauptversammlung des Gustav- Adolf- Vereins ging auf das Huldigungstelegramm an den Kaiser eine Dankdepesche zu, in welcher der Kaiſer ſein lebhaftes Interesse für die Arbeit des Vereins ausspricht. Die diesjährige große Liebesgabe des Vereins im Betrage von 28 832 Mart wurde für die Gemeinde Leoben in Steier­mart bestimmt. Die nächstjährige Jahresversammlung des Vereins findet in Stralsund statt.

Rufeland.

** Ein Tag vergeht wie der andere. Attentate und Ueberfälle wechseln miteinander ab und die Revolution fhreitet ungehindert fort. Heute liegen folgende Meldungen vor:

Petersburg, 26. September. Als heute der Kassierer der Newstywerte und sein Assistent mit 15 000 Rubelu über den Hof der Werte schritten, wurden fie in Gegenwart von Hunderten von Arbeitern von etwa 20 Individuen umringt und unter Bedrohung mit Revsvern der ganzen Summe beraubt; die Arbeiter wen durch Revolverschüsse ferngehalten. Die Räuber, flohen dann und verloren unterwegs 1300 Rubel.

Moskau, 26. September. Ein auf der hiesigen Station der Mostau- Rjäsanbahn stehender Güterzug wurde von bewaffneten Personen überfallen; mehrere Kisten mit Revolvern und scharfen Patronen wurden geraubt.

Odessa, 27. September. In nächster Nähe der Stadt wurden zwei Familien, zusammen sieben Personen,

ermordet.

Odessa, 26. September. Das Kriegsgericht ver­urteilte den Sozialisten Profotiloff, welcher den Fabrik­direktor Kirchner getötet hatte, zum Tode durch den Strang.

Riga, 27. September. Gestern abend wurde aber­mals eine Bombe gegen einer Straßenbahnwagen ge­schleudert, die aber nur einen Pfosten zerschmetterte. Der Urheber der vorhergegangenen Bombenexplosion wurde standesrechtlich zum Tode verurteilt.

Balkanftaaten.

** Die Zuspigung des Verhältnisses zwischen Bulgarien und der Türkei hat einen Nachkommen des bekannten National­helden der Albanesen Skanderbeg Aladro Kastrioti zu neuen Taten begeistert. Kastrioti, der seit drei Tagen in strengstem Inkognito in Sofia weilt, nachdem er eine Agitationsreise durch Montenegro, Dalmatien, das Küstenland und Serbien beendet hat, erklärte, er sei entschlossen, Bulgarien im Falle eines Konfliktes mit der Türkei mit einer 50 000 ann starten, aus seinem Anhange bestehenden albanischen Armee zur Seite zu stehen. Kastrioti suchte mit den mazedonischen Führern in Fühlung zu treten, fand jedoch nicht das ge­wünschte Entgegenkommen.

Amerika.

** Die Gemäßigte Partei auf Kuba ist dahin überein­gekommen, eine Kommission zu ernennen, um mit den Auf­ständischen über die Friedensbedingungen zu unterhandeln. Die Entscheidung in den streitigen Punkten soll Kriegssekretär Taft und Unterstaatssekretär Bacon überlassen werden. Die Gemäßigte Partei hat die Bedingung fallen laffen, daß die Aufständischen zuerst die Waffen niederlegen müßten. Der Umschlag in der Haltung der gemäßigten Partei ist durch ein von Taft und Bacon gestelltes Ultimatum herbeigeführt worden, das besagte, daß, falls die Partei nicht der Vernunft Gehör schenken würde, die Vereinigten Staaten durch Proflamation eine Militär- Regierung einsehen würden.

Afrika.

** Aus Tanger tommen beunruhigende Nachrichten über Gewalttaten gegen Europäer in Mawkko. In der Nähe von Marrakech wurde ein französischer Beamter Lassalles von Reitern des Scheichs Tefana angegriffen, 30 Stunden ge­fangen gehalten und erst nach langen Unterhandlungen wieder freigelassen. Eine Kugel war ihm durch den Schenkel ges gangen. Eben daselbst war dieser Tage ein Deutscher, dessen Namen nicht bekannt ist, in Gefahr, ermordet zu werden. Nur dem Dazwischentreten eines Händlers aus Fez verdankte er seine Rettung. Die Gesandtschaften werden sich die Sache wohl etwas näher betrachten müssen.

Alien.

** Die Reisteuerung in China hat zu zahlreichen Hunger- Revolten geführt, die teilweise durch Waffengewalt niedergeworfen werden mußten. Der Gouverneur von Sut schau, dessen Provinz von der Teuerung hart betroffen ist, hat an die Regierung die Bitte gerichtet, aus den in Schanghai hinterlegten Witteln 100000 Taels zum Ankauf von Reis zur Verfügung zu stellen.

Kleine politische Nachrichten.

Hamburg, 27. September. Die Nachricht, daß in Veracruz eine Revolution gegen den Präsidenten Diaz ausgebrochen sei, wird dem hiesigen merikanischen Generalkonsul als falsch be­zeichnet. Das Land sei ruhig.

Interlaken, 27. September. Tatjana Beretjem, die Mörderin des Rentiers Müller aus Paris, wird zur Be­obachtung nach der Frrenanstalt Münsingen gebracht.

Madrid, 27. September. Die Weiterberatung des Handels­vertrags mit Frankreich ist vertagt worden, da die beider­seitigen Delegierten bei ihren Regierungen Verhaltungsmaß­regeln einzuholen wünschten.

Washington, 27. September. Die Verkündigung der amerikanischen Intervention auf Kuba durch den Präsidenten Roosevelt wird aus Oyster Bay jeden Augenblick erwartet.

Assumption, 27. September. General Benigno Ferreyra ist zum Präsidenten der Republik Paraguay, und Emil Gonzalez Navero zum Vizepräsidenten gewählt worden.

**

Hof und Gefellschaft.

Am Montag ist der Großherzog von Heffen. Darmstadt tas strengsten Infognito mit dem Kabinetterat Römheld und dem Adjutanten Massenbach vermutlich nach Rußland auf zehn Tage verreist.

*

Der Gesundheitszustand des Sultans soll nach neueren Meldungen tatsächlich sehr ungünstig sein. Professor Bergmann aus Berlin habe eine Operation angeordnet, doch habe der Sultan erwidert, er ziehe den baldigen Tod einer Operation vor.

Dem Bischof Dr. Thiel in Frauenburg( Erm. land) ist aus Anlaß seines heutigen 80. Geburtstages der Rote Adlerorden 1. Klasse verliehen worden.

Deer und flotte.

3

Neue Uniform. Gelegentlich des gegenwärtigen Aufent halts des Kaisers in Rominten war dieser Tage eine Abordnung der beiden Ehren Kompagnien der Infanterie­regimenter Nr. 33( Gumbinnen) und Nr. 44( Goldap) nach dort befohlen worden, die aus je einem Unteroffizier und drei Mann bestand. Es wurde den Leuten, wie verlautet, neue( italinische) Uniform in der Art unseres Waffenrockes und der Litewfa anprobiert, um festzustellen, ob die Beklei dungsstücke praktisch und zugleich geschmackvoll seien. Die neue Uniform scheint von ungefähr aus demfelben blauen Stoffe wie unsere Waffenröcke zu sein, doch zeigt sie Auf­schläge von hellerem Rot, auch sind die hohen, weißen Binden unserem Auge ungewöhnt.

Begnadigte Grenadiere. Infolge der badischen Amnestie find auch die vier Heidelberger Grenadiere begnadigt worden, die in der Trunkenheit am Schlusse des Manövers fich vor drei Jahren an einem Unteroffizier vergriffen hatten und zu sechs und sieben Jahren Zuchthaus verurteilt worden waren. Der englischen Verunglücktes englisches Schlachtschiff. Kriegsflotte ist ein schweres Unglück zugestoßen, und zwar bei der ersten Versuchsfahrt des neuen Schlachtschiffes " Hibernia". Die ,, Hibernia" verließ Plymouth, um die neuen großen Geschütze zu probieren. Spät nachmittags kehrte das Schiff nach Plymouth in einem schwer beschädigten Zustande zurüd. Das Abfeuern der großen Geschüße hatte das Kriegs: schiff derartig erschüttert, daß die Decks fich verbogen hatten. Außerdem zeigte das ganze Bauwert des Schiffes Risse und Verbiegungen. Einige Matrosen der Mannschaft hatten Verlegungen erlitten. Das Schiff, welches 30 000 000 Mal testete, ist vorläufig wertlos.

Soziales Leben.

× Bergarbeiter- Bewegung. Der Vorstand des alten Bergarbeiterverbandes im Ruhrkohlengebiet gibt zu dem Beschluß der Siebenerkommission bekannt, daß die Lohn­

zu Beerdigenden getragen wurben.

fragte Duprat beim Hinaustreten aus der Katalombenver­

Beichen ber

Bur Grohoye fort, ein Bewels, daß bier bina pie ir bis

efung

find Berbrecher, wenn bas Ruvert im

Portefeuille

" Und wo find wir nun?"

würdest du uns preisgeben?" Duprat trägt meinen Namen. Und wenn ich heran ſollte

In meinem Haufe," entgegnete Rifton.

In

Geit mann find Cite

henn

um sollte ich dich schonen, durch dessen Unvorsichtigkeit"

burch die berameifelte Lage zu einem kühnen Ent

lachte laut

auf.

pro

an Dryden. Bunbesgenossen sehr auffäuig bemertte. nutteft, um des Kommerzienrates persönliche Bekanntschaft au was wir gestern Abenb besprachen 1" manbte fide bon bem wahrenbryben biefes feltfame Berhalten felnes alteren Wie wäre es, wenn bu biese Gelegenheit be fich Duprat jezi

ein anfebildette

Da mir bamit auf" egerfon

mix, ble belben baben Rogern,

fammen meinen r Nun und nimmer! öre

Da tönnte ich ja womöglich in ble seat erwolberte ber Betretä