Ausgabe 
24.6.1905 Zweites Blatt
 
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Hus dem Gerichtsfaal.

Wegen Fahrkarten- Betrügereien hatten sich vor der Straffammer zu Saarbrücken ein Eisenbahnbeamter und ein Kaufmann zu verantworten. Auf dem Bahnhof Saar­brücken bemerkte man, daß fortgesetzt Fahrkarten unter­schlagen wurden. Man versoh die Karten mit unauffälligen Merkmalen und konnte auch bald bei der Bahnkontrolle in Köln einen Kaufmann aus Malstatt- Burbach bei Saar­brücken anhalten, der im Besitz einer der gezeichneten Jahr­farten war. Er gestand, daß er die Karte von einem Bahn­beamten erhalten habe, der auf dem Bahnhof Saarbrücken mit dem Einsortieren von Fahrkarten beschäftigt war. Da­bei eignete sich der ungetreue Beamte Fahrkarten an und verkaufte sie dann zu billigerem Preise. Er erhielt cine Strafe von 6 Monaten Gefängnis, der Kaufmann fam mit 2 Monaten davon.

§ Im Schwiebuser Mordprozeß ist das Urteil gefällt. Der 65jährige Abdeckereibesitzer Schupp wurde vom Schwurge­richt in Guben wegen Totschlags zu 15 Jahren Zuchthaus imd 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Bei Schupp lebte die 80 Jahre alte Witwe Scheidemann, die er für seine

Frau ausgab, während sie in Wirklichkeit seine Geliebte war. Die Scheidemann rourde eines Tages ermordet auf­gefunden, und der Verdacht, die Tat verübt zu haben, rich­tete sich gegen die Wirtschafterin Baulfe, bis auch diese als Leiche aufgefunden und Schupp selber als Mörder der bei­den Frauen ermittelt wurde. Er leugnete die Tat, nahm aber das Urteil gefaßt entgegen.

Kunft und Wirrenfchaft.

OP Altertumsfunde. In Neuß im Rheinland wurden be Tiefarbeiten Funde aus römischer Zeit gemacht. So wur den Reste einer altrömischen Wasserleitung aufgedeckt. Mar hofft bei der Fortsetzung der Arbeiten auf weitere größer Funde. In Glesch bei Bergheim an der Erft wurde bei Ausschachtungsarbeiten ein größeres römisches Familiengral aufgedeckt. Zwei Glasurnen mit Knochenresten, die sich ir Tuffsteinbehältern vorfanden, sind unversehrt geblieben ebenso eine Anzahl römischer Krüge.

Schmiet meister in Garbenteich mit Margarete Lepper dahiec. 20. Johannes Philipp Duchardt, Meßgermeister i Alsfeld mit Lina Feußer dahier. Wilhelm Heß, Hilfsbremse in Großen- Linden mit Anna Johanna Althaus daselbst. 21. Emil Simon, Schlosser dahier mit Katharine Bollmant hierselbst. 22. Julius Karle, Geometer 1. Kl. dahier mit Anna Lenz hierselbst.

Eheschließungen.

Am 17. Juni. Adolf Römheld, Kaufmann in Main mit Emma Siegelez dahier. Andreas Krausmüller, Dach Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen. deder dahier mit Anna Marie Waldschmidt in Heuchelheim

Geborene.

Am 12. Juni. Dem Bauaufseher- Aspiranten Karl Behrum eine Tochter, Else Helene Erna; 14. Schneider Friedrich Siever ein Sohn, Rudolf Wilhelm; 15. Apotheker Curt Schneider ein Sohn, Heinrich Wilhelm Curt Walter; 17. Efendreher Wilhelm Müller 7. ein Sohn, Friedrich Bilhelm; 18. Steinbrecher Ernst Valentin ein Sohn, Ernst Heinrich; 19. Taglöhner Heinrich Ripp ein Sohn; Uni­versitätsprofeſſor Geh. Juſtizrat Dr. Arthur Schmidt ein Sohn; Fabritarbeiter Jakob Stecker ein Sohn, Hermann; 21. Schlosser Karl Möser ein Sohn.

Aufgebote.

Am 17. Juni. Franz Bauer, Brauer dahier mit Elisabethe Koch hierselbst. Franz Schücker, Schlosser dahier mit Katharine Wallenfels hierselbst. Heinrich Spieß,

Frankfurt a. M.

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Ende des Ausverkaufs 25. Juni.

Geschlossen 26. und 27. Juni.

Eröffnung Mäusburg 10 28. Juni.

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Gestorbene.

Am 18. Juni. Elifabeth Katharine Kraft 2 Mte. alt, Tochter des Lokomotivführers Heinrich Kraft dahier. 19. Marie Elise Leinberger, 20 Tage alt, Tochter des Tage löhners Heinrich Leinberger dahier. 20. Karl Heinrich Ernst Loose, 2 Jahre alt, Sohn des Schreiners Gustav Loose dahier. 22. Dito Sommerlab, 19 Jahre alt, Megger dahier. Karl Daniel Mezger, 68 Jahre alt, Meßgermeister babier. Verantwortlich für die Politit und den Insecatenteil: Ibin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, belbi in Gießen.

Bekanntmachung.

Betreffs des Leichenfundes in der sogenannten Froschkuhle zu Höchst a. M. lassen wir nachstehend eine genaue Beschreibung der Bekleidungsstücke folgen:

Die Kleidung bestand aus Joppe mit Pumphose, Leibchen und Hemdchen. 1. Beschreibung der Joppe.

Dunkelgrauer Kunstwollstoff, gleicher Gürtel von 65 Ctm lich geringe Spesen ermöglichen Länge. Im Rückenteil der Joppe 2 Gurtsch aufen. Die Joppe ist mic, meiner werten Kundschaft mit großfarriertem Futter von hellbrauner Farbe versehen und hat größte Vorteile im Einkaufe von eine Gesamtlänge von 47 Ctm. Die Joppe hat Umlegefragen von 30 Ctm. Halsweite und war derselbe vorne 10 Ctm. breit. Die Aermel sind 29 Ctm. lang, die Rüdenbreite der Joppe bon Aermel zur Aermelnat beträgt 21 Ctm..

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An der Jop, e befanden sich hellgraue Steinnußknöpfe. 2. Hose.

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Länge 30 Ctm. bis zum Bund, unten Gummizug. Durch messer im unteren Teil 7% Ctm. Die Hose war am Leibchen be festigt. Die Knöpfe am Leibchen bestanden aus Weißmetall. jeder Seite der Hose saß ein Metallknopf zur Befestigung der Hosen: flappe mit der Aufschrift Patent", darunter zwei Sterne und eine fleine Verzierung. 3. Hemden.

Ganze Länge: 56 Ctm., Aermellänge: 9 Ctm., Schulterbreite vom Kragen bis zur Aermelnaht: 10 Ctm.

Außerdem befand sich bei der Leiche noch ein Stück schwarzen gestrickten Wollstrumpfes.

Als Erkennungszeichen an der Leiche selbst dient nur ein aus gezeichnetes Gebiß, welches noch die vollständigen 20 Milchzähne zeigt. Im Unterkiefer befindet sich hinten an jeder Seite je ein hohler

Bahn.

Ein Stück Kopfhaut zeigt einige goldblonde Haare. Soweit sich dies aus der Beschaffenheit der Leiche feststellen lies, kann dieselbe etwa bis zu einem Jahre gelegen haben. Genau ließ sich dies nicht mehr bestimmen.

Es ließ sich bis jetzt nicht feststellen, daß die Leiche vor jirla 14 Tagen an dem Fundort gelegen hat. Behufs sicherer Feststellung wie lange die Leiche dort gelagert hat, ist es erwünscht, daß diejenigen

Gottfried Marx Berfonen, welche die Leiche schon vor 14 Tagen dort bemerkt haben,

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dies ungefäumt der unterzeichneten Verwaltung mitteilen, ferner er suchen wir das Publikum wiederholt, alle Tatsachen, welche zur Auf­flärung dienen tönnen, sofort hierher mitzuteilen.

Die Polizeiverwaltung Höchst ersucht daher um Mitteilung, falls eine Person mit einem Stoffer oder einer Kiste in verdächtiger Weise des Nachts oder des Abends in der Nähe des Fundortes ange troffen, oder Leichengeruch in einem Hause oder e ner Wohnung be merkt wurde.

Als Zeugen werden in obiger Sache zwei junge Leute gesucht, welche vor etwa 14 Tagen vormittags den Ort des Leichenfundes mit einem großen Holztoffer passierten, diesen dort niedersetzten und sich die Leiche ansahen.

Im Interesse der genauen Feststellung, wie lange die Leiche an dem Ort gelegen hat, ersuchen wir die beiden jungen Leute dringend, sich schleunigst bei der Polizeiverwaltung Höchst a. M. oder Gießen, den 22. Juni 1905.

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