Ausgabe 
25.11.1905 Zweites Blatt
 
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905 angeordnete Sperre ührung bei Geilfuß und aufgehoben. er 1905.

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werden bei unserer Kaff Onnerstag und Sau nd nachmittags vo halten. Die Einlege ihre Zinsen in Empfang affen. Das Belschreiber e Einleger auch später Olgen, da am 1. Janua en in den Büchern de ben und berzinft werden blikums mit der b bis gegen Ende de der Zubrang ein f

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Nr. 278.

Zweites Blatt.

Jasertionspreis: Die einspaltige Betitzetle für ganz Ober­effen, die Kretse Weglar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 Bfg. Reklamen die Petitzelle 30 refp. 40 Bfg.

Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluk Nr. 362.

Samstag den 25. November 1905

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jährl. Mr. 1.50. Gratis beilagen: Oberheffische Familienzettung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

Die Empire- Mode.

( Von unserer ständigen Korrespondentin).

Die Wintermode steht in einem ganz neuen Zeichen, in dem des Empireſtiles. Die Anregung zu der neuen Tracht Rammt aus Paris. Zwei Ursachen können ihr zum Dasein berholfen haben. Es ist möglich, daß die Idee deutscher Frauen, eine gesundheitsmäßige Bekleidung zu schaffen, die französischen Schneider angeregt hat, die Empiremode heraus­zubringen. Sie wollten zeigen, was aus dem Reformkleide, bas sich bei uns so langsam fortentwickelt, zu machen ist. Wahrscheinlicher ist es aber, daß die Franzosen wieder ein­mal daran gegangen waren, mit einer neuen Mode die fulti­bierte Welt zu überraschen. Wie gewöhnlich durchblätterten fie zu diesem Zwecke die Geschichte und griffen dabei die Ideen auf, die einen Zusammenhang mit unserer Zeit haben. Neuerdings beschäftigt man sich wieder mit der Geschichte Napoleons, mit der des ersten und zweiten Kaiserreiches. Die Zeit, in der nach der französischen Revolution, nach den berschiedenen Regierungsformen in Frankreich endlich Napoleon jum Kaiser ausgerufen wurde, heißt die Empirezeit. Sie hat für die Sittengeschichte eine ebenso große Bedeutung als für die politische. Und die Mode hängt von den Sitten und Ideen einer Zeit ab. Als die Revolution das Wort Freiheit auf den Schild gehoben hatte, sezten die Frauen die Er­rungenschaften der neuen Zeit in die Praxis um in ihrer Kleidung. Sie wählten ein Kostüm in antifen Formen, und gwar Kleider, wie man sie in der römischen Republik trug. Lange herabfallende Toiletten aus feinsten durchsichtigen Ge weben, die natürlich für das französische Klima garnicht paßten. Ein Modeblatt aus dem Jahre 1801 erzählt, daß die Frauen aussahen wie" gewebte Nebel in den Farben der Morgen­röte." Napoleon, der wieder das Zeremoniell des Hofes ein­führte und der natürlich auch die Tracht dadurch beeinflußte, war indirekt der Begründer einer neuen Mode. Die Damen wandten sich von der antiken Richtung ab. Was sie dafür an die Stelle setten, war nicht sehr erbaulich. Die schlichten Röcke mit hochschließender Taille, steifgefälteten Säumen und barocken Aermeln, dazu blumengeschmückte Kiepenhüte und niedrige Schuhe waren nicht geeignet, die weibliche Anmut zu heben. Das war die Empiretracht, die in diesem Winter ihre Auferstehung feiert. Mit dem Reformkleide hat sie mein, nämlich daß sie ein Gewand gibt, eine Hülle aus einem Stück ohne Unterbrechung. Empire unterscheidet sich von dem Reformkleide dadurch, daß das erstere über einem Fischbeinmieder getragen wird, in der Taille anliegt und sich mehr der Prinzeßform nähert. Für schlanke Damen kann die Mode nur als sehr vorteilhaft bezeichnet werden. Man mag sie schön oder häßlich finden, eines muß man ihr lassen; sie gibt der weiblichen Bekleidung das wieder, was immer als

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Christ bescherung

der Kleinkinder- Bewahr- Anstalt.

Weihnachten naht heran, das Fest der Liebe und der Freude, das Fest der Kinder. Schon am 3. Advent, Sonntag, den 17. Dezember d. I., soll diesmal die Chriftbescherung für die Kinder unserer Anstalt stattfinden. Wir haben für 240 Kinder den Weihnachtstisch mit Gaben zu decken. Um dies aus: fähren zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den wohlwollenden Sinn der Freunde unserer An­ftalt und ihrer Kinder. Wir bitten uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen und dergl. zuwenden zu wollen, besonders aber auch Geldgaben, die uns die gleich mäßigste Bescherung für unsere Kleinen ermöglichen. Gine Lifte zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgegeben.

Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lassen:

Frau Professor Drews, Seltersweg 87; Frau Rechtsanwalt Grünewald, Liebigstraße 21; Frau Johanna Haas, Oftanlage 31; Frau Rechnungsrat Kalbfleisch, Ludwigstraße 7; Frau Professor Leist, Moltkestraße 32; Frau Kirchenrat Naumann, Süd­anlage 8; Frau Luise Ottens, Bismarckstraße 11; Frau Lina Schmall, Oftanlage 36; Frau August Schwan, Seltersweg 64.

Auch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit Gaben anzunehmen; man wolle freundlichst beachten daß dies die Kleinkinderschul- Schwestern sind, wohnend Diezstraße 15.

Gießen, den 11. November 1905.

Der Vorstand der Kleinkinder- Bewahraustait.

Dr. Naumann.

charakteristisches Merkmal des Frauenkleides angesehen wurde, den graziösen Faltenwurf. Ihn erzielt man am leichtesten durch Ver= arbeitung von weichen, vielleicht auch glänzenden Stoffen. Darum ist feines, seidenglänzendes Tuch, weiche, leuchtende Seide und vor allem Seidensammet höchste Mode. Dazu gesellen sich Spizzen aller Art, vornehmlich aus Silber und Gold, die den Sattel der Taille bilden. Der Taille, die hochhinauf bis unter die Brust gerutscht ist, dienen breite Bänder aus Sammet und metallisch schimmernde Bänder zum Abschluß. Die Aermel sind selbstverständlich kurz, puffig und lange Spigen quellen daraus hervor. Wo es nur geht, bringt man bunte Knöpfe und wertvolle Schnallen an. Neben dem Em­pirekleide gilt auch der Empirerock, der unter dem Namen Miederrock auftritt, als modisch. Die Vorderbahnen werden im Zusammenhang mit dem Miederteil geschnitten. Dieses Mieder macht natürlich einen Gürtel überflüssig. Zu einem solchen Rock wird eine Bluse getragen, reic enbesaz.

Bier und Tabak.

n.

( Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.) Wo Holz gehauen wird, da fallen Späne, und wo Steuern neu eingeführt oder erhöht werden, da wird ge= schrien. Glücklicherweise hält oie Aufregung nicht allzulange an. Man gewöhnt sich schnell an neue Abgaben. Vielleicht weil man von ihrer Wirkung übertriebene Vorstellungen hatte und nun aufatmend sieht, daß man auch unter der Mehrbelastung den Atem nicht verliert. Sooft die Börsen­Stempelsteuer erhöht wurde oder neue besondere Börsen­abgaben zur Einführung famen, sooft wohl flagte die Börse, daß ihr Geschäft nun völlig aufhören müsse, daß der Stempel den ganzen Ertrag verschlinge, und daß der Staat unklug handle, indem er die Henne schlachte, die ihm die goldenen Eier gelegt. Die Börse hat aber noch jede Steuererhöhung

deren es sehr stattliche gegeben überstanden und ist unter Seufzen zu immer fräftigerer Klüte und zu stattlichen Gewinnen gelangt. Denn die Steuererträge gingen nicht zurüd, im Gegenteil, fie wuchsen recht lebhaft, und man geht wohl nit febl, wenn man annimmt, daß die Börse in plötz= licher euerbegeisterung Geschäfte einzig zu dem Zweck ge­macht habe, dem Reich einen möglichst hohen Steuerertrag zu­zuführen. Etwas wird schon noch übrig geblieben sein. Wie den Börsenleuten, so ist es auch andern ergangen. Welche Steuer immer erhöht wurde, die drohte nach der Versicherung der Betroffenen mit Verderben und Untergang. Wer das durch eine Reihe von Jahrzehnten beobachtet hat, der wird solchen Klagen gegenüber etwas skeptisch und hart. Der verheißene Untergang ist so oft ausgeblieben, daß man der erreuten Verheißung schließlich mit völligem Unglauben

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gegenübersteht.

Die deutsche Tabakindustrie ist zu ihrer jezigen Blüte und Bedeutung auch unter mehrmaligen Steuererhöhungen gelommen, die sie nach der Versicherung ihrer berufenen Vertreter eigentlich hätten umbringen müssen. Dic Unglückspropheten haben sich eben geirrt. Dieser Irrtum ist überaus erfreulich. Wir wollen auch denen, die ihn sagten und äußerten, feinen Vorwurf machen. Nur sollen sie nicht verlangen, daß wir ihren erneuten Ausführungen, die sich ganz im alten Geleise bewegen. unbedingt und obe zu Be­finnen zustimmen und folgen.

Die Verzollung der Havanna- Import- Bigarren ist gar nicht Frage. Wenn es angängig ist, die einzelne Zigarre mit einem Zoll von 10 Pfennig zu treffen, so wird niemand dagegen murren. Nicht einmai der verwöhnte Raucher selbst, dem es wirklich gleichgiltig ist, ob er für die Zigarre 1,50 M. oder 1,60 M. zahlen soll. Hat er sich doch im Verlauf von zwanzig Jahren eine Preisverdoppelung durch die Havanna­Trusts müssen gefallen lassen. Da darf schon das Reich mit einer Mehrabgabe von 8 bis 10 Prozent jich melden, o daß man gleich ein schiefes Gesicht zieht. Freilich, die Ucber gangsraucher, die Havanna- Zigarren zu 25 bis 30 Pfennig das Stück rauchen, schneiden schlecht ab. Diese Zigarren fönnen einen Zollzuschlag von 33% bis 40 Prozent vom Preis wirklich nicht vertragen. Aber gerade hier wäre eine so derbe Zollerhöhung von Segen.

Das Bier so kehrsteuer von 40 Millionen Mark liefern. Auch das ne Kleinigkeit, und die Brauer mögen genug seufzen be Gedanken, wie sie die Steuer so ab­wälzten, daß hnen neben dem ausgelegten Geld noch ein an= gemeffener Buschlag herauskommt. Daß der Konsum sich mindert und der Schnapsgenuß zunimmt, glauben wir nicht, nachdem diese Folge bei ähnlichen Anlässen auch nicht hervor= getreten ist. In Bayern trägt das Bier im Vergleich zur Brausteuergemeinschaft die vierfache Last und hat seine on­furrenzfähigkeit doch nicht verloren, weder im Inland noch im Ausland. Immerhin eine Freude ist die Steuererhöhung für die Beteiligten nicht. Wäre nicht die harte Notwendigkeit würde man feine neuen Steuern verlangen. Aber die Not­wendigkeit ist vorhanden, die Mittel müssen beschafft werden. Wer nicht eine andere Steuer anbieten kann bieten nicht blos mit Worten der arf einen Steuer­vorschlag nicht zurückweisen, weil er lastend ist.

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Lokales.

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Gedenktafel für den 25. November. 1562. Dichter Lope de Vega*. 1865. Afritaforscher Barth t. 1868. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen*. 1870. Kapitulation von Thionville. 1885. König Alfons XII. von Spanien. 1900. Theolog Beyschlag f.

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