Einzelbild herunterladen

Nr. 180

Dabaltion u.Saupterbebition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362.

Freitag, den 3. August 1906

Gießener

15. Jahrgang

Gratisbeilagen: Oberhoffische Familienzeitung( t und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Rokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Volizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheisen

Der grollende finnische Löwe.

( Sonder- Bericht.) Helsingfors, 1. Auguft. In den Bergen von Suomi, wie Finland in seiner eigenen Sprache heißt, grout es seit Monaten wie ferner Donner. Das ist der finnische Löwe, der sich aus seiner Höhle vertrieben, dorthin zurückgezogen hat, um auf den günstigen Augenblick zu warten, in dem er die Tage dem überwundenen russischen Bären in den Nacken schlagen tann. Rußland und Finland! Zwei Länder, die als Nachbarn sich friedlich vertragen sollten, die fich aber niemals vertragen werden. Was sich jetzt in den Felsen von Vargö und Sveaborg abspielt, ist nur das Aufzucken der Flamme, die im Innern des unterjochten Landes glüht und die vielleicht einst, vielleicht in naher Zeit hervorbrechen und mit ihrer Lohe das russische Reich bersengen wird.

Hier in Finland lebt das Element, das den Russen am gefährlichsten werden kann. Der Finnländer ist fühn und ent­schlossen, wenn es zu handeln gilt, vaterlandsliebend wie faum ein anderer Nordländer und an Freiheit und Selb= ständigkeit gewöhnt. Finland hat herbe Kämpfe um seine Existenz führen müssen, aber diese Kämpfe sind Ruhmess

blätter in seiner Geschichte. Das Land hat die Schweden­herrschaft, der es vom 13. Jahrhundert an, mit furzer Unterbrechung bis 1809 angehörte, nie als drückend ent pfunden, denn der Schwede hat dem Lande alle Freiheiten ge= geben und es in seiner Entwickelung nicht gehemmt. Im Gegen­teil. Den schwedischen Königen verdankt Finland die freiheits liche Verfassung, die auch in Schweden Geltung hat und dessen volkstümliche Einrichtungen. Ihm dankt es die Hebung zum Herzogtum und später zum Großfürstention, letztere als Belohnung für den siegreichen Kampf Finlands gegen Rußland, der von 1572 bis 1592 dauerte und dem Lande zwar Ruhm aber auch vielen Schaden brachte; Rußland hat mehr­mals die Wucht finnischer Hiebe spüren müssen. Im Frieden von Stolbowa, der 1617 einen neuen Krieg mit Rußland beendete, mußte dieses Ingermanland und Kapholm an Schweden ab­treten, aber seit dem westfälischen Frieden wandte sich das Glück Suomis. Der schwedische Einfluß wurde vorherrschend und verdrängte finnische Sprache und Eigenheit. In den un= glücklichen Kriegen Schwedens mit Rußland war Finland das Kampfobjeft. Stückweise wurde es, troß der helden­mütigen Kämpfe seiner Söhne, von Schweden losgerissen und Rußland einverleibt, dem es 1809 im Frieden zu Fredrikshamm endgültig zufiel. Von dieser Zeit datiert der Zwiespalt, der kaum je beseitigt werden wird. Auf der einen Seite das fultivierte Land, das gerade in den letzten Jahr­hunderten sich auf seine finnische Eigenart besonnen hatte, das eine Verfassung und zwar eine freiheitliche hatte, auf der andern Seite das selbstherrliche Rußland, dessen Machthaber nur bestrebt waren, jede freiheitliche Regung zu unterdrücken und dem russisch gewordenen Lande auch den russischen Stempel aufzudrücken. Noch unter der Regierung Alexanders des Zweiten war das Verhältnis erträglich. Den Finnländern wurden gewisse Privilegien zugestanden, so der Gebrauch der finnischen Sprache, eigener Münzen usw. Aber unter seinem Nachfolger begann ein Vernichtungstampf der Russenfanatiker gegen die Freiheiten des finnischen Volkes, der mit der Ent­ziehung des Münzregals begann und mit der nölligen Russifizierung des Landes endete. Alle und jede Vorrechte wurden den Finnen genommen, es ist seit 1905 nur noch russische Provinz und russisch ist die amtliche Sprache, find die Behörden, das Militär und die Bertattung. Freilich, die Finnländer haben sich nach Kräften gegen die Bergemaltigung gewehrt, sie haben mit Güte und teilweise mit Gewalt eine Aenderung der drückenden Verordnungen zu erreichen ver­sucht, aber bisher ohne Erfolg. Tez finnische Löwe ist über­wunden, aber faum für immer. Zinar haben die besten Kräfte das Land verlassen, um nicht seine Erniedrigung mit ansehen au müssen; aber draußen arbeiten sie mit allee Macht und ver ganzen Zähigkeit des Finnländers an dem Werke der Frei­heit. Dann aber, wehe dem Bären, wenn der Löwe sich seiner Ketten befreit! Schon hört man sein Grollen, vielleicht ist der Augenblick nahe, der Finland die Freiheit wiedergibt! L. H.

Günftige Nachrichten aus Oftafrika.

In einem Telegramm des Gouvernements von Deutsch, Ostafrika aus Dar- es- Salam wird über erfolgreiche Gefechte gegen die Eingeborenen berichtet, die dem gefährlichsten Führer der Schwarzen eine derbe Lektion versetzt haben. Wie bereits früher gemeldet, hat einer der fähigsten Führer der Schutztruppe in Deutschostafrika, Major Johannes, seine Expedition in dem Bezirk Songea fortgesetzt, da dort neue Gärungen sich bemerklich gemacht hatten. Mit einer Abteilung des Expeditionstorps konnte Leutnant von Lindeiner unbemerkt an ein großes Lager der Aufständischen am Lihonde südöstlich von Songea herankommen und es überraschend an= greifen. Wie sich herausstellte, war es das Lager des Sultans Schabruwa, des Hauptführers der aufständischen Wangori. Schabruwa selbst wurde verwundet, indessen gelang es ihm, zu entkommen. Dagegen wurden seine Frau und seine Kinder gefangen genommen, und seine ganze Habe und sein Vieh wurden von den Siegern erbeutet.

Die Schwarzen verloren 16 Tote und 179 Gefangene, wäh­rend auf deutscher Seite nur ein Ombascha( ein farbiger Unteroffizier) gefallen war. Der Schlag, den der Feind er­litten, wurde dort schwer empfunden. Die Mehrzahl der Großen des Sultans Schabruwa zogen es vor, sich zu unter­werfen. Major Johannes sieht infolge dieses glücklichen Kampfes die Lage in Songea als günstig an.

Dagegen ist nach Me dungen des Hauptmanns v. Kleist die Ruhe in Upangwa immer noch nicht wiederhergestellt. Major Johannes ist daher mit Verstärkungen dorthin auf dem Marsche. Aus dem Bezirk Jraku lagen bei Abgang des Telegramms aus Dar- es- Salam Meldungen nicht vor.

Die Meuterei der ruffifchen flotte.

Die ebenso ernste wie bedrohliche Meuterci in Sveaborg ist unterdrückt. Nicht kurz nach ihrem Auftreten, wie die russische Regierung in die Welt hinaustelegraphieren ließ, sondern erst am Donnerstag Morgen ist man der Aufständigen Herr geworden. Nun gärt es auch in Kronstadt bedenklich. Ein russisch- offiziöses Telegramm meldet unter dem gestrigen Datum:

In Kronstadt fanden in der vergangenen Nacht bei einer Flottenequipage Unruhen statt. Dank dem Eingreifen des eid­treuen Teils der Truppen, gelang die schnelle Unterdrückung der Unruhen; es mußte dabei von der Feuerwaffe Gebrauch gemacht werden.

Wer russisch- offiziöse Depeschen zu lesen versteht, der wird aus dem vorstehenden Telegramm schließem, daß die Meuterei in Kronstadt sehr schwerer Natur gewesen sein muß. Die Wahrheit über solche Aufstände erfährt man gewöhnlich erst nach mehreren Tagen durch briefliche Mitteilungen.

Der Kampf um Sveaborg

ist jedenfalls viel erbitterter geführt worden, als bisher zu­gegeben wurde, und die Situation war viel ernſter als man bis heute erfahren hat. Freilich ist auch das Wenige, das zur Kenntnis des Auslandes gelangt, schlimm genug.

Man erfährt, daß mehrere Kriegsschiffe zu den Meuterern übergegangen waren; daß zwei Maschinengewehr- Kom­pagnien ihre eigenen Maschinengewehre vernichtet haben, damit sie nicht diese Waffen gegen die Menterer zu richten brauchten. Man erfährt, daß zwei Panzerschiffe " Besarewitsch" und ,, Bogatyr" stundenlang die von den Auf­rührern besetzten Forts beschießen mußten und daß aus Reval und Hangö ein Geschwader unter Kommando des Groß­fürsten Alexander Michailowitsch, eines Schwagers des Zaren, zu Hilfe geholt werden mußte. Man erfährt endlich, daß die zu den Meuterern übergegangenen Kriegsschiffe jetzt gegen Kronstadt vorgehen wollen.

Dies alles ist viel schlimmer als man bisher wußte. Woher die plötzliche Erregung unter der Flotte? E3 berlautet, daß die Meutereien den Anfang bilden eines über ganz Rußland organisierten Aufstandes. Auch der Admiral der Schwarzen Meerflotte Strydlow, äußerte einen Inter­viewer gegenüber, er führe die Unruhen in der Flotte feines­wegs auf ökonomische Forderungen, sondern einzig und allein auf die revolutionäre Propaganda und die geringe Zahl der Offiziere zurück. Der Admiral wiegt sich nicht in der Hoff­nung, daß es eine leichte Aufgabe sein werde, die Ruhe in der Flotte wieder herzustellen.

Strydlow bei den verurteilten Matrosen.

Der neue Admiral der Schwarzen Meerflotte, Skrydlow, will die Meuterei in der Marine durch geistige Wassen be­kämpfen und die Aufsässigen durch Milde gewinnen. Mittmoch besuchte er die wegen der im November stattgehabten Unruhen verurteilten und angeklagten Matrosen, blieb mit ihnen allein und wies ihnen nach, wie falsch sie gehandelt hätten, das Gericht nicht anzuerkennen; denn durch ihre Handlungsweise hätten sie ihren Verteidigern die Möglichkeit genommen, etwaige Unregelmäßigkeiten der Voruntersuchung nachzuweisen. Als der Admiral am Schlusse des Gesprächs die Matrosen mit Bratja(=" Brüder") axredete, cririderten einige: Wir find feine Brüder mehr, wir sind Zwangssträflinge!" Strydlow entgegnete darauf, das Urteil sei bisher noch nicht bestätigt worden; für ihn seien sie zum Disziplinarbataillon verurteilte Brüder. Skrydlow blieb bei ihnen von 7 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags, wodurch die Matrosen gerührt wurden.

*

Allgemeine Meuterei der Armee?

Ein Londoner Blatt läßt sich aus Petersburg melden, daß eine allgemeine Meuterei der russischen Armee bevorsteht. Truppen haben das Haupt- Telegraphenamt in Petersburg besetzt, weil außerordentliche Ereignisse erwartet werden.

In einzelnen Garnisonen Transkautasiens treten die Meutereien schon seit zwei Tagen auf. Auf der Festung Deschlagar brach eine Meuterei aus, als die Kunde von der Auflösung der Duma dorthin gedrungen war. Die Mannschaften töteten den Regimentskomman deur, einen Bataillonskommandeur und zwei andere Offiziere, sowie den Regimentsgeistlichen und eigneten sich die ganze Gewalt in der Stadt an. Im Post­und Telegraphenamt sowie in sämtlichen anderen staatlichen

Gebäuden stellten die Meuterer Patrouillen auf. Als Kosaken eintrafen, ergaben sich die Meuterer und lieferten vier An­tifter aus.

Auf der Festung Schuscha ist, wie die russische Re­gierung selbst bekannt gibt, die Lage beunruhigend. Die telegraphische Verbindung ist wiederholt unterbrochen worden.

Warum Herzenstein fiel.

Es gilt als sicher, daß die Ermordung Herzensteins aul Befehl des Verbandes des aktiven Kampfes gegen die Anarchie" erfolgt ist. Zwei Personen gelten als der Tat berdächtig. Wegen Verdachts der Teilnahme wurde der Stationsgendarm verhaftet, der mit jenen Personen wieder holt zusammen gesehen wurde.

Mehrere Stunden vor der Ermordung Herzensteine erhielt die Redaktion der Rußt. Wjedom." einen mit Boge jawlewski(, Gottesmelder") unterzeichneten Brief, in welchem es hieß: Heute begehen wir die Leichenfeier für Herzenstein, bald werden wir die Leichenfeier für andere linke Kadettel begehen." Das Moskauer reaktionäre Blatt ,, Majak" melders den Tod Herzensteins bereits 5 Uhr nachmittags, während die Eat 9 Uhr abends geschehen ist.

Sämtliche Führer der Kadettenpartei find Mittwoch in Terijofi eingetroffen. Die Beerdigung Herzensteins soll in Mostau stattfinden.

Odessa vor dem wirtschaftlichen Kuin.

Die wirtschaftliche Lage in Odessa ist äußerst bedrohlich Die Existenz der meisten großen Handelshäuser hängt an seidenen Faden, nnd bricht erst eines zusammen, dann werden unzählige größere und fleinere Firmen mitgerissen. Die Firma B. Schwarz, eine der ältesten Odessas ist in Konkurs geraten Die Verpflichtungen betragen mehr als 6 Millionen Mark denen ein Vermögen von 5400 Mart gegenübersteht! Dieser völlig unerwartete Bankrott wird als Beginn einer ganzen Reihe ähnlicher Katastrophen angesehen. Eine große Furcht herrscht in Odessa vor den Krähen", d. h. den schwarzen Räubern, die ohne weiteres in die Läden dringen und Geld verlangen, ohne daß auf einen Beistand der Polizei zu rech nen wäre.

Die dupierte Warschauer Polizei.

Die Revolutionäre sind in der Erfindung von Triks un­erschöpflich und machen sich über die Regierung nur lustig. Am Mittwoch sind, so wird aus Warschau berichtet, mit der Petersburger Bahn 600 Browning- Revolver für die Warschauer Polizei aus Petersburg angekommen. Donnerstag früh er­schienen bei dem Stationschef zwei Gendarmerieoffiziere in Begleitung von 4 Polizisten und übernahmen auf Grund einer formellen Vollmacht des Oberpolizeimeisters die Revolver und luden sie auf einen mitgebrachten Wagen. Etwa zwei Stunden später kam der Gehilfe des Oberpolizeimeiſters um die Revolver abzuholen, und erfuhr mit Erstaunen, daß sie bereits abgeholt worden seien. Die Vollmacht, die der Stationschef ihm vorlegte, war meisterhaft gefälscht! Nach­mittag wurde dem Oberpolizeimeister eine Quittung über den Empfang von 600 Stück Revolver zugestellt, mit dem Siegel des P. P. S.(= Polska Partia Socialistu, zu deutsch: Polnische Sozialistenpartei.")

Außerdem liegen nachstehende Meldungen vor:

Warschan, 2. August. Hier wurden ein Schutzmann auf dem Trittbrett eines Pferdebahnwagens und ein Polizeirevier­aufseher auf der Tomkastraße erschossen. Daß die Täter ent­kommen sind, braucht kaum noch erwähnt zu werden.

Petersburg, 2. August. Das hiesige Telegraphenamt ist nachts von Truppen besezt worden.

Helsingfors, 1. August. Der Anführer der ,, Roten Garde", Kapitän Kock, wollte in Finland einen Generalstreik in­Der szenieren. Der Versuch ist ihm aber mißlungen. Landtagsausschuß hat einen Aufruf an die Bevölkerung er­lassen und zur vollkommenen Neutralität seitens der Finländer ermahnt.

Helsingfors, 2. August. In den Straßen unserer Stadt wurde das Manifest der sozialistischen Partei von- Soldaten verteilt.

Politifche Rundschau.

Deutfches Reich.

* Die Ausführung des Gesetzes über den Frachturkunden­Stempel hat im Eisenbahnverkehr zu Unzuträglichkeiten geführt, weil die Eisenbahnverwaltung den Urkundenstempel nicht vom Aussteller des Frachtbriefes, sondern immer vom Frachtzahler einzieht. Die Beschwerden der industriellen Kreise hierüber hat der Zentralverband deutscher Industrieller in einer Ein­gabe an die zuständigen Behörden zum Ausdruck gebracht und die schleunige Aenderung des jezigen zu Mißhellig­keiten zwischen Verkäufer und Käufer führenden Verfahrens beantragt.

Betotẞ­

Jawohl,

ehrende Teilnahme bitten."

Des tegimentsvereins.

Am

Sagen Sie Ihrem Papa," erwiderte der Hauptmann Hauptmann ein großes verschlossenes Ruvert, das die Billetts fechzehnten. Papa läßt im Namen des Vereins um Ihre Hierbei überreichte fie dem

enthielt.

es ging, thren großen Papa und begrüßte ihn mit herzlichem

Gutentagruß.

mann besorgt. Gnädiges Fräulein ift auf h offiziere habt the fal"-" Jegt fängst du auch an?"- ,, Dir ist etwas begegnet, mein Kind P" fragte der Haupt. " Ja, Bapachen," sagte Eveline," nette Unter­

Straße hon

einem 11nters

( Schluß.)

Bia

Gefübnte

Schuld.

Von Dr. Hans Liefal

hatte atomina

( Nachdruck verboten.)

worrener Bärm.

Was weiß ich, vielleicht noch ein

Was ist bas Renzo

gäste."- mußten fie

Oder suchen Sie uns

Pia.

P"

beiruntene fragte fie ängstlich omm,

Um zu Renzo's Daus

bochzeits.

wollen

gehen" Im das Dorf herum gebeu gelangen,