Ausgabe 
13.5.1905 Zweites Blatt
 
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Grund folgenden Schlusses: Wenn der weiße Mann nur eine Spielart des Negers wäre, so sollte man erwarten, unter den weißen Rassen deutliche Anflänge an den Schädeltypus des Negers zu finden. Sie haben nun eine große Anzahl von Schädeln daraufhin genau untersucht, indem sie eine Unterscheidung in negerähnliche, nichtnegerähnliche und mitt­lere Schädel vornahmen. Die gleichen Typen sind übrigens schon in den Schädeln aus der vorgeschichtlichen Zeit Aegyp­tens unterschieden worden. Die wichtigsten Veröffentlichun gen über diese Studien sind bisher die des Professors für menschliche Anatomie und des Vertreters für Aegyptologie an der Universität Orford, die Professor Pearson wieder zum Ausgang eigener Nachforschungen gemacht hat. Er hat jene Klassifikation von Schädeln auf eine sehr große Zahl von Negerschädeln einerseits und von Schädeln englischer Her­Unter den Negerschädeln, funft andererseits angewandt.

die sämtlich von Männern stammten, fanden sic) 7,3 v.. von nichtnegerähnlichem, 39 von echt negerhaftem und 53,7 bon mittlerem Typus.

Daraus ergibt sich die überraschende Tatsache, daß man den Negern nur zu einem völligen Wechsel ihrer Hautfarbe zu verhelfen brauche, um eine beträchtliche Zahl von ihnen auch nach dem Gesichtsausdruck und der Schädelform in Nichtneger zu verwandeln. Unter den englischen Schädeln bon männlicher Herkunft finden sich immerhin noch 20 v. H. negerähnliche, außerdem 46 nichtnegerähnliche und 34 von mittlerem Typus; unter englischen Frauenschädeln waren 11 v. H. negerähnlich, 48 nicht negerähnlich und 41 von mittlerem Typus. Daraus, ergibt sich der zweite, noch mehr überraschende Schluß, daß von der heutigen englischen Be­bölkerung wohl etwas mehr als die Hälfte entweder einen rein negerartigen oder doch teilweise negerähnlichen Typus in der Schädelform darstellt. Daß unter den Engländern das negroide Element ebenso stark vertreten sein soll, wie unter den vorgeschichtlichen Bewohnern Aegyptens, bezeichnet Professor Pearson als eine epochemachende Entdeckung, durch die sich die Universität Orford zum Mittelpunkt einer neuen Schule für Anthropologie und Schädelmessung entwickeln dürfte.

Amerikanischer Landfchwindel.

Amerika ist das Land der Riesentrusts, der Riesenver­mögen, der Riesengeschäfte und der Riesendiebstähle. In Amerika wird von Beamten und Privaten gestohlen, daß die höchstgestellten Russen von ihnen lernen fönnten, und das Verfahren dabei ist von einer Ungeniertheit, die gran­dios genannt werden muß. Der freie Amerikaner wird durch Gewissensbedenken im geschäftlichen Verkehr ohnehin nicht sehr beengt, nicht, weil er keine Rücksichten auf den Mitbewerber nehmen mag, sondern weil er solche Rücksichten überhaupt nicht fennt. Natürlich darf der Rader Staat" noch weniger als der liebe Nächste auf schonende Behandlung rechnen. Die Eisenbahnen z. B. zwacken dem Racer Staat für Postleistungen ungeheure Summen ab, die jeden euro­päischen Generalpostmeister in den Tod erschrecken würden. Doch das geschieht am lichten Tage, mit Wissen der geset­

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gevenden sverperschaften, und ist deshalb nicht als Dieb­stahl im eigentlichen Sinne des Wortes anzusehen. Anders steht es mit den großartigen 2 and Unterschlagun­gen, die durch einen Zufall zur Kenntnis der Behörden ge­bracht worden sind. Gegen die Schuldigen ist der Prozeß anhängig gemacht, das Verbrechen wird seine Sühne finden nur der Zeitpunkt steht nicht fest, und mancher wird den Tag des Gerichts nicht erleben.

Die Regierung der Union überweist den einzelnen Staa ten, die dafür die Verpflichtung der Errichtung öffentlicher Schulen übernehmen, große Strecken Landes, das sogenannte Schulland. Die Einzelstaaten dürfen mit dem Land machen, was ihnen gutdünkt, sie können es vertauschen oder verkau­fen. In Kalifornien und in Oregon ist die staatsgesetzliche Bestimmung getroffen, daß an einen einzelnen Ersteher nicht mehr als 640 beziv. 320 Acres( d. i. 256 bezi. 128 Heftar) abgegeben werden dürfen und dieser zur ausschließlich eige­nen Bewirtschaftung des Landes verpflichtet werden muß. Man will eben feinen Großgrundbesitz aus dem Schulland werden lassen, dessen Preis deshalb sehr niedrig- auf 5 Mark für den Acre, 12,50 Mark für den Hektar- ge. halten wird. Selbstverständlich hat es an Bewerbern um so billiges Schulland nicht gefehlt, besonders, da dem Käufer gestattet war, das neu erstandene Besitztum gegen anderes Staatsland einzutauschen, das sich vielleicht als noch wert­boller ervies, großen Nuzholzbestand hatte, in der Nähe bon Wasserquellen lag oder sonstiger Vorzüge sich erfreute.

Es wäre merkwürdig gewesen, wenn amerikanischer Ge­schäftssinn nicht die Möglichkeit herausgefunden hätte wofür hieße denn Amerika das Land der unbegrenzten Mög­lichkeiten! dem Racker Staat eine Nase zu drehen und das Schulland, das Einzelkolonisten und Bauern heran­ziehen sollte, zum Gegenstand einer gewinnbringenden Pri­batspekulation zu machen. Das Merkwürdige geschah nicht, sondern es trat ein, was in Amerika natürlich ist: Nutzholz­Gesellschaften und Nutzholz- Syndikate kamen im Namen von Tausenden um Schulland ein, erhielten es, vertauschten es gegen anderes Staatsland, das ihren Zwecken noch besser entsprach. Das Geschäft war sehr gut, sehr rentabel. Daß Bestechungen und Fälschungen dazu gehörten, erhöhte nur den Gewinnanspruch, der ohnehin nicht allzu bescheiden war. Im Staat Oregon hat eine einzige Firma in solcher Weise 300 000 Acres Land erworben, in Kalifornien sind gefälschte Ansuchen um 240 000 Acres gemacht worden. Der Wert des Landes, das im Lauf der Jahre beträglich den Staaten abgenommen worden, beziffert sich nach der mäßigsten Schätz­ung auf über 80 Millionen Mark.

Das idyllische Verfahren wurde grausam gestört, als einer der Diebe, der seinen Anteil verkürzt glaubte, Enthil­lungen machte. Ganz leicht wurde es ihm aber nicht, den Stein ins Rollen zu bringen- denn die Aufsichtsbeamten selbst waren bei dem Geschäft beteiligt. Das General- Land­amt in Washington entschloß sich zwar auf erstattete An­zeige, eine Untersuchung einzuleiten, der Berichterstatter mel­dete auch, daß Unterschlagungen und Diebstähle in einem selbst für amerikanische Begriffe erstaunlichen Umfang vor­gekommen feien das General- Landamt aber ließ den Be­richt unbeachtet. Erst Herr E. Allen Gitchcock, ein Mann von Fähigkeit und Entschlossenheit. der überdies die Unterstüt­

Kartoffeln.

Prima

ung des Präsidenten Roosevelt genießt, gab der Untersuch­ung neuen und energischen Anstoß. Er stellte fest, daß drin. gender Verdacht mehrere hohe Beamte traf. und bewirkte damit zunächst das Entlassungsgesuch des Kommissars des General- Landamts. Dieser wadere Kommissar bewies be­sonderen Diensteifer, indem er nach erhaltenem Abschied nicht sofort die Arbeit einstellte, sondern zuvor vierzig Briefbücher vernichtete, wozu er gar nicht verpflichtet war. Man ist in der Verkennung seines Eifers so weit gegangen, ihn des­wegen unter Anklage zu stellen. Herr Gitchcock ließ durch Agenten, die er in die einzelnen Staaten verschickte, neues Beweismaterial sammeln, ließ Verdächtigen Fallen stellen

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die Biedermänner, die auf so schmachvolles Preisgeben aller bewährten Traditionen nicht vorbereitet waren, gingen auch arglos hinein und Geständnisse schwachmütiger See. Ien zu Papier bringen und beglaubigen. Er hat damit ver müstend gewirkt: Zehn Beamte der Staatsdomänen- Verwal tung sind entlassen, ein Senator der Union, ein Mitglie des Repräsentantenhauses, zwei Staatssenatoren, zwei Di. striktsanwälte, zwei Departements- Spezialagenten und ein ehemaliger Richter sind unter den Hauptangeklagten.

Doch noch ist nicht alles verloren, noch brauchen die An geklagten nicht völlig zu verzagen. Es ist schon vorgekom. men, daß eine Sache immer dunkler wurde, je mehr man und in einer dunklen Sache ist für sie aufklären wollte einen gewissenhaften Richter kein 11- teil möglich,

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Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.

Geborene.

Am 1. Mai. Dem Spediteur Wilhelm Lynder ein Sohn, Karl; 5. Taglöhner Albert Haz ein Sohn, Albert Friedrich Rarl; 7. Ingenieur Johann Marius Timm eine Tochter; Friseur Otto Rottmann eine Tochter, Anna Luise; 8. Schreiner Karl Beter eine Tochter, Elisabethe.

Aufgebote.

Am 8. Mai. Karl Franz, Schlosser dahier mit Mar­garet: Eise bierselbst. Louis Döl, Schmied dahier mit Anna Elisabeth Strippel in Langd. 9. Friedrich Appel, Steiger dahier mit Auguste Voigt hierselbst. 10. Albert August Friedrich Volkmann, Fuhrknecht dahier mit Elisabeth Beppler in Dorlar. 12. Dr. jur. Ernst Ludwig Theodor Otto Eger, Gerichtsassessor dahier mit Margarete Elisabeth Roroline Röppriz hierselbst.

Eheschließungen.

Am 6. Mai. Hugo Kaestner, Kaufmann in Hamburg mit Frieda von Münchow dahier. Heinrich Rohrbach, Karl Metallgießer dahier mit Marie Donau hierselbst. Lang, Kaufmann dahier mit Elisabethe Shopbach hierselbst. 11. Wilh. Ranft, Kutscher dahier mit Henriette Troß in Leun. Gektorbene.

Am 7. Mai. Georg Gerlach, 57 Jahre alt, Tag­löhner dahier. Emilie von Reinhardt, 87 Jahre alt, Lehrerin i. B. dahier. 10. Rarl Friedrich Wilhelm Otto, 1 Monat alt, Sohn des Schloffers Franz Otto dahier. Gottfried Manfel, 44 Jahre alt, Straßenkehrer dahier.

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