Einzelbild herunterladen

Nr. 274.

Rebaltion n. Sarp terpebition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanfchluk Ar. 362.

Mittwoch, den 21. November 1906

Gießener

15. Jahrgang

6.

Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

Bekanntmachung.

Von dem zur Deckung der Geländeerwerbskosten für den Bahnbau Grünberg- Londorf im Jahre 1895 aufgenommenen Streisonlehen im Betrage von 80000 Mt. find per 1. März 1907 zur Rückzahlung ausgelost die Obligationen:

Lit. A. Nr. 32= 1000 Mt.

G."

"

26= 200" Gießen, den 19. November 1906. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V.: Welder.

Das neueste.

Im Fall Cäsar hat der Oberkirchenrot den Proteft der Heinoldigemeinde zu Dortmund laut Frff. 8tg." abschlägig beschieden und die Entscheidung des Konfiftoriums von Münster anerkannt.

Die norwegische Regierung hat in Berlin, Paris, London und Petersburg Schritte getan zum Abschluß eines Neutralitäts bertrages für Norwegen.

Optimismus.

Vor einiger Zeit hat unser Kaiser in öffentlicher Rede fich gegen die Schwarzseherei ausgesprochen, die keine Freude an den öffentlichen Dingen aufkommen lasse, Mißmut ver­breite, Kleinmut förmlich züchte und Unzufriedenheit zur Grundlage der allgemeinen Stimmung mache. Als jüngst Naiser Wilhelm in München war, hat er sich dem Schrift­teller Dr. Ganghofer gegenüber in ähnlicher Weise über ein verwandtes Thema geäußert. Der Kaiser rühmte und empfahl den Optimismus.

In der Tat ist der Optimismus, der mit froher Zuversicht in die Zukunft blickt und hinter jedem gegenwärtigen Miß­fland bereits die kommende Besserung sieht, die Vorbedingung jedes Fortschritts, ja mon fann ihn den Vater jedes Fort­schritts nennen. Wer griesgrämig ist, der vergällt sich nicht mur den Augenblick, trübt nicht bloß seinem Weggenossen die Laune der Gegenwart, sondern betrügt zugleich die Zukunft um ihr mögliches Gedeihen und schneidet ihr die glückliche Entwickelung ab, indem er die Kräfte lähmt, die sonst gern zu ihrem Dienst bereit wären. Hierin liegt der allergrößte Schaden des Pessimismus. Wer an feine Besserungs­möglichkeit glaubt, der gibt sehr schnell auf, für die Besserung tätig zu sein und sich anzustrengen; der läßt den Dingen ihren Lauf und sieht mit verschränkten Armen zu, wie sie bom Schlimmen zum Schlimmeren sich gestalten. Das Gegenstück ist der Optimismus. Freilich gibt es auch einen Optimismus der Trägheit, der die Hände müßig im den Schoß legt, ohne Grund erwartend, daß die Wendung zum Besseren ohne Grund eintreten werde. Dieser Optimis­mus ist nur eine verkleidete Sorglosigkeit, eine lachende Träg­seit, eine sich selbst betrügende Untätigkeit. Der wahre Opti­mismus, der eine Notwendigkeit ist, geht davon aus, daß alle Dinge verbesserungsfähig sind, und daß jede äußerste Anstrengung sich lohne, die Verbesserungs fähigkeit in die Wirklichkeit überzuführen. Dieser echte Optimismus stählt die Kräfte und steigert sie, indem er die Hoffnung belebt und den sich Mühenden im voraus die Früchte seiner Arbeit Toften läßt. Der verdrossene Pessimist, der keine Hoffnung für die Zukunft hegt und seine Arbeit für aussichtslos und vergeblich hält, hat von vornherein die bessere Hälfte seiner Kraft sich selbst genommen und sein Mühen, das er für un­Fruchtbar hält, unfruchtbar gemacht. Selbst wenn seine Ges wissenhaftigkeit ihn antreibt, auch in aussichtslosem Mühen

But ringen, so ermattet er doch schneller als der andere, dem die allezeit rege Hoffnung die Kräfte erneuert. Der echte Optimismus ist weit davon entfernt, sich selbst und andere 3 täuschen und die Dinge schöner zu sehen als sie sind. Er liebt die Wahrheit und blickt ihr gern ins Auge. Aber selbst Sie unerfreuliche Wahrheit entmutigt ihn nicht, sondern erweckt im ihm den Vorsaz, das Bessere zur Wahrheit zu machen, So daß er im Vorgefühl der fünftigen erfreulicheren Zustände jetzt schon Freude empfindet.

Jm öffentlichen Leben ist der Optimismus noch weit not­mendiger als im privaten Leben. Wenn der Einzelne zu pressimistischen Grillen neigt, so schadet er nur sich selbst, so hindert er nur seine eigene Lebensfreude und sein eigenes Hortkommen, so schmälert er nur die eigene Kraft. Der Pessimismus aber, der in öffentlichen Dingen fich fundgibt, hat weit verwüstendere Wirkung. Wer den Pessimismus in öffentlichen Dingen predigt, der hindert auch ungezählte Andere, ihre volle Leistungsfähigkeit in den Dienst des Gemeineens zu stellen, und untergräbt damit endlich den Gemeinfine selbst. Optimist kann man sein, auch wenn die ggegenwärtigen Verhältnisse unerquicklich und sogar bedrohlich find. Ja, dann sollte man es ganz besonders sein, weil dann nnoch größere Anforderungen gestellt werden müssen, weil dann auf feinen kleinsten Teil aller vorhandenen Kräfte Verzicht ggeleistet werden kann. Mag doch, wer durchaus mürrisch ist mund hoffnungslos, mit seiner Mißlaune müßig beiseite stehen

und in Untätigtett verharren- aber er verfündigt sich an seinen Mitmenschen, wenn er diesen die frohe Laune nimmt, deren sie zur vollen Entfaltung ihrer Fähigkeiten und der Verwendung dieser Fähigkeiten nicht entraten können.

In diesem Sinne hat sich Kaiser Wilhelm zu Dr. Gang­hofer ausgesprochen. Der Kaiser darf sicher sein, im deutschen Volke, das nur fünstlich zum Pessimismus angeregt werden kann und glücklicherweise nur vorübergehend darin verharren mag, die lebhafteste Zustimmung zu finden.

Eine Aeußerung des Pessimismus ist auch die Kritik, die tadelt, bloß um zu tadeln, die jede Anerkennung versagt. Gewiß ist die Kritik notwendig und nüzlich. Sie ist ein ganz ausgezeichnetes und nicht entbehrliches Förderungsmittel. Doch das gilt nur von der Kritik, die nicht erschlägt, sondern den Weg zum Besseren weist, die nicht überall Unfähigkeit und bösen Willen voraussetzt, die nicht ausschließlich in der eigenen Erkenntnis den Maßstab für ein allgemeines Urteil erblickt, vielmehr eine andere Meinung und Anficht auch gelten läßt, die nicht den Glauben an die eigene unfehlbarkeit zur Vorbedingung ha: Es schadet nichts, wenn eine Kritik scharf ist und auch einmal über das Ziel und rechte Maß hinausgeht. Nur bösnillig darf sie nicht sein und bösen Willen verbreiten. Wenn sie diesen Fehler vermeidet, so trägt fie zu positivem Schaffen redlich bei, so hindert sie den Optimismus nicht, sondern bewahrt ihn davor, in den Fehler der Schönfärberei zu verfallen.

Lebrling Gefelle

-

-

Meifter.

Dem Reichstag wird nach einer Ankündigung des Herrn Staatssekretärs Grafen Posadowsky in nächster Zeit schon eine Vorlage zugehen, die bestimmt, daß nur Meister das Recht zur Ausbildung von Lehrlingen haben sollen, und daß es in Zukunft nicht jedem, der ein Haus bauen oder auch nur Teile an einem Hausbau ausführen läßt, gestattet sein soll, sich Baumeister zu nennen.

Zu dieser in Handwerkerkreisen mit großem Interesse aufgenommenen Anfündigung wird der Deutschen Reform­Korrespondenz" geschrieben: Mit den in Aussicht stehenden Vorlagen wird, wenigstens in einem gewissen Umfang, der Meistertitel unter gesetzlichen Schuß gestellt und gleichzeitig dafür gesorgt, daß Lehrlinge nur dort mit Aussicht auf fünftige Gesellenschaft und Meisterschaft gehalten werden dürfen, wo eine erprobte Kenntnis in dem betreffenden Beruf vor­handen ist. Von seiten der Handwerksmeister ist diese Forderung schon seit Jahren gestellt worden. Ihre Erfüllung ist mancherlei Schwierigkeiten begegnet, die nicht in der Ab­neigung der Regierung lagen, sondern in der besonderen Art der Entwickelung, die das Handwerk in unseren Tagen ge­nommen hat. Es gab eine Zeit, in der man genau wußte, was ein Handwerfer und ein Handwerksbetrieb war. Dann tam eine Zeit, die noch nicht einmal ganz vorüber ist, in der die Grenzen zwischen Handwerks- und Fabrikbetrieb sich verwischten, in der mancher selbst nicht zu sagen wußte, ob er noch Handwerker oder schon Fabriksleiter war. Erst allmählich find die Scheidelinien wieder fester und deutlicher gezogen worden, wenn auch heute noch in manchen Fällen eine flare und allgemein erkennbare Trennung nicht vorhanden ist. Jedenfalls ist die Regierung zu der Ueberzeugung gekommen, die Klärung sei hinreichend weit fortgeschritten, um zu gestatten, das Handwerkswesen aufs neue mit fester Regelung zu versehen und die Lehrlinge wiederum den fachkundigen Meistern zur alleinigen Ausbildung zuzuweisen. Die Handwerkerkreise sehen damit noch nicht alle ihre Forderungen und Wünsche erfüllt; sie werden aber der Reichsregierung für die Abschlagszahlung dankbar sein. Zu den beteiligten Kreisen gehören nicht bloß die Handwerker selbst, sondern auch die Eltern der jungen Leute, die Handwerfer werden wollen, und die in neuester Zeit kaum eine Gewähr dafür hatten, ob die Lehrherren, bei denen sie lernen sollten, auch wirklich ver­standen, was diese zu lehren vertraglich übernommen hatten. Indem die Regierung auf die Wünsche der Handwerker ein­gegangen ist, hat sie sich ganz in dem Rahmen ihrer Grund­sätze gehalten, die darauf gerichtet sind, den Schwachen Schuz zu gewähren."

Politifche Rundschau.

Deutfches Reich.

* Neuerdings verlautet zu den geplanten Maßnahmen zur Behebung der Fleischtenerung, daß man in den maß gebenden Kreisen dem Gedanken der Grenzöffnung ziemlich zweifelhaft gegenübersteht. In Betracht käme dabei lediglich der direkte Import aus Holland und die Einführung ge frorenen Fleisches aus Amerika. Aus diesem Grunde jei die Errichtung von Schlachthäusern an der holländischen Grenze zu erwägen. Der Frage der indirekten Einfuhr in Gestalt bon gefrorenem Fleisch stehen angeblich die verbündeten Regierungen ablehnend gegenüber, dagegen verspricht man sich in maßgebenden Kreisen mehr von der Herabſegung der Tarifsäge der Eisenbahnen.

* Nach in den Kreisen der Reichstagsabgeordneten_um­laufenden Gerüchten beabsichtigt Kolonialdirektor Dernburg, für Eisenbahnbauten in Südwestafrika 500 Millionen au ver:

langen. Allerdings soll die Summe auf zehn Jahre verteilt werden, also 50 Millionen jedes Jahr erfordert werden, ein Teil dieser soll auch durch Landessteuern in der Kolonie selbst aufgebracht werden.

Oefterreich- Ungarn.

** Die in Wien stattgefundene Konferenz der mittel­europäischen Wirtschaftsvereine nahm ohne Debatte einstimmig die Anträge betreffend Anwendung und Ausbau der Zoll­Schiedsgerichte, betr. eines bankmäßigen internationalen Giro­verkehrs zwischen getrennten Währungsgebieten, speziell zwischen Deutschland und Desterreich- Ungarn, unter Ausgestaltung zum internationalen Clearing- Verkehr an. Es wurden ferner beantragt die Durchführung des Post- Scheck- Verkehrs_im Deutschen Reich unter Herstellung einer organischen Ver­bindung mit der österreichischen und der ungarischen Post­Sparkasse und Angliederung desselben an die Biro- Abteilungen der großen zentralen Notenbanken. Ferner wurde die Schaffung gemeinsamer Normen für die Beaufsichtigung der privaten Versicherungsanstalten angeregt.

Rufsland.

** Der Bar hat einen Ukas an die finnländischen Be­hörden erlassen, in dem er fie ersucht, alle politischen Ver­dächtigen, welche in Finnland ein Asyl gesucht haben, an Rußland auszuliefern. Die russischen Flüchtlinge in Finnland find von Panik ergriffen, da sie das Schlimmste befürchten, und treffen Vorbereitungen zur Flucht, falls der Senat dem Wunsche des Zaren Rechnung tragen sollte.

Ferner liegen folgende Meldungen vor:

Grodno, 20. November. Der Leutnant Iwanow eines hier in Garnison stehenden Bataillons verwundete durch zwei Revolverschüsse seinen Bataillonschef Turoff gefährlich in der Brust und tötete sich dann selbst. Mitau, 20. November. Heute wurden hier drei zum Tode verurteilte Führer der Unruhen in Tuffum und ein gleichfalls wegen Aufruhrs zum Tode verurteilter Ein­wohner der Stadt Windau hingerichtet.

England.

** Die Frauen in London führen den Kampf um das Stimmrecht auf eigenartige Weise. Eine Anzahl von Frauen­stimmrechtlerinnen drang in den Vorhof des Parlaments­gebäudes. Die Polizei trieb sie auseinander und verhaftete eine Frau. Die Schwester des Generals French zu verhaften, die bei dem Auftritt eine führende Rolle spielte, lehnte die Polizei trotz der an sie ergangenen Aufforderung hierzu ab. Kleine politische Nachrichten.

Berlin, 21. November. Dem Bundesrat ist eine neue Vorlage betreffend die Weiterführung der Bahn Lüderizbucht­Kubub bis Keetmanshoop, die der Reichstag bekanntlich im vorigen Jahre ablehnte, zugegangen.

Berlin, 21. November. Die Zentrumsfraktion des Reichs­tags hat beschlossen, die Unterstützung der Poleninterpellation durch Verweigerung der Unterschriften abzulehnen.

Rom, 21. November. Ein Mitglied der Anarchistenpartei richtet eine Zuschrift an die Blätter, worin erklärt wird, daß die Anarchisten alle Verantwortung für das Attentat im Petersdom ablehnen.

Rom, 20. November. Der Anarchist Dr. Lagano, welcher den Professor Rossi auf offener Straße ermordet hatte, ist gestern in Neapel verhaftet worden.

Tanger, 21. November. Aus dem in der Nähe von Fez belegenen Orte Djebel Zerhoun wird gemeldet, bat dort ein neuer Prätendent aufgetreten ist.

Dof und Gefellschaft.

Bei der zu Ehren des Dänischen Königs. paares im Schlosse zu Berlin abgehaltenen Galatafel wurden sehr warm gehaltene Trinksprüche ausgetauscht, in denen der Kaiser wie sein Gast der Beziehungen Deutschlands und Dänemarks gedachten und auf die Fortdauer der Freund­schaft anstießen. Am Dienstag folgte das Königspaar einer Einladung des dänischen Gesandten zum Frühstück und empfing nachher eine Abordnung der dänischen Kolonie. Der Kaiser verlieh dem König von Dänemark die Kette zum Schwarzen Adlerorden und der Königin von Dänemark den Luisenorden mit der Jahreszahl 1813/14/15. Fürst Bülow erhielt den dänischen Elefantenorden, den höchsten Dänemarks.

*

Schwer ertranft ist Prinz Karl von Baden, der Bruder des Großherzogs. Der Prinz hält sich im Sana­torium des Hofrates Dr. Fey in Baden- Baden auf. Der Prinz ist 74 Jahre alt.

Der Chef des Kgl. Sächsischen Generalstabes Generalmajor Georg Wermuth, ist nach langem, schwerem Leiden im Alter von fünfzig Jahren in Dresden gestorben.

**

Das älteste Mitglied der französischen Deputierten­fammer, Abgeordneter de Mahy, der seit 1871 un­unterbrochen der Kammer angehörte und wiederholt Minister war, ist in Paris im Alter von 76 Jahren gestorben.

33.

m

ht

ir

et.

st

er

1232

en

ng

m.

bich nur

ein

Wort, fo

einziges

chwächlichen Kaufmannssohne und

irgend biefem

und von Schulden, von Wechseln einen fernen Winkel der Welt, wo man nichts von Bankiers und Ehrenscheinen weiß!

entreiße

ich

bich

entführe

dich in

Was frage ich nach meiner Karriere, Glück ertaufen fönnte?" wenn ich mir mit dem

gesucht habe." Fieberrüsten Afrikas, die ich mehr als einmal freiwillig auf Schaden gelitten haben, als durch einen Aufenthalt an der sundheit aber würde durch diese Gewohnheit wohl faum mehr

eine recht gezwungene. Der Oberstwachtmeister Yachte, aber seine Heiterkeit wat

einer Cousine chlanken Hals.

Den Kopf und

Topfte

jinauszuführen, und es schien ihn nicht zu verlegen, daß er hr nun auch den Ritterdienst leistete, sie in den Sattel zu Aber eine Wolfe glitt über sein Gesicht, als Josephine den Arm reichte, um sie auf die Terrasse Er hatte es nicht verhindert, daß Herbert

dem schönen Tiere schmeichelnb den

jeben.

allmählich

Es kommt häufig vor, daß Tiefseefische Schwimmblase treibt die Eingeweide aus Magen hilflos auf der Wasseroberfläche treiben. Wahrscheinlid aus den Höhlen und die übermäßige Ausdehnung be feine Musfeln gleichen faulem Fleisch, die Augen springer geschehen, mit großer Beute in Der Bauchhöhle.

fo find felne Bräten häufig wie Bunder