Ausgabe 
16.4.1904 Zweites Blatt
 
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Zweites Blait.

Wonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Saus gebracht 60 Pfg., durch die Beft bezogen viertel­fährli Mt. 1.50.

Bebettagen: Oberheffifche Familienzeitung( täglich) und die Stekener Geifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werttagen nachmittags.

Samstag, den 16. April 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Betttzelle für gang heffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft to Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Bfg.

Boftzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg Fernsprechanschluk Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Beglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Die frühjahrsmode.

Von unserer ständigen Korrespondentin.) Ostern steht vor der Tür. Draußen lacht Sonnenschein April 1904 wurd nd strahlt Lenzeswärme, und wir sind noch gar nicht ge­ristet. So bald hatten wir den Frühling nicht erwartet. Die erste Frage gilt der Jacke, denn ohne wärmende Hülle nnaies mit Inh tam man vorläufig doch noch nicht ausgehen. Die Mode 2 Paar Handacht es uns in dieser Saison ziemlich bequem. Sie schreibt e, 1 Gummireif einen Covercoat- Paletot vor, den eine einfachere Frau bei ider Gelegenheit, zu jedem Kleide tragen kann. Wie sieht Tim solch ein Paletot aus? Er hat Aehnlichkeit mit dem Ueberzieher des Herrn Gemahls, nur daß er sich in seiner

Gummiball, 1 Portemonnaie minge der Geſtalt der Trägerin anpaßt. Eine kleine Dame nuhr, 1 Damen lit ihn fürzer schneiden, einer größeren Erscheinung dark Griff und 1 s jedoch bis über die Kniee reichen. Im Rücken fällt er fol darting, auch vorn ist er lose, die Schulterlinie ist verhältnis­er gefundenen Tan ähig Lang und abfallend, und die beiden Rückennähte endigen sbald bei uns g i in Schligen.

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Ein solcher Paletot gilt auch als eine sehr geschmackvolle racht für fleinere und größere Mädchen. Man kann ihn für Groß und Klein mit einem runden Schulterkragen ver­foflhen oder ihm auch die sogenannte Geisha- Form geben, ihn and so oh ne jedweden Kragen seitlich schließen. Der Valetot that die Marke englisch", in welche Rubrik auch die Jacken­kleider und die neuerdings wieder sehr beliebten englischen

neiderkleider eingeordnet werden. Man weiß, daß die Spizengarnierung, die an den Aermeln fast bis zu den Fin­gem reicht, bei der Frühjahrsmode beinahe unerläßlich zu folk in ich eint. Es sei aber hier bemerkt, daß für englische versammlungsstücke die Spitze nicht angebracht ist. Zum Paletot und zum englischen Jackenkleid darf man aber einen der neuen großen Shawls umlegen, die Amerika bei uns eingeführt

il, abends

Es sind lange, verhältnismäßig breite, abgepaßte Streifen aus Chiffon, ausgepunktem oder mit Bomben ver­

Bigandt ir die Kameraden enem Tüll, dessen Rand zumeist einen breiten Saum mit Hohlnaht bildet. Ganz wie die Phantasie es eingibt, knotet, ge für 1903.04 ſchlingt oder windet die Dame sich diese Echarpe um Hals . Voranschlag für 1% und Schultern. Die Mode begnügt sich natürlich nicht damit, nur ein auszeichnungen. 6. G nesleidungsstück zu bringen. Sie hat auch auf dem Gebiet der Jacke manches Neue ersonnen. Vor allem seien Das Command den Taffet- und Etamine- Jäckchen hervorgehoben. Das Seidenpädchen ist sehr kurz und faltig und gilt als besonders cht zu einem Rock aus schwarzer Seide oder schwarzem Tuch.

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Mam behauptet, daß das bisher nur allein herrschende Tah für Kleider und Jacken ausgespielt habe. Diese An­nome fftimmt nicht ganz. Es werden sogar mehr wie bis­her sadenkleider aus Tuch gefertigt. Sie tragen aber das Mermal der französischen Machart an sich; die Röcke sind on den Hüften gefraust und haben bis zu den Knien hinan id Verbesserungen er perpassants. Die Vorderbahn des Rockes bleibt zumeist glatt, gestartet, Daß die Volants erst bei den Seitennähten ansetzen. Die beide siegreich sichen werden reich mit Borden garniert und so eingerichtet, dagman sie offen und geschlossen fragen kann. Diese kleinen angekommen

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ohne Anstand

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atchen werden über leichte Blusen gezogen und zwar so. Dasein sehr hoher Gürtel sichtbar wird. Die Machart der Buen wie Taillen ist noch immer kraus und bauschig. Sic merren mit einem Sattel geschnitten, der über die Aerme! get Bei farrierten Blusen fügt man den Sattel ganz glatt obne jebe Fältchen em.

erreicht, an jedes Gtamines, Alpacca, Gaze, Leinen, Crepe de Chine,

ubringen.

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Sm Sommer wird man äußerst leichte Stoffe tragen: ilberth- Seiden. Die Modefarben sind: Braun, namentlich Bimetbraun, Rot und Grün, richtiges Giftgrün. Blaue Leider, aus Cheviot und allen anderen Geweben mit Borten nd Spizenfragen geschmückt, erweisen sich als äußerst prak­ische und recht hübsche Toiletten.

Tug. Gernand

Neuenweg 46.

Zum Schluß noch die Neuheit, daß Kaschmir sich wieder Bath Gricht, weil man auf der Suche nach sehr dünnen Stoffen ist, die sich in Falten pressen lassen und dabei die rrigerinnen der neuesten Moden nicht zu korpulent machen. Emma Reichen.

Huf einer Hererowerft.

n etc. werden für De Dörfer unserer schwarzen Feinde in Südwestafrika,

hnellstens angefer

een, wie man sie gemeinhin nennt, zeigen auf den ersten Lid daß die Viehzucht die Hauptbeschäftigung der Hereros

gene Reparaturwerks Gin treisförmiger Stafetenzaun bildet ein an vier Stellen

Feuersgefahr

Wafferfchäde

Feuerlösch- Apparat

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rtreter:

Pickert,

Bicken.

rbrochenes Gehege. Die Oeffnungen führen zu den Kralen rus Großvieh. Die Hütten oder Pontocks ziehen sich längs rnzäunung hin. Ein Pontock ist leicht gebaut. Zuerst ird ein Gerippe aus rohen Stangen zusammengesteckt, das Een uit Lehm, dem Kuhdung beigemischt ist, bedeckt wird. am ist die kuppelförmige Hütte fertig. Eine niedrige Oeff g durch die man nur kriechen kann, führt hinein. Bei nr besseren Herero ist vor der Tür ein kleiner Vorplatz aus bung sehr geschickt hergerichtet. Dort ſizen auf Falt­jemen mit Lederriemenbezug den ganzen Tag über die nehmen Herero, die ihren Rang nicht durch Arbeit schänden Dan, and halten Palaver. In der Mitte der Einhegung gt der Pontock des Kapitäns oder sonstigen Ortsvorstehers, nige Schritte davon ein Dornenfral für das Kleinvieh.

draiten wir einmal in einen solchen Bontock hinein. In erMitte, an dem Baumstamm, der das Dach trägt, liegt der erbeine in die Stampferde mit großer Genauigkeit eingemodelte

Pfanne, auf der immer Feuer brennt, wenngleich das Kochen auch draußen besorgt wird. In den Pontocks Hocken die Weiber. sehr zahlreich, wie es die Vielweiberei mit sich bringt. Bei ihnen hat sich noch die alte Tracht erhalten. Auf dem glattrasierten Kopf tragen sie eine Lederhaube, die von drei lanzenförmigen, mit genieteten Linienornamenten verzierten Spitzen aus ein gefettetem hartem Leder getrönt wird. Von der Haube hängtein Ledermantel auf den Rücken herunter, ein Lederschurz vervoll­ständigtdie Bekleidung. Das Lederzeug ist nicht gegerbt, sondern wie auch die Haut der Damen, eingefettet. Eine Hererosran verbreitet daher einen stark ranzigen Geruch. Die Ausrüstung wird durch einen Schmuck aus schweren Eisenperlen ergänzt. Auf der Haube und auf dem Mantel befinden sich Ornamente aus solchen Perlen, das meiste Gewicht jedoch, wörtlich gesprochen, wird auf die Knöchel und Waden gelegt, die in wahre Stiefel von Ringen aus Eisenperlen eingeschnürt sind, so daß die Trägerin sich nur schwer fortbewegen kann. Die Männer haben die alte Tracht allgemein aufgegeben; sie entsprach so ziemlich derjenigen der Frauen bis auf den Kopf- und Knöchelschmuck. Wer es vermag, geht in europäischen Kleidern einher und die langen Kerle, die das Maß von 1,80 m häufig überragen, sehen in den weißen oder gelben Anzügen weniger geden­haft aus als die Neger in anderen Teilen Afrikaš oder sonstwo in der Welt, wenn sie Weiße nachäffen.

Besonders bemerkenswert im Hererohausrat sind die Milchtöpfe, die aus hartem Holz angefertigt werden. Mit großer Geduld wird der Block ausgehöhlt; das Gefäß ird nicht auf der Drehscheibe geformt, sondern in einem hohlen Stein zurechtgerieben. Die Arbeit ist tadellos. Der Tops weist noch am obern Rande einige erhabene dreieckige Ornamente, hier und da auch noch in der Mitte einige ein­gerigte Linienzeichnungen auf. Der Herero genießt die Milch, da sie sich in der großen Hiße nicht lange hält, meistens jauer, als Omaire". Damit sie rasch umschlägt, tut er gewisse Kräuter bei. Der Omairetopf wird nie gespült, sondern es bildet sich an dessen Wand cine dicke Schicht, die das Gären beschleunigt. Der Europäer, der noch nicht ver­faffert ist, meidet den Genuß von Omaire und sucht frische Milch zu erhalten. Zu dem Omairetopf gehört ein großer geschnitzter Löffel mit eigenartigem, beinahe stilvollem Griff. Noch ein wichti e Gegenstand ist der Fettopf. Er besteht einfach aus Rinderhaut, die durch Falten auf der oberen Seite so zurechtgemacht wird, daß eine kleine Oeffnung mit einem Henkel bleibt. Reinlichkeit ist so gut wie unbekannt, u wird der Boden der Pontocks sehr reinlich gehalten und die Ausstattungsgegenstände sind an den Stangen­wänden der Behausung in guter Ordnung angebracht. Aber persönliche Reinlichkeit kann man von einem Herero nicht berlangen. Er lebt in einem meist wasserarmen Lande, wo das Waschen ein Luxus ist. Wenn der Herero, wo, christ­licher Einfluß, durchgedrungen ist, europäische Kleidungsstücke barüber anziebt. läßt er sie einfach zerreißen und abfaulen.

Vermischtes.

*[ Berliner Grundstückspekulationen.] 300 000 Mark hat innerhalb 24 Stunden ein Berliner Kaufmann B. an einem Grundstück am Alexanderplatz verdient. Eine Ber­liner Warenhausfirma wollte schon vor Jahren einen den Bendaschen Erben gehörigen Häuserkompler am Alexander­platz erwerben. Die damals angeknüpften Verhandlungen zerschlugen sich indessen. Nunmehr sicherte sich Herr B. das Vorkaufsrecht an dem Grundstück, das ihm auch gegen einen Preis von 2 400 000 Marf überlassen wurde. Bereits am jolgenden Tage übertrug der Kaufmann seine Anrechte an die Warenhausfirma Hermann Tiez, die für das Grundstück 2 700 000 Mark zahlte. Derartige Vorkommnisse sind übri­gens in Berlin nichts seltenes. Steigt doch dort manchmal der Preis eines Grundstücks in furzer Zeit in ungeheurer Weise. Ein bekanntes Caféhausgrundstück war vor 3 Jah­ten für 3 Millionen feil. Jezt verlangt der Besizer 6 Mil­lionen und wird sie wahrscheinlich bekommen.

[ Prophezeiung über den russisch- japanischen Krieg.] Der berühmte Pater Johann von Kronstadt, den die Russen ob seiner Gottesfürchtigkeit und seines reinen Lebenswandels fast wie einen Heiligen verehren und dem sie die Propheten­gabe zuschreiben, hat den Soldaten des Zaren vorhergesagt, daß der Krieg, in den sie ziehen, wenigstens 25 Jahre dauern werde. Er werde Ströme Blutes kosten und Rußland sich genötigt sehen, selbst die Greise zu bewaffnen, um die gelbe Rasse zu bekämpfen; denn China werde aufstehen und Japan zu Hilfe eilen. Aus diesem ein Vierteljahrhundert währenden Kriege jedoch werde Rußland siegreich hervorgehen und seine Herrschaft über ganz China ausbreiten. Die russischen Sol­daten glauben felsenfest an diese Prophezeiung.

[ Kulturfortschritt in China.] Von der Einfahrt des ersten Zuges der Schantungbahn in Tsinanfu erzählt der Ostas. Lloyd" folgende niedliche Episode. Als der Zug auf dem Bahnhof in Tsinanfu ankam, spielte die chinesische Kapelle die lustige Weise:

Siehste woll, da kimmt er, Lange Schritte nimmt er, Siehste woll, da is er schon.

Und da will noch jemand behaupten, man wäre in China nicht auf der Höhe der Zeit?

Das

[ Das Schloß Glücksburg,] das die Kaiserin für die nächste Zeit zum Aufenthalt erwählt hat, ist mit der Geschichte des schleswig- Holsteinischen Fürstenhauses innig verknüpft. Der Erbauer, Herzog Johann der Jüngere, ist zugleich der Gründer der Linie Schleswig- Holstein- Sonderburg. Schloß erhebt sich mitten in einem kleinen, waldumschlossenen See. Vor der Reformation stand dort ein berühmtes Zister­zienserkloster, das Herzog Johann 1582 abbrechen ließ. Es erstand die Burg des Glücks. Gott gebe Glück mit Frie­den!" schrieb Herzog Johann über den Eingang. Glücksburg blieb bis 1778 Siz der Linie Schleswig- Holstein- Beck und ging 1825 in die Hände der Linie Holstein- Glücksburg über. So verlebte der jetzige dänische König Christian dort seine Jugend; Glücksburg war der Witwensiz seiner Mutter. In den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts weilte dort mit Vorliebe der dänische König Friedrich VII. Sein plötzlicher Tod auf Glücksburg bedeutete den Beginn des deutsch- dänischen Krieges. 1864 hatte Prinz Friedrich Karl dort furze Zeit sein Hauptquartier. 1869 schenkte König Wilhelm I. das Schloß dem Haupt der Glücksburger Linie und befriedigte deren Erbansprüche. 1891 erbte es der jezige Besizer Herzog Friedrich Ferdinand von Glücksburg, der durch seine Heirat mit der Schwester der Kaiserin die Häuser Augustenburg und Glücksburg wieder einander näherte.

[ Die Zigeunergeige.] Vor etwa vier Jahren kam zu einem Handwerksmeister in Altenbruch ein Zigeuner, der ihm seine Geige für 40 Mark zum Kauf anbot. Der Hand­werksmeister wollte sich erst gar nicht auf den Kauf einlassen, schließlich aber kam ein solcher doch dadurch zustande, daß der Zigeuner sich bereit erklärte, eine alte defekte Geige, die sich im Besitze des Handwerksmeisters befand, mit in Zahlung zu nehmen. Der Zigeuner erhielt die defekte Geige und 20 Mark in bar dazu. Ein Sohn des Käufers bekam nun seit einiger Zeit Geigenunterricht unter Benutzung der Zigeuner­geige, und dabei sah sich der Vater jetzt das Instrument ein­mal etwas näher an. Hierdurch entdeckte er nun, daß die Zigeunergeige eine wertvolle Amati- Geige ist, wie aus einer diesbezüglichen Inschrift im Innern des Instruments her­vorgeht.

[ Der Philosoph auf dem Kasernenhof. Ein sächsisches Blatt teilt folgenden hübschen Scherz mit: Unteroffizier( zu der Korporalschaft, die Gewehrpräsentieren übt): Ein­jähriger Müller, wissen Sie, was eine Idee ist?"- Ein­jähriger Müller: Jawohl, Herr Unteroffizier. Das Wort Idee hat Plato in Umlauf gebracht. Er nahm an, daß in einer höherer intelligiblen Welt die höheren Begriffe wirklich vorhanden wären und daß sie, in der sensiblen Welt unvoll. fommen ausgedrückt, von der menschlichen Seele, die sie im Vorleben erblickt, wiedererkannt würden." Unteroffizier: ,, Na, wenn Sie's wissen, dann nehmen Sie gefälligst das Gewehr eine Idee links!"

[ Mißglückte Werbung.] Der 17jährige Handwerks­geselle H. in einem Orte bei Janowitz liebte sehr das im glei­chen Alter stehende Töchterchen eines Schuhmachers. Dieser Tage trat er fröhlich und frei, sein Liebchen am Arme füh­rend, in die Wohnung des Meisters und erklärte diesem, daß seine Tochter die seine werden müsse. Der Vater der jungen Braut entgegnete ihm, daß ihm dieser sehr ehrende Antrag das größte Vergnügen bereite und er ihn darum bitte, mit seinem Töchterchen in die gute Stube einzutreten. Nicht wenig erfreut leisteten die beiden Folge, während der Meister, der versprach, sofort zu ihnen zu kommen, sich nach seiner Werkstatt begab, um einen Spannriemen zu holen. Mit diesem erteilte er dann dem Schwiegersohne in spe die wirk­liche Antwort auf dessen Werbung, und zwar in so derber Form, daß der junge Mann in den drolligsten Sprüngen das gastliche Haus verließ. Der Einladung des Meisters, ihn doch bald wieder zu besuchen, hat der Jüngling bis jetzt nicht Folge geleistet.

[ Ein seltenes Wiedersehen] fand in Weißenburg statt. Am 25. Juli 1870 unternahm bekanntlich eine aus dem Grafen v. Zeppelin, drei badischen Dragoneroffizieren und fünf Dragonern bestehende Reiterpatrouille einen fühnen Ritt über Marau, Lauterburg, Wörth bis zum Schirlenhof bei Reichshofen. Unterwegs traf die deutsche Patrouille den in Lauterburg stationierten französischen Gendarmen Köhler. Trotz der allermutigsten Gegenwehr wurde Köhler festgenommen, bald darauf aber wieder entlassen. Graf Zeppelin ritt mit seinen Reitern, worunter sich auch ein ge­wisser Kraus als badischer Dragoner befand, bis in das kleine Dertchen Schirlenhof, wo gerastet wurde. Dort wurden die Deutschen von einer Abteilung des französischen 12. Regi­ments des chaffeurs à cheval überrumpelt und es fand ein Gefecht statt. Eine bildliche Darstellung desselben hängt seit einigen Tagen in einem Weißenburger Schaufenster. Und wie merkwürdig! Zwei Leute, die das Bild lange betrach­teten und dann ihre Gedanken darüber austauschten, ent­puppten sich als der alte französische Gendarm Köhler und der frühere badische Dragoner Kraus. Gendarm Köhler ist heute 70 Jahre alt und wohnt seit langer Zeit als Pensionär im nahen Kleeburg. Er war in Weißenburg, um Einkäufe zu besorgen. Kraus ist nun 55 Jahre alt und weilt als Rei­sender dort. Später beim Glase Weißenburger Tokayer" wuren die Erlebnisse des Tages vom 25. Juli 1870 beider­feits recht lebhaft besprochen.