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Nr. 42.
Zweites Blatt.
Spfortionsprete. Die einfpaltige Betttzelle für ganz OberBeffen, bie Kreise Weglar and Marburg 10fg. fenft 15 Big. Reklamen ble Petitzelle 30 refp. 40 Bfg.
Redaktion u. Hauptexpedition: teßen, Seltersweg 88. Sernsprechenschluk Nr. 362.
Samstag, den 18. Februar 1905.
Gießener
14. Jahrgang
Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Hans gebracht 60 Pfg., burch die Poft bezogen vierteljährl. MH. 1.50. Gratisbellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Nenelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
frühjahrsftimmung
[ Politische Wochenschau.]
Ein ungewöhnlich milder Winter will ein ungewöhnlich frühes Ende finden. Noch ehe wir auch nur eine Probe von ben ,, Schauern förnigen Eises" zu Gesicht bekommen haben, ist eine Art Vorfrühling eingetreten, der an die Maientage gemahnt, wie die Dichter sie besingen. Fast möchte man an eine vorzeitige Verlängerung der Tage glauben, da die Lüfte so linde sind und die Sonne so hell scheint. Die Wintertürme haben sich gerade nur so weit gemeldet, daß man merfen kann, sie seien gewichen, zwar nicht dem Wonnemond, aber wonnigem, wohligem Behagen. Man fühlt ordentlich, pie neues Leben feimend sich regt, wie es sprießend hervorbrechen will, wie es zum Tage drängt und zum Licht. Früh hat sich das Frühjahr eingestellt, und man atmet ihm froh entgegen, begrüßt es mit herzlichem, hoffendem Willkommen. Und die politische Welt gewinnt eine gewisse Aehnlichkeit mit der Naturweil die Stimmung, in die diese uns veretzt, auch für jene vorhält und unser Urteil freundlich beeinflußt, uns mit optimistischer Auffassung erfüllt.
Eben erst ist die Saat ausgestreut, und schon denken wir mit frischer Zuversicht an den Tag der Garben, der die Reife bringen soll. Die Handelsverträge ruhen noch in der Reichstagskommission aus der sie übrigens ebenso wie danach aus dem Reichstagsplenum ungefährdet und heil hervorgehen werden, die handelspolitischen Abmachungen mit anderen Staaten, mit denen wir regen wirtschaftlichen Verkehr unterhalten, sind nur erst embryonisch vorhanden, die Bedenken gegen manche Einzelheiten der Verträge sind noch nicht einmal vollständig registriert und zum klaren Bewußtsein gekommen- doch die Ueberzeugung ist da, daß wir guter Entwickelung entgegengehen, daß wir getrost in die Zukunft blicken können, daß wir nach guten Tagen noch bessere erwarten dürfen, da die Stockung, die als eine Möglichkeit vor unserem Auge erschienen war, ge= bannt ist. Die Industrie denkt mit Befriedigung daran, daß ihren Kalkulationen für die lange Frist von zwölf Jahren eine stetige, gleichmäßige Grundlage gegeben werden soll; die Landwirtschaft freut sich des erhöhten Schutzes, der ihr zuteil wird, und geht mit frischem Mut den kommenden Antrengungen entgegen.
Die Kanalvorlage hat in beiden Häusern des preuBischen Landtags Verabschiedung gefunden. Wer nur die jezigen Parlamentsverhandlungen über diesen Gegenstand gelesen hat, der kann sich keine Vorstellung machen von der bitterung, mit der man früher um die Kanäle gestritten. Die Führer selbst lachen jetzt ihrer vormaligen Erregung und bekennen unter Scherzen, daß eine ruhige Behandlung wohl schon früher hätte zur Verständigung führen können. Grämliche Herbsteslaune war vordem für das Schicksal der Kanalborlage entscheidend, führte zweimal zu verärgernder Ablehnung jetzt hat Frühjahrsstimmung die Bewilligung
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in dem Entwurf, der endlich Gesetz geworden ist; doch niemand schilt deswegen griesgrämig, jeder erwartet von der Zufunft die ergänzende Erfüllung gerade seiner Hoffnungen und Wünsche.
Frühjahrs- Pferdemarkt zu Gießen.
Im westfälischen Kohlenbezirk ist der Ausstand der Bergarbeiter zum Abschluß gebracht worden. Die staatlichen Behörden haben hierzu das ihrige mit Kluger Besonnenheit beigetragen. Sie haben verstanden, das Vertrauen der Arbeiterschaft zu dem Wohlwollen der Regierung zu wecken, die gerechten Sinnes bestrebt sein werde, den begründeten Beschwerden der Belegschaften Abhilfe zu bringen. Das ist für Staat und Gesellschaft ein großer Gewinn. Darum hat der Ausstand auch keine Verbitterung zurückgelassen, sondern zuversichtliche Zukunftshoffnung geschaffen, trotz der mißmutigen und schroff abweisenden Haltung mancher Bergwerksbesizer. Mit Vertrauen sieht man auch der Berggesegnovelle entgegen, die bei geeigneter Fassung wohl angetan sein könnte, den Kreis der möglichen Streitigkeiten zwischen Bergwerksunternehmern und Bergwerksarbeitern einzuengen, dauernder Verträglichkeit eine feste Unterlage zu geben. In Frühjahrsstimmung ist der Streit beendet worden, in Frühjahrshoffnung blickt man auf seine heranreifende Frucht, die Berggesegnovelle.
Auch in Frankreich ist die Aera der politischen Stirme, wenigstens für eine Weile, abgeschlossen und eine Art Gottesfriede eingekehrt. Nach dem Sturz des Ministeriums Combes ist festgestellt worden, daß es eigentlich nur megen seiner langen Amtszeit gefallen, nicht aber, weil etwa die Mehrheit der souveränen Deputiertenkammer Gesinnung und Richtung geändert hätte. Winterlaune des vielköpfigen Souveräns hat das Kabinett Combes beseitigt, Frühjahrssonne lächelt dem neuen Kabinett, das denselben Jaden weiterspinnt und sogar dieselbe Nummer. Durch die programmatische Erklärung für die Trennung von Staat und Kirche hat die Deputiertenkammer erkennbar gemacht, daß nach ihrem Willen alles hübsch beim alten bleibt. Weitere aktuelle Bedeutung hat die programmatische Erklärung selbst nicht, so daß auch die gegnerische Minderheit sich getrösten kann, es werde nicht so heiß gegessen werden, wie es gekocht ist.
In England hat die Eröffnung des Parlaments Anlaß zu einer politischen Debatte großen Stils gegeben. Die liberale Minderheit veranstaltete in ihrer Art eine Inbentur aller starken und schwachen Stellen der Regierung und versuchte einen Vorstoß, der die Herbeiführung einer Parlamentsauflösung bezweckte. Der Versuch zeigt Frühjahrsstimmung und Hoffnungsfreudigkeit auf beiden Seiten. Die Liberalen würden ihn nicht unternommen haben, glaubten sie nicht auf einen Wahlerfolg rechnen zu dürfen; und die Konservativen bewiesen Zuversicht auf ihre Stärke, indem sie den liberalen Ansturm abschlugen. Die neue Wirtschaftspolitik, die Chamberlain vorzubereiten nicht müde wird, hat jedenfalls frische Regsamkeit hervorgerufen. Das Zusammenhangsgefühl zwischen England und seinen Kolonien ist kräftiger geworden. Freilich ist materielles Interesse die Grundlage, und es bleibt streitig, ob Chamberlain es ist, der dieses Interesse richtig erkennt. Bemerkenswert und erfreulich ist, daß die wirklichen Politiker Englands sorglich vermieden haben, ein Wort zu sprechen, das als friedensfeindlich gedeutet werden könnte. Dera artige rednerische Entgleisungen sind auf politisch unverantwortliche Persönlichkeiten beschränkt geblieben.
Am Mittwoch, den 22. März 1905, vormittags, findet für auf den städtischen Marktanlagen nächst der Rodheimerstraße Pferde- soll markt statt. Für Stallungen in der Nähe des Marktes ist ausreichend Sorge getragen; wegen denselben wolle man sich an Herrn Hoflohnkutscher Huhn dahier wenden.
Mit dem Pferdemarkt ist eine
Ausstellung von Wagen, Geschirren, Stallutensilien, landw. Geräten 2c.
In den hierfür vorgesehenen Hallen verbunden und werden hervor ragende Leistungen durch Diplom ausgezeichnet. Außerdem ist eine Prämiierung des besten Pferdematerials vorgesehen, für welche 1670 Mark zur Verfügung stehen. Prämiterungs und Ausstellungsplan ist von Herrn Weinhändler Auguft Schwan zu Gießen zu beziehen. Die Preisverteilung erfolgt im Anschluß an die Prämiierung um 12 Uhr. Omnibus= verbindung von dem Bahnhof nach dem Marktplaz und zurück.
Marktplatz.
Der
Von 10 Uhr ab Konzert und Restauration auf dem Am 23. März nachmittags 2 Uhr, findet in der Turnhalle der Stadtknabenschule eine
Verlosung
Blatt von Pferden, Wagen, landwirtschaftlichen Maschinen und Gerät schaften, Haushaltunas- und Gebrauchsgegenständen.
Der Generalvertrieb der Lose á 1 Mt. ist dem Herrn Richard Buchacker dahier übertragen.
Gießen, 14. Januar 1905.
Die städtische Pferdemarkt- Kommission. Jean Kirch.
Lieferungs- Vergebung.
Die Lieferung von durchgeworfenem Lahnkies die im Betriebsjahr 1905 zu verlegenden Kabel öffentlich vergeben werden.
Die Bedingungen find während der Dienststuunden in dem Amtszimmer des unterzeichneten Werks einzusehen. Angebote, unter Benugung der dortselbst erhältlichen Vordrucke, sind bis zum Dienstag, den 21. Febr. dieses Jahres, nachmittags 3 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, an genannter Stelle einzureichen.
Gießen, den 16. Februar 1905.
Städt. Elektrizitäts- Werk Gießen. Molte.
Lieferungs- Vergebung.
Die Lieferung von hartgebrannten Feldbrandkeinen für die im Betriebsjahr 1905 zu verlegenden Stabel soll öffentlich vergeben werden.
Die Bedingungen sind während der Dienststunden
in dem Amtszimmer des unterzeichneten Werks einzusehen. Angebote, unter Benußung der dortselbst erhältlichen Vordrucke, sind bis zum Dienstag, den 21. Febr. d. Js., nachmittags 3 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, an genannter Stelle einzureichen. Gießen, den 16. Februar 1905.
Städt. Elektrizitäts- Werk Gießen. Molte.
In Rußland dauern die inneren und äußeren Kämpfe fort. Doch auch dorthin ist ein Schimmer der allgemeinen Hoffnungsfreudigkeit gedrungen, auch dort macht sich Frühjahrsstimmung bemerklich. Die Zuversicht wächst, daß aus dem wüsten Reformdrang und dem wirren Reform= gerede sich ernsthafte und besonnene Reformtaten entwickeln werden. Die Erregung der Gemüter ist unverkennbar, und selbst aufrichtig konservative Gesinnung verschließt sich der Notwendigkeit nicht, die Organisation des Riesenreiches durchsichtiger zu gestalten, den vorhandenen wirtschaftlichen und intellektuellen Kräften das Recht kontrollierender Mitarbeit am öffentlichen Leben einzuräumen. Noch streiten zwei Richtungen miteinander: die eine will das Reformwerk vertagt wissen, bis der äußere Feind niedergeworfen; die andere verlangt den Abschluß des Krieges als erste Reformtat, als Zeichen der Abkehr von der früheren Polink und zur Bereitung der Grundlage für weitere Reformarbeiten, die den Frühling über ganz Rußland bringen jollen
Der Landwirt.
gc. Legenester für schwere Hühner bringe man am Boden oder dicht darüber, für leichtere Rassen etwas höher an. Sie bestehen aus hölzernen, mit Heu oder kurzem Stroh ausgelegten Kästen von etwa 35 Zentimeter Länge und Breite und 40 Zentimeter Höhe, von oben geschützt durch ein sie überragendes, nach vorn geneigtes Deckbrett. zu empfeh= len sind auch die an der Wand aufzuhängenden, den eisernen Pferderaufen ähnliche Nester aus Drahtgeflecht.
dr. Mittel gegen die Bräune der Schweine. Im Früh jahr tritt häufig bei raschem Temperaturwechsel, ebenso wie im Herbst, bei Schweinen eine heftige Entzündung des Rachens ein, die man an der Beschwerlichkeit des Schluckens von Futter und Getränk, an heiserem Grunzen, trockenem Husten und schwerem Atmen erkennt. Als vorzügliches Mittel dagegen wird die Anwendung eine: Senfpflasters am Halse empfohlen. Man nehme Senfmehl, mache es mit scharfem Essig zu einem Teige an, schmtere diesen auf einen Lappen und binde das so bereitete Pflaster dem franken Tier um den Hals. Als Getränk gebe man berdünnte saure Milch mit Schwefelblüte. Das Senfpflaster darf aber nur so lange liegen bleiben, bis die Haut gerötet ist, eine Blase darf unter feinen Umständen gezogen teerden.
Verantwortlich: für die Politik und den Inseratentet! Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, belde zu ieben.
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