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Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober­heffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Bfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Bfg.

Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 862.

Samstag, den 17. Juni 1905.

Gießener

14. Jahrgang.

Abonnementspreis: abgebolt monatuch 50 Pig., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Obethessische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werttagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle omtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Kongrefs- Zeiten.

[ Politische Wochenschau.]

Man hat die Kongreßwut oft verspottet und sich weidlich liber die Menschen lustig gemacht, die in großen Scharen zufammenkommen, um nichts anderes zu hören, als was fie ohnehin wissen oder mit größerer Bequemlichkeit und Ruhe, fogar mit besserem Nutzen daheim lesen können. Denn neues werde auf den Kongressen doch nicht vorge­tragen. vielmehr im besten Falle nur wiederholt, was in den Fachschriften bereits niedergelegt und durchgesprochen morden. Romme es, in weiten Zwischenräumen, einmal bor, daß ein Kongreß durch eine Neuigkeit überrascht merde, so könne man mit Sicherheit darauf rechnen, daß der ersten Ueberraschung eine zweite folge, die Feststellung nämlich, daß die überraschende Neuigkeit sich als ein Irrtum erwiesen habe. Ebenso hat man tadelnd betont, wie auf den Kongressen sich mehr und mehr der breite Schwarm der Unbedeutenden der Vielzuvielen", um mit Nietzsche zu sprechen sich vordränge, denen es in der Hauptsache darum zu tun sei, sich im Lichte der Koryphäen als Kollege" zu sonnen, öffentliche und private Gastfreund schaft zu genießen und an großen Festveranstaltungen so billig wie unverdient teilzunehmen.

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Spott und Tadel sind gewiß nicht ganz unberechtigt; die Schattenseiten der Kongresse liegen offen zutage, und es mag sogar sein, daß diese Schatten sich im Lauf der Zeit noch vertieft haben. Gleichwohl muß aus der bloßen Tat­sache, daß die Zahl der Kongresse stetig zunimmt, geschlossen werden, die zeitraubenden und kostspieligen Kongreßveran staltungen seien doch nicht wertlos, ihre Wichtigkeit könne durch minder erfreuliche Begleiterscheinungen wohl beein­trächtigt, aber nicht aufgehoben oder gar überboten werden. Es ist wahr, daß wissenschaftliche Kongresse und Zusammen­fünfte von Männern, die sich gleichgerichteten Wohlfahrts­und sonstigen gemeinnüßigen Vestrebungen widmen, fast nie eine neue Einsicht schaffen. Das ist aber auch ihr Zwed wicht, und niemals haben sie ähnliches versprochen. Ihre Einrichtung ist aus der Erkenntnis hervorgegangen, daß das bebendige, gesprochene Wort weit größere Straft hat als das geschriebene, daß seine fruchtbringende und anregende Wirkung mnendlich hinaus agt über die des gedruckten Wortes. Das bloßze Beieinandersein gleichgestimmter Männer bestärkt sie in Ihren Bestrebungen, verleiht diesen neuen Schwung, verschafft ihnen die aufrichtende Ueberzeugung, daß wohl sie selbst ver­einzelt sein können, ihre Bemühungen aber über einen weiten Kreis sich ausdehnen und daraus die Gewähr des Erfolges gelvinnen. Der Wille des Einzelnen kann erlahmen; doch wenn die Einzelnen einander Auge in Auge blicken und sehen, daß sie viele sind, so erwächst ihnen neuer Wut und

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das Tagewerk wieder auf.

Darum soll man mit Achtung auf die Kongresse schen, beren Zeit jetzt gekommen ist. Sie feiern nicht bloß Feste und werden nicht bloß gefeiert- obwohl ihnen auch das gern gegönnt sein mag sondern sie arbeiten redlich im Dienste der Oeffentlichkeit, des Gemeinwesens. Die Tagungen der Kolonialgesellschaft, des Bergarbeiter, des evangelisch­ozialen Kongresses, der Berufsgenossenschaften, der Vereine für ethische Kultur, für Schulhygiene haben während der vergangenen Woche in Deutschland stattgefunden und Zeugnis dafür abelegt, wie mannigfach die Ziele sind, die zum allgemeinen Besten angestrebt werden, und wie zahlreich die Kräfte, die sich selbstlos der Erreichung dieser gemeinnützigen Ziele frei­willig widmen. Mag unter dem Weizen Spreu sein, manche Tätigkeit in den Mitteln fehlgreifen man sieht doch im Ganzen lebendiges Regen, zielbewußtes Wollen, das zuletzt zum Guten führen muß, wenn es auch manchmal über Um­wege geht.

Bekanntmachung.

Selbst die Politik scheint dem Zug der Zeit in der Hin­neigung zu Kongressen sich anschließen zu wollen. Marokko hat zu einem internationalen Kongreß eingeladen, zu dessen Beratungsgegenstand es sich selbst darbietet. Das ist in der Form wenigstens neu. Deutschland und Italien haben die Einladung bedingungslos, Oesterreich- Ungarn hat sie mit dem Vorbehalt angenommen, daß auch die übrigen Mächte ihr folgen. Bei der grundsätzlichen Ablehnung des habsbur gischen Hauses gegen jede überseeische Politik ist diese Haltung vollkommen verständlich. Auch das läßt sich be­greifcu, das Spanien keinen selbst indigen Schritt wagt, sondern sich darauf beschränkt, im Schatten Frankreichs zu bleiben. Spanien ist zur Resignation in der marokkanischen Frage gezwungen und muß sich dem mächtigen Nachbar fügen, von dem es überdies finanziell abhängig ist. Ebenso ist es von England korrekt, daß es die Kongreßteilnahme mit dem Bemerken abgelehnt hat, daß für Groß­britannien die Marokkofrage durch sein Abkommen mit Frankreich erledigt sei. Für Frankreich selbst ist damit freilich nichts gewonnen, ihm entgeht unter Umständen nur die englische Unterstüßung auf dem Kongreß, dessen Zustandekommen übrigens noch nicht unbedingt ge­sichert ist, Frankreichs Antwort auf die Einladung steht aus. Sie soll des größeren Eindrucks wegen" erst an letzter Stelle erfolgen. Sie wird nicht ablehnend lauten, denn sie kann es nicht. Der französische Ministerpräsident und Minister des Auswärtigen Rouvier würde sonst den ganzen Erfolg seiner seitherigen Bemühungen in Frage stellen, die darauf ge­richtet waren, die von Herrn Delcasse begangenen Fehler wieder gut zu machen und die Politik im Sinne der Wünsche Deutschlands in friedlichen Bahnen und von abenteuerlichen Versuchen fernzuhalten. Außerdem würde das Scheitern des Marrokko- Kongresses Frankreich nicht fördern, vielmehr eine Art Anerkennung der Selbständigkeit Marroffos in sich; schließen.

Noch ein anderer Kongreß steht in Sicht, dessen baldiges Zustandekommen und völliges Gelingen auch die nicht un­mittelbar Beteiligten sehnlichst wünschen: der russisch. japanische Friedenskongreß. Den Erfolg kann nie­mand voraussagen. Jedenfalls sind ihm die Sympathien der ganzen gesitteten Welt gemik.

ferienkarten.

Eisenbahnminister von Bubde hat den Schulkindern und ihren Eltern eine freundliche Ferienüberraschung bereitet: er hat angeordnet, daß für die Dauer der großen Sommer­ferien auf allen Stationen der Staatsbahnen sobald sich ein Bedürfnis dafür zeigt- besondere Fernverkehr- Ferien­tarten zur Ausgabe gelangen sollen, deren Preis sich nach dem der Monatskarten im Vorortsverkehr bemißt. Mit der Ausgabe der Karten soll acht Tage vor Anfang der Ferien begonnen werden. Damit wird den Schulkindern, die von ihren Eltern maht auf Reisen geschickt werden können, namentlich in den größeren Städten, die Möglichkeit geboten, um billiges Geld alltäglich ins Freie hinauszufahren, während der Ferien alltäglich frische Land- und Waldluft zu genießen, während sie nachts im Elternhause sind. Das ist eine über­aus dankenswerte Ergänzung der in der Hauptsache für kleinere Kinder bestimmten Ferienkolonien. Eltern und Lehrer werden überall leicht Verabredungen treffen können, die für eine gemeinsame Beaufsichtigung während der täg­lichen Ausflüge sorgen, auch die Beköstigung regeln. Es ist dringend zu wünschen, daß von der neuen Einrichtung aus. giebigster Gebrauch gemacht werde. Die Schulhygiene oder vielmehr die Hygiene für das Schulkind findet dadurch größere Förderung, als irgend eine Erleichterung des Unterrichtsplans oder eine sonstige Veranstaltung innerhalb des Schulgebäudes zu bieten vermag. Das von Herrn von Budde gegebene Beispiel wird sicher bei den anderen deutschen Eisenbahn­verwaltungen Nachahmung finden.

Die unterm 16. Mai 1. J. angeordnete Sperre der Ludwigstraße zwischen Bleich- und Bismarckstraße wird wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 15. Juni 1905.

Großh. Polizeiamt Gießen,

Herberg.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird der Stephan­strake zwischen Bismard und Gartenstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt.

Gießen, den 17. Juni 1905.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Herberg.

Bekanntmachung.

Die unterm 13. Mai 1905 angeordnete Sperre der Johannes: trafte zwischen Neuenweg und Blockstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 16. Juni 1905.

Großh. Polizeiamt Sieken. Herberg.

Bekanntmachung

Die unterm 13. Mai 1995 angeordnete Sperre der Plockstraße hiermit aufgehoben.

Gießen, den 16. Juni 1905.

Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg.

Heugras- Versteigerung der Stadt Gießen.

Montag, den 19. und Dienstag, den 20. Juni 1904, jedesmal vormittags 9 Uhr beginnend, soll das Heu. gras von den städt. Wiesen meistbietend versteigert werden und zwar:

Montag, den 19. Juni:

a. an Ort und Stelle von den Wiesen in Neustädterfeld und bei der Margaretenhütte,

b. vormittaas 11 Uhr in der Restauration von Melchior Schäfer Ww., Grünbergerstraße Nr. 6, von den Wiesen im Heegstrauch und im Rußland,

c. nachmittags 2 Uhr im Philosophenwald von den Wiesen am Fürstenbrunnen, im Wiesecktal von den

Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.

Geborene.

Am 7. Juni. Dem Fabrifarbeiter Philipp Weigel ein Sohn, Ludwig; Schneider Beter Jakob Nolte eine Tochter, Marie Elise; 8. Lokomotivheizer Ernst Karl eine Tochter, Lina Annie; Universitätsprofessor Dr. Franz Wagner, Ritter von Kreinsthal eine Tochter, Ilse Helene Roberte Alfrede; 10. Dfenseßer Wilhelm Gottlieb Söß eine Tochter; Taglöhner Hermann Vogel ein Sohn, Hermann; 11. Tag­löhner Johannes Peter Hahn zwei Töchter, Henriette und Katharine; Schreibwarenhändler Ernst Jung ein Sohn, Ecnft... Aufgebote.

Am 9. Juni. Ludwig Johann Rehm, Fabritarbeiter in Bezlar mit Rosine Wilhelmine Wiegand dahter. 10. Karl Beauty, Floßmeister in Kastel mit Johanna Worms­bächer dahier. 11. Karl Strzef, Schriftseßer dahier mit Elisabeth Schneider hierfelbst. 12. Dr. August Stoß, praft. Arzt in Lauterbach mit Emma Elizabeth Wißner dahier. 13. Karl Ziegler, Kaufmann in Höchst a. M. mit Amalie Mecke dahier. Max Grünebaum, Kaufmann dahier mit Mathilde Weil in Neustadt a. d. H. 14. Heinrich Jenzen, Kaufmann dahier mit Rathrine Klein hierselbst. Karl Schneider, Musiker dahier mit Katharine Schneider hierselbst. Wilhelm Ulrich, Bäcker dahier mit Luise Friederike Appel in Londorf. 15. Julius Dreifus, Kaufmann in Frant­furt a. M. mit Anna Kaan dahier.

Eheschließungen.

Am 10. Juni. Ernst Ludwig Theoder Otto Eger, Gerichtsassessor dahier mit Margarete Elisabeth Karoline Zöppriz hierselbst. Emil Braun, Bautechniker dahier mit Margarete Keßler hierselbst. Emil Möllenberg, Revisor da­hier mit Wilhelmine Bastert hierselbst. August Bogler, Monteur dahier mit Katharine Stieglit hierselbst. Wilhelm Michel, Polsterer und Tapezier in Oberlahnstein mit Marie Elisabethe Reh dahier. Karl Franz, Schlosser dahier mit Margarete Eise hierselbst. Rudolf Frenzel, Sattler dahier mit Amalie Schweißer hierselbst. Dr. Ludwig Krieg, praft. Arzt in Stockheim mit Emilie von Münchow dahier. 13. Heinrich Prescher, Schuhmacher dahier mit Anna Marie Schöß hierselbst. 14. Heymann Süskind, Kaufmann in Fürstenau mit Frieda Kepler dahier. Christian Johannes Wallenfels, Färbereibes. dahier mit Christine Schmidt hierselbst. Gestorbene.

Am 10. Juni. Minna Todt, geb. Vogt, 24 Jahre alt, Ehefrau des Kaufmanns Georg Todt dahier. 11. Karl Albert Schramm, 52 Jahre alt, Ober- Bahlmeister dahier. Martin Scheel, 57 Jahre alt, Rentner dahier. 15 Heinrich Amand Sack, 63 Jahre alt, Bahnwärter i. P. dahier. 16. Charlotte Luckhardt, geb. Boedicker, 54 Jahre alt, Witwe des Postmeisters Theodor Luckhardt bahter.

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Hospitalwiesen in der Gemarkung Wieseck und von etwa 25 Morgen Wiesen in der Schwarzlach.

Dienstag, den 20. Juni:

d. von den Ochsenwiesen, einer Hospital und Pfarrwiesen von den Wiesen im Stolzenmorgen, Utersbrunnen und Altentisch,

e. nachmittags 2 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Rödgen,

f. nachmittags 21/2 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Alten- Buseck,

g. nachmittags 3 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Großen- Busick.

Die Zusammenkunft ist am 19. Juni am Neustädtertor, am 20. Juni in den Ochsenwiesen.

Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umliegenden Gemeinden werden ersucht, vorstehendes in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen.

Gießen, den 9. Juni.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Curschmarn.