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Kr. 226

baltion u.Baupterpebition: Gießen, Selterweg 30. Bernsprechenschluk Kr. 362.

Mittwoch, den 26. September 1906

Gießener

15. Jahrgang

Spatibellagen: Oberhoffifche Familienzeitung( fig und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

Neuelle Nachrichten

( siehener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberbeffen.

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sollen, gibt uns die Anregung, dem breiten Publikum nach wie vor das zu bringen, was

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Hochachtend

Redaktion und Berlag. Gießen, Seltersweg 83.

Deß wunnerscheene Giesse,

Giessener Catern.

Idyllisch leiht am Lahnesstrand Besonnersch awwer wann im Land Kaa Rejestreeme fließe; Doch alleweil wörd's bahl ze Sond,

Es rejend joa fast alle Stond!

Deß Blaster ons'rer gude Schbadt

Woar niemals sehr zu riehme, Dann doaß merrsch besser aach schont hatte Dhut sich zu soage zieme! Doaß derr ewwe joa en Braft,- Merr femmt joa om sei Läwe fast. Aus dere enn die anner Gaß'

Dhut merr besterzt sich flichte,-

Unn iwwerall is Dreck unn naß

Wohi de dich moagst richte

Doch duhst de net die Aage uff,

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Doa blombst de hi- unn fannst nett uff.- No, Schbaß bei Seid, merr schwäßt vom ahne, awwer net vom annere unn doa wolle merr dann fonschdadiern, doaß es onfere löbliche Schdadtverwaltung wörtlich Ernst es, e klaa bissi Besserung in onser dreckige Schtraßeverhältnisse brenge, vorausgesetzt, daß häi iwwerhaapt noch woaß ze bussern is. Awer en gradzu iwwerwäldigende Eindruck hotts aum vorige Samstag Middoag gemoacht, wäi e imbosand äißfaß am owere Gelderschweg hi unn hergefoahre is unn hott sei Stroahle majeschbedisch iwwer Gaß unn Droddeware

Der Zar ift weit.

Mr. Petersburg, im September.

Bar Nikolaus II. und seine ganze Familie sind in den finischen Schären. Der Ausflug wird mit Gesundheitsrück­fichten begründet. Das flingt nicht unwahrscheinlich, denn selbst ein stärkerer Mann, als der gegenwärtige Zar es ist, hätte unter dem Eindruck der lezztjährigen Geschehnisse er­holungsbedürftig werden, ja zusammenbrechen können, ohne fich deswegen dem Vorwurf der Weichlichkeit auszusetzen. Auch daß der russische Herrscher zur Jagd gegangen sei, läßt sich durch ärztliche Empfehlung lebhafter Bewegung aus­reichend erklären. Ebenso ist es wohl denkbar, daß die nämlichen gesundheitlichen Gründe, die zu dem Ausflug führten, gleichfalls seine Verlängerung veranlaßten. Die See­reise braucht deswegen noch lange keine Flucht zu sein, die etwa in das Ausland gerichtet war. Zwar die Vermutung drängte fich beinahe auf, daß der Zar sich in Peterhof nicht mehr sicher fühlte. Aber man hat fein Recht, einem bündigen Dementi gegenüber auf einer Klärung zu beharren, die sich lediglich auf eine, wenn schon noch so naheliegende Vermutung zu stüzen vermag. Ueberdies spricht gerade die Verlänge­rung des Ausflugs und des Aufenthalts in den finischen Schären gegen eine Fluchtabsicht. Wollte der Zar fliehen, er hätte nicht gezögert. Auch die Erzählungen von Attentaten, die in Petersburg vorbereitet seien eine besonders phan­tastische Erzählung berichtete sogar von einer förmlichen Attentats- Generalprobe mit Automobilen und allen modernsten Hilfsmitteln von der Verhaftung einzelner Personen aus der unmittelbaren und vertrauten Umgebung des Zaren, find völlig unbeglaubigt. Nicht als ob Attentate auf den Selbst­herrscher aller Reußen undenkbar wären, als ob man die Anarchisten dazu für zu fromm halten müßte. Ach nein! in Rußland fönnen Attentate gegen das Staatsoberhaupt, wie die Geschichte Rußlands lehrt, noch von ganz anderen Leuten als von gewöhnlichen Anarchisten ausgehen. Es wäre also möglich, daß Zar Nikolaus II. gute Gründe hatte, aus Peterhof fortzugehen. Nur soll man nicht für eine Tatsache ausgeben, was blos eine Möglichkeit ist. Aber selbst wenn der Ausflug des Zaren aufhört, ein Ausflug zu sein, wenn er zur Flucht wirklich wird, so ist das höchstens von symp­tomatischer Bedeutung, für den Gang der russischen Revolution von sehr geringem Belang. Das klingt seltsam, doch ist es eine Tatsache. Der russische Zar ist nicht von der Volks. revolution bedroht, er ist vom Volk völlig getrennt und ab­geschlossen. Seine Macht reicht nicht über die Straßen der Städte und nicht über die Bewohnerschaft der Dörfer hinaus. Das fann sich wieder ändern, aber vorläufig ist es so. In seinem Pa­

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geschbrißt, doaß es e woahr Last war unn de Dreck noch greeßer worde. Zwoar woar jca deß sämmtliche Reinigungspersonal hinnedrei unn netoedroa bemieho, die begosse Gaß widder in enn för Mensche einigermoaße passawele Zuschdand ze vers he,-- awer doa woar alle Sonst umsonst: Doas müsse merr unsere Schbadtber waldung losse; säi häld in alle Schdicke uff Ordnung unn greeßte Binflichfeit! Unn doas bewies terzlich en Fall, wo se em Hauseigedhiemer, der sich Gasanschluß für sein Neu­bau beschdellt, awer uff de heudige Doag noch taan fritt hott, bereits die Kosterechnung zugeh ließ. Wann se nor dem Mann net vor ferdig gestellter Aerwet met de Aus­pändung tomme ehnder set Haus im schdäbische Licht leuchte dhut! Der Fall wer dann ewe so ungemiedhlich, wäi's de Noachberschaft von de Honds ausstellung am Sams­tag Noacht woar, wo deß gemeinschaftliche Konzert von de sämmtliche ausgestellte 300 Hondeseele stattgefunne hott unn bei dem sich ein großer Bernhardiner oder sonst so e groß Gediersch besonnersch evorgedha hawwe soll, so doaß merr fet Stimm in Anne rod vernomme hätt, wie en Ohrnzeuge uns versichert. Net fer schee fenne merrsch eroachte, daß se bei dene Kanaloarweide fer die Fuhrwerte so absonnerliche Woarnungstafeln uff gefthellt hawwe, dann bei dene muß e Kutscher oder Fuhrmann schon en schbark ausgebrände Sinn fer moderne Schriftfonft besize wann er däi räächt verr­zwörtelt Uffschrift:

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ACHTUNG

SCHRITT FAHREN RECHTS FAHREN

Grossh, Polizeiamt Giessen

lefe fann. Merr soche manchen, der faan Kutscher woar, bor dene Schilder steh unn draa busdamiern, moed dea eijendlich druffftann, doch die wenigste fonntes entziffern. Weil merr nu awwer grad die Redd von Schilder hawwe, so wolle merr gleich noch e Schilderen gäwwe von em Schild, doaß schonn zu allerlei Zwicke geoient unn deshalb aach schon mancherlei Sprich im Schild geführt hott. Doas nämlich daß nemliche Schild, welches im Verlaaf der diessommerliche Fefilichkeide beim Sängerfest und Juwelfest vom Turnverein in Mitleideschaft gezoge woar, unn jedesmaol mit e annere Inschrift geziert am Festplay­eingang am Oswaldegoarde gebrangi hott. Doa driwwer wer derr iuch joa beinoah zwische dem musikalische unn dem

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last lauern auf den zaren Gefahren, die mit der Revolution in feinem unmittelbaren Zusammenhang stehen. Höchstens daß die Revolution einem verwegenen und skrupellosen Ehr­geiz den Vorwand bietet, den schwachen Vorboten der Macht zu beseitigen, während diese Macht gelähmt ist, und sich die Erbschaft für bessere Zeiten zu sichern.

In

Und machtlos wie der Zar selbst gegenüber der Revolution find auch seine Minister. Ob Ministerpräsident Stolypin diese oder jene Verfügung erläßt, ist ohne tiefere Wirkung. Befiehlt er etwas anderes, als was die wirklich waltenden Kräfte wollen, so bleibt es unbeachtet. Er befiehlt auch nicht viel, was ein Zeichen von Klugheit ist. Er weiß eben, daß er nicht weiß, wieweit er auf Gehorsam rechnen fann. Außer den Revolutionären weiß das niemand, und selbst diese wissen es nicht immer. Aus dem Heer sogar ist die Disziplin ge wichen. Vereinzelte Fälle von Ungehorsam wollen nichts sagen. Nicht einmal Meutereien im Großen. Denn sie können besondere und vergleichsweise harmlose Ursachen haben. Wenn ein Oberst seine Soldaten konsequent hungern läßt, so fann eine Meuterei leicht eintreten, ohne daß man deswegen glauben dürfte, der Geist des Gehorsams habe das Regiment völlig verlassen. Doch um solche Kleinigkeiten handelt es sich nicht. Wenn in Lodz eine ganze Kompagnie zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt wird, so müssen weit schlimmere Dinge als eine Hungermeuterei vorgekommen sein. Petersburg selbst, in der Garde, in einem bevorzugten Res giment ist ähnliches geschehen. Was es eigentlich gewesen, hat man nie erfahren. Nur die Bestrafungen sind befanni geworden. Die Vorgänge in der Schwarzen Meerflotte gehören in das nämliche Kapitel. Ein anderes Regiment wird planmäßig zu Raub und Mord erzogen das Libausche Regiment und wird zu Vorstellungen in Massen­megeleien förmlich auf Gastspielreisen geschickt. Diese Dinge haben miteinander nur gemein, daß sie eine Leugnung der Staatsordnung sind. Ein innerer Zusammenhang zwischen ihnen besteht aber nicht. Auch nicht mit den Bauernauf­ständen in den baltischen Provinzen und ebensowenig zwischen dieser Bauernaufständen und den sozialrevolutionären An­schlägen gegen die Polizei im weiland Königreich Polen. Es gibt eben in Rußland, obwohl man immer von der russischen Revolution spricht, nicht eine Revolution, sondern gleichzeitig deren ein Dußend. Das Land ist groß genug, um dieser merkwürdigen Vielheit Kaum zu gewähren. Auch ist es durchwühlt genug, um jeder Art von Revolution einen wohl vorbereiteten Boden zu bieten. Die eine und die andere Revolution fann aufhören an Revolutionen wird es darum für absehbare Zeit in Rußland nicht fehlen.

tornerische Kommidee en Streit entbronne, derr ganz ekelich hätt werrn fenne, amwer Gott lob unn dant, alles widder im Reine, weil de Klegere nachgoab. Schdreid net schee unn verrdörbt däi sonst goar net beesoardige Ge­miedher von de Giessener, weshalb fluger Weis aach die berehrliche Kommideeer sich korz entschlosse hawwe, den e biffi abgenoßte Festplatz widder uff ehr Koste zu restaudiern.

Woaß em ahne räächt es, muß em annere billig sei. So fäht merr als, es drifft awwer aach net iwwerall zu, dann sonst hätte sich onser Herrn Schdadvädder net dezu verstiehe, bei em Konzessionsgesuch um e Wörrdschaft, däi schon lang beschdanne, en abschlägige Bescheid ze gäwwe, während ewedros e neu errichd Wörrdschaft die Konzession krag. Doa hable mersch mit dem Herrn Schdadtrath Haubach, der noach'm Grondsay:" Häckst de mein Judd, haag ich dein Judd" iwwer däi Petition von den Wisseheugroas­pächter, die en Noachlaß an Pachtgeld wegen schläächter Erndeausfall beoandragt hatte, zur Doagesordnung iwwer­ging mit de Begrindung, dem adraag föllt schdatt gegewe werrn, wann die Herrn Pächter sich verflichte dheede, in de fiwwe fette Joahan aach de Iwwerschuß vom Mehrerdroag, als wei dos Boachtgeld ausmächt, en die Schdadtfass' abze­fihrn!-

Zum Schluß wolle merr noch e gud Werk unn e schee Dhad von em hiesige Schdadtrath erwähne unn in Hoch­deutsch besinge:

Schmücke dein Heim, steht überall zu lesen, Fürwahr, das ist ein wadt'res Wert, Ein Heim, das nie geschmückt gewesen, Das ist und bleibt fürwahr ein düft'rer Ort. Run hat in uns'rem lieben Gießen, Stadtväterliche Suid es wahr gemacht, daß fünftig wird den Magistrat begrüßen Im Sigungssaale eitel Glanz und Pracht. Nicht nüchtern werden fürder schrei'n die Wände, Kunstvoll geschmückt soll'n sie das Herz erfreu'n, Bald werden regen sich viel fleißige Hände Die schlichte Decke nun der Kunst zu weih'n. Nicht hängt dem Magiftratus auf die Nase Die simple Decke wie in alter Beit; Drum tausend Dant, dem Spender der Dase In trod'ner Wüfte der Alltäglichkeit!

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3.

[ oxschend richteten.

Diefe

ein Mann in vorgeschrittenen

berwilen

Jahren, miteit in feinem Blid und ganzen Wesen.

rechenden

Bartstoppeln bewachsen.

ein gelber Teint vollendeten das wenig einnehmende Antlig. unrafiertes Geficht war mit ungleichmäßig verteilten Marlante Büge, tiefe Falten und Aussehen und einer ent

im Elend

verfommen

zu lassen.

Gelde doch nicht haften. tönnte ich ihm noch verziehen haben, denn Segen fann an jenem ift, bie Sie hier sehen. Wäre es bloß die Erbschleicherei, die Nachleben, bessen büsterste Schattenfeite noch lange nicht die Aber er hat mir noch mehr getan rajulb an memem Nicht aussprechen

weit mehr, als ich zu sagen vermag.

ein

und wegen Kirchenraubs entlassener Sister als blättchengesenschaft, bei welcher ich angeblich

frithe

therer

fungiere. Den Pfaffen" nennen Sie mich mit echlepper

eines ber­

folchen auftrete. steckten Anspielung darauf, daß Sie sind ein Fremder hier und mein Opfer. for ſchüttelte ich mit mit der Würde mmilio

Sie werden gerubft." Dr

lichem Das und ähnliches war Lokalpatriotismus auch Badebenußung

ich bin eine anständige

und

Dame

Alleinmitteln Benflonat immlelerin wären Sie

bride, aus denen zu weisch ei ich aus begreif

hervorging, wie schilchtern per alle Stellen unter