Ausgabe 
2.12.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 283.

Zweites Blatt.

Jasertionspreis: Die einspaltige Benzerle für ganz Ober­ben, die Kretse Weglar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Wfg. Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Bfg. ebartton u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechenschlah Rr. 362.

Samstag den 2. Dezember 1905

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Grattobeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblafen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Beifung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

Perfifche Edelsteine.

Die Türkis funde im Lande des Schah 3.

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Geschichte und Sage haben in gleicher Weise einen glitzernden Schleier um das asiatische Hochland gewoben. Die Herrscher Persiens in den letzten Jahrzehnten haben nach­einander die Gewohnheit angenommen, das Abendland zu besuchen, Rundreisen an den Höfen zu unternehmen, um Art und Weise der fränkischen Giaurs kennen zu lernen. Leb­haftes Erstaunen rief dabei jedesmal der Reichtum an kost­baren Steinen hervor, den der jedesmalige Schah und die Herren seines Gefolges mit sich bringen. Mancher neidische Gedanke mag da im Herzen schmucklüsterner Vertreterinnen des schönen Geschlechts aufgestiegen sein. Persien ist aber auch der gegebene Fundort für die geschäßten Mineralien, mit der der eitle Mensch Hals oder Hände schmückt. Im allgemeinen sind die unterirdischen Reichtümer Persiens nur in geringem Maßstabe ausgenügt worden.

Das

Die einzige Ausnahme machen die Türkis minen bei Nischapur, einem Ort, der an der großen Handelsstraße zwischen dem Kaspischen Meer und der Stadt Meschhed am Fuß einer Bergtette gelegen ist. Diese Minen werden seit langen Jahren regelmäßig, wenn auch in etwas primitiver Weise ausgebeutet. Früher hatte wahrscheinlich die Regierung selbst den Betrieb in die Hand genommen, während er heute gegen eine mäßige Abgabe Privatleuten überlassen ist. Da­durch sind die Minen ziemlich heruntergekommen. Bergwerfsgelände erstreckt sich über eine Fläche von etwa 36 000 Heftar und liegt von Nischapur 60 Kilometer gegen Nordwest entfernt. Außer den Türkisminen findet sich ein Salzbergwerk, ein Steinbruch für Mühlsteine und eine Blei­mine, doch werden die letzten beiden nicht mehr ausgebeutet. Die Arbeiter verteilen sich auf mehrere Dörfer. Der Pächter ift eigentlich unbeschränkter Herrscher dieses Bezirks und er­hebt als solcher Steuern von den Einwohnern, die sich niederlassen, aber nicht in Geld, sondern in Arbeit. Die Türkisminen erstrecken sich einmal auf das vulkanische Gebirge Tschurag- kuh und auf das Schwemmland am Fuß dieses Berges, wo die schönsten Türkisen gefunden werden, die durch den Regen ausgewaschen sind. Man nennt sie Sengi thati( Erdsteine), und infolge ihrer Seltenheit werden f mindestens dreimal höher bewertet als entsprechende Steine die aus dem Gestein des Berges selbst hervorgeholt werden Das Schwemmland wird von Frauen und Kindern durchsucht die für ihre Arbeit noch eine kleine Abgabe bezahlen müssen Jm Gebirge selbst sind vier Schächte angelegt, und frühe bestanden wahrscheinlich auch regelmäßig angelegte Stollen

Bekanntmachung.

Im Monat Dezember I. J. werden bei unserer Staffe jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sams­tag von vormittags 8-12 und nachmittags von 2-4 Uhr Geschäftstage abgehalten. Die Einleger werden ersucht, an diesen Tagen ihre Zinsen in Empfang

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fann ohne jeden Nachteil für die Einleger auch später, im Laufe des nächsten Jahres erfolgen, da am 1. Januar 1906 die nicht erhobenen Zinsen in den Büchern der Sparkasse dem Kapital zugeschrieben und berzinst werden. Es liegt im Interesse des Publikums mit der Ab­widelung der Geschäfte nicht bis gegen Ende des

Preisen 1, 2, 3, 4 Monats zu warten, da dann der Zudrang ein so

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Starker ist, daß naturgemäß eine schnelle Beförderung nicht erfolgen fann.

Gießen, den 21. November 1905. Der Vorstand der Bezirkssparkasse Gießen.

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kann sich jeder von uns für entsprechenden Wert Waren erwerben. Man verlange neuesten Prachtkatalog mit 8500 Abbildungen nebst näherer Angabe ebenfalls gratis und franko( ohne Kaufzwang). Derselbe enth. grosse Auswahl in Herrenketten, ferner grosse Auswahl in

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mit Luftzuführungen, die aber allmählich infolge ihrer Ver­nachlässigung verfallen sind. Die einzige Regel, die beim Betrieb der Minen beobachtet wird, geht darauf aus, mit möglichst geringen Kosten einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen. Es kommt dem Pächter darauf an, die Pacht­summe rasch herauszuschlagen, ohne Rücksicht auf die Zukunft. Die Rücksichtslosigkeit des Bergbaubetriebes wird einigermaßen entschuldigt durch die Unsicherheit der Pacht­verträge.

Die Schächte erreichen eine Tiefe bis zu 150 Metern, gehen übrigens nicht senkrecht in die Erde hinab, sondern in Winkeln von 30-75 Grad. Das Gestein wird mit Hacken abgelöst und durch eine Kette von Arbeitern von Hand zu Hand herausgeschafft, um in roher Weise mit Hämmern zer­schlagen zu werden, wodurch oft die schönsten Steine zugrunde gehen. Das zertieinerte Gestein wird dann durch Kinder unter Bewachung von Soldaten geschlämmt. Nur Stücke von der Größe einer Nuß, in denen Türkise vorhanden zu sein scheinen, werden gesammelt, gleich in Säcke verpackt und nach Meschhed gesandt, um dort zerschnitten zu werden.

Außer den vier regelmäßig bearbeiteten Schachten ist noch eine Anzahl anderer vorhanden, die auf den früher weit größeren Umfang des Bergbaubetriebes hindeuten. Es steht den Bewohnern des Bezirks frei, das Recht ihrer Bearbeitung von dem Bächter gegen eine hohe Abgabe zu erwerben, doch müssen dann alle gefundenen Steine zu geringem Preis an diesen verkauft werden. Der Unternehmer überwacht in Meschhed das Schneiden und den Verkauf der gewonnenen Türk se selbst. Man darf sich nicht darüber wundern, daß diese überaus rohe Art des Bergbaues die Qualität der Türkise beträckch herabgesetzt hat. Kleine Stücke finden sich bei allen persischen Juwelieren in Ueberfluß und werden zur Ausschmückung von Wasserpfeifen und fleineren Silber­arbeiten benutzt, dagegen find wirklich gute, Stücke selten und werden immer teurer, wenn sie die echte tiefblaue Farbe des orientalischen Himmels besigen und feinerlei Flecke oder Risse haben sollen.

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Vermischtes.

Briefpost auf dem Ozean. Das Bedürfnis, Briefe zu schreiben, ist bei den Passagieren der nach Amerika fahrenden Dampfer ein sehr starkes. Die neuen Schnell­dampfer sind daher mit allen möglichen Erleichterungen zur Aufnahme und Uebermittelung von Nachrichten versehen, unter anderm mit Marconiapparaten für drahtlose Tele­

graphie, die von den Fahrgästen eifrig in Anspruch genommen werden. Der Dampfer Amerika" der Hamburger Paketfahrt gibt besondere Brieffarten für seine Passagiere aus, von denen viele Tausende verlangt werden. Auf einer einzigen Reise zwischen Hamburg und Newyork wurden für 800 Mark Briefmarken an Passagiere verkauft, ein Beweis, wie lebhaft die Korrespondenz an Bord ist.

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Im Koffer auf der Hochzeitsreise. Eine erfindes rische junge Gattin, die von ihrem Mann dem Schwieger­vater vorgestellt werden sollte, aber sich weigerte, für den mittellosen Gemahl das Reisegeld zu zahlen, sperrte den guten Kerl einfach in einen Koffer, den sie als ein Gepäck auf die Reise mitnahm, während sie behaglich im Schlaf­wagen suhr. Unterwegs wurde der eigenartige blinde Passa­gier aber entdeckt und wegen Hinterziehung des Fahrgeldes zur Anzeige gebracht, ohne daß die teure Gattin ihre Hoch­zeitsreise" unterbrach. So etwas kann natürlich nur in Amerika vorkommen, wo die Ueberspanntheit der Frauen und die Sucht der Männer, sich den tollen Frauenzimmern zu fügen, feine Grenze kennt.

Verantwortlich für die Politik und den Inseratenteil Albin Klein; für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beide in Gießen.

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Wie kann man den Appetit anregen und gleichzeitig die durch fehlenden Appetit herbeigeführte mangelhafte nabrungsaufnahme ergänzen? Der gewöhnliche Lebertran ist wohl dazu geeignet, fann für biele aber nicht in Betracht kommen, da er widerlich riecht und schmeckt und leicht Verdauungsstörungen herbeiführt.

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