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Schüßenlinien auseinandergezogene Königliche Zweite, daß Offiziere und Mannschaften wie in Fallsucht zu Boden stürz­ten, sobald der Pseudo- Scheinwerfer des Herrn Hauptmanns sein Licht zeigte. Einige besonders nervöse Leute hatten be= reits Anfälle der Wahnidee, Eidechsen zu sein und Zeit ihres Lebens auf dem Bauche triechen zu müssen.

Der Abend, an welchem unter den Augen des Regi­mentskommandeurs die Probe auf das Erempel gemacht werden sollte, war herangekommen.

Hauptmann von Kusserow hatte alle Ursache, der Prü­fung mit einiger Zubersicht entgegenzusehen. Alles hatte bortrefflich geklappt gestern. Wenn trotzdem seine Stimmung teine rosige war, so lag es daran, daß seine Gattin ihm wegen der abermaligen nächtlichen Außerhäufigkeit eine heftige Szene gemacht und erklärt hatte, daß sie am nächsten Mor gen zu Mama" fahren würde. Sie habe einen Offizier und keinen Nachtwächter geheiratet.

Die Folge dieser seelischen Indisposition war, daß der Herr Hauptmann noch vor dem Ausrücken nach dem dicht bei der Stadt gelegenen Uebungsplate in aller Gile einige Dußend Stunden Arrest und mehrere Strafsachen diktierte. Damit wurde das Luftkissen zunächst vor dem Bersten bewahrt. Auf dem Uebungsplaße aber harrte Schreck­liches. Die Kompanie war auseinander gezogen und ging gegen die Luftschiffer- Abteilung vor, deren Ballon sich wie eine dräuende Gewitterwolfe von dem nächt­lichen Himmel abhob. Plötzlich leuchtete es wie ein schnurgerader Blik aus dieser Wolke.

Der Scheinwerfer! Das blaue Licht eilte suchend über das weite Feld und fast überall, wo es hin­traf, sah man aufrecht einhermarschierende Soldaten nicht ein einziger bekam die Fallsucht oder zeigte die so mühsam angedrillte Eidechsennatur!

Dem Hauptmann von Kusserom erstarrte das Blut in den Adern. Waren die Kerle verrückt gewor­den oder wandelten sie Nacht?! Mit gezücktem Degen stürzte er hinter dem nächsten Zuge her und brüllte: ,, Nieder zum Kuckuck!! Seht Ihr denn nicht, daß der Scheinwerfer Euch bestreicht!? Niederrrrr!!!"

Diejenigen, welche ihn hörten, fielen natürlich zu Boden, aber die anderen zogen ruhig weiter und starr­ten verwundert auf die neue Erscheinung von oben her. Der Hauptmann war derart vernichtet, daß er auch für seine Person die Deckung vergaß. Erst als ihn der blaue Strahl blendete und in ganzer Lebens­größe dem Perspektiv des Regimentskommandeurs bloßstellte, knickte er zusammen zu spät!

Das Ganze halt gleich darauf Offiziersruf. Was der Oberst zum Hauptmann der Königlichen Zweiten in den nächsten fünf Minuten alles zu sagen hatte, das würde auch der gewandteste Stenograph Einmal, wörtlich nicht haben aufnehmen können.

weil es zu schnell ging und zum anderen, weil sich ein normaler Bleistift gesträubt hätte, dergleichen zu Pa­pier zu bringen.

Und nun, Herr Hauptmann," schloß der Oberst mit dem letzten Rest seiner Luft, ersuche ich Sie, uns einmal vorzuführen, wie Sie Ihre Leute auf den Scheinwerfer eingeübt haben. Bitte!"

" Zu Befehl," Herr Oberst," stotterte der Ungück­liche, da muß ich aber zunächst nach Hause schicken,

um

,, Schicken Sie!"

In der nächsten schrecklichen Viertelstunde wäh­rend welcher der Oberst pour passer le temps einige Manöver mit dem Ballon ausführen ließ dämmérte dem Hauptmann von Kusserom auf, daß er wohl selbst die Schuld trage an der Geschichte. Er hatte zwar praktisch geübt, sehr viel geübt, aber den Leuten nicht flar gemacht, daß die Sache in Wirklichkeit ganz anders aussehe, daß ein richtiger Scheinwerfer so und so wirke

Na was ists's?" herrschte der Oberst die aus der Stadt heransprengende Ordonnanz an. ,, Haben Sie dem Herrn Hauptmann das Benötigte gebracht?" ,, Nein, Herr Oberst! Die Frau Hauptmann will ihre Küchenlampe nicht wieder hergeben

alvini bepulver werven lani.

"

ver am 6. d. M. aus Cuxhaven abgegangene Transport umfaßt 4 Offiziere, 1 Stabsarzt, 7 Unteroffiziere und 219 Mann.

Jungfernreden.

( Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.)

Noch keine Parlamentsperiode war in ihrem Anfang so reich an Jungfernreden, wie die gegenwärtige. Den Reigen eröffnete der elsässische Demokrat Blumenthal mit einer rich­tigen Programmrede und der letzte in der Abteilung der Neu­linge war bisher der Abgeordnete von Gerlach, der in der Freitagssitzung zu dem Zeugniszwangsverfahren gegen Re­dakteure Stellung nahm. Das Auftreten eines Novizen macht sich stets schon in der äußeren Szenerie des Reichs­tags bemerkbar. Die altgedienten Soldaten des Parla­ments friechen dann, wie der Kunstausdruck lautet, aus ihren Höhlen, d. h. aus dem Restaurationsraum, den Schlaffabinen, den Wandelgängen, den Schreibstuben oder Fraktions­zimmern heraus und nehmen direkt unter der Rednertribüne Blag, um genauer zu hören. Meist entscheidet sich das Schick­sal der Abgeordneten, bezw. die Frage ihres Ansehens be­reits bei ihrem ersten Auftreten. So hat sich z. B. der Sozialdemokrat Sabor seiner Zeit niemals davon erholen können, daß er in seiner Jungfernrede unfreiwillig die Rolle des lustigen Rates gespielt hatte. Einer seiner Aussprüche: Es geht etwas vor, nur weiß man nicht was," ist geradezu ein geflügeltes Wort geworden und sein Entrüstungsruf: Meine Herren, Sie lachen. Das läßt tief blicken!" vurde sogar der Name für eine Kleidermode: Die Damen­taillen mit tiefem Ausschnitt wurden à la Sabor genannt. Ebenso hat sich der Abgeordnete von Frege, obgleich er durch den Einfluß seiner Partei zum Vizepräsidentenposten gelangt war, durch seine erste Rede in diesem Amt als Parlamentarier unmöglich gemacht. Das charakteristische Gesicht Freges mit dem stark ausgezogenen Schnurrbart, seine haſtigen Bewe­gungen, wenn er einen falschen Zungenschlag gehabt hatte, gaben ihm auf dem Präsidiumsthron ein so groteskes Aus­sehen, daß auf der Preßtribüne meist schon ein schallendes Gelächter angestimmt wurde, wenn er zur Wahrung der Geschäftsordnung überhaupt etwas sprach.

Den diesmaligen Neulingen des Parlaments kann man hinsichtlich ihrer rednerischen Leistungen eine gute Zensur erteilen. Man merkt einigen die oratorische Wirksamkeit in Volksversammlungen sehr deutlich an, vielleicht etwas zu deutlich sogar. So hat insbesondere der Abgeordnete Böck­ler im Verlauf seiner Rede das hohe Haus mit verehrte Anwesende" angeredet, was den Mitgliedern des Hauses ein Schmunzeln und den Preßmenschen hier oben eine

Sehr zweideutig.

Erster Journalist:" Glaubst Du, daß X. für seine Wize bezahlt friegt?"

Zweiter Journalist: Ach gewiß doch. Zum Spaß schreibt er die doch sicherlich nicht."

*

Vorsichtig.

Brennecke: Na, Müller, gehst Du noch nicht mit nach Hause?" Müller: Nee,' s is noch nicht zwölfe da schläft meine Alte noch nicht feste genug."

*

Ein langwieriger Streit.

Präsident( zu einem der Zeugen): Sie haben also dem Beginn des Streites zwischen den beiden angeklagten Eheleuten beigewohnt?"

Beuge: Jawohl, Herr Präsident; es war vor drei Jahren."

Präsident: Wie vor drei Jahren?"

Beuge: Ja, damals war ich mit zur Hochzeit geladen."

Da bört die Gemütlichkeit auf!

Ich kenne Dich gar nicht wieder, George, ehemals hättest Du von dem Hundertmarkschein nicht so viel Wesens gemacht; allerdings früher ging Dir Deine Lotte über Alles ,, Gewiß nur nicht über's Portemonnaie!"

oer gegenwartig in om weilt, ist eine Kommission von fünf Kardinälen eingesetzt worden. Die Entscheidung soll in nächster Woche erfolgen. Der Erzbischof hat von Rom aus die Leitung des Olmüßer Dominikanerordens aufgefordert, den Pater Stonad, den Beichtvater des Verfassers der Kohn angreifenden Rektusartikel, in eine andere Stadt zu ver­setzen. Die Ordensleitung hat das indessen abgelehnt, und in einer Form, die für den Erzbischof keineswegs schmeichelhaft ist. In Olmüß wie in ganz Desterreich sieht man dem Aus= gang der Affaire mit begreiflicher Spannung entgegen.

Italien.

Eine große Komödie haben in Rom die beiden Freiheitshelden" Boris Sarafow und Ricciotti Garibaldi aufgeführt. Es wird darüber aus Rom berichtet: Zunächst umarmten und füßten sich die beiden Heroen lange und innig. Dann ,, feierten" sie gegenseitig ihre Verdienste und begannen alsdann über ihr gemeinsames Balkan- Programm" zu konferieren", wobei sie Oesterreich und Rußland ihre allerhöchste Mißbilligung aussprachen. Nach­dem sie endlich die Grundzüge für eine Einigung aller italienischen, kroatischen, mazedonischen und griechischen Elemente gegen das Deutschtum und das Russentum festgelegt hatten, nahmen die beiden Volkshelden rührenden Abschied von einander. In einer demnächst stattfindenden Versamm­lung von Anhängern Garibaldis soll darüber beschlossen wer­den, was zu tun ist. Einstweilen soll die Teilnahme italie­nischer Freischärler an der mazedonischen Erhebung ausge­schlossen sein. Im anderen Falle könnten die Garibaldinner sich auch gratulieren; Rußland und Desterreich würden ihnen wohl gehörig auf die Finger klopfen, wenn sie sich in die Sache einmischen wollten.

frankreich.

Ein Ultimatum an den Papst ist das neueste Ereignis in dem Kampfe zwischen der römischen Kurie und dem Kabi­nett Combes. Drei französische Bischofssite sind zur Zeit frei, und die französische Regierung präsentierte dem Vatikan ihre Kandidaten für diese Vistümer- Vannes, Nevers und Ajaccio. Der Papst verweigerte seine Zustimmung zu der Ernennung dieser Bistumskandidaten und erklärte, dieſe Kandidaten seien Priester, die er von rechtswegen ihres Amtes entkleiden müßte. Daraufhin hat die Pariser Re­gierung dem Papste durch den eben in Rom eingetroffenen Erzbischof von Rouen ein Ultimatum behändigen lassen, in dem es hieß: Entweder die Kandidaten werden unverzüg­lich vom Papst angenommen, oder die französische Regie­rung stellt dem päpstlichen Nuntius seine Pässe zu und ver­öffentlicht auch ohne die Zustimmung des Papstes die Er­nennung der Bischöfe. Angesichts einer so peremptorischen

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ionspreis: Die einspaltige Petitzelle für ganz Ober ie Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 fg. Reklamen die Vetitzeile 30 refp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

on und Expedition: Gießen, Seltersweg 83 Fernsprechanschluß Nr. 362.

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kener Beifung) Gießen und Umgebung. Behörden von Oberhessen.

hat Bayst Pius jetzt nachgegeben und seine Zu­zu der Ernennung erteilt.

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) ts neues in Ostasien! Das bleibt auch heute aller Nachrichten, die fast ausschließlich in Stim­he beſtehen. Ueberwiegend sprechen sich alle Mel­Tokio und Petersburg, soweit sie nicht über ommen, für die Wahrscheinlichkeit einer digung aus. Man glaubt in den Kreisen der alen Diplomatie, die friedlichen Erklärungen des 1 diplomatischen Korps in Petersburg seien die einer freundschaftlichen Beilegung der Krisis. In olitischen Kreisen glaubt man, daß Rußland be­wesentlichen Fragen nachzugeben, sobald eine je Form gefunden ist, welche ihm das erlaubt, 3 den Schein erweckt, als weiche es dem Zwange. für die Sache des Friedens hat Japans gleich­icher diplomatischer Ton die Möglichkeit einer sol­digung leicht gemacht.

Amerika.

fältig sind die Methoden der Annexionsprayis Neuerdings wird in Amerika auf dem bisher wöhnlichen Wege der Hafenausbagge­ftiert. Nach einer Meldung aus Washington hat musschuß, der zur Zeit den Panamakanalvertrag Abänderungsantrag angenommen, demzufolge gten Staaten das Recht zugestanden werden soll, on Panama und Colon auszubaggern bessern. Tafür soll die Union berechtigt sein, le über diese Häfen auszuüben. Kontrolle aus­in diesem Falle nicht mehr und nicht weniger, olle Verfügung über den Hafen haben. Die verstehen sich auf ihr Geſchäft, das muß man

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ing des preussischen Landtages. ünf Jahre nach dem Beginn der vorigen Legis­ist der preußische Landtag zu neuer Parla­zusammengetreten. Wie immer, ging dem Be­izungen die feierliche Landtagseröffnung im Schlosse voraus. Gegen 11 Uhr versammelten fich etwa 400 Mitglieder der beiden Kammern im Weißen Saale des Schlosses. Unter den üblichen Formalitäten vollzog sich die feierliche Handlung: die Minister nahmen links, die hohen Militärs rechts vom Throne Aufstellung, vor dem Throne gruppierten sich die Abgeordneten. Der König, der von dem Kronprinzen und dem Prinzen Gitel Friedrich begleitet war und die Uniform der Gardes du Corps mit dem Adlerhelm trug, nahm vor dem Throne Aufstellung. In diesem Augenblick brachte der Vizepräsi­dent des Herrenhauses, Freiherr v. Manteuffel, das Hoch auf den König aus. Graf Bülow überreichte dem Herr­scher unter tiefer Verbeugung die

Thronrede,

die der König mit klarer, deutlicher Stimme verlas. Sie hat folgenden Wortlaut:

Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtags! Indem ich Sie am Beginn eines neuen Abschnitts der parlamentarischen Arbeiten begrüße, ist es meinem Herzen Bedürfnis, zunächst meinem tiefempfundenen Dank Ausdruck zu verleihen: dem Dank gegen die göttliche Vorsehung, die mir eine schnelle Genesung schenkte, und dem Dant gegen mein Volk, das in allen seinen Schichten voll inniger Teilnahme seinem Landesherrn die Treue bewährte, die in guten und bösen Tagen Preußens König und Voll untrennbar verbindet. Zahlreich und schwerwiegend sind die Auf­gaben, für deren gedeihliche Lösung ich auf Ihre einsichtsvolle Mit­arbeit rechne.

Die Finanzlage des Staates hat sich nach einer kurzen Zeit des Rückganges wieder günstiger gestaltet. Ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung zeigt sich in der Wiederbelebung des Verkehrs bei den Staatsbahnen und in der Hebung der Staats­einnahmen. Die Rechnung des Jahres 1902 hat günstig ab= geschlossen. Im Rechnungsjahr 1903 wird voraussichtlich der zur Verfügung gestente Staatskredit von 70 Millionen nicht in Anspruch genommen werden. Es wird sich vielmehr noch ein Ueberschuß ergeben. Auch im Entwurf des Staatshaushalts- Etats für 1904 war es möglich, das Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und Ausgaben herzustellen. Ohne außerordentliche Wittel zu Hilfe zu nehmen, ist den wachsenden Anforderungen einer fortschreitenden Kulturentwicklung Rechnung getragen worden. Für die Ausgestaltung der Anlagen und die Vermehruna der Betriebsmittel der Staats­eisenbahnen find reichliche Beträge vorgesehen. Der geringst besoldeten Klasse ihrer Angestell en, den Bahnwärtern, ist eine Gehaltsaufbesserung zugedacht. Zur Erweiterung des Vahnneyes und zur Unterstützung von Kleinbahnunternehmungen, die der wirtschaft ichen Förderung des Landes dienen werden wieder erhebliche Mittel von Ihnen erbeten werden. Ebenso wird der bereits in den Vorjahren beschrittene Weg ciner Verbesse= rung der Wohnungsverhältnisse der in Staats­betrieben beschäftigten Arbeiter und der gering bejoldeten Beamten in einer neuen Ge eyesvorlage weiter verfolgt.

Zu meiner lebhaften Befriedigung hat die vorjährige große Ausstellung der deutschen Landwirtsgesellschaft meine leberzeugung gefestigt, daß die landwirtschaftliche Bevölkeruna aller