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Nr. 160.

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Rebattion u. Haupterpebition: teßen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluk Nr. 362.

Dienstag, den 11. Juli 1905.

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 30 Pfa., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Nenelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

franzöfifch- deutfche Verftändigung.

Die schriftlichen Vereinbarungen über die Marokko­Angelegenheit zwischen der französischen und der deutschen Regierung wurden Montag nachmittag vom Ministerpräsi­dent Rouvier in der französischen Kammer bekanntgegeben und zu gleicher Zeit in Berlin amtlich veröffentlicht. Es liegen drei Schriftstücke vor, die folgenden Wortlaut haben: Das Schreiben des französischen Ministerpräsidenten Rouvier an den deutschen Botschafter Radolin.

Herr Botschafter! Die Regierung der Republik ist durch die Besprechungen, die zwischen den Vertretern der beiden Länder sowohl in Paris wie in Berlin stattgefunden haben, zu der Ueberzeugung gelangt, daß die kaiserliche Regierung auf der von dem Sultan ven Marokko vorgeschlagenen Son­ferenz feine Ziele verfolgen wird, welche die berechtigten Interessen Frankreichs in diesem Lande in Frage stellen oder im Widerspruche stehen mit den Rechten Frankreichs, die sich aus seinen Verträgen( oder Arrangements) ergeben und sich im Einklange mit folgenden Grundsäßen befinden:

Souveränität und Unabhängigkeit des Sultans; Inte­grität seines Reiches; wirtschaftliche Freiheit ohne jede Un­gleichheit; Müßlichkeit von polizeilichen und finanziellen Reformen, deren Einführung für kurze Zeit auf Grund internationaler Vereinbarung geregelt werden soll; Aner­fennung der Lage, die für Frankreich in Marokko geschaffen wird durch die langausgedehnte Grenzberührung zwischen Algerien und dem Scherifischen Reiche, durch die sich hier­aus für die beiden Nachbarländer ergebenden eigenartigen Beziehungen sowie durch das hieraus für Frankreich fol­gende besondere Interesse daran, daß im Scherifischen Reiche Ordnung herrsche.

Infolgedessen läßt die Regierung der Republik ihre ur­sprünglichen Einwendungen gegen die Konferenz fallen und nimmt die Einladung an. Rouvier."

Antwort des Fürsten Radolin an Ministerpräsident Rouvier.

Herr Ministerpräsident! Da die Regierung der Re­publik die von dem Sultan von Marokko vorgeschlagene Konferenz annimmt, hat die Kaiserliche Regierung mich be­auftragt, Ihnen ihre mündlichen Erklärungen zu bestätigen, monach sie auf der Konferenz feine Ziele verfolgen wird, welche die berechtigten Interessen Frankreichs in diesem Lande in Frage stellen oder im Widerspruche stehen mit den Rechten Frankreichs, die sich aus seinen Verträgen( oder Ar­tangements) ergeben und sich im Einklange mit folgenden Grundsätzen befinden:( folgt der gleichlautende Tert wie im französischen Schreiben).

Rodolin

Gemeinsame Erklärung des Botschafters Radolin und des Ministerpräsidenten Rouvier.

,, Die Deutsche Regierung und die Regierung der Repu­blik kommen überein:

1. gleichzeitig ihre zurzeit in Fez befindlichen Gesandt­schaften nach Tanger zurückzuberufen, sobald die Konferenz zusammengetreten sein wird;

2. dem Sultan von Marokko gemeinschaftlich durch ihre Vertreter Ratschläge erteilen zu lassen zur Feststellung des von ihm der Konferenz vorzuschlagenden Programms auf den Grundlagen, wie sie in den unter dem 8. Juli 1905 zwischen dem Deutschen Botschafter in Paris und dem Mi­nisterpräsidenten und Minister der auswärtigen Angelegen­heiten ausgetauschten Schreiben angegeben sind. Rouvier.

Fürst von Radolin.

Alle drei Schreiben sind vom 8. Juli 1905 datiert.

Das Ende des Marokko- Zwiftes. ( Eig. Bericht.) Paris, 10. Juli.

Der Zwischenfall Jaurès ist vorübergegangen, ohne hier die Stimmung weiterer Kreise zu beeinflussen. Wer sollte auch ein tieferes Interesse daran nehmen, ob der sozialistische Deputierte in Berlin eine deutsche Rede spricht, oder ob er sie in den deutschen sozialdemokratischen Zeitungen gedruckt bor die Augen der Leser führen läßt! Auch die politischen Gegner des Herrn Jaurès sind von Herzen froh, daß seine Friedenspolitik in der Marokkofrage zur Politik Frankreichs gemacht worden ist, daß man sich noch beizeiten aufgerafft hat, Herrn Delcassé mit seiner Kurzsichtigkeit, Gewissenlosig­feit und Abenteuerlust vor die Türe zu setzen. Nachdem dies geschehen war, konnte es keinem Zweifel unterliegen, daß Herr Roubier Herrn Delcassé die Politik Delcassés nachwarf, und daß er sich darein schickte, mit guter Miene die von dem fortgejagten Minister begangenen Fehler auszugleichen. Einiges Sprödetun und Zögern, einiges Verhandeln, einiges Hin- und Widerreden gehörten zu den unentbehrlichsten Er­fordernissen des diplomatischen Gewerbes. Doch im vor­hinein stand fest, daß Deutschland von seinen gerechten An­forderungen feinen Deut nachgeben, daß Frankreich die Ein­ladung des Sultans von Maroffo zur internationalen Kon­ferenz annehmen werde. Jetzt ist das Vorspiel beendet, der abschließende Notenaustausch hat stattgefunden, und man fieht, daß die Marokkokonferenz in ihren Beratungen und Entschließungen nicht durch vorgängige Abmachungen behin­dert sein wird. In der Schlußerklärung, in der Frankreich die Einladung zur Marokkokonferenz annimmt, ist nichts von Frankreichs Ansprüchen gesagt; wohl aber sind darin die drei Brundsätze billigend erwähnt, die Deutschland aufgestellt und anerkannt wissen wollte, nämlich die Souveränität des Sul, tans, die 11nabbänaiafeit Marokkos und die offene Tür"

Der Eselsmüller und die Falschmünzer. Frau war unter dem Zuge. Sie war es, welche so

23)

Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H.

Alle Rechte vorbehalten.

( Nachdruck verboten.)

Nun meinetwegen", sprach der Eselsmüller, doch erzählt,"

" Eselsmüller, versprecht mir erst ein Dugend Krüge, mit dieser Sorte gefüllt, Ihr wißt ich verrate Euch nicht," erwiderte Stuhlmann.

"

" Sollt sie haben Stuhlmann, am verraten liegt mir nichts mehr," erwiderte der Müller. Doch jetzt leg los, alter Seebär," sprach er lachend weiter. ,, Also meine Amerikareise wollt ihr wissen und was drum und dran hing. Ich sagte Euch schon, Euer Vater gab mir Reisegeld übergenug. Der Weg nach dem bafen in Bremen war von der Eselsmühle aus sehr weit. Unterwegs begegneten mir Reisegefährten, die selben rieten mir, erst noch Mühlen zu besuchen. Zur Mitfahrt nach Amerika fönne ich erst nach Wochen angenommen werden. Ich glaubte den Mühlenknappen

und bereiste Westfalen, das Ravensbergische und andere Gegenden. Endlich komme ich fast ohne Barschaft in

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sehr geweint hatte. Der Abschted aus der Heimat tat ihr zu wehe. Wir gingen, als ich den Zug erreicht, eine Weile zusammen; es waren noch mehr junge Leute, welche sich zu uns gesellten. Ich will es furz machen. Als nach acht Tagen die Reisegesellschaft aufs Schiff ging, war ich auch dabei. Nicht als Passagter, sondern als Schiffsarbeiter. Das weinende Mädchen hatte es mir angetan. Ich wollte um jeden Preis mit, aber Geld hatte ich nicht mehr zur leberfahrt, auch meine Bapiere genügten zur Auswanderung nicht. Der Kapitän nahm mich erst nach langem vergeblichen Bitten als Arbeiter auf seinem Schiff mit. Was ich als solcher gelitten, doch darüber erlaßt mir die ganze Be­schreibung. Das Schiff war ein elender, alter Bau. Wir haben länger als 6 Monate gebraucht, um nach Baltimore zu kommen. Der Doktor- Sohn schwenfte zwar seinen Federhut als wir Baltimore erblickten und sank mit seiner kräftigen Stimme:

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Und als wir kamen nach Baltimor, Da hoben wir das Haupt empor Und riefen laut Viktoria,

ohne zeitliche Beschränkung. Wenn der offiziöse Pariser Temps" jetzt sagt, daß hierüber Frankreich und Deutschland stets einig gewesen, so will er damit wohl zum fräftigsten Ausdruck bringen, Herr Delcassé und seine Politik seien mit bölliger Vergessenheit bedeckt. In Deutschland kann man Pamit wohl zufrieden sein. Nunmehr wird mit mäßiger Eile he internationale Maroffokonferenz zusammentreten, mit mäßiger Eile wird sie ihre Verhandlungen führen, ohne Zwi­schenfälle, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten.

Der Krieg in Oftafien.

Während in der Mandschurei die Operationen anscheinen zum Stillstand gekommen sind, gehen die Japaner an an­derer Stelle mit Energie vor und scheinen

die Besitzergreifung der Insel Sachalin

mit allem Nachdruck betreiben zu wollen. Das ist um so eher verständlich, als die japanische Flotte in ihrer Herrschaft zur See von feinem ernsthaften Gegner bedroht wird und deshalb ihre Kraft anderweitigen Unternehmungen zuwenden kann. Die Einnahme des Hafenplates Korsakow war die Ein­leitung zu der Offupation. Am Südende der Insel Sacha­lin wurde ein nach Osten gehendes japanisches Geschwader gesichtet. Es bestand aus dem Küstenpanzerschiffe Fuso", dem Linienschiff Tichinjen", einem Kreuzer vom Typ des wate", sechs Kreuzern zweiter Klasse, vier Sanonenbooten, 36 Torpedobooten und zehn Transportschiffen mit Landungs­truppen. Zwei Torpedoboote kreuzen westlich der La Perouse­Straße.

Die Abtretung der Insel dürfte bei den

Friedensverhandlungen

jedenfalls eine Rolle spielen. Der in Newyork weilende ia­banische Finanzagent Baron Kaneko besuchte den Bräsidenten Roosevelt in Oysterbay, um die Kriegskostenfrage zu be­sprechen. Er sprach die Erwartung aus, Japan werde Port Arthur behalten, das ihm genug gekostet habe.

In Petersburg versammelten sich die Großfürsten, um über das Marimum dessen, was die russischen Friedensbevoll. mächtigten zugestehen dürfen. sich schlüssig zu machen. Man will in leitenden russischen Kreisen die Hauptumrisse der ja. panischen Forderungen kennen.

Dem Vernehmen nach steht Rußland einem von seiten der chinesisch en Regierung geäußerten Wunsche um eine Vertretung auf der bevorstehenden Friedenskonferenz wohl­wollend gegenüber, während Japan einen ablehnenden Standpunkt einnimmit. Präsident Roosevelt übermittelte das Ersuchen Chinas den beiden kriegführenden Mächten; es ist aber nicht bekannt, ob eine Antwort erteilt worden ist.

Steuermannes gelang es mir, frei zu kommen und mit

an Land gehen zu dürfen. Dem Kapitän war ich eine billige Abeitskraft, er hätte mich nicht freigegeben, wenn nicht der Steuermann sich meiner angenommen hätte. Nun ging es weiter in das betretene neue Land hinein. Blockhäuser sollten vorerst errichtet werden. Ich ging natürlich als Knecht mit dem Vater meines ge­liebten Mädchens. Lohn nahm ich keinen, nur in ihrer Nähe wollte ich sein.

Nach langer Wandernng fanden wir einen Platz, Es hieß aber jetzt ge­denselben fauften wir billig. arbeitet. Meine Hände waren Arbeit gewohnt, doch diese nicht, sie waren voller Riffe. Doch es tat nichts, ich arbeitete ja für mein herziges Mädchen die teure Elisabeth( Lisbet wurde sie gerufen)!

Auf der Reise hatten wir Pferde mit Wagen, einige Kühe und die nötigsten Geräte und Saatfrucht angekauft. Der Kauf hatte fast alles Geld der Eltern meiner Elisabeth verschlungen. Doch was tat es, wir brauchten jetzt auch keins mehr. Das Nötigste bis wir geerntet hatten, besaßen wir ja. Mein weniges was ich noch hatte, gab ich als Notpfennig auch noch hin. Kaum hatten wir soviel ausgerodet und urbar gemacht, als etwa zu unserem Unterhalt nötig war, die Blockhütte stand schon in groß Format, da brach ich im Felde, wahrscheinlich aus ueberanstrengung, zu sammen. Wie lange ich gelegen, ich weiß es nicht. In der Nähe wohnende Indianer, welche mit den Ansiedlern in Frieden lebten, fanden mich, trugen mich zur Blockhütte und übernahmen es, aus Kräutern einen Saft zu bereiten, welcher mir wohl tat.

Jetzt sind wir in Amerika usw." Doch die allermeisten hatten keine Lust zum Singen. und ganz Amerika verflucht. Nur das arme Kind, mein lieb' Mädchen tat mir leid. Es litt entfeßlich an Heimweh. Ich fonnte sie nur Augenblicke ſehen, doch diese deuchten mir Stunden zu sein. Der Kapitän war ein Tyrann, das Wort Erbarmen fannte er nicht. Fast ein Tag varging, ohne daß ich blutig geschlagen wurde. Dazu die elende Kost; stinkendes Fleisch, Zwieback voll Würmer, faules Wasser, doch was soll ich das alles herzählen, furz ein Hundeleben war es. Meine Riesen­ha tenir au statten, die fast übermenschliche und ihre Eltern meine Liebe. Sobald ich ganz genesen, Arbeit zu verrichten. Endlich schlug die Erlösungsstunde. Wir tamen an das Land. Dank der Hilfe des ersten

die Gegend von Bremen. Ein Trupp Menschen, manche wie Backesel beladen, gehen vor mir her auf Bremen los. Oft war es mir, als höre ich ein leises Schluchzen, Ich selbst habe das Schiff, den Kapitän, die Matrosen doch ich konnte mich auch getäuscht haben. Aber immer mehr hörte ich diese Töne. Etwas schneller gehend erreichte ich die Geſellſchaft. Mein Erstaunen war groß, als ich Leute hier aus dieser Gegend darunter fand. Besonders zog mich der Sohn eines Arztes aus dem naben Sburg an. Derselbe hatte manchen Studentenstreich gemacht, dann war er Landwirt ge­worden und hatte eine liebe, schöne Müllerstochter aus der Grafschaft S.... fels geheiratet. Auch nachdem hm ein Söhnlein geboren, fonnte er seine losen Streiche nicht laffen. So sandte ihn sein Vater zur gründlichen func, wie er gesagt haben soll, hinüber. Auch meine

Ich lag lange an einem Nervenfieber schwer frant. Auf meinem Mooslager wurde ich Tag und Nacht von Elisabeth gepflegt. In meinen Fieberphantasten war nur sie mein ein und alles. Da erst erfuhr sie

( Fortsetzung folgt.)