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wiederkehrt!" bemerkte ich mit schlauem Dickson starrte mich an." Ihr meint, er könnte weg­bleiben? Für immer?"

" Je nun, wenn er gar so schlau ist, wie Ihr sagt, dann wird er auch schon etwas gehört oder bemerkt haben, was ihm als Warnung dienen konnte, und vielleicht hat er genug."

Dickson schlug mit der Faust auf den Tisch, daß es dröhnte. Er sprang auf. Kommt mit!" rief er. ,, Wohin?"

" Zu den anderen. Wir müssen Beratung pflegen. Ihr seid unser Mann."

Eilig verließen wir die Konzerthalle. In einer elenden Spelunke trafen wir die anderen.

Meine eben ausgesprochene Vermutung, daß Fielding vielleicht gar nicht mehr wiederkehren werde, traf alle wie ein Donnerschlag.

Eine schwüle Stimmung griff Plaß. Fielding fort, weil er genug" hatte der Gedanke war allen unerträglich! Denn was heißt in der Diggersprache genug"? Zentner Goldes wiegen dieses eine Wort nicht auf.

Man fragte einander, nach welcher Richtung er sich ge­wendet. Niemand wußte es. Man schien geneigt, ihm nach zueilen und den vermeintlichen Schatz ihm abzujagen.

,, Er kann ihn nur wo in der Nähe vergraben haben," meinte Burlington, und jetzt eben setzt er vielleicht den Spaten an, um ihn ganz und gar für immer aus unserem Bereich zu bringen."

Indem wurde die Tür aufgerissen. Ein bleicher, ab­gehetzter Mensch stürzte herein.

" Ich habe ihn!" schrie er uns an.

" Was, den Schatz?" rief es aus vielen Kehlen zugleich. " Nein, aber die Fährte des Schaßräubers!" tönte es triumphierend zurück." Folgt mir schnell, und wir körnen ihn noch überholen. Er war eben noch einmal heimlich ins Lager zurückgekehrt. Ich belauschte ihn und folgte dann eine Strecke Wegs auf seiner Fährte. Ich sage Euch, er stahl sich fort, wie einer, der nicht gesehen sein will. Er ist zu stark für mich, und so jagte ich zurück, um Hilfe zu holen." Das war der Funken ins Pulverfaß. Wir stürmten fort, hinaus in die Nacht, wie eine wilde Meute auf der Fährte des Wildes.

Der Mond war eben über die Berge gestiegen, und diesen strebte unser Führer zu.

Wir folgten in großer Erregung. Die Messer wurden fester angefaßt, die Revolver hastig geprüft. War Fielding im Besize des Schatzes, dann würde er ihn mit seinem Leben verteidigen. Das stand bei allen unzweifelhaft fest.

Je weiter wir kamen, desto vorsichtiger mußten wir uns bewegen. Die Berge schlugen ihren schwarzen Schatten mantel um uns her. In einer ihrer tiefen Spalten mußte der Verfolgte sich verbergen. Wir fanden Spuren, denen folgten wir.

Endlich fanden wir Fielding selbst. Er wanderte vor uns her, rüſtig und schnell wie einer, der noch einen weiten Weg zu machen hat. Nun konnte er uns nicht mehr ent­gehen!

Es war eine ermüdende Wanderung, voller Beschwer= nisse. Endlich stieg Fielding in einen versteckten Talkessel hinab, aus dem es keinen Ausweg mehr gab. Wir waren am Ziel. Wir erreichten ungefährdet den Grund der Schlucht und ſpähten hinab. Die Nacht schien mit Fielding hinunter gestiegen. Um die Gipfel dämmerte der Tag- vielleicht sein letter.

Die Talwand war mit Buschwerk bedeckt. Das erleichterte uns den Abstieg.

Fielding spähte umher. Dann, als alles still blieb, näherte er sich einer Stelle, an welcher ein kleiner Hügel aus der Erde hervorwuchs. Da ließ er sich auf die Knie nieder. Das war der geeignete Augenblick.

Im nu war er umringt. Blißartig zuckten die Messer um ihn her. Schaßräuber! Heraus das Geld, das du hier verborgen hältst!" schrieen alle ihn an.

Ich hielt mich etwas zurück, um zu sehen, was daraus

werden würde.

Fielding sprang auf seine Füße. Er war unbewaffnet. Leichenblässe bedeckte sein Gesicht. Er starrte uns an wie jemand, der an das, was er hier sieht, nicht zu glauben ver­Ihr hier?!" stieß er dann kenchend hervor.

mag.

( Schluß folgt.)

EINST UND JETZT

Der hohle Schlüffel.

Der französische Dichter Demoustier hatte ein neues Drama voll­endet und wohnte der ersten Aufführung desselben in einer Loge bei, die er mit einem jungen Unbekannten teilte. Das Stück geht in Szene, fällt aber von Akt zu Aft mehr ab, und am Schluß ertönt statt des dröhnenden Applauses hier und da ein abfälliges Zischen. Der Nachbar Demoustiers in der Loge ist über das Stück selbst wie über dessen miserable Aufführung entrüstet und ruft aus: Abscheulich! Elend! Jämmerlich! hätt' ich einen hohlen Schlüssel, wie wollt' ich pfeifen!" Da greift Demoustier in die Tasche und gibt lächelnd dem andern einen Schlüssel: Hier, mein Freund, ist ein hohler Schlüssel. Nun pfeifen Sie nach Herzens­lust!" Der pfeift denn auch gehörig. Da tritt in der Loge ein ein dritter, der auf den Dichter zugeht und bedauernd sagt: ,, Mein lieber Demoustier, ich bin entrüstet über die entsetzliche Aufführung Ihres herrlichen Werkes" da wird es dem Pfeifer klar, von wem er den hohlen Schlüssel empfing, und er bittet flehendlich um Entschuldigung. Demoustier klopft ihm liebenswürdig auf die Schulter: Lassen Sie gut sein, mein Lieber, ich freue mich, in Ihnen einen so vorzüglichen Kunstverständigen kennen gelernt zu haben. Damit Sie sehen, daß ich Ihnen nicht zürne, bitte ich Sie, morgen bei mir zu speisen." Der junge Mann erscheint pünktlich und ist entzückt von der Liebenswürdigkeit ſeines Wirts. Nach Schluß des Mahls geht der Gast auf Demoustier zu und sagt ihm, indem er ein dickleibiges Manuskript hervor­holt, er sei auch dramatischer Dichter und bittet nun, Demoustier möchte doch die Güte haben, sein neuestes Opus einmal zu lesen. Dieser wirst sich in einen Sessel und liest mit bewundernswürdiger Ruhe sämtliche fünf Akte durch. Der Verfasser beobachtet mit höchster Spannung Demoustiers Züge- endlich ist er fertig! Dem Jüngling klopft das Herz hörbar, Demoustier aber spricht mit würdiger Ruhe: Können Sie mir nicht einen hohlen Schlüssel leihen?"

Bunte Blätter.

Ein gutes Wort Moltkes wurde bei Gelegenheit der Ver­mählung des berühmten Malers Franz von Lenbach mit der jungen Gräfin Moltke, einer Verwandten des Feldmarschalls, von diesem gesprochen. Die junge Frau war ein viertel Jahrhundert jünger als ihr Mann, und die Tatsache wurde bei der Hochzeits­tafel von einem der Gäste mit jenem wohlwollenden Bedauern vorgebracht, welches nun einmal die Eigenschaft mancher getreuen Nachbarn und desgleichen ist. Der große Sd lachtendenter er­widerte auf diesen Einwand nur lächelnd: Ein großer Künstler hat für eine junge Frau nie mehr als dreißig Jahre."

Blasiert. Ein bekannter Romanschriftsteller hatte das Mal­heur, das sein neuestes Theaterstück, wie mehrere seiner Vorgänger ( man kann ein vorzüglicher Erzähler und ein schlechter Dramatiker ſein) in Berlin und nicht sagen wir, nicht verstanden wurde. Da äußerte der gefeierte, sich oft ein wenig blasiert gebärdende Romancier, als er die Zeichen des Nichtverständnisses seines Fünfakters sehr deutlich um sich hörte, die gedenkwürdigen Worte: Berlin hat mich so oft gelangweilt, daß ich mich jetzt revanchiere.

Malitiös. Ein Adjutant Napoleons I. hatte die Manie, Verse zu machen und sie seinen Freunden vorzulesen. Eines Tages las er Herrn von Talleyrand ein neues Gedicht vor: sie standen im Tuileriengarten auf der Terrasse, in einiger Entfernung saß ein Mann auf einer steinernen Bank, der zufällig gähnte.- Siehst du," sagte Talleyrand zu dem Dichterling und zeigte auf Den Gähnenden, ich habe dir's immer gesagt, du- läſeſt zu laut!"

Diplomatic. Der englische Miniſter Robert Walpole hatte eine eigene Methode, seine Meinungen in der Kammer zur Gel­tung zu bringen. Er lud nämlich in einem solchen Falle die Mitglieder, deren Stimmen unsicher waren, zur Tafel, wo es nicht nur treffliche Gerichte, sondern auch gute Weine gab. Auf die Frage eines Freundes, weshalb er die Kehlen der Gäste so stark nezze, antwortete der schlaue Minister: Ich ahme darin dem Korbmacher nach, der seine Weiden, um sie geschmeidig zu machen, auch stets gründlich anfeuchtet."

Nr. 92.

Dienstag, den 26. April.

1904.

Oberbessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

Sand and Bering ber Stapones Berlagskundevei, vorm. BUH. Rellerfes Duruderet( gogz. 1788); suzante

1. Fortsetzung.

Iwan der Schreckliche.

Original- Roman von Hans Hoffmann.

Da hast aber gar keinen Schauder vor ihm zu haben, Mutter; ich habe dir zehmal gesagt, er ist ein ganz guter, stiller, bescheidener und sogar schüchterner Mensch

Aber er sieht doch aus wie in Menschenfresser! Das kannst du nicht leugnen, Lenchen; denke doch, wenn er seine Augen macht! Auf dem Gewissen muß er jedenfalls etwas haben, dabei bleibe ich!"

Tu mir den einzigen Gefallen, Mutter, solchen Unsinn nicht zu glauben. Stelle dir nur immer vor, wie höflich er zu dir ist und wie er den Kindern im Keller nebenan immer Bonbons mitbringt und ihnen dann Augen macht, selbst die reinen Bonbons, und wie er freundlich mit seinem Hündchen umgeht

" Ja, das weiß Gott, das greuliche Tier verwöhnt er ſchon mehr, als erlaubt iſt. Das mußt du ſelbſt ſagen, Lenchen, so darf man eigentlich ein Vieh nicht behandeln, reinweg wie ein Kind! Ich habe sogar gesehen, daß der Köter ein ganze Weile auf des Herrn Doktors Bauch ge­legen hat, als beide ihren Mittagsschlaf hielten. Das ist doch nicht recht! Das nenne ich Verhätscheln! So etwas habe ich doch dir nicht einmal gestattet, und du warſt immer mein Kind und nicht mein Hund."

Das ist nun einmal eine Eigenheit von ihm- Molly! Komm doch' mal heraus, Mollychen!" rief Helene. Doch der sanfte Lockruf verhallte erfolglos.

Siehst du, Lenchen," sagte die Rechnungsrätin, das Sofakissen geradeſtellend, parieren tut er auch nicht, ganz und gar nicht. Aber auch seinem eigenen Herrn pariert er nicht. Und das muß ich sagen, das ist mir wirklich merk­würdig. Denn man sollte meinen, dieſem Mann müßte jeder Mensch gleich aufs Wort gehorchen; ja, wahrhaftig, wenn er mir etwas befehlen wollte, ich flöge nur so, solche Furcht hätt ich vor seinen Augen und so ein Vieh nimmt sich's heraus und iſt obſtinat. Siehſt du, das begreife ich einfach nicht!

" Ich begreife das sehr leicht: ich sage dir ja, weil er viel zu gut ist. Ihm braucht niemand zu gehorchen, wer's nicht freiwillig tut, zwingen wird er niemand mit Gewalt. Darum iſt ihm der Hund über."

Renchen, Lenchen, du hörst wieder das Gras wachsen und willst flüger ſein als deine alte Mutter und die anderen Leute, die alle vor dem Herrn Doktor Respekt und die rich­tigste Angst haben! Ich will dir aber sagen, woran das liegt, das mit dem Hund: weil er Molly heißt! Daran liegt's. So ein scheußliches Vieh Molly zu nennen! Jeder Chriſten­mensch möcht' es lieber Satan nennen oder Nathan oder so was Ekliges, bloß nicht Molly; Molliges ist an dem doch ganz und gar nicht!"

Als ob er gesonnen wäre, dieses herbe Urteil der Frau Rechnungsrätin durch seine Erscheinung entweder zu be­ſtätigen oder zu widerhegen, kam der Hund Molly plößlich unter dem Sofa hervorgekrochen, reckte kräftig seine vier Beine, gähnte und wandelte dann mit gemütlichem Wedeln auf die alte Dame zu.

Sie wich erschrocken einen Schritt zurück. Und das Tier fonnte wirklich trok seiner Winziakeit selbst einen beherzten

( Nachdruck verboten.)

Menschen erschrecken, eine so ungeheuere Böswilligkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Der vorstehende Unterkiefer mit den ewig gefletschten Zähnen schien beständig von frischem Blut zu triefen, und die umbuschten Augen funkelten wie von unſtillbarer Mordbegier. Diesen unsympathischen Ausdruck behielt das kleine Ungeheuer selbst dann, wenn es sich unter den steichelnden Händen seines Herrn im zärtlichsten Wohl­behagen frümmte.

" Lenchen," flüsterte die Frau Rechnungsrätin wie immer ängstlich und geheimnisvoll, Lenchen, Lenchen!"

Was iſt, Mutter, um Gottes willen, was ist dir?" Sieh doch bloß das Tier findest du nicht auch?" ,, Was denn, Mutterchen?"

" Ganz wahrhaftig aber! Nein, zu auffallend!" Was hast du denn bloß? Man könnte sich ja ordentlich ängstigen, so aufgeregt bist du!"

Nein, aber auch so was! Wie aus dem Gesicht geschnitten!"

Wem denn? Wer denn? Der Hund doch nicht?" Nu natürlich, der Hund! Und wem denn anders!" " Ja, aber wem denn?"

Siehst du, ich habe das so oft im Leben gefunden: Ehe­Leute, die sich gut sind, werden zuletzt untereinander so ähnlich wie Geschwister, und ganz dasselbe findet man oft bei einem Hund und seinem Herrn ich weiß bloß nicht, wer dabei zuerst ähnlich ist. Sieh ihn dir jetzt bloß wieder an, gerade in diesem Augenblick, nicht wahr? Der Herr Doktor, wie er leibt und lebt, oder doch wie sein Bruder!"

,, Aber Mutter!"

Es klang durch diesen Ausruf eine tiefe ſittliche Ent­rüstung.

Ich werde es dem Herrn Doktor ja auch nicht gerade sagen," begütigte die Mutter, aber unter uns, was wahr iſt, muß wahr bleiben. Uebrigens, sieh doch schnell einmal aus dem Fenster, ob der Herr Doktor auch nicht schon kommt. Wahrhaftig, es ist zwölf Uhr und dich darf er doch auf keinen Fall hier finden."

,, Warum nicht mich so gut wie dich?" fragte Helene kühl. " In seinem Zimmer! Lenchen, bedenke doch!" " Ich?"

" Du bist zwanzig Jahre alt der Herr Doktor könnte doch denken

,, Was soll er denken?"

Du interessierst dich mehr für ihn, als ich meine ja nur beispielsweise.

Mutter," sagte Helene mit großer Ruhe und Sanftmut, ,, du weißt, darüber bin ich hinaus. Das kann mir nichts mehr anhaben.

,, Ach, Kind

Es bleibt unwiderruflich. Ich sage mit Thekla: ,, Du, Heilige, rufe dein Kind zurück; Ich habe genossen das irdische Glück, Ich habe gelebt und geliebet!"

Ach, unglückseliges Kind!" seufzte die Mutter; doch ein Blick auf das lebensfrische und von gleichmütiger Heiterfeit

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