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it u. ohne Einlage
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verschiedener
Art.
Fleisch
Nr. 3112.
Erstes Blatt.
nfertionspreis: Die einfpaltige Betitzeile für ganz Oberen, bie Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Bfg. Reklamen ble Petitzeile 30 resp. 40 Bfg. Medaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluk Nr. 862.
Samstag, den 23. Dezember 1905
Gießener
14. Jahrgang
Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Beifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Politifche Rundschau.
Deutsches Reich
Wie es heißt, soll dem Bundesrat kurz nach Neujahr ein Haftpflichtgesez- Entwurf für Automobilschäden zugehen. Der Entwurf legt dem Automobilbesitzer oder seinem Beauftragten die Pflicht auf, bei etwaigen Unglücksfällen ihre Unschuld an dem angerichteten Schaden.
* Am 17. Dezember hat bei Toasis ein siegreiches Gefecht in Südwestafrika stattgefunden. Major v. d. Heyde griff mit Mannschaften der 4. und 9. Kompagnie des 1. Feldregiments und der 4. Batterie eine aus Leuten Manasse Norosebs und Simon Koppers bestehende Bande an und schlug sie nach zweistündigem Kampfe in die Flucht. Hauptmann Kliefoth, ein alter afrikanischer Schuztruppler, und zwei Mann sind gefallen. Nach dem Gefecht stellten sich 250 Hottentotten.
Der in Berlin gebildete Hilfsausschuß für die notleidenden Deutschen Rußlands ist mit einem Aufruf an die Deffentlichkeit getreten. Der von zahlreichen hervor= ragenden Persönlichkeiten unterzeichnete Aufruf nimmt Be= zug auf die beklagenswerten Ereignisse in Rußland und wendet fich mit der Bitte um Unterstüßung für die notleidenden Landsleute an alle Kreise. Geldsendungen( Einzel- und Sammelgaben) werden an die Hauptsammelstelle, die liche Seehandlungshauptkasse zu Berlin, Markgrafenr. 40 a, unter der Bezeichnung Für die notleidenden Deutschen Rußlands", Buschrift an Herrn Dr. von Veh, Rechtsanwalt, Berlin W., Ansbacherstr. 55, erbeten.
Vom 6. bis 9. Februar wird der deutsche Landwirtschaftsrat seine 34. Plenarversammlung in Berlin abhalten. Der Landwirtschaftsrat wird u. a. über die Reinhaltung der bentschen Gewässer, die Erhaltung der deutschen Kalilager und den Schutz der deutschen Milchproduktion beraten.
* Die Verdeutschung von 97 polnischen Ortsnamen in der Provinz Posen wird durch königlichen Erlaß angeordnet. Im ganzen haben in der Provinz jezt 200 polnische Ortschaften deutsche Namen erhalten.
* Nach einer lebhaften Debatte sprach der oldenburgische Landtag dem Minister Ruhstrat mit 33 gegen 5 Stimmen bei zwei Enthaltungen sein Vertrauen aus. Die Diskussion batte fich um die bekannten Prozesse und die sich daran an= knüpfenden Angriffe gegen Minister Rubstrat gedreht.
England.
** In einer großen liberalen Versammlung in der Alberthalle zu London hat der neue englische Premierminister Campbell- Bannermann sein Regierungsprogramm in großen Zügen dargelegt. Zur auswärtigen Lage sagte er, es sei sein Wunsch, die Kolonien immer enger mit dem Mutterlande zu verbinden. In Südafrika gebe es viele Schwierigkeiten. Die Regierung habe beschlossen, die Anwerbung von Kulis in China und deren Verfibiffung nach Südafrika aufzuheben. Was Deutschland beträfe, so sehe er feinen Grund zur Entfremdung in irgendwelchen Interessen beider Völker. Die Regierung beiße die Freundschaftskundt gebungen, die jüngst zmien keiden Ländern ausgetausch= feien, willkommen. Zu den anderen europäischen Märbten seien die Beziehungen höst freundschaftlich. Die algemeine Seder Minifler werde sich gegen jede aggressive Tendenz
an
wirken.
d von dem Wunsche Leseelt sein, zu allen Nationalis den besten Beziehungen zu steben und mit ihnen gemeinsamen Arbeit der Zivilisation zusammenzuGriechenland.
** Das neue Ministerium Theotokis ist gebildet worden. Theotokis hat außer dem Präsidium das Kriegsportefeuille übernommen.
Amerika.
** In der südamerikanischen Republik Kolumbia tourde ein Anschlag gegen den Präsidenten Reyes noch rechts zeitig vereitelt. Dabei wurde eine umfangreiche Verschwörung, zum Sturz der Regierung aufgedeckt. Infolgedessen sind viele angesehene Kolumbier verhaftet werden, dorunter ein ehemaliger Minister; fünf oppositionelle Führer sind vor ein Ariegsgericht gestellt worden.
** Die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind an bie franzöfifche Regierung mit der Absicht eines Ankaufs der Gesellschafts- Inseln berangeireten. Die Kaussumme wird auf 20 Millionen Frants angegeben. Die Bewohner der Inseln find mit dem Uebergang in amerikanische Herrschaft einverstanden. Frankreich hat bereits seine Garnison in Tahiti zurückgezoge und das dort stationierte französische Kriegsschiff ist abgejayren.
Hlien.
** Die Landung der europäischen Truppen hat wesentlich zur Wiederherstellung der Ordnung in Shanghai beigetragen. Der Vizefönig von Nanfing ist eingetroffen und bat bie Streitfragen wegen der gemischten Gerichtshöfe sofort ge Cegelt. Diese Meinungsverschiedenheiten hatten den äußern Anlaß zum Ausbruch der Unruhen gegeben. Die gemischte erichtsbarkeit wird alsbald wieder in Tätigkeit treten.
**
Hof und Geleufchaft.
* Prinz Heinrich von Preußen stattete dem im Kieler Hafen liegenden, für einen etwaigen Schutz der eng lischen Staatsangehörigen an der russischen Ostseeküste be stimmten englischen Kreuzer ,, Saphire" einen Besuch ab. Als der Prinz von Bord ging, wurde die Flagge des PrinzAdmirals mit 17 Schuß salutiert.
*** Der ehemalige preußische Staatsminister Thielen ist an Lungenentzündung leicht erkranft.
von
Hus den Darlamenten. Badischer Landtag. Die liberale Vereinigung brachte einen Antrag ein, die Regierung möge beim Bundesiat dahin wirken, daß den Reichstagsabgeordneten Anwesenheitsgelder und Eisenbahnfreifahrt gewährt würde
Soziales Leben.
X Eine Waisenhausstiftung. Der Rentner Heinrich Mönting in Wiesbaden stiftete 250 000 Marf zur Errichtung eines evangelischen Waisenhauses in Gelsenkirchen.
Zweite Kammer.
Darmstadt, 21. Dezember. Präsident Haas eröffnet gegen 12 Uhr die Sigung. Boher haben lange Besprechungen über die Wahlen zu den 4 fländigen Ausschüssen stattgefunden. Die Verhandlungen befassen sich hauptsächlich der Beantwortung der Thronrede. Ein Antrag der Sozialdemokraten, die Adresse unbeantwortet zu lassen, wurde abgelehnt. Die an den Großherzog gerichtete Kundgebung betont den ernsten Willen des Hauses, an die Lösung der bevorstehenden schwierigen gesetzgeberischen Aufgaben mit ehrlichem Bemühen heranzugehen. Die Rammer nehme an, daß die Wahlrechtsreform das direkte Wahlrecht in Verbindung mit einer gerechten Wahlkreiseinteilung bringen werde und hoffe, bei diefer Vorlage wie bei der des Gemeindesteuerentwurss, daß sich mit den übrigen Faktoren eine Verständigung werde erzielen lassen. Die Adresse geht auf die in der Thronrede auf geführten programmatischen Bunfte einzeln ein und hebt als besonders wichtig die Revision der Verwaltungsgest Be hervor. Sie schließt mit dem Wunsch, der Reichshaushalt möge bald eine solche Didnung erfahren, daß die Budgets der einzelnen Staaten wieder zu besseren Verhältnissen gelangten. Abg. Dr. David bemängelt zwei Punkte in der Adresse, die ihn zu seiner ablehnenden Stellung zwängen. Zurächst die Angabe der Adresse, daß die Erklärung der Regierung bezüglich des Gemeindeabgaben- Gese Bentwurfs die Kommer mit Befriedigung erfülle. Der Passus der Thronrede hinsichtlich der Wahlreformvorlage sei in der Adresse falsch aufgefaßt worden; die Regierung stelle feine neue Wahlreform in Aussicht und beabsichtige gar nicht, von sich aus eine solche Vorlage einzubringen, sondern wolle die Verständigung der beiden Häuser des Landtags abwarten. Die Abgg. Dr. Fulda und Raab leisten den landständischen Eid.
Es folgen Ausschußwahlen. Es wurden dab i durch Afflamation gewählt: 1. Ausschuß: die Abgg. Dr. Gutfl- isch, Häusel, Hirschel, Möllinger, Molthan, Reinhart, Ulrich; 2. Ausschuß: die Abgg. v. Brentano, Dr. Buff, Dr. Fulda, Leun, Reh. Schönberger und Seelinger; 3. Ausschuß: die Abgg. Bähr, Berthold, Braun, Chrift, Ert, Lang und Pennrich; 4. Ausschuß: die Abgg. Adelung, Damw, Dr. Frenay, Hauck, Müller, Pitthan und Senßfelder.
Es folgt die Wahl eines Ausschusses zur Berichterstattung über die Revision der landständischen Geschäfteordnung. Diese Wahl fällt auf die Abgg. Haas, Dr. Schmitt, Köhler, Schmalbach, Stöpler, Dr. Heidenreich, Bennrich, Dr. Gutfleisch, Ulrich, Horn, Bähr, Jouß. Eine weitere Wohl betrifft den Ausschuß zur Berichterstattung über die Regierungsvorlage betr. die Verwaltungsgesetze. Es wurden gewählt die Abgg. Haas, Müller, Seelinger, Reinhart, Dr. Gutfleisch, Dr. Fulda, Ulrich, Uebel, Dr. Frenay, Brauer, Köhler, Leun. Um 1½ wird die Kammer auf längere Zeit( voraussichtlich Februar) vertagt.
Lokales.
23. Dezember 1905. Der Ausschuß des Landesgewerbevereins schäftigte sich in seiner Sigung am 14. Dezember in Tarmstadt auch mit einem Antrage des Hauptlehrers Traber Gießen der die Einführung einer Abgangsprüfung an den
Gewerbeschulen nach dreisemestrigem Besuch derselben bezweckt Mit der Ablegung der Abgangsprüfung sollen gewisse Rechte verbunden sein, und zwar sollen diejenigen Schüler, welche sich mit Efolg einer solchen Prüfung unterzogen haben, von einem noch näher zu bestimmenden Teil der theoretischen Meister prüfung befreit sein, ähnlich, wie dies nach den Beftimmungen in Preußen der Fall ist. Diesem Antrag hat die Kommission ihre Zustimmung gegeben. Der Vorsißende bat hiernach den Ausschuß, sich über diese beiden Anträge zu äußerr, deren Annahme unseren Gewerbeschulen eine erhöhte Bedeutung gebe, und bemerkte dabei, daß zu dem zweiten Antrag( Traber) die Genehmigung Großh. Ministeriums erforderlich und die Zustimmung der Handwerf& fammer einzuholen sei. Das Ausschußmitglied JochemWorms begrüßte die beiden Anträge mit Freuden, ebenso sprach sich Herr Petrie- Gießen sehr eingehend für den Antrag aus, er tält die auf den Gewerbeschulen gebotene Ausbildung für Handwerksmeister vollständig ausreichend. Nachdem Hauptlehrer Traber noch einige Erläuterungen gegeben hatte, wurde der Antrag Traber, wie solcher aus der Kommission hervorgegargen ist, von dem Ausschuss angenommen.
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Zum Konkurse der Firma Jäger& Rumpf erhalten die Franks. Neueste N." aus Hanau eine Zuschrift, die nicht des allgemeinen Interesses entbehrt. Wir geben diese Zuschrift ohne Gewähr wieder, sie lautet u. a. Die große Baufirma Jäger& Rumpf, Hanau, stellte im Oktober ds. Js. ihre Zahlungen ein. Inhaber dieser Firma ist der Architekt Usener- Hanau, der frühere Teilhaber W. Jäger- Hanau. Um einen Stonfurs zu vermeiden, ließ Ulsener durch den Justizrat Uth Hanau die Gläubiger zu einer Versammlung laden und bot 25 Prozent der Forderungen als Abfindung Als Garantten wurden namhaft gemacht: Chr. Reuling, Schwiegervater des Usener, W. Jäger, früherer Teilhaber des Usener, und Frau Rumpf, Verwandte des Usener. Die dret Vorgenannten waren zugleich die Hauptgläubiger Useners und zwar machte Reuling 220 000 mt, Jäger 105 000 Mt. und Frau Rumpf 78 000 Mt. geltend. Die anderen Gläubiger hatten eine Gesamtforderung von 328 000 Mt. aufgestellt. Die Forderung des Neuling erschien in den Büchern nicht als solche, es sollte vielmehr das Kapital- Konto Useners mit der Forderung Neulings identisch sein. Der Vergleichsvorschlag zerschlug sich und es wurde am 10. Nobember das Konkursverfahren eröffnet. In der vom Amtsgericht Hanau auf den 8. November einberufenen ( ca. 60 Mann starken) Gläubigerversammlung wurde unter dem Protest von 10 der Gläubiger dem früheren Teilhaber W. Jäger das Stimmrecht auf seine Forderung von 105000 Mt. zuerkannt. Unter weiterem Protest wurde dem Chr. Neuling das Stimmrecht auf 200 000 Mt. erteilt, also auf eine Forderung, welche in den Büchern nicht erschien. Durch diese Stimmrechts- Verleihung vereinigte Juftizrat Uth, welcher zugleich als Vertreter des Neuling, des Jäger und der Frau Rumpf auftrat, für 403 000 Mr. Stimmen auf seine Person nnd war nunmehr im Stande, sämtliche Beschlüsse anzunehmen oder abzulehnen. Man konnte sich von einer ersprießlichen Tätigfeit des Konkursverwalters fein rechtes Bild machen und verlangte die Einseßung eines anderen Konkursberwalters. Die 403 Stimmen lehnten dies ab. Man berlangte weiter die Bestellung eines Gläubigerausschusses von 7 Personen. Das lehnten die 403 Stimmen ebenfalls ab und bewilligten 5. Infolge dieses Verfahrens verließen die Gläubiger geschlossen den Gerichtssaal, nachdem noch zuvor der Amtsrichter den Rechtsanwalt Müller in eine Geldstrafe von 50 Mark genommen hatte( wegen eines Zwischenrufs) und einem anderen Gläubiger sofortige Verhaftung angedroht war. Wie man hört, wird das Justizministerium sich noch mit der Angelegenheit zu befassen haben.
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Wir weisen auf eine in heutiger Nummre veröffentliche Bekanntmachung des Großh. Polizeiomis hin, betr. Beschäftigung der Gehilfen und Lehrlinge im Barbiergewerbe am Sonntag. den 24. Dezember. Nach dieser dürfen die Genannten nur bis 2 Uhr nachmittags beschäftigt werden.
P Sämtliche Polizeibeamten, welche Anzeigen wegen Tierquälerei erhoben haber, wurden mit einer angemessenen Geldprämie bedacht.
s. Besitzwechsel. Das Anw.sen des Restaurateurs Karl Gessert, Bleichstraße 31 zu Gießen ging houte durch Kauf für 51 000 Mt. in den Besitz des Kaufmanns Peter Geisel in Grünberg( früher in Gießen) über.


