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abet 1846.)
Nr. 272.
Zweites Blatt.
Zusertionspreis: Die einspaltige Bettzelle für ganz Oberbeen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Big. Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Pfg.
Rebattion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschink Kr. 362.
Samstag, den 18. November 1905
Gießener
14. Jahrgang
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Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
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für Oberhessen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
Ein Amerikaner über Deutschland.
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Eindrücke eines teganischen Reisenden. Mister James L. Slayden, ansässig zu San Antonio im Lande Texas und Kongreßmitglied für seine Vaterstadt, hat eine Reise durch Deutschland gemacht. Ueber die Erfahrungen, die er auf dieser Reise sammelte, plaudert Herr Slayden in einer Weise. Er ist entzückt von Deutschland und dem Fleiß seiner Bewohner. Wenn er zum Schluß sein eigenes Vaterland auch ein bischen lobt, so ist das sehr verständlich. Aber wir haben alle Ursache, mit dem Urteil des mit offenen Augen reisenden Mannes zufrieden zu sein. Herr Slayden schreibt:
Unsere Ueberfahrt von Galveston nach Bremerhaven währte 17 Tage. Wir landeten dort etwa zwei oder drei Stunden vor der Zeit, die mir der Kapitän bei unserer Ausfahrt aus dem Golf von Mexiko als die voraussichtliche Zeit der Ankunft angegeben hatte. Das nenne ich Pünktlichkeit und Genauigkeit. Die deutschen Kapitäne sind nicht nur vortreffliche und zuverlässige Seefahrer, sondern auch die denkbar liebenswürdigsten Gesellschafter. Zwei sehr angenehm verlaufene Tage brachten wir in Bremen zu. Die Stadt ist in ganz erstaunlicher Weise gewachsen, seitdem ich im Jahre 1894 zum letzten Male dort gewesen war. Man sieht es dieser freien Reichsstadt geradezu an, wie enorm sich ihr Handel nach allen Richtungen der Windrose hin ausdehnt, und daß ihre Prosperität einen hohen Grad erreicht hat. Mehr oder minder läßt sich übrigens ganz dasselbe vom deutschen Reiche sagen wenigstens so weit meine Beob= achtungen sich erstreckt haben. Wohin ich auch kam, sah ich die gen Himmel ragenden Fabritschlote qualmen und zwischen den Städten die geradezu mustergültig bearbeiteten Felder. Ueberall sah ich wohlgekleidete und gut genährte Menschen wobei ich nicht etwa nur die Vertreter der wohlhabenden Klassen meine, sondern auch die Leute, die im Schweiße ihres Angesichts hart arbeiten müssen.
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Selten habe ich so gut stehende Saaten gesehen, wie in Deutschland! Und dabei handelt es sich um Grund und Boden, der schon seit vielen Jahrhunderten und seit Duzenden von Generationen jahraus, jahrein bebaut worden ist! Trotzdem aber ist er noch ebenso fruchtbar, wie bei uns im Westen schwarzer, jungfräulicher Prärie- Boden; natürlich ist er aber unvergleichlich besser bearbeitet. Geradezu erstaunlich ist die Art und Weise, in der die deutschen Landwirte unter dem Drucke der Notwendigkeit, eine außerordentlich dichte und dabei noch rasch zunehmende Bevölkerung auf einem beschränkten Areal zu erhalten die Fruchtbarkeit des Bodens aufrecht zu erhalten verstanden haben. Ihr Beispiel dürfte auch für andere vorbildlich sein, und vielleicht würde er für unsere amerikanischen Farmer nicht ohne Nuzen sein, wenn sie die rationelle Methode der deutschen Landwirtschaft mit ihrem System der Fruchtfolge und der Düngung nach wissenschaftlichen Prinzipien einzeln studieren würden. Einem Texaner müssen deutsche Landgüter lächerlich klein vorkommen, aber man darf nicht vergessen, daß jeder Quadratzoll davon er= tragsfähig gemacht wird.
Was mir besonders auffiel, das war überall die vorzügliche Beschaffenheit der Landstraßen, die man auf beiden Seiten mit Obstbäumen bepflanzt, sobald die Straßen angelegt werden. Auf meiner Reise durch Deutschland habe ich etwas gelernt, was mir sehr wesentlich erscheint. Ich habe nämlich gelernt, daß wir Amerikaner mehr von der drüben üblichen Gründlichkeit gebrauchen könnten! Was man in Deutschland baut, einerlei, ob es Häuser, Wege oder Brücken sind, das baut man gründlich und für die Dauer von Generationen. Wenn wir Amerikaner etwas bauen, dann ist es nur für den augenblicklichen Bedarf berechnet. Aber verfährt man drüben nicht flüger in dieser Beziehung und ist jene Methode nicht- auf
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, dak die Einlagen bei unserer Stasse mit 3% vers zinst werden, und daß der Zinsenlauf von solchen Ein
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die Dauer wenigstens auch obenein weit sparsamer Schließlich gibt es aber doch kein besseres Land als Amerika und in Amerifa feinen Staat, der mir besser zusagte als Texas, und in Texas wiederum keine Gegend, in der es sich ,, schöner, angenehmer und behaglicher leben ließe als in unserem alten San Antonio."
Von den vielen schiefen und ungerechten Darstellungen, die leider im Auslande über dentsche Verhältnisse fursieren, hebt sich die wohlwollende und anerkennende Auslassung des Teraners in vortrefflicher Art ab.
Der Suezkanal.
- Zum 100. Geburtstag F. v. Lesseps, 19. November. Die hundertjährige Wiederkehr des Geburtstages F. von Lesseps ruft die Erinnerung an die Geschichte des Suezkanals wach, jenes für den Weltverkehr so wichtigen Bauwerks, das in diesem Monat sein fünfzigjähriges Jubiläum begehen konnte. Die Anfänge zu diesem Kanal, der das mittelländische mit dem roten Meer verbindet und so den Schiffsverkehr zwischen Europa und Asien unter Umgehung der Linie um Afrika herum ermöglicht, verlieren sich in das graue Altertum. Schon unter den ägyptischen Königen, also vor 3000 Jahren, hat eine solche Verbindung befunden, doch ist der Seeweg später versandet und endlich ganz zugeschüttet worden. Versuche, den Kanal im 18. Jahrhundert wiederherzustellen, verliesen erfolglos, und erst die franzöfche Regierung nahm den Ge danken wieder auf. Allgemein wird nun Lesseps das Verdienst der Erbauung des Suezfanals zugeschrieben, indessen mit Unrecht. Die Pläne zu der jeßigen Gestaltung des Kanals rühren nicht von Lesseps. sondern von dem österreichischen Ingenieur Negrelli ber, dessen Borschläge die internationale Kommission fir den Kanalbau angenommen hatte. A13 Negrelli starb, griff Lesseps sede Pläne auf nach Ansicht heutiger Forscher sogar in wenig ehrlicher Weise und ers hielt vom Vizefönig von Aegypten die Konzession für die nach ihm benannte Gesellschaft zur Erbauung des Kanals
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Lesseps hat bekanntlich später mehrfach mit den französischen Gefängnissen Bekanntschaft gemacht, da er in den Banamastandal verwickelt wurde, und sein Ruhm als Schöpf. eines Weltwerkes ist mit Hecht nicht unbestritten gebliebeer
Die Vorarbeiten für den Kanalbau begannen 1855, aln. bor 50 Jahren. 1859 erfolgte der erste Spatenstich und aso 16. November 1863 wurde der Kanal unter rauschendem Festveranstaltungen flir den Verkehr eröffnet. Der Ban hatte 400 Millionen Francs gefoftet, erwies sich aber balu als ungenügend, da Versandungen durch die Meeresströmund gen nicht vermieden werden konnten und der Bau größererden fortschreitenden Verlegesanforderungen entsprechender, Schiffe, der Tiefe des Kanats acht Meter zuwiderlief. Fortgesettes Festfahren von Schiffen im Kanal und die dadurch bewirkte Sperrung des Verkehrs, da der Kanal nur 60 bis 100 m durchschnittliche Breite hatte, machien einen Umbau notwendig, der 1884 beschlossen wurde. Jetzt sind die Breiten auf 75 bis 100 m erweitert worden, jodaß der Verkehr im Kanal ohne größere Störungen von statten geht. Seit 1887 ist elektrische Beleuchtung eingeführt, sodaß die Schiffe auch nachts mit der für den Kanal zugelassenen Geschwindigkeit von 5 Seemeilen pro Stunde fahren können. Die Durchfahrt des Kanals nimmt seitdem nur 16 bis 20 Stunden gegen 36 vorher in Anspruch. Durch den Weg über den Suezkanal ersparen die Schiffe von Hamburg der Fahrzeit, nach Bombay z. B. fast die Hälfte Triest die sogar zwei Drittel gegen frühere Fahrt um das Kap der guten Hoffnung, die außerdem wegen Mit der dort herrschenden Stürme sehr beschwerlich war. der Ausdehnung des Weltverkehrs überhaupt ist sonach der Verkehr durch den Suezkanal erheblich gewachsen; durch
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lagen, welche am erken Geſchäftstage eines Monats Medizinische Veterinär- Klinik
gemacht werden, bereits am 1. dieses Monats, sonst am 1. des nächsten Monats an beginnt. Bei Rück
ovember, abends 8 zahlung von Einlagen werden die Zinsen bis zu Ende
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des vorhergehenden Monats vergütet, es sei denn, daß eine solche Rüdzahlung am legten Geschäftstage eines Monats erfolgt, in welchem Falle die Zinsen bis zu Ende dieses Monats vergütet werden.
bewilligt werden, auf dem Lande bis zur Hälfte der
mm, beftehend aus Kon Darlehen können in der Stadt Gießen bis zu 60% amenreigen und Ball. Ortsgerichtlichen Taxation. Bet hypothekarisch ge
istischen und Gesa
ficherten, sowie bei Darlehen an Gemeinden, sonstige Kommunalverbände und Kirchengemeinden kann, unbeschadet des Kündigungsrechts, bereinbart werden, daß
Klinik für innere
Tierkrankheiten
die Rückzahlung in der Form einer Tilgungsrente oder Frankfurterstrasse 85 im alten Tierspital
usgeführt bon der Kapell fer Wilhelm( Nr. 116) ifdirettors Herrn C. baben Zutritt; 3öglinge
Der Vorfto durch Abschlagszahlungen in Beträgen erfolgt, die auf
noflug auf den W
Ber Gaal.)
Gießen, den 26. Oftober 1905. Bezirkssparkasse Gießen. Wiener.
Fernsprecher wie bisher Nr. 142( Veterinäranstalt).
schnittlich passieren heute täglich 15 bis 20 Schiffe den Kanal, eine hübsche Einnahme für die französische Kanalgesellschaft, wenn man bedenkt, daß jedes Schiff pro Registertonne oder Passa gier 5,60 m. bis 8 M. Kanalabgabe bezahlen muß, je nachdem es leer, mit Frachtgütern oder Passagieren fährt. Schiffe von 2000 Tonnen Inhalt gehören heute nicht mehr zu den Ausnahmen; ein solches Fahrzeug hat also 11 200 M., eventuell noch mehr für die jedesmalige Durchfahrt zu bezahlen. Die Fahrt um Afrika würde aber immerhin noch weit mehr kosten, da für die doppelte Fahrzeit der Kohlenverbrauch, die Abgabe an die Schiffsversicherung, Löhne, Reparaturfosten usw. weit höher sein würden, als die Kanalabgaben.
Die durch den Karal fahrenden Schiffe werden von Lotsen geleitet, deren etwa 100 im Dienste der Gesellschaft ſtehen.
Da außerdem die Tiefe des Kanals durch fortwährende Baggerungen gleichmäßig erhalten werden muß, sind die Erhaltungsfesten ziemlich hohe; trotzdem verteilt die Suezkanalgesellschaft, deren Aktienkapital über 300 Millionen Mart beträgt, recht ansehnliche Dividenden, zeitweise 15 bis 17 Prozent.
Um Verkehr durch den Kanul ist England am stärksten, beteiligt, an zweiter Stelle Deutschland.
Mit einer Länge von 85 Seemeilen ist der Suezkanal übrigens das größte derartige Bauwerk der Welt. Er übertrifft unsern Nordostseekanal um 32 Seemeilen, also um zirka 60 Kilometer bei annähernd gleicher Tiefe und Breite, hat aber keine Schleusen. J. Aliquis.
=
Vermischtes.
Der heurige Wein. Berichte aus dem Rheingau, wo die Weinlese fast beendet ist, lassen erkennen, daß der Jahrgang 1905 einen reinraffigen, sehr trinkbaren Wein ers geben wird. Auch die Menge ist zufriedenstellend und noch größer als im Vorjahre, bis auf einige wenige Bezirke, wo. Frühjahrsfröste einen Teil der Stöcke beschädigt hatten.. Weniger hoffnungsvoll lauten dagegen die Leseberichte von der Mosel. Hier hat die Reblaus nicht nur der diesjährigen Ernte empfindlich geschadet, sondern läßt auch für das nächste Jahr trübe Ergebnisse erwarten. Die diesmalige Weinlese im Moselgebiet ist sehr flein ausgefallen, und die Dualität. des Heurigen" scheint für Liebhaber eines guten Tropfens wenig aussichtsvoll zu werden.
=
Refordleistung auf der Schreibmaschine. Das Land der Welten und Wettkämpfe, Amerika, hat der Welt eine neue Art Sport bescheert, den Wettkampf auf der Schreibmaschine. Bei einer derartigen, in New- York abgehaltenen Veranstaltung errang ein Deutscher, Paul Munter, den ersten Preis. Er hatte 70 Worte in der Minute, im ganzen in 30 Minuten 2099 Worte geschrieben. Den Preis für Schreiben mit verbundenen Augen erhielt Miß Carring ton für ein nach schnellem Dittat geschriebenes Stück von 3700 Worten. Neben Weltmeistern im Ringen, Schwimmen, Radfahren und sonstigen Sports gibt es also auch einen ,, Champion" der Schreibmaschine.
Kunft und Wissenschaft.
WB. Das Geheimnis des„ Jörn Uhl". Ueber die Art, wie Frenssens„ Jörn Uhl" seinen Siegeszug in die deutsche Literatur antreten konnte, ist jetzt eine interessante Enthüllung erfolgt. Danach soll Frau Krupp, in dessen Familie der Verfasser, Pastor Frenssen, früher Hauslehrer gewesen ist, 1000 Exemplare des Buches gleich nach seinem Erscheinen aufgekauft und sie an ihren ausgedehnten Bekannten treis verteilt haben. Auf diese Weise wurde der Jörn Uhl" bekannt und gelesen, und sein Erfolg war gesichert.
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