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Zur Vermählung des Grossherzogs.

Darmstadt, 31. Januar 1905. Der Einzug der hohen Brant unseres Groß­herzogs, der Prinzessin Eleonore von Solms- Hohensolms­Lich in die feftlich geschmückte Residenz ging heute in der vorgesehenen Weise vor sich. Der Sonderzug, aus einem Salonwagen bestehend, fuhr pünktlich um 4 Uhr in die Bahnhofshalle ein. Daselbst hatten sich zum Empfang einge­funden, wie schon gemeldet: eine fombinierte Kompagnie des Inf. Regts. Nr. 117( Großherzogin) unter dem Kommando des Herrn Hauptmann von Stülpnagel, die direkten Vor­gesetzten, der Divisionfommandeur, Prinzessin Heinrich von Breußen, Prinz und Prinzessin Ludwig von Battenberg der Stadtkommandant und die Regimentsmusik; ferner der Staatsminister Rothe Exc. und ein großer Hofstaat. Der Großherzog begrüßte seine zuerst den Salonwagen ver lassende Braut mit Hand- und Wangenfuß, worauf die Be­Die Ehren­grüßung der übrigen Herschaften erfolgte. tommpagnie präsentierte, während die Musit den Präsentier Marsch spielte; hierauf schritt das hohe Brautpaar mit Ge­folge die Front der Kompagnie ab, wobei die Musik die Fürstenhymne intonierte; hieran schloß sich einmaliger Parade­marsch. Dem Salonwagen waren inzwischen noch der Fürst zu Solms- Hohensolms- Lich und Gemahlin, sowie die Schwestern der Braut: Prinzessinen Marie und Dorothea entstiegen. Die Braut trug ein graues

Reiselleid mit einfachem Belzbesatz. Die Herrschaften be­gaben sich dann durch das Fürstenzimmer nach den Wagen, von der nach Tausenden auf dem Bahnhofsplay versammelten Menschenmenge mit brausenden Hochrufen begrüßt. In dem ersten vierspännigen à la Daumont gefahrenen Wagen, dessen Pferdegeschirre auf dem Rücken die goldene Krone trugen und der von zwei Spizenreitern geführt wurde, saßen der

Großherzog und die hohe Braut zu seiner Rechten, im zweiten Wagen folgten Prinzessin Heinrich von Preußen und Fürst und Fürstin zu Solms- Lich, im dritten Prinz und Brinzessin Ludwig von Battenberg und beiden Schwestern der Braut; hieran schloß sich das Gefolge in ca 10 Wagen.

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Unter Vortritt der

tombinierten Eskadron des Drag. Regiments Nr. 23 unter Kommando des Rittmeister Freih. Westerheller b. Antony sette fich der Wagen, dem ein Teil der Schwadron direkt folgte, in Bewegung, um nach kurzer Fahrt an der Ecke der Reinstraße zu halten, wo eine Ehrenpforte angebaut war, an der der Stadtvorstand, an der Spitze der Oberbürgermeister, die Herrschaften begrüßte. Auf die Ansprache des Oberbürgermeister dankte der Großherzog. Die Fahrt ging unter_fort­währenden Jubelrufender die Straßen dicht besetzt haltenden Menge, während das hohe Brautpaar stets freundlichst und huldvollst dankte, nach dem alten Palais, den vorläufigen Wohnräumen der hohen Braut.

Der Zuzug von außerhalb ist heute ein außer­ordentlicher; alle Straßen wogen von einer dichten Menschenmenge, welche die zukünftige Landesmutter sehen und begrüßen will. Auch über die allgemein sehr hübsche Dekoration der Straßen und Häuser ist alles erstaunt.

Die Illumination, welche mit Eintritt der Dunkel­heit begann, ist ebenso über alle Straßen ausgedehnt, wie die übrige Schmückung der ganzen Stadt; hauptsächlich find es die üblichen kleinen Illuminationswachs- Lämpchen, welche die zahllosen Fenster, von denen sich wohl kaum eines aus­geschlossen hat, schmücken, das Stadthaus ist auf seinem sehr hübsch mit Blumen 2c. gezierten Balfon mit einer ganzen Anzahl verschiedenartiger Gasbeleuchtungsförper dekoriert, welche einen überaschenden Lichteffekt hervorzaubern; das Postgebäude wirkt sehr gut durch seine hinter allen Fenstern angebrachte Stearinkerzen Beleucheung und die beiden mächtigen durch Gas beleuchteten Reichsadler. Rund um die Ludwigssäule auf dem Louisenplatz sind die Gaskandelaber zu prächtigen Gasfackeln urgewandelt, welche durch ihr magisches Flammenmeer den weiten Plaz fast taghell er­leuchten.

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Um 7 Uhr unternahmen die hohen Herrschaften eine Rundfahrt durch die Stadt. Sehr effektvoll wirkte die Johanniskirche, welche beim Herannahen der Herrschaften in prachtvoller bengalischer Beleuchtung erstrahlte, auch die Ludwigssäule war beim Passieren der Wagen durch bengalisches Licht hell erleuchtet. Darmstadt darf auf diese Leistung mit Recht stolz sein und die hohe Braut wird an ihrer neuen Heimat, die in solchem Lichtermeere strahlte, sicherlich ihre Freude gehabt haben. Gegen 9 Uhr fuhren die hohen Herr schaften in das neue Palais zum Thee.

Morgen Mittwoch Abend findet die große Serenade der hiesigen 29 vereinigten Gesangvereine statt, an der sich ca. 500 Sänger beteiligen. Die Sänger werden im alten Schloß 4 Lieder nnter der Leitung des Dirigenten des Männergesangvereins Humanitas" Herrn Kapellmeister Fahr zu Gehör gebracht.

Der Streit im Ruhrrevier.*) Eine kritische Betrachtung von R. Goebel, Dipl.- Berg- Ingenieur zu Gießen. Es wird in diesen Tagen soviel gesprochen und ge­schrieben über dieses Thema, daß es fast scheint, es herrsche durch die vielen Preßstimmen und die im Reichstage ge­haltenen Reden eine allseitig geklärte und völlig objektive Auffassung über alle Punkte des Streits. Man gibt Urteile für und wider die Arbeitgeber und nehmer ab, die oft sehr wenig fachmännische Kenntnis an den Tag legen. Zu einem die Sachlage beherrschenden Urteile ist eine Kenntnis der betriebstechnischen Momente aber unbedingt erforderlich. Es ist bei dem großen Gebiete der ineinandergreifenden bergbaulich sozialen Frage eine fachmännische Kenntnis nun nicht von dem Privatmann zu verlangen und deshalb sollen " Wic bringen diesen Artikel nur der darin enthaltenen technischen Mitteilungen wegen.

diese Zeilen versuchen, auch dem Laien ein möglichst flares| Bild dieser Bewegung, deren Ursachen und Wirkungen auf sozialem Gebiete zu geben, sodaß er an der Hand dieser Dar­stellungen sich selbst ein eigenes Bild geben und eine Kritik

bilden fann.

Alle nachstehenden Erwägungen, die sich speziell auf Arbeitnehmer beziehen, sind durch persönlichen Verkehr mit diesen gezeitigt und darum völlig aus dem Leben gegriffen und objektiv gehalten. Ich b. tone dies ausdrücklich.

Bei allen Streitigkeiten fällt eine merkwürdige Tatsache auf, daß bezüglich der Lohnfrage so gut wie nichts diskutiert wird. Man kann sich auch sofort bei Betrachtung der Statistik davon überzeugen, daß die gezahlten Löhne im Steinkohlenbergbau des Ruhrgebiets die denkbar höchsten sind.

*) Aufgestellt von Professor Heise- Berlin.

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Ein Häuer( Bergarbeiter, der die Kohle loshaut) fteht sich in 8 Stunden- Schicht auf täglich 8-9 Mt., im Durch schnitt auf 5-6 Mt. Bieht man die Kosten für Spreng­material c. ab, so ergibt sich der in der Tabelle angegebene Betrag. Ein Verdienst von 150-180 mt. ift dort an der Tagesordnung, es gehen die Verdienste aber noch höher, je nachdem das Gedinge, wie bei forciertem Betrieb, z. B. Auf­fahrung eines Wetterquerschlages, Verdämmung, Stapel­ausbau, Gegenortsbetrieb und erhöhte Produktion infolge guter Konjunktur. Es sei hier gleich der Meinung entgegen getreten, daß von Seiten der Werksbeamten Ueberstunden von den Bergleuten zu machen verlangt werden. Ein Steiger weiß sehr wohl, daß er sich hierbei straffällig machen würde; er fragt deshalb ausdrücklich von Fall zu Fall, ob der Be­treffende die Arbeit ausnahmsweise ausführen will. Wird dies verneint, so gibt es Arbeitswillige genug, die einen Nebenverdienst gerne mitnehmen und die verlangte Arbeit ausführen. ( Fortsetzung folgt.)

Lokales.

1. Februar 1905

** Die zweite Kammer wird am Dienstag den 7. Februar, zu ihrer 84. Sigung zusammentreten. Haupt­gegenstand der Beratung ist die Regierungsvorlage über den Hauptvoranschlag der Staats- Einnahmen und-Ausgaben für

1905.

K Der Erste Ausschuß der Kammer legt in dem Staats­voranschlage der Regierung nahe, eine Verstaatlichung der Mobiliarversicherung näher zu treten, weil sich die Feuerversicherungsgesellschaften weigern, besonders feuergefährliche Betriebe aufzunehmen.

K In dem Staats- Hauptvoranschlage sind 14 neue Lehrerstellen vorgesehen, 12 für Oberlehrer und 2 für seminaristisch gebildete Lehrer. Die neuen Stellen verteilen sich auf Friedberg, Gießen, Darmstadt, Mainz, Worms und Offenbach.

*** Wie uns die Staatsanwaltschaft mitteilt, trifft das umlaufende Gerücht von der in den nächsten Tagen zu er folgenden Ueberführung Huddes nach Köln nicht zu, doch würden dort Ermittelungen in Sachen des Prozesses Hudde gemacht. Hudde leugnet nach wie vor.

** Der Herbergsverband für das Großherzogtum Hessen und Hessen- Nassau, der 21 Herbergen zur Heimat umfaßt, hielt dieser Tage in Frankfurt eine Jahresversammlung ab.

P Wie uns mitgeteilt wird, unterbleibt in vielen Fällen die polizeilich vorgeschriebene Anmeldung der Kinder, welche in gewerblichen Betrieben, in Werkstätten, bet öffentlichen theatralischen Vorstellungen und öffent­lichen Schaustellungen beschäftigt werden. Zu solcher Anmeldung sind nicht allein die Arbeitgeber, welche fremde Kinder beschäftigen, verpflichtet, sondern auch die

Eltern, welche ihre Kinder beim Austragen von Waren, Milch, Zeitungen 2c. für dritte Personen helfen lassen.

Alle Arbeitgeber, welche beabsichtigen, fremde Kinder zu beschäftigen und alle Eltern, welche ihre Kinder beim Austragen von Milch, 3- itungen 2c. für Dritte verwenden, mögen die vorgeschriebene Anmeldung und Lösung einer Arbeitskarte nicht unterlassen, um sich vor Strafe zu schüßen. Gleichzeitig verweisen wir auf die amtliche Bekanntmachung des Großherzl. Polizet­amts und machen darauf aufmerksam, daß demnächst eine Revision stattfinden wird.

§ Marburg, 1. Februar. Der Achtuhr Laden­schluß, der hier zuerst auf soviel Widerstand stieß, dürfte bald für alle Branchen eingeführt werden, da einige Ge­schäftszweige, für die er verordnet worden ist, recht gute Erfahrungen mit ihm gemacht haben.

** Frankfurt, 31. Jan. Ter Mitteldeutsche- Vieh­händler- 2 erein hielt am Sonntag hier eine Versamm­lung betr. V teh markts- Bant ab, in der der Vorsitzende Gutenstein ein friedliches Zusammen­gehen mit der Bank als das einzige Richtige bezeichnete. Die Versammlung beschloß nach längerer Debatte, daß ein völliges Zusammengehen der Händler mit der Bank jedoch nur dann angängig set, wenn diese von dem An­und Verkauf von Vieh Abstand nehme. Der Aufsichts­rat der Bank soll sich bereits zu dieser Maßnahme ent­schlossen haben.

K Frankfurt a. M.. 31. Jan.( Seu- und Strohmarkt.) Man notierte: Heu 3,20-3,60 Mt., Stroh 1,90-2,20 Mt. Alles per 50 Kilo. Tendenz flau.

** Darmstadt, 31. Jan. Heute Nachmittag fand der feierliche Einzug des hohen Brautpaares in unsere Stadt, deren prächtiges und reiches Festgewand auch äußerlich die herzliche und freudige Anteilnahme ihrer Bevölkerung an dem bedeutungsvollen Abschnitt im Leben unseres hohen Landes­Herrn befundet, statt.

K Mainz, 31. Jan. In der heutigen Stadtverordneten­versammlung fam es bei dem Antrage, einen Kredit für das Hohzeitsgeschenk des Großherzogs zu bewilligen, zu einer leb­haften Auseinandersehung. Gefordert wurden 8930 Mart als Beitrag der Stadt Mainz zu dem von den theinhessischen Städten als Hochzeitsgeschenk gestifteten Bild der Braut des Großherzogs, das von Professor Kaulbach in München ge­malt worden und 15000 Mart foften soll. 2 Vertreter der sozialdemokratischen Partei, Seel und L.-A. Adelung sprachen sich gegen die Bewillung des Kredits aus. Wenn sie selbst wie die ganze hessische Arbeiterschaft, so führten sie aus, für die Person des Großherzogs volle Hochachtung hegten, so fönnten sie sich doch mit einem Geschent aus allgemeinen Mitteln nicht einverstanden erklärte. Man solle das Geld für gemeinnüßige- und Aimen- Zwecke verwenden. Mit großer Majorität beschloß die Versammlung, den geforderten Kredit zu bewilligen, worauf Ob ibürgermeister Dr. Gaßner und Stadtverordneter Ring zusammen 3000 Mt. aus Mitteln, die ihren für Wohltätigkeitszwede zur Verfügung gestellt worden sind, angewiesen, um sie am Vermählun stage des Großherzogs am 2. Februar, an die Armen der Stadt Mainz zu verteilen.

K Mainz, 31. Jan. Die Stadt wird demnächst eine Anleihe von 6 Millionen Mt. zu 3½½ Prozent aufnehmen.

Geschäftliches.

*** Das echte Köstritzer Schwarzbier ist seit dem 17. Jahrhundert als ein vorzügliches Stärkungesmittel für Blutarme und Geschwächte bekannt. Es wird gebraut nach einer uralten englischen Porter vorschrift. Es verdankt seine weite Verbreitung hauptsächlich seiner besonders zweck­mäßigen Busammens Bung bei mäßigem Alkoholgehalt enthält es sehr viel Walz und sog. Extraftstoffe, die den Stoffumfaß in hohem Grade fördern. In neuerer Zeit wird es auch vielfach in Lungen- Heilanstalten angewandt, wo man die Schädlichkeit der früher beliebten Verabreichung großer Mengen von schweren Weinen und Spirituosen er­fannt hat und das echte köftrißer Schwarzbier als einen sehr zweckmäßigen Ersatz derselben verwertet. Unter Verabreichung vom echtem Köstrißer Schwarzbier sind hohe Gewichtszunahmen bei Schwindsüchtigen, wie bei anderen schwächenden Krankheiten erzielt worden. Der Verwendung von echtem Köftrißer Schwarzbier bei Kranken ist auch deshalb ein hoher Wert berzulegen, weil daselbe wegen seines angenehmen Geschmacks selbst von empfindlichen Kranten gern genommen wird. Man wolle das Köstrißer Schwarzbier nicht verwechseln mit andern Nachahmungen, sondern verlange stets das echte Köstrizer Schwarz­

bier.

Giegener landwirtschaftlicher Wetterdienst

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnertag, den 2. Februar. Rheinhessen und Starkenburg zeitweise heiter ohne Niederschläge, Oberhessen meist trüb, noch ge­ringe Niederschläge. Allenthalben etwas tälter.

( Näheres durch die Gießener Wetterkarte.) Verantwortlich: für die Politik und den Inseratentell: Albin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beide zu Gießen.

Gegründet 1883.

Jean Dern& Co. Gießen

Telephon Nr. 21 Inh: Oscar Gutmann Weftanlage 31. Ton- und Mosaik- Fußbodenplatten, glaßterte Wandplatten. Alleinverkauf der echten Mettlacher Platten. Besichtig. uns. Ausstellungsräume u. Musterküche gern gestattet. Größt. Lager am Platze in Baumaterialien f. Hoch- u. Tiefbau.