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Nr. 218

balton u.Baupterbebition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluß Kr. 362.

Montag, pen 17. September 1906

Gießener

15. Jahrgang

3

Gratiabellagen: Oberbeffifche Familienzeitung und vie Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

Nenelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Beifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen

Bestellungen

auf

vorliegende

Tageszeitung

für das

letzte Quartal 1906 werden von allen Postämtern, bei unseren Trägern und in unserer Geschäftsstelle entgegen­genommen.

Reicher Text.

Gute Information.

Ausgezeichnetes

Familienblatt für alle Kreise.

Wohnungsnot oder Wohnnot.

Kr. Augsburg, 15. September.

Ausländer, die aus England oder aus irgend einem anderen Land mit großen Industriestädten nach Deutschland tommen, wissen nicht genug zu rühmen, wie sauber in Deutschland auch die Industriestädte sind, wie schnell sie sich ausdehnen und wie gut selbst kleine Ein- und Zweizimmers Wohnungen ausgestattet werden. In der Tat fehlt es bet uns im allgemeinen auch nicht an guten, gefunden Wohnungen, aber sie stehen sehr häufig leer, weil sie verhältnismäßig teuer find. Und in anderen versuchen die eigentlichen Mieter durch Abvermieten den hohen Mietspreis herauszuschlagen und noch zu verdienen. Wenn man genau hinsieht, so kommt man sehr schnell zu dem Ergebnis: Es gibt bei uns keine Wohnungsnot, wohl aber eine Wohnnot. An Wohnungen fehlt's nicht, aber noch allzu wenigen Menschen ist es Bedürfnis, sich ihr Heim wohnlich zu gestalten. Hier Abhülfe zu schaffen, haben sich nicht nur Stadtverwaltungen, Mietervereine und Baugenossenschaften zur Aufgabe gemacht, das Reich selbst stellt jährlich nicht weniger als 5 Millionen Mark zur Beschaffung billigen Baugeldes und damit zur Herstellung gesunder, preiswerter kleiner Wohnungen zur Verfügung.

Die Nachteile des engen Zusammenwohnens in gesund­heitsgefährdenden Wohnungen famen in sehr interessanten Erörterungen jetzt auch in der Schlußsizung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege zur Besprechung. Eine große Zahl von Forderungen wurde dabei aufgestellt, auf deren Durchführung die Behörden achten sollten. Menschen­unwürdig ist es, wenn in einem einzigen Raum mehrere Familien und viele Personen verschiedenen Geschlechtes und Alters zusammengepfercht wohnen, unwürdig und im höchsten Grade ungesund! Aber der Kampf um das Dasein läßt hierin kaum eine Besserung erhoffen, wenn nicht die Behörden dagegen einschreiten. Jedermann weiß, daß neue, noch feuchte Wohnungen gesundheitsschädlich find. Trotzdem werden kaum fertige Häuser, in denen die Handwerker noch arbeiten, gern bezogen. Es gibt genug ,, Trockenwohner", die bewußt ihre Gesundheit gefährden, um in diesen Neubauten die Miete zu paren oft nur, um das ersparte Geld für Vergnügungen und überflüssige Ausgaben zu verwenden. Und dann das Schlafgängerunwesen. Fremden werden die halbwegs benutz­Baren Räume vermietet, während die Vermieter selbst mit ihrer oft zahlreichen Familie in dunklen, luftleeren Verschlägen, in Küchen und fensterlosen Kammern schlafen und wohnen. Die Mindestforderungen des Vereins für öffentliche Gesunds heitspflege in die Praxis umzusetzen, soweit es sich um bes ehende Wohnungen handelt, haben sich in vielen Städten schon Wohnungsinspektionen zur Aufgabe gestellt, die heilsam wirken und unterstützt von den Organen der Bau- und Ge­sundheitspolizei mit bestem Erfolg an der Ausrottung der gesundheitlichen und sittlichen Mängel an Großstadtwohnungen arbeiten.

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In letzter Linie wird dieser Kampf gegen die Wohnnot der Schule und den Frauen überlaufen werden müssen. damit

das Bedürfnis allein( d. h. nicht mit Fremden zusammen), gesund und sauber in licht- und luftreichen Wohnungen zu wohnen, allgemein stärker empfunden wird. Die ungesunden noch Moder und Staub riechenden Keller- und Dachwohnungen, die dunklen Massenquartiere und Mietsfasernen werden dann bon selbst verschwinden. Die Erziehung zu höheren An­sprüchen in der Wohnungsfrage ist auf dem Lande, wo oft ganz großstädtische" Wohnungsverhältnisse bestehen, übrigens das einzige Mittel, Besserungen zu erzielen, da es hier der Ortsbehörde meist unmöglich sein wird, z. B. gegen die An­lage von Wohnräumen über oder neben Düngerhaufen oder Stallungen vorzugehen. Belehrung und Ueberzeugung wird auf die Dauer wirksamer sein als alle Maßregeln und Vor­schriften der Behörden gegen die Wohnungsnot.

Politifche Rundschau.

Deutsches Reich.

* Die mehrfach verbreiteten Gerüchte über einen ge­planten anarchistischen Anschlag auf Kaiser Wilhelm während seiner Anwesenheit in Breslau beruhen auf Erfindung. Seit Monaten ist die Polizei einem anarchistischen Geheim­konventikel auf der Spur, in dem Gelder gesammelt und Anarchistenblätter gelesen wurden. Kürzlich hat man vier daran teilnehmende Ausländer ermittelt, deren Festnahme als­bald in der üblichen Weise widerstandslos erfolgte. Drei davon werden ausgewiesen, einer ist wieder freigelassen worden. Mit dem Kaiserbesuch hat die Angelegenheiit nichts zu tun. Auch die Nachrichten von Anarchisten- Verhaftungen in Karls­ruhe beruhen auf Hirngespinsten.

* Zur Beschlußfassung über die Thronfolge in Braun­schweig hat der Regentschaftsrat für das Herzogtum die braunschweigische Landesversammlung auf Freitag, den 21. September zu einer außerordentlichen Tagung ein­berufen.

* Verschiedene Personalveränderungen im Kolonial- Dienste werden amtlich bekanntgegeben. Dem bisherigen Chef des Oberkommandos der Schutztruppen Oberst Ohnesorg ist der Abschied mit der gesetzlichen Pension und der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform bewilligt worden. Sein bisheriger Stellvertreter, der Oberstleutnant Quade, ist als Chef des Stabes beim Oberkommando der Schutztruppen an­gestellt worden.- Geh. Legationsrat von König wird nicht mehr in der Kolonialabteilung tätig sein. Bis zum 1. Oktober ist er noch beurlaubt, für später ist anderweite dienstliche Ver­wendung in Aussicht genommen. Ob und inwieweit diese Verschiebungen mit den Kolonialmißhelligkeiten zusammen­hängen, muß dahingestellt bleiben.

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Rufsland.

** Stolypin hat eine aussehenerregende Maßnahme ge­troffen. Der Partei der Volksfreiheit( Kadettenpartei) und dem Verband vom 30. Oftober ist die behördliche Genehmigung aus formalen Gründen versagt worden. Die genannten beiden Parteien gelten also fortan als ungesetzliche Ver­bindungen und sind infolgedessen vor die Wahl gestellt, ihre Auflösung zu beschließen oder ihre Auflösung durch die Be­hörden abzuwarten.

** Die Petersburger Waggonfabrik ist, wahrscheinlich in­folge Brandstiftung, niedergebrannt, 4000 Arbeiter sind arbeitslos. Dem Brande sind 18 Personen zum Opfer gefallen. Die Arbeiter verloren ihre ganze Habe. Der Schaden beträgt 10 Millionen Mark. Das Gebäude war versichert.

** Der neuernannte Generalgouverneur von Siedlce hat einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, in dem er die vorge= tommenen Gewalttaten bedauert und sich gegen die politisch­verbrecherische Propaganda wendet. Er fordert die Bürger zu gemeinsamer, einmütiger Arbeit und zur Beruhigung des aufgewühlten Lebens auf, damit das bisher so friedliche und arbeitsame Siedlce nicht länger einem bewachten Gefängnisse oder einer feindlichen Position gleiche.

Amerika.

** Die Wahrscheinlichkeit, daß Amerika zur Unterdrückung des Aufstandes auf Kuba intervenieren wird, wächst. Präsident Roosevelt hat an den kubanischen Gesandten in Washington ein nachdrückliches Schreiben gerichtet, in welchem er erflärt, die Vereinigten Staaten würden intervenieren, wenn Kuba nicht die zur Selbstverwaltung erforderliche Selbstbeherrschung an den Tag lege, oder wenn die sich bekämpfenden Parteien das Land in Anarchie stürzen würden. Weitere vier Kreuzer werden von Amerika schleunigst friegsbereit gemacht. Kriegs­sekretär Taft und Unterstaatssekretär Bacon begaben sich nach Havanna, um mit der kubanischen Regierung Mittel zur Be­ruhigung des Landes zu beraten. Präsident Palma ordnete einstweilen die Vermehrung der Miliz auf 10 000 und der Artillerie auf 2000 Mann an.

Kleine politifche Nachrichten.

Berkin, 16. Sept. Aus Anlaß des Ablebens des Prinzen Albrecht von Hohenzollern, der im Heere den Rang eines Feldmarschalls bekleidete, hat der Kaiser eine allgemeine Armeetrauer von 14 Tagen angeordnet. Bei den Regimentern, zu denen der Verstorbene in besonderen Beziehungen stand, währt diese Trauer drei Wochen.

Dresden, 15. September. Der Kaiser hat in einem Handschreiben dem König von Sachsen seinen Dank und Ana erkennung für die vorzügliche Haltung der sächsischen Truppen im Manöver ausgesprochen.

Canea, 16. September. Der bisherige Oberstkommandierende der internationalen Truppen, der italienische Oberst Benedetti, ist am 1. September nach Italien zurückgekehrt. Jetzt hat der rangälteste Offizier, der französische Oberst Lulansti, das Kommando der internationalen Truppen in Canea übers

nonimen.

Tokio, 16. September. Die Japaner beabsichtigen, in Petersburg und in Deutschland Handelsmuseen einzurichten und gewerbliche Ausstellungen zu veranstalten.

Newyork, 16. September. Das Bundeskreisgericht von San Franzisko verurteilte die transatlantische Feuer- Ver­sicherungsgesellschaft in Hamburg im ersten Prozeß zur Bahlung der vollen Versicherungssumme. Weitere Prozesse folgen.

Dof und Gesellschaft.

Der Einzug des badischen Großherzog paares in Karlsruhe fand in feierlicher Weise statt. Die Stadt war festlich geschmückt. Die Feierlichkeiten zum goldenen Regierungsjubiläum und zur goldenen Hochzeit werden die ganze Woche in Anspruch nehmen. Der Sultan hat zur Ueberbringung seiner Glückwünsche an den Großherzog von Baden eine Spezialgesandtschaft mit dem Divisionsgeneral Rami Pascha an der Spize, betraut.

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*** In der zweiten Hälfte dieses Monats wird Königin Wilhelmine von Holland mit ihrem Gemahl einen mehrwöchigen Aufenthalt in der Schweiz nehmen. Von dort begibt die Königin sich nach Dresden, um sich von einem Dresdner Gynäkologen behandeln zu lassen.

Wie es in Warschau zugebt.

gr. Warschau, im September. Das Leben in unserer Stadt, der alten Metropole Russisch­Polens, ist durch die andauernden revolutionären Unruhen fast unerträglich geworden. Die Sicherheit des Eigentums und des Lebens ist von den revolutionären Komitees, von dem unter dieser Flagge auf eigene Faust raubenden Diebes­gesindel und endlich von der brutalen Mehrheit der Soldateska bedroht.

In eleganter Toilette dürfen sich Damen nicht mehr auf der Straße zeigen, wenn sie sich nicht der Gefahr aussetzen wollen, gröblich insultiert und beleidigt zu werden. Trägt ein Herr einen Spazierſtock, der durch seinen Griff halbwegs einen Wert besitzt, so wird er ihm auf der Straße einfach weggenommen. Dies ist einem Herrn viermal nacheinander passiert, bis er sich entschloß, mit einem einfachen Knüppel zu gehen. Vermögende Leute haben das Halten eigener Wagen aufgegeben, weil sie bei jeder Aus­fahrt beschimpft und ihnen die Wagenfenster und die Laternen eingeschlagen wurden. Jedermann muß mit einer Legitimation versehen sein, deren Vorzeigung von der Polizei und dem Militär willkürlich auf der Straße gefordert wird. Oft schützt aber auch die Legitimation nicht: man wird in roher Weise zum nächsten Kommissar und Postenkommandanten geführt, wo die Dauer der Festhaltung gewöhnlich von der Höhe des Bestechungsgeldes abhängt. Durchziehen die Kosaten die Straßen, so flüchtet alles in die Haustore, weil niemand auch wehrlose Frauen nicht vor Knutenhieben sicher ist. Sendlinge der revolutionären Komitees oder Raubgesindel dringen aber auch in die Wohnungen ein und verlangen unter Vorhalten von Revolvern Geld oder Lebensmittel. Manche Hausfrau läßt sich allerdings durch solche Drohungen nicht einschüchtern und weiß die Eindringlinge entschieden abzu­weisen.

Die geselligen Vergnügungen, mit Ausnahme des Klub­lebens der Herren, haben vollständig aufgehört. Auch an den Theaterbesuch fönnen sich Gefahren tnüpfen. Zwei Damen sahen, als sie die Vorstellung verließen, zwei Herren im Ge­spräche stehen; einem Wache haltenden Soldaten schien das Gespräch verdächtig vorzukommen; er brachte sein Gewehr in Anschlag und schoß einen der Herren nieder. Die Polizei verhält sich diesen anarchistischen Zuständen gegenüber fast vollständig passiv und sucht Begegnungen mit den Revolutio nären und dem Raubgesindel nach Möglichkeit auszuweichen. Dies hindert nicht, daß sie friedliebende Bürger in jeder Weise schifaniert. Will man ihren Schikanen entgehen, so muß man den Polizeikommissar des Distrikts durch eine monatliche Gratifikation von 25 Rubeln bestechen. Ein Beamter, der ein Gehalt von höchstens 3000 Rubeln hat, fann mit den Bestechungsgeldern bis auf 25 000 Rubel im Jahre zu stehen

kommen.

Auch in den Schulen erscheint die Bestechung unerläßlich. Ein Gymnasiast fann noch so gute Fortschritte aufweisen, er steigt nur dann in eine höhere Klasse auf, wenn der Schul­inspektor, der Direktor und die Professoren bestochen werden. Die Korruption erstreckt sich bis in die höchsten Kreise. Selbst Gouverneure sind durch Geschenke an ihre Frau oder Freundin zu erkaufen. Bei derartigen Verhältnissen kann es nicht wunder nehmen, wenn mancher an der Zukunft verzweifelt

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Höchstes Ziel.

Pastor

laffen.

11aditräglich in ein frühes Grab Berman foll nachdem er den Feldzug gliicklich iiberstanden, noch sprechen. Er beginnt die erste Rede mit den Worten: einer Großmutter und an dem eines jungen Soldaten ,, So hat denn, geliebte Freunde, der Verstorbene, Uur nicht verblüffen an einem Tage am Grabe

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schen Villa begab, wurde er mit großer Wärme empfangen. Als sich Kaufauichoff um zwei Uhr nach der Switschoff­

Blicher Stöter,

schöpf!" mit Tränen in den Augen. Suleine, wie diese hier, sind mir ein venel. Ben verhält sich die Sache anders. Auf dem Lande habe ich Sie haben Hunde nicht gern?" fragte die alte Dame Bei gro

Dinseve, immer ist er mir im wege, bas unausteline Sub