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Os 1 M. Porto u. Listo 30 P
ersendet:
General- Agent
J. Stürmer, Strassburg E
Nr. 290.
Erstes Blatt.
Balertionspreis: Die einspaltige Betitzetle für ganz Oberbeen, bie Kreise Mezlar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 Mfg. Reklamen die Betitzeile 30 refp. 40 Pfg.
Rebattion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluk Nr. 862.
Samstag, den 9. Dezember 1905
Gießener
14. Jahrgang
Absunementspreis: abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhefftsche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werftagen nachmittags.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Sießener Zeifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Beglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Steigende Erbitterung.
Immer schärfer macht sich in Rußland der Kampf Aller gegen Alle geltend, immer größer wird die Erregung, immer häufiger werden die Ausbrüche der Leidenschaft, und die Katastrophe, der allgemeine Zusammenbruch, tritt immer deutlicher in die Erscheinung. Wenn wirklich einmal an einer Stelle einige Beruhigung einzutreten scheint, lodert alsbald an anderer Stelle das Feuer der Empörung wieder empor.
Immer wieder wird von Zwiftigkeiten berichtet, die am Barenhofe ausgebrochen sind und durch die der Rar sich verhindert sieht, dem Reformwerk Fortgang zu verschaffen. Die Folgen beginnen bereits sich zu zeigen.
Krisis im Ministerium.
Wittes Stellung wird immer mehr gefährdet. Er vermag der reaktionären Partei keinen Widerstand zu leisten und hat damit in weitesten Krcisen eine Erbitterung erzeugt, die ins Ungeheuere anmächst. Ueber die nächsten Folgen dieser Wendung wird aus Petersburg gemeldet:
Verschiedene Minister haben ihre Entlaffung gegeben, darunter der Kriegs- und der Justizminister. Auch Durnowo hat seine Demission als Minister des Innern angeboten, doch ist man geneigt, darin einen taktischen Schachzug zu erblicken.
Wenn man bedenkt, welche Mühe es Witte gemacht hat, sein Ministerium überhaupt zustande zu bringen, so wird man erst recht ermessen, was diese Kabinets- Krisis in Rußland bedeutet.
Der Telegraphisten- Streit gescheitert? Auch der Telegraphisten- Streit scheint seinem Ende entgegenzugehen. Es wird darüber aus Petersburg gemeldet:
Die entschiedene Haltung der Regierung, die rückfichtslos alle streikenden Telegraphenbeamten entläßt, vor allem aber eine Spaltung unter den Telegraphiñen selber, die durch den Anschluß des Verbandes der Postund Telegraphenbeamten an den sozialrevolutionären Rat der Arbeiterdeputierten hervorgerufen wurde, beginnt abschwächend auf den Ausstand zu wirken. Ein Teil der Beamten hat die Arbeit bereits wieder aufgenommen.
Damit wäre auch dieser gefährliche Streik ebenso aus= gegangen, wie der mehrfach versuchte oder angefündigte Generalstreif. Aber wie die dabei zu Tage gelangten Begleitumstände ist auch der Telegraphisten- Streif nur dazu angetan, die Leidenschaften zu schüren.
Todesurteile der Revolutionäre.
Die herrichende Stimmung kommit besonders auch in einer erhöhten Tätigkeit der Revolutionäre zum Ausdruck. Aus Petersburg wird darüber gemeldet:
Die Zentralleitung der revolutionären Partei hat wieder Todesurteile gegen eine Anzahl hoher Beamter erlassen. In die Provinz sind bereits Emissäre des Revolutionskomitees zur Vollstreckung entsandt worden, sodaß neue Mordtaten nicht ausgeschlossen sind.
Wie ferner verlautet, soll auch der Priester Gapon auf die Totenliste gesetzt sein, da er den Revolutionären nicht mehr als zuverlässig g lt. Er hat sich aber rechtzeitig ins Ausland in Sicherheit gebracht.
Politifche Rundschau.
Deutfches Reich.
* Der Gesetzentwurf über die Vefähigung im Baugewerbe ist dem Reichstag zugegangen. Der Entwurf will den§ 35 der Gewerbeordnung dahin erweitert wissen, daß zu denjenigen Gewerben, deren Ausübung bei erwiesener Unzuverlässigkeit des Gewerbetreibenden in bezug auf den Gewerbebetrieb zu untersagen ist, auch das Gewerbe als Bauunternehmer oder Bauleiter sowie der Betrieb einzelner Zweige des Baugewerbes gezählt wird. Weiter soll ein neuer§ 35a in die Gewerbeordnung eingeführt werden, durch welchen bestimmt wird, daß der Mangel an technischer Vorbildung nicht als Begründung der Unzuverlässigkeit gelten darf bei Versonen, die als Baumeister oder Technifer staatlich geprüft sind, die Diplomingenieure sind oder die Meisterprüfung im Maurer- oder Zimmerergewerbe bestanden haben. Auch sollen alle Personen, die einzelne Zweige des Baugewerbes betreiben, von vornherein als technisch zuverlässig gelten, wenn sie in dem von ihnen ausgeübten Gewerbe die Meisterprüfung bestanden haben. Ein neuer§ 53a bestimmt jedoch, daß bei solchen Bauten, zu deren Ausführung ein besonderer Grad von praktischer Erfahrung oder Vorbildung gehört, im Einzelfalle bestimmte Personen, auch solche mit technischer Vorbildung, von der Bauausführung durch die unteren Verwaltungsbehörden ausgeschlossen werden können. Gegen die Wiedereinführung des Befähigungsnachweises im Baugewerbe spricht sich die dem Gesetzentwurf beigefügte Begründung entschieden aus.
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Gouverneur von Lindequist meldet aus Südwestafrika neue Erfolge der deutschen Truppen. Der Kapitän der Hoachanasser Hottentotten, Manaffe, ist nebst 23 An
hängern im Gefecht bei Gubuonis gefallen. Kapitän Michael von Omaruru und sein Bruder Hugo haben sich mit acht Begleitern in Walfischbai gestellt. Die Beruhigugg der Kolonie schreitet also sichtlich vorwärts.
* Nach Meldungen aus Deutsch- Ostafrifa hat der englische Missionsbischof Peel in Mpapua wegen der zahlreichen dort befindlichen Frauen Schutz gegen Flüchtlinge aus Kilossa verlangt. Da das Hochland gesund ist, wurden 25 Mann Marine- Infanterie unter Leutnant von Engelbrecht aus aus Mrogoro dorthin gesandt. In Songea ist die Lage wieder ernster, da die Station unter Mangel an Lebensmitteln leidet. Man nimmt an, daß inzwischen Major Johannes mit der 13. Kompagnie und Leutnant Schlüter mit 30 Astars und einer Proviantfolonne von Langeburg in Songea eingetroffen sind. In den Küstenbezirten tritt merkbare Beruhigung ein.
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* Die in Dresden tagende Generalversammlung des Versächsischer Industrieller nahm Stellung zu der Reichsfinanz- Reform. Der Verband beschloß in Uebereinstimmung mit dem Vertreter der ihm angeschlossenen Verbände und unter Zustimmung der als Gäste anwesenden Abgesandten des Bundes der Industriellen in Berlin folgende Petition an den Reichstag:„ Der Verband sächsischer Industrieller bittet den Reichstag, bei Beschlußfassung über die neuen Reichssteuervorlagen die erneute, offenbar einseitine Bevorzugung der Landwirtschaft durch Freilassung von 25 bzw. 50 v. H. der Erbschaften aus landwirtschaftlichen Grundstücken abzulehnen."
* Prinzregent Luitpold hat sich entschlossen, von einer besonderen Feier der Erhebung Bayerns zum Königreich bor hundert Jahren abzusehen. Der Regent gedenkt in seiner Entschließung der hohen Stufe der fulturellen Entwicklung und der materiellen Wohlfahrt, zu welcher sich das Land emporgehoben hat, und bzeichnet als die wertvollste Errungenschaft den Zusammenschluß der deutschen Staaten zu einem mächtigen Reiche, in dem Bayern sich geachtet und angesehen weiß. Wegen des andauernden leidenden Zustandes des Königs folle indessen von einer Feier des bevorstehenden Gedenktages abgesehen werden. Das Volk und sein Königs= haus seien zu eng miteinander verbunden, als daß es bei diesem Anlaß eines äußeren Gepränges bedürfe.
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* Der neue Leiter der Kolonialabteilung, Er prinz zu Hohenlohe Langenburg, ist zum preußischen Bundesrats: bevollmächtigten ernannt. Der 3. Nachtragsetat zum Etat der Suzgebiete verlangt 2 400 000 art als weitere Kosten zur Niederwerfung des Aufstandes in den afrikanischen Schutzgebieten. Der Bundesrat genehmigte die Forderung.
Oefterreich- Ungarn.
** In Ungarn sind abermals Mompromißverhandlun gen zwischen Regierung und den koalierten Oppositions: parteien eingeleitet worden. Die Koalition tritt mit ziemlicher Mäßigung auf. Der Plan einer Auflösung des Reichs: tages soll schon fallen gelassen sein. Die Koalition wünscht zur Uebernahme der Regierung wenigstens in einer der schwebenden Fragen eine größere Konzession. Ob man sich dazu in Wien entschließen wird, ist noch sehr fraglich.
Italien.
** Unruhen, durch Verteuerung der Lebensmittel herborgerufen, werden aus Ancona gemeldet. Eine wütende Volksmenge zerstörte die Läden und warf Gemüse und andere Lebensmittel auf die Straße. Die Verkäufer wurden ge zwungen, die Arbeit einzustellen.
Türkei.
** Die Vorschläge der Pforte bezüglich Annahme der mazedonischen Finanzkommission bilden den Gegenstand täglicher Botschaftertonferenzen in Konstantinopel. Die Ent: scheidung dürfte bald erfolgen. Die internationale Flotte wird bis zur definitiven Erledigung der Frage nicht zurück
gezogen.
Hlien.
** In der foreanischen Hauptstadt Söul soll ein Kom plott entdeckt worden sein, das bezweckte, sämtliche foreani schen Minister, die den Vertrag mit Japun unterzeichnet haben, zu ermorden. Gestern mittag bielten die Rädelsführer eine geheime Versammlung at" lötzlich japanische Sol daten in das Lokal cindrangen chu Verschwörer ver hafteten.
Soziales Leben.
× Ende des Straßenbahnerstreiks. Der Ausstant der Straßenbahnangestellten in Kiel ist beendigt Streifenden haben gestern den Betrieb wieder aufgenomme
Hof und beieulchaft.
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*** Die zufünftige Braut des Königs von Spanien, die Brinzessin von Battenberg, wird bereits für ihren Uebertritt zur katholischen Kirche vorbereitet. Der Pater Hitmen, der Abt der englischen Kirche St. Sylvester, erteilt der Prinzessin Unterricht in den Lehren der katholischen Kirche.
Lokales.
9. Dezember 1905. ** Bürgerverein Gießen. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, fann die auf Montag, den 11 Dezember 82 Uhr abends in Steins Garten von dem Bo stand des Bürgervereins Gießen einberufene Augemeine Bürgerversammlung nicht stattfinden. Der für den Abend vorgesehene Referent, Oberbaurat Schmück aus Darmstadt, ist leider verhindert und Stadtbaumeister Braubach, welcher seine Mitwirkung in liebenswürdiger Weise zugesagt hatte, ist erfranft. Wie wir erfahrer, wird die Versammlung in allernächster Zeit abgehalten werden.
*
Der frühere Kreisrat Geheimer Regierungsrat Bichmann, wurde vom 1. Dezember als stellvertretender Direktor in den Vorstand der landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank zu Darmstadt berufen.
*
In der Kürze wird im Großh. Regierungsblatt eine Allerhöchste Verordnung vom 2. 1. Mts, die Ergänzung der Hundeftener Verordnung vom 4. November 1899 betreffend, zur Veröffentlichung gelangen, welche in Ergänzung des§ 9 der letzteren Veordnung auch Steuerfreiheit für solche junge von eigener Hündin gezogene Hunde, feftfeßt, die nachweislich vor Ablauf von drei Monaten nach ihrer Geburt zugrunde gegangen oder nach Drten außerhalb des Großherzogtums veräußert worden sind.
tt. Stadttheater in Gießen. Die morgige Aufführung von„ Altheidelberg" dürfte dadurch besonderes Interesse beanspruchen, daß zwei Gaftspiele auf Engagement mit ihr verbunden sind. Herr Bertram vom Stadttheater von Bochum, der als Ersetz für Herrn Lüttjohann in Aussicht genommen ist, wird als Karl Heinz, Fri. Paula Tenden von Frankfurt a. M. als Käthte gaftieren.
* Der Fall Chelius. Wie die„ N. Hess. Volts." aus bester Quelle vernehmen, ist dieser Tage die Anklageschrift fertiggestellt und dem Angeklagten zugeftellt worden. Sie beruht auf dem Geständnis, des Ch. jüngst abgelegt hot. Das Hai piverfahren wird nach Ablauf der gef zlichen Frist in aller Kürze eröffnet und dann der Verhandlungstermin bestimmt werden.
*** Wir weisen die Mitglieder der Allgemeinen Sterbekasse Gießen auch an dieser Stelle auf die morgen Sonntag, nad mittags 4 Uhc, im Lenzschen„ Felsenfeller" anberaumte Generalversammlung hin.
§ Lich, 8. Dezember. In der Nacht zum Mittwoch fam in dem Gewese der Wiwe 2 stmann dahier ein Schadenfeuer zum Ausbruch, das aber durch herbeieilende Nachbarn und die Feuerwehr glücklicherweise auf ein 8mmer besaränft werden konnte.
Wezlar, 8. Dezember. Das Schöffengericht Wezlar verhandelte laut, Bl. Unz" über folgenden Fall: Der Landwirt W. S. von Krofdorf hat sich aus der Laungbacher Sandgrube einen Wagen Sanb geholt, ohne dieses, wie vorgeschrieben, anzumelden. Ec soll sich dadurch des Diebstahls schuldig gemacht haben. Das Gericht fann jedoch nicht die Ueberzeugung gewinnen, daß der Angeklagte den Sand nicht habe bezahlen wollen und spricht ihn frei. * Burg- Gemünden, 8. Dez. Johann Georg Stein wurde als Nachtwächter für die Gemeinde Burg- Gemünden eidlich verpflichtet.
* Ni der- Gemünden, 8. Dezember. Der oberhessischen Kornhausgenossenschaft wurde von der Regierung die jederz it widerrufl che Erlaubnis erteilt, an den Bahnhof Burg und Nieder- Gemünden ein Anschlußgleise anzulegen und mit Lokomotiven betreiben zu lassen.
Borläufige Ergebnisse der Voliszählung. Leihgestern. Bei der Volkszählung wurden 1368 Perfenen gezählt. Zunahme: 126 Personen.
Nordeck Gesamteinwohnerzah!: 523, 271 männliche 252 weibliche. 490 evangelischen, 1 fatholischen und 32 isra: litischen B. kenntniss 8.
Pohl- Göns. Einwohnerzahl: 616 Personen und zwar 7 männliche und 299 weibliche. 1900: 581 Personen. Bad Nauheim, 5066 Personen. 1900: 4312. Zunahme: 744 Personen.
Fiedberg Fauerbach, 9000 Personen.
Alsfeld.
Einwohnerzahl: 4844 gegen 4347 im Jahre 1900. Bunahme: 497.
Arushain, 67 bewohnte Häuser, 78 Haushaltungen, 432 Personen. 196 männliche und 236 weibliche Personen. Evangelisch 409, reformiert 1, 1ömisch- thatol sa 22 und griechisch thatolisch 2.


