Ausgabe 
26.3.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 73.

Zweites Blatt.

bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ha Saus gebracht 60 fg., durch die Poft bezogen viertel­fährlich Mt. 1.50.

Brattebetlagen: Oberbeffifche Familienzeitung( täglich) und die Giekewer Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt arfcheint an allen Werktagen nachmittags.

Samstag, den 26. März 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Jnsertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Do hefsen, die Kreise Weklar und Marburg 10 Pfg. fanft 15 Reklamen die Betitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Bostzeitungslifte No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 68 Sernsprechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Unabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Die Lehre des Kolonialaufftandes. CB. Wie wir bereits vor kurzem auf Grund einer Rück­sprache mit einem höheren Beamten mitteilen konnten, ist die Unzufriedenheit im Hererogebiet zum Teil durch das un­gesunde Kreditsystem entstanden. Die Farbigen haben in den Berkaufsläden der größeren Plätze vorzugsweise die äußeren Zeichen der Zivilisation erworben: Kleider, Strümpfe, Hüte, Schuhe und Wäsche, außerdem noch Sattelzeug und euro­päische Gebrauchsgegenstände. Alles wurde ihnen auf Kredit gegeben, und wenn sie auch mit der reichlichen Inanspruch­nahme von Kredit bereits unliebsame Erfahrungen gemacht haben, so waren sie doch immer wieder leichtsinnig genug, sich in neue Schulden zu stürzen. Die weißen Händler, die, wie ausdrücklich hervorgehoben sei, zum geringsten Teil aus Deut­schen bestehen, haben bei ihren Geldeintreibungen nachweislich bielfach ihre engeren Beziehungen zu dem Gouvernement und zu den sonstigen Verwaltungsstellen mißbraucht, die gepfän= deten Viehstücke falsch eingeschätzt und die Eingeborenen mit Strafen bedroht. Das alles wird von seiten der Verwaltung böllig zugestanden.

Nun wird vielfach in der Presse, da ja, wenn keine Person hierzu gefunden wird, ein Sündenbock geschaffen werden muß, dem Verwaltungssystem die Schuld gegeben. Insbesondere wird geltend gemacht, daß es ein Fehler sei, Militärgouver= neure zu ernennen. Man solle lieber Zivilpersonen mit dieser souveränen Machtvollkommenheit, wie sie die Gouverneure besigen, ausstatten, oder wenn man sich hierzu nicht entschließen könne, Zivil- und Militärverwaltung von einander trennen. Das letztgenannte System ist indessen schon seit Jahrtausenden als verfehlt erkannt. Im Homer wenigstens fann man lesen: Einer soll Herrscher sein, einer sei König." Eine Zwei­teilung der Regierungsgewalt wäre geradezu ein Ruin unserer Kolonialpolitik. Nicht in dem System liegt es, sondern in der Personalfrage. Nach den Kolonien dürfen weder einseitige Kriegernaturen, noch einseitige Bureaukraten geschickt werden. Hier sollte lediglich das Prinzip gelten, das Gute zu nehmen, wo man es findet. Beispielsweise hat man mit einem deut­schen Arzt, der seinerzeit die mehrfachen Erpeditionen des Grafen Gößen mitgemacht hat, die allerbesten Erfahrungen gemacht. Dr. Kersten, so heißt er, war weder verwaltungs­technisch, noch militärisch vorgebildet, und es bestand daher wenig Sympathie dafür, ihm ein Gebiet in der ungefähren Größe des Großherzogtums Baden zu unterstellen. Aber er wurde, da er unter anderen Bedingungen nicht im Kolonial­Dienst bleiben wollte, schließlich doch selbständiger Bezirks­amtmann und hat in seinem Gebiet Tüchtiges geleistet, weil er ettvas mitbrachte, was mancher andere nicht besitzt und was wir den Kolonailinstinkt nennen möchten. Seine ganze Ver­haltungspraris gründete sich auf drei Prinzipien: 1. Mög­Lichste Rechtsprechung nach den Rechtsanschauungen der Ein­geborenen, eventl. unter Anerkennnung ihrer härteren Strafen. 2. Schonung der Häuptlingsautorität und 3. mög­lichste Heranziehung zu Kulturarbeiten, aber in schonendster Form.

Notwendig ist aber auch, daß unsere ganze Kolonialpolitik nicht von unserer einheimischen Bevölkerung unter dem Phi­fisterstandpunkt betrachtet wird und daß vielleicht die geeig­netsten Kräfte durch das Geschrei der Kolonialgegner einem Berte verloren gehen, das wie kein anderes eine volle Persön­lichfeit und eine gewisse natürliche Poranlagung zur raschen Beurteilung und Berücksichtigung des Volkscharakters und der Boltssitten erfordert. Wir haben nun seit einigen Jahren eine Kolonialpraxis und es findet sich reichlich Gelegenheit, die nach Afrika entsandten Beamten in ihrer Wirksamkeit ge­mau zu beobachten. Wer nicht im fleinen Kreis und in unter­geordneter Stellung die ebenerwähnten Fähigkeiten offenbart hat, sollte auch nicht mit höheren Aufgaben betraut werden.

Die Lütticher Bombenattentate. Lüttich, 24. März. Die Verhaftung der Urheber des furchtbaren Anschlags, bei dem der Artilleriekommandant Papyn und der Feldmesser Dupont schwer verwundet wurden, hat die Bürgerschaft von einem schweren Druck befreit. Liefen doch infolge eines anonymen Drohbriefes an den Chef der Sicherheitspolizei, aurent, gegen den das erste Attentat eigentlich gerichtet ar, bedrohliche Gerüchte in der Stadt herum über ne weitverzweigte Dynamitverschwörung. Man munkelte, daß neue Verbrechen täglich zu erwarten seien. Die Bolizeibehörde ist jetzt imstande, die ängstlichen Gemüter pollfommen zu beruhigen. Mit der Verhaftung der beiden Franzosen Lambin und Gudefin ist, vor­äufig wenigstens, dem ruchlosen anarchistischen Treiben in Ende bereitet. Der Polizeichef Laurent hatte in Er­ahrung gebracht, daß die beiden französischen Anarchiſten bei inem Bergmann und Gastwirt in Jemappes abgestiegen Daren. Er begab sich mit seinen Leuten dorthin, und wäh­end er den Bergmann verhörte, durchstöberten die Polizisten Die Zimmer, fanden anarchistische Bücher und Zeitungen und in eft mit chemischen Formeln, die bei der Herstellung der Bomben benutzt worden waren. Der Bergmann wurde sofort erhaftet und nach Lüttich gebracht. Hier erzählte er, daß eine beiden französischen Gäste Chemikalien gekauft und ins paus gebracht hätten; in seinem Keller hätten sie dann die

Bomben hergestellt und um 10 Uhr an jenem Abend Je­nappes mit den Mordapparaten verlassen. Nach diesem Ge­ständnis verhörte Laurent auch die Franzosen, die bald nicht nur den ersten Anschlag eingestanden, sondern auch zu­gaben, die zweite Bombe angefertigt zu haben. Die Zer­störung dieser in dem Vorort St. Nicolas an dem Hause des Poli­zeikommissars Binet gelegten Bombe bewies die Gefährlichkeit auch dieses Mordwerkzeugs. Man machte den Sprengkörper dadurch unschädlich, daß man ihn auf dem nächsten geeigneten Gelände durch Schüsse zur Entzündung brachte. Die zwei ersten Schüsse blieben ohne Erfolg, beim dritten aber erfolgte eine heftige Erplosion. Ein umgekehrter Feuerkegel schoß bier bis fünf Meter hoch empor, von dichtem Rauch begleitet. Der Wind trieb die Funken fünfzig Meter weit. Eine Anzahl Fensterscheiben gingen entzwei. Die Ueberbleibsel der Bombe wurden zur Untersuchung sorgfältig in Verwahr genommen. Lambin war auch bei dem bekannten anarchistischen Anschlag auf die Kirche in Belleville beteiligt. Auf diese Tatsache wurde man dadurch hingelenkt, daß in seinem Koffer sich Zeitungen fanden, die diesen Anschlag ausführlich schilderten. Der Zustand des durch die erste Bombe verwundeten Majors Papyn hat sich übrigens verschlechtert. Sein Magen will feine Nahrung aufnehmen nnd man zweifelt daran, ob man ihn wird am Leben erhalten können.

Hus dem Gerichtssaal.

§ Der Bileker Unglücksmarsch. Im Bileker Prozeß wegen der auf einem österreichischen Manövermarsch vorgekommenen zahlreichen Unglücksfälle wurde das Urteil verkündet. Oberst b. Grünzweig wurde zu fünf, Oberst v. Török zu zwei Mo­naten strengen Arrests verurteilt wegen Außerachtlassung der Dienſtvorschriften, begangen durch Hintansetzung der den Vor­gesezten obliegenden Sorge für die Erhaltung und Schonung der untergebenen Mannschaft. Gegen Major Jaschi wurde das Vrfahren eingestellt. Er soll im Disziplinarwege be­straft werden. Die übrigen Angeklagten wurden frei­gesprochen.

Vermischtes.

+[ Ein Bureaukratenstückchen.] Im vorigen Sommer wurde von Fischern von Bießfe- Strand ein in der Ostsee als herrenloses Gut treibendes Faß geborgen, das 500 Liter rus­sischen Spiritus enthielt. Von dem Funde wurde der Zoll­behörde Mitteilung gemacht. Diese sette den von dem aus­ländischen Spiritus zu zahlenden Zoll in Höhe von 800 m. ( 1,60 m. pro Liter) fest. So viel war aber der ganze Spiri­tus nicht wert, und es fand sich selbstverständlich auch kein Käufer, der den Zoll hätte zahlen wollen. Nunmehr verhan­delten die Fischer mit der Zollbehörde und erklärten sich schließ­lich zur Zahlung von 500 M. bereit, unter welcher Bedingung sie einen Käufer gefunden hatten. Ueber ein halbes Jahr zogen sich die Verhandlungen hin. Aber die Zollbehörde stellte sich auf den Standpunkt alles oder nichts". Dieser Tage wurde die Vernichtung des Steuerobjekts verfügt. In Ge­genwart von Steuerbeamten ließ man den Spiritus... in den Sand laufen.

Ein gefährlicher Giftmischer. In Lemberg wurde der Hörer der Medizin Sochacki unter dem dringenden Verdacht verhaftet, daß er gegen den griechisch- katholischen Kanonikus Pafisz ein Vergiftungsattentat unternommen habe, indem er Arsenik in alle möglichen Gefäße und in die für den Prälaten bestimmten Speisen mischte.

Was den Studenten zu dem Verbrechen veranlaßte, ist bisher nicht mit Sicherheit festgestellt. Er selbst gibt an, er habe scherzweise verschiedene Experimente mit dem Gifte vorge­nommen. Man hat hier aller Wahrscheinlichkeit nach einen Wahnsinnigen sehr gefährlicher Natur vor sich. Sochacki, der Sohn eines ruthenischen Landpfarrers, hate schon am Gym­nasium eine krankhafte Neigung für den Besitz von Chemi­falien und Giften, welche er mittels Nachschlüsseln aus den Physikalienkabinetten der Schule stahl. Während seiner medi­zinischen Studien setzte er dies auffallende Treiben fort, in­dem er sich auf Grund ärztlicher Rezepte gefährliche Sub­stanzen in Apotheken verschaffte.

Verhaftung eines Gettenmörders. Die Wiener Wäscherin Leifacher erstattete die polizeiliche Anzeige, daß sie von dem Färbergehilfen Jakob Schwabig, mit dem sie in gemeinsamem Haushalt lebt, seit längerer Zeit schlecht behandelt und sogar am Leben bedroht wird. Die Drohungen versetzten sie in umso größere Angst, da Schwabig vor vier Jahren seine Frau aus Eifersucht durch einen Revolverschuß getötet habe. Schwabig gibt jetzt zu, daß er 1900 in Pecs seine Frau erschossen habe und sich deshalb sechs Monate in Untersuchungshaft befand, bei der Schlußverhandlung jedoch freigesprochen wurde. Er wurde verhaftet.

A Ungetreue Beamte. Auf Veranlassung des belgischen Konsuls verhaftete die Sofioter Polizei zwei junge Belgier, Jansen und Eruplent, die beide von der Brüsseler Polizei berfolgt werden wegen Diebstahls von 130 000 Francs, ver­übt am 14. Februar an der Societe anonyme coloniale in­dustrielle. Bei den Verhafteten, die Beamten der Societe waren, fand man 106 843 Francs vor. Beide sind ge­ständig. Der Vater Jansens war 1880 Gouverneur des Ronaoftaates und sväter divlomatischer Aaent in Sofia.

[ Fang von Unterseebooten in Metallneßen.] Der Ver­gleich der Unterseeboote mit Delphinen, die bald über die Wellen schnellen, bald unter Wasser verschwinden, aber stets den Dampfer begleiten, legte dem englischen Admiral Wilson bei den letzten Manövern bei Portsmouth den Versuch nahe, die Unterseeboote wie Fische mit einem Netz zu fangen. In der Tat führte er das Experiment auch erfolgreich aus. Nach dem gelegentlichen Auftauchen von Unterseebooten wurden plößlich kleine Dampfpinassen von einigen Panzern herab­gelassen, die bei der Distanz von 10 bis 12 Kilometern ab­seits der feindlichen Flotte unmöglich zum Zielpunkt ge­nommen werden konnten. Sie beobachteten bei ihrer über­Iegenen und schnellen Manövrierfähigkeit die Zickzackwege der Unterseeboote und warfen, miteinander in Verbindung stehend, im gegebenen Momente ein 30 bis 40 Meter langes und etwa bis zur Tiefe von 6 Meter gelangendes Metall­netz aus, das sie ganz nach Fischerart hinter sich herzogen. Stoß und Druck machten bald den Fang eines Bootes bemerk­bar, worauf sie sich sofort näherten und die Umstrickung der Beute beschleunigten.

[ Das Ende des Schiffszwiebacks in der englischen Ma­rine.] Die englische Admiralität hat sich endlich dazu auf­gerafft, den Schiffszwieback durch frischgebackenes Brot zu er­setzen. Bisher war trotz aller Klagen von Offizieren wie Mannschaften das Brotbacken an Bord abgelehnt, weil. man das zu Nelsons Zeiten auch nicht gekannt habe und die Besatzung, falls feindliche Geschosse u. s. w. den Backofen außer Tätigkeit setzten, brotlos sein würde, man also gezwungen wäre, neben dem Mehl doch noch Vorräte von Zwieback für solche Fälle mitzuführen. Jetzt hat man endlich das Unsinnige dieser Behauptung eingesehen und, allerdings vorläufig nur bersuchsweise, auf dem Schlachtschiffe Edward VII." und dem Panzerfreuzer Suffolk" Backöfen u. s. w. aufstellen lassen. Ist das Resultat befriedigend, so werden auch die übrigen Schiffe der englischen Flotte allmählich mit Backöfen versehen werden.

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* Unsere Konfirmanden. Jährlich um die Osterzeit erscheint ein Tag als einer der bedeutungsvollsten im Seelenleben, der Tag der Konfirmation. Der allgemeinen Annahme zu­folge bedeutet diese kirchliche Feier zugleich den Abschluß der Kinderzeit, den Eintritt in Kampf und Genuß des Lebens. Zu früh tritt darum ein Kind an den Altar, wenn es noch kein Verständnis für die Pflichten und Anforderungen des Lebens hat; zu spät das Mädchen und der Jüngling, die schon völlig befangen sind in den Interessen der Erwach­senen, deren Gedanken und Gefühle teilen, im Weltgetriebe - so zu sagen bereits festen Fuß gefaßt haben.

Wer die Reihen der jungen Konfirmanden aufmerksamen Blickes prüft, der wird an hundert kleinen Merkmalen er­kennen, wie verschieden die Feier auf jedes einzelne von ihnen wirkt, und leicht wird er das zu früh" und zu spät" bemerken. Der Religionsunterricht und für die meisten Konfirmanden auch der Schulunterricht schließt ab mit diesem Tage. Was sie also heute in Kopf und Herzen tragen, das ist die Ernte von acht oder zehn mühevollen Jahren, das ist der Schatz der beste!- den treue Eltern und Lehrer ihnen mitzugeben vermochten, hinaus ins Leben.

Wie aber ist es mit diesem Schaße bestellt? Altmeister Goethe spricht sich darüber gar treffend aus: Der Glaube ist ein heiliges Gefäß, in welches jeder sein Gefühl, seinen Ver­stand, seine Einbildungskraft, so gut er es eben vermag, zu opfern bereit ist. Auf das Opfer kommt es dabei an, nicht auf die Form des Gefäßes. Mit dem Wissen verhält es sich gerade umgekehrt: Es kommt gar nicht darauf an, daß man wisse, sondern was man wisse: Wie gut, wie genau, wie viel von jedem. Ueber das Wissen läßt sich streiten, weil es sich berichtigen und erweitern läßt. Es kann nie so zusam­mengefaßt, so fest begrenzt werden, wie das Glauben, über welches aus diesem Grunde kein Streiten denkbar ist."

Und nun blickt hinab und prüft den weiten Halbkreis blühender Jugendgestalten. Auf welcher dieser Stirnen thront er, jener mächtige, einzige, allumfassende Glauben, über den sich ,, nicht streiten" läßt? Jener beglückende Glauben. der unsers Lebens Schild und Schwert, gleichzeitig aber auch der Balsam für jede Wunde werden soll? D, wohl ihnen, wenn sie alle diesen herrlichsten Schatz gerettet haben aus stiller, friedlicher Kinderzeit, um ihn nun siegreich hinüber­zutragen nach dem unbekannten Gestade, dem ihr Lebens­schifflein heute entgegeneilt!

Und das Wissen?

--Mit unfehlbarer Sicherheit wird der Menschenkenner unter den Knaben und Mädchen diejenigen herausfinden, welche mit einem Freudensprung das letzte Schulbuch zugeklappt haben, um niemals wieder in ein solches hineinzusehen. Genau wird er sie unterscheiden von jenen andern, klug aber finnend vor sich niederblickenden Gestalten, die vom Zaubertranfe des Wissens nur eben ge­nug gekostet haben, um ihm den vollen Geschmack abzuge­winnen. Ob auch für gar manche dieser Jünglinge die prak tische Lehrzeit schon an der Türe wartet, ob gar manches dieser Mädchen schon jetzt seinen festen Platz daheim, als treue Stüße der Mutter, dennoch werden sie unter allen Um ständen, selbst neben angestrengter Arbeit, immer wieder ein Stündchen zu erübrigen wissen für die geliebten Bücher. Sie gehören zur Zahl derjenigen, die nicht aufhören zu ,, lernen", so lange sie leben". Vater und Mutter aber wer­den ihrem Streben nicht hinderlich sein, das haben sie auch schon bewiesen während der ganzen Schulzeit der Kleinen.