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Nr. 155

Bnfertion prete Die einspattige Petitzeile für ganz Ober­thefen, bie Kreise Weglar und Barburg 10 kg fonft 15 fg. Refiamen bic Betitzeile 30 rest. 40 fg.

ebanon 1 Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechans& ink Mr. 362.

Donnerstag, den 5. Juli 1906.

Gießener

15. Jahrguag

Abonnementerets: abgeholt monatlich 30 Bra., in's Haus gebracht 60 Bfg., durch die Boft bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Bratisbeklagen: Oberbeffiche Railieuzeitung agit) und die Gießener Seifenblaicu( wöchen fid) Das Blatt erscheint an allen Weritagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

Der jüngste Hohenzoller.

Mit inniger Freude ist aller Orten im deutschen Vater­lande die Kunde aufgenommen worden, daß dem deutschen Kaiserhause ein neuer Sproß geboren ist. Diesmal aber ist die herzliche Sympathie eine besonders warme. Ist es doch der deutsche Kronprinz, dem ein Sohn geboren wurde, ist es doch ein Prinz, der bestimmt erscheint, dereinst den deutschen Kaiserthron zu besteigen!

Als im vorigen Sommer der Kronprinz Wilhelm seine liebliche Braut, die Prinzeffin Cäcilie, in das Schloß feiner Väter führte, hatte die Kronprinzessin bereits aller Herzen gewonnen. So kam es, daß man mit einiger Besorgnia allerorten die Kunde vernahm, dak das im fronprinz= lichen Haufe erwartete Freianis nicht, wie nach der Anordnung der firchlichen Fürbitte zu erwarten war, um die Mitte des Juni erfolate. Mancherlet Befiirchtungen wurden laut. Um so freudiger murde die Kunde aufgenommen, daß ein Prinz geboren set und die hohe Mutter sich sehr wohl fühle.

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Am Vormittage des 4. Sufi ift der Kaifer Großvater geworden. Auf der Nordlandsfahrt trifft ihn die frohe Bot­schaft, durch unfensbruch hat er sie übermittelt erhalten. Sie wird ihm die Erholunasfahrt in Hefter Weise ver: schönen. Um 4 Uhr frith wurde die Raiserin im Neuen Palais zu Potsdam benachrichtigt. In einer halben Stunte. war fie bei ihrer Schwiegertochter im Marmorpalais. Um 9% 11hr fonnte fie den Enfel in ihren rmen halten: Ein Prinz, ein zufünftiner Failer! Welche Gefühle mögen die hohe Großmutter in diesem Augenblick erfüllt haben! Welchen Namen wird der neugeborene Hohenzollern­Brinz führen?" Diese Frage fonnte man oft schon hören. Wir sind in der Lage einiges darüber mitzuteilen. Seder Hohenzoller, der als Erftaeborener aus einer Generation der renierenden Linie die Anwartschaft auf die Thronfolge hat, erhielt stets am Anfang seiner Taufnamen die beiden Vornamen Friedrich Wilhelm. Den Rufnamen bestimmt zunächst der Kaiser, das Haupt der Familie. Mie in Hoffreifen er­zählt wird, dürfte der junge Brinz aleich seinem Vater und Brokvater WiIbeIm oerufen werden. Bei der Thronbe= fteinung fann er dann wählen, ob er diesen Namen behalten mie fein Urarokvater es tat den anderen, Friedrich fich beilegen win. Der fleine Prinz wird als ein gut entwickeltes näblein gefchildert. Die Rehurt nahm einen völlig normalen Verlauf, fodaß die hohe Wöchnerin fich durchaus mohl fühlt und mit Mecht zu hoffen steht, daß die aroke Freude im Kron­brinzlichen Hause in feiner Weise getrübt wird. Das über die Entbindung der Kronprinzeffin ausgegebene ärztliche Bulletin lautet wie folgt:

oder

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Marmor Palais, 4. Juli. Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit die Frau Kronprinzeffin, find heute früh 9 1hr 15 Minuten von einem fräftigen gefunden Prinzen entbunden worden. Das Befinden Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit ist den. Umständen nach hefriedigend.

( aez.) E. Bumm.

Keller.

Außer der Hebamme Frau Thiele, geb. von Schröder aus Potsdam, die schon seit längerer Zeit im Marmorpalais Mufent= balt genommen hatte, wellt Frau Kazner aus Steglitz als Wochen­pflegerin am Lager der Kronprinzessin. Beide Damen haben die Ausbildung für ihren Beruf an der Berliner Universitäts= Frauenklinik erhalten. Auch der bekannte Gynäkologe Profeffor Bumm von der Berliner Universität war zur Stelle. Eine fräftige Amme aus der Kronvrinzessin Cäcilie Heimatland, aus Mecklenburg, ist ebenfalls im Marmorpalais anwesend und bereit, den fleinen Erdenbürger von der Mutter zu übernehmen, falls es angebracht erscheinen sollte. Die Ersten, die von dem frohen Ereionis Kunde empfingen, waren die Bewohner Potsdams. 101 Ranonenschüsse im Lustgarten von der Garde- Artillerie abgegeben, irugen die Kunde weit ins Havelland hinein, und bald bedeckten sich die Straßen der alten preußischen Residenz mit dem Schmuck der Fahnen. Die Berliner mußten auf den Salut noch warten, da die dafür bestimmte Leibbatterie in Döberig war. Die Freude der Bewohner fam aber alshald in festlich- frohem Treiben unter den Linden zum Ausdruck. Dem Jubel schließt fich die Bevölkerung überall an. Der festliche Schmuck der Häuser offenbart die Stimme der Herzen. Die aber flingen überall zusammen in den wärmsten Glück- und Segens­wünschen für den jüngsten Hohenzollern, für das Wohl des fünftigen Kaisers und seiner Eltern, für das neue Glück des beutschen Kaiserpaares!

Politische Rundschau.

Deutfches Reich.

* Am 1. Mai reiste der Anarchist August Rosenberg von Amerika nach Hamburg ab. Der deutschen Regierung ging aus Seattle, dem Wohnsize Rosenbergs, ein Warnungs­schreiben zu, da dem Rosenberg die Absicht eines Attentats auf den deutschen Kaiser zuzutrauen sei.

Die Reichsregierung setzte davon den deutschen Konsul in Washington in Kenntnis, der eine Haussuchung in Seattle in dem von dem Anarchisten bewohnten Hause veranlaßte. Es wurde eine vollständige Einrichtung zur Herstellung von Bomben und Höllenmaschinen, sowie ein Vorrat von 200 Haichen mit Euren und renoftoffen vorgefunden.

In der bayerischen Kammer trat Minister v. Feilitsch für Einführung der Arbeitslosenversicherung ein, verkannte aber nicht die großen Schwierigkeiten dieser Versicherung. Frankreich.

** Einen Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe haben Jaurés und 50 andere Abgeordnete in der französischen Kammer eingebracht.

Russland.

** Die Bildung eines neuen liheralen Kahiretta ist ficher. Goremyfin hat felber im Ministerrat erklärt, daß ihm der Rücktritt nahe geleat fei. Die Meubildung erfolat unter dem ehemaligen Ackerbauminister Hermolow. Unter den Eisenbahnern und den Hafenarbeitern macht sich eine wachsende volitische Gährunn bemerkbar. Der Urheber des Tonroms in Bjelostok, der Polizeioffizier Scheremetiem, ist nach Peters­burg berufen worden. Die Regierung weift in einer amt­lichen Erklärung die Beboubtung, daß die Judenverfolgungen unter Mitwirkung der Behörden stattfinden, scharf zurück, verspricht strengste Unterfucbuna, erklärt aber zugleich, daß die Ursache in den revolutionären Umtrieben zit fuchen sei, heren Herd Belostok wäre. Ganz anders lautet dagegen der jetzt ebenfalls erschienene Bericht der nach Bieloftof ent­fandten Kommiffion der Duma, demzufolge der Ausbruch genen die Juden blanmäkig vorbereitet und von Polizei und militär unterstützt worden fein foll. In der Nähe von @oftroma wurde ein der Krone aebäriger Dampfer von Re­waffneten überfallen und eine große Menge Phrozilin geraubt. Oefterreich- Ungarn.

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00 Die egung der Zollstreitigkeiten zwischen Serbien und Desterreich scheint bevorzustehen. Die serbische Regierung hat aus Belgrad dem österreichisch- ungarischen Gesandten die Antwort auf die österreichisch- ungarische Note zugestellt. In dieser erklärt die Regierung sich bereit, die vorgeschlagene Grundlage für ein Handelsprovisorium anzu­nehmen, drückt aber dabei den Wunsch aus, daß ein solches bis Ende 1906 bezw. bis zum Abschluß eines endgültigen Handelsvertrages in Kraft bleibe.

Schweiz.

** Die Bundesversammlung beschloß im Dezember v. J. das neue Gesetz oegen die anarchistische Propaganda. Die Gegner des Gesetzes wollten eine Voltaabstimmung herbei­führen, doch kamen von den erforderlichen 30 000 Unterschriften nur 28 000 zusammen. Somit tritt das Gesetz in Kraft.

Hlien.

** Jm Süden der Provinz Honan und im Westen von Echantung nehmen das Ränberunwefen und die Fremden­berfolgungen bedenklich zu. In Schangbai furfieren Gerüchte, in Hi- Tscheng bei Hangkau in der Provinz Schantung seien 5000 Aufrührer gefangen nenommen worden, den Reſt ver­suchten die kaiserlichen Truppen einzuschließen. Die städtischen Behörden von Hsi- Tscheng seien durch Mitglieder der Gesell­schaft vom Großen Meffer" ermordet, die protestantische und die katholische Kirche zerstört worden.

Afrika.

** In den Aufstandsgebieten von Natol spielen sich urzeit schwere Kämpfe ab. Von verschiedenen Seiten griffen Oberst Karters und drei Kolonnen unter dem Befehl von Oberst Mackenzie, Oberst Leuchars und Oberst Wools Sampion gleichzeitig die Aufständischen an. Die Kraals der Rebellen stehen in Flammen.

Der Maghzen von Maroffo bewilligte sämtliche Sühneforderungen Fran'reichs, die für die Ermordung des Bankbeamten Charbonnier gestellt wurden. Die Vertreter des Sultans und des Maghzen begaben sich nach der französischen Gesandtschaft, um das Bedauern ihrer Regierung auszusprechen. Kaum hat dieses eine Verbrechen seine einft­weilige Sühne gefunden, und schon ist wieder ein Franzose ermordet worden, und zwar am 2. Juli bei der alten Phönizier- Stätte am Wad el Kus oberhalb von Larrasch.

Hof und Gesellschaft.

*** Der Kaiser hat an Bord des Dampfer? ,, Hamburg", begleitet von dem Kreuzer Leipzig" und dem Depeschenboot Sleipner", in der Richtung nach Norden Kalundborg im Großen Belt passiert.

k

Der in Hamburg weilende König von Sachsen verrichtete gestern in der kleinen Michaeliskirche eine Andacht und machte mit dem Bürgermeister Dr. Burchard eine Fahrt um das Alsterbaffin. Bei einer dem Könige zu Ehren ge= gebenen Festtafel im Rathause gab der König seiner Trauer über das Brandunglück Ausdruck, das die Stadt Hamburg betroffen hat.

*

Reichskanzler Fürst von Bülow bleibt, wie jetzt feststeht, bis zum 26. September in Norderney. Er geht dann voraussichtlich nach Homburg v. d. H.

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Auch die zweite Tochter des verstorbenen Geheim­rats Krupp, Fräulein Barbara Krupp, hat sich verlobt. Der Bräutigam ist der Regierungsassessor Freiherr Tilo von Wilmowski, ein Sohn des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen.

Soziales Leben.

× Aussperrung im Nürnberger Baugewerbe. Eine in Nürnber abgehaltene Vollversammlung des Arbeitgeber­verbandes im Baugewerbe für Mittelfranken beschloß, nach­dem sich die Arbeiter den Verhandlungen vollständig unnach­giebig gezeigt und angefangen hatten, über eine Anzahl von Betrieben die Sperre zu verhängen, sämtliche organisierten Maurer und Steinhauer, Bau- und Hilfsarbeiter in Nürn­berg und Fürth auszusperren. Von der Sperre werden un­gefähr 4000 Arbeiter betroffen.

× Generalaus and der Schwefelarbeiter. In Cai­tanifetta( Sizilien) find die Schwefelarbeiter in den General­ausstand eingetreten. Die Streifenden durchzogen die Stadt, veranlakten die Schließung der Läden und setzten der be­waffneten Macht Widerstand entgegen. Einige Polizisten und Carabinierie wurden durch Messerstiche, Stockwürfe und Steinwürfe verlegt. Die Menge erstürmte die Wache des Gefängnisfes, in welches man einen bei dem Tumult ver= hafteten Anarchisten gebracht hatte. Die Gefängniswache gab neun Schüsse ab, durch welche sieben Personen verwundet wurden. Später wurde die Ruhe wiederhergestellt.

Preußischer Landtag.

Herrenbaus.

Für

( 24. Sigung.) RK. Berlin, 4. Juli. Mit einem Hoch auf den jüngsten Hohenzollernprinzen wurde die Sigung eingeleitet. Dann nahm das Haus die Lotterieverträge und die beiden Novellen zum Kommunalab­gabengesetz endgültig an; dann ging man zur Schulvor= I age über, die Beratung wurde bei den Paragraphen über die Schulfommissionen und die Lehrerberufung sehr lebhaft. Minister Studt ersuchte das Haus zum Anschluß an die Fassung des Abgeordnetenhauses zu bewegen. Gegen seinen Widerspruch wurde ein Antrag angenommen, welcher der Aufsichtsbehörde das Recht nimmt, unter Umständen einen Schulfommissionen selbst einzusetzen, auf Antrag der von Burgsdorff, die bestehenden Rechte der Schulvatrone aufrechterhalten will. diesen Antrag trat auch der Schwager des Kailers Herzog Fürst Günther zu Schleswig Holstein mit der Begründung ein, man dürfe die Bezieh ungen zwischen dem Lehrer und der Bevölkerung nicht Iodern. Dagegen ließ sich die Rechte des Hauses be­wegen, in der Frage der Lehrerberufung von der Kommissionsfassuna zum Teil abzugehen und sich dem Stand­punkt der Konservativen des Abgeordnetenhauses wieder zu nähern. Ein Antrag des Grafen Botho zu Eulenburg, der die Rektorenernennung nach der Fassung des andern Hauses regelt, wurde angenommen. Den Schluß der Verhandlung bildete eine Rede des Herrn v. Koscielski, in der dieser die Strazvereine ale Sanitätsfolonne zur Ab­wehr der herrschenden Seu che bezeichnete. Graf inten stein und Dr. v. Dziem bo mafi wiefen diese Re­zichtigung zurück. Dann wurde das ganze Gesetz gegen die Stimmen eines großen Teiles der Linfen angenommen. Kardinal opp und andere fatholische Mitglieder enthielten sich der Stimme. Der Präsident setzte die nächste Sigung auf Sonnabend an.

Haus der Abgeordneten.

( 79. Sigung.) RK. Berlin, 4. Suli. Auch hier zunächst die freudige Botschaft von der Geburt eines Kronprinzensohnes. Das Haus erledigte sodann zahl­reiche Petitionen, bis Minister v. Podbielsti eingetroffen war, um das Gesetz über die ländliche Verschuldungs= grenze zu vertreten. Gegen den Widerspruch der Frei­sinnigen, denen sich auch ein großer Teil der Nationa'liberalen anschloß, wurde das Gefeß nach längerer Debatte in zweiter und dritter Lesung angenommen. m Freitag steht nun wieder hier die Schulvorlage auf der Tagesordnung.

Ein Tag des Schreckens.

( Sonder- Bericht.) Hamburg, 4. Juli. Während unsere freie Reichsstadt fich rüstete, die An­funft König Friedrich Augusts von Sachsen festlich zu be= gehen, brach die unheilvolle Katastrophe herein, die in furzer Zeit unsere altehrwürdige Michelskirche in Asche legte, Hamburgs Wahrzeichen, den großen Michael" vernichtete und außerdem eine Reihe von Wohn- und Geschäftshäusern erbarmungslos dem Untergang weihte. Ganz Hamburg trauert und die Erinnerung an das unheilvolle Jahr 1842, in dem die halbe Stadt dem gefräkigen Element zum Opfer fiel, ist recht lebendig geworden. Die fortgeschrittene Technit der Feuerbekämpfung, die widerstandsfähige moderne Bauart

Verbindungen hin?" Sie nun eigentlich drüben vor?

fchlau waren. Aber nun

von ganzem Herzen,

fagen Sie wenn Sie auch mehr gutmütig als

Gehen Sie auf bestimmte einmal, was haben

nicht die Absicht, fich dauernd an ihn fesseln zu lassen. Laden herausgeworfenen Neger gebildet hatte, gab ihm will­Ein Straßenauflauf, der sich um einen soeben aus einem bequemen Führer los werden könnte; denn er hatte durchaus

Stufenleiter langsam hinabzugleiten begann. er von zu Hause feine Antwort erhalten, schon fam bor wie ein Vergessener und merkte, wie er auf der sozialen er sich

So vergingen mehrere Wionate, auf seinen Brief hatte

Schuß ausübe.

Menschen in die Grundmauern von

störung und Einsturz unbedingt haauwerfen sprossen ist auch der Glaube, daß das Begraben lebender

Ebenso alt und aus derselben Wurzel ent

So hat man in Deren Bers

rrichten neuer Tore stets die ersten Vorüber.