Lokales.
** Der Finanzausschuß der 2. Kammer beendete in seiner vorgestrigen Sitzung die vorläufige Beratung des Hauptvoranschlag für das nächste Finanzjahr. Finanzminister Gnauth gab bekannt, daß der Etat des laufenden Jahres wesentlich günstiger abschließe als ursprünglich angenommen wurde.
Stadttheater Gießen. Es sei auf die morgigen Sonntagsvorstellungen ausdrücklich hingewiesen. Nachmittag 3 Uhr als Fremdenvorstellung: Zapfenstreich, abends 8 Uhr: Kyritz- Pyriz. Voraussichtlich dürfen beide Vorstellungen große Anziehungskraft ausüben, die Musik zur Posse wird von der Kapelle des hiesigen Infanterieregimentes gestellt unter persönlicher Leitung des Herrn Musikdirektor Krause.
Die
** Maschinenbauer Gesangbereiu. für nächsten Montag abend im Neuen Saalbau( Steins Garten) anberaumte Sigung des Ausschusses ist wegen des gleichzeitig stattfindenden Wohltätigkeits- Ronzerts nach dem unteren großen Saal des Café Ebel verlegt.
** Infolge des Tauwetters und des heftigen Regens ist die Lahn über die Ufer getreten und überschwemmte das Lahntal zwischen Wismar, Heuchelheim, Gießen, Klein- Linden, Dudenhofen, Azbach, Dorlar und Nieder- Girmes bis Wetzlar. Auch das Wiesecktal bildet zwischen Gießen und Wieseck einen See. Scharen von Raben stellen den vor den Fluten flüchtenden Mäusen usw. eifrig nach.
** Ein Kongreß für experimentelle Psychologie wird in Gießen vom 18.- 20. April d. Is. stattfinden. Die persönlichen Einladungen dazu sind von den Herren Ebbinghaus- Breslau, S. Erner- Wien, Groos- Gießen, Hering- Leipzig, v. Kries- Freiburg i. Br., Külpe- Würzburg, Neumann- Zürich, E. Müller- Göttingen, Schumann- Berlin, Stebeck- Gießen, Sommer- Gießen, Stumpf- Berlin, ZiehenHalle a. S. ansgegangen. Eine größere Anzahl Vorträge und Demonstrationen find dazu angemeldet, ferner wurde für die damit beabsichtigte Ausstellung von Apparaten usw. schon eine Reihe Objekte angemeldet.
** Vortrag im Oberhessischen Geschichtsverein. Am Donnerstag Abend sprach in einer Versammlung des Oberhessischen Geschichte vereins in d r großen Aula des Kollegienhauses Professor Dr. K. Schumacher aus Mainz, der Direktor des deutschen romanisch germanischen Museums daselbst über Chatten und andere Germanen zur Römerzeit, dabei durch Lichtbilder die Typen der Bewohner des Chattenlandes zur Zeit der Römerherrschaft vorführend. Professor Schumacher erklärte in seinem Vortrage, daß die in den letzten Jahren auf dem Trieb bei Gießen vorgenommenen Ausgrabungen des oberhessischen Geschichtsvereins speziell für die archiälogische Forschung in Deutschland so wichtige und schäzenswerte Ausbeute ergeben haben, wie dieselben in gleicher Wichtigkeit in den letzten Jahrzehnten nirgends wo anders in Deutschland zu Tage getreten sei. Das gewaltige Gräberfeld an der Rödgenerstraße und die dort gemachten Funde erbringen den Beweis, daß im letzten Jahrhundert vor Christi und im ersten Jahrhundert nach dieser Zeit dort in der Nähe, kaum 2 Wegstunden von der Limeslinie entfernt, vielleicht am Abhang nach dem Ufer der Wieseck zu, eine blühende germanische Niederlassung, ein großes Chattendorf sich befunden hat. In Verbindung mit der auf dem Trieb gemachten Funden sowie denen in der Lindener- Mark, bei Bad- Nauheim, bei Nauenheim i. Kr. Wezzlar 2c. läßt sich erklären, warum die römische Grenzbefestig ung in hiesiger Gegend so viele Zwischenräume aufweist. Durch die Tatsache des Vorhandenseins so vieler Chattendörfer in der Nähe des Limes und durch das Vorhandensein eben dieser Zwischenräume, durch welche selbst Straßen bis in das Chattenland hineinführten, wird die bisher gehegte Annahme zur Gewißheit, daß zwischen den Bewohnern des römischen Terretoriums und den Chatten in jener Zeit ein lebhafter friedlicher Verkehr stattgefunden hat. Die gemachten Funde bilden den Beweis, daß die Kultur der Germanen durch den Verkehr mit den Römern beeinflußt, sich im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung merklich gehoben hatte. Weiter aber sei durch die Funde dargetan, daß nach dieser Zeit eine Kultur auf diesem Boden später aufhörte, es fehle aus Siedelungen. Man müsse daher die Frage aufwerfen wo denn die großen Chattendörfer an der Wieseck und in der Nähe der Lahn hingekommen seien. Wir wissen, so führte Dr. Schumacher aus, daß die Legionen der Römer bei ihrem weiteren Vordringen in Germanien durch das Land der Chatten zogen. Man hat fürzlich an der Sieg, bei Paiger eine rebelung, aufgebedt und dabei Funde gemacht, welche denen vom Trieb gleichen und jeden Zweifel aus schließen, daß man es dort an den unwirtlichen Hängen des Westerwaldes mit einer Niederlassung von Chatten zu tun hat.- Es muß der weiteren Forschung vorbehalten bleiben, festzustellen, ob die Stedelung an der Steg wie anzunehmen ist, die späteren Wohnsize jener Chatten bildet, welche wohl ihre Dörfer in der Nähe des Limes verlassen haben, als ihre Beziehungen zu den Römern nicht mehr friedlich, sondern wie wir wissen, feindliche geworden waren. Es wäre, so schloß der Vortragende seine hoch intressanten Ausführungen möglich, daß festgestellt werden fönnte, daß jene Garmanen vom Trieb später ihre Wanderung nach der Sieg gerichtet hätt.n und daß wir bei Haiger deren neue Wohnsige ge
der nächsten Epoche an jede Spur dieser vorher dageweſenen
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funden hätten. Um auf die Frage, die nach der Antwort heischt, näher eingehen zu können, bedarf es für die Forschung der eingehenden Mitarbeit der lofalen Geschichtsvereine und er wolle anerkennen, daß sich der oberhessische Geschichtsverein, der über ein Museum verfügt, welches sich mit ſeinen Funden aus der Lalênezeit weit über den Rahmen eines Provinzial- Museums erhebe, einen Ruhmestitel auf dem Gebiete der Altertumsforschung erworben hat.
= Hirzenhain, 15. Jan. Das Buderus'sche Eisenwert erfährt eine Vergrößerung, indem eine Fabrit für Kochgeschirr, Badewannen u. s. r. in Betrieb kommt.
Marburg, 15. Jan. Gestern verstarb hier im Alter von 80 Jahren der Justizrat Karl Uckermann, einer der ältesten Hessichen Rechtsanwälte.
+ Erbach i. D., 14. Jan. Am verflossenen Sonntag wurde im Walde bei Krähenberg die Leiche eines italienischen Arbeiters gefunden, der anscheinend von einem Abhang herab in eine Schlucht gefallen war. Der Verunglückte hat sich bei dem Sturze einen Beinbruch zugezogen und das Bein mit einem Schuhband verbunden. Da jedoch keine Hilfe in der Nähe war und seine Hilferufe nicht gehört wurden, mußte der Bedauernswerte erfrieren.
Groß- Zimmer, 11. Jan. Heute morgen erhängte sich ein 88jähriger Greis, welcher das Amt eines Flur schüßen bekleidete. Mainz, 15. Jan. Durch die Explosion einer Betroleumfanne erlitten gestern abend der Meßger Würthwein und dessen 9jährige Tochter arge Brandwunden.
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Stadttheater Gießen.
Die wilde Jagd.
Lustspiel in 4 Akten von Ludwig Fulda. Schon dämmert's draußen der geschäftige Tag weicht müde der stillen Nacht, aber noch immer rasselt das Telephon, unaufhörlich, als wollte es in dem abgespannten, gehezten Menschen die Müdigkeit, die Sehnsucht nach Ruhe vertreiben noch immer Arbeit, Aufregung, Sorge und Merger-endlich! Und zu Hause! Eine nervöse Gattin, die angsterfüllt nach der Uhr sieht, ob die Gäste noch nicht kommen, die Gäste zum Hausball- bald werden sie da sein und noch Nichts ist fertig, gar nichts, der Gatte ist nicht fertig angekleidet, das Töchterchen fann sich vom Spiegel nicht trennen, die Dienerschaft ist topflos, alles in Aufregung- endlich die ersten Gäste und nun fann sich der vom Tagewerk erschlaffte Geist„ erholen", bis auch der Lette der Eingeladenen wieder draußen ist und der schmerzende Kopf endlich Rahe findet. Das ist die wilde Jagd" und der Kurierzug. Ein anderes Bild! Die gedämpften Strahlen der Lampe fallen wie liebkosend auf die zufriedenen Menschen, die still und beschaulich am bürgerlichen Theetisch sizen; ernst und würdig bläst der Vater blaue Rauchwolten in die Luft, zu seinen Füßen schmiegt sich sein Kind, daß andächtig seinen Worten lauscht und leise summt der Theefessel, als wollte auch er seinen Teil dazu beitragen, um dieses Idyll zu verschönern. Das ist das Glück und die Postkutsches So erzählt wenigstens der wie alle bejahrten Aerzte ungenierte Sanitätsrat Dr. Liebenau auf der Abendgesellschaft des Banquir Clusius und bringt zwei durch die wilde Jagd, das„ Kourierfieber", getrennte Menschen so gründlich wieder zusammen, daß sie ein Vierteljahr später rettungslos verheiratet sind. Aber es ist keine Ehe, die die beiden führen
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sie bilden nur eine berühmte Familie sie ist schon die berühmte Frau" und er will der berühmte Mann" werden. Man sieht die Beiden haben vollauf zu tun. Die Gattin befißt aber ein gutes Herz und weil sie ihren Mann nicht zu lange auf dem Wege zur Berühmtheit lassen will, läßt sie ihn, durch einen guten Freund von ihr, nachhelfen, das heißt, sie glaubt ihrem Gatten durch Protektion und Fürsprache eines aneigennüßigen" Verehrers von ihr -pardon, ihrer Kunst, sie ist Malerin die Professur zu verschaffen, die er sich in Wirklichkeit durch sein großes Werk ehrlich verdiente und die er auch erhält. Der neugebackene Professor erfährt aber durch einen Zufall, daß seine Frau die Hand im Spiele gehabt hat, es kommt zu einem großen Auftritt und die berühmte Familie ist futsch - total futsch. Sie geht nach lints- er nach rechts,
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treffen aber alle beide wieder tiefunglücklich bei dem Ehe. stifter Sanitätsrat Liebenau zusammen, der die Beiden mit merkwürdigem Geschick zum zweiten Male verheiratet und das Ehepaar mit Leichtigkeit dazu bringt, daß es, gerade wie sein frisch engagierter Schwiegersohn, auf die- Postkutsche schwört. Das Lustspiel unterscheidet sich von Erzeugnissen der Firma B. u. K. und Anderen sehr vor teilhaft Gespielt wurde recht lobenswert. Fil. Dobi hatte wieder vollauf Gelegenheit ihr schönes Talent zu entfalten, sie spielte die berühmte Malerin mit Anmut und Würde und fand in Herrn Steingo etter einen vollendet n Partner. Herr Tamte gab den Paul Krüger mehr vernünftig wie fomisch, aber dennoch recht wirkungsvoll, Frl. Hellberg war bezaubernd wie immer, Herr Conradi zeigte sich seinen Vater- und Berufspflichten vollkommen gewachsen und nur Herr Bichler hätte vielleicht den aufrichtigen" Freund Baror Troll- Felsenstein etwas schärfer ausarbeiten können. Die übrigen Rollen waren durch Herrn Linzen, Frau Kellermann, Frl. Großmüller, Herrn Gronert und Herrn Haag angemessen besetzt.
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Wetterbericht.
( Wetterdienst zu Gießen: Peppler.) Samstag:
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Starfwindig, zeitweise heiter, etwas fälter. Schneeschauer. Sonntag: Meist ruhig, teine Niederschläge. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.
Aufgebotene.
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Am 9. Jan. Friedr. Volkwein, Schneidermstr. in Am 11. Ludw. Steeden mit Christine Elisab. Weiß dah. Stern, Kaufm. dah. m. Betti Steinberger in Alsfeld. Karl Wilh. Fischbach, Kutscher dah. m. Marie Perschbacher in Wenings. Am 12. Aug. Haas, Lokomotivh. dah. m. Rathar. Margar. Wahl hiers. Joh. Heinr. Ludw. Arnold, Packer dah. m. Margar. Tröller hiers. Gg Zinntann, Fuhrkn. dah. m. Kathar. Zick in Londorf. Am 13. Hetnr. Reiz, Bahnarb. dah. m. Emma Fleischhauer in Lehnheim. Am 14. Heinr. Euler, Zuschneid. dah. m. Wilhelm. Kunz hiers. Eheschließungen.
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Am 9. Jan. Kaspar Baig, Lagerarb. dah. m. Karol. Drommershausen hters. Joft Schneider, Mineralwasserhändler dah. m. Elisab. Eisenhut dah.
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Geborene.
Am 8.
Am 27. Nov. Dem Installat. Karl Belloff eine Tocht., Elisab. Am 3. Jan. Dem Sattler und Tapezierer Heinr. Wölfing eine Tocht., Emma Hedwig Maria. Am 7. Dem Buchbindermftr. Hugo Sann eine Tocht., Marie. Dem Kellner Wilhelm Bastian eine Tocht., Luise Margar. Am 9. Dem Taglöhn. Jak. Rinderknecht ein Sohn, Franz Karl. Dem Fuhrkn. Karl Bornträger eine Tochter, Anna Gertrude. Am 10. Dem Hauptm. und Kompagniechef Panl - Dem Fuhrm. Aug. Nücker ein Sohn, Hermann Hubert. Geißel eine Tocht., Frieda Marie Elisabeth. Am 11. Dem Arbeiter Hrch. Hebell ein Sohn, Karl Reinhard. Heizer Friedr. Schupp ein Sohn. Am 12. Dem Kantinenwirt Hrch. Schmidt ein Sohn. Am 13. Dem Friseur Jak. Dany ein Sohn, Rudolf Hans Otto.
Gestorbene.
Dem
Am 8. Jan. Erich Wilh. Bepler, 6 Monate alt, Sohn des Meßgermstrs. Konrad Bepler dah. Am 10. Elisab. Vogt, geb. Noll, 76 Jahre alt, Witwe des Kupferschmieds Hrch. Karl Vogt dah. Am 12. Rudolf Karl Bohn, 27 J. alt, Kaufm. dah. Am 14. Christine Killer, geb. Pirr, 62 Jahre alt, Milchhändlerin, Wieseck. Am 15. Friedr. Wilh. Stooß, 82 Jahre alt, Fleischbeschauer dah.
Marktberichte.
Gießen, 16. Januar. Auf dem heutigen Wochenmarkt tosteten Butter per Pfd. 080-0.90 wt., Hühnereler 2 Stüd 16-20 Pfg., Enteneter St. 8 Pfg., Käse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar . 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mr. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd 0.80-1.70, Enten per Stid 1.70-2.20, Gänse per Pid. 65-72 Pfg., Ochsenfleisch per Pfb. 68-78 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 62-66 Bfg. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 iq. Sdmeinefleisch gesalzen per Pfund 0.80 Vig., Kalbfleisch per Pfd. 70-76 Bfg., Hammelfleisch per Pfd. 56-74 Pfg., Kartoffeln pro 100 Kilo 5.50 6.00 mt., Zwiebeln per 3t. m. 4.50-5.00, Aepfel per Centner 16-20 Mt. Milch per Liter 18 Vfa. Dauer der Marktzeit
von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhanp nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Umherziehen feilgeboten werden.
Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Bokale, den„ Gerichts-" und Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann
Das Gute bricht sich immer Bahn, langsam, wenn man es durch sich allein wirken läßt, schneller, wenn man schlicht und sachlich darauf hinweist. Daher ist es eigentlich die Pflicht eines jeden Menschenfreundes, das Gute, das er einmal als solches erkannt und erprobt hat, auch anderen nach Kräften mitzuteilen. Gp ipllte zum Beiſpiel jeber, der ben Wert und die Güte von Kathreiners Malzkaffee an sich und den Seinen erfahren, seine Freunde und Bekannte auf dieses gesunde, wohl= schmeckende Getränk aufmerksam machen. Er verhilft damit denen, die seinen Rat befolgen, zu zwei wertwollen Gütern – Gesundheit und Zufriedenheit. Am Brunnen vor dem Tore-
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