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Rabattion u. Heupterpebition: Gießen, Selters weg 83. Fernsprechanschluk Nr. 362.

Freitag, den 9. November 1906

Gießener

15. Jahrgang

Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

6.

Neueste Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberhessen und die Kreise Marburg und Beglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Die Geburt des bessischen Chronerben

hat im ganzen Lande lebhafte Freude wachgerufen, von allen Seiten gingen Glückwünsche an das hohe Elternpaar ab, die Beitungen bringen warmgehaltene Artikel.

Das

e Tafelbunge Fürstenkind, auf dem Hessens Hoffnung ruht, ist der verf. in Boftol erste Thronerbe, der nach mehr denn Hundert Jahren als Ludwig Held, Die entfirch: Dgan Sohn des regierenden Landesfürften geboren wurde. Freude ist eine ungetrübte, da der Prinz und seine hohe s die Ha Butter fich wohlbefinden. Das zuerst herausgegebene

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Bulletin lautet:

Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin sind heute Bormittags 6 Uhr 30 Min. von einem Prinzen glücklich entbunden worden. Ihre Königliche Hoheit, sowie der Brinz befinden sich wohl.

Happel Pfannenstiel.

Das mittags ausgegebene Bulletin sagt:

Neues Palais, 12 Uhr 30 Min. Das Befinden Ihrer Königlichen Hoheit der Groß­herzogin und des Erbgroßherzogs ist ein gutes.

Happel Pfannenstiel.

Sehr hübsch feiert auch das Regierungsorgan, die Darmstäder Zeitung" die Geburt des Erbgroßherzogs in folgendem Gedichte:

Hessens erster Jubelgruß.

Was will dieser Donner, was rufen die Glocken Und flingen die Lieder im jubelnden Chor; Im Lande der Katten welch helles Frohlocken, Das bringt als Gebet zu dem Himmel empor?

-

Was Hessen ersehnet in Hoffen und Bangen Gott sent uns in Gnaden ein grünendes Reis!" Geftillt und erfüllt ist das heiße Verlangen: Ein Sproß an der Eiche! Dem Himmel sei Preis!

Blid auf ihn, o Ew'ger, den Du uns gegeben, Beschüße das Reislein im Sturme der Zeit; Behüt und bewahre sein schlummerndes Leben, Mach start es und tüchtig, zu hohem bereit: Daß treulich es wandle den Weg seiner Ahnen: Stets mit seinem Volte und für es zugleich, Damit unser Hessen auf glücklichen Bahnen Bleib würdiges Glieb am gewaltigen Reich!

D Himmel, zum Glücke die Schritte ihm lente! Noch wacht an der Wiege der topfere Leu: Das Hessenvolt, das ihm zum Patengeschenke Ein Kleinod bewahret: die hessische Treu! Mainz, den 8. November 1906.

*

*

Philipp See.

Vom Gesamtkirchenvorstand Gießen ist folgendes Telegramm abgegangen:

Ew. Königl. Hoheit übermittelt die evangelische Kirchliche Vertretung der Provinzialhauptstadt Gießen die herzlichsten und untertänigsten Segenswünsche zur Geburt des Erbgroßherzogs. Gott schüße und ſegne das Groß­herzogliche Haus und unser Hessenland!

Der Gesamtkirchenvorstand Gießen: J. V. Euler. Dr. Cafar.

*

Auf die Seiner Königl. Hoheit dem Großherzog über­sambten Glückwünsche der Provinzialvertretung der Provinz Oberheffen erhielt der Provinzialdirektor folgendes Telegramm:

Darmstadt, den 9. November 1906. Geheimrat Dr. Breidert Gießen. In der Großherzogin und meinem Namen danke ich herzlichst für die treuen Glückwünsche des Provinzialtags und des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen. Ernst Ludwig.

*

Sofort nach Bekanntwerden des frohen Ereignisses hat auch der Kommandeur unseres Regimentes, Oberst von

Lindenau, telegraphisch die besten Glückwünsche im Ablehnung feiueswegs eine Unterschätzung der Bedeutung

amen des Regiments nach Darmstadt gesandt. Daraufhin dieses Protestes zu erblicken. Minister ruft und entläßt

ging heute Vormittag folgende Antwort ein:

Für die guten Wünsche, die Sie und Ihr Re­giment uns zum Ausdruck gebracht haben, danke ich auch im Namen der Großherzogin wärmstens.

Ernst Ludwig.

Am Abend fand im Offizierskasino eine größere Festversammlung statt, in deren Berlauf nachstehendes Telegramm an Seine Königl. Hoheit den Großherzog zur Absendung gelangte:

An Se. Königliche Hoheit den Großherzog von Hessen

und bei Rhein

Darmstadt.

Ew. Königl. Hoheit und Ihrer Königl. Hoheit der Großherzogin erlauben sich die anläßlich der Ge­burt des Thronfolgers im Offizierkasino festlich ver­sammelten Vertreter der Behörden, Universität, Stadt und Garnison in tiefster Ehrfurcht und Liebe die aufrichtigsten Glückwünsche alleruntertänigst zu Füßen zu legen.

Breidert. Bostroem. Emmelius. v. Lindenau.

*

Auf das vom Oberbürgermeister Mecum namens der Stadt Gießen abgesandte Glückwunschtelegramm lief folgende telegraphische Antwort ein:

Oberbürgermeister Mecum, Gießen. Für die treuen Glückwünsche der Stadt Gießen fage ich herzlichen Dank. Ernst Ludwig.

Auf ein von dem Bureaupersonal Großh. Kreisamts Gießen gestern an Seine Königliche Hoheit gerichtetes Glück­wunschtelegramm traf folgende Drahtantwort ein:

Darmstadt, 8. November 1906, 4 Uhr 56 Min. N. Kreisamt Gießen.

Dem Bureaupersonal lassen Seine Königliche Hoheit für die freundlichen Glückwünsche bestens danken.

*

Hofmarschallamt.

Der Großherzog hat aus Veranlassung der gestern erfolgten glücklichen Geburt des Erbgroßherzogs der Heiden­reich von Sieboldschen Stiftung für arme Wöchnerinnen den Betrag von 5000 Mt. gespendet.

Hoffen wir denn, daß alle Wünsche und Hoffnungen sich erfüllen, damit der Erbprinz dermaleinst mit fräftiger Hand das Werk unseres Großherzogs fortführen kann, dem Lande zum Wohle, der Menschheit zum Vorbilde.

Regierungskrise in Hessen.

Rascher als man erwarten fonnte, hat der national­liberale Proteft gegen die Bestätigung Eißnerts die erſte seiner Wirkungen gezeitigt: die regierungsoffiziöse Darmst. Zeitung" brachte das schon gestern mitgeteilte Demissions­gesuch des hessischen Ministeriums.

Eine eilfertige Presse, so schreibt das Wormser Tagebl." hat diesem Rücktrittsgesuch soviel Bedeutung beigelegt, daß sie z. B. in Worms auf roten Extrablättern diese sen­sationelle Nachricht dem staunenden Publifum mitteilte. Wir nehmen das Gesuch ebensowenig tragisch wie seine Ablehnung; beides war für taftvolle Minister und für einen vornehm und vorurteilsfrei denkenden Landesherrn selbstverständ­lich, nachdem die nationalliberale Partet des Landes, auf die fich, wie Graf Oriola am Sonntag in Darmstadt sehr richtig sagte, Regierung, Großherzog und Reich doch zuletzt berlassen müssen, dem jezigen Ministerium wegen seiner Be­handlung einer wichtigen Angelegenheit ein scharfes Miß­trauensvotum glaubte aussprechen zu müssen. Wir fassen das Entlassungsgesuch aber als rein formelles auf, als ein Ersuchen an den Großherzog um ein Bertrauens­botum, das dieser trotz des nationalliberalen Proteftes un­möglich einem Minifterium versagen konnte, mit dem er in der fraglichen Angelegenheit einer Meinung war. Be­deutet demnach das Demissionsgesuch einen selbstverständlichen Erfolg der nationalliberalen Kundgebung, so ist in seiner

man nicht wie Schulbuben. Der Großherzog tann nicht anders handeln, als dem Ministerium Gelegenheit zur Ver­teidigung seiner Politik und zur Rechtfertigung seiner Haltung in der Bestätigungsfrage zu geben. Das aber fann nirgends anders geschehen, als in der Kammer vor den berufenen Vertretern des hessischen Volkes. Vor dem Zusammentritt des Landtages von einer Ministerkrisis zu reden, wäre darum durchaus falsch. In der Kammer erst wird es sich zeigen, ob die nationalliberale Stellungnahme zum Falle Eisnert einseitige Parteiauffassung ist, ob der Protest einer fünstlich erregten Misstimmung gegen das Minifterium entsprang, oder aber ob die nationalliberale Rundgebung der Ausdruck einer Meinung war, von der die bürgerlichen Streise mit Ausnahme der politischen Eigenbrödler spontan ergriffen sind.

Wir bedauern es, daß das Verhältnis unter den liberalen Parteien in Hessen sich durch den Fall Eißnert in einer Weise zugespitzt hat, die der erstrebenswerten liberalen Annäherung nicht förderlich sein kann. Aber in diesem Falle blieb, so schreibt weiter das Wormser Tagebl.", der national­liberalen Partei feine andere Möglichkeit zu zeigen, daß sie in nationalen Dingen teinen Spaß versteht.

Politifche Rundschau.

Deutsches Reich.

* Der Handelsvertrag des Deutschen Reiches mit den Republik Guatemala, der bereits einigemale gekündigt worden war, foll weiterlaufen. Die Regierung von Guatemala hat fich damit einverstanden erklärt, daß dieser Vertrag, der vom 20. September 1887 datiert, bis zum 15. März 1911 weiter läuft.

* Die in den letzten Tagen umlaufenden Gerüchte über eine teilweise Amts- Entlastung des Reichskanzlers werden halb amtlich wie folgt dementiert: In verschiedenen Blättern ist von Plänen zur Entlastung des Reichskanzlers und Ministers präsidenten Fürsten von Bülow die Rede. Es heißt, daß ein Vizekanzler eingesetzt oder daß das Präsidium des preußischen Staatsministeriums von dem Reichskanzleramt getrennt werden solle. Wir können versichern, daß an teiner maß. gebenden Stelle solche Pläne gehegt werden."

Anscheinend im Gegensatz zu dieser Verlautbarung bleiben einige Berliner Blätter bei der Behauptung von einer Kanzkerkrisis. Ms Nachfolger des Fürsten v. Bülow wird Helmuth v. Moltke, der Chef des Großen General­stabes genannt. Von anderer Seite werden diese Gerüchte bestritten. Dagegen scheint der Rücktritt des preußischen Landwirtschaftsministers v. Podbielski Tatsache zu sein, wie folgende Meldung aus Berlin zeigt:

Nach hier verbreiteten Gerüchten ist die Enthebung des Landwirtschaftsministers v. Podbielski vom Amte auf seinen Antrag erfolgt."

* Dem Bundesrat wird in Kürze eine Reichsgesetznovelle zur Abwehr und Unterdrückung der Vichseuchen zur Beschluß­fassung vorliegen. Die in dem Entwurf vorgeschlagenen Alenderungen des bestehenden Gesetzes beziehen sich besonders auf eine erhebliche Erweiterung der Befugnisse der Veterinär­polizei. Ferner sollen dicjenigen Seuchen, welche erst in den letzten Jahren wissenschaftlich in ihrem Wesen festgestellt worden find, ebenfalls in das Gesez aufgenommen werden, so die Rindertuberkulose, die Schweineseuche und die Geflügel­cholera.

* Mit Rücksicht auf die Zunahme der Bevölkerung hält der preußische Kultusminister eine Vermehrung der Apotheken für angemessen. Der Minister hat die Oberpräsidenten darauf hingewiesen, die Regierungspräsidenten um entsprechende Ma­regeln zu ersuchen.

* In Berlin tagte Mittwoch der Zentralverband für Hebung der dentschen Fluß- und Kanalschiffahrt. Die Ver­sammlung beschäftigte sich mit der von der Regierung vor­geschlagenen Schaffung von Landeswasserstraßenbeiräten und forderte beim Bau des Großschiffahrtsweges Berlin- Stettin die Anlage möglichst großer Schleusen.

* In den Räumen des Reichsgesundheitsamtes ist gestern das Deutsche Weinparlament" zusammengetreten. Die Ver­handlungen sind nicht öffentlich, fiebzig Vertreter der ein­zelnen Bundesstaaten, Regierungskommissare, wissenschaftliche Fachmänner und Vertreter solcher Anstalten, die mit der Ueberwachung des Weinverkehrs betraut sind, sowie eine Anzahl Vertreter des praktischen Weinbaues und Weinhandels nehmen daran teil Im Vordergrunde der Beratungen stehen die im Reichstage wie in den einzelnen Landtagen laut ge­wordenen Wünsche nach einer Beschränkung des bei der Weinbereitung zugelassenen Zuckerwasserzusazes und einer einheitlichen, wirksamen Gestaltung der Kellerfontrolle­Oesterreich- Ungarn.

** Die faum begonnene Wahlreformdebatte im Ab­

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