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N. 165.
3nsertionspreis: Die einspaltige Betitzeile für ganz OberBetten, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Bfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Betitzetle 30 resp. 40 Pig.
fen lassen, daß in ſeinem S ihr ein treuer Berater gewesen, nie hatte er
auch nahezu ein Jahr miteinander verkehrt,
9her beſtes Tantchen, was willst du denn allein mit dem
Er aber nahm das noch nicht ernst, lachend rief er aus:
Das tannst du doch allein niemals
anfangen?
Redaktion u. Haupterpebttion: Gießen, Settersweg 88. Fernsprechanfchluk Nr. 362.
Montag, den 17. Juli 1905.
Gießener
14. Jahrgang
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Nenelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
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Enthält alle omtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Ein neues Königreich?
Die europäische Türkei ist die wahre Mutter der Königreiche. Drei haben sich aus ihrem Schoße bereits losge= rungen Griechenland, Rumänien, Serbien cint viertes drängt seit achtzehn Jahren zum Werden. Wahrscheinlich hat schon Fürst Alexander in Sofia von einer Stö= nigskrone geträumt, ehe er so böses Erwachen hatte und dem unversöhnlichen Zorn des Zaren Alexander III. zum Opfer fiel. Sicher ist Fürst Ferdinand mit dem festen WilIen nach Bulgarien gegangen, eine selbständige Krone zu gewinnen, eine Königsfrone gewiß, vielleicht sogar eine Stai erkrone. Denn dort unten im Südosten Europas reicht jede nationale Geschichte in die sagenhaften e ci jagenhaften Kaisertums zurück und wer mag es jugendlichem Fürstenehrgeiz berargen, wenn er in der Phantasie wenigstens hohen Flug nimmt. Ist doch Fürst Ferdinand überdies von mütterlicher Seite aus dem Hause der Orleans, zu dessen Traditionen es gehört, Kronanwärterschaften durch ganze Geschlechterfolgen mit unüberwindlicher Bähigkeit festzuhalten.
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Daß Fürst Ferdinand nach der Königstrone strebt, ist außer jedem Zweifel. Es wird ihm auch von keiner Scite verdacht. Er hat sich unendliche Mühe gegeben, die Gunst der Mächte zu gewinnen, die ihm hierbei helfen könnten eder deren Bici prua) seine Plane zum Scheitern bringen müßte. Er hat damit insofern kein Glück gehabt, als er Mißtrauen gegen seine Person gerade durch den Uebereifer hervorrief, mit dem er sich als besonders vertrauenswürdig ermeisen wollte. In Wien und in Petersburg, in London und in Berlin wurde er nicht eben freundlich und wohlwollend angesehen. Das schreckte ihn nicht ab. Er setzte sein Werben unablässig fort, und crerbtes Geschick führte ihn auch zu manchem vorübergehenden Erfolg. Daran freilich mußt: er scheitern, daß die allgemeine politische Lage es feiner Micht genehm erscheinen lassen konnte, um der schönen Augen des Prinzen Ferdinand und seiner Königsträume willen die türlich Frage neu aufzurollen. Von dem Versuch, durch Anzettelung und Schürung des Aufstandes in Mazedonien feinen Plänen nachzuhelfen, nahm er Abstand, weil Griechen und Cerben ihm allzuschwere Konkurrenz machten und er Hosten durfte, sich der Freundschaft der Mächte zu empfehJen, indem er, das artige und gehorsame Kind" spielte.
die Wiener Politische Korrespondenz" die Nachricht für unglaubwürdig hält, weil Fürst Ferdinand sich eben in Marienbad aufhalte, so ist das bis zur Unwahrscheinlichkeit naiv. Denn es gehört zu den bekanntesten Eigenheiten des Fürsten Ferdinand, daß er stets außer Landes ist, wenn sich in Bulgarien die wichtigsten Dinge vollziehen, daß er immer einen vollständigen, einwandfreien Alibibeweis antreten fann. Wenn es nicht zum Königsputsch kommt, so hat die Abwesenheit des Fürsten Ferdinand nichts damit zu tun, dann hat im legten Augenblick nur der Mut versagt.
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nen.
Politifche Rundschau.
Deutsches Reich.
Wie unser Berliner CB- Mitarbeiter erfährt, sind die Vorlagen über die Militärpensionsgesek: von den in Betracht kommenden Stellen fertiggestellt, so daß sie den Reichstag nach seinem Zusammentritt sofort vorgelegt werden könMan hofft, daß der Reichstag die Vorlage sofort in erster Lesung durchnehmen und dann der Budgetkommission überweisen werde. Es würde sich dadurch eine Erledigung in absehbarer Zeit ermöglichen lassen, da andernfalls die Inangriffnahme der Reichsfinanzreform den Termin bis ins Ungemessene hinausschieben würde.
* Die im Prinzip angenommene Marokkokonferenz soll entweder in Madrid oder in Tanger stattfinden. Wahrscheinlich wird die Konferenz im Oktober zusammentreten. * Eine umfangreiche Novelle zur Gewerbeordnung wird rach der Sommerpause dem Bundesrat zugehen. Für das Gesetz über den Unterstügungswohnsitz ist ebenfalls ein Nachtrag im Reichsamt des Innern seit längerer Zeit fertiggestellt.
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das die Mannschaften zur Insubordination treibt. So meuterten in Lodz 60 Kosaken. Der Rittmeister erschoß den Wortführer, die übrigen wurden von Infanterie dingfest gemacht. In Petersburg ist wieder eine Bombenfabrik entdeckt. Bei der Aufhebung wurde ein Polizist und ein Dwornik durch Schüsse verwundet. Ein Insasse des Hauses wurde verhaftet. Es wird behauptet, daß der Verhaftete ein Staatsrat sei.
In diesem Jahre findet der Deutsche Kolonialkongres in den Tagen des 5. bis 7. Oktober im Reichstagsgebäude statt. Das Präsidium führt der Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg. Unter den Verhandlungsgegenständen sind erträhnenswert: Die rechtlichen und politischen, religiösen und kulturellen, sowie die wirtschaftlichen Verhältnisse der Kolonien und überseeischen Interessengebiete. Die Uebersiedlung in deutsche Kolonien und die Auswanderung in fremde Länder. Die weltwirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und seinen Kolonien und überseeischen Interessengebieten.
Aber schlickich will man doch auch einmal die Erfüllung seiner Wünsche erleben! Man darf die günstige Gelegenheit nicht ungenützt vorübergehen lassen, und die Verhältnisse find augenblicklich in der Tat merkwürdig günstig, so daß Laum zu hofen ist, eine gleiche Konstellation werde in ab. sehbarer Zeit wiederkehren oder auch nur lange so erhalten, vie sie jetzt ist. Die beiden Nachbarn sind es, die Fürst Ferdinand für die Verwirklichung seiner bulgarischen Er. weiterungs- und Königspläne zu fürchten hat, Rußland auf der einen, Desterreich- Ungarn auf der anderen Seite. Um Rußland aus dem Kreis der Berechnung aus. Buschalten, mußten sich die seltsamsten, unerwartetsten Ereig nisse häufen. Es mußte durch die Goldgier großfürstlicher Günstlinge in den Krieg mit Japan gestürzt werden und in diesem Krieg die schmählichsten Niederlagen erleiden. Das war noch nicht genug, denn selbst das geschlagene Rußland behielt hinreichende Kräfte, Bulgarien mit einem Fußtritt zu zerschmettern, mit der Halsumschlingung einer Hand zu erwürgen. Es war auch nicht genug, daß Rußland sich geswungen sah, seine an der Westgrenze aufmarschierten Armeekorps nach dem fernen Osten Asiens zu schicken, daß die russische Stille Ozean- Flotte und Rußlands Baltisches Geschwader zugrunde gingen und die Schwarze Meer- Flotte, die für Bulgarien hauptsächlich in Betracht kam, sich als morsch und faul und zu jeder Aktion unfähig erwies. Rußland mußte außerdem durch innere Revolution, durch den Aufstand der Kaukasusvölker völlig gelähmt sein, um dem Fürsten Ferdinand Bewegungsfreiheit zu geben. Und selbst das förderte die Pläne des Fürsten Ferdinand noch nicht zur Ausführbarkeit. Desterreich- Ungarn blieb übrig, dessen Gefandter Graf Khevenhüller vor zwanzig Jahren, nach der Schlacht von Slimniga, das siegreiche bulgarische Heer durch das bloße Kommandowort: Steh!" aufzuhalten und von der serbischen Grenze zurückzuscheuchen vermochte. Das fonnte sich wiederholen, ja es würde sich mit Bestimmtheit wiederholen, und die Königskrone sich gerade zu erkämpfen, das lag eben im Plane des Fürsten Ferdinand nicht. Da geschah das letzte, das wunderbarſte: Desferreich- Ungarn machte sich selbst kampf- und marschunfähig. Der staatsrechtliche Streit in Ungarn, der jammervolle Kampf um die Kommandesprache macht Desterreich- Ungarn wehrlos, verbietet ihm jedes Eingreifen in die auswärtige Politit, auch wo seine eigensten Interessen auf dem Spiele stehen! Es wäre kein Wunder, wenn Fürst Ferdinand, den so viele Zeichen und Wunder begünstigen, sich für den providentiellen Mann hielte, den die Vorsehung berufen, dem bulgarischen Volk und dem Hause Orleans wieder eine Krone zu verschaffen.
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Zur Reform der Eisenbahntarife hat jetzt auch der bayerische Eisenbahnrat Stellung genommen und die Entwürfe der Verwaltung genehmigt. Darnach wird in Zukunft erhoben bei Personenzügen für den Kilometer erster Klasse 7 Pfennig, zweiter Klasse 4,5 Pfennig, dritter Klasse 2 Pfennig und bei Eilzügen und auf Lokalbahnen für den Kilometer dritter Klasse 3 Pfennig. Für besonders beschleunigte Züge tritt zu diesen Säßen ein Zuschlag, der je nach Entfernung und Klasse 25 Pfennig bis 2 Mark beträgt.
Man hat den 2. August als den Tag der Königsproklamierung genannt. Das ist nicht eben wahrscheinlich, denn Butsche werden für gewöhnlich nicht annonciert, und im Fall der Ankündigung bleiben sie in der Regel aus. Wenn aber
Türkei.
** Durch die ablehnende Haltung der Pforte wegen der mazedonischen Finanzreform wollen sich die Großmächte, nicht abschrecken lassen. In diplomatischen Kreisen überwiegt die Ansicht, daß, wie bei der Gendarmerie- Reform, auch ohne vorherige Zustimmung der Pforte ein fait accompli geschaffen wird, indem die Großmächte ihre Delegierten ernennen, die dann sofort in Saloniti eine Kommission bilden. Von ungefähr 1000 Redifs, welche nach dem aufständischen Jemen eingeschifft waren, ist der größte Teil im Hafen Mersina desertiert.
* Dem Verein zur Massenverbreitung guter Volksliteratur zu Charlottenburg hat der preußische Minister des Innern die Erlaubnis erteilt, in den Jahren 1905, 1906 und 1907 eine öffentliche Verlosung von Büchern und Prachtwerken zu veranstalten und die Lose in der ganzen Monarchie zu bertreiben.
Oefterreich- Ungarn
Hof und Gefellschaft.
** Der Kaiser gedenkt Ende August der Weihe des Kaiser Wilhelm- Denkmals in Nürnberg beizuwohnen. Er wird dort mit dem Prinzregenten von Bayern zusammentreffer
** Der Erlaß des Ministerpräsidenten Fejervary, in dem er anläßlich der ungarischen Verfassungsschwierigkeiten die Städte vor den Folgen des Widerstandes gegen die Regie: rungsverfügungen warnt, hat in Ungarn viel böses Blut gemacht. Man spricht ganz offen von der Revolution, die der Nation von Wien aufgedrängt sei. Graf Zichy erklärte sich bereit, für jene Beamten, welche die Regierung von ihren Stellen entheben wollte, materielle Opfer zu bringen. Eine ganze Reihe von Aristokraten soll sich ehrenwörtlich zu ähnlichen Opfern verpflichtet haben. Baron Wesselenyi zeichnete für den Zweck 120 000 kr. Der österreichische Reichsrat ist vertagt worden.
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frankreich.
Soziales Leben.
Der wirtschaftliche Kampf in Essen. Die Stadtverordneten beschlossen nach langer Debatte mit 27 gegen 23 Stimmen, den Antrag des Oberbürgermeisters Zweigert auf Bewilligung von 20 000 Mark für die zur Aussperrung fommenden Essener Bauarbeiter der Sozialen Kommission zu überweisen, die nochmals eine Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern versuchen soll. Die Mehrheit der Stadtverordneten hat sich mit diesem Beschlusse auf die Seite des Bürgermeisters gestellt, der zu seinem Vorgehen den Anlaß in dem Abweichen des Arbeitgeberverbandes von den mit der Stadt geschlossenen Verträgen fand.
In einigen Tagen beabsichtigt die Regierung ein zweites Gnadendekret zu veröffentlichen, durch das namentlich die wegen Preß- und Streifvergehens Verurteilten von der Strafe befreit werden sollen. Déroulède hat der Patriotenliga übrigens mitgeteilt, daß er es ablehne, nach Frankreich zurückzukehren.
Russland.
Boykott- Schutzverband deutscher Brauereien. In Verlin fand die konstituierende Versammlung eines Schutzverbandes der deutschen Brauereien gegen Boykott statt. Dem Schußverbande traten nahezu 400 Brauereien bei; der fagungsmäßig aufzubringende Reservefonds wurde auf eine Million Mark und der Gründungsfonds auf 200 000 Mart bemessen.
** Der längst angekündigte Gnadenerlaß des Zaren ist jezt erschienen. Er betrifft indessen lediglich die Vergehen wegen religiöser Zuwiderhandlungen, die in Rußland allerdings von allen nicht der staatlichen Religion Angehörenden stets besonders schwer empfunden worden sind. Die Strafzeit der wegen religiöser Vergehen zu Korrektionsstrafen, Festung, Gefängnis oder Haft Verurteilten wird um ein Drittel, die der zu Zwangsarbeit mit Rechtsverlust Verurteilten um die Hälfte verkürzt. Letzteres findet auch Anwendung auf die Gefängnishaft der verurteilten Minderjährigen. Auch unter den Kosaten kommen jest meuterische Regungen vor, und auch dort ist es das schlechte Essen,
Vollständige Sonntagsruhe. Der Magistrat in Frankfurt a. M. beschloß, dem Beschlusse der Stadtverordneten auf vollständige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe einschließlich Spedition und Schiffahrt beizutreten.
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Hus den Parlamenten.
Ueber die Termine des Zusammentritts des deutschen Reichstags und des preußischen Landtags werden jezt nähere Mitteilungen gemacht. Der Reichstag soll in der zweiten Hälfte des Oktober, wahrscheinlich am 24.,-einberufen werden. Der preußische Landtag ist nicht mit besonders umfangreichen Gesegesvorlagen belastet, so daß er wie bei den früheren Sessionen vor Januar 1906 seine Tätigfeit nicht beginnen dürfte.
Arbeitsnachweise.
Amtliche oder berufliche Verwaltung?- Das preußische Handelsministerium veröffentlicht alljährlich eine statistische Aufstellung über die kommunalen Arbeitsnachweise, die sich zur Aufgabe gemacht haben, stellensuchenden Arbeitern und Arbeiterinnen Arbeitsgelegenheit, Fabrikanten, Handwerkern, Landwirten und Dienstherrschaften Arbeiter und Arbeiterinnen und Dienstboten nachzuweisen. Nach dem Wunsch des Ministers des Innern, der in wiederholten Erlassen Ausdruck gefunden hat, sollen in den Arbeitsnachweisen Arbeitgeber und Arbeiter durch gewählte Vertreter an der Verwaltung beteiligt sein, weil hierdurch allein wirkliche Erfolge zu erreichen sind. Die Verwaltung von Arbeitsnachweisen, in denen nach diesem Wunsch des Ministers des Innern verfahren wird, wird kollegial genannt; die Verwaltungen, in denen ein Beamter die Leitung unumschränkt in Händen hat, heißen bureaukratisch. Diese Unterscheidungen macht die amtliche Statistik selbst.
Es wird von Interesse sein, die Ergebnisse der Statistic etwas näher zu betrachten und danach abzumessen, ob der Herr Minister des Innern Recht hatte, der kollegialen Verwaltung den Vorzug zu geben.
Im ganzen sind 191 kommunale Arbeitsnachweise vorhanden. Von diesen sind 150 bureaukratisch, 41 kollegial verwaltet.
Danach ist auf der bureaukratischen Seite das große Uebergewicht. Das Bild verändert sich aber sofort, wenn man die beiden Gruppen von Arbeitsnachweisen nach dem


