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UNITE

RINGEN

Anlaß bei ihm gewesen war, gar nichts davon verlauten ließ, ob er von den Wölfen noch etwas bemerkt, aber fragen wollte er nicht.

Es war in der neunten Nacht gegen Morgen. Der Alte kämpfte schon mit dem Schlaf, der ihn zu übermannen drohte, und wartete auf Eva, die im Einspänner ihn abends zur Lauerhütte brachte und morgens abholte, damit ja keine Menschenspur in der Nähe der Hütte das seltene Wild ver­scheuche. Plötzlich fällt garnicht weit davon ein Schuß und unmittelbar danach ein zweiter. Mit einem Ruck ist der Alte auf den Beinen. Das ist ja unerhört. Mitten im Revier ein Wilddieb! Hastig dreht er die Laterne aus und stürmt davon in die mondhelle Nacht.

Einige Minuten später springt Neubacher in die Hütte, ſteckt die Laterne an und streckt sich behaglich schmunzelnd auf der Pelzdecke aus. Und dann lauscht er mit an­gestrengten Sinnen. Knarrt nicht schon der Wagen? Nichtig, der alte Braune, der schon hundertmal den Weg gemacht, schnauft und prustet. Dann die helle Stimme Evas: ,, Vater?" Schnell schraubt Neubacher die Laterne herab und hüllt sich ein. Im nächsten Augenblick hat sich das Mädel vom Wagen gebeugt. Sollte der Vater eingeschlafen sein und so fest? Verwunderlich wäre es nicht bei seinem Alter. Richtig, da liegt er und schläft. Mit einem Satz rutscht das Mädel in die Hütte hinein und schreit laut krauser Vollbart streift ihr Gesicht. auf, denn zwei kräftige Arme umfangen sie und ein kurzer

waren.

Eine halbe Stunde später kant Förster Dreyhaupt in heller Aufregung zur Lauerhütte zurück. Er hatte zwei Wölfe neben einem Pferdekadaver verendet gefunden und nach langem Umherspähen im Gipfel einer halbhohen Kiefer die Kanzel entdeckt, von der aus die beiden Meisterschüsse abgegeben Der glückliche Schütze hatte vorsichtigerweise die beiden Ruten abgeschnitten und mit sich genommen. Da war ihm eine Ahnung aufgestiegen und im Sturmschritt war er nach der Hütte zurückgeeilt. Als er dort eintrat, strahlte ihm der helle Schein der Laterne entgegen, und darunter saßen eng umschlungen zwei glückliche Menschenkinder, die ihn mit strahlenden Augen begrüßten.

Mit einem Seufzer trat er ein, jezt mußte er sich in das Unvermeidliche fügen.. Aber ein ganzer Kerl war er doch, sein zukünftiger Schwiegersohn, und vielleicht wurde doch noch aus ihm ein wirklicher, waidgerechter Jäger.. Denn hierzu hatte ihn ja nur die Liebe gebracht...

WITZ

G2D

HUMOR

Die Dummheit ist nur dort zu suchen, Wo jede Selbsterkenntnis fehlt; Der ist noch lang kein richt'ger Esel, Der selber sich für einen hält.

Unangenehme Angewohnheit. Erster Lehrling: Mein Meister wundert sich über alles; bei jeder Gelegenheit schlägt er die Hände überm Kopf zusammen." Zweiter Lehrling: Meiner schlägt ſe voch zusamm', aber da is meistens mein Kopf dazwischen."

Aus der Schule. Was tat Kaiser Ferdinand nach dem Tode Gustav Adolfs?" ,, Er atmete freier auf!"" Warum gab wohl der liebe Gott" dem Adam die Eva zur Gehilfin", fragt der Lehrer der letzten Klasse der Mädchenschule. Tiefes Schweigen. Endlich ruft die kleine Grete: Damit Eva dem Adam den Schlips zubinden konnte!"

Artig. Karlchen, hier hast Du einen Apfel. Nun, was muß man sagen?"" Ich bitte noch einen!"

Unerwartete Antwort. Vater: Wer ist der faulste in eurer Klasse, Hans?" Hans: Ich weiß nicht."- Vater: Du willst es wohl nicht wissen. Sag' mal, wenn alle andern fleißig schreiben oder lernen, wer sitzt dann allein ganz still dabei und tut nichts?" Hans: Der Lehrer."

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Stilblüte. Klara saß im Salon; sie glich einer Knospe. Beim Erscheinen des Geliebten sprang sie auf.

Kasernenhofblüten. Unteroffizier( zu den neuvereideten Ein­jährigen): So meine Herren, die Flitterwochen sind jekt vorbei und wir sind endlich allein."

Mißverstanden. Sergeant( in der Instruktionsstunde): ,, Also, der Soldat muß sich in erster Linie angelegen sein lassen, sich die Dienstvorschriften zu eigen zu machen. Nun, Pieper, was muß dem Soldaten am meisten am Herzen liegen?" Pieper( der nicht aufgepakt hat): Die... die...".( Hintermann ihm zuflüsternd): Dienſt..." Pieper( freudig erregt): Die Dienstmädchen."

Dankbarkeit. ,, Warum pflegen Sie dieses Pferd gar so zärtlich, gnädige Frau?" ,, Wissen Sie, der Gaul hat mir einst meinen Mann, der passionierter Sonntagsreiter war, un verhofft in den Schoß geworfen!"

Milderungsgrund. Bureauvorstand:" Was, Sie schlafen im Bureau? Das ist ja unerhört!" Beamter:" Bitte vielmals um Entschuldigung, Herr Rat, es hat mir aber vom Arbeiten geträumt!"

Boshaft. Eine ältliche Jungfer, die noch immer die jugend­liche spielte, bat in einer Gesellschaft einen Herrn, der als Münz­fenner und-sammler bekannt war, ob er ihr nicht eine Silber­münze verschaffen könnte, die in ihrem Geburtsjahr geschlagen sei. " Ja," war die Antwort, doch sind Münzstücke von solchem Alter selten und teuer."

Kindermund. Mutter, bin ich nicht ein guter Junge ge­worden, seit ich die Sonntagschule besuche?" Ja, Karl, du bist jetzt artiger."- ,, Aber warum hältst du denn das Ein­

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gemachte noch immer wie früher in der Speisekammer verſchloſſen? Raffiniert. Kunde: Weshalb haben Sie einen Musikautomaten im Komtoir, stört der nicht beim Arbeiten?"- Geschäfts= inhaber: D, im Gegenteil! Die Damen an der Schreib­maschine fallen unwillkürlich in den Takt der Musik und leisten auf diese Weise das Doppelte."

*

Beweis.

Die Batterie ist auf dem Schießplaze eingerückt. Der Wacht­meister hat seinem vergeßlichen Faktotum, der Batterie- Ordonnanz, Kanonier Knöpfle, ein Notizbuch dediziert, worin dieser sich alle Aufträge notieren soll, um nichts mehr zu vergessen.

Eine halbe Stunde vor der Befehlsausgabe wird Knöpfle nach der Baracke des Brigade- Kommandeurs geschickt, um nach der dort befindlichen Uhr zu sehen, welche für das ganze Lager als Normal­Uhr gilt. Die Unteroffiziere sind etwas vor 12 Uhr zum Befehls­Empfang beim Wachtmeister versammelt. Endlich erscheint auch Knöpfle und meldet: 25 Minuten vor 12 Uhr!" Allgemeines Staunen und lebhafter Zweifel. Knöpfle aber zieht mit pfiffigem Gesichte sein Notizbuch aus der Tasche und sagt:" Ganz g'wiß, Herr Wach'meister, i' hammer's noch extra uffg'schriwwe!"

*

Es genügt so. Professorsgattin: So höre doch endlich aus zu arbeiten, Adolf, und komm mit mir in den Volksgarten. Du mußt Dich doch auch ein bißchen zerstreuen."- Professor: Laß mich nur; ich bin zerstreut genug!"

Ein großes Glück. Herr( zum Diener): Aber Peter, da hast du schon wieder ein Glas zerbrochen." Ja, Herr, aber diesmal hatte ich Glück, denn das Glas zerbrach nur in zwei Stücke." Und das nennst du Glück?" Nun freilich. Ich weiß, welche Mühe die Madame hat, wenn ich ein Glas in tausend Stücke zerbreche und sie es wieder zuſammenleimt. Bei zwei Stücken ist es viel leichter für sie."

Aus der Töchter- Handelsschule. Du, liebe Marie, Dein Freundin scheint mir sehr flatterhaft, der reinste Schmetterling!" Ja, ja, ſie iſt auch immer die erſte in der Wechsellehre." Zarter Wink. Graf:" Gnädiges Fräulein, wie fange ich es eigentlich an, um von Ihnen einen Kuß zu bekommen?" Dame: Und Sie wollen einem alten Raubrittergeschlecht entstammen?"

Jung

Der feine Umgang. Was der Gefängniswärter Müller für feine Manieren hat!"" Die hat er sich im Verkehr mit den ein gesperrten Bankdirektoren und Aufsichtsräten angeeignet."

wir wieder!

In der Sommerfrische. So, Frau Katzelhuberin, da wär's . Unsere drei Zimmer kosten doch dasselb wieder wie voriges Jahr?" Na, heuer müss'n S' schon 60 Gulden mehr zahl'n!" ,, Warum denn?"- Bei dem schlechten Wetter, das wir alleweil hab'n, bleib'n S' ja' n ganz'n Tag immer dahoam!"

Nr. 89.

Freitag, den 22 April.

1904.

Oberhessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

ber

Gießener Neueste Nachrichten.

Band and Borlag bes Sifones Berlagdbrudsret, sasm. b. Rollerfos Ougbraderet( gegs. 1789); mana

( 18. Fortseßung.)

Gewillensqualen.

Kriminal Roman von Robert Buchanan.

Das Schwurgericht hatte bereits seine Sigungen be­gonnen, und noch immer trieb ich mich in Mylrea herum. Die Zeitungen brachten den Bericht über die Eröffnungs­fizung, und ich las, daß der Richter in seiner Begrüßungs­rede an die Geschworenen in deutlichen Ausdrücken auf den bevorstehenden Mordprozeß angespielt hatte. Er bezeichnete ihn als eines jener abscheulichen Verbrechen, wie sie leider noch immer so häufig in Irland vorkämen, und welche mit rücksichtslosester Strenge zu unterdrücken Aufgabe des Ge­sezes sei.

Sir James Cleary fuhr fort:

Solch hinterlistige und grausame Morde gereichen diesem unglücklichen Lande zur Schmach. Sie aber, meine Herren Geschworenen, werden binnen furzem Gelegenheit haben, zu beweisen, daß solche Taten in den Herzen der besseren Irländer nur Ekel und Abscheu erregen. Sollte einer von diesen rohen Verbrechern vor Ihnen erscheinen und seiner Schuld überführt werden, so bin ich überzeugt, daß Sie meine Herren, vor Ihrer Pflicht gegen Ihr Vaterland nicht zurückschrecken werden."

Es wurde mir ganz schwarz vor den Augen, als ich diese schrecklichen Worte las und an Ellen dachte, die in ihrer furchtbaren Verzweiflung diese unheilverkündende Rede lesen würde.

Jetzt durfte ich nicht länger mehr warten und bereitete mich vor, nach Castlerea abzureisen. Dort wollte ich gleich nach meiner Ankunft den Verteidiger besuchen und ihm alles, was ich ausgekundschaftet hatte, auseinandersezen.

Es war bereits spät am Nachmittag, und der Wagen stand schon vor meiner Türe, als meine Wirțin ganz auf­geregt ins Zimmer trat und mir meldete, daß eine Frau mich zu sprechen wünschte.

,, Wer ist es?"

,, Dies verrückte Geschöpf Kathleen Bruns ist es. Und sie sagt, sie müsse Euer Gnaden unbedingt sprechen."

Aus der Türe tretend, gewahrte ich Kathleen. Sie hatte einen Mantel umgeworfen, die Kapuze war ihr über die Schulter gefallen, so daß ihr Kopf unbedeckt war und ihr schönes Haar wild über ihr fahles Gesicht fiel.

Sie zog mich zur Seite und fragte mich in ängstlichem Tone: Euer Gnaden wollen nach Castlerea fahren?" " Jawohl!" antwortete ich. Was haben Sie mir zu fagen?"

" Ich möchte Sie bitten, mit zu meinem Bruder zu kommen; ich glaube, er stirbt."

Er stirbt?" wiederholte ich. Er war ja so wohl und munter, als ich ihn gestern besuchte. Was ist denn vor­gefallen?"

Das Mädchen erzählte mir, daß sie am gestrigen Abend ihren Bruder kurze Zeit allein im Hause lassen mußte. Bei ihrer Rückkehr fand sie Bett und Zimmer leer, und eine ver­schlossene Büchse, in der sie ihr Geld aufbewahrte, war auf­gebrochen. Ueberall suchte sie dann ihren Bruder, bis es ganz finster wurde, und der Regen in Strömen herunter­goß, und ganz verzweifelt fehrte sie nach Hause zurück. Üm

( Nachdruck verboten.):

Mitternacht wurde sie durch einen heftigen Schlag gegen die Türe erweckt, und als sie öffnete, fand sie ihren Bruder be­wußtlos am Boden liegen.

Er war sinnlos betrunken, Euer Gnaden, und bis auf die Haut durchnäßt, auch blutete er aus seiner alten Wunde. Ich schleppte ihn an den Kamin, und da kam einer von unseren Nachbarn und erzählte mir, daß er am Abend meinen Bruder in der Schenke zu Kilsyth gesehen hätte. Er war dorthin ge­gangen und hatte dort getrunken, bis er nicht mehr konnte, und dann sei er im strömenden Regen nach Hause gekrochen. Ich fürchte, diesmal hat er sich den Tod geholt, denn er liegt wie ein Stück Holz auf dem Bett."

Ich ließ Kathleen neben mich sehen und befahl Andreas, so rasch als möglich nach ihrer Behausung zu fahren. Dort angekommen fand ich den Mann halb angekleidet zu Bett liegen. Auf einem Stuhl, der am Bette stand, saß ein altes Weib, das jammerte und klagte, als wäre er schon tot. Ich schickte die Frau hinaus und untersuchte rasch den Patienten. Kathleens Befürchtungen waren nur zu begründet; es war feine Hoffnung mehr, und die Kräfte sanken rasch. Sein Atem, der stark nach Schnaps roch, ging nur schwach, aber in rasch auf einander folgenden Zügen, und sein Herz schlug wie ein vom Winde hin und her getriebenes Blatt.

Immer und immer wieder henette ich seine trockenen Lippen mit Wasser, bis er schließlich zu meiner größten Freude die Augen aufschlug.

Erst sah er mich ganz verwundert an, dann bewegten sich seine Lippen, aber fein Laut kam hervor. Ich beugte mich dicht über ihn, und endlich konnte ich sein leises Flüſtern verstehen.

,, Muß ich jetzt sterben?"

Ich nickte mit dem Kopfe. Sie haben nicht mehr lange zu leben, und wenn noch etwas Sie bedrückt, so müssen Sie die Zeit wahrnehmen, Ihr Gewissen zu erleichtern."

Unsere furze Unterhaltung, so leise sie auch geführt wurde, war dem Mädchen nicht entgangen. Sie trat an ihren Bruder heran, beugte sich zu ihm nieder, und indem sie sein Haar streichelte, sagte sie: Lieber Bruder, sprich doch jetzt, wo dich Gott der Allmächtige von uns nehmen will. Der Herr Michael war doch immer so gut gegen uns."

Der Mann schloß für eine Weile die Augen, und als er sie öffnete, waren sie feucht.

,, Laß den Kaplan holen!" brachte er mühsam hervor. Für mich bedurfte es keiner weiteren Aufforderung. Rasch frizelte ich ein paar Zeilen auf ein Blatt meines Notizbuches, riß es heraus und befahl Andreas, es sofort an Fräulein Craig in Castlerea zu bringen.

Dann wandte ich mich an das Mädchen. Wollen Sie nicht nach dem Pater Antonius gehen?"

Sie zögerte, und ich fuhr fort: Ich bleibe bis Sie zurückkommen, bei ihrem Bruder. Wenn Sie aber nicht gleich gehen, dürfte es zu spät sein."

Sie sah auf das geisterhafte Gesicht, das in den Kissen lag, und es schien ihr klar zu werden, daß ich die Wahrheit sprach. Mit einem Seufzer wandte sie sich weg und verließ

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