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Nr. 2.
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Dienstag, den 3. Januar 1905.
Gießener
14 Jahrgang
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Nenelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Die Kapitulation Port Arthurs.
Was die letzten Erfolge der Japaner vor Port Arthur als unabwendbares Geschickt voraussehen ließen, hat sich weit schneller erfüllt, als man selbst in Tokio gehofft hatte. Die Stolze Feste, die solange unter des tapferen General Stössels Leitung dem heldenhaften Ansturm der Belagerer nicht minder heldenhaften Widerstand geleistet hatte, ist nun den unermüdlichen Angreifern wie eine reife Frucht zugefallen. Weitere interessante Einzelheiten geben die Erklärung, wie es zur Uebergabe kam.
General Stössel mußte sehen, wie die Werke, die er teilweise erst neu hatte errichten lassen, eines nach dem anderen vom Feinde unterminiert, zerschossen und im Sturm genommen wurden. So blieb denn schließlich nichts übrig, als die ehrenhafte Kapitulation. Ueber den Schluß des Dramas wird in folgendem Telegramm aus Tokio vom 2. d. Mts. berichtet:
Nach der Einnahme des Fortsgürtels von Balungschan bis Sungschuschan wurden die vorliegenden Höhen be= schossen und genommen. Dann erfolgte der Sturm auf das Fort Wangtai, der ebenfalls gelang. Damit beherrschten die Japaner die ganze rnssische Stellung, und auch der Rückzug auf Lianteschan, das als letztes Bollwerk hergerichtet war, konnte uur noch auf wenige Tage den Fall der Festung aufhalten. Unter diesen Umständen entschloß sich General Stöffel, die Uebergabe anzubieten. In seinem Briefe an General Nogi erklärte General Stössel ausdrücklich, daß jeder Widerstand jekt unnütz sei. Der Mikado furach in einem Telegramm an General Nogi feine hohe Anerkennung für General Stöffel aus und wies Nogi an, Stöffel und der Besakung von Port Arthur alle Ehren zu erweisen. Darauf wurden die Feindseligkeiten eingestellt, und die beiderseitigen Bevollmächtigten vereinbarten die Uebergabe der Festung und den Abzug der Garnison mit allen kriegerischen Ehren.
Aus den letzten Kämpfen ist noch
ein schöner Zug von Menschlichkeit
ju erwähnen. Die in Port Arthur anwesenden Nichtkombattanten, die Frauen und Kinder, hatten unterhalb Liautschans Zuflucht gefunden. Die Russen ersuchten die Japaner, diese Stellung nicht zu beschießen, indem sie ihrerseits sich verpflichten wollten, von dorther ebenfalls nicht weiter feuern zu wolIen. Die Japaner willigten in diesen Vorschlag, eine Art Asyl für die Nichtkämpfer zu gewähren.
Im legten Augenblick vor der Uebergabe sind einige russische Schiffe entkommen.
Es wird darüber telegraphisch aus Tschifu vom 2. d. Mts. gemeldet: Heute früh 7 Uhr sind die Torpedobootszerstörer
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Ignaz von Tzargos, der Schäfer.
Bon Gustav Rohleder, Grünberg i. H. Alle Rechte vorbehalten.
Nachdruck verboten. Meister Clemens und der Verlassene gingen, nachdem das Licht ausgelöscht war, nach Sassenburg.
Unterwegs erzählte auf Befragen des alten Meisters Ignaz aus seiner Jugendzeit auf Nitra in Ungarn. So wurde der Weg nicht langweilig und Ignaz vergaß während der Erzählung seinen großen Schmerz und Berlust. Dieses wollte aber der alte Clemens bezwecken mit seinen Fragen. Nach einer Stunde des Wanderns erreichten sie des alten Mannes Haus. Ignaz ward freundlich aufgenommen, bewirtet und
übernachtet.
Am anderen Morgen ging Ignaz in die Viehställe des alten Clemens und fand, daß es nicht recht stand mit den Tieren. Er als Kenner von der Pusta sah es sogleich. Er gab Rat wie abzuhelfen sei. Nach einigen Tagen besprach sich Clemens mit dem Bürgermeister und Stadtrat. Schon längst sollte ein sechster Schafhirt angestellt werden. Die Weide war groß, nur fehlte es am geeigneten Schäfer. Clemens schlug Ignaz vor und Ignaz von Tzargos, eigentlich Graf von Viermund wurde Schäfer von Sassenburg. Armer Graf er erkannte dieses auch sehr gut, deshalb bat er, man möge ihn nur Tzargos heißen, zum Andenken an sein lieb Schwesterlein Maria So hieß er denn nur noch Ignaz von Tzargos. Auch den Rat, sich nur zargos zu nennen hatte ihm Clemens gegeben. Dieser Rat stimmte so ganz mit seinem eigenen Gefühl überein, daß er ihn fröhlich annahm. Also, sprach eines Abends Tzargos zu sich selber, als er schon Schäfer war, also deinen Graf von Viermund hängst du anden Nagel, wie deinen Schäferranzen. Aber deinen treuen Wächter und
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Story", Statny" ,,, Wlastny" ,,, Sserdity" und das Kanonenboot des Statthalters Drel" aus Port Arthur mit Depeschen hier eingelaufen, die an Land gebracht wurden. Der Kommandant des„ Statny" erklärt, die Fahrzeuge hätten Port Arthur verlassen, weil es nach Einnahme des 203 MeterHügels durch die Japaner für die russischen Schiffe unmöglich gewesen sei, im Hafen zu bleiben. Die Schiffe waren von den Japanern verfolgt, das Kanonenboot, das früher eine Sacht war, ist von einem Granatsplitter getroffen.
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Die Belagerung Port Arthure.
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Ein strategischer Rückblick.
Berlin, 2. Januar.
Die große Tragödie auf der Kwantunghalbinsel ist zu Ende gespielt. Nach mehr als sieben Monaten des zähesten Widerstandes hat der heldenmütige Verteidiger von Port Arthur die Feste den Japanern übergeben müssen. Er sah ein, daß jeder Widerstand von nun an nußlos sei. Auf Entsatz war weder von der Land- noch von der Seeseite her zu hoffen. Weiteres Blutvergießen hätte daher dem Zaren den festen Platz nicht retten können, dagegen sicher noch Tausenden braver Krieger das Leben gefoftet. Mit jener Selbstüberwindung, die der wahren Größe eigen, bot General Stössel angesichts dieser Sachlage dem Gegner den schlachtgewohnten Degen. Er durfte es, ohne daß ihm durch seine Ergebung auch nur ein Blättchen aus seinem Ruhmeskranz geraubt worden wäre.
Einen Ruhmestranz für Sieger und Besiegte bildet diese mit beispiellesem Mut durchgeführte und mit heroischer Standhaftigkeit abgewehrte Belagerung. Seit dem 25. Mai des vorigen Jahres war Port Arthur von der Landseite eingeschlossen und zwei Tage später von der Seeseite blockiert worden. Seitdem haben die Japaner die unermüdlichsten Anstrengungen gemacht, in den Besitz der Festung zu kommen. Erst vor wenigen Tagen aber gelang es ihnen, die erste Bresche in den granitnen Gürtel der Hauptforts zu legen, nachdem sich ungezählte Tausende von ihnen an den Wällen der Forts den Schädel eingerannt hatten. Ströme von Blut bezeichnen den Weg, den die Belagerer genommen haben. Ihr Hauptaugenmerk war von vornherein darauf gerichtet, die russische Flotte im Hafen von Port Arthur unschädlich zu machen. Bereits in der Nacht vom&. zum 9. Februar, kaum zwei Tage nach der Kriegserklärung, fiel Admiral Togo über die sorglose Port Arthur- Flotte her und richtete unter ihr durch einen ebenso fühn angesetzten wie fachmännisch fühl und überlegen durchgeführten Torpedoangriff die größte Verwirrung an. Mehrere russische Schlachtschiffe wurden ernstlich beschädigt und für mehrere Monate gefechtsunfähig gemacht.
dein Musikinstrument holst du dir aus dem Viermundschen Hof. Du magst hier blasen nach Herzensluft. Niemand wehrt es dir, und aller Kummer bläst sich ab. Eins aber fonnte er, mit dem alten Meister zu reden, nicht an den Nagel hängen. Es war der Schmerz um sein lieb Schwesterlein Maria.
Wenn er später die Schafherde hoch oben auf der Attenberg unter den Ungarn- Bäumen, wie diese starken Buchen auf den Weideplägen genannt werden, liegen hatte, dann holte er sein Instrument hervor und entlockte denselben Töne wie Engelsharfen. Wer sie gehört vergaß fie nie. Zuerst klagend, dann jammernd, zuletzt mit einer solchen Berzweiflung ringend, daß man glaubte einen Wahnsinnigen vor sich zu haben. Nein wahnsinnig war dieser Grafensohn Tzargos, wie er sich nachher wirklich schrieb, nicht.
Die Stadträten, hatten einen guten Griff getan, als sie ihm die Herde Schafe anvertrauten. Die Tiere fannten ihn sehr bald. Und er? er war ein rechter Hirte, der seiner Schafe und Lämmer mit aller Treue wartete. Seine Herde war die beste unter allen. Hier im Felde bei seinen Schafen allein fand er Trost in seiner Verlassenheit.
Wenn er Nachts in seiner Hütte bei den Hunden auf Strohlager sich ausstreckte, gedachte er gar oft an andere Zeiten. Dann stand er auf, setzte sich auf die Deichsel seiner mit zwei großen Rädern versehenen „ Schäferhütte" und zog sein Instrument hervor und iptelte seine ungarischen Weisen. Mancher späte Wanderer stand staunend still, wenn er dieses hörte. Bald wußte die ganze Umgegend, der nächtliche Spieler sei der Ungar von der Hermannsburg. Nach damaliger Sitte mußte auch der Schäfer, welcher auf einer Stufe der Ehre, eigentlich Unehre mit den Wasengräber stand, ein Gelöbnis der Treue ablegen.
( dieselbe währte einen Monat) gut ausgefallen war, Nachdem dieses geschehen war und die Hüteprobe, erhielt er seine förmliche Bestallung in einer Urkunde des
Die russischen Befehlshaver merkten, daß es auf eine Erdrosselung ihrer kostbaren Flottenstreitmacht abgesehen sei. Die Aussicht auf Entsatz von der Landseite her schwand sehr schnell. General Stackelberg versuchte am 15. Juni einen fühnen Borstoß, konnte aber nur mit genauer Not dem Schicksal entgehen, abgeschnitten zu werden. Seitdem ist an dem eisernen Riegel auf der Landseite nicht mehr gerüttelt worden. Er schloß die Kvantunghalbinsel nach der Nordseite hermetisch ab. Anders stand es mit der Seeseite. Hier mußte es nach Ansicht der russischen Sachverständigen möglich sein, die Blockade zu durchbrechen und eine Vereini gung mit der Wladiwostofflotte ins Werk zu seven. Auch hier machte man aber die Rechnung ohne den Wirt. Ant 10. Angust machte die Flotte einen verzweifelten Durchbruchsversuch, jedoch fiel dieser völlig ins Wasser. Die Japaner zeigten sich den Russen bedeutend überlegen. Ein größerer Teil der russischen Schiffe wurde vernichtet. Der Rest mußte sich fang und flanglos nach Port Arthur zurückziehen, wo er zu trauriger Untätigkeit verdammt war, bis inm im Dezember durch die schweren Geschütze der japanischen Belagerungsarmee völlig der Garaus gemacht wurde. Die Japaner hatten auf der Landseite in ununterbrochenen Mühen Schritt vor Schritt die Außenwerke niedergekämpft und schließlich den 203 Meter- Hügel erobert, der es ihnen ermetichte, den Hafen zu übersehen und unter indirektes Feuer zu nehmen. Von diesem Augenblick an war das Geschick der Festung besiegelt. Zwar wurden auch weiterhin die Angriffe der Japaner mit blutigen Köpfen zurückgewiesen, aber es trat bereits klar zutage, daß der Widerstand der Belagerten gebrochen sei. Dem Fall des Außenforts von Kikwanschan folgte fast unmittelbar die Eroberung von Erlungschan, dem ersten eigentlichen Hauptfort. Und nm folgten in wenigen Tagen Sungschuschan, Balungschan, Wangtai und der Signalhügel... Stöffel mußte einsehen, daß ein weiteres Fortsetzen des furchtbaren Blutvergießens aussichtslos sei.
Belagerer wie Belagerte kämpften während der ganzen Zeit nicht nur mit todesverachtendem Löwenmut, sondern auch mit großem strategischen Geschick und unter Benutzung des ganzen Arsenals an Hilfsmitteln, das die Kriegstechnik bietet. Da gab es Drahthindernisse, Wolfsgruben, und besonders spielten Flatterminen eine verhängnisvolle Rolle. Ganze japanische und russische Regimenter sind durch die vernichtende Wirkung der modernen Explosivstoffe im nu aufgerieben worden. Besonders die Japaner haben ungeheure Opfer an Menschenleben bringen müssen. Allerdings wußten sie auch, warum und schreckten auch vor einem Meer von Blut nicht zurück. Port Arthur war der Siegespreis, den das japanische Volk von seinen Kriegern für die schweren Kriegslasten verlangte. Daß die stolze Feste ihnen 1895 nach Beendigung des Feldzuges mit China durch das Dazwischentreten der Mächte entrissen wurde und an Rußland fiel, war seit damals eine offene Wunde im japanischen Volksgemüt. Jetzt ist fie verharrscht und wird wohl auch nicht wieder aufMagistrates als wohlbestallter Schäfer von Sassenburg. Sein Gehalt betrug 25 Taler oder 10 Brabanter nach unserem Gelde etwa 100 Mark. Doch für ihn genügte dieses Gehalt vollkommen. Mittags- und Abendessen mußten ihm die Schafherrn in Leuben"( Essentragforb) in das Feld bringen lassen. Jeden Tag ein anderer. Die Morgensuppe aß er in dem Hause des Herrn, der ihn denselben Tag in Futter" hatte. Es war dieses eine wirklich beschämende Stellung. Doch unser Ignaz fand nichts dabei. Er hatte ehrlich Brot. Dieses war für ihn übergenug, daß er ein Verlassener war, dieses tat ihm am wehesten. Er, der gräfliche Sproß, man bedenke den Wechsel, Graf und fast Bettler!
Doch er hatte diesen Wechsel nicht verschuldet. In recht traurigen Stunden, wenn die Verzweiflung fich seiner bemächtigte, schrie er den Fluch über den, der sein Vater war. Aber sofort empfand er Neue und gedachte der Ermahnung dessen, der ihn erzogen hatte, des Nikolay. Da rettete ihn dann immer aus der Schwermut sein liebes Instrument.
Die Sassenburger sind oft noch spät in das Feld hinausgegangen, nur um den Tönen der„ Tzargosflöte", wie das Instrument genannt wurde, zu lauschen. Ignaz Tzargos war eine schweigsame Natur geworden. Er hatte nur mit dem alten Clemens Verkehr. Bei demselben hatte er ſein Stübchen und für den Winter seine Hundehütte. Viel war er nicht in seinem Heim, wie er es nannte. Außer zur Winterszeit sah man ihn in der Stadt nur seine Morgensuppe holend. Er lebte für seine Schafe und schlief bet denselben im Freien. Was brauchte er weiter. Besonders an den Sonntagen fühlte er sich einsam. Da setzte er sich hin und gedachte, wie so oft das Schwesterlein zu ihm am Tage des Herrn gekommen und sie in der freien Natur ihre Loblieder dem Höchsten dargebracht hatten.
( Fortsetzung folgt.)


