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H.RIFFARTH

Seifenblasen

1904.

Wöchentliche Beilage für die Abonnenten der Gießener Neuesten Nachrichten".

dichterschmerz.

Ihr Dichter, die ihr schmerzverzagt So manches hübsche Wort erfunden. Das uns von Eurem Leide sagt: Ein Leid, das man in Versen flagt, Das ist gewiß bald überwunden.

Kurz.

Herr: Mein Fräulein!" Junge Dame: Ja?"

Herr: Sie wissen, was ich Ihnen sagen möchte?"

Junge Dame: Ja." Herr: Nun?"

Junge Dame: Nein!"

Der Landstreicher.

( Nachdruck verboten.)

-

,, Was sind Sie?"" Jce? Jarnischt!"- ,, Gar nichts? Aber, was tun Sie denn den Tag über?" Da schlafe ick." So. Und des Nachts?" Da rube ick mir aus!"

Dereitelte Hoffnung.

Herr Hauptmann Schneidewind liebte es, stramme Felddienstübungen zu machen, und sie ganz feldgemäß zu gestalten. Eines Tages hatte die Kompanie einen Hügel erstürmt, wobei einzelne Leute die Toten und Verwundeten mar­fierten. Auf der Höhe angekommen, steigt auch der Hauptmann vom Pferde und ruft: Herr Leutnant Schlaumann! Ich bin erschossen!" Der Leutnant, welcher nun das Gefecht selbständig fortzuführen hat, verlangt das Pferd des Herrn Hauptmanns, das ihm auch bereitwilligst zugeführt wird. Als er aber gerade den Fuß im Bügel hat und sich aufschwingen will, ruft der Haupt­mann: Herr Leutnant, mein Pferd wird eben auch erschossen!"

Cuxhaven abgegangene Transport umfaßt 4 Offiziere, 1 Stabsarzt, 7 Unteroffiziere und 219 Mann,

Jungfernreden.

( Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.)

47A

Noch keine Parlamentsperiode war in ihrem Anfang so reich an Jungfernreden, wie die gegenwärtige. Den Reigen eröffnete der elsässische Demokrat Blumenthal mit einer rich­figen Programmrede und der letzte in der Abteilung der Neu­linge war bisher der Abgeordnete von Gerlach, der in der Freitagssigung zu dem Zeugniszwangsverfahren gegen Re­dakteure Stellung nahm. Das Auftreten eines Novizen macht sich stets schon in der äußeren Szenerie des Reichs­tags bemerkbar. Die altgedienten Soldaten des Parla­ments friechen dann, wie der Kunstausdruck lautet, aus ihren Höhlen, d. h. aus dem Restaurationsraum, den Schlafkabinen, den Wandelgängen, den Schreibstuben oder Fraktions­zimmern heraus und nehmen direkt unter der Rednertribüne Blaz, um genauer zu hören. Meist entscheidet sich das Schick­sal der Abgeordneten, bezw. die Frage ihres Ansehens be­reits bei ihrem ersten Auftreten. So hat sich z. B. der Sozialdemokrat Sabor seiner Zeit niemals davon erholen können, daß er in seiner Jungfernrede unfreiwillig die Rolle des lustigen Rates gespielt hatte. Einer seiner Aussprüche: Es geht etwas vor, nur weiß man nicht was," ist geradezu ein geflügeltes Wort geworden und sein Entrüstungsruf: Meine Herren, Sie lachen. Das läßt tief blicken!" vurde sogar der Name für eine Kleidermode: Die Damen­taillen mit tiefem Ausschnitt wurden à la Sabor genannt. Ebenso hat sich der Abgeordnete von Frege, obgleich er durch den Einfluß seiner Partei zum Vizepräsidentenposten gelangt war, durch seine erste Rede in diesem Amt als Parlamentarier unmöglich gemacht. Das charakteristische Gesicht Freges mit dem stark ausgezogenen Schnurrbart, seine haſtigen Bewe­gungen, wenn er einen falschen Zungenschlag gehabt hatte, gaben ihm auf dem Präsidiumsthron ein so groteskes Aus­sehen, daß auf der Preßtribüne meist schon ein schallendes Gelächter angestimmt wurde, wenn er zur Wahrung der Geschäftsordnung überhaupt etwas sprach.

Wandlung nach jener aft die un­Herzen ent­n brauchte,

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Schwingungen macht. blattes in eine Behntel- Sekunde, blätter, die je 100 Teilstriche aufweisen. Zehntel- Sekunde; der Zeiger des kleineren( oberen) 3iffer­in zehn Sefunden, jeder Teilstrich entspricht demnach eine größeren( unteren) Zifferblattes vollendet seinen Umlauf Das Chronostop hat zwei 3iffer­jeder Teilstrich bedeutet Der Zeiger des

die in der Sekunde genau 1000

Den diesmaligen Neulingen des Parlaments kann man hinsichtlich ihrer rednerischen Leistungen eine gute Zensur erteilen. Man merkt einigen die oratorische Wirksamkeit in Volksversammlungen sehr deutlich an, vielleicht etwas zu deutlich sogar. So hat insbesondere der Abgeordnete Böck­ler im Verlauf seiner Rede das hohe Haus mit verehrte Anwesende" angeredet, was den Mitgliedern des Hauses ein Schmunzeln und den Preßmenschen hier oben eine

IDUrven.

BI GIpupanny

Kardinalen eingejеzi nächster Woche erfolgen. Der Erzbischof hat von Rom aus die Leitung des Olmüßer Dominikanerordens aufgefordert, den Pater Stonad, den Beichtvater des Verfassers der Kohn angreifenden Reftusartikel, in eine andere Stadt zu ver­sezen. Die Ordensleitung hat das indessen abgelehnt, und in einer Form, die für den Erzbischof keineswegs schmeichelhaft ist. In Amüz wie in ganz Desterreich sieht man dem Aus­gang der Affaire mit begreiflicher Spannung entgegen.

Italien.

zu

Eine große Komödie haben in Rom die beiden Freiheitshelden" Boris Sarafow und Ricciotti Garibaldi aufgeführt. Es wird darüber aus Rom berichtet: Zunächst umarmten und füßten sich die beiden Heroen lange und innig. Dann feierten" sie gegenseitig ihre Verdienste und begannen alsdann über ihr gemeinsames Balkan- Programm" ,, konferieren", wobei sie Oesterreich und Rußland ihre allerhöchste Mißbilligung aussprachen. Nach­dem sie endlich die Grundzüge für eine Einigung aller italienischen, froatischen, mazedonischen und griechischen Elemente gegen das Deutschtum und das Russentum festgelegt hatten, nahmen die beiden Volkshelden rührenden Abschied von einander. In einer demnächst stattfindenden Versamm­lung von Anhängern Garibaldis soll darüber beschlossen wer­den, was zu tun ist. Einstweilen soll die Teilnahme italie­nischer Freischärler an der mazedonischen Erhebung ausge­schlossen sein. Im anderen Falle fönnten die Garibaldinner sich auch gratulieren; Rußland und Desterreich würden ihnen wohl gehörig auf die Finger klopfen, wenn sie sich in die Sache einmischen wollten.

frankreich.

Ein Ultimatum an den Papst ist das neueste Ereignis in dem Kampfe zwischen der römischen Sturie und dem Kabi­nett Combes. Drei französische Bischofssite sind zur Zeit frei, und die französische Regierung präsentierte dem Vatikan ihre Kandidaten für diese Bistümer- Vannes, Nevers und Ajaccio. Der Papst verweigerte seine Zustimmung zu der Ernennung dieser Bistumskandidaten und erklärte, diese Kandidaten seien Priester, die er von rechtswegen ihres Amtes entkleiden müßte. Daraufhin hat die Pariser Re­gierung dem Papste durch den eben in Rom eingetroffenen Erzbischof von Rouen ein Ultimatum behändigen lassen, in dem es hieß: Entweder die Kandidaten werden unverzüg­lich vom Papst angenommen, oder die französische Regie­rung stellt dem päpstlichen Nuntius seine Pässe zu und ber­öffentlicht auch ohne die Zustimmung des Papstes die Er­nennung der Bischöfe. Angesichts einer so peremptorischen

13. Ja rgang.

ionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Ober ie Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfa. fonft 15 fg. Reklamen die Betitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

on und Expedition: Gießen, Seltersweg 83 Fernsprechanschluß Nr. 362.

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kener Beifung)

Gießen und Umgebung. Behörden von Oberhessen.

hat Bayst Pius jetzt nachgegeben und seine Zu­zu der Ernennung erteilt. Afien.

) ts neues in Ostasien! Das bleibt auch heute aller Nachrichten, die fast ausschließlich in Stim­he beſtehen. Ueberwiegend sprechen sich alle Mel­s Tokio und Petersburg, soweit sie nicht über ommen, für die Wahrscheinlichkeit einer digung aus. Man glaubt in den Kreisen der alen Diplomatie, die friedlichen Erklärungen des diplomatischen Korps in Petersburg seien die einer freundschaftlichen Beilegung der Krisis. In olitischen Kreisen glaubt man, daß Rußland be­wesentlichen Fragen nachzugeben, sobald eine je Form gefunden ist, welche ihm das erlaubt, 3 den Schein erweckt, als weiche es dem Zwange. für die Sache des Friedens hat Japans gleich­icher diplomatischer Ton die Möglichkeit einer sol­digung leicht gemacht.

Amerika.

fältig sind die Methoden der Annexionsprayis Neuerdings wird in Amerika auf dem bisher wöhnlichen Wege der Hafenausbagge= ftiert. Nach einer Meldung aus Washington hat usschuß, der zur Zeit den Panamakanalvertrag Abänderungsantrag angenommen, demzufolge gten Staaten das Recht zugestanden werden soll, on Panama und Colon auszubaggern bessern. Dafür soll die Union berechtigt sein, le über diese Häfen auszuüben. Kontrolle aus­in diesem Falle nicht mehr und nicht weniger, olle Verfügung über den Hafen haben. Die verstehen sich auf ihr Geschäft, das muß man

mg des preussischen Landtages. ünf Jahre nach dem Beginn der vorigen Legis­ist der preußische Landtag zu neuer Parla­zusammengetreten. Wie immer, ging dem Be­izungen die feierliche Landtagseröffnung im Schlosse voraus. Gegen 11 Uhr versammelten va 400 Mitglieder der beiden Kammern im Weißen des Schlosses. Unter den üblichen Formalitäten vollzog sich die feierliche Handlung: die Minister nahmen links, die hohen Militärs rechts vom Throne Aufstellung, vor dem Throne gruppierten sich die Abgeordneten. Der König, der von dem Kronprinzen und dem Prinzen Eitel Friedrich begleitet war und die Uniform der Gardes du Corps mit dem Adlerhelm trug, nahm vor dem Throne Aufstellung. In diesem Augenblick brachte der Vizepräsi­dent des Herrenhauses, Freiherr v. Manteuffel, das Hoch auf den König aus. Graf Bülow überreichte dem Herr­scher unter tiefer Verbeugung die

Thronrede,

die der König mit klarer, deutlicher Stimme berlas. Sie hat folgenden Wortlaut:

Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtags! Indem ich Sie am Beginn eines neuen Abschnitts der parlamentarischen Arbeiten begrüße, ist es meinem Herzen Bedürfnis, zunächst meinem tiefempfundenen Dank Ausdruck zu verleihen: dem Dank gegen die göttliche Vorsehung, die mir eine schnelle Genesung schenkte, und dem Dant gegen mein Volk, das in allen seiner Schichten voll inniger Teilnahme seinem Landesherrn die Treue bewährte, die in guten und bösen Tagen Preußens König und Voll untrennbar verbindet. Zahlreich und schwerwiegend sind die Auf­gaben, für deren gedeihliche Lösung ich auf Ihre einſichtsvolle Mit­arbeit rechne.

Die Finanzlage des Staates hat sich nach einer kurzen Zeit des Rückganges wieder günstiger gestaltet. Ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung zeigt sich in der Wiederbelebung des Verkehrs bei den Staatsbahnen und in der Hebung der Staats­einnahmen. Die Rechnung des Jahres 1902 bat günstig ab­geschlossen. Im Rechnungsjahr 1903 wird voraussichtlich der zur Verfügung gestellte Staatskredit von 70 Millionen nicht in Anspruch genommen werden. Es wird sich vielmehr noch ein Ueberschuß ergeben. Auch im Entwurf des Staatshaushalts- Etats für 1904 war es möglich, das Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und Ausgaben herzustellen. Ohne außerordentliche Wittel zu Hilfe zu nehmen, ist den wachsenden Anforderungen einer fortschreitenden Kulturentwicklung Rechnung getragen worden. Für die Ausgestaltung der Anlagen und die Vermehrung der Betriebsmittel der Staats­eisenbahnen find reichliche Beträge vorgesehen. Der geringst besoldeten Klasse ihrer Angestell en, den Bahnwärtern, ist eine Gehaltsaufbesserung zugedacht. Zur Erweiterung des Vahmeges und zur Unterstützung von Kleinbahnunternehmungen, die der wirtschaft ichen Förderung des Landes dienen werden wieder erhebliche Mitel von Ihnen erbeten werden. Ebenso wird der bereits in den Vorjahren beschrittene Weg einer Verbesse= rung der Wohnungsverhältnisse der in Staats­betrieben beschäftigten Arbeiter und der gering bejoldeten Beamten in einer neuen Gesetzesvorlage weiter verfolgt.

Zu meiner lebhaften Befriedigung hat die vorjährige große Ausstellung der deutschen Landwirtsgesellschaft meine Ueberzeugung gefestigt, daß die landwirtschaftliche Bevölkerung aller